Andreas Gruber

Andreas Gruber ist öster-reichischer Filmemacher, Autor und war 18 Jahre als Nachfolger von Wolfgang Längsfeld geschäftsführender Professor der Abteilung Kino- und Fernsehfilm der HFF München. Als Mentor hat er in dieser Zeit vielen Studierenden den Weg zu einer erfolgreichen Karriere bereitet. Das Buch ist ein Abschiedsgeschenk für ihn. Von der HFF-Präsidentin Bettina Reitz stammt ein Vorwort, von dem Produzenten Georg Feil ein Grußwort und von der Herausgeberin Eva-Kristin Winter eine Einleitung. Eine Filmografie dokumentiert die bisher 46 Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilme von Andreas Gruber. Sieben Aufsätze und ein Interview geben Aufschluss über sein künstlerisches Denken und seine konsequente Haltung. Elf Absolventinnen und Absolventen der HFF erinnern sich an wichtige Begegnungen mit ihrem Mentor: Benjamin Heisenberg, Tomasz Rudzik, Christian Bach, Pia Strietmann, Michaela Kezele, Sebastian Stern, Falco Jagau, Michael Krummacher, Mirjam Orthen, Alex Schaad und Yao Zhongzixia. Der österreichische Kulturwissenschaftler Wolfgang Müller-Funk und die HFF-Professorin Michaela Krützen sind für ein Nachwort und ein Schlusswort zuständig. Eine klassische Festschrift, auf die der Gefeierte stolz sein kann. Mehr zum Buch: Andreas+Gruber+&ISBN=9783967074628#.YnkkPC-21Hc

Ungenierte Unterhaltung

Frieda Grafe war eine heraus-ragende Filmkritikerin, Essayistin und Übersetzerin. Sie starb vor zwanzig Jahren. Ein 88-Seiten-Buch erinnert an sie und ihren Text über Grandhotels in der Unterhaltungsindustrie, der 1990 entstand und kaum bekannt ist. Im Österreichischen Filmmuseum wurden dazu ausgewählte Filme gezeigt. Vier Texte begeben sich auf eine Spurensuche nach der Person Frieda Grafe, sie stammen von Verena Lueken, Rike Felka, Eric de Kuyper und Katja Wiederspahn. Grandhotels im Film und Grafes Text stehen im Blickpunkt der Beiträge von Annett Busch, Elisabeth Bronfen, Ute Holl, Friederike Horstmann, Sissi Tax, Eva Meyer, Volker Pantenburg und Heide Schlüpmann. „Die saubere Architektur in Gefahr“ heißt Grafes Text, der mit einem filmhistorischen Hotelführer verbunden ist. Zu den kommentierten Filmen gehören DER LETZTE MANN von Murnau, MONTE CARLO von Ernst Lubitsch, EASY LIVING von Mitchell Leisen, QUADRILLE von Sacha Guitry, DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE von Fritz Lang, L’ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD von Alain Resnais, INDIA SONG von Marguerite Duras und DÉTECTIVE von Jean-Luc Godard. Bei der Lektüre wird man sich wieder bewusst, wie einzigartig Frieda Grafes Denk- und Schreibweise war. Den drei Herausgeberinnen Karola Gramann, Ute Holl und Heide Schlüpmann sei gedankt für diese Publikation. Mehr zum Buch: id=1466089237635&shop_produkte_id=1651801818756

Romy Schneider

Heute vor vierzig Jahren starb in Paris die Schauspielerin Romy Schneider. Ich fühle mich mit ihr eng verbunden, weil wir beide am 23. September 1938 auf die Welt kamen. Ihren ersten Film, WENN DER WEISSE FLIEDER WIEDER BLÜHT, habe ich als 15-jähriger gesehen. Schon damals hatte ich eine Kinosucht. Natürlich haben mir ihre frühen Filme wie MÄDCHENJAHRE EINER KÖNIGIN, die drei SISSI-Filme, ROBINSON SOLL NICHT STERBEN, MONPTI und DIE SCHÖNE LÜGNERIN gut gefallen. Es gibt ein Pressefoto, auf dem ich ihr bei einem Essen in München nach der Vorführung der HALBZARTEN gegenübersitze. Mein Hinweis auf unseren gemeinsamen Geburtstag hat sie leider nicht sehr interessiert. Ihre Auswanderung nach Frankreich vollzog sich parallel zu meinem anspruchsvoller werdenden Filmgeschmack. So bin ich ihr treu geblieben und habe fast alle Filme mit ihr gesehen, vor allem die des Regisseurs Claude Sautet haben mich beeindruckt. Ihr Tod im Alter von nur 43 Jahren hat mich traurig gestimmt. Ein Buch mit Zeichnungen des österreichischen Cartoonisten Nicolas Mahler erinnert an alle 58 Filme, in denen Romy Schneider mitgewirkt hat. Auf jeweils zwei Seiten werden die Filme durch Karikaturen, kurze Inhaltsangaben, Zitate, Nerd-Wissen und Dialog-Sätze in Erinnerung gerufen. Eine schöne Hommage. Mehr zum Buch: Romy-Schneider/Nicolas-Mahler/btb/e600527.rhd

Filmwelten Franz Fühmanns

Franz Fühmann (1922-1984) war ein sehr kreativer Schriftsteller in der DDR. Als Autor hat er Gedichte, Essays, Erzählungen und Romane verfasst. Kinder und Jugend-liche gehörten für ihn zu einer wichtigen Zielgruppe. Die DEFA-Filme BETROGEN BIS ZUM JÜNGSTEN TAG (1957), DER VERLORENE ENGEL (1966) und DER FALL Ö. (1991) entstanden nach Novellen von Fühmann. Das von Paul Alfred Kleinert herausgegebene Buch dokumentiert vor allem Projekte, die nicht realisiert werden konnten. Hans Richter und Brigitte Krüger informieren in zwei Texten über Fühmanns „Simplicissimus“-Projekt (1963-84). Rudolf Jürschik wird dazu in einem Interview befragt. Peter Göhler und Paul Alfred Kleinert befassen sich mit dem Filmszenarium „Der Nibelunge Not“ (1971-84). Tomomi Kleinert beschreibt Fühmanns Filmprojekt „Kasimir und die Prinzessin“ oder „Vom Moritz, der kein Schmutzkind sein wollte“ (1957-59, 1972). Paul Alfred Kleinert informiert über Führmann Entwurf für einen Film zu Walther von der Vogelweide (1969), Jörg Petzel über ein Projekt zu Leben und Werk von E. T. A. Hoffmann. Christian Ernst vergleicht in seinem Beitrag die filmische Umsetzung von Führmanns Erzählung „König Ödipus“ (1966) in dem Film DER FALL Ö. von Rainer Simon. Interessante Blicke in die Literatur- und Filmwelt der DDR. Mit Abbildungen und Faksimiles. Mehr zum Buch: Filmwelten-Franz-Fuehmanns::7819.html

Lexicon of Global Melodrama

91 internationale Melodramen aus der Zeit zwischen 1909 und 2020 werden in diesem Lexikon besprochen. Jedem Film sind im Schnitt vier Seiten gewidmet. 83 Autorinnen und Autoren haben mitgearbeitet. Tom Gunning eröffnet den Band mit einem Text über A DRUNKARD’S REFORMATION (1909) von D. W. Griffith. Ich nenne jetzt 30 Texte, die mir besonders gut gefallen haben: Kay Kirchmann über BLIND HUSBANDS von Erich von Stroheim, Stefanie Diekmann über APPLAUSE von Rouben Mamoulian, Sophie Johanna Schweiger über DIE BÜCHSE DER PANDORA von G. W. Pabst, Lars Nowak über DER BLAUE ENGEL von Josef von Sternberg, Jan-Niklas Jäger über MODERN TIMES von Charles Chaplin, Alexandra Ludewig über HEIMAT von Carl Froelich, Heike Paul über GONE WITH THE WIND von Victor Fleming, Kay Kirchmann über CASABLANCA von Michael Curtiz, Chiara Tognolotti über LES ENFANTS DU PARADIS von Marcel Carné, Alexander Knoth über TOKYO MONOGATARI von Yasujiro Ozu, Elisabeth Bronfen über ALL THAT HEAVEN ALLOWS von Douglas Sirk, Axelle Germanaz über HIROSHIMA MON AMOUR von Alain Resnais, Karin Esders über IMITATION OF LIFE von Douglas Sirk, Ivo Ritzer über DARK OF THE SUN von Jack Cardiff, Florian Mundhenke über AN UNMARRIED WOMAN von Paul Mazursky, Werner C. Barg über DIE EHE DER MARIA BRAUN von Rainer Werner Fassbinder, Stefanie Diekmann über BILDNIS EINER TRINKERIN von Ulrike Ottinger, Katharina Sykora über DORIAN GRAY IM SPIEGEL DER BOULEVARDPRESSE von Ulrike Ottinger, Lorenz Engell über WHERE IS MY FRIEND’S HOUSE? von Abbas Kiarostami, Thomas Preston über COMING OUT von Heiner Carow, Michael Höckelmann über FAREWELL MY CONCUBINE von Chen Kaige, Heike Paul über THE PIANO von Jane Campion und THE BRIDGES OF MADISON COUNTY von Clint Eastwood, Sarah Marak über ERIN BROCKOVICH von Steven Soderbergh, Norbert M. Schmitz über IN THE MOOD FOR LOVE von Wong Kar-wai, Katharina Gerund über BROKEBACK MOUNTAIN von Ang Lee, Claudia Breger über THE CUT von Fatih Akin, Pedram Partovi über THE SALESMAN von Asghar Farhadi, Mirja Lecke über COLD WAR von Pawel Pawlikowski, Carolin Lano über JOKER von Todd Philipps. Alle Texte in englischer Sprache. Ein beeindruckendes Lexikon. Mehr zum Buch: lexicon-of-global-melodrama/?number=978-3-8376-5973-3

Claude Sautet

13 Filme hat Claude Sautet zwischen 1960 und 1995 gedreht, beginnend mit DER PANTHER WIRD GEHETZT. In seinen wichtigsten vier Filmen spielte Romy Schneider die Hauptrolle: DIE DINGE DES LEBENS (1971), DAS MÄDCHEN UND DER KOMMISSAR (1971), CÉSAR UND ROSALIE (1972), EINE EINFACHE GESCHICHTE (1978). Sehr sehenswert waren auch EINIGE TAGE MIT MIR (1988) und EIN HERZ IM WINTER (1992). Sautet starb vor 22 Jahren in Paris. Der Autor und Kritiker Michel Boujut hat mit Sautet mehrere ausführliche Gespräche geführt über die Entstehungsgeschichte der Filme, die Zusammenarbeit mit den Schauspielerinnen und Schauspielern, zu denen Lino Ventura, Jean-Paul Belmondo, Michel Piccoli, Yves Montand, Gérard Depardieu, Daniel Auteuil, Sandrine Bonnaire, Serge Reggiani und Emmanuelle Béart gehörten, und über die Produktionsbedingungen. Das Buch mit den Gesprächen ist jetzt in deutscher Übersetzung im Alexander Verlag erschienen. Mit einem Vorwort von Thierry Frémaux und Erinnerungen von Daniel Auteuil. Zu den Texten und Dokumenten im Anhang gehören Beiträge von Jean-Pierre Melville, François Truffaut, Michel Piccoli, Claude Néron, Jean-Loup Dabadie, Pascal Jardin, Philippe Sarde und sieben Texte von Claude Sautet. Ein herausragendes Buch über „einen Giganten des europäischen Films“ (Dominik Graf). Mehr zum Buch: claude-sautet-regisseur-der-zwischentoene.html

Queer Cinema Now

sissy wurde 2009 als Vierteljahreszeitschrift gegründet und ist seit 2016 unter dem Titel sissymag.de eine Website, auf der nicht-heteronormative Filme und Bücher besprochen werden. Bei Salzgeber ist jetzt ein umfangreiches Buch mit Texten aus zwölf Jahren sissy erschienen. Mehr als 200 Filme werden dort ausführlich besprochen. Man findet sehr lesenswerte Kritiken zum Beispiel über die Filme A SINGLE MAN von Tom Ford, NEW YORK MEMORIES von Rosa von Praunheim, DREI von Tom Tykwer, LAURENCE ANYWAYS von Xavier Dolan, DIE HAUT, IN DER ICH WOHNE von Pedro Almodóvar, LIBERACE von Steven Soderbergh, ICH FÜHL MICH DISCO von Axel Ranisch, BLAU IST EINE WARME FARBE von Abdellatif Kechiche, VON MÄDCHEN UND PFERDEN von Monika Treut, STONEWALL von Roland Emmerich, CAROL von Todd Haynes, CERTAIN WOMEN von Kelly Reichardt, MOONLIGHT von Barry Jenkins, CALL ME BY YOUR NAME von Luca Guadagnino, BOHEMIAN RHAPSODY von Bryan Singer, SYNONYMES von Nadav Lapid, PORTRÄT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN von Céline Sciamma. Zu den Texten gehören Abbildungen in sehr guter Qualität. Unter den 59 Autorinnen und Autoren findet man Jörg Buttgereit, Matthias Dell, Fritz Göttler, Ulrich Kriest, Claudia Lenssen, Bert Rebhandl, Barbara Schweizerhof, Philipp Stadelmaier und Sascha Westphal. Eine beeindruckende Publikation. Mehr zum Buch: www.salzgeber.de/qcn

CARNAL KNOWLEDGE (1971)

Als der Film vor fünfzig Jahren ins Kino kam, gab es in Amerika heftige Debatten, und der Supreme Court musste schließlich klären, dass die Darstellung der Sexualität für erwachsene Zuschauer zulässig ist. CARNAL KNOWLEDGE – deutscher Titel: DIE KUNST ZU LIEBEN – vermittelt in drei Lebensphasen die Gespräche der beiden Freunde Jonathan und Sandy über ihre Erwartungen und Erfahrungen um Umgang mit Frauen. Jonathan ist der Ladykiller, Sandy zurückhaltend und schüchtern. Anfangs teilen sie sich ein Zimmer auf dem Campus, später trennen sich ihre Wege, aber sie treffen sich regelmäßig zur Bestandsaufnahme. Als Studenten haben sie beide ein Verhältnis mit ihrer Kommilitonin Susan, die später mit Sandy eine bürgerliche Familie gründet. Jonathan beginnt eine Beziehung mit der attraktiven Bobbie, die aber zu heftigen Konflikten führt. Am Ende zieht Sandy mit einem Hippie-Girl um die Ecken und Jonathan engagiert eine Prostituierte, um seine Impotenz zu überwinden. 25 Jahre, vom Ende der 1940er bis zum Beginn der 70er Jahre, dauert die Wegstrecke. Herausragend ist die Darstellung durch Jack Nicholson (Jonathan), Alf Garfunkel (Sandy), Candice Bergen (Susan), Ann-Margret (Bobbie) und Rita Morena (Prostituierte). Regie führte Mike Nichols, hinter der Kamera stand Giuseppe Rotunno. Bei StudioCanal sind jetzt DVD und Blu-ray des Films in restaurierter 4K-Fassung erschienen. Sehenswert. Mehr zur DVD: carnal_knowledge-50th_anniversary_edition-digital_remastered

Christian Petzold

Die Nr. 65 der Film-Konzepte ist dem Regisseur Christian Petzold gewidmet. Zur Einführung beschäftigt sich der Herausgeber Andreas Becker mit Fragen, rätselhaften Ellipsen und filmischen Enigmen. In einem zweiten Text von ihm geht es um die Schuld in Petzolds Film WOLFSBURG. Iakovos Steinhauer beschreibt die Hörbarkeit des Transzendenten in den Filmen von Christian Petzold. Jaimey Fisher reflektiert über den geschlechtsspezifischen Raumsinn bei Petzold, konkretisiert an UNDINE, CLEO DE 5 À 7 von Agnès Varda und den Macht-Geometrien von Doreen Massey. Tetsuya Shibutani richtet seinen Blick auf die Untote in der Nachkriegslandschaft in PHOENIX. Kayo Adachi-Rabe sieht den Film als Resonanzraum in JERICHOW von Petzold und OSSESSIONE von Luchino Visconti, die sich beide auf den Kriminalroman „The Postman Always Rings Twice“ von James M. Cain beziehen. Felix Lenz äußert sich zu den drei Beiträgen von Petzold in der POLIZEIRUF 110-Reihe mit Matthias Brandt und Barbara Auer. Die sieben Texte haben ein hohes Denkniveau und entsprechen damit den Ansprüchen des Regisseurs. Mit Abbildungen in guter Qualität. Coverabbildung: UNDINE. Mehr zum Buch: subject=film&sort=5&ISBN=9783967076417#.YmgHsC-21Hc

JUD SÜSS – Das lange Leben eines Propagandafilms

Der Film von Veit Harlan, uraufgeführt 1940, gilt als extremes Beispiel antise-mitischer Propaganda in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Literatur über den Film ist umfangreich, Felix Moeller hat 2008 den beeindruckenden Film HARLAN. IM SCHATTEN VON JUD SÜSS realisiert. Der britische Historiker Bill Niven schildert in seinem beein-druckend recherchierten Buch die Entstehung des Films, die zeitgenössische Rezeption, den Harlan-Prozess 1949, der mit einem Freispruch endete, die unterschiedliche Debatte über den Film in der Bundesrepublik und der DDR und die spätere Nutzung des Films im Nahen Osten als antiisraelische Propaganda. 535 Quellenverweise dokumentieren die verlässliche Arbeitsweise des Autors, das jüngste Zitat stammt von Andreas Kötzing aus einem Gespräch im November 2021. Unbedingt lesenswert. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: jud-süß-das-lange-leben-eines-propagandafilms-detail