CODE AVA (2020)

Ava arbeitet als Profikillerin für ein Unternehmen namens „Management“. Ein neuer Auftrag führt sie nach Paris, wo sie einen Geschäftsmann im Auto erschießt. Dann fliegt sie nach Boston, wo ihre Mutter und ihre Schwester leben. Sie hat beide seit vielen Jahren nicht gesehen. Ihr Vater ist inzwischen gestorben. Die Familienbindung ist fragil, von ihrem Job darf dort natürlich niemand etwas wissen. Ihr nächster Auftrag führt sie nach Riad. Dort geht einiges schief, aber Ava entkommt und sucht ihren Vorgesetzten Duke in der Normandie auf, der ihr vertraut und eine Auszeit gewährt, die sie wieder in Boston verbringt. Chef des „Managements“ ist der beinharte Simon, der Ava misstraut. Seine Tochter Camille hat ihr nachspioniert. Die Konflikte zwischen Duke, Simon und Ava eskalieren, es gibt Tote, und um die Zukunft von Ava muss man sich am Ende Sorgen machen. Der Film von Tate Taylor ist Thriller und Familiendrama. Das ist nicht immer logisch verbunden. Seine Stärke sind Jessica Chastain als Ava, Geena Davis als ihre Mutter, Colin Farrell als oberster Chef Simon und John Malkovich als Avas Mentor Duke. Bei EuroVideo sind jetzt DVD und Blu-ray des Films erschienen. Mit kleinen Einschränkungen sehenswert. Mehr zur Blu-ray: code-ava,tv-kino-film.html

THUNDER ROAD (1958)

Robert Mitchum spielt in diesem Film nicht nur die Hauptrolle, er hat den Film auch produziert, das Drehbuch verfasst und den Titelsong gesungen: „The Ballad of Thunder Road“. Erzählt wird die Geschichte des Einzelgän-gers Lucas Doolin, der für seinen Vater in Tennessee illegal gebrannten Whiskey aus den Hügeln in die Stadt schmuggelt. „Das ist die Bewegung, die diesen Film bestimmt: über die Straßen durch die Nacht. Das ist das Leben: Geschwindigkeit und Einsamkeit, schneller und besser sein als die anderen, immer auf der Flucht, vor allem vor sich selbst. Nie spielte er den loner und outlaw mit einer aggressiveren Entschlossenheit. Einzig seiner Familie gegenüber verhält er sich loyal. Trotzdem sagt er: ‚Ich wäre auch krank vor Sehnsucht nach Hause, wenn ich wüsste, wo das ist.’“ (Michael Althen in seinem Robert Mitchum-Buch 1986). Regie führte Arthur Ripley, Mitchums Sohn James spielt in einer Nebenrolle seinen kleinen Bruder. Bei Koch Media sind jetzt DVD und Blu-ray des Films erschienen. Unbedingt zu empfehlen. Mehr zur DVD: kilometerstein_375_thunder_road_blu_ray/

Zehn Jahre Website

Dies war vor zehn Jahren der erste Tageseintrag auf meiner Website www.hhprinzler.de. am 1. Januar 2011. Seither habe ich dort 1.765 Bücher in Kurzbesprechungen vorgestellt und 510 DVDs rezensiert. Alle entsprechenden Einträge sind noch auf der Seite zu finden. Man muss nur Verfasser oder Titel der Bücher oder die Filmtitel in die Suchspalte unter „Aktuelle Nachrichten“ eingeben. Es ist mir ein großes Vergnügen, nicht nur meine „Filmbücher des Monats“ regel-mäßig vorzustellen, sondern auch kurze Kritiken zu schreiben und der interessierten Öffentlichkeit zu vermitteln. Ich hoffe, ich kann dies noch eine Weile tun.

Neujahrswunsch

Filmbuch des Jahres

Es hat eine Logik, am Ende dieses Corona-Jahres ein Buch auszuzeichnen, in dem das Virus zum Thema gemacht wurde. Elisabeth Bronfens Publikation „Angesteckt. Zeitgemäßes zu Pandemie und Kultur“, erschienen im Zürcher Echtzeit Verlag, war mein „Filmbuch des Monats Oktober“ und ist so aktuell geblieben, wie man es befürchtet hat. Die Autorin hat mit großer Genauig-keit Filme und Bücher be-schrieben, in denen Viren eine entscheidende Rolle spielen. Ihre Verbindung des Fiktiven mit heutigen Erfahrungen und Fakten zu Covid-19, der Vergangenheit mit der Gegenwart ist beeindruckend. Der Erkenntnisreichtum bleibt so groß, dass er von keinem anderen Buch in diesem Jahr erreicht wird. Mehr zum Buch: filmbuecher/angesteckt/

Günther Anders

Günther Anders (1902-1992) war ein deutsch-österreichi-scher Philosoph, Dichter und Schriftsteller. Als sein Haupt-werk gilt die zweibändige Publi-kation „Die Antiquiertheit des Menschen“ (1956/1980). In zahlreichen Texten hat er sich über die Jahrzehnte mit den Themen Kunst und Film be-schäftigt. Sie sind jetzt erstmals, herausgegeben von Reinhard Ellensohn und Kerstin Putz, in einem Band publiziert, der im Verlag C. H. Beck erschienen ist. 15 Texte widmen sich spe-ziell dem Thema Film, sie stammen aus den Jahren 1925 bis 1954 und beschäftigen sich sehr reflexiv mit dem Absoluten Film, der Tonfilmphilosophie, Spuk im Film, der Filmdramatik, Eisensteins Filmphilosophie, dem plastischen Film, dem Kriminalfilm, Charlie Chaplin und dem 3-D-Film. In einem Rundfunkgespräch mit Herbert Ihering geht es um das Dramatische im Film (1932). Drei Texte stammen aus der Exilzeit in Hollywood 1939-43, als sich Anders dort um eine Beschäftigung bemühte. Aber: „Filmphilosophie reimt sich nicht auf Hollywood“. Auch die Schriften zur Bildenden Kunst sind interessant. Zum Beispiel: das „Louvretagebuch“ (1927/28), der Radiodialog mit Arnold Zweig über Freiheit in der Kunst (1933), die Künstlerporträts für den Rundfunk (1953-56), die Italien-Tagebücher (1954 und 56). Unbedingt lesenswert: das Nachwort des Herausgeberduos. Ein Buch für stille Stunden und Zeit zum Nachdenken. Mehr zum Buch: product/29929927

35 Millimeter

Seit sieben Jahren gibt es das Retro-Magazin 35 Millimeter. In den ersten sechs Jahren erschien es alle zwei Monate, seit diesem Jahr wird es vierteljährlich publiziert. Die Zeitschrift widmet sich der Filmgeschichte von 1895 bis 1965. Jedes Heft hat einen Schwerpunkt. In der gerade erschienenen Nummer 40 ist dies das Studio Warner Bros. Auf sechs Seiten porträtiert Berward Knappik den Regisseur Raoul Walsh: „Ein Regisseur für jedes Genre“. Marco Koch erinnert an die Filme DOCTOR X (1932) und MYSTERY OF THE WAX MUSEUM (1933): „Warner Horror in Technicolor“. Prof. Dr. Tonio Klein befasst sich mit Michael Curtiz („Ein Typ, der Filme macht“), setzt mit dem zweiten Teil seinen Bette Davis-Text fort („Sternchen, Schauspielerin – und Star?“), mit dem vierten Teil seinen William Powell-Text („Die frühen Jahre“) und verweist auf den Anti-Nazi-Film BLACK LEGION (1937). Lars Johansen richtet seinen Blick auf die Animationsfilme von Warner Bros.: „Mit dem Hammer auf den Kopf“. Matthias Merkelbach beschäftigt sich mit dem Film Noir bei Warner Bros. („The Big Sleep“). Bei Robert Zion geht es um die Noir-Western THE SEARCHERS und CHEYENNE AUTUMN von John Ford. Clemens G. Williges (Chefredakteur der Zeitschrift) schließt die 34seitige Titelstory mit seinem Text über Boris Karloff ab: „Jenseits der Monster“. Auf zwölf Seiten werden Blu-rays und DVDs rezensiert. Weitere Beiträge sind dem Regisseur Irving Lerner, dem österreichischen Film EIN TOLLES FRÜCHTCHEN und dem japanischen Film NACKTE JUGEND von Nagisa Oshima gewidmet. Von Robert Zion stammt ein Nachruf auf Rhonda Fleming. Fortgesetzt werden Texte über Federico Fellini (von Manuel Föhl) und Antonin Artaud (von Christoph Seelinger). Eine Hommage von Stefan Vockrodt gilt der Schauspielerin Helen Holmes. Es gibt mehrere Kolumnen und eine Vorschau auf das Heft 41 mit der Titelstory über Bette Davis. Die Texte des Magazins haben hohes Niveau, die Abbildungen (Fotos und Plakate) sehr gute Qualität. Ein Jahres-Abo kostet 28 €. Mehr zur Zeitschrift: https://35mm-retrofilmmagazin.de

CHICAGO (1931)

Heinrich Hauser (1901-1955) war ein deutscher Schriftsteller, Fotograf und Weltenbummler. 1931 hat er ein Buch über Chi-cago geschrieben und einen Film über die damals zweitgrößte Stadt der USA gedreht: WELTSTADT IN FLEGEL-JAHREN. „Dies ist die schönste Stadt der Welt: technischer Traum als Aluminium, Glas, Stahl, Zement und künstlichen Sonnen, fremdartig wie ein anderer Stern“, heißt seine Impression. Es gibt in den Bildern des 65-Minuten-Films natürlich auch einen Underground, denn Chicago war als Gangsterzentrum Schauplatz vieler Kriminalfilme. Die Annäherung an die Stadt geschieht langsam, mit Ellipsen, es dauert eine Weile, bis man im Zentrum angekommen ist. Menschen stehen im Mittelpunkt: Passanten, spielende Kinder, Pendler auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz. Wir hören sie nicht reden, denn es handelt sich um einen späten Stummfilm. Es gibt originelle Schnittfolgen. „Der Weg der Tiere“ heißt ein kurzes Kapitel. Eine Schafsherde ist zu sehen, die orientierungslos erscheint. Dann der Zwischentitel „40 Minuten später“, und es kommen Konservendosen auf einem Förderband. Förderbänder symbolisieren auch die Fabriken von Henry Ford, und der Zwischentitel fragt „Wo ist der Mensch?“. CHICAGO gehört zu den Stadtfilmen, die Walter Ruttmann mit BERLIN – DIE SINFONIE DER GROSSSTADT 1927 initiiert hat. Hausers Film wurde nur kurzfristig im Kino gezeigt und geriet dann in Vergessenheit. Wilfried Reichart und Hans Ulrich Werner haben ihn für den WDR Ende der 90er Jahre zu einem eigenen Film umgearbeitet. Jetzt ist die ursprüngliche Fassung in digital restaurierter Form bei Absolut Medien als DVD und Blu-ray erschienen. Mit einer neu komponierten Musik von Andy Miles. Alternativ kann man den Ton der Reichart/Werner-Fassung hören. Ein Booklet gibt es in digitaler Form. Mehr zur DVD: 281931%2C+Blu-ray%29

Frohe Weihnachten!

Ein herzlicher Weihnachtsgruß

vom Berliner Kurfürstendamm

Hans Helmut Prinzler + Antje Goldau

Das Fernsehballett

Emöke Pöstenyi, eine herausra-gende Tänzerin und Choreogra-fin, geboren in Ungarn, ausge-bildet in der DDR, hatte ihre ersten Erfolge Anfang der 60er Jahre im Friedrichstadt-Palast und gründete zusammen mit Günter Jänzlau 1963 das Fern-sehballett, für das sie fast vierzig Jahre verantwortlich war. Mein Leben mit dem Tanz ist der Untertitel ihrer Autobiografie, die kürzlich im Verlag Bild und Heimat erschienen ist. Auf unterhaltsame Weise erzählt Emöke ihre Lebensgeschichte, die auf der Bühne und auf dem Bildschirm in ungeahnte Höhen führte. Sie war mit ihrem Ballett zu Gast bei Rudi Carrell, Frank Elstner, Thomas Gottschalk, Dieter Thomas Heck und Carmen Nebel. „Ein Kessel Buntes“ war ohne ihre Truppe nicht denkbar. In der Nachwendezeit musste sie einen Überlebenskampf führen, als das Ballett aufgelöst werden sollte. 2002 setzte sie sich zur Ruhe. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, in der Nähe von Bad Saarow. Wir haben sie dort mehrfach besucht und fühlen uns mit beiden befreundet. Ihre Autobiografie finde ich höchst lesenswert. Mehr zum Buch: 9783959582513-das-fernsehballett