Die Un/Sichtbarkeit des Kapitals

Eine Dissertation, die an der Universität zu Köln entstanden ist. Felix T. Gregor untersucht darin die filmische Repräsenta-tion der modernen Ökonomie, ausgehend von Überlegungen zum Konzept des Dispositivs bei Foucault und Deleuze. Ein erster Exkurs erinnert an zwei Filme des Avantgardisten Hans Richter zum Thema KapItal: INFLATION (1928) und DIE BÖRSE ALS BAROMETER DER WIRTSCHAFTSLAGE (Schweiz 1939). Alexander Kluges Film NACHRICHTEN AUS DER IDEOLOGISCHEN ANTIKE. MARX – EISENSTEIN – DAS KAPITAL (2008) ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Im Hauptteil „Einzeldispositive des Kapitalismus“ werden in vier Kapitel insgesamt elf Filme detailliert analysiert. Zum Aspekt „Körper & Subjekt“ sind dies NICHT OHNE RISIKO (2004) von Harun Farocki, PARIS IS BURNING (1990) von Jennie Livingston, TOKYO SONATA (2008) von Kiyoshi Kurosawa und YELLA (2007) von Christian Petzold, zu „Raum & Zeit“ MASTER OF THE UNIVERSE (2013) von Marc Bauder, WALL STREET (1987) von Oliver Stone und ZEIT DER KANNIBALEN (2014) von Johannes Naber, zu „Macht & Durchdringung“ IMPORT EXPORT (2007) und PARADIES: LIEBE (2012) von Ulrich Seidl und LEBEN – BRD (1990) von Harun Farocki, zu „Krise & Exzess“ ist es IRANIAN BEAUTY (2013) von Anahita Razmi. Es gibt Verweise auf zahlreiche andere Filme. Die Beschreibungen und Analysen sind sehr konkret, der daraus resultierende Erkenntnisgewinn ist groß. Eine beeindruckende Arbeit. Mit Abbildungen (zumeist Screenshots) in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: die-un/sichtbarkeit-des-kapitals/?number=978-3-8376-5489-9

 

Das STAR WARS Buch

KRIEG DER STERNE hieß der erste Film von George Lucas bei uns, als er 1977 in die Kinos kam. Er wurde das, was man seither einen Blockbuster nennt. 1980 folgte DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZU-RÜCK, 1983 DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER. Um die Jahrtausend-Wende insze-nierte Lucas eine Prequel-Trilogie: DIE DUNKLE BE-DROHUNG (1999), ANGRIFF DER KLONKRIEGER (2002), DIE RACHE DER SITH. STAR WARS wurde diesen Titeln vorange-stellt. Und dann kam noch eine weitere Trilogie als Fortsetzung der ersten: DAS ERWACHEN DER MACHT (2015), DIE LETZTEN JEDI (2017) und DER AUFSTIEG SKYWALKERS (2019). Regie führten hier J. J. Abrams (1 + 3) und Rian Johnson (2). Über das Geschehen, das Personal und die Hintergründe dieser Filme informiert „Das STAR WARS Buch“ von Pablo Hidalgo, Cole Horton und Dan Zehr, das jetzt bei Dorling Kindersley auch auf Deutsch erschienen ist. Wir werden sachkundig in die weit entfernte Galaxis geführt, erfahren viel über Wissenschaft und Macht, über die Skywalker als Hoffnungsträger, über herrschende Regierungen, ihre Widersacher und die Bewohner der Galaxis. Abbildungen in bester Qualität unterstützen die Anschau-lichkeit der Texte. Für Fans und solche, die es vielleicht noch werden. Mehr zum Buch: das-star-wars-buch-9783831041497

Angelica Domröse 80

Heute kann die Schauspielerin Angelica Domröse ihren 80. Ge-burtstag feiern. Seit der LE-GENDE VON PAUL UND PAULA (1973) gilt sie als Ikone des DDR-Films. Sie gehörte ab 1960 zum Berliner Ensemble, ab 1967 zur Volksbühne Berlin, spielte Hauptrollen in Kino- und Fernsehfilmen. Sie protestierte 1976 gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR und übersiedelte 1980 mit ihrem Mann Hilmar Thate in die Bundesrepublik, wo sie auf der Bühne und im Fernsehen erfolgreich war. Vor 18 Jahren publizierte sie ihre Autobiografie „Ich fang mich selbst ein“. Als Nachbarin enger Freunde von uns wohnt sie seit 30 Jahren in der Giesebrechtstraße, wo wir sie häufig getroffen haben. Hilmar Thate starb leider 2016. Ich habe Angelica Anfang der 60er Jahre im Brecht-Theater gesehen und natürlich sehr viele Filme mit ihr, beginnend mit VERWIRRUNG DER LIEBE (1959). Ich bin ein großer Verehrer von ihr. An der Wand meines Arbeitszimmers hängt ein Porträt von Angelica, fotografiert von Sybille Bergemann. Ich gratuliere ihr zum heutigen Geburtstag und umarme sie aus der Ferne. – Bei Edel Germany ist zum 80. Geburtstag eine Jubiläumsedition mit den Filmen VERWIRRUNG DER LIEBE, EIN LORD AM ALEXANDERPLATZ, DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA und UNTERM BIRNBAUM erschienen. So kann man an diesem Tag 396 Minuten mit Angelica Domröse verbringen. Mehr zur DVD-Edition: jubilaeumsedition-limited-edition-4-dvds/hnum/10441595

Motorlegenden: James Dean

Als James Dean am 30. Sep-tember 1955 in seinem silber-nen Porsche 550 Spyder an der Kreuzung der State Routes 41 und 48 um 18.20 Uhr mit einem Ford kollidierte und an den Folgen eines Genickbruchs starb, war er 24 Jahre alt. Er hatte erst drei Filme als Haupt-darsteller gedreht: EAST OF EDEN, REBEL WITHOUT A CAUSE und GIANT. Als Star ist er bis heute ein Mythos. Im Februar wäre er 90 Jahre alt geworden. Siegfried Tesche hat im Motorbuch Verlag eine Biografie über ihn publiziert, die sein Leben, seine Leidenschaft für Motorräder und Autos, seinen Tod und seinen Nachruhm mit Empathie und Faktenreichtum schildert. Sie beginnt mit den letzten acht Tagen seines Lebens, erzählt dann von den Anfängen in Marion/Indiana und Santa Monica, der Ausbildung in Los Angeles, der Zeit als mittelloser Schauspieler, den Erfolgen in den Jahren 1954/55, der Beziehung zu schnellen Fahrzeugen, dem Kult nach seinem Tod und seinen Gagen („Alle verdienten mehr als Dean“). Als Zeitzeuge kommt der Autotechniker Herbert Linge zu Wort. Tesches Text verbindet sich aufs Beste mit den 180 Abbildungen in Schwarzweiß und Farbe. Mehr zum Buch: EdmD20210310172310&navid=

Hans Moser

„Wiener Weltschmerzkomiker“ ist der Untertitel dieses wunder-baren Buches über den öster-reichischen Schauspieler Hans Moser, das Gottfried Schlem-mer, Arno Rußegger und Georg Seeßlen für das Filmarchiv Austria herausgegeben haben. 22 Texte und Gespräche nähern sich dem Protagonisten aus unterschiedlichen Perspektiven. Zentraler Beitrag ist der 36-Seiten-Essay von Georg Seeßlen über Moser in seinen Filmen („Triumph des Scheiterns“). Es gibt Texte von Helmut Dimko („Der Mann, der Moser war“), Armin Loacker („Filmstar mit Verzögerung“), Klemens Gruber („Hans Moser in zehn Thesen“), Wenzel Storch („Meine Jahre mit Hans Moser“), Siegfried Mattl („Überstehn ist alles“), Arno Rußegger („Überkörperlos“), Drehli Robnik (über Mosers Komödien im nationalsozialistischen Kino), Dietrich Kuhlbrodt (Mosers Rezeption in der Nachkriegszeit), Robert Buschwenter („An der kurzen Leine“), Michael Wenk (Mosers Filmfiguren und die Frauenwelt), Maria Fritsche (Mosers österreichische Identität), Stefan Grissemann (Mosers Vaterporträt in Hochbaums VORSTADTVARIETÉ), Robert Dassanowsky (Moser und Amerika), Alois Brandstetter („Mosern“), Franzobel („Moser oder die Passion des Wochenend-Wohnzimmergottes“). Der kürzeste Text stammt von Elfriede Jelinek. Er beginnt mit dem Satz: „Ich halte den Hans Moser für einen Weltschauspieler, einen der großen Naturschauspieler, ähnlich einem Fernandel, Michel Simon, Toto und wenigen anderen , absolut der Größte, den Österreich je hatte.“ Hans Moser starb im Juni 1964 im Alter von 83 Jahren. Das Buch – mit vielen Abbildungen – ist eine eindrucksvolle Gedenkschrift. Mehr zum Buch: hans-moser-weltschmerzkomiker/

Serge & Jane

Elf Jahre dauerte die legendäre Lebens- und Arbeitsbeziehung zwischen der britischen Schau-spielerin Jane Birkin (*1946) und dem französischen Song-writer Serge Gainsborough (1928-1991), von 1969 bis 1980. Sie waren nicht verheiratet, haben aber eine gemeinsame Tochter, Charlotte (*1971). Der österreichische Autor Günter Krenn hat die sehr lesenswerte „Biographie einer Leidenschaft“ verfasst, in deren Mittelpunkt die gemeinsamen 1970er Jahre stehen: die Filme, die Lieder und das Leben eines außerge-wöhnlichen Paares. Der pro-vokante Song „Je t’aime .. moi non plus“, den Gainsborough ursprünglich für Brigitte Bardot kompo-niert hatte, stand am Beginn der gemeinsamen Arbeit. 1976 wurde er in der Regie von SG mit JB in der Hauptrolle zu einem Film, der höchst umstritten war. Provokationen dominierten im musikalischen Werk von SG. Auch im Film spielte er gern unsympathische Typen. 1980 trennte sich JB von SG. Die hervorragend recherchierte Doppel-Biografie erzählt zunächst die Lebenswege von Serge & Jane, ihre Kindheit, Jugend und künstlerische Ausbildung. Dokumente und Zeitzeugen sind dafür wichtige Quellen. Dies betrifft auch die Zeit nach der Trennung, die für SG als Raucher und Alkoholiker gesundheitlich eine Leidensphase war. Sein Tod schien vorhersehbar. Der Abschied war auch für Jane schwer. Die letzten Seiten des Buches sind von Trauer geprägt. Mit einem 16-seitigen Bildteil. Mehr zum Buch: php/serge-und-jane.html

Roy Andersson

Nur sechs lange Spielfilme hat der schwedische Regisseur Roy Andersson (*1943) realisiert, den ersten, EINE SCHWEDI-SCHE LIEBESGESCHICHTE, 1970 (er wurde damals auf der Berlinale gezeigt), den letzten ÜBER DIE UNENDLICHKEIT, 2019. Dafür gewann er einen Silbernen Löwen für die beste Regie in Venedig. Dem Werk von Andersson ist das jüngste Heft der Film-Konzepte gewidmet, das Fabienne Liptay herausgegeben hat. In einem einleitenden Essay würdigt sie den Autor und Regisseur. Thomas Koebner richtet seinen Blick auf die Trilogie SONGS FROM THE SECOND FLOOR (2000), YOU, THE LIVING (2007) und EINE TAUBE SITZT AUF EINEM ZWEIG UND DENKT ÜBER DAS LEBEN NACH (2014): „Der melancholische Satiriker“. Bei Philipp Schulte geht es um die inszenatorischen Strategien der Angleichung von Menschli-chem und Dinglichem in der Trilogie: „Von Kristallkugeln, Ratten und Menschen“. Klaus Müller-Wille stellt eine Verbindung her zwischen Roy Andersson und August Strindbergs Oneiropoetik: „Wache Träume“. Laura Walde hat Gedanken zu Kürze und Knappheit bei Andersson formuliert: „Brevitas et gravitas“. Ursula Lindquist rühmt die unerschöpfliche Menschlichkeit des Kinos von Roy Andersson. Jan Asp hat 2020 ein Gespräch mit dem Regisseur geführt. Er will keine Filme mehr machen. Nr. 60 der Film-Konzepte, wieder sehr gelungen. Mehr zum Heft: Details.aspx?ISBN=9783967074338#.YE-BQjvl5W8

UND MORGEN DIE GANZE WELT (2020)

Der Film von Julia von Heinz hatte seine Uraufführung im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig, die deutsche Premiere fand bei den Hofer Filmtagen statt, dann wurde er ein Opfer des Corona-Lock-downs. Jetzt ist bei Alamode/ Alive die DVD des Films erschienen. Erzählt wird die Geschichte der zwanzigjährigen Jura-Studentin Luisa, die sich zusammen mit ihrer Freundin Batte einer Antifa-Gruppe anschließt, die gegen Rechts-extreme vorgehen will. Dies tun auch die Studenten Lenor und Alfa, mit denen sie sich verbinden. Bei einer Wahlkampfveranstaltung der Rechten gerät die Situation außer Kontrolle. Im Handgemenge erobert Luisa ein Handy, auf dem sie Daten für einen Neonaziüberfall entdeckt. Die Gruppe zerstört Autos der Neonazis, und die Konflikte eskalieren. Der Film ist hervorragend inszeniert, die Kamera (Daniela Knapp) sehr beweglich und nah am Geschehen. In den Hauptrollen beeindrucken Mala Emde als Luisa, Luisa-Céline Gaffron als Batte, Tonio Schneider als Lenor und Noah Saavedra als Alfa. Man spürt, dass Julia von Heinz eigene Erfahrungen in den Film eingebracht hat, den ich sehr sehenswert finde. Mehr zur DVD: detail/index/sArticle/24514

Trude Herr

Heute vor dreißig Jahren wurde die Schauspielerin und Sängerin Trude Herr auf dem Nordfried-hof ihrer Geburtsstadt Köln be-erdigt. Tausende Fans nahmen Abschied von ihr. 1997 erschien die Erstauflage des Buches „Trude Herr. Ein Leben“, herausgegeben von Heike Beutel und Anna Barbara Hagin. Jetzt hat der Verlag Emons eine verbesserte Neuauflage publiziert. Zwanzig Verwandte, Freunde und Zeitzeugen haben sich damals in sehr persönlicher Form an Trude Herr erinnert, darunter ihre Schwester Agathe Hartfeld, ihre Nichte Gigi Herr, der Schauspieler Willy Millowitsch, der Intendant Jürgen Flimm, die Schauspielerin Anita Riotte, der Medienunternehmer Manfred Schmidt, der Fernsehredakteur Kurt Brühler, der ehemalige Minister Hans-Jürgen Wischnewski, der Autor Reinold Louis. Ihre Texte fügen sich zu einem beeindruckenden Porträt, in dem die vielseitigen Begabungen der Protagonistin deutlich werden. Hervorragend: die Auswahl der Abbildungen. Mehr zum Buch: trude-herr-ein-leben

Im Maschinenraum der Filmkunst

Rudolf Jürschik (*1935) war von 1977 bis 1989 Chefdramaturg des DEFA-Studios für Spiel-filme. Der Historiker Detlef Kannapin hat mehrere Gespräche mit ihm geführt, die interessante Informationen aus dem Inneren der DEFA zutage fördern und Jürschiks Lebensgeschichte erzählen: Kindheit, Jugend, Ausbildung, Assistenz, Promotion, Dozentur, die Zeit als Chefdramaturg, die DEFA ab Mitte der 1980er Jahre, die Phase der Wende und Nachwende mit dem Film FALLADA – LETZTES KAPITEL. Ein Exkurs führt zu Koproduktionen. Ein separates Kapitel ist der Filmpublizistik von Jürschik im Kontext von Politik und Kultur gewidmet. Eingefügt ist ein 50-Seiten-Gespräch von Ralf Schenk mit Jürschik, „Was ich sonst noch fragen wollte“, das ergänzende Fakten enthält. Das Buch ist ein wichtiger Baustein zur DEFA-Geschichte. Mit Abbildungen in sehr guter Qualität. Mehr zum Buch: bertz-fischer.de/immaschinenraum