OPHELIA (2018)

Man kann das Leben von histo-rischen oder literarischen Figuren aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen. Ophelia ist uns vor allem aus Shake-speares „Hamlet“ bekannt. Dort wird die junge dänische Halb-waise wahnsinnig als Folge der Aktionen ihres potentiellen Ehemanns und ertrinkt am Ende. Der Film von Claire McCarthy basiert auf dem Roman von Lisa Klein und stellt das Leben von Ophelia in den Mittelpunkt. Wir erleben ihre Schwierigkeiten als Jugendliche und als erwachsene Frau, die von ihrer Tante Gertrude gefördert wird, als Kammerzofe reüssiert und eine Beziehung zu Hamlet hat. Liebe und Verrat am Hof werden aus ihrer Sicht erzählt. Hinzugefügt ist die Figur von Mechthild, der Schwester von Gertrud, die verstoßen wurde und als Hexe im Wald lebt. Die Bilder im Film sind sehr poetisch komponiert, die Darstellerinnen durchaus beeindruckend: Daisy Ridley als selbstbewusste Ophelia, Naomi Watts in der Doppelrolle als Gertrud und Mechthild. Auch Clive Owens als Claudius hat eine starke Präsenz. Hamlet (George MacKay) spielt nur eine Nebenrolle. Bei Koch Media sind jetzt DVD und Blu-ray des Films erschienen. Für Anhänger historischer Liebesdramen sehenswert. Mehr zur DVD: view/film/ophelia_dvd/

Und ewig ruft die Heimat…

Eine Dissertation, die an der Filmuniversität Babelsberg entstanden ist. Sarah Kordecki richtet ihren Blick auf zeitge-nössische Diskurse und Selbst-reflexivität in den Heimatfilm-wellen der Nachkriegs- und Nachwendezeit. Sie definiert zunächst das verpönte Genre beschreibt ihren Forschungs-ansatz und ihre Analysekatego-rien. Vier Themen werden für beide Zeitphasen in den Fokus genommen: 1. Rückkehrerfigu-ren, 2. Der Topos der unheim-lichen Heimat, 3. Die filmische Verhandlung des nationalen Territoriums, 4. Medienreflexion, Selbstreflexion und Selbst-vermarktung. Für die erste Phase werden u.a. die Filme AM BRUNNEN VOR DEM TORE, WENN DIE HEIDE BLÜHT, WO DER WILDBACH RAUSCHT, MEIN BRUDER JOSUA, WEIBERTAUSCH, DAS VERURTEILTE DORF, HEIMAT – DEINE LIEDER, DIE PRINZESSIN VON ST. WOLFGANG und DIE ROSEL VOM SCHWARZWALD beispielhaft analysiert, für die Nachwendezeit die Filme ABRAHAMS GOLD, HIERANKL, TÖDLICHES SCHWEIGEN, UFERLOS!, DIE TOTEN VOM SCHWARZWALD, TANNÖD, APFELBÄUME, HERZSPRUNG, GO, TRABI, GO 2, DER BROCKEN und DAS GROSSE HOBITZN. Der Text bewegt sich auf hohem Niveau, 1.787 Fußnoten und Quellenverweise machen die Lektüre nicht leicht, die 93 kleinen Abbildungen in guter Qualität erweisen sich als hilfreich. Coverabbildung: IM WEISSEN RÖSSL – WEHE DU SINGST! (2013). Mehr zum Buch: 55305/und-ewig-ruft-die-heimat

Grace und die Anmut der Liebe

Biografische Romane können interessant und spannend sein, aber sie geraten leicht in die Gefahrenzone der Trivialität. Das passiert auch in „Grace und die Anmut der Liebe“ von Sophie Benedict. Sie erzählt das Leben der Schauspielerin Grace Kelly (1929-1982) von ihrem 17. Lebensjahr bis zur Hochzeit mit Fürst Rainier III. von Monaco. Ihr Wunsch, Schauspielerin zu werden, wird von den Eltern strikt abgelehnt. Vater und Mutter sind gnadenlos streng und zeigen auch später kein Interesse an ihrer Karriere. Ihr Onkel George unterstützt sie bei der Bewerbung an der American Academy of Dramatic Arts in New York, die erfolgreich verläuft. Sie verlässt das Zuhause in Philadelphia, absolviert die Ausbildung, arbeitet als Fotomodell, spielt 1950 ihre erste Filmrolle unter der Regie von Henry Hathaway und wird zwei Jahre später von Fred Zinnemann in dem Film HIGH NOON als Partnerin von Gary Cooper besetzt. Es folgen Filme von John Ford, Alfred Hitchcock (drei), George Seaton, Andrew Marton, Mark Robson, Charles Vidor und zuletzt Charles Walters. Für THE COUNTRY GIRL erhält sie 1955 den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Natürlich spielen in der Romanbiografie ihre Liebesbeziehungen eine große Rolle: meist mit älteren Männern, zum Beispiel ihrem Schauspiellehrer Don Richardson, ihren Kollegen Gary Cooper, Clark Gable, William Holden, Ray Milland. Interessant zu lesen sind die Kapitel über die Zusammenarbeit mit Alfred Hitchcock. Die Buchreihe bei Aufbau heißt „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“. Im kommenden Frühjahr erscheint ein Band über Romy Schneider. Mehr zum Buch: grace-und-die-anmut-der-liebe.html

Clint Eastwood

Am vergangenen Sonntag ist er 90 Jahre alt geworden. Die Würdigungen waren vielfältig, am schönsten: eine Seite in der Süddeutschen Zeitung mit kurzen Texten u.a. von Wolf-gang Petersen, Doris Dörrie, Dominik Graf, Christian Petzold und Iris Berben. Im Schüren Verlag ist rechtzeitig zum Geburtstag ein lesenswertes Buch von Kai Bliesener erschienen, in dem Eastwoods Lebenswerk gewürdigt wird. Zwei Basisartikel – „Der König der Dunkelheit“ und „Der schauspielernde Regisseur Clint Eastwood“ – bilden das Fundament. Mit vielen Zitaten schmückt der Autor seinen durchaus persönlich formulierten Text. Auch Eastwood selbst kommt zu Wort. Es gibt Redundanzen, die aber zu ertragen sind. Natürlich spielen auch politische Fragen eine Rolle. Eingefügt sind vier Interviews: mit dem Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider, dem Produktmanager Wolf Jahnke, den Autoren Jo Schuttwolf und Tobias Hohmann. Den Abschluss bildet der Nachdruck eines beeindruckenden Essays von Georg Seeßlen. Mit Filmografie und Literaturverzeichnis. Die Abbildungen (schwarz-weiß) haben eine gute Qualität. Mehr zum Buch: mann-mit-eigenschaften.html

Das Marvel-Buch

Der Verlag wurde 1939 als Timely Comics ge-gründet und in den frühen 60er Jahren In Marvel umbenannt. „The Fantastic Four“ war damals einer seiner  großen Erfolge. Super-helden, Horrorfiguren, Monster, Roboter und romantische Paare gehörten zum Personal. 2009 wurde Marvel von Disney aufgekauft. Der britische Autor Stephen „Win“ Wiacek führt uns im Marvel-Buch sachkundig und unterhaltsam durch die legendäre Figurenwelt. Seine Kapitel heißen „Ein Multiversum voller Wunder“, „Krieg und Frieden“, „Superforschung und technologische Wunder“, „Magie und das Übernatürliche, „Kosmische Kräfte und Weltraum-abenteuer“, „Alternative Welten und unterschiedliche Zeitachsen“. Natürlich wurden zahlreiche der Comics über die Jahrzehnte verfilmt.  Mit vielen informativen Kästen, hervorragenden Abbildungen, einem Glossar und einem Register. Nicht nur für Fans empfehlenswert. Mehr zum Buch: marvel-buch-9783831037810

Elfi Mikesch 80

Sie ist eine herausragende Foto-grafin, eine wunderbare Kamerafrau und eine exzellente Regisseurin. Heute feiert Elfi Mikesch, ich kann es kaum glauben, ihren 80. Geburt-stag. Sie stand bei Werner Schroeter, Rosa von Praunheim und Monika Treut hinter der Kamera. Ihre große Stärke sind Porträtfotos. Ich habe ihre Filme WAS SOLL’N WIR DENN MACHEN OHNE DEN TOD?, VERFÜHRUNG: DIE GRAUSAME FRAU, MONDO LUX und FIEBER in bester Erinnerung. Sie hat viele Auszeichnungen erhalten. Ihr Buch „Traum der Dinge“ hat einen Ehrenplatz in meiner Bibliothek. Eine Ausstellung mit Werken von Elfi wird ab 5. Juni in der Galerie Hirschheydt (Wielandstraße) stattfinden. Dort kann man auch das digitale Buch „Vis-à-vis – Fotografie und Film 80“ sehen, das Rosa von Praunheim herausgegeben hat. Liebe Elfi, ich gratuliere Dir herzlich und wünsche Dir noch viele kreative Jahre.

Rainer Werner Fassbinder

Morgen kann man den 75. Ge-burtstag von Rainer Werner Fassbinder feiern, der vor 38 Jahren in München gestorben ist. Er hat in 17 Jahren 44 Filme realisiert, die ein eigenständiges Œuvre bilden. Bei Schirmer/ Mosel ist zu seinem Gedenken ein kleiner Bildband erschienen, der 190 Film Stills präsentiert. John Waters und Peter Handke haben Geburtstagsgrüße formu-liert. Von mir stammt ein Text mit 26 Gedanken zu RWF.  Er ist hier zu lesen: das-herz-des-neuen-deutschen-films/ . – Ein Moment des Gedenkens gilt der Schauspielerin Irm Hermann, die in 21 Kino- und Fernsehfilmen von RWF mitgewirkt hat und am vergangenen Mittwoch in Berlin gestorben ist. –  Mehr zum Buch: 39&products_id=953

Clint Eastwood

Am Sonntag kann der Schau-spieler und Regisseur Clint Eastwood seinen 90. Geburtstag feiern. Mit der Dollar-Trilogie von Sergio Leone wurde er Mitte der 60er Jahre zum Star, seit den 70ern führt er bei seinen Filmen in der Regel auch Regie. Zweimal gewann er einen Oscar für den besten Film und die beste Regie: für UNFORGIVEN (1992) und MILLION DOLLAR BABY (2004). Sein bisher letzter Film war RICHARD JEWELL (2019). In einem Reclam-100-Seiten-Büchlein erzählt Alexander Kluy die Lebensgeschichte von Clint Eastwood. Der Text ist anschaulich formuliert, die Filme werden angemessen gewürdigt, in kleinen Kästen gibt es zusätzliche Informationen: Produktionsetats, Honorar-Entwicklung, „Welche Knarre feuert in welchem Film?“, Preise (Auswahl), Eastwood und der Sport, Eastwoods Beziehungen, Bürgermeister Eastwood, Eastwood und der Jazz, Eastwood und Familie, Abgelehnte Rollen. Unter den Lektüretipps findet man auch das hervorragende Buch von Georg Seeßlen „Clint Eastwood. Eine amerikanische Ikone“ (2015). Mehr zum Buch: Eastwood__100_Seiten

Rainer Werner Fassbinder transmedial

Die Referate von zwei Veran-staltungsreihen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in den Jahren 2017 und 2018 bilden die Basis für diese interessante Publikation. Das Werk von Rainer Werner Fassbinder wird dabei aus neuen Blickrichtungen erschlossen. Es geht um seine frühen Filme, ADOLF UND MARLENE von Ulli Lommel, BREMER FREIHEIT, Fassbinders Hörspielarbeiten, FONTANE EFFI BRIEST, DIE DRITTE GENERATION, SCHATTEN DER ENGEL von Daniel Schmid und QUERELLE. Zu den Autorinnen und Autoren gehören Alexandra Vasa, Rolf Giesen, Hans J. Wulff, Christine Ehardt, Gerhard Lampe, Branca Dommes und die beiden Herausgeber Werner C. Barg und Michael Töteberg. Eindrucksvoll: das Gespräch von Nicolas Wackerbarth mit Werner C. Barg über den Film CASTING und die Beziehung zu Fassbinders Werk. Informativ: die kommentierte Bibliografie von Michael Töteberg zur Fassbinder-Literatur 2000-2020. Coverfoto: RWF mit dem Kameramann Michael Ballhaus. Mehr zum Buch: rainer-werner-fassbinder-transmedial.html

Die Musik zu Chaplins Stummfilmen

Jürg Stenzl (*1942) hat zahlrei-che Bücher und Aufsätze zur europäischen Musikgeschichte publiziert, war Professor an der Universität Salzburg und lebt seit seiner Emeritierung vorwie-gend in Wien. Sein Buch über die Musik zu Chaplin Stumm-filmen ist vor allem auf den Schauplatz eines Kinos fokus-siert: den Gaumont-Palace in Paris. Dort war Paul Fosse für die Zusammenstellung der musikalischen Begleitung verantwortlich, der die weit-gehend präexistente Musik für rund 1.600 Stummfilme der Jahre 1911-1928 detailliert aufgelistet hat. Diese Quelle erschließt der Autor für Chaplins Filme und erweitert den Horizont durch Verweise auf andere Publikationen zu diesem Thema. So erfahren wir viel u.a. über die musikalische Begleitung von SHOULDER ARMS, THE PILGRIM, THE RINK, CITY LIGHTS. Ein Vergleich gilt der unter-schiedlichen Musik zu THE KID in Los Angeles und Paris und den Adaptierungen von Paul Fosse, Arthur Kleiner und in restaurierten jüngeren Editionen zu THE PAWNSHOP. Ein eigenes Kapitel ist dem Musiker und Komponisten Chaplin gewidmet. Eine Coda bildet der Text „Charlie und ich“ von Carl Davis. Mit diversen Anhängen. Eine interessante Publikation für Musik- und Filmhistoriker. Mehr zum Buch: search/Details.aspx?ISBN=9783869168821#.XsveYDsgBW8