Alfred Hitchcock I. Der Mann aus London

Dies ist der erste Band einer Hitchcock-Biografie als Graphic Novel. Erzählt wird die Lebens-geschichte des Regisseurs bis zum Jahr 1938, der Abfahrt mit dem Schiff „Queen Mary“ von Southampton nach Amerika. Dramaturgie und Texte stam-men von dem Autor und Schau-spieler Noël Simsolo, die Zeich-nungen von dem Grafiker Dominique Hé. Das Opening ist dem Film PSYCHO gewidmet, der Kinofassade in Paris und den Reaktionen in Berlin, Tokio und Dakar. Es folgt eine Szene im Haus von Alfred und Alma in L.A. 1960. Dann werden wir nach Cannes zu den Dreharbeiten von ÜBER DEN DÄCHERN VON NIZZA (1964) entführt, wo Hitchcock seinem Hauptdarsteller Gary Crant seine Lebensgeschichte erzählt. Sie beginnt 1904 in London, wo der kleine Alfred von seinen Eltern beim Mittagsschlaf allein gelassen wird und Angst bekommt. Sie setzt sich fort im College, in Zeichenkursen, in einer ersten Anstellung bei Famous-Players-Lasky als Zeichner von Zwischentiteln (wo er Alma Reville kennenlernt) und führt zur ersten Regie zusammen mit dem Autor Seymour Hicks 1922. Und nach einer Assistentenphase geht es als Regisseur steil bergauf, mit einem Ausflug nach Berlin. Alle Phasen der Hitchcock-Biografie sind bekannt. Aber es ist ein besonderes Vergnügen, sie in grafischer Form vermittelt zu bekommen. Natürlich in Schwarzweiß, aber mit vielen Nuancen. Ich freue mich auf den zweiten Band, der demnächst erscheinen soll. Eine sehr lesenswerte Rezension des Buches hat Georg Seeßlen in epd Film publiziert: alfred-hitchcock-1-der-mann-aus-london. Mehr zum Buch: alfred-hitchcock-1-mann-aus-london.html

Hier und anderswo

Eine Dissertation, die an der Universität Wien entstanden ist. Peter Grabher untersucht darin die Darstellung des Verhältnis-ses zwischen Israel und Palästi-na im essayistischen Film von 1960 bis 2010. Seine Analysen konzentrieren sich auf einen Korpus von zehn Filmen. Dies sind DESCRIPTION D’UN COMBAT (1960) von Chris Marker, DESCRIPTION OF A MEMORY (2006) von Dan Geva, JUSQU’À LA VICTOIRE (1969, nicht vollendet) von der Groupe Dziga Vertov, ICI ET AILLEURS (1976) von Jean-Luc Godard und Anne-Marie Miéville, THE ANGEL OF HISTORY (2000) von Ariella Azoulay, LOCAL ANGEL – THEOLOGICAL-POLITICAL FRAGMENTS (2002) und MECHILOT (2006) von Udi Aloni, PRIVATE INVESTIGATION (2002) und JINGA48 (2009) von Ula Tabari und THE TIME THAT REMAINS (2009) von Elia Suleiman. Die Analysen sind eng mit der Darstellung der jeweils herrschenden politischen Situation verbunden. Basisliteratur zum Thema. Mit Abbildungen in sehr guter Qualität. Coverfoto: DESCRIPTION OF A MEMORY. Band 82 der „Marburger Schriften zur Medienforschung“ im Schüren Verlag. Mehr zum Buch: 624-hier-und-anderswo-msm-82.html

FAUST. EINE DEUTSCHE VOLKSSAGE (1926)

Die Produktionsgeschichte des FAUST-Films von F. W. Mur-nau ist labyrinthisch und kon-fliktreich. Eigentlich wollte Ernst Lubitsch 1923 den Stoff in Hollywood verfilmen. Die Screen-Tests sind erhalten und werden auf dieser FAUST-DVD erstmals veröffentlicht. Dann wurde daraus ein UFA-Projekt. Gesetzt war Emil Jannings als Mephisto, die Verpflichtung amerikanischer Stars für wichtige Rollen scheiterte. Gösta Ekman spielte schließlich den Faust, Camilla Horn das Gretchen, Wilhelm Dieterle den Valentin. Das Drehbuch schrieb Hans Kyser, hinter der Kamera stand Carl Hoffmann. Viele Bilder sind vom Dunkel der Nacht bestimmt. Noch vor der Premiere reiste Murnau nach Hollywood ab. Die UFA ließ Gerhart Hauptmann die Zwischentitel formulieren, sie waren ihr dann aber zu literarisch. Die Firma befand sich in finanziellen Schwierigkeiten, Erich Pommer trat als Produktionschef zurück. Hans Kyser stritt sich mit Hauptmann über die Zwischentitel. Der Kapellmeister Franco Fideli weigerte sich, die Musik kurzfristig zu komponieren. Für ihn sprang Werner Richard Heymann ein. Die Premiere fand am 14. Oktober 1926 im Ufa-Palast am Zoo in Anwesenheit des Reichskanzlers Wilhelm Marx statt. Auch Emil Jannings war da bereits nach Hollywood abgereist. Es wurden Telegramme von ihm und Murnau vorgelesen. Ökonomisch war der Film kein Erfolg für die UFA. Es wurden international eine Million Mark eingespielt, die Kosten betrugen zwei Millionen. Auf der DVD sind erstmals die rekonstruierten Zwischentitel von Gerhart Hauptmann zu lesen und ist die neu komponierte Begleitmusik von Richard Siedeoff zu hören. Das Booklet enthält eine interessante Chronik der Produktionsgeschichte von Stefan Drößler. Mehr zur DVD: 196_Faust–Eine-deutsche-Volkssage.html

100. Geburtstag

 

 

 

 

 

 

Heute feiert meine Schwiegermutter, Erika Goldau, in Hannover ihren 100. Geburtstag. Ein besonderer Tag in schwieriger Zeit. Wir umarmen sie aus der Ferne.

Im Herzen Gaukler

Im vergangenen Dezember wurde Armin Mueller-Stahl 90 Jahre alt. Sein Lebenswerk als Schauspieler, Musiker, Maler und Schriftsteller ist voluminös. Das Buch von Frank-Burkhard Habel konzentriert sich auf seine Arbeit vor der Kamera. In chronologischer Folge werden alle Kino- und Fernsehfilme kommentiert, in denen er mit-gewirkt hat, beginnend 1955 mit der Aufzeichnung der Theater-aufführung EIN FREMDES KIND in der Volksbühne für das Fernsehen der DDR, endend 2017 mit der ZDF-Dokumenta-tion MANFRED KRUG – EINE DEUTSCH-DEUTSCHE GESCHICHTE, in der Mueller-Stahl als Zeit-zeuge befragt wurde. 146 Titel werden in diesem Zusammenhang ausführlicher gewürdigt, mit kurzen Inhaltsangaben, der Charakterisie-rung der Rolle von AMS, Zitaten zur Rezeption und aus Interviews des Darstellers. Die umfangreichsten Texte gibt es zu KÖNIGSKINDER (1962), …UND DEINE LIEBE AUCH (1962), NACKT UNTER WÖL-FEN (1963), PRELUDIO 11 (1964), DAS UNSICHTBARE VISIER (1973-76), GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT (1978), LOLA (1981), AVALON (1990), DIE MANNS – EIN JAHRHUNDERTROMAN (2001) und THE INTERNATIONAL (2009). Hinweise gibt es auch auf seine Synchronarbeit und die Mitarbeit an Hörspielen. Die Lektüre des Bandes erhöht den Respekt vor der künstlerischen Leistung. Mit Abbildungen in guter Qualität. Coverfoto: DIE MANNS. Mehr zum Buch: im-herzen-gaukler.html

Ein Leben auf unserem Planeten

David Attenborough (*1926) ist Naturforscher und gilt als einer der berühmtesten Tierfilmer der Welt. Er engagiert sich seit vielen Jahrzehnten für die Zu-kunft unseres Planeten und hat jetzt, 94jährig, seine Lebens-geschichte als Buch publiziert. In einem ersten Teil erzählt er als „Zeugenbericht“ konkrete Erlebnisse aus den Jahren 1937: erste Wahrnehmungen der Natur; 1954: erste Afrikareise für die BBC; 1960: zweite Afri-kareise, Erinnerungen an Bernhard Grzimek; 1968: Über-tragung der Mondlandung im Fernsehen; 1971: Reise nach Neuguinea; 1978: 13-teilige Sendereihe LIFE ON EARTH; 1989: in den Regenwäldern von Borneo; 1997: Filmarbeit auf dem Ozean; 2011: in der Arktis und der Antarktis; 2020: Bestandsaufnahme des Zustands der Erde. Der zweite Teil stellt Prognosen „Was vor uns liegt“: in den 2030er, 2040er, 2050er, 2080er, 2100er Jahren. Im dritten Teil wird eine „Vision für die Zukunft“ formuliert: Wie wir die Wildnis zurückbringen. Der letzte Satz des „Fazits“ heißt: „Die Zukunft unseres Planeten, der, soweit wir wissen, der einzige Ort ist, an dem Leben in den unterschiedlichsten Formen möglich ist, steht auf dem Spiel.“ (S. 251). Ein beeindruckendes Buch. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: David-Attenborough/Blessing/e585493.rhd

Top! Die Wette gilt

Ein Quiz zur Fernsehgeschichte der 1980er Jahre. Der Autor und Verleger Ulrich Hamann (Klartext Verlag) stellt 444 Fragen und gibt die entspre-chenden Antworten jeweils auf der Rückseite. 15 Bereiche sind im Fokus: Kultfiguren – Kult-serien – Polizei und Detektive – Politik und Nachrichten – Quiz und Show – Musik und Froh-sinn – Allgemeine Sendeplätze – Fußball und andere Sportarten – Familie und Soaps – Abenteuer und Spannung – Unvergessliche Werbung – Bildung und Kultur – Humor und Satire – Kinder und Jugend – Filme aus aller Welt. Die erste Frage lautet: „Wo praktizierte Professor Klaus Brinkmann?“ (Antwort, natürlich: In der Schwarzwaldklinik). Die letzte, 444. Frage: „Finsterer Mittelalterkrimi um einen Mord in einer Abtei, den William von Baskerville (Sean Connery) aus England und sein Novize, der junge Adson von Melk (Christian Slater) aus Niederösterreich aufklären sollen.“ Antwort: DER NAME DER ROSE. In den 80er Jahren begann das Privatfernsehen in der Bundesrepublik. Es spielt bei den Fragen eine große Rolle. Auch das DDR-Fernsehen ist einbezogen. Unterhaltsame Lektüre. Mehr zum Buch: 3193/top-die-wette-gilt?c=226

Der deutsch-türkische Film

13 Texte analysieren deutsch-türkische Filme aus unterschied-lichen Perspektiven. Das Heraus-geber-Quartett Deniz Bayrak, Enis Dinç, Yüksel Ekinci und Sarah Reininghaus begründet dies in der Einleitung. Bei Monika Riedel geht es um die Darstellung der türki-schen Frau im deutschen und deutsch-türkischen Dokumentar-, Spiel- und Fernsehfilm in 32 Bei-spielen. Klaus Schenk reflektiert über filmische Narration und Semiotik transkultureller Missver-ständnisse. Ali Osman Öztürk & Derya Canbolat beschäftigen sich mit der Rezeption des Films SHIRINS HOCHZEIT (1976) aus der Perspektive der türkischen Musikproduktion in Deutschland. Haci-Halil Uslucan untersucht die stereotype Darstellung von ZuwanderInnen in den Medien und ihren Einfluss auf kulturelle Teilhabe. Gudrun Marci-Boehnke erinnert an den Film HAPPY BIRTHDAY, TÜRKE (1992) von Doris Dörrie, Nils Jablanski an LOLA UND BILIDIKIT (1999) von Kutluğ Ataman, Hilal Keskin an ALMANYA – WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND (2011) von Yasemin Şamderelli. Stefan Schroeder äußert sich zu zwei Litera-turverfilmungen von Nuran David Calis: FRÜHLINGS ERWACHEN (2009) und WOYZECK (2013). Deniz Bayrak & Sarah Reininghaus erforschen städtische Räume und Regionalität in TATORTEN von Züli Aladağ und Umut Dağ. Ludger Hoffmann beschreibt aus sprach-wissenschaftlicher Perspektive das mehrsprachige Handeln im Film am Beispiel von GEGEN DIE WAND (2004) von Fatih Akin, Pembe Şahiner die Funktion der Sprache im Film SOLINO (2002) von Fatih Akin. Tuncer Cabadağ & Stephan Holz stellen interkulturelle Begegnungen in fiktionalen Welten in einen pädagogischen Rahmen. Anna Khalizova sieht Möglichkeiten des Filmeinsatzes im DaF-Unterricht, ihr Beispiel: HAYMATOZ: EXIL IN DER TÜRKEI (2016) von Eren Önsöz. In der Summe fügen sich die Texte zu einer deutlichen Erweiterung des besseren Verständnisses des deutsch-türkischen Films. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: der-deutsch-tuerkische-film/?number=978-3-8376-5439-4

SURVIVE THE NIGHT (2020)

Zwei junge kriminelle Brüder, Jamie und Matthias, überfallen eine Tankstelle, aber der Raub misslingt und Matthias hat eine Kugel im Bein, die entfernt werden muss. So verfolgen sie den Chirurgen Rich Clark in sein Haus, nehmen die Familie als Geiseln und fordern medizi-nische Hilfe. Richs Vater, der frühere Sheriff Frank, leistet Widerstand. Die Konflikte zwischen Jamie & Matthias und der Familie Clark eskalieren in der Nacht, es gibt Tote. Der Film von Matt Eskandari ist überschaubar im Plot, es fließt viel Blut, die kriminellen Brüder sorgen aber auch für komische Momente, weil sie so unprofessionell handeln. Bruce Willis als Frank spielt fast eine Nebenrolle, als Arzt Rich Clark steht Chad Michael Murray im Zentrum und macht seine Sache gut. Shea Bruckner und Tylor Jon Olsen als Jamie und Matthias haben unsere Sympathien, weil sie chancenlos sind. Ein kleiner Genrefilm. Bei EuroVideo ist jetzt die DVD des Films erschienen. Mehr zur DVD: survive-the-night,tv-kino-film.html

Věra Chytilová

Sie war eine Protagonistin der Neuen Welle des tschecho-slowakischen Films in den 1960er Jahren. Berühmt wurde sie mit dem Film TAUSEND-SCHÖNCHEN (1966). Věra Chytilová (1929-2014) ist das jüngste Heft der Film-Konzepte gewidmet, herausgegeben von Margarete Wach. Andreas Rauscher befasst sich mit ihren frühen Kurzfilmen. Nicole Kandioler untersucht die Filme VON ETWAS ANDEREM (1963) und DAS ERBE (1992). Kateřina Svatoňová entdeckt in ihren Filmen die Stilisierung als Möglichkeit der Annäherung an die Wahrheit. Margarete Wach ist mit einem informativen Vorwort und zwei Texten vertreten: einmal geht es um das Verhältnis von Chytilová zur französischen Nouvelle Vague, im zweiten Beitrag um drei dokumentarische Künstlerporträts. Schamma Schahadat richtet ihren Blick auf den Film GESCHICHTE DER WÄNDE ODER WIE EINE SIEDLUNG ENTSTEHT (1979). Mit Biografie, Filmografie und Abbildungen in guter Qualität. Eine schöne Würdigung der Filmemacherin. Coverabbildung: TAUSEND-SCHÖNCHEN. Mehr zum Buch: Margarete-Wach/dp/3967070875