Bonjour, Paris !

Fünf Filme hat Audrey Hepburn in Paris gedreht: SABRINA (1954) von Billy Wilder, FUNNY FACE (1957) von Stanley Donen, ARIANE – LOVE IN THE AFTERNOON (1957) von Billy Wilder, CHARADE (1963) von Stanley Donen und HOW TO STEAL A MILLION (1966) von William Wyler. Ihre Partner waren Humphrey Bogart, Fred Astaire, Gary Cooper, Cary Grant und Peter O‘Toole. Sabine Wenkums hat sich für dieses Buch auf eine Spurensuche begeben und all die Orte aufgesucht, an denen damals gedreht wurde: die Rue Léon Delhomme in SABRINA, die Rue Saint-Rustique, den Gare du Nord, die Ile de la Cité, den Quai François Mitterand, das Musée du Louvre, den Arc de Triomphe, den Eiffelturm, den Flughafen Orly in FUNNY FACE, die Rue Malebranche, den Gare de l’Est in ARIANE, den Quai de Montebello, das Palais Royal, die Avenue Gabriel, die Avenue Vélasquez, die Rue Scribe, die Rue Montmartre, das Hotel Maxim in der Rue Royal, den Place de Fontenoy in CHARADE, die Ponte de l’Archeveche, das Musée Carnavalet, das Palais de l’Élysée, das “Maxim’s“ in der Rue Royal, die Rue Parmentier, den Boulevard Haussmann, den Place François 1er in HOW TO STEAL A MILLION, die Opéra Garnier in FUNNY FACE und ARIANE, das Hotel Ritz am Place Vendome in ARIANE und HOW TO STEAL A MILLION, die Jardins des Champs-Élysées in CHARADE und HOW TO STEAL A MILLION. Im Hotel Raphael in der Avenue Kléber hat Audrey Hepburn oft gewohnt, wenn sie in Paris gedreht hat. Fotos und pointierte Beschreibungen machen die Orte präsent. Filmfotos rufen Szenen in Erinnerung. Eine schöne Erinnerung an Audrey Hepburn in Paris. Mehr zum Buch: 7&id=7&buchid=160&reihe=

TONSÜCHTIG (2020)

Die Wiener Symphoniker gibt es seit 120 Jahren. Sie sind jünger als die Wiener Philharmoniker, die 1842 gegründet wurden. Aber sie gelten als ein heraus-ragendes Orchester. Iva Švarcová und Malte Ludin durften für ihren Dokumentar-film das Innenleben des Orchesters erforschen. Proben und Gespräche lassen die Unterschiedlichkeit der Musikerinnen und Musiker erkennen. Eine Schlüsselrolle im Film spielt der Konzertmeister Florian Zwieauer, der nach 30 Jahren aus dem Amt scheidet. Gesucht wird ein Nachfolger. Gefunden wird eine Nachfolgerin, Sophie Heinrich, die zuvor Konzertmeisterin der Komische Oper in Berlin war. In Einzel- und Doppelinterviews erzählen die Mitglieder des Orchesters, die aus vielen Ländern stammen, was sie von einem Dirigenten, von ihren Kolleginnen und Kollegen erwarten und was den „Wiener Klang“ ausmacht. Auch außerhalb des Konzertsaals werden Beobachtungen gemacht: wie man zur Ruhe kommt und wo man seine Freizeit verbringt. Die Arbeit im Orchester ist anstrengend, der Leistungsdruck ist groß. Der Chefdirigent Philippe Jordan ist seit 2014 in seinem Amt, inzwischen ist er Musikdirektor der Wiener Staatsoper. Der 90-Minuten-Film ist beeindruckend durch die Nähe zu den verschiedenen Menschen, die als „Klangkörper“ fast täglich vereint sind. Für Musikliebhaber unbedingt sehenswert. Bei Falter in Wien ist inzwischen die DVD des Films erschienen. Mehr zur DVD: hoanzl.at/tonsuchtig.html

Herr Maiwald, der Armin und wir

Armin Maiwald gehört zu den Erfindern der Lach- und Sach-geschichten für Kinder, die seit 1972 als DIE SENDUNG MIT DER MAUS von der ARD ausgestrahlt werden. Kai von Westernmann, der Autor dieses Buches, ist Kameramann und dreht seit 1993 vorwiegend Sachgeschichten für die MAUS. Sein Blick in die Werkstatt ist eine unterhaltsame Geschichte der populären Sendung, ihrer Entstehung, Entwicklung und heutigen Form. Die kurzen Filme erfordern große Präzision, pointierte Texte und pädagogischen Verstand. Wie wird ein Löffel hergestellt? Wie funktioniert eine Kombizange? Wie baut man ein Schiff, ein Auto oder gar ein Feuerwehrauto? Die technische Entwicklung hat in den vergangenen fünfzig Jahren vieles verändert. Auch das muss vermittelt werden. Kai von Westermann ist nicht nur ein Mann der Bilder, sondern hat die große Fähigkeit sachlich und anekdotisch Arbeitsvorgänge zu erzählen, die verteilten Rollen im Filmteam zu beschreiben und anschaulich zu vermitteln. Die 40 Kapitel sind eine spannende Lektüre. Mit einem Nachwort von Heidrun Wilkening. Mehr zum Buch: herr-maiwald-der-armin-und-wir.html

Anderwelt

Der Schauspieler und Synchron-sprecher Philipp Moog hat seinen zweiten Roman publiziert. Er erzählt die Geschichte er Familie Bethmann. Der Vater Helmuth, genannt T.H., liegt im Kranken-haus und hat nur noch kurze Zeit zu leben. Seine Frau Amelie, genannt Mamuschka, ist dement. Der Sohn Justus ist Arzt, verhei-ratet mit Svenja, ihre gemein-same Tochter Katja befindet sich in der Pubertät. Der zweite Sohn, Marco, ledig, arbeitet als Fotograf und ist offen für Beziehungen. Die Tochter Neele erlebt gerade eine Familienkrise mit ihrem Mann Thomas und den beiden Kindern Finlay und Tiffany. Auch T.H.‘s Schwester Zäzilie, genannt Silly, und ihr schwuler Sohn Beni sind vor Ort. Zeit: August 2015. Alle 92 Kapitel erzählen aus der Ich-Perspek-tive. Zwei Personen sind die Hauptfiguren: Justus (27 Kapitel) und T.H. (24 Kapitel). Für große Aufregung sorgt Katja, die sich in einer Beziehungskrise befindet. Ihre Texte werden vorwiegend als SMS verschickt, ihr Suicidversuch kann im letzten Moment verhindert werden. T.H., 87 Jahre alt, erinnert sich an die Nazi-Zeit, als sein Kumpel Kalle zum Verräter wird. Er meldet dem zuständigen Amt, dass T.H.‘s jüngerer Bruder vielfach behindert ist. Das hat dessen Deportation zur Folge. T.H. rächt sich. Durch die Ich-Perspektive erhalten wir einen tiefen Einblick in das Denken, Fühlen und Handeln der Personen. Nur Svenja, Thomas und Tiffany haben keine eigenen Kapitel. Die Lektüre ist spannend, sie erfordert große Konzentration, um die schnell wechselnden Perspektiven im Kopf zu ordnen. Auch stilistisch wird ein hohes Niveau erreicht. Ich bin beeindruckt. Mehr zum Buch: moog-anderwelt/

Die Nibelungen

Das literarische Spiel von Felicitas Hoppe mit den Nibelungen findet auf vielen Ebenen, in unterschiedlichen Zeiten und mit häufigen Perspektivwechseln statt. Der Untertitel des Romans heißt „Ein deutscher Stummfilm“ und verweist auf den zweiteiligen Film von Fritz Lang aus dem Jahr 1924. Aber Schauplatz ist überwiegend die Freilichtbühne der Nibelungenfestspiele in Worms, wo „Frau Kettelhut“ Regie führt. Sie könnte eine Enkelin des Filmarchitekten Erich Kettelhut sein, der mit Fritz Lang zusammengearbeitet hat. Im Nachspann des Romans hat Quentin Tarantino einen Credit für die Dramaturgie. In seinem Western DJANGO UNCHAINED gibt es Hinweise auf die Nibelungen. Das Personal des Romans teilt sich zwischen Darstellung und Rollen. Wir erleben den Grünen Jäger Siegfried und seinen Widersacher Hagen, die deutsche Superwitwe Kriemhild und ihren Grünen Zwilling Brunhild, ihre Mutter Königin Ute, das dreifache G (Gunther, Gernot und Giselher), König Etzel („Die große Null“), Dietrich von Bern („Der größte Held von allen“) und die Tarnkappe, den Zwerg Zorn. Alle werden auf der Wormser Bühne von Schauspielerinnen und Schauspielern dargestellt, die zwischen den Akten Interviews geben sollen, obwohl sie lieber Ruhe hätten. Drei Großkapitel liefern die Struktur: „Der Rhein“, „Die Donau“ und „Die Klage“. Am Ende sind fast alle tot. Die Hauptfigur ist „Die Goldene Dreizehn“, die personifizierte Verkörperung des Schatzes, um den hart gekämpft wird. Er trägt das Gold in sich. Felicitas Hoppe spielt mit dem Stoff, sie arbeitet mit Assoziationen und Imaginationen, das macht die Lektüre nicht leicht. Gelegentlich wird aus der Prosaübertragung des Nibelungenliedes von Uwe Johnson zitiert. Ihm ist der Roman gewidmet. Ich finde ihn höchst lesenswert. Mehr zum Buch: felicitas-hoppe-die-nibelungen-9783100324580

Politik der Grenze

Interdisziplinäre Perspektiven auf die Frontier im Western der Gegenwart. Die elf Texte doku-mentieren eine Tagung, die im Februar 2020 an der Univer-sität Trier stattgefunden hat. Das Herausgeberduo Anja Peltzer und Jörn Ahrens leitet den Band mit einer pointierten Bestandsaufnahme zum Western der Gegenwart ein. Vinzenz Hediger befasst sich mit dem amerikanischen Western als Nachkriegsfilm („Schwarzer Kaffee für weiße Siedler“). Bei Elisabeth Bronfen geht es um den Western im zeitgenös-sischen TV-Drama („Resettling the Frontier“). Ivo Ritzer äußert sich zu den Western von Walter Hill („Moderne Genre-Tradition“). Marcus Stiglegger reflektiert über Generische Hybridität als zeitgenössische Mythentransformation („Inner Frontier“). Josef Früchtl sieht das Genre in einem philosophischen Zusammenhang („Der Western in postheroischer Zeit“). Jöhn Ahrens entdeckt die Ankunft der Moderne in Michael Winterbottoms THE CLAIM („They were like Kings“). Rainer Winter äußert sich zur Dekonstruktion des Cowboymythos („Die Faszination des individualistischen Helden“). Andreas Wagenknecht nimmt die DEFA-Indianerfilme unter die Lupe („Als Alex ausritt, den Western zu erobern“). Lars Nowak untersucht Raumkonstruktionen in den postklassischen Western von Anthony Mann („Zersplitterung, Entwurzelung, Entfremdung“). Arno Meteling beschäftigt sich mit Grenzräumen und Grenzobjekten im Western („Die Büchse der Pandora“). Anja Peltzer sieht eine Paradoxie gerechter Gewalt innerhalb und außerhalb des Western („Kopfgeldjäger und andere Pathologien des Rechthabens“). Alle elf Texte haben ein hohes Niveau und machen den Band sehr lesenswert. Mit Abbildungen in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: halem-verlag.de/politik-der-grenze/

MEIN JAHR IN NEW YORK (2020)

Eine Coming-of-Age-Geschichte aus den 1990er Jahren. Die junge Joanna möchte Schrift-stellerin werden. Sie arbeitet in einer New Yorker Agentur und hat dort die Aufgabe, die Fan-post an den Autor J. D. Salinger lakonisch mit dem Satz „Sorry, Mr. Salinger möchte keine Post“ zu beantworten. Dies geschieht damals noch mit der Schreib-maschine. Gegen die Anwei-sungen ihrer Chefin Margret beginnt Joanna, den Brief-schreibern persönlich zu antworten. Ihre Texte sind mit viel Empathie formuliert. Und als Zuschauer kommt man ihr sehr nahe. Der Film des kanadischen Regisseurs Philipp Falardeau öffnet einen interessanten Blick in die amerikanische Literaturszene, die beiden Hauptdarstellerinnen Margaret Quallery (Joanna) und Sigourney Weaver (Margaret) haben eine starke Ausstrahlung, und das New York vor 9/11 ist sehr präsent. Der Film wurde 2021 auf der Berlinale als Special gezeigt. Bei Koch Media ist jetzt die DVD des Films erschienen. Zu den Extras gehören Interviews mit Margaret Qualley, Philippe Falardeau und der Schriftstellerin Joanna Rakoff, deren Roman „My Salinger Year“ die Vorlage zum Film war. Sehr zu empfehlen. Mehr zur DVD: view/film/mein_jahr_in_new_york_dvd/

Medien der Sorge

Eine Dissertation, die an der Ruhr-Universität Bochum entstanden ist. Jasmin Degeling untersucht darin die Praktiken des Über-sich-selbst-Schreibens bei Christoph Schlingensief und Elfriede Jelinek. Es sind vor allem die späten medialen Arbeiten von Schlingensief, die hier im Blickfeld stehen. Als Künstler kommen Joseph Beuys, Hugo Ball und das Heilsprogramm von Richard Wagner ins Spiel. Ein eigenes Kapitel ist dem „Operndorf“ in Afrika gewidmet. „Kritischer Vitalismus“ und die Ästhetik des Lebendigen, die Ambiguität der Bilder und die kunstreligiöse Sakralisierung des Lebens schließen den Schlingensief-Teil. Bei Elfriede Jelinek geht es um ihr Überleben im Internet. Was ist ein Onlineroman? Was verbindet Autobiografien und Sorgetechniken? Wie entstehen literarische Figurationen des Wanderns? Das Internet hat ein eigenes Milieu für Virtualisierung und Selbstsorge. Die Mittel der ästhetischen Therapeutik sind begrenzt. Wer mit Schlingensief und Jelinek vertraut ist, findet viele interessante Hinweise und neue Informationen. Mehr zum Buch: medien-der-sorge-techniken-des-selbst

Tödliche Mischung

Heike Klippel, Professorin für Filmwissenschaft an der Uni-versität Braunschweig, erforscht in diesem beeindruckenden Buch das Giftmotiv im Spiel-film. Fünf Kapitel strukturieren den Text und werden mit Film-analysen konkretisiert. 1. „Die Giftmörderin“. Film: THE PARADINE CASE von Alfred Hitchcock. 2. Gift und Macht. Beispiele: die HAMLET-Filme von Laurence Olivier, Grigori Kozintsev, Tony Richardson, Franco Zeffirelli, Kenneth Branagh und Michael Alme-reyda, YE YAN – THE BANQUET von Xiaogang Feng und IWAN GROSNY von Sergej Eisenstein. 3. Illegitime Ansprüche und verkehrte Welt. Filmbeispiele: ARSENIC AND OLD LACE von Frank Capra, KIND HEARTS AND CORONETS von Robert Hamer, THE LAST SUPPER von Stacy Title als Komödien, MADELEINE von David Lean als Drama. 4. Gift und Abjekt. Filme: A BLUEPRINT FOR MURDER von Andrew L. Stone und MERCI POUR LE CHOCOLAT von Claude Chabrol (Stiefmütter), NOTORIOUS von Alfred Hitchcock, MOURNING BECOMES ELECTRA von Dudley Nichols, WHITE OLEANDER von Peter Kosminsky (Mütter), DRAGONWYCK von Joseph L. Mankiewicz und FOOTSTEPS IN THE FOG von Arthur Lubin (Giftmörder), MONSIEUR VERDOUX von Charles Chaplin und THE YOUNG POISENERS HANDBOOK von Benjamin Ross (Schwarze Komödien). 5. Gift und Verzweiflung. Filme: DAS BEKENNTNIS DER INA KAHR von G. W. Pabst, LA VERITÉ SUR BÉBÉ von Henri Decoin und THÉRÈSE DESQUEYREUX von Georges Franju (Ehedramen). Gift ist in der Regel nicht sichtbar. Die Autorin öffnet durch Szenenbeschreibungen den Blick auf das Verborgene, entlarvt Hinterhältigkeit und Kaltblütigkeit der Täter/innen. Die Filmauswahl ist gut getroffen, kleine Abbildungen geben dem Text eine zusätzliche Anschaulichkeit. Ein Basiswerk zum Thema Gift. Mehr zum Buch: titel-ansicht.php?id=267&am=12

Populäre Präsentationen

Es geht um Fotografie und Film als Medien musealer Aneig-nungsprozesse. 14 Beiträge zu einer Tagung, die 2018 im Museum für Fotografie in Berlin stattgefunden hat. Sieben Texte haben mir besonders gut ge-fallen. Ulrich Hägele vermittelt einen historischen Abriss zu Präsentation von Fotografie und Film im Museum und in Aus-stellungen von 1839 bis in die Gegenwart. Sehr anschaulich: seine Beschreibung der Aus-stellung des Deutschen Werkbunds „Film und Foto“ 1929 in Stuttgart. Antje Akkermann und Sebastian Bollmann haben ein Glossar der Medienplanung für die Ausstellungen der Staatlichen Museen zu Berlin im Humboldt-Forum zusammengestellt. Nathalie Dimic erinnert an die Foto-Ausstellungen „Die Frau in Haus und Beruf“ (Berlin 1912) und „Das Haus der Frau“ (Leipzig 1914), die zur Anerkennung der Fotografin als Beruf führten. Alexander Renz beschäftigt sich mit Fotografie und Film als dramaturgischem Mittel in kulturhistorischen Museumsausstellungen. Von Alexander Kraus stammt ein Beitrag über Reportagefotografie als Quelle der Zeitgeschichte in der Ausstellung „Robert Lebeck. 1968“. Irene Ziehe beschäftigt sich mit Foto und Film als Medien „volkserzieherischer“ Museumsarbeit in den 1920er und 1930er Jahren. Cornelia Brink richtet ihren Blick auf zwei Ausstellungen, die den Auschwitz-Prozess 1963-65 begleitet haben. Band 13 der Reihe „Visuelle Kultur. Studien und Materialien“. Mehr zum Buch: waxmann_pi2%5baction%5d=show