CLIFF WALKERS (2021)

Der Film von Zhang Yimou sollte eigentlich auf der Berlinale 2021 gezeigt werden, aber er war damals angeblich noch nicht fertig. Und er kam dann auch später nicht ins Kino. Nun ist er auf DVD und Blu-ray zu sehen. Schauplatz des spannenden Geschehens ist die Mandschurei 1932 während der japanischen Herrschaft. Zwei Paare – der Journalist Xianchen und seine Ehefrau Yu, ihr Kollege Chuliang und seine Freundin Lan – landen dort mit Fallschirmen, um einen chinesischen Gefangenen zu befreien, der Zeuge schrecklicher Kriegsverbrechen war und darüber aussagen soll. Xianchen und Lan, Chuliang und Yu machen sich in getrennter Formation auf den Weg. Ihre Gegner sind der sadistische Gao Bin und seine japanischen Kumpanen. Und dann gibt es noch den Doppelagenten Zhou. Die Konfrontationen sind brutal, es finden Nahkämpfe und Folterungen statt. Meist ist es Nacht und es fällt Schnee. Es ist manchmal nicht ganz leicht, die Orientierung zu behalten und die Schauplätze zu erkennen. Aber – wie immer bei Zhang Yimou – ist die Atmosphäre beeindruckend realisiert und die Präsenz der Kontrahenten bemerkenswert. DVD und Blu-ray sind jetzt bei Plaion Pictures (vormals Koch Media) erschienen. Sehenswert. Mehr zur DVD und Blu-ray demnächst unter: www.plaionpictures.com

Marilyn Monroe (3)

Noch eine Biografie zu ihrem 60. Todestag. Sie stammt von der spanischen Zeichnerin und Autorin María Hesse und erzählt Marilyn Monroes Vita in der Ich-Form. Der erste Satz lautet „Ich bin zwar keine Waise, aber ich bin wie ein verlassenes Mädchen aufgewachsen.“ So werden wir in der größten denkbaren Nähe durch ihr Leben geführt, erfahren viel über ihr Denken und Fühlen. Die drei Ehen mit James Dougherty, Joe DiMaggio und Arthur Miller spielen natürlich eine große Rolle, aber auch die Arbeit als Fotomodell und die Mitwirkung in Filmen zunächst als Nebendarstellerin, dann in Hauptrollen in NIAGARA, BLONDINEN BEVORZUGT und WIE ANGELT MAN SICH EINEN MILLIONÄR? Das Verhältnis zur Produktionsfirma Fox ist nicht einfach, weil sie vor allem als Glamourgirl besetzt wird. Sie verlegt ihren Wohnsitz nach New York, nimmt Schauspielunterricht bei Lee und Paula Strasberg und kann künftig ihre Rollen selbst wählen. Die letzten drei Kapitel haben Filmtitel zur Überschrift: BUS STOP, DER PRINZ UND DIE TÄNZERIN, MISFITS. Der letzte Satz heißt: „Es gibt eine Zukunft, und ich kann es kaum erwarten, bis sie eintritt.“ (S. 172). Die Zeichnungen von María Hesse wirken oft leicht verfremdet, haben aber auch eine große Nähe zu ihrer Protagonistin. Ein empfehlenswertes Buch. Mehr zum Buch: maria-hesse-marilyn-t-9783458682219

Marilyn Monroe

Heute vor sechzig Jahren ist sie in Los Angeles gestorben. Das schönste Buch zu diesem Anlass ist im Taschen Verlag erschienen. Es verbindet die Aufnahmen von Bert Stern mit der von Norman Mailer verfassten Biografie. Bert Stern (1929-2013) hat Marilyn Monroe sechs Wochen vor ihrem Tod an drei Tagen in Schwarzweiß und Farbe fotografiert. „The Last Sitting“ wurden die Bilder für die Modezeitschrift Vogue später genannt. Sie dominieren das Buch. Der Text von Norman Mailer (1923-2017) entstand 1973. Ursprünglich als Essay geplant, wurde daraus ein Romanbiografie, die sich einige Freiheiten nimmt, aber höchst lesenswert ist. Im Buch wird sie von kleinen Abbildungen von Magazin-Covern und Filmplakaten begleitet, die auf die einzelnen Lebensphasen verweisen. Mailer hat den Text handschriftlich verfasst, einige Faksimiles sind abgedruckt. Das Zusammenspiel von Text und Bildern ist ideal, die Druckqualität hervorragend. Man kann sich von dem Buch nur schwer trennen, wenn man es aufgeschlagen hat. Am besten legt man es während der Lektüre auf einen Tisch, denn als Großformat 28 x 34 cm wiegt es schwer. Das Buch erschien erstmals 2011, die Neuauflage ist sehr zu begrüßen. Mehr zum Buch: norman_mailer_bert_stern_marilyn_monroe.htm

Marilyn und die Sterne von Hollywood

Zu Marilyn Monroes 60. Todes-tag erscheinen zahlreiche Bücher, einige neue und manche älteren in überarbeiteter Form. Meist sind es Bildbände, die an den mythischen Star erinnern. Unterhaltsam ist der Roman „Marilyn und die Sterne von Hollywood“ von Claudia & Nadja Beinert, der auf die Jahre 1942 bis 1946 zurückblickt. Norma Jeane Baker befand sich schon als Kind in einer schwierigen Lage, weil ihre Mutter psychisch krank war und sich kein Vater für sie verantwortlich fühlte. Mit zehn Jahren übernimmt Gladys McKee, eine enge Freundin der Mutter, die Vormundschaft. 1942 heiratet Norma 16jährig den Nachbarn Jim Dougherty. Häufig geht sie ins Kino. Sie arbeitet zeitweilig in einer Rüstungsfabrik und wird dort von dem Fotografen David Conover entdeckt. Vor der Kamera verliert sie alle Selbstzweifel. Das erste Foto von ihr erscheint im November 1944 in dem Magazin Yank. Der Roman lässt eine erstaunliche Nähe zu seiner Protagonistin spüren. Die Hintergründe und Personen sind sehr gut recherchiert. Insofern: wer eine Phase von MMs Leben kennenlernen will, die weniger bekannt ist, sollte dieses Buch lesen. Mehr zum Buch: marilyn-und-die-sterne-von-hollywood/978-3-7466-3916-1

Strahlend und bewegt: Setsuko Hara

Sie hat in über 100 Filmen wichtige Rollen gespielt und wurde bei uns als Haupt-darstellerin in sechs Filmen von Yasujiro Ozu bekannt. Ich habe sie für mich bei einer Ozu-Retrospektive der Berlinale 1963 entdeckt und seither gehört sie zu meinen Lieblings-schauspielerinnen. Sie starb 2015 im Alter von 95 Jahren. Allerdings hat sie sich nach Ozus Tod 1963 vom Film und aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Ihr Lächeln bleibt unvergesslich. Rainer Landvogt beschreibt in seinem Buch Setsuko Hara in ihren frühen Filmen von 1935 bis 1949. Sie begann ihre Karriere im Alter von 15 Jahren, spielte 1936 eine Hauptrolle in der deutsch-japanischen Koproduktion DIE TOCHTER DES SAMURAI von Arnold Fanck, drehte sechs Filme unter der Regie von Satsuo Yamamoto, fünf unter Kajiro Yamamoto und Kunio Watanabe. Dreimal war Akira Kurosawa ihr Regisseur. Landvogt informiert ausführlich über 22 Filme, ihre Produktionshintergründe, Setsuko Haras Rollen und die Resonanz. Das Spektrum der Filme ist breit, man findet auch Komisches, Historisches und Propagandistisches. Sie konnte alles. Und nicht nur lächeln. Eine Kommentierte Filmografie schließt den Band ab. Mehr zum Buch: buch/strahlend-und-bewegt

NORTH HOLLYWOOD (2021)

Im Kino war dieser Film von Mickey Alfred bei uns nicht zu sehen. Aber er hat durchaus die Qualitäten dafür. Erzählt wird die Geschichte des Jungen Michael, der kurz vor seinem High-School-Abschluss steht und von einer Karriere als Profi-Skater träumt. Aber sein Vater, der als Bauarbeiter einen harten Job hat, ist strikt dagegen. Es gibt eine erste Liebe zu der attraktiven Rachel und zunehmend Spannungen zu den engsten Freunden. Wie soll sich Michael entscheiden? Das Coming-of-Age-Drama spitzt sich zu, das Ende überrascht. Schauplatz ist North Hollywood im Süden des San Fernando Valley, was dem Film einen eigenen Reiz gibt. Die Hauptrollen spielen Ryder McLaughlin (Michael), Vince Vaugn (Vater), Miranda Cosgrove (Rachel). Regie führte Mickes Alfred, es ist sein erster langer Film, der erstaunlich professionell wirkt. Bei EuroVideo ist jetzt die DVD erschienen. Empfehlenswert. Mehr zur DVD: 9,209900,North-Hollywood,tv-kino-film.html

Auf- und Ausbrüche

Im März 2021 ist der öster-reichische Regisseur Peter Patzak im Alter von 76 Jahren verstorben. Karin Moser hat jetzt ein Buch über Grenzüber-schreitungen in seinem Werk herausgegeben. 16 Texte beschäftigen sich mit seinen Film- und Fernseharbeiten, mit seiner Literatur, Malerei und akademischen Lehre. Hanna Prandstätter wirft einen Blick in den Vorlass von Patzak, der vom „Archiv der Zeitgenossen“ in Krems verwahrt wird. Hannes Leidinger befasst sich mit dem Film GAVRE PRINCIP – HIMMEL UNTER STEINEN (1990), Verena Moritz mit JULIUS TANDLER – MEDIZINER UND SOZIALREFORMER (1985). Bei Karin Moder geht es um die Kälte der „Leistungsgesellschaft“ in den Fernsehspielen GESUNDHEIT (1979) und DER AUFSTIEG – EIN MANN GEHT VERLOREN (1980). Joachim Dworschak erinnert an die Tatort-Folge DER VERGESSENE MORD (1977). Mario Keller beschreibt das Werbefilmschaffen von Patzak. Paul M. Horntrich rekonstruiert den Skandal um Ingmar Bergmans DAS SCHWEIGEN und die österreichische Filmlandschaft in den 1960er Jahren. Elisabeth Streit und Tom Waibel entdecken subversive Frauenfiguren in Patzaks frühen Filmen und Fernseharbeiten. Peter Huemer äußert sich zu Patzaks erster Arbeit für den ORF: JUGENDLICHE (1972). Christine Rigler und Thomas Ballhausen befassen sich mit Patzaks literarischen Arbeiten, Loys Egg mit seinen „hermetischen“ und „offenen“ Gemälden. Hubert Canaval, Stephan Wagner, Thomas Rigler und Julian Sharp bedanken sich bei ihrem akademischen Lehrer. Mit zahlreichen Schwarzweiß-Abbildungen und einem farbigen Bildteil. Ein vielseitiger Blick auf einen provozierenden Künstler. Mehr zum Buch: studienverlag.at/produkt/6127/auf-und-umbrueche/

Wie aus einem Film

Vor sechs Jahren hat Horst Dieter Sihler ein Buch über seine erlebte Filmgeschichte publiziert, das mir sehr gefallen hat: das-kino-von-horst-dieter-sihler/ . Jetzt hat er 33 Miniaturen aus den Jahren 1960 bis 2020 veröffentlicht. Wieder bewegen wir uns mit ihm durch die internationale Welt des Films, aber vor allem gibt es private Erinnerungen, die mit seinem Leben und der Stadt Klagenfurt zu tun haben. Es geht unter anderem um Solidarisches (den Besuch der Filmfestivals in Gdansk 1980 und in Leipzig 1989), Pantomimisches (Marcel Marceau und das Geheimnis des Theaters), Sportliches (Emil Zatopek lief ihm davon), Slowenisches (Annäherung an die zweite Landessprache), Poetisches (Lyrische Wege zum Bewusstsein), Alternatives (ein halbes Jahrhundert anderes Kino), Museales (das Österreichische Film-museum in der Zeit von Kubelka und Konlechner bis zu Alex Horwath), Diagonalisches (Bachmann-Wettbewerb und Österreichiche Filmtage entstanden gleichzeitig), Wohnliches (seine Höhle am Kreuzbergl hat Bauhaus-Atmosphäre), Pandemisches (kein Kino in der Corona-Zeit). Der für mich schönste Text ist das Protokoll einer OP: Wie ein einäugiger Filmkritiker seinen grauen Star verlor und dann klarer sah als je zuvor. Er erinnert mich an meine Augen-OP vor drei Jahren. Eine Fotogalerie (50 Seiten) mit Bildern aus Sihlers Leben ergänzt die Miniaturen. Die Idee zu dem Buch entstand an Sihlers 80. Geburtstag im September 2018. Dass es erscheinen konnte, ist dem Verleger Lojze Wieser zu verdanken (Brief an einen Verleger). Mehr zum Buch: buch/wie-aus-einem-film/

Blackout

„Ein Stromausfall (auch: ungeplante Versorgungsunter-brechung) ist eine temporäre Netzstörung im Stromnetz, durch die unbeabsichtigt die Elektrizitätsversorgung der Stromverbraucher unterbrochen ist.“ (Wikipedia). Denis Newiak beschreibt in seinem Buch, wie wir uns mit Filmen und TV-Serien auf einen Stromausfall vorbereiten können. Neun Kapitel strukturieren den Text: 1. Blackout überall. Von der Omnipräsenz einer zerbrechlichen Moderne. 2. Strom-krisenszenarien und ihre Ursache. Was sagt die Forschung? 3. Sie tappen im Dunkeln. Stromausfälle und ihre Helden und Heldinnen. 4. Angriff auf die Moderne. Blackout-Terrorismus und kriminelle Machenschaften. 5. Jetzt wird alles anders. Auf dem Weg in die Nachmoderne. 6. Die Psychologie des Blackouts. Wie Figuren auf die Krise reagieren. 7. Der Schrecken wartet in der Dunkelheit. Blackouts im Thriller und Horror. 8. Blackout als Apokalypse. Leben in der postelektrifizierten nachmodernen Welt. 9. Die Moderne muss weitergehen. Die Komik des Stromausfalls. In jedem Kapitel gibt es zahlreiche konkrete Beispiele aus Film und Fernsehen. Ich nenne zwölf Spielfilme: 10 CLOVERFIELD LANE (2015) von Dan Trachtenberg, 14 HOURS (2005) von Gregg Champion, AWAKE (2021) von Mark Raso, THE FOG (1980) von John Carpenter, HOW IT ENDS (2018) von David M. Rosenthal, INTO THE FOREST (2015) von Patricia Rozema, DIE KOMMENDEN TAGE (2010) von Lars Kraume, RADIO FLASH (2019) von Ben McPherson, THEN THERE WAS (2014) von Alex Garland, THE TRIGGER EFFECT (1996) von David Koepp, THE WOLF HOUR (2019) von Alistair Banks Griffin, WORLD WAR Z (2013) von Marc Foster. Natürlich braucht man viel Zeit und Strom, um sich diese und die anderen Filme sowie die zahllosen Fernsehserien anzuschauen. Vielleicht ist dann auch eine Psychotherapie notwendig. Am Ende des Buches gibt es eine Checkliste, was man zuhause haben sollte für den Fall eines Stromausfalls, zum Beispiel Wasser, Lebensmittel, Medikamente und einen Fluchtrucksack. Ich fühle mich gewappnet. Mehr zum Buch: titel/700-blackout-nichts-geht-mehr.html

Lugosi

Bela Lugosi (1882-1956) war der legendäre Hauptdarsteller des Films DRACULA (1931) von Tod Browning. Koren Shadmi erzählt seine Lebensgeschichte als Graphic Novel, beginnend im Motion Picture and Country House Hospital in L.A. 1955, wo Lugosi sich von seiner Drogen-sucht heilen lassen will. In Rückblenden erfahren wir alles über die Höhen und Tiefen seiner schauspielerischen Karriere, die in Ungarn ihren Anfang nimmt, wo er gegen den Willen seiner Eltern seine ersten Rollen im Theater und im Film spielt. Politische Veränderungen in seinem Heimatland zwingen ihn zur Auswanderung nach Amerika, obwohl er kaum Englisch spricht. Am Broadway ist er sehr erfolgreich in der Dracula-Rolle, die er dann auch im Film übernimmt. Allerdings verhandelt er schlecht bei den Gagen und lebt immer über seine Verhältnisse. Die Rolle des FRANKEN-STEIN lehnt er ab, weil er sein Gesicht nicht hinter einer Maske verstecken will. Boris Karloff wird in der Folgezeit sein Konkurrent im Horrorgenre. Zusammen sind sie in den Filmen THE RAVE (1935) und SON OF FRANKENSTEIN (1939) zu sehen. Lugosi spielt in vielen B-Movies mit, das Horrorgenre verliert an Bedeutung und sein Ruhm verblasst. Er gibt sich dem Alkoholkonsum hin und nimmt Drogen. Vier Ehen scheitern, zwei schon nach kurzer Zeit. Koren Shadmi stellt eine große Nähe zu Lugosi her, der am Ende im Dracula-Kostüm im Sarg liegt. Darüber steht: „Unsterblich“. Mit einem Vorwort von Joe R. Lansdale. Mehr zum Buch: tv-und-film-horror-comics/lugosi-ydlugo001