Bond Cars

Es gibt inzwischen 25 James Bond-Filme, der erste war DR. NO (1962), der bisher letzte NO TIME TO DIE (2021). Zu den Darstellern des Titelhelden gehörten Sean Connery, Roger Moore, Pierce Brosnan und Daniel Craig. In allen Bond-Filmen spielten Autos eine wichtige Rolle. Das Buch „Bond Cars“ von Jason Barlow öffnet dafür den Blick und macht uns mit all den Fahrzeugen vertraut, mit denen 007 selbst unterwegs war oder verfolgt wurde. Insgesamt sind es 160 Autos, die im Einsatz waren, am häufigsten stammten sie von der britischen Firma Aston Martin, aber auch BMW, Toyota und Citroen waren dabei. Es sind Fotos, Plakate, Storyboards, technische Zeichnungen und Auszüge aus den Originaldrehbüchern, die hier zu sehen sind. Zu den Personen, die im Text ausführlich zitiert werden, gehören der Produzent Michael G. Wilson, die Produzentin Barbara Broccoli, der Bond-Darsteller Daniel Craig und der Supervisor für Spezialeffekte Chris Corbould. 336 Seiten, hervorragende Druckqualität, ein herausragender Band. Mehr zum Buch: https://verlagshaus24.de/bond-cars

Labour in a Single Shot

In den Jahren 2011 bis 2014 realisierten Antje Ehmann und Harun Farocki in 15 Städten der Welt ein Workshop-Projekt, das von dem Film ARBEITER VERLASSEN DIE LUMIÈRE-FABRIK (1895) inspiriert war. Über 500 Studenten drehten kurze Videos zum Thema Arbeit, die an vielen Orten in einer Ausstellung gezeigt wurden. Roy Grundmann, Peter J. Schwartz und Gregory H. Williams haben bei Amsterdam University Press ein Buch herausgegeben, in dem das Projekt aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und gewürdigt wird. Die vier Kapitel haben die Überschriften „History“, „Poetics“, „Embodiment“ und „Networks“. Unter den elf Texten finde ich besonders die Beiträge von Peter J. Schwartz („On the Historical Metamorphoses of Psychotechnology“), Roy Grundman („One Shot, Two Mediums, Three Centuries“), Thomas Elsaesser („The Body and the Senses: Harun Farocki on Work and Play”), José Gatti („Videopoetics of Labour in a Single Shot”), Jeannie Simms („Labour, Care, and Leisure at Work and at Play”), Gregory H. Williams („Tools, Tactility, and Embodiment”), Thomas Stubblefield („Supply Chains, Logistics, and Flow”) und Gloria Sutton („The Networked Conditions of Labour in a Single Shot”) beeindruckend. Im Einleitungsbereich beschreibt Antje Ehmann die internationalen Workshops und Ausstellungen. Das Buch ist eine schöne Würdigung des Werks von Harun Farocki, der 2014 gestorben ist. Mehr zum Buch: 9789463722421/labour-in-a-single-shot

Cinema 67: Trennlinien

Trennlinien sind das Schwer-punktthema des 67. Schweizer Filmjahrbuchs. Jean Perret richtet seinen Blick auf das Verschieben, Durchleuchten und Ausweiten der Trennlinien. Mattia Lento beschreibt die italienische Diaspora und den filmischen Raum in der Schweiz. Bei Achim Hättich geht es um die Darstellung von Behinderung, bei Benjamin Eugster um soziale Trennlinien im Schweizer Spielfilm. In kürzeren Kommentaren äußern sich André Grieder zu Kontingenz und Extratram, Daniel Huber zu Begegnung und Dialog, Anne Kathrin Lombeck zu Brüchen und Brücken. Sina Früh und Andreas Bühlmann plädieren für mehr Diversität im Film. Karoline Arn und Martina Rrieder sprechen über ihre Filme JUNG UND JENISCH (2010) und UNERHÖRT JENISCH (2017). Die Filmemacher Marcel Bächtiger, Simon Guy Fässler, Frank Matter und Andreas Müller vermitteln Erfahrungen aus dem Schneideraum. Die Filmautorin Barbara Kulcsar, Andreas Furler von der Streaming-Plattform Cinefile, der Produzent Frank Matter und der Kinobetreiber Frank Braun sprechen über die Veränderungen in der Filmbranche. Ein Bildessay von Olga Titus erweitert den filmischen Blick. – Michael Koch schickt einen Brief aus Uri, wo er den Film DRII WINTER gedreht hat. Ein literarischer Beitrag stammt von Anja Nora Schuster. Doris Senn, Milos Lazovic und Noemi Daugaard berichten über die Solothurner Filmtage, die Schweizer Jugendfilmtage und das Filmfestival in Locarno. Auf 40 Seiten wird das Schweizer Filmschaffen 2020/21 dokumentiert. Viel Lesenswertes über unser Nachbarland. Mehr zum Buch: titel/715-trennlinien.html

Ästhetische Geschichtserkenntnis

Eine Dissertation, die am Karlsruher Institut für Technologie entstanden ist. Andre Bartoniczek untersucht darin die historische Erinnerung im filmischen Werk von Andres Veiel. Er klärt zunächst die Geschichts-reflexion zwischen Wissenschaft und Dichtung und widmet dann ein eigenes Kapitel der Darstellung von Geschichte im Dokumentarfilm, konkretisiert in NACHT UND NEBEL von Alain Resnais, MEIN KAMPF von Erwin Leiser, DER GEWÖHNLICHE FASCHISMUS von Michail Romm, BRUTALITÄT IN STEIN von Alexander Kluge. Ein wichtiger Aspekt ist der Durchbruch zum historischen Interviewdokumentarismus in Filmen von Erika Runge, Hans-Dieter Grabe, Eberhard Fechner, Klaus Wildenhahn und Marcel Ophüls. Biografische Geschichtserfahrungen von Andres Veiel leiten den Hauptteil ein. Im Mittelpunkt stehen zwei Filmanalysen: BLACK BOX BRD (2001) und DER KICK (2006). Im ersten Film werden die Lebensläufe des von der RAF ermordeten Sprechers der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und des RAF-Terroristen Wolfgang Grams in Gesprächen rekonstruiert. Im zweiten Film geht es um die Ermordung des 16-jährigen Marinus Schöberl durch die beiden neonazistischen Brüder Marco und Marcel Schönfeld und ihren Freund Sebastian Fink im brandenburgischen Dorf Potzlow im Sommer 2002. Der Film basiert auf Gesprächen, die Andres Veiel und Gesine Schmidt bei einer monatelangen Recherche geführt haben. Sie wurden szenisch nachgestellt. Die unterschiedlichen ästhetischen Herangehensweisen werden vom Autor präzise beschrieben. Es gibt Hinweis auf spätere Filme von Andres Veiel und zwei Gespräche mit ihm sind im Anhang des Buches dokumentiert. Ein Basiswerk zum Dokumentarfilm und zu Andres Veiel. Mehr zum Buch: aesthetische-geschichtserkenntnis/?number=978-3-8376-6063-0

NEW YORK, NEW YORK (1977)

Das musikalische Drama von Martin Scorsese führt uns zurück ins Jahr 1945. Die USA haben Japan besiegt, der Saxophonist Jimmy Doyle ist aus der Army heimgekehrt. In einem Tanzpalast lernt er die Sängerin Francine Evans kennen. Sie werden beide Mitglieder einer Band, sie heiraten, aber ihr Musik-geschmack erweist sich als unterschiedlich. Jimmy spielt Bebop in Harlem, Francine wird zum Hollywoodstar. Jimmy übernimmt einen Nachtclub. Man trifft sich noch einmal, aber eine gemeinsame Zukunft wird es nicht geben. Robert De Niro als Jimmy und Liza Minnelli als Francine sind herausragend. Hinter der Kamera stand László Kovács, seine Bilder sind beeindruckend. Es gibt von diesem Film eine zeitgenössische Kinofassung (137 Minuten) und einen Langfassung (163 Minuten). Beide sind jetzt bei Koch Media als Blu-ray erschienen. Zum Bonusmaterial gehören Kommentare von Martin Scorsese, László Kovács und der Filmkritikerin Carrie Rickey, entfallene Szenen und alternative Enden. Mit einem informativen Booklet von Anna S. Ullmann und Daniel Wagner. Unbedingt empfehlenswert. Mehr zur Blu-ray: new_york_new_york_special_edition_2_blu_rays_dvd/

Das Konzentrationslager Ravensbrück im Film

Eine Dissertation, die an der Humboldt-Universität Berlin entstanden ist. Katja S. Baum-gärtner untersucht darin Gender, Imagination und Memorialisierung in Dokumen-tar- und Spielfilmen über das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Sie hat für diese Arbeit insgesamt 195 Kurzfilme, Wochenschauen und Langfilme ermittelt, die im Anhang aufgelistet sind. 58 Filme werden in der Studie behandelt. Drei Kapitel strukturieren das Buch: Frühe Imaginationen und Utopien – Die Figur der Ravensbrücker Zeitzeugin: Verfestigungen und Splitter – Medialisierung der Figur der Ravensbrück-Zeitzeugin als Autorität. Zu den Filmen, die ausführlicher behandelt werden, gehören DIE LETZTE ETAPPE (Polen 1948) von Wanda Jakubowska, ODETTE (Großbritannien 1950) von Herbert Wilcox, CARVE HER NAME WITH PRIDE (GB 1958) von Lewis Gilbert, VERGESST MIR MEINE TRAUDEL NICHT! (DDR 1957) von Kurt Maetzig, EINE GEFANGENE BEI STALIN UND HITLER (BRD 1968) von Paul May, FRAUEN IN RAVENSBRÜCK (DDR 1968) von Joop Huisken und Renate Drescher, THE HIDING PLACE (USA 1975) von James F. Collier, ALLES VERGESSENE SCHREIT IM TRAUM UM HILFE (BRD 1980) von Albrecht Metzger, MAT‘ MARIJA (UdSSR 1982) von Sergey Kolosov, ZASTIHLA ME NOC (CSSR 1985) von Juraj Herz. Die Beschreibungen und Analysen der Filme sind beeindruckend. Ein Basiswerk. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: gender-imagination-und-memorialisierung/

Der geteilte Picasso

Im Museum Ludwig in Köln fand kürzlich eine Ausstellung über die unterschiedliche Rezeption von Pablo Picasso in der BRD und der DDR statt. Der von Julia Friedrich heraus-gegebene Katalog ist auch aus filmischer Perspektive sehr lesenswert. Bernard Eisenschitz informiert über den Dokumen-tarfilm PICASSO IN VALLAURIS (2020) von Peter Nestler, der im Auftrag des Museums Ludwig entstanden ist. Stefan Ripplinger erinnert an die deutsche Kunstkritik über Picasso von 1946 bis 1993. Hubert Briden verweist auf das umstrittene Bild „Guernica“ und seine bereinigte Geschichte. Georg Seeßlen befasst sich mit Picasso und der Populärkultur in der Bundesrepublik Deutschland. Hier wird auch der Film LE MYSTÈRE PICASSO von Henri George Clouzot gewürdigt. Von Günter Jordan stammt ein Beitrag über Picasso, Joris Ivens und die DDR. Iliane Thiemann äußert sich zu Brecht, Picasso und der Taube auf dem Vorhang des Berliner Ensembles. Mehrere Beiträge beschäftigen sich mit Schenkungen von Picasso-Kunstwerken von westlichen Gebern an Museen der DDR. Der Anhang enthält eine Auflistung aller Picasso-Ausstellungen von 1945 bis 1989. Dominiert wird der Katalog von Abbildungen in sehr guter Qualität. Mehr zum Buch: der-kuenstler-und-sein-bild-in-der-brd-und-der-ddr.html

Pier Paolo Pasolini

In diesem Monat ist der 100. Geburtstag des Filmemachers und Schriftstellers Pier Paolo Pasolini zu feiern. Das Kino Arsenal widmet ihm eine Filmreihe. Im Verlag Klaus Wagenbach ist ein sehr lesens-wertes Buch mit Gesprächen und Selbstzeugnissen erschienen, herausgegeben von Gaetano Biccari. Zwanzig Texte aus den Jahren 1958 bis 1975 erinnern an den streitlustigen Intellektuellen jener Jahre. Er erzählt von seiner Kindheit, von Fernsehkonformismus, der Bürgerlichkeit des Neorealis-mus, der Emanzipation der Frau, dem Publikum, der Nützlichkeit der Kunst, der Sprache des Fußballs und seinem Hass auf die Bourgeoisie. „Wir alle sind in Gefahr“ ist die Überschrift des letzten Interviews, das am 1. November 1975 stattfand, wenige Stunden vor der Ermordung Pasolinis. Ein „Nachruf auf mich selbst“ stammt aus dem Jahr 1968. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: pier-paolo-pasolini-in-persona.html

Hardy Krüger

Am 19. Januar 2022 ist Hardy Krüger im Alter von 93 Jahren gestorben. Er war als Schau-spieler und Schriftsteller erfolgreich. Das Hamburger Abendblatt hat ihm jetzt in seiner Reihe „Collector’s Edition“ eine 100-Seiten-Publikation gewidmet. Stefan Reckziegel erzählt in einem langen Text das Leben von Eberhard August Franz Ewald Krüger, geboren in Berlin-Wedding, der seine erste Rolle als 15jähriger in dem NS-Propagandafilm JUNGE ADLER unter der Regie von Alfred Weidenmann spielte, in den 1950er Jahren zu einem beliebten Star im westdeutschen Film wurde und in den 60er Jahren in Filmen wie TAXI NACH TOBRUK von Denys de La Pattelière, HATARI! von Howard Hawks, DER FLUG DES PHÖNIX von Robert Aldrich, DIE BRÜCKE VON ARNHEIM von Richard Attenborough und FLAMMERN AM HORIZONT von Richard Brooks international Karriere machte. Er wohnte meist in Hamburg, hatte eine große Liebe zu Afrika und lebte zuletzt in Palm Springs. Es gab viele Porträts von und Interviews mit ihm im Hamburger Abendblatt, zehn längere Auszüge aus den Jahren 1970 bis 2016 sind in dem Buch dokumentiert. Er hat sich in den vergangenen Jahrzehnten politisch sehr engagiert. Das Buch ist ein beeindruckendes Erinnerungsdokument. Mehr zum Buch: Hamburger-Abendblatt/products/3294?locale=de

HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE (2021)

Schauplatz des Dokumentar-films ist Stadtallendorf in Mittelhessen, ein Industrieort mit 20.000 Einwohnern. Viele sind ausländischer Herkunft. An der Georg-Büchner-Schule unterrichtet Dieter Bachmann die Klasse 6b. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus zwölf Ländern, sie sind im Schnitt 13 Jahre alt. Wir verbringen mit ihnen ein ganzes Schuljahr. Der Film dauert dreieinhalb Stunden, und am Ende findet man es traurig, dass er zu Ende ist. Der Lehrer Bachmann hat seine eigenen Unterrichtsmethoden. Er stellt persönliche Fragen, nutzt die Musik zur Verständigung und nimmt jeden ernst, der ihm anvertraut ist. Das Klassenzimmer hat eine ungewöhnliche Ausstattung, man kann sich dort zuhause fühlen. Der Film von Maria Speth hat herausragende Qualitäten, weil wir eine große Nähe zu allen Schülerinnen und Schülern und zu ihrem tollen Lehrer bekommen. Die Kamera von Reinhold Vorschneider ist geduldig und unsichtbar. Im vergangenen Jahr erhielt der Film die „Lola“ als bester Dokumentarfilm. Jetzt ist die DVD des Films erschienen. Unbedingt sehenswert. Mehr zur DVD: herr-bachmann-und-seine-klasse/hnum/10816123