Hollywood Blackout

Sternstunden des amerikani-schen Noir-Kinos von 1941 bis 1961 ruft Christian Keßler in Erinnerung. Es sind 275 Filme, die in diesem Buch gewürdigt werden. Zu den Stars dieser Filme gehören Humphrey Bogart, Burt Lancaster, Ray Milland, Robert Mitchum, Tyrone Power, Edward G. Robinson, James Stewart und Orson Welles, Lauren Bacall, Joan Crawford, Bette Davis, Ava Gardner, Katharine Hepburn, Rita Hayworth, Barbara Stanwyck und Elizabeth Taylor. Mit neun Filmen ist Robert Siodmak Spitzenreiter unter den Regisseuren, gefolgt von Fritz Lang (acht), Joseph H. Lewis und Anthony Mann (sieben), Otto Preminger (sechs), Phil Karlson und Don Siegel (fünf). Eine kurze Inhaltsangabe und eine längere Würdigung jedes Films führen uns durch zwanzig Jahre amerikanischer Kinogeschichte. Keßler ist sachkundig, vermittelt auch Hintergründe der Produktionen, vermeidet aber Anekdoten oder Trivialitäten. Sehr lesenswert. Man wünscht sich nach der Lektüre des Buches sofort eine Retrospektive. Es müssen ja nicht alle 275 Filme gezeigt werden. Mehr zum Buch: schmitz-verlag.de/Christian_Kessler/Buch.html

Weimar im Exil

In Kalifornien trafen sich viele Persönlichkeiten der Kultur der Weimarer Republik. Ihnen ist der von Sabina Becker und Fabian Bauer herausgegebene Band gewidmet. Einen Schwerpunkt bildet die Literatur mit Bertolt Brecht, Bruno Frank („Ich mache mit der linken Hand Filme, mit der rechten meine eigenen, unsterblichen Sachen“), Thomas Mann (zwei Texte: „Goethe in Hollywood“ und „Närrischer Kriminalfilm danach. Zu Hause Chokolade“), Lion Feuchtwanger, Alfred Döblin und den drei Exilantinnen Vicki Baum, Salka Viertel und Gina Kaus. In zwei Texten geht es um das Filmexil. Larissa Kleybor beschäftigt sich mit Ernst Lubitsch („Sein oder Nichtsein in Amerika“), Wilhelmine Luppold mit Fritz Lang („One-Way-Ticket nach Hollywood“). Auch die Philosophie in der Kulturindustrie wird gewürdigt. Robert Krause äußert sich zu Ludwig Marcuse („Wachsfigurenkabinett Zwanziger Jahre?“), Manuel Paß zu Theodor W. Adorno. Alle Texte haben ein hohes Niveau. Umschlagabbildung. Thomas Manns Haus in Pacific Palisades (1940). Mehr zum Buch: Details.aspx?ISBN=9783967075588#.YbeImy9XZHc

HAPPY TOGETHER (1997)

Der Regisseur Wong Kar-Wai ist einer der Großen des internationalen Arthouse-Kinos. Er hat in den vergangenen dreißig Jahren zehn herausragende Filme gedreht. HAPPY TOGETHER lief 1997 bei den Filmfestspielen in Cannes und gewann die Goldene Palme. Der Film erzählt die Geschichte des Schwulen-Paares Ho und Lai, das von Hongkong nach Argentinien auswandert, um die Beziehung zu retten. In ihrem Verhalten sind die beiden sehr unterschiedlich. Ho ist impulsiv und steht gern im Mittelpunkt, Lai verhält sich zurückhaltend und passt sich an. Ihre Wege trennen sich beruflich und persönlich. Am Ende kehrt Lai nach Hongkong zurück, Ho bleibt in Buenos Aires. Zu den großen Qualitäten des Films gehört die Kameraarbeit von Christopher Doyle, der die beiden Protagonisten auch in der Hektik der Städte nicht aus den Augen verliert. Leslie Cheung (Ho) und Tony Leung (Lai) beeindrucken durch die Körperlichkeit ihrer Darstellung. Der Film ist auch nach 25 Jahren höchst sehenswert. Bei Koch Media sind jetzt Blu-ray und DVD erschienen. Zu den Extras gehören Making-of-Interviews und ein Booklet. Mehr Informationen: wong_kar_wai_special_edition_4k_uhd_blu_ray_dvd/

Filmbuch des Jahres

Zwölfmal wähle ich ein „Film-buch des Monats“ unter den aktuellen Neuerscheinungen aus, und am Ende gibt es ein „Filmbuch des Jahres“. Dies ist für 2021 das „Handbuch Filmgenre“, herausgegeben von Marcus Stiglegger, erschienen im Verlag Springer VS. Fünf Teile strukturieren das Buch: I. Einleitung. II. Definition & Begriffsgeschichte. III. Film-Genre-Theorie. IV. Historische und lokale Perspektiven. V. Filmgenres in Einzelstudien. Motive, Standardsituationen und Transformationen. 38 Autorinnen und Autoren hat Marcus Stiglegger als Herausgeber für die Mitwirkung an diesem Buch gewinnen können, darunter befindet sich auch einige akademische Prominenz. Die jahrelange Arbeit an dem Projekt hat sich am Ende sehr gelohnt. Das Ergebnis ist ein 690-Seiten-Werk, das auch international einen neuen Standard für die Genre-Forschung setzt. Mehr zum Buch: filmbuecher/handbuch-filmgenre/

35 Millimeter: Metro-Goldwyn-Mayer

Dem Studio MGM widmet das neueste, 44. Heft der Zeitschrift 35 Millimeter seinen Schwer-punkt. In 12 Texten geht es um Genres, Regisseure und einzelne Filme. Tonio Klein schreibt über „Die unverschämtesten Pro-Code-Filme der MGM“, Matthias Merkelbach richtet seinen Blick auf den Film Noir bei MGM, Marco Koch erinnert an MGM British und Miss Marple, Robert Zion beschreibt drei Western mit Stewart Granger, bei Bernward Knappik geht es um den kurzen Flirt mit Cinerama 1962, Carsten Henkelmann sieht Science-Fiction als Nischen-Genre in der MGM-Glamour-Welt. Porträtiert werden die Regisseure George W. Hill und Jack Conway (Autor: Bernward Knappik). Als einzelne Filme werden THE MASK OF FU MANCHU (1932) von Charles Brabin (Autor: Clemens G. Williges), THE LAST OF MRS. CHEYNEY (1937) von Dorothy Arzner, DANCE, FOOLS, DANCE (1931) von Harry Beaumond und FURY (1936) von Fritz Lang (Autor: Tonio Klein) gewürdigt. Auf zehn Seiten gibt es DVD- und Buchkritiken. Lars Johansen erinnert an Hanns Heinz Ewers zu dessen 150. Geburtstag. Clemens G. Williges schwärmt von der Vorführung des Films DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM mit der Originalmusik von Hans Landsberger in Braunschweig. Bernward Knappik beschäftigt sich mit den frühen Filmen der Darstellerin Anne Bancroft, Michael Klein äußert sich zur Verfilmung der SCHACHNOVELLE von Gerd Oswald 1960. Tonio Klein hat ein interessantes Interview mit Catherine Wyler, der Tochter von William Wyler, geführt. Kleine Kolumnen informieren über dies und das. Im April erscheint die Nr. 45 von 35 Millimeter. Titelstory: Animationsfilm. Mehr zur Zeitschrift: produkt/35-millimeter-44-dezember-2021/

Hilde Knef und das Lied des Lebens

Heute kann man den 96. Ge-burtstag von Hildegard Knef feiern und mit dem Roman von Maxine Wildner in ihr Leben eintauchen, an ihren Erfolgen als Schauspielerin und Sängerin teilhaben, die Männer kennen-lernen, die sie durch verschiedene Phasen begleitet haben, die Schicksalsschläge miterleben, die sie erlitten hat. Es beginnt 1951 in Hollywood mit den Dreharbeiten zu SCHNEE AM KILIMAND-SCHARO. Henry King ist der Regisseur, Gregory Peck ihr Partner. In der Garderobe lernt sie Marilyn Monroe kennen, der sie den „Zauberberg“ von Thomas Mann leiht, den sie nicht zurückbekommt. Ein Zeitsprung ins Heute von Berlin-Mitte. Der Computergrafiker Tobias Gremmler geht ins Babylon-Kino. Dort findet gerade eine Hildegard-Knef-Retrospektive statt. Bei der Vorführung von SCHNEE AM KILIMANDSCHARO ist Tobias der einzige Zuschauer. Einige Tage später sieht er sich den Film noch einmal an. Mitten im Film steigt Hildegard Knef von der Leinwand, nimmt Tobias an die Hand und verlässt mit ihm das Kino. Das Paar streift durch die Stadt Berlin. Zeitwechsel sind ein Prinzip dieses Romans. Die 26 Kapitel sind jeweils mit Ort und Jahr überschrieben. Viel Raum beansprucht die Arbeit an dem Musical „Silk Stockings“ von Cole Porter, in dem sie am Broadway die Hauptrolle der Ninotschka spielt. Rückblenden führen uns in die 40er Jahre und erinnern an ihre Beziehung zu dem Reichsfilmdramaturgen Ewald von Demandowsky. Natürlich wird auch die Produktion des Willi-Forst-Films DIE SÜNDERIN (1950) geschildert. In den 60er Jahren war Hilde Knef mit dem britischen Schauspieler David Cameron liiert. Und 1968 sang sie erstmals das Lied „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Am Ende kehrt sie im Babylon auf die Leinwand zurück und Tobias verlässt das Kino. Der Roman ist mit großer Empathie geschrieben, es gibt amüsante Passagen und dramatische Momente. Lesenswert nicht nur für Hildegard Knef-Fans. Mehr zum Buch: hilde-knef-und-das-lied-des-lebens-t-9783458681885

Frohe Weihnachten

                     Wir wünschen frohe Weihnachten.

                  Hans Helmut Prinzler + Antje Goldau

Fotos: Rosemarie Schatter

Erika Rabau 100

Heute wäre die Foto-grafin Erika Rabau 100 Jahre alt geworden. Mehr als 30 Jahre war sie die offizielle Fotografin der Berlinale. Ihr Outfit, ihre Stimme und ihre Beweglichkeit sind unvergessen. Gern hat sie in ungewöhnlichen Filmen Nebenrollen gespielt, vor allem, wenn Lothar Lambert Regie führte. In seinem Film ERIKA, MEIN SUPER-STAR ODER FILMEN BIS ZUM UMFALLEN (2015) ist sie die Hauptfigur. Sie starb am 10. April 2016. Ich habe Erika bei ihrer Arbeit für die Berlinale oft beobachtet und ihre Professionalität als Fotografin schätzen gelernt. 2004 wurde Erika Rabau mit der Berlinale-Kamera ausgezeichnet. Hier ist meine Laudatio: 2004/02/erika-rabau/

Westwärts

Im November fanden in Hamburg das 18. Cinefest und der 34. Internationale Filmhistorische Kongress statt. Thema: Osteuropäische Filmschaffende in Westeuropa. Der Katalog, redaktionell verantwortet von Olaf Brill und Jörg Schöning, enthält Porträts von Marija Leiko, Lya Mara, Anna Sten, Johannes Guter, André Andrejew und Igor Luther, 26 Einführungen zu einzelnen Filmen, ein kleines Wanderer-Lexikon von Hans-Michael Bock und sechs Texte zum Thema: Russische Filmkünstler im deutschsprachigen Film 1917-1933 (Autor: Olaf Brill), Ostler, die vom Westen kamen – Regiekarrieren im Nationalsozialismus (Jörg Schöning), Vom Münchner Abkommen bis zum Prager Frühling – Wellen des tschechischen Filmexils (Tereza Czesany Dvorakova), Slatan Dudow bei der DEFA (René Pikarski), Osteuropäische Filmschaffende im Film der Bundesrepublik (Olaf Brill). Mit einer Einführung von Hans-Michael Bock. Coverabbildung: DER MÖRDER DIMITRI KARAMASOFF. Mehr zum Buch: ISBN=9783967076738#.Ya-DAy9XZHc Im kommenden November wird die Dokumentation der Veranstaltung erscheinen.

Karlsruhe als Filmkulisse

Karlsruhe ist die drittgrößte Stadt in Baden-Württemberg. Sie hat eine erstaunliche mediale Präsenz. Dies dokumentiert das Buch von Oliver Langewitz und Nadine Knobloch. 31 Filme aus den vergangenen 60 Jahren, die in Karlsruhe gedreht wurden, werden detailliert beschrieben, beginnend mit MEINE FRAU FÜR EINE STUNDE (1960) von Eduard von Borsody, endend mit RÄUBERHÄNDE (2020) von Ilker Çatak. Darunter sind auch ALLEIN UNTER FRAUEN von Sönke Wortmann, KASPAR HAUSER von Peter Sehr, DIE MORAL DER RUTH HALBFASS von Volker Schlöndorff, DER WALD VOR LAUTER BÄUMEN von Maren Ade, GLÜCKSKIND von Michael Verhoeven und IN DEN GÄNGEN von Thomas Stuber. Zwölf Gespräche mit den Regisseuren Volker Schlöndorff, Achim Bornhak, Burghard Feige, Ilker Catak, Dietrich Brüggemann, der Regisseurin Nina Franoszek, der Film-Commision-Leiterin Simone Schmidt, dem Stunt-Koordinator Marko König, dem Aufnahmeleiter René von Bodisco, dem Special-Effects-Koordinator Gerd Nefzer, der Szenenbildnerin Silke Buhr, dem Tatort-Forscher Stefan Scherer begleiten uns durch den Band. Zwölf TATORTE wurden teilweise in Karlsruhe gedreht, drei aus den 70er und 80er Jahren spielen in der Stadt. Die Einführung des Autorenduos „Architektur und Filmraum“ ist sehr informativ. Das Buch insgesamt gibt einen tiefen Einblick in die Struktur der Stadt mit dem Blick hinter die Filmkulissen. Mehr zum Buch: home/Karlsruhe-als-Filmkulisse-p395678523