Eroticism in Films and Video Games

Der Band, herausgegeben von Angela Fabris und Jörg Helbig, dokumentiert die Referate einer Tagung, die im November 2017 an der Universität Klagenfurt stattgefunden hat. Zwölf Texte beschäftigen sich mit dem Thema „Eroticism and Film“. Angela Fabris erinnert an „The Beginning of Eroticism in Early Italien Cinema“, Catherine Ramsey-Portolano äußert sich zu „The Diva and the Seduction of Female Sickness in Early Italien Cinema“. Elisa Mandelli und Valentina Re äußern sich zu „Cinema nuovo, Cinematic Eroticism and Masculinities in Post-war Italy“. Jörg Helbig beschreibt „How Michelangelo Antonioni Sexed up British Cinema“. Linda Williams unterscheidet zwischen „Bad Sex and Good Sex in the New Hollywood“. Bei Willem Strank geht es um „The Capitalisation of the Body in Jerzy Skolimowski’s DEEP END“. Giovanni Maina und Federico Zecca informieren über „Sexual Dystopia and Excess in the Italian Erotic Comedy of the 1970s“. Wieland Schwanebeck richtet seinen Blick auf „Erotic Twinship in Lucio Fulci’s LA PRETORA“. Georgi Wehr reflektiert über „Seduction and Submission all’italiana“. Angela Krewani entdeckt „The Erotic Triangle: The Feminine Body, the Cinematic Gaze and the Video Camera“. Benjamin Moldenhauer widmet sich „Intertextuality, Arousal, and World Experience in Peter Strickland’s THE DUKE OF BURGUNDY“. Stephen Doheny und Mark Schreiber erkunden „Sex and the Erotic in Irish Film and Television“. In drei Beiträgen geht es um Eroticism and Videogames. Mit Abbildungen in guter Qualität. Alle Texte haben hohes theoretisches Niveau. Mehr zum Buch: http://www.wvttrier.de

PANDORA’S BOX (1929)

In der Reihe „BFI Film Classics“ werden immer wieder deutsche Filme der 1920er und 30er Jahre gewürdigt. Jetzt ist (in zweiter Auflage) das Buch von Pamela Hutchinson über DIE BÜCHSE DER PANDORA (1929) von G. W. Pabst mit Louise Brooks in der Hauptrolle erschienen. Die sechs Kapitel heißen „Brooks and Pabst: The Star and the Director“, „Wedekind und Lulu’s ‚Divine Birth’“, The Making of Pandora’s Box“, „The Cast of Pandora’s Box“, „Pandora’s Box Act by Act“, „Beyond Pandora’s Box“. Die Autorin schreibt auf hohem Niveau, natürlich hat sie auch Eric Rentschlers Pabst-Buch zu Rate gezogen, ihre Erkenntnisse regen dazu an, den Film wiederzusehen. – Demnächst wird auch der Band über Fritz Langs M (1931) von Tony Kaes nach zwanzig Jahren in überarbeiteter Form neu erscheinen. Mehr zum Buch: die-buchse-der-pandora-9781838719760/

Frieda Grafe – drei Texte, eine Laudatio

Sie war die von mir am höchsten verehrte Autorin zu Themen des Films, weil sie quer dachte, während andere lieber geradeaus schrieben. Wenn ich sie als Mitarbeiterin für eine Publikation der Kinemathek gewinnen konnte, war ich als Herausgeber so glücklich wie bei niemandem sonst. Frieda Grafe (1934-2002) hat ein Lebenswerk hinterlassen, das ihr Witwer, Enno Patalas, in einer zwölfbändigen Ausgabe publiziert hat. Drei Texte von ihr sind jetzt in einem kleinen Heft vom Harun Farocki Institut veröffentlicht worden. „Souvenirs, zur Feier des Tages“ war ein Beitrag im Spiegel special zu 100 Jahre Kino (Dezember 1994). Die ersten beiden Sätze lauteten: „Der einzige Film, den mein Vater je sah, war BADENDE VENUS, ein Farbfilm von 1944 mit dem Schwimmstar Esther Williams, lateinamerikanisch rhythmisiert von dem Bandleader Xavier Cugat. Mein erster Badeanzug kam aus einem Carepaket und war aus einem Lurexgewebe, erdbeerfarben, fraise écrasée sagen die Franzosen, die in solchen Dingen genauer sind und besser wissen, was Essen, Stoffe und Farben miteinander zu tun haben.“ „Ursprünge“ war eine Kritik des Films KAMPF UM EIN KIND von Ingemö Engström, die am 19./20. April 1975 in der Süddeutschen Zeitung erschien und nicht in den Grafe-Schriften enthalten ist. „Der bessere Dokumentarfilm, die gefundene Fiktion“ war ein Vortrag, den Frieda Grafe am 24. Mai 1991 im Wiener Stadtkino gehalten hat: eine wunderbare Reflexion über den Essayfilm. Abgedruckt ist auch die Festrede von Harun Farocki auf Frieda Grafe und Enno Patalas, die er im November 2000 in der Hochschule der Künste Berlin zur Verleihung des 01-Award gehalten hat. Alle Texte in Deutsch und Englisch. Mehr zum Heft: souvenirs-urspruenge-gefundene-fiktion/

DIE GRÄFIN VON HONGKONG (1966)

Natascha (Sophia Loren) ist eine russische Gräfin, die vor den Kommunisten aus ihrem Heimatland fliehen musste und jetzt als Prostituierte in Hong-kong arbeitet. Sie lernt dort den amerikanischen Diplomaten und Milliardär Ogden Mears (Marlon Brando) kennen, der mit seinem Schiff nach Amerika zurückkehrt. Zunächst als blinder Passagier an Bord: Natascha. Das Boot wird zum Schauplatz mehr oder weniger komischer Konflikte. Mears verliebt sich schließlich in Natascha, aber er beabsichtigte ohnehin, sich scheiden zu lassen. Und wie soll Natascha die Einbürgerungs-formalitäten überstehen? Für das Happyend müssen viele schwierige Entscheidungen getroffen werden. Dies war der letzte Film, bei dem Charles Chaplin Regie führte. Er hat einen kurzen Auftritt als Steward auf dem Schiff. Man weiß, dass die Dreharbeiten kompliziert waren, weil Brando und Chaplin sich nicht gut verstanden. Die Einspielergebnisse waren trotz der Starbesetzung enttäuschend. Heute hat die Komödie einen ziemlich großen Unterhaltungswert, nicht nur, weil die Konflikte zwischen China, dem Spezialschauplatz Hongkong und den USA sich sehr verändert haben. Bei Koch Media sind gerade DVD und Blu-ray des Films erschienen. Empfehlenswert. Mehr zur Blu-ray: a_countess_from_hong_kong_blu_ray/

LITTLE WOMEN (2018)

Greta Gerwigs Verfilmung des Romans von Louisa May Alcott ist die vierte. George Cukor machte 1933 den Anfang, die Hauptrolle spielte Katharine Hepburn. Dann folgte 1949 Mervyn LeRoys Adaption mit June Allyson als Jo March, 1994 führte der Australier Gillian Armstrong Regie, Winona Ryder war Josephine. Diesmal sehen wir Saoirse Ronan in der Schlüsselrolle, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Vier Schwestern wachsen in einem eher konservativen Elternhaus auf, bis eine sich von der Familie emanzipiert und Schriftstellerin wird. Geld, Gesundheit und kulturelle Erwartungen spielen eine wichtige Rolle. Der Film ist sehr unterhaltsam, unter den Darstellerinnen haben mir – neben Saoirse Ronan – Emma Watson als Schwester Meg, Florence Pugh als Schwester Amy, Laura Dern als Marmee March und natürlich Meryl Streep als alte reiche Tante besonders gut gefallen. Einen Oscar gab es nur für die Kostüme. Bei Sony ist jetzt die DVD des Films erschienen. Mit umfangreichem Bonusmaterial. Mehr zur DVD: movie/3894/little-women

Wim Wenders 75

Heute wird der Filme-macher Wim Wenders 75 Jahre alt. Dazu gratuliere ich ihm sehr herzlich. Die ARD ehrt ihn mit der Präsenz zahlreicher Filme in ihrer Mediathek und mit der Dokumentation WIM WENDERS – DESPERADO, die um 23.50 Uhr ausgestrahlt wird. Sie stammt von Eric Friedler und Andreas Frege (Campino). Sie durften Wim für längere Zeit bei Reisen begleiten. Ihr Fokus liegt auf Amerika, wo er in den frühen Achtzigern wichtige Erfahrungen gemacht hat. Man sieht in der Dokumentation Wim in der Landschaft von PARIS, TEXAS, in Los Angeles, in Montana, aber auch in Paris und Wien. Es gibt Statements u.a. von Francis Ford Coppola, Willem Dafoe, Andie MacDowell, Patrick Bauchau, Ed Lachman, Patti Smith, Rüdiger Vogler, Werner Herzog und Hanns Zischler. Wir sind bei aktuellen Dreharbeiten von Wim dabei, sehen Archivmaterial, das bisher unveröffentlicht war, und erleben einen Weltreisenden, der sich ohne Sentimentalität an frühere Zeiten erinnert. Ein schönes Geburtstagsgeschenk. Mehr zum Film DESPERADO und zu Wim Wenders: https://wim-wenders-desperado.com

Historische Medienforschung

Inspiriert durch eine Tagung, die 2017 in Leipzig stattgefunden hat, versammelt der Band fünf Beiträge zu Konzepten und Methoden einer historischen Wirkungsforschung und acht Fallstudien. Die fünf Plädoyers von Ulrike Weckel, Patrick Merziger, Hans-Jörg Stiehler, Udo Göttlich und Kaspar Maase machen das breite Spektrum der Forschung deutlich. Themen der acht Fallstudien sind Medien-wirkungen im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg (Benno Nietzel), Werbepsychologie der 1920er Jahre (Patrick Rössler), die TV-Sitcom MARRIED…WITH CHILDREN und die Stereo-typisierung der US-amerikanischen Working Class (Andre Dechert), biografische Interviews zur Mediennutzung in West-Berlin (Maria Löblich), eine Re-Analyse der DDR-Medienwirkungsforschung am Beispiel der Verfilmung des Kinderbuchs „Die Reise nach Sundevit“ 1966 (Andy Räder), die Mediennutzung in Ostdeutschland nach der deutschen Wiedervereinigung (Gerlinde Frey-Vor), Filmrezeption und politische Kontrolle in der DDR der 1950er Jahre (Fernando Ramos Arenas) und die Rundfunkhörerbeteiligung in der BRD der 1970er Jahre (Tabea Bodenstedt). Die Fallstudien sind dank ihrer Konkretisierung spannend zu lesen. Das Buch ist vor allem für Studierende der Kommunikations-, Medien- und Geschichtswissenschaft wichtig. Mehr zum Buch: historische-medienwirkungsforschung/

Alles schon mal dagewesen

Der Potsdamer Medienwissen-schaftler Denis Newiak erzählt uns in seinem gerade bei Schüren erschienenen Buch, „Was wir aus Pandemie-Filmen für die Corona-Krise lernen können“. Das zeitliche Spek-trum der besprochenen Filme und Serien reicht von 1995 (12 MONKEYS) bis 2020 (THE RAIN, eine dänische Serie). 15 Filme und sechs Serien werden genauer vorgestellt. Es geht um Gefahr und Einsamkeit, Unwis-senheit und Demoralisierung, Gewalt und Pogrome, Bioter-rorismus und missglückte Experimente, Hoffnungslosigkeit und Angst. Das letzte Kapitel heißt „Die Einsamkeit der Nachmoderne und die Hoffnung auf neue Gemeinschaften“. Zu den Filmbeispielen gehören BLINDNESS von Fernando Feirelles, CONTAGION von Steven Soderbergh, DAWN OF THE PLANET OF THE APES von Matt Reeves, I AM LEGEND von Francis Lawrence, INVASION von Dito Tsintsadze, DIE KOMMEN-DEN TAGE von Lars Kraume, THE LAST DAYS von Alex und David Pastor, OUTBREAK von Wolfgang Petersen, PHASE 7 von Nicolás Goldbart, PERFECT SENSE von David Mackenzie, WORLD WAR Z von Marc Foster und David Fincher, ZOMBIELAND und ZOMBIE-LAND: DOUBLE TAP von Ruben Fleischer. Die Auswahl ist gut, die Beschreibungen sind konkret, die Lektüre ist spannend. Das persön-liche Vorwort des Autors heißt „Das war absehbar“. Mehr zum Buch: alles-schon-mal-dagewesen.html

Scharfsichtige Frauen

Acht Fotografinnen porträtiert Unda Hörner in diesem kleinen, wunderbaren Buch , das bei ebersbach & simon erschienen ist: Berenice Abbott, eine Ame-rikanerin Paris, Lee Miller, das Model hinter der Kamera, Flo-rence Henri, die New Yorkerin mit dem Bauhaus-Blick, Ré Soupault, die Abenteuerin mit der Kamera, Marianne Bres-lauer, die Entdeckerin des Unsichtbaren, Germaine Krull, die Erfinderin des Eiffelturms, Gisèle Freund, die Freundin des Farbfilms, und Dora Maar, die Fotografin der Surrealisten. Es ist das Paris der 1920er und 30er Jahre, das hier als Hauptstadt der Avantgarde präsent wird. Eine Schlüsselrolle spielt das Atelier des aus Amerika gekommenen Man Ray in der Rue Campagne-Première. In der Einleitung („Blende auf“) wird das anschaulich erzählt. Und in der Summe der Porträts wird deutlich, wie sich in jenen Jahrzehnten das Frauenbild verändert hat. Das Buch von Unda Hörner ist unbedingt zu empfehlen. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: scharfsichtige-frauen

GOLDFIEBER IN ALASKA (1935)

Angesichts der steigenden Gold-preise gewinnen historische Filme über die Goldsuche an Aktualität und Spannung. CALL OF THE WHITE stammt von dem Regisseur William A. Well-man, ist 85 Jahre alt und basiert auf dem Roman „Wolfsblut“ von Jack London. Hauptfiguren sind der erfolgreiche Goldsucher Jack Thornton (Clark Gable), der seinen Reichtum immer schnell verjubelt, und der zwielichtige Shorty Hoolihan (Jack Oakie), die sich auf den Weg in den Norden machen. Unterwegs treffen sie die verzweifelte Claire Blake (Loretta Young), die von Wölfen bedrängt wird und auf der Suche nach ihrem verschwundenen Mann ist. Eine Schlüsselrolle spielt der Schäferhund Buck. Der Film ist spannend, es gibt viele Gags, aber zum Schluss kein Happy-End zwischen Jack und Claire. Immerhin kommen Jack und Shorty zu großem Reichtum, dessen aktueller Wert kaum einzuschätzen ist. DVD und Blu-ray des Films sind jetzt bei Koch Media erschienen. Unbedingt sehenswert. Mehr zur DVD: goldfieber_in_alaska_blu_ray/