Movie Cocktails

Coole Drinks aus legendären Filmen können in diesen heißen Tagen zur Entspannung beitra-gen. 72 Cocktail-Rezepte prä-sentiert das Buch von Will Francis (Text) und Stacey Marsh (Illustrationen). Sie sind alphabetisch geordnet: von Amber Moon aus dem Film MURDER ON THE ORIENT EXPRESS (1974), getrunken von John Gielgud, bis Zombie aus dem Film TO GILLIAN ON HER 37TH BIRTHDAY (1996), getrunken von Claire Danes. Hier sind noch zehn weitere Empfehlun-gen: Daiquiri aus dem Film OUR MAN IN HAVANNA (1959), getrunken von Alec Guiness, Dubonnet Cocktail aus dem Film TOOTSIE (1982), getrunken von Dustin Hoffman, French 75 aus dem Film CASABLANCA (1942) getrunken von Humphrey Bogart, Kir Royal aus dem Film THE PHILADELPHIA STORY (1940), getrunken von Katharine Hepburn, Manhattan aus dem Film SOME LIKE IT HOT (1959), getrunken von Marilyn Monroe, Mississippi Punch aus dem Film BREAKFAST AT TIFFANY’S, getrunken von Audrey Hepburn, Rob Roy aus dem Film ANGELS OVER BROADWAY (1940), getrunken von Rita Hayworth, Scotch Mist aus dem Film THE BIG SLEEP (1946), getrunken von Lauren Bacall, Singapore Sling aus dem Film FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS (1998), getrunken von Johnny Depp, Vodka Gimlet aus dem Film ABOUT SCHMIDT (2002), getrunken von Jack Nicholson. Jedem Drink und jeder Person sind zwei Seiten gewidmet: mit Rezept und Geschichte des Drinks, Handlung des Films und gezeichnetem Porträt. „Cheers!“. Mehr zum Buch: Will-Francis/Prestel/e584863.rhd

Alienität und Alterität

Eine Dissertation, die an der Westfälischen Wilhelms-Uni-versität Münster entstanden ist. Sarah Brauckmann untersucht darin Raumkonzepte in den Filmen David Leans und fragt nach der Identitätssuche der handelnden Personen. Vier Filme des Regisseurs werden detailliert untersucht: der Kriegsfilm THE BRIDGE ON THE RIVER KWAI (1957) nach dem Roman von Pierre Boulle, das Historienepos LAWRENCE OF ARABIA (1962), das russi-sche Liebesdrama DOCTOR ZHIVAGO (1965) nach dem Roman von Boris Pasternak und der Historienfilm A PASSAGE TO INDIA (1984) nach dem Roman von Edward Morgan Forster. Jede Analyse beginnt mit „Befunden einer Annäherung“ an Räume und Grenzen. Es folgen „Die sujetlose Ebene“ und „Die sujethafte Ebene“. Am Ende steht jeweils eine raumseman-tische Auswertung. Alle vier Analysen haben einen Umfang von je rund achtzig Seiten und erschließen die Filme konkret und bildgenau. Die Inszenierungsqualitäten des Regisseurs werden deutlich, auch Kamera-führung und Montage stehen im Blickpunkt. Der Text hat ein hohes theoretisches Niveau. Mit 100 kleinen Abbildungen in sehr guter Qualität. Coverfoto: LAWRENCE OF ARABIA. Mehr zum Buch: 673-alienitaet-und-alteritaet.html

Cinépassion – Coming of Age

„Cinépassion“ ist eine Veran-staltungsreihe in Zürich, bei der Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker Filme mit einer fachlichen Einführung zeigen und diskutieren. Zum vierten Mal ist jetzt ein Band mit den (überarbeiteten) Texten erschienen. Thema: Coming of Age. Zwanzig Filme wurden vorgeführt, die dokumentierten Texte sind jeweils zehn oder elf Seiten lang und öffnen den Blick für den psychischen Hinter-grund. Die zwölf Referentinnen und Referenten sind fast durchweg in einer eigenen Praxis in Zürich tätig. Jeweils drei Texte stammen von Yvonne Frenzel Ganz, Markus Fäh und Andrea Kager. Dies sind die ausgewählten Filme: L’ENFANT D’EN HAUT (2012) von Ursula Meier, FISH TANK (2009) von Andrea Arnold, STAR (2014) von Anna Melikyan, MOMMY (2014) von Xavier Dolan, THE LOVELY BONES (2009) von Peter Jackson, BILLY ELLIOT (2000) von Stephen Daldry, LA HAINE (1995) von Mathieu Kassovitz, BULLY (2001) von Larry Clark, DAS WEISSE BAND (2005) von Michael Haneke, ATONEMENT (2007) von Joe Wright, DORA ODER DIE SEXUELLEN NEUROSEN UNSERER ELTERN (2015) von Stina Werenfels, DIE FREMDE (2010) von Feo Aladag, HOME (2008) von Ursula Meier, A CLOCKWORK ORANGE (1971) von Stanley Kubrick, THE RETURN (2003) von Andrej Swjaginzew, ABRIT PUERTAS VENTANAS (2011) von Milagros Mumenthaler, ENTRE LES MURS (2008) von Laurent Cantet, PERSEPOLIS (2007) von Vincent Paronnaud und Marjane Satrapi, THE DREAMERS (2003) von Bernardo Bertolucci und WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN (2011) von Lynne Ramsay. Interessante Lektüre. Coverfoto: THE DREAMERS. Mehr zum Buch: product_info.php/products_id/2992

Einladung zum Schreiben

Vor zwei Jahren hat Doris Dörrie das schöne Buch „Lesen, Schreiben, Atmen“ publiziert, autobiografische Geschichten, die zu einer Einladung an den Leser werden, selbst zu schrei-ben. Ihr neues Buch ist eine praktische Konsequenz daraus. Fünfzig kleine und große Themen werden von ihr mit kurzen Stichworten auf einer Seite vorgegeben, dann folgen drei liniierte Seiten, auf denen man selbst seine Gedanken oder Erinnerungen handschriftlich formulieren soll. Zehn Minuten, so ist der Ratschlag, soll man sich dafür am Tag Zeit nehmen. Inspi-rierende Themen sind u. a. Gummibärchen – Wunden und Narben – Haare – Dunkelheit – Musik – Erdbeeren – Glück – Reisen – Tod – Schlafen – Farben – Geschenke. Da kann einem viel einfallen, man muss nur den Mut haben anzufangen. Morgen? Oder in der kommen-den Woche? Wir werden sehen. Mehr zum Buch: einladung-zum-schreiben-9783257071108.html

WIE IM HIMMEL (2004) / WIE AUF ERDEN (2015)

Der schwedische Regisseur Kay Pollack hatte nach der Ermor-dung des Ministerpräsidenten Olof Palme 1986 keinen Film mehr gedreht, weil dieser nach einem Kinobesuch umgebracht worden war. 2004 drehte Pollack dann den Film WIE IM HIMMEL, der höchst emotional die Lebensgeschichte des Diri-genten Daniel Daréus erzählt. In kurzen Rückblenden erleben wir seine Kindheit und Jugend, er wächst vaterlos auf, seine musikalische Begabung wird entdeckt, seine Mutter stirbt bei einem Autounfall. Als Mittvierziger ist er ein Stardirigent, erleidet aber bei einem Konzert einen Herzinfarkt und zieht sich in sein Heimatdorf zurück. Dort übernimmt er als Kantor die Leitung des Kirchenchors. Er ist bei den Mitgliedern sehr beliebt, wird aber vom Pfarrer bekämpft. Sein Chor wird zu einem Gastspiel in Österreich eingeladen und reist mit dem Bus nach Innsbruck. Am Nachmittag vor dem Konzert fährt Daréus mit dem Fahrrad durch die Stadt, vergisst die Zeit und überanstrengt sich. Er erleidet auf der Toilette des Veranstaltungsortes seinen zweiten Infarkt, der Chor singt ohne Leitung, der Dirigent stirbt. In die Handlung sind noch andere dramatische Vorgänge eingefügt. Es gibt viele gewaltsame Konflikte, die positive Botschaft heißt: Zusammenhalt macht stark. Der Film hat beeindruckende Momente, Daniel Daréus ist mit Mikael Nyqvist gut besetzt. 2015 hat Kay Pollack eine Fortsetzung gedreht: WIE IM HIMMEL. Hier übernimmt Lena, die Freundin von Daréus, die Führungsposition und gibt dem Chor eine Wiederbelebung. Die emotionale Stärke des ersten Films wird nicht erreicht. Bei Studio Canal sind jetzt Blu-rays der beiden Filme erschienen. Mehr dazu: wie_im_himmel-wie_auf_erden-special_edition-blu-ray

Commissario Brunettis 30. Fall

In jedem Frühjahr überrascht uns Donna Leon mit einer neuen Ermittlung ihres Commissario Brunetti in Venedig. „Flüchtiges Begehren“ heißt der 30. Roman, der gerade bei Diogenes erschienen ist. Zwei Amerikanerinnen machen mit zwei jungen Venezianern in der frühen Nacht eine Spritztour in die Lagune, das Boot fährt gegen einen Pfahl, die beiden Amerikanerinnen verletzen sich schwer und werden von ihren Begleitern auf den Steg des Ospedale gelegt. Warum wurde nicht die Notaufnahme benachrichtigt? Guido Brunetti macht sich auf die Suche nach den Bootsführern und entdeckt als Hauptschuldigen einen machthungrigen und geldgierigen Onkel, der grausamen Menschenhandel betreibt. Spannende Lektüre und außerdem eine gute Einstimmung, wenn man gerade nach Venedig fährt. – 26 Romane von Donna Leon sind inzwischen verfilmt worden, zuletzt STILLE WASSER (2019). Und damit geht die Reihe vorerst zu Ende, denn der Brunetti-Darsteller Uwe Kockisch, inzwischen 77 Jahre alt, hat sich von der Rolle verabschiedet. Als Vorbereitung unserer Venedig-Reise haben wir noch einmal drei Folgen gesehen, die uns wieder gut gefallen haben. Schon bei der ersten Einstellung – Blick aus der Luft über die Stadt, begleitet von André Rieus Titelmusik – geht einem das Herz auf. Natürlich ist man mit dem Personal bestens vertraut, neben Uwe Kockisch sind das vor allem Julia Jäger als seine Frau Paola, Michael Degen als Vice-Questore Patta, Karl Fischer als Sergente Vianello, Annett Renneberg als Assistentin Elettra. Die Regie von Sigi Rothemund ist professionell. Aber entscheidend ist der Schauplatz: Venedig. Schade, dass die Filmreihe nicht fortgesetzt wird. Hoffentlich kann Donna Leon (*1942) noch lange schreiben. Mehr zum Buch: https://www.diogenes.ch/microsites/donnaleon.html

Ohne Rücksicht auf Verluste

Die Bild-Zeitung, 1952 vom Verlag Axel Springer gegründet, ist das auflagenstärkste Presse-organ in der Bundesrepublik. Mit täglich mehr als fünf Millio-nen Exemplaren erreichte ihre Auflage Mitte der 1980 den Höhepunkt. Inzwischen werden nur noch 1,1 Millionen in ge-druckter Form verkauft. Der Einfluss auf die Meinungsbil-dung ist weiterhin groß. Mats Schönauer und Moritz Tscher-mak dokumentieren in ihrem Buch „Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet“. 14 Kapitel strukturieren den Text: Bild und ihre Feindbilder – Bild unter Julian Reichelt – Bild und ihre Leser – Bild und Politik – Bild und Migration – Bild und Rechts-populisten – Bild und die Justiz – Bild und Frauen – Bild und Hartz IV – Bild und Sport – Bild und ihre TV-Pläne – Bild und ihre Opfer – Interview mit einem Betroffenen – Bild und die Kritik. Die beiden Autoren, als Bildblogger mit der Zeitung bestens vertraut, kritisieren vehement die journalistische Arbeit von Bild und belegen dies mit unendlich vielen Beispielen. Mit der Übernahme der Chefredaktion durch Julian Reichelt ist die thematische Politisierung deutlich stärker geworden. Seit Günter Wallraffs Buch „Der Aufmacher – Der Mann, der bei Bild Hans Esser war“ (1977) hat sich kein Buch so fundamental mit der Zeitung beschäftigt. Mit einem Nachwort von Kevin Kühnert, der 2018 selbst zum Opfer der Bild-Zeitung wurde. Mehr zum Buch: ohne-ruecksicht-auf-verluste-9783462053548

Motion Picture Design

Über welche Mittel verfügt der Film, um das Publikum im Kino emotional zu erreichen und zu ergreifen? Hans-Jörg Knapp, Professor für Regie und Dramaturgie an der Hochschule Hannover, hat eine Basiswerk über Filmtechnik, Bildgestaltung und emotionale Wirkung publiziert, das im Hanser Fachbuchverlag erschienen ist. Sieben Kapitel strukturieren den Text: Fläche – Raum – Figuren und Objekte – Licht und Farbe – Bewegung – Visuelle Schocks – Rhythmus. Die Wahrnehmungsfragmente setzen sich im Gehirn zu einem Gesamtbild zusammen, das zu starken Reaktionen führen kann. Der Autor macht dies mit über hundert Filmbeispielen aus den vergangenen Jahrzehnten anschaulich, die im Text beschrieben und in Abbildungen sichtbar sind. Das Spektrum ist international breit gefächert und ruft die unterschiedlichsten Filme in Erinnerung. Natürlich spielt Hitchcock eine große Rolle, aber auch Fassbinder, Orson Welles, John Ford oder Godard sind präsent. Die Analysen – zum Beispiel der ersten Einstellungen von Wes Andersons Film GRAND BUDAPEST HOTEL – sind knapp und präzise. Herausragend: die Szenenanalyse von NORTH BY NORTHWEST (zehn Seiten). Ein Buch für alle, die Grundlegendes über Bildgestaltung und psychische Wirkung wissen möchten. Mehr zum Buch: fachbuch/artikel/9783446449077

Christian Petzold: YELLA

Yella Fichte stammt aus Wit-tenberge an der Elbe und will in Hannover ein neues Berufs-leben beginnen. Sie verabschiedet sich von ihrem Vater, ihr Ex-Mann will sie zum Bahnhof fahren, es gibt Streit im Auto, er lenkt es auf der Elbbrücke in den Abgrund. Dann beginnt ein Traum. Der Film von Christian Petzold ist ein Psychothriller von außerordentlicher Qualität. Brad Prager, Professor für German and Film Studies an der University of Missouri, analysiert die Komplexität auf 90 Seiten und macht deutlich, welche filmischen und literarischen Inspirationen den Regisseur bei seiner Arbeit begleitet haben. Vor allem MARNIE von Alfred Hitchcock spielte dabei eine große Rolle. Petzold selbst bezeichnet sich als „Hitchcockianer“. Auch Fritz Lang, THE WIZARD OF OZ von Victor Fleming und das B-Movie CARNIVAL OF SOULS von Herk Harvey haben deutliche Spuren hinterlassen. In vier Kapiteln erschließt der Autor die Traum- und Bildwelt des Films. Die Hauptdarstellerin Nina Hoss wird angemessen gewürdigt. YELLA (2007) ist der dritte Teil der Gespenster-Trilogie. Das Buch von Brad Prager ist Band 2 der neuen Reihe FILM/Lektüren, die von Jörn Glasenapp bei edition text + kritik herausgegeben wird. Coverfoto: Devid Striesow + Nina Hoss. Mehr zum Buch: ISBN=9783967074154#.YKZ2MjsgBW8

DIE REISE NACH LYON (1981)

Vor vierzig Jahren wurde der Film von Claudia von Alemann im Internationalen Forum des jungen Films der Berlinale uraufgeführt. Seine herausragenden Qualitäten haben sich in keiner Hinsicht verringert. Die Reise nach Lyon wird von der jungen deutschen Historikerin Elisabeth unternommen. Sie ist auf der Spurensuche nach der Sozialistin und Feministin Flora Tristan, die im frühen 19. Jahr-hundert eine Weile dort gelebt hat. Mit einem Kassettenrekorder durchquert sie die Stadt, ihre Wahrnehmungen sind subjektiv, haben nichts mit der Rekonstruktion der Geschichtswissenschaft zu tun, wie sie ihr von einem ortsansässigen Professor nahegelegt wird. Flora Tristans Tagebuch ihrer letzten Lebensmonate ist für Elisabeth ein wichtiger Begleiter. In einem Restaurant erzählt ihr die Wirtin von den Judenmassakern, die sie selbst miterlebt hat. Am Nebentisch montiert eine Frau Zeitungs-ausschnitte mit inhaltlichen Zusammenhängen. So erlebt Elisabeth die unterschiedlichsten Perspektiven der Wahrnehmung von Geschichte und Gegenwart und erinnert sich selbst an ihre Kindheit und Jugend, an Lieder, Gedichte, Märchen, die in verschiedenen Sprachen erklingen. Am Ende steht sie auf dem Bahnhof von Lyon, der sich verändert hat. Die Bildeinstellungen des Films sind meist lang und immer sorgfältig positioniert (Kamera: Hille Sagel). Herausragend: Musik (Frank Wolff) und Ton/Geräusche. Rebecca Pauly als Elisabeth hat eine große Präsenz auf ihren Wegen durch Lyon. Für die DVD wurde der Film digital restauriert. Die Supervision lag bei Martin Koerber/Deutsche Kinemathek. Zu sehen sind die deutsche und die französische Fassung. Das dreisprachige Booklet enthält u.a. einen beeindruckenden Text von Philippe Roger. „Edition filmmuseum“ Nr. 118. Unbedingt sehenswert. Mehr zur DVD: p200_Die-Reise-nach-Lyon.html