Die Söhne der großen Bärin & Co.

Parallel zu den westdeutschen Karl May-Filmen wurden in der DDR Indianerfilme gedreht, die sich zu einem eigenen Genre entwickelten. Sie erzählten historische Konflikte in den USA aus der Sicht der Indianer. Zwischen 1966 und 1985 entstanden rund zwanzig Titel, die sehr erfolgreich waren. Kein Wunder, dass das Lexikon der DDR-Indianerfilme von Stefan Wogawa, erstmals publiziert im Winter 2018, jetzt schon in einer fünften Auflage vorliegt. Ausführlich werden die entsprechenden Filme auf vier bis sechs Seiten dargestellt. Es gibt Informationen zu den verschiedenen Indianerstämmen, zu Darstellerinnen und Darstellern, historischen Figuren und Ereignissen, zu den Drehbuchautoren und Regisseuren der Filme. Die erfolgreichsten Indianerfilme waren DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN (1966) von Josef Mach mit rund 9,4 Millionen Besuchern, SPUR DES FALKEN (1968) von Gottfried Kolditz (5,1 Mio), CHINGACHGOOK, DIE GROSSE SCHLANGE (1967) von Richard Groschopp (5 Mio), WEISSE WÖLFE (1969) von Konrad Petzold (4,6 Mio), APACHEN (1973) von Gottfried Kolditz (3,75 Mio), OSCEOLA (1971) von Konrad Petzold (3,5 Mio) und TECUMSEH (1972) von Hans Kratzert (3,1 Mio). Auch für die Fans von Karl-May-Filmen ist das Buch interessant. Mit vielen Abbildungen in guter Qualität. Cover: Gojko Mitic auf der Titelseite von „Zeit im Bild“ (1965). Mehr zum Buch: ultimatives-nachschlagewerk/

Kunst und Medien

Peter Weibel (*1944) ist Künstler und Theoretiker im Bereich der Medienkunst. Er ist international aktiv mit Zentren in Österreich und Deutschland. Seit 1999 leitet er das ZKM in Karlsruhe, seit 2017 ist er Direktor des Peter Weibel Forschungsinstituts für digitale Kulturen an der Universität für angewandte Kunst Wien. Im Verlag Hatje Cantz publiziert er die Reihe „Enzyklopädie der Medien“. Erschienen sind bisher Bände über „Architektur und Medien“ (architektur-und-medien/) und „Musik und Medien“ (musik-und-medien/). Jetzt gibt es als Band 3 724 Seiten über „Kunst und Medien“. 59 Texte sind hier versammelt, mit vielen Abbildungen in guter Qualität. 24 x geht es um das Thema Film. Ich nenne zwölf Beiträge, die mir besonders gut gefallen haben: „Die wunderbare Welt des Mr. Terence Young“, „Der Western als Realisationsprozess einer Ethik“, „Plädoyer für den Marxismus – Die Tradition der Groteske“ (über die Marx-Brothers), „Der weibliche Westerner“ (Porträt des Hollywoodstars Mae West), „Chrom und Colour“ (Alfred Hitchcock – ein Porträt in Panels), „Pasolinis Pansemiologie oder die Wirklichkeit als Code“, „Eisensteins und Vertows Beiträge zu einer Artikulation der Filmsprache“, „Blast of Freedom oder Hallelujah the New American Film“, „Andy Warhols HARLOT“, „Der Wiener Formalfilm“, „Expanded Cinema“, „Videotechnik und Filmästhetik“ (Anmerkungen zur Zukunftstheorie). Mit einem Vorwort von Gerald Bast (Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien) und Christiane Riedel (Geschäftsführender Vorstand des ZKM Karlsruhe). Mehr zum Buch: 6229-0.html

Cosmopolitan Cinema

Kosmopolitismus ist eine Haltung zur Welt. Matthias Christen und Kathrin Rothe-mund arbeiten an der Univer-sität Bayreuth an einem For-schungsprojekt zum kosmopoli-tischen Kino. Der von ihnen herausgegebene Band doku-mentiert Beiträge einer internationalen Konferenz, die 2014 stattgefunden hat. Acht Texte haben mich besonders beeindruckt. Christen und Rothemund befassen sich mit Kunst und Politik in der Zweiten Moderne in Verbindung mit Leitbegriffen wie Imagination, Raum, Bewegung, Zugehörigkeit, Narration und Utopie. Oliver Fahle richtet seinen Blick auf die epistemische Moderne und bringt sie in einen Zusammenhang mit dem Film LIFE IN A DAY von Kevin MacDonald und Loressa Clisby. Jacques de Villiers entdeckt den Kosmopolitismus im Film COLOSSAL YOUTH des portugiesischen Regisseurs Pedro Costa. Bei Alena Strohmayer geht es um den iranischen Diasporafilm. Simon Frisch sieht in Wong Kar-Wais Film IN THE MOOD FOR LOVE eine Verbindung zwischen westlicher und ostasiatischer Ästhetik. Christoph Büttner beschäftigt sich mit Räumen und Imaginationen prä-moderner Zukunftsentwürfe im deutschen Gegenwartskino und konfrontiert sie mit dem Begriff Heimat. Janine Wahrendorf untersucht die Figur der kosmopolitischen Terrorist*in in den Filmen CARLOS von Olivier Assayas und DER BAADER MEINHOF KOMPLEX von Uli Edel. Ivo Ritzer sieht den Film ZULU von Jérome Salle aus Kapstadt als Beispiel für die Migration von Genres in einem transkulturellen Kontext. Alle Texte bewegen sich theoretisch auf einem hohen Niveau. Band 61 der Marburger Schriften zur Medienforschung, publiziert vom Schüren Verlag. Mit Abbildungen in sehr guter Qualität. Mehr zum Buch: cosmopolitan-cinema-msm-61.html

Western Portraits

Als Hommage an den amerika-nischen Fotografen Edward Sheriff Curtis sind in diesem wunderbaren Buch 83 Porträts von Western-Helden ver-sammelt: stehend oder im Sessel sitzend, kostümiert, meist mit einem Gewehr in der Hand, in das Kameraobjektiv blickend, manchmal lächelnd, aufgenommen in zeitgenös-sischem Kolorit Es befinden sich auch sieben Frauen darunter: Rosemary Forsyth, Ruta Lee, Barbara Luna, Stefanie Powers, Jacqueline Scott, Kateri Walker, Lana Wood. Zu den prominentesten Männern gehören: Karl Malden, David Carradine, R. G. Armstrong, L. Q. Jones, Horst Buchholz, Bo Hopkins und Henry Silva. Zu jedem Foto gibt es einen liebevollen biografischen Text von mindestens einer Seite, verfasst von Steve Carver und C. Courtney Joyner. Roger Corman hat ein Vorwort geschrieben, Kim Weston würdigt den Fotografen Steve Carver, Steve Carver erzählt, wie das Buch zustande kam. Erschienen in englischer Sprache in der Edition Olms in Zürich. Coverfoto: David Carradine. Mehr zum Buch: great-character-actors/

ORLACS HÄNDE (1924)

Der CALIGARI-Regisseur Robert Wiene (1873-1938) hat zwischen 1920 und 1933 bei 26 Filmen Regie geführt, dann musste er emigrieren und starb während der Dreharbeiten zu ULTIMATUM in Paris. Zu seinen herausragenden Filmen gehört ORLACS HÄNDE, den er in Österreich realisiert hat. Hauptfigur ist der Konzert-pianist Paul Orlac (gespielt von Conrad Veidt), der bei einem Zugunglück beide Hände verliert. Seine Frau Yvonne initiiert eine Transplantation, der Chirurg verwendet die Hände eines gerade exekutierten Raubmörders, die Operation gelingt, aber Orlac wird traumatisiert und kann nicht mehr Klavierspielen. Als Paul und Yvonne daraufhin in Geldnot sind, soll Pauls reicher Vater finanziell aushelfen. Der weigert sich und wird kurz darauf erstochen aufgefunden: mit dem Messer des Raubmörders, das Paul versteckt hatte. Inzwischen ist der Erpresser Nera (Fritz Kortner) auf der Bildfläche aufgetaucht. Er will eine Millionensumme aus dem Erbe des ermordeten Vaters. Die Lage scheint ausweglos. Erst als Neras Komplizin Regine die Seiten wechselt, kann der Mordfall geklärt werden. Der Film ist spannend erzählt, hervorragend gespielt und hat viele starke Momente (Zugunglück, Transplantation, Besuch beim Vater). Bei Absolut Medien ist jetzt die Blu-ray der restaurierten Fassung erschienen. Mit einer neuen Musik des österreichischen Komponisten Johannes Kalitzke, die sehr hörenswert ist. Mehr zur Blu-ray: fps+Fassung%29

KIRSCHBLÜTEN & DÄMONEN (2019)

Vor elf Jahren hat uns Doris Dörrie mit dem Film KIRSCH-BLÜTEN – HANAMI über-rascht. Rudi (Elmar Wepper) begab sich damals nach dem Tod seiner Frau Trudi (Hannelore Elsner) nach Japan, wohnte in Tokio bei seinem Sohn Karl (Maximilian Brückner), lernte die junge Japanerin Yu (Aya Irizuki) kennen und starb, nachdem er den heiligen Berg Fuji in seiner ganzen Schönheit gesehen hatte. Mir hat der Film gut gefallen. Jetzt gibt es eine Fortsetzung. Karl (diesmal gespielt von Golo Euler) ist in München zum Alkoholiker geworden. Eines Tages taucht Yu bei ihm auf und überredet ihn zu einer Fahrt in seine Geburtsstadt Schongau. Er begegnet dort Dämonen und Gespenstern, trifft seine Eltern und erlebt eine traumatische Selbstfindung, die ihn an den Rand des Todes führt. Die Mischung der verschiedenen Welten ist voller Überraschungen und lässt uns auch Bayern und Deutschland mit anderem Blick sehen. Bei Constantin ist jetzt eine DVD des Films erschienen, die ich sehr empfehle. Mehr zur DVD: hnum/9005570

Weiße Helden im Film

Eine Dissertation, die im Pro-motionsfach Amerikanistik an der Universität Hamburg entstanden ist. Lima Sayed beschäftigt sich darin mit Rassismus und Weißsein im US-Kino der 2000er Jahre. In ihrem theoretischen Teil klärt sie Begriffe und setzt sich mit wichtige Theorien auseinander, schildert den Weg von Rassis-mus zu Whiteness. Vier filmische Analysen stehen im Mittelpunkt der Untersuchung: CRASH (2004) von Paul Haggis, MONSTER’S BALL (2002) von Marc Foster, GRAN TORINO (2008) von Clint Eastwood und THE VISITOR (2007) von Thomas McCarthy. Die Analysen sind detailliert und richten ihr Augenmerk natürlich vor allem auf die Haupt- und Nebenfiguren. Das filmische Wissen und Verständnis der Autorin ist beeindruckend. Ihre Analyseergebnisse fokussiert sie unter Gesichtspunkten wie: Phantasie von Gleichwertigkeit – Weiße Norm und nicht-weiße Divergenz – Dialoge: Subjektivität / Objektivität – Handlungsspielräume und Bewegungsfreiheiten – Leid und die Verhandlung von Problemen – Weiße Figur im Mittelpunkt. Eine umfängliche Bibliografie und Sequenzprotokolle der vier genannten Filme schließen den Band ab. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: 978-3-8376-4873-7

Hanns Heinz Ewers

Er war ein kreativer, aber in seinen politischen Positionen ambivalenter Autor. Hanns Heinz Ewers (1871-1943) hat Bestseller geschrieben, darunter „Alraune“ (1911), bei der ersten Verfilmung des STUDENT VON PRAG (1913) Regie geführt und 1932 den Roman „Horst Wessel. Ein deutsches Schicksal“ publiziert, der 1933 von Franz Wenzler verfilmt wurde. 1934 setzten die Nazis seine Werke auf eine Verbotsliste. Reinhold Keiner hat 1988 bei Olms erstmals sein Buch „Hanns Heinz Ewers und der Phantastische Film“ publiziert, das 2012 als E-Book bei Media-Net erschienen und jetzt in einer Print-Edition zu lesen ist. Der Autor erschließt das Werk von Ewers vor allem im Blick auf die Filme. In sieben Kapiteln werden ihre Entstehung und Rezeption dargestellt. Der Anhang enthält eine Filmografie und eine Bibliografie. Sie sind auf dem aktuellsten Stand. Mit Abbildungen in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: medianet-edition.blogspot.com

Jenseits der Grenze

Nach den Büchern „Grenzkon-takte“ und „Grenzüberschrei-tungen“ ist dies der abschlies-sende Band der Trilogie „Im Abseits der Filmgeschichte“. Zu lesen sind 20 Essays von Marcus Stiglegger. Ich nenne zehn, die mir besonders gut gefallen haben: „Wir Kinder vom Needle-Park“ (Wie New Hollywood die Drogenszene entdeckte), „A Town Called Hell“ (Clint Eastwoods EIN FREMDER OHNE NAMEN als apokalyptischer Geisterwestern), „Sind Sie außer Gefahr?“ (Der Zahnarzt als Angstfigur im Spielfilm), „Die Invasion der Barbaren“ (Gedanken zur Re-Mythisierung Hollywoods in den 1980er Jahren), „David Cronenbergs filmische BRUT (Psychoanalysen auf dem Weg zum Neuen Fleisch), „Corrida der Liebe unter einer sterbenden Sonne“ (Sadomasochismus und Stierkampf in Pedro Almodóvars MATADOR), „Francos Labyrinth“ (Guillermo del Toros antifaschistisches Märchen PANS LABYRINTH), „Ein Täterfilm“ (MICHAEL von Markus Schleinzer), „Die deutsche Krankheit zum Tode“ (Zum historischen und ästhetischen Kontext des Kompilationsfilms GERMAN ANGST), „Fremdheit erfahren“ (UNDER THE SKIN von Jonathan Glazer). Mit einem Vorwort von Dominik Graf und einem Gespräch zwischen Dominik Graf und Marcus Stiglegger („Plädoyer für das Genrekino“) am Ende des lesenswerten Buches, das wieder im Martin Schmitz Verlag erschienen ist. Mehr zum Buch: Stiglegger/Buch.html

Zwei Karl May-Filmbücher

WINNETOU UND SEIN FREUND OLD FIREHAND (1966) war die letzte Karl May-Produktion von Horst Wendlandt und wurde von Karl May-Fans nicht sehr geschätzt, denn es handelte sich um die Adaption eines amerikanischen Romans. Die Figuren Winnetou und seine Schwester Nscho-tschi wurden vom Drehbuchautor Harald G. Petersson integriert, um den Anschein der Karl May-Nähe zu erwecken. Im Handlungskern wurden Elemente der GLORREICHEN SIEBEN verwendet. Stilistisch wurden Parallelen zum Italo-Western angestrebt. In seinem Vorwort informiert der Herausgeber Michael Petzel über die Produktionshintergründe. Regie führte Alfred Vohrer, als Old Firehand wurde der kanadische Western-Star Rod Cameron verpflichtet. Natürlich waren Pierre Brice und Marie Versini als Winnetou und Nscho-tschi präsent, den Banditen Silers spielte Harald Leipnitz. Das Film-Bildbuch enthält auf 200 Seiten eine detaillierte Schilderung der Handlung und Abbildungen in hervorragender Qualität. Mehr zum Buch:  Winnetou-und-sein-Freund-Old-Firehand

WINNETOU, 1. Teil (1963) ist dagegen ein klassischer Karl May-Film. Regie führte Harald Reinl, die Hauptrollen spielten Lex Barker, Pierre Brice, Mario Adorf und Marie Versini. Es war einer der größten Kassenerfolge des deutschen Films. Bei dem Film-Bildbuch handelt es sich um eine Neuauflage mit 168 Fotos, komplett in Farbe, mit durchweg neuen Motiven. Auch hier stammt das informative Vorwort von Michael Petzel. Mehr zum Buch: Winnetou-1.-Teil