Hedy Lamarr (Geschenk 4)

Sie war Filmstar, Antifaschistin und Erfinderin. Sie hieß eigent-lich Hedwig Kiesler, wurde 1914 in Wien geboren, spielte 16jährig ihre erste Hauptrolle in dem Film DIE KOFFER DES HERRN O.F. und sorgte 1933 mit ihren Nacktauftritten in EKSTASE von Gustav Machatý international für Aufsehen. 1937 verließ sie Österreich, ging zunächst nach Paris, dann nach London und wurde dort von Louis B. Mayer bei MGM unter Vertrag genommen, der sie nach Hollywood holte und ihr den Künstlernamen Hedy Lamarr gab. Sie spielte große Rollen unter der Regie von John Cromwell, Jack Conway, King Vidor, Clarence Brown, Robert Z. Leonard, Victor Fleming, Jacques Tourneur und Cecil B. DeMille. 1958 drehte sie ihren letzten Film. Eine Episode in ihrem Leben war die – gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil – entwickelte Funkfernsteuerung für Torpedos. Sie war sechsmal verheiratet und hatte zahlreiche Affären, auch mit Frauen. Die letzten Jahrzehnte ihres Lebens verbrachte sie in Florida. Michaela Lindinger erzählt die Biografie von Hedy Lamarr/Kiesler in einer geschickten Dramaturgie, also nicht chronologisch, sondern mit assoziativen Wendungen. Das liest sich sehr spannend und entspricht dem unkonventionell verlaufenen Leben der Protagonistin. Das schön gestaltete Buch ist im Wiener Molden Verlag erschienen. Ein Geschenk für alle, die an einer außergewöhnlichen Person interessiert sind. Mehr zum Buch: hedy-lamarr

1001 Filme (Weihnachtsgeschenk 3)

Jetzt gibt es schon die 13. aktu-alisierte Neuausgabe des Buches, die Gesamtauflage weltweit sind 1,9 Millionen Exemplare. 77 Autorinnen und Autoren haben für Texte auf erstaunlich hohem Niveau gesorgt. Die Auswahl der Filme ist natürlich sehr USA-dominiert, aber auch Frankreich und Italien sind gut vertreten. Die Regisseure mit den meisten Filmen sind: Alfred Hitchcock (16), Ingmar Bergman und Howard Hawks (je 10), Stanley Kubrick und Luis Bunuel (je 9), John Ford, Steven Spielberg, William Wyler (je 8). Bei den deutschen Regisseuren ist die Reihenfolge: Fritz Lang (5), Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, F. W. Murnau (je 4), Wim Wenders (3). Weiterhin ärgerlich: kein DEFA-Film ist dabei. Seit der letzten Ausgabe neu hinzugekommen sind u.a. MOONLIGHT, LA LA LAND, TONI ERDMANN, SHAPE OF WATER, THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING MISSOURI, CALL ME BY YOUR NAME, BLACK PANTHER, PHANTOM THREAD, CAPERNAUM, A STAR IS BORN, ROMA, THE FAVOURITE und VICE. 960 Seiten, exzellente Abbildungen. Ein Geschenk für Freundinnen und Freunde mit filmhistorischem Interesse, geeignet für Kinobesucher und DVD-Sammler. Coverfoto: Bradley Cooper und Lady Gaga in A STAR IS BORN. Mehr zum Buch: 1001-filme-13-neuausgabe/

Robert Gilbert (Weihnachtsgeschenk 2)

Sein Vater hieß Max Winterfeld, nannte sich Jean Gilbert und war ein berühmter Operetten-komponist. So übernahm auch der Sohn Robert den Künstler-namen Gilbert und machte Karriere als Textautor von Schlagern und Libretti. Er hat die Gesangstexte zu 60 Operet-ten und über 100 Tonfilmen geschrieben. Es sei nur erinnert an „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“ aus DER KONGRESS TANZT oder „Ein Freund, ein guter Freund“ und „Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen“ aus DIE DREI VON DER TANKSTELLE. Er hat eng mit den Komponisten Werner Richard Heymann, Friedrich Hollaender und Robert Stolz zusammengearbei-tet. In der Weimarer Republik war er politisch engagiert, schrieb Arbeiterkampflieder und stand der KPD nahe. Er emigrierte 1933 zunächst nach Wien, dann nach Paris und schließlich nach New York. 1949 kehrte er nach Europa zurück, lebte vorwiegend in der Schweiz, hatte aber große Erfolge mit den Texten für das Musical „Feuerwerk“ („Oh mein Papa“) und als Übersetzer amerikanischer Musicals („My Fair Lady“, „Oklahoma“, „Cabaret“). Er starb 1978 in Minusio. Die Biografie von Christian Walther ist sehr lesenswert und als Geschenk für all jene geeignet, die an Künstlerleben interessiert sind. Der Autor hat über Gilbert seine Dissertation geschrieben und sie für das vorliegende Buch überarbeitet. Sie ist hervorragend recherchiert und spannend zu lesen. Mit Abbildungen in guter Qualität und einem Vorwort von Max Rabe. – Erschienen bei Christoph Links, der gerade vom BuchMarkt zum Verleger des Jahres 2019 ausgewählt wurde. Mehr zum Buch: 3&titel_nr=9056

Liebe, Lust und Abenteuer (Weihnachtsgeschenk 1)

Heute feiert Georg Stefan Troller in Paris seinen 98. Geburtstag. Gerade hat er ein neues Buch publiziert: „Liebe, Lust & Abenteuer – 97 Begegnungen meines Lebens“. Es sind kurze und längere Zitate aus seinen Fernsehreihen PARISER JOURNAL (ARD 1962-1971), PERSONENBESCHREIBUNG (ZDF 1971-93) und den zahlreichen Porträts, die er realisiert hat. Besonders interessant finde ich die Bekenntnisse von Muhammad Ali, Woody Allen, Charles Aznavour, Ingrid Bergman, Jean Cocteau, Leonard Cohen, Alain Delon, Marlene Dietrich, Gisèle Freund, Serge Gainsbourg, Romain Gary, Françoise Gilot, Juliette Gréco (zusammen mit Michel Piccoli), Peter Handke, John Malkovich, Edith Piaf, Roman Polanski, Arthur Rubinstein, Romy Schneider, Hanna Schygulla, Georges Simenon, George Tabori und Liv Ullmann. Auf den jeweiligen Fotos ist in der Regel auch Troller zu sehen. Und wenn seine Fragen zu lesen sind, hört man natürlich seine unverwechselbare Stimme. Das Buch ist ein wunderbares Geschenk für alle, die an pointierten Blicken in die Kulturszene der vergangenen hundert Jahre interessiert sind. Ich hoffe, Georg Stefan Troller wird hundert Jahre alt. Er kommt regelmäßig zu den Mitgliederversammlungen der Akademie der Künste und hat auch dort viel zu erzählen. Mehr zum Buch: 9783737407540.html

REVENGERS (1972)

Im Bürgerkrieg war John Benedict ein hoch dekorierter Offizier. Dann lässt er sich in Colorado mit Frau und Kindern als Rancher nieder. Während er einen Ausflug unternimmt, wird seine Familie ermordet. Die Täter waren offenbar Coman-cheros und weiße Banditen. John versammelt um sich sechs ehemalige Sträflinge und nimmt die Verfolgung auf. Der Rachefeldzug wird zu einer Odyssee. Mit William Holden (John Benedict), Ernest Borgnine, Woody Strode, Rene Koldehoff und Susan Hayward ist der Film sehr gut besetzt. Daniel Mann hat ihn professionell inszeniert. Die Blu-ray ist jetzt bei Koch Media erschienen. Spannend zu sehen. Mehr zur DVD: revengers_blu_ray/

Europäischer Filmpreis

Heute findet im Haus der Berliner Fest-spiele die Verleihung des Europäischen Filmpreises statt. Hier sind ein paar Prognosen von mir: Bester europäischer Film THE FAVOURITE von Giorgos Lathimos, Beste Regie Giorgos Lathimos, beste Darstellerin Olivia Colman in THE FAVOURITE, bester Darsteller Antonio Banderas in DOLOR Y GLORIA. Durch Juryentscheidungen sind bereits festgelegt: beste Kamera Robbie Ryan für THE FAVOURITE, bester Schnitt Yorgos Mavropsaridis für THE FAVOURITE, bestes Szenenbild Antxon Gómez für DOLOR Y GLORIA, bestes Kostümbild Sandy Powell für THE FAVOURITE, bestes Maskenbild Nadia Stacey für THE FAVOURITE, beste Filmmusik John Gürtler für SYSTEMSPRENGER. Den Preis für sein Lebenswerk erhält Werner Herzog, die Auszeichnung für die beste europäische Leistung im Weltkino Juliette Binoche. Der erstmals verliehene Preis für die beste europäische Serie geht an BABYLON BERLIN von Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries. Moderiert wird die Verleihung von Anna Brüggemann und Aistė Diržiūtė. Mehr zum Preis: Europäischer_Filmpreis_2019

Zeitbilder

Zehn Aufsätze von Rainer Rother zu Filmen des National-sozialismus versammelt dieser Band, der bei Bertz + Fischer erschienen ist. Dazu, als Einlei-tung, ein Basistext zum Thema Nationalsozialismus und Film. Drei Essays unternehmen Abgrenzungen, Referenzen, Vergleiche: Die Suche nach dem eigenständigen nationalsozia-listischen Film, die filmische Weltkriegsinszenierung im Nationalsozialismus und die Konfrontation von PATRIOTEN aus Deutschland und LA GRANDE ILLUSION aus Frankreich beim Filmfestival in Venedig 1937. Dann geht es um die Diskussion um „das Filmische“ in Filmzeitschriften und Konzepte eines „filmischen Films“ im Nationalsozialismus. Zwei Texte beschäftigen sich mit der „Mobilisierung des Films“: Die Kriegswochenschau, Entstehung einer Form, und „Jenseits des Flimmerzaubers – Zur Neuorientierung des NS-Spielfilms als Zeitfilm“. Abschließend richtet sich Rothers Blick in drei Aufsätzen auf „Muster der Propaganda“: Bismarck im NS-Spielfilm, STUKAS und JUD SÜSS. Neun Texte wurden zwischen 2001 und 2015 in Büchern, Zeitschriften oder Zeitungen publiziert, der Venedig-Text war bisher unveröffentlicht. Sie fügen sich zu einer sehr interessanten Analyse filmischer Orientierung in der NS-Zeit. Mit Abbildungen in hervorragender Qualität. Coverfoto: DAS STAHLTIER (1935) von Willy Zielke mit Aribert Mog. Mehr zum Buch: zeitbilder.html

Und abends in die Scala!

Eine Dissertation, die an der Universität Potsdam entstanden ist. Fabian Riedel untersucht darin die Gründung und ökono-mische Entwicklung der Berliner Varietétheater „Scala“ und „Plaza“. Karl Wolffsohn (1881-1957), Mitgründer und Miteigentümer (10 %) des Konzerns, war vor allem als Verleger und Kinobetreiber erfolgreich. Er hat 1908 die Lichtbild-Bühne gegründet, ab 1928 die Lichtburg in Essen und ab 1931 die Lichtburg in Berlin betrieben. Der Autor konzentriert sich in seinem Buch vor allem auf den Varieté-Konzern. In sieben Kapiteln erzählt er, mit Quellenverweisen bestens abgesichert, die Entwicklungsgeschichte: Aufstieg, Erfolg und Expansion des Konzerns (1919-1929), der Konzern in der Krise (1929-1933), Schicksalsjahr 1933: Machtkampf im Konzern, die „Arisierung“ des Konzerns (1934/35), die von Karl Wolffsohn initiierten Wiedergutmachungsprozesse nach 1945. Die verschiedenen Phasen sind spannend geschildert, man erfährt viel über die Einflüsse der Banken auf kulturelle Institutionen, Wolffsohns Kampf um Wiedergutmachung hat paradigmatische Dimensionen. Mit einem Vorwort des Enkels Michael Wolffsohn. Mehr zum Buch: und-abends-in-die-scala.html

Federico Fellini

Am 20. Januar 2020 ist der 100. Geburtstag von Federico Fellini zu feiern. Und wenn man sich darauf vorbereiten will, sollte man das Buch „Ich bin fellinesk“ lesen, das Thomas Bodmer im Kampa Verlag herausgegeben hat. Es dokumentiert Gespräche, die der Schriftsteller und Journalist Costanzo Costantini in den 1980er und 90er Jahren mit seinem Freund Fellini über dessen Leben und seine Filme geführt hat. Es geht um Kindheit und Jugend, Cinecittà und Giulietta Masina, Neorealismus und Katholizismus, Roberto Rossellini, Anna Magnani und Ingrid Bergman, Anita Ekberg und Marcello Mastroianni, um OTTO E MEZZO, ROMA, AMARCORD, E LA NAVE VA und GINGER E FRED, um den siebzigsten Geburtstag und den Oscar für das Lebenswerk. In einer Coda liest man „Gedanken über Kunst, Leben und Kino“. Es ist ein wunderbares Selbstporträt, das sich aus Costantinis Interviews zusammenfügt. Mehr zum Buch: ich-bin-fellinesk/

Wie Stories zu History werden

Eine Dissertation, die an der Universität Magdeburg ent-standen ist. Björn Bergold untersucht darin die Authenti-zität von Zeitgeschichte im Spielfilm. Der zweiteilige TV-Film DER TURM von Christian Schwochow nach dem Roman von Uwe Tellkamp war der Ausgangspunkt für die Befragung von 18 Schülerinnen und Schülern in Braunschweig und Magdeburg nach ihrer Rezeption des Films und der dort vermittelten Geschichte des Endes der DDR. Wie unterscheiden sich fiktionale und dokumentarische Darstellung? Die detailliert transkribierten Gespräche mit den 18 Jugendlichen sind in langen Auszügen zu lesen und werden vom Autor kommentiert. Es geht im Zentrum um die Ressourcen der Authentifizierung und Merkmale des Authentifizierungs-Prozesses. Einerseits gibt es eine Skepsis gegenüber der fiktionalen Vermittlung, andererseits werden viele Details in der filmischen Darstellung als authentisch eingeschätzt. Die Studie hat nicht nur für die Geschichtswissenschaft eine erhebliche Bedeutung, sie ist auch für die Medienwissenschaft gewinnbringend. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: 978-3-8376-4935-2