Věra Chytilová

Sie war eine Protagonistin der Neuen Welle des tschecho-slowakischen Films in den 1960er Jahren. Berühmt wurde sie mit dem Film TAUSEND-SCHÖNCHEN (1966). Věra Chytilová (1929-2014) ist das jüngste Heft der Film-Konzepte gewidmet, herausgegeben von Margarete Wach. Andreas Rauscher befasst sich mit ihren frühen Kurzfilmen. Nicole Kandioler untersucht die Filme VON ETWAS ANDEREM (1963) und DAS ERBE (1992). Kateřina Svatoňová entdeckt in ihren Filmen die Stilisierung als Möglichkeit der Annäherung an die Wahrheit. Margarete Wach ist mit einem informativen Vorwort und zwei Texten vertreten: einmal geht es um das Verhältnis von Chytilová zur französischen Nouvelle Vague, im zweiten Beitrag um drei dokumentarische Künstlerporträts. Schamma Schahadat richtet ihren Blick auf den Film GESCHICHTE DER WÄNDE ODER WIE EINE SIEDLUNG ENTSTEHT (1979). Mit Biografie, Filmografie und Abbildungen in guter Qualität. Eine schöne Würdigung der Filmemacherin. Coverabbildung: TAUSEND-SCHÖNCHEN. Mehr zum Buch: Margarete-Wach/dp/3967070875

DEFA-Geschichte in Filmen

Michael Grisko ist ein fleißiger Autor und Herausgeber, sein Lieblingsthema: die DEFA. Zu-letzt erschienen: „DEFA in Thü-ringen“, herausgegeben mit Patrick Rössler (2018), „Drehort Thüringen“ (2019), „Biographi-sche Filme der DEFA“, heraus-gegeben mit Günter Helmes (2020) und jetzt „DEFA-Ge-schichte in Filmen“. Zu lesen sind elf interessante Texte, beginnend mit dem Film DER UNTERTAN (1951) von Wolf-gang Staudte. Drei Beiträge sind Günter Reisch gewidmet, drei Texte Rainer Simon, ein Beitrag dem Film DAS LIED DER MATROSEN von Günter Reisch und Kurt Maetzig, ein Text Lothar Warneke mit zwei Filmen, ein Beitrag dem Film DAS MÄDCHEN AUF DEM BRETT von Kurt Maetzig, ein Text den Kinderfilmen von Rolf Losansky und ein Beitrag dem Science-Fiction-Genre bei der DEFA. Die Auswahl ist sehr subjektiv. Einige Texte wurden bereits in anderem Zusammenhang veröffentlicht. Kann man ein Buch zur DEFA-Geschichte publizieren, in dem Konrad Wolf und Frank Beyer, die beiden wichtigsten Regisseure der DEFA, nicht vorkommen? Mehr zum Buch: defa-geschichte-in-filmen-id-87091/

Suchtfaktor Serie

Serien sind außerordentlich po-pulär und haben für Zuschauer eine große Bedeutung. Sie be-schäftigen nicht nur die Me-dienwissenschaft, sondern auch die Psychosozialwissenschaft. Das Buch „Suchtfaktor Serie“, herausgegeben von Gerald Poscheschnik, Professor an der Fachhochschule Kärnten, ord-net die untersuchten Serien nach Genres: Krimis und Thriller (Teil I), Comedy, Sitcom und Satire (Teil II), Drama und Tragödie (Teil III), Mystery, Fantasy und Horror (Teil IV). 15 Texte beschäftigen sich mit BABYLON BERLIN, TRUE DETECTIVE, SHERLOCK (Teil I), THE OFFICE, DIE SIMPSONS, ALLY McBEAL, KING OF QUEENS, GILMORE GIRLS (Teil II), THE DEUCE, FAUDA, CHERNOBYL, BREAKING BAD (Teil III), GAME OF THRONES, AKTE X, STRANGER THINGS (Teil IV). Die Texte stammen von 18 Auto-rinnen und Autoren. Sie vermitteln psychoanalytische Erkenntnisse, die sich auf interessante Weise mit medienwissenschaftlichen Befunden verbinden. Die Lektüre des Bandes ist unbedingt lohnend, nicht nur für Serien-Fans. Sehr lesenswert: der einleitende Aufsatz des Herausgeber „Psychoanalyse und Fernsehen“. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: product_info.php/products_id/3026

Time to Act

Der Fotograf Simon Annand hat über viele Jahre Schau-spielerinnen und Schauspie-ler in Londoner Theatern in den letzten 35 Minuten vor ihrem Auftritt beobachtet, in ihren Garderoben, kostü-miert vor dem Spiegel, in der Phase der Konzentration, bevor der Vorhang sich hebt. Eigentlich sind das Momente, in denen man unbeobachtet sein möchte. Aber alle hier Fotografierten waren natürlich mit dem Procedere einverstanden, weil sie wissen, welch hervorragender Fotograf Simon Annand ist. Zu sehen sind u.a. F. Murray Abraham, Juliet Binoche, Cate Blanchett, Hugh Bonneville, Ellen Burstyn, Glenn Close, Benedict Cumberbatch, Judi Dench, Sally Field, Edward Fox, James Fox, Jeff Goldblum, John Goodman, Ed Harris, Ethan Hawke, Sally Hawkins, Jeremy Irons, Jude Law, Helen Mirren, Keira Knightley, Vanessa Redgrave, Kristin Scott Thomas, Rachel Weisz. Zu jedem Foto gibt es einen kurzen Kommentar des Fotografen. Coverfoto: Eddie Redmayne als Richard II. (2012). Mit Einleitungstexten des Produzenten Peter Wilson, der Schauspielerin Cate Blanchett und der Kuratorin Victoria Broackes vom Victoria and Albert Museum London. Ein wunderbares Buch für die Überbrückung einer Zeit, in der die Theater in Europa aus Corona-Gründen geschlossen sind. Der Verlag spendet von jedem verkauften Exemplar 1 € an die Corona-Künstler-Hilfe. Mehr zum Buch: .salzundsilber.de/produkt/timetoact/

CRESCENDO (2019)

In Südtirol findet eine Friedens-konferenz zur Lösung des Nah-ostkonflikts zwischen Israelis und Palästinensern statt. Sie wird begleitet vom Auftritt eines Kammerorchesters mit Musike-rinnen und Musikern aus Israel und den Palästinensergebieten. Der Dirigent Eduard Storck (Peter Simonischek) hat nach einer Vorspielphase in Tel Aviv die Auswahl getroffen. Er muss schon hier die ersten Konflikte lösen, die sich in Südtirol zu-spitzen. Vorbild für die Orchestergründung ist offensichtlich das von Daniel Barenboim gegründete West-Eastern Divan Orchestra. Der von Dror Zahavi inszenierte Film hat im ersten Drittel viele berührende Momente, leidet aber dann zunehmend an seinem überfrachteten Drehbuch. So wird in der zweiten Hälfte die NS-Vergangenheit von Storcks Eltern ins Spiel gebracht, die sich dramaturgisch nur schwer mit der Haupthandlung verbinden lässt. Trotzdem ist Simonischek ein Glücksfall für den Film. Auch das junge Orchesterensemble ist schauspielerisch gut besetzt. Bei goodmovies ist jetzt die DVD des Films erschienen. Zu den Extras gehören diverse Featurettes und Interviews. Mehr zur DVD: goodmovies.de/crescendo.html

Fernsehen Netflix Youtube

Eine Dissertation, die an der Universität Potsdam ent-standen ist. Christian Richter untersucht darin die „Fernsehhaftigkeit von On-Demand-Angeboten“. Ein einführendes Kapitel heißt „Vom Programm zur Pro-grammierung“. Die vier Begriffe „Flow“, „Serialität“, „Liveness“ und „Adressie-rungen“ werden mit vielen konkreten Beispielen aus den Angeboten von Netflix und Youtube unterfüttert, um dem Begriff „Fernsehen“ eine veränderte Bedeutung zu geben. Die Unterschiede zum traditionellen Fernsehen der 1960er bis 90er Jahre sind in der Tat beachtlich. Sie werden vom Autor mit zahlreichen Verweisen auf die theoretische Literatur (Bleicher, Engell, Hickethier, Uricchio, Winkler) abgesichert. Zu den wichtigsten beispielhaften Sendungen gehören BREAKING BAD, HOUSE OF CARDS, MAD MEN, SUPER BOWL. Eine gut fundierte Arbeit. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: number=978-3-8376-5481-3

The Films of Konrad Wolf

Er war der bedeutendste Regisseur der DDR. Über Konrad Wolf (1925-1982) gibt es diverse Bücher, u.a. die her-vorragend recherchierte Biogra-fie „Der Sonnensucher“ von Wolfgang Jacobsen und Rolf Aurich (2005) und die Publika-tion „Chronist im Jahrhundert der Extreme“ (2019) von Antje Vollmer und Hans-Eckardt Wenzel. Was bisher fehlte, ist eine systematische Analyse seines Werkes. Die leistet das jüngst bei Camden House erschienene Buch von Larson Powell, Professor für Film Studies an der University of Missouri in Kansas City. Die Kenntnisse des Autors über Leben und Werk von Konrad Wolf sind beein-druckend. Alle Filme werden mit ihren historischen und politischen Kontexten erschlossen. Am besten gelingt dies bei seinen wichtigsten Filmen: LISSY (1957), STERNE (1959), DER GETEILTE HIMMEL (1964), ICH WAR NEUNZEHN (1968), DER NACKTE MANN AUF DEM SPORTPLATZ (1974) und SOLO SUNNY (1980). Kameraführung (meist Werner Bergmann), Montage (oft Evelyn Carow), Musik, die Zusammenarbeit mit Schauspielerinnen und Schauspielern werden mit den Inhalten und Themen in Verbindung gebracht. Eine deutschsprachige Ausgabe wäre wünschenswert. Mit Abbildungen in akzeptabler Qualität. Coverabbildung: DER GETEILTE HIMMEL. Mehr zum Buch: the-films-of-konrad-wolf.html

Inside Out

Man muss bei der Lektüre dieser Lebenserinnerungen viel Geduld haben. Demi Moore (*1962) erzählt alles, was sie erlebt hat, sehr ausführlich: ihre traumatische Kindheit mit ständigen Ortswechseln, komplizierten Familienverhält-nissen, einer labilen Mutter, einem trunksüchtigen Vater, ihre Befreiung aus diesen Zusammenhängen mit körperlichen und seelischen Folgen, ihre Beziehungen (mit und ohne Heirat) zu dem Musiker Freddy Moore, den Schauspielern Emilio Estevez, Bruce Willis, Ashton Kutcher und anderen, ihren Hass auf Paparazzi und Klatschreporter, ihre Suchtprobleme. Die drei Teile haben die Überschriften „Überleben“, „Triumph“, „Kapitulation“. Der Schlusssatz lautet: „Die Wahrheit ist, dass der einzige Weg aus dem Schmerz mitten hindurch führt.“ Interessant sind ihre Arbeitserfahrungen mit den Regisseuren Jerry Zucker (bei dem Film GHOST), Rob Reiner (A FEW GOOD MEN), Adrian Lyne (INDECENT PROPOSAL) und Ridley Scott (G. I. JANE), die sehr präzise beschrieben werden. Mehr zum Buch: Inside-Out/Demi-Moore/Goldmann/e577005.rhd

„Die kleine Schwester“

Es ist schon lange her, dass ich die sieben Romane von Ray-mond Chandler gelesen habe. In den 1970er Jahren erschienen sie in Neuübersetzungen bei Diogenes. Jetzt legt der Verlag nochmal nach und publiziert neue Neuübersetzungen. Zum Beispiel von „Die kleine Schwe-ster“ (1949), deutsch erstmals 1953. Die Übersetzung aus dem Jahr 1975 stammte von W. E. Richartz, die neue von Robin Detje. Sie ist lakonischer, mo-derner, liest sich sehr gut. An vieles konnte ich mich nicht mehr erinnern. Der Detektiv Philip Marlowe bekommt Besuch von Orfamay Quest, der „kleinen Schwester“ von Orrin Quest, die aus Manhattan in Kansas nach L.A. gekommen ist, um ihren Bruder hier zu suchen. Er ist spurlos ver-schwunden. Und es gibt noch eine große Schwester, die Schauspielerin Mavis Weld, die um ihre Karriere fürchten muss, wenn öffentlich wird, dass sie eine Beziehung zu dem Gangster Steelgrave hatte. Es existieren entsprechende Fotos, mit denen man sie erpressen könnte. Marlowe ermittelt und ist in zwei Welten unterwegs: in der Filmwelt von Hollywood und in der Unterwelt von L.A. Es gibt viele Tote (auch Orrin bleibt auf der Strecke) und überraschende Wendungen. Die letzte Pointe findet kurz vor Schluss statt. 350 spannende Seiten. Mit einem Nachwort von Michael Connelly. Mehr zum Buch: die-kleine-schwester-9783257071399.html

REPO MAN (1984)

Diese Science-Fiction-Comedy von Alex Cox (Buch und Regie) ist sehr originell. Der junge Punk Otto Maddock verliert seinen Job in einem Supermarkt in L.A. und wird in der Firma „Helping Hands Acceptande Company“ Repossession Man. Er muss Autos wiederbeschaffen, deren Halter ihre Raten nicht bezahlen und bei Kreditunternehmen hohe Schulden haben. Der neue Job verlangt viel körperlichen Einsatz. Ottos Mentor ist der alkoholabhängige Bud, er hat einen Kollegen namens Miller. Als Konkurrenten agieren die Rodriguez-Brüder. Eine neue Dimension bekommt die Geschichte, als in L.A. ein Auto unterwegs ist, in dessen Kofferraum die Leichen von Außerirdischen liegen. Der Wagen wird von Punks gestohlen, für die Wiederbeschaffung gibt es eine hohe Belohnung. Dann steht das inzwischen grün leuchtende Fahrzeug auf dem Parkplatz von HHAC. Hervorragend : die Hauptdarsteller Emilio Estevez (Otto), Tracey Walter (Miller) und Harry Dean Stanton (Bud). Hinter der Kamera stand Robby Müller. Die Musik haben Iggy Pop und The Plugz komponiert. Bei Koch Media ist jetzt die Blu-ray des Films erschienen. Mit einem Audiokommentar von Alex Cox, Michael Nesmith (Produzent) und Victoria Thomas (Casterin). Sehr zu empfehlen. Mehr zur Blu-ray: repo_man_blu_ray/