Doris Day

Sie war als Sängerin und Schauspielerin ein Star, wurde als Doris Mary Anne Kappelhoff am 3. April 1922 in Cincinnatti/ Ohio, geboren und starb am 13. Mai 2019 in Monterey County/ Kalifornien. Ihr bekanntester Song ist wohl „Que Sera, Sera“ aus dem Hitchcock-Film THE MAN WHO KNEW TOO MUCH (1956). Sie hat zwischen 1948 und 1968 39 Filme gedreht, meist Komödien, aber auch Western, Melodramen und Thriller. Die Biografie von Bettina Uhlich führt uns durch ihr Leben, informiert über ihre Filme, ihre Lieder, ihre Fernsehauftritte. Eigentlich wollte sie Tänzerin werden, doch ein Beinbruch in ihrer Jugend hat das verhindert. Sie hatte eine schwierige Kindheit, die Eltern ließen sich 1936 scheiden, sie wuchs bei ihrer Mutter Alma auf, nahm Gesangsunterricht und hatte ab 1940 erfolgreiche Auftritte mit der Les Brown Band. 1941 heiratete sie den Posaunisten Al Jordon, 1942 kam ihr Sohn Terry zur Welt, 1943 ließ sie sich scheiden. 1945 tourte sie mit Bob Hope im Rahmen der Truppenbetreuung. Die zweite Ehe mit dem Saxophonisten George Seidler dauerte nur acht Monate, auch die dritte und vierte Ehe waren konfliktreich. Erfolge im Beruf brachten ihr mehr Glück. Bettina Uhlich beschreibt ausführlich die Filme mit Doris Day, die Hintergründe der Produktion (meist von Warner Bros.), die Rezeption bei Kritik und Publikum. Auch die Autorin hat zu manchen Filmen eine kritische Distanz. Besonders gut gefallen mir ihre Texte zu LOVE ME OR LEAVE ME von Charles Vidor mit James Cagney, THE PAJAMA GAME von Stanley Donen mit John Raitt, PILLOW TALK von Michael Gordon mit Rock Hudson und SEND ME NO FLOWERS von Norman Jewison, ebenfalls mit Rock Hudson. Die Autorin hat sehr gut recherchiert, aber die 693 Quellenverweise beeinträchtigen die Lektüre nicht. Das Schlusskapitel „Doris Day in ihren späten Jahren“ stammt von Marco Otto, einem Doris Day-Fan, der ab 2008 Kontakt zu ihr hatte und dies anschaulich erzählt. Die Biografie ist spannend zu lesen. Ein schönes Geschenk zu ihrem 100. Geburtstag, der im kommenden April zu feiern ist. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: 20ihre%20Lieder&rubrik=Literatur

A TAXI DRIVER (2017)

Mai 1980 in Südkorea. Es gibt Gerüchte über einen Aufstand in der Stadt Gwangju. Der deutsche Ostasienkorrespondent Peter fliegt von Tokio nach Seoul und findet dort den Taxifahrer Kim, der ihn für viel Geld in die abgesperrte Stadt Gwangju bringt. Sie treffen auf feiernde Studenten und in einem Krankenhaus auf Opfer militärischer Gewalt. Der Film von Hun Jang basiert auf realen Vorkommnissen und erzählt sie aus zwei Perspektiven: aus dem Blickwinkel des Korrespondenten und des Taxifahrers. Es gibt dramatische und komische Momente. Die Hauptrollen spielen Thomas Kretschmann (Peter) und Song Kang-ho (Kim), bekannt aus dem Film PARASITE. A TAXI DRIVER kam nicht in unsere Kinos. Bei Koch Media ist jetzt die DVD des Films erschienen. Sehr sehenswert. Mehr zur DVD: details/view/film/a_taxi_driver_dvd/

Terrence Malick: THE NEW WORLD

Zehn Spielfilme hat Terrence Malick (*1943) in den letzten 50 Jahren realisiert, der erste war BADLANDS (1973), der bisher letzte A HIDDEN LIFE (2019). Seine Themen sind Geschichte, Transzendenz, Natur und Kultur. Für die philosophischen Reflexionen findet er immer einen eigenen filmischen Stil. Der Filmwissenschaftler Felix Lenz, der mit einer Arbeit über Sergej Eisenstein promoviert hat, analysiert in seinem Buch den Film THE NEW WORLD (2005), der die britische Kolonialisierung Nordamerikas im 17. Jahrhundert in einem individuellen Drama konkretisiert. Im Mittelpunkt steht die konfliktreiche Liebesgeschichte zwischen dem Einwanderer John Smith (Colin Farrell) und der Häuptlingstochter Pocahontas (Q’orianka Kilcher). Vier Kapitel strukturieren das Buch von Lenz: Methoden, Koordinaten, Übergänge, Porträts. Beschrieben werden indianische Verhältnisse und postkoloniale Theorien, Facetten des Übergangsszenarios (Kapitel 1), der Prolog als dynamische Figuration, die Wiese als Leinwand (Kapitel 2), Gestische, farbliche und jahreszeitliche Sprachen, die Kolonie als Dystopie und Pocahontas‘ politische Utopie, Blickformen aus dem Geist des Übergangsszenarios, Modi des Wachstums und gebrochene Liebeswerbung, Zeitrelationen (Kapitel 3), Refigurationen von Schneewittchen, Motivumkehrungen und Zeitfiguren (Kapitel 4). Dies geschieht sehr konkret durch Szenenbeschreibungen und Bildanalysen. Die Lektüre des Malick-Films von Felix Lenz ist beeindruckend. Mit 24 Farbabbildungen in guter Qualität. Band 3 der Reihe “Film/Lektüren“. Mehr zum Buch: Details.aspx?ISBN=9783967075717#.YVRgIi-21Hc

Das Schaltbild

Es gibt diverse Bücher zur Geschichte des Fernsehens, aber Lorenz Engell (*1959), Professor für Medienphilosophie an der Bauhaus Universität Weimar, hat eine „Philosophie des Fernsehens“ verfasst. Sie hat drei Teile (Fernsehen 1.0 – Trajektorien, Expansionen, Intensivierungen – Fernsehen 2.0) und zwölf Kapitel: 1. Einschalten. Anfänge des Fernsehens. 2. Live-Fernsehen. 3. Die Serie (1). 4. Flow. 5. Zusammenschalten. 6. Instant Replay. 7. Das All-Bild. 8. Umschalten: Remote Control. 9. Second Screens. 10. Die Serie (2). 11. Reality und History. 12. Abschaltbilder. Enden des Fernsehens. Die Perspektiven des Autors sind technikphilosophisch, ontologisch, ästhetisch und anthropologisch. Die Veränderungen des Mediums Fernsehen werden auf 400 Seiten genau beschrieben, vom Bildschirm hat es sich in einen Schalter verwandelt, der vom Publikum in vielen Varianten genutzt wird. Seine Funktion als Gerät tritt immer mehr in den Hintergrund. Engell konkretisiert seinen Text mit vielen Beispielen aus der Fernsehgeschichte und nimmt uns mit auf eine Reise durch die Medienphilosophie. Dies geschieht auf hohem Niveau. Lesenswert. Ohne Abbildungen. Mehr zum Buch: 9783835391390-das-schaltbild.html

Mit anderen Augen

„Exilfilm“ darf nicht auf die Zeit des Nationalsozialismus reduziert werden. In ihrem Buch „Mit anderen Augen“ öffnet Heike Klapdor den Blick auf Heimatverluste mit vielen Filmbeispielen, die pointiert beschrieben werden. Sieben Kapitel strukturieren den Band. 1. Krise, 2. Auf/Bruch, 3. Flucht, 4. Heimat, 5. Der verlorene Sohn, 6. Kinder, 7. Spuren. Die Filmbeispiele sind LA CRISE EST FINIE (1934) von Robert Siodmak, JEALOUSY (1945) von Gustav Machaty, EXIL (2020) von Visar Morina (Kapitel 1). DU HAUT EN BAS (1933) von G. W. Pabst (Kapitel 2). DIE SCHÖNEN TAGE VON ARANJUEZ (1933) von Johannes Meyer (Kapitel 3). LE ROMAN DE WERTHER (1938) von Max Ophüls (Kapitel 4). ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN (1947) von Harald Braun, DER RUF (1949) von Joseph von Baky, DER VERLORENE (1951) von Peter Lorre, EUROPA (1991) von Lars von Trier, PHOENIX (2014) von Christian Petzold, die Fritz-Bauer-Filme von Giulio Ricciarell (2014) und Lars Kraume (2015), Filme von Wim Wenders, Thomas Brasch, Jan Schütte und Ruth Beckermann (Kapitel 5). GERMANIA ANNO ZERO (1948) von Roberto Rossellini, IRGENDWO IN BERLIN (1946) von Gerhard Lamprecht, IRGENDWO IN EUROPA (1947) von Géza von Radványi, THE SEARCH (1948) von Fred Zinnemann, GOTTES ENGEL SIND ÜBERALL (1948) von Hans Thimig, Dokumentarfilme von Stephan M. Vogel und Ruth Zylberman (Kapitel 6). THUNDER ROCK (1942) von Roy und John Boulting, die „Transit“-Verfilmungen von Ingemo Engström und Gerhard Theuring (1977), René Allio (1990) und Christian Petzold (2018) (Kapitel 7). Immer geht es um Krisenerfahrungen, die in verschiedenster Form vermittelt werden. Die Lektüre des Buches ist spannend, es vermittelt viele neue Erkenntnisse. Mehr zum Buch: ISBN=9783967074727#.YRqPfTsgBW8

1001 Filme

Alle zwei Jahre erscheint eine Neuausgabe dieses Buches, dies ist die 14. aktualisierte Edition, weltweit sind inzwischen über zwei Millionen Exemplare verkauft. 86 Autorinnen und Autoren sind für die Texte zuständig, die präzise formuliert und pointiert geschrieben sind. 19 Filme aus den vergangenen zwei Jahren sind neu hinzuge-kommen: BOOKSMART von Olivia Wilde, PORTRAIT DE LA JEUNE FILLE EN FEU von Céline Sciamma, FOR SANA von Waad Al-Kateab, ONCE UPON A TIME … IN HOLLYWOOD von Quentin Tarantino, PARASITE von Bong Joon-ho, THE FAREWELL von Lulu Wang, JOKER von Todd Phillips, LITTLE WOMEN von Greta Gerwig, THE LIGHTHOUSE von Robert Eggers, THE VAST OF NIGHT von Andrew Patterson, THE ASSISTENT von Kitty Green, ROCKS von Sarah Gavron, TENET von Christopher Nolan, MA RAINEY‘S BLACK BOTTOM von George C. Wolfe, SOUL von Peter Docter und Kemp Powers, NEVER RARELY SOMETIMES ALWAYS von Eliza Hittman, LOVERS ROCK von Steve McQueen und NOMADLAND von Chlóe Zhao. Achtmal haben Frauen Regie geführt. Die Auswahl ist weiterhin sehr Amerika-dominiert. Die 19 verschwundenen Filme habe ich nicht ermittelt. 960 Seiten, Abbildungen in hervorragender Qualität. Mehr zum Buch: buecher/1001-filme-14-neuausgabe/

3 TAGE IN QUIBERON (2018)

Quiberon ist ein Kurort in der Bretagne. Romy Schneider machte dort im Frühjahr 1981 eine Entgiftungsdiät. Ihre Jugendfreundin Hilde Fritsch aus Wien unterstützte sie dabei. Romy hat einem Pressetermin mit dem Stern-Reporter Michael Jürgs und dem Fotografen Robert Lebeck zugestimmt. Hilde ist als Zeugin dabei. Mit Lebeck war Romy schon öfter zusammen, Jürgs kennt sie bisher nicht persönlich. Das Gespräch in ihrem Hotelzimmer ist entspannt, später wird auch Alkohol getrunken. In der Nacht ist Hilde bei Romy. Am zweiten Tag wird das Gespräch fortgesetzt, später geraten Hilde und Michael Jürgs in einen Streit über die Reportertätigkeit. Lebeck verbringt die Nacht mit Romy. Am nächsten Morgen ist Romy verschwunden. Sie klettert auf einen Felsen am Meer, wird von den drei anderen gefunden. Lebeck fotografiert, Romy stürzt und bricht sich einen Knöchel. Am dritten Tag reisen alle ab. Nach einer Woche besucht Lebeck Romy in Paris, übergibt das für die Veröffentlichung geplante Gespräch, das von ihr autorisiert wird. – Der Film von Emily Atef ist eine spannende biografische Episode, anderthalb Jahre vor Romys Tod. Die vier Hauptrollen sind hervorragend besetzt mit Marie Bäumer (Romy), Birgit Minichmayr (Hilde), Charly Hübner (Lebeck) und Robert Gwisdek (Jürgs). Der Film hatte bei der Berlinale 2018 Premiere, erhielt aber keine Auszeichnung. Beim Deutschen Filmpreis 2018 bekam er sieben „Lolas“, u.a. als bester Film, für die beste Regie und die beste Hauptdarstellerin. Bei StudioCanal ist die Blu-ray des Films in einer Special Edition erschienen. Unbedingt sehenswert. Mehr zur Blu-ray: 3_tage_in_quiberon-special_edition

Lesen und Sehen

Miniaturen sind eine eigenständige Textform der Beobachtung, Spurensuche und Beschreibung. Der Autor Peter Nau ist seit langer Zeit ein Spezialist dafür. Es sind Bücher und Filme, über die er in kurzen Essays reflektiert. Zu den Schriftstellern und Philosophen, denen man hier begegnet, gehören Friedrich Hölderlin, Franz Kafka, Joseph Conrad und Ernst Jünger, Friedrich Nietzsche, Walter Benjamin, Theodor W. Adorno und Ernst Bloch, John Le Carré, Dashiell Hammett und Raymond Chandler. Zahlreiche Miniaturen sind Filmen von Harun Farocki, Danièle Huillet und Jean-Marie Straub, Joris Ivens und Marceline Loridan, Friedrich Wilhelm Murnau und Lupu Pick, Eric Rohmer und Jaques Rivette gewidmet. Wunderbar: die Texte über das Buch von Helmut Färber zu Ozus Film SOSHUN, über Otto Rupperts HOMUNCULUS, Fritz Poppenbergs MEIN VATER, Hitchcocks THE SECRET AGENT, Spielbergs LINCOLN, Peter Lorre in Fritz Langs M und den Kameramann Günther Krampf. Auch drei DEFA-Filme werden gewürdigt: WOZZECK von Georg C. Klaren, KARRIERE IN PARIS von Hans-Georg Rudolph und Georg C. Klaren und DIE UNBESIEGBAREN von Artur Pohl. Die 112 Miniaturen sind in der Regel jeweils eine Seite lang. Zwei Spaziergänge rahmen die Texte ein: mit Gisela Müller durch Brieselang, nach Motiven von Emmanuel Bove, zu Beginn, mit Michael Pekler durch Charlottenburg mit Verweisen auf Joseph Conrad am Ende. Die Miniaturen stammen aus den Jahren 2003-2017. Veröffentlicht vom Harun Farocki Institut (Berlin) und Synema (Wien), herausgegeben von Volker Pantenburg. Mehr zum Buch: lesen-und-sehen-miniaturen-zu-buechern-und-filmen/

Eine Welt ist nicht genug

Josef Schnelle, mit dem Werk von Werner Herzog bestens vertraut, hat jetzt einen Reise-führer publiziert, der uns durch die Filmwelten des herausra-genden Regisseurs führt. Er beginnt mit der Beschreibung der Zeremonie beim Europä-ischen Filmpreis 2019, als Herzog mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet wurde. Es folgt ein kurzer Text über Herzogs jüngsten Film, FAMILY ROMANCQE, LLC, der einen japanischen Illusionskünstler porträtiert. Das Gespräch mit WH (sechs Seiten) ist kurz und pointiert. Elf Kapitel erschließen das Werk: „Wer bin ich denn? Rollen der Selbst(er)findung“, „Ein Mann mit Geschichte und Geschichten“, „In die Unterwelt – der Seele“, „Hochmut kommt vor dem Fall: Die Fallen der Hybris“, „Die Katastrophen und das Naturschöne“, „Verrückt sein: Grenzen überschreiten“, „Augen kann man nicht kaufen“ (Kamera und Bildgestaltung), „Die Wahrheit des Ekstatischen – Die Dokumentarfilme von Werner Herzog“, „Film und Musik – Verwandte Seelenzustände“, „‘Homo spiritualis‘ – Spiritualität und Wunder“, „Die sieben Leben des Werner Herzog“. Eine kommentierte ausgewählte Filmografie-Biografie schließt den Band ab. Er bereitet uns auf den 80. Geburtstag von Werner Herzog vor, der im kommenden Jahr zu feiern ist. Mehr zum Buch: titel/667-eine-welt-ist-nicht-genug.html

Christopher Nolan

Er gilt als einer der interes-santesten und erfolgreichsten Autorenfilmer in Hollywood. Sein elfter Film, TENET, kam 2020 während der Corona-Zeit in die Kinos. Christopher Nolan ist Band 62 der Film-Konzepte gewidmet, herausgegeben von Jörg Helbig. Neun Texte erschließen das bisherige Werk des Autors und Regisseurs. Der Herausgeber beginnt mit einer Reise durch das Universum von Christopher Nolan in 180 Sekunden. Marcus Stiglegger beschreibt die achronologische Montage und Existenz-erkundung in den Nolan-Filmen. Désirée Kriesch untersucht Figurensubjektivität und nicht-lineares Erzählen in seinem ersten Film FOLLOWING (1998). Sebastian Seidler stellt Überlegungen zum Ereignis der Grenzüberschreitung in INSOMNIA (2002) an. Bei Andreas Rauscher geht es um die DARK KNIGHT-Trilogie (2008-13). Sabrina Gärtner macht Annotationen zur Ästhetik von THE PRESTIGE (2006). Arno Rußegger richtet den Blick auf INCEPTION (2010). Jannick Müller beschreibt die Computersimulation eines Schwarzen Locks in INTERSTELLAR (2014). Barbara Korte konfrontiert Mythos und Thriller in DUNKIRK (2017). Alle Texte haben ein hohes Niveau. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: subject=film&sort=5&ISBN=9783967074680#.YVRgXC-21Hc