300. Geburtstag Friedrichs des Großem

Heute wird in Deutschland der 300. Geburt-stag von Friedrich II. gefeiert. Das Festpro-gramm ist umfangreich, es gibt Staatsakte, Ausstellungen, Fernsehereignisse, Film-reihen. Einen originellen Beitrag zum runden Geburtstag liefert das Filmmuseum Potsdam in Zusammenarbeit mit Absolut Medien: eine DVD mit dem Titel „Friedrich II. und der Film“. Sie enthält Kurzfilme aus verschie-denen Jahrzehnten, ein Interview mit Michael Gebühr, dem Sohn von Otto Gebühr, der zwischen 1919 und 1942 in 15 Filmen den König gespielt hat, und die Komödie DIE TÄNZERIN VON SANSSOUCI aus dem Jahr 1931.

Filmische Atmosphären

Dies ist der 30. Band der „Zürcher Film-studien“, die seit zehn Jahren im Schüren Verlag publiziert werden und  von Christine N. Brinckmann initiiert wurden. Der vorliegende Band dokumentiert die Beiträge einer Tagung zum zwanzigjährigen Bestehen des Instituts für Filmwissenschaft an der Universität Zürich. In 17 Texten wird den Atmosphären im Film und in den Räumen, in denen Filme rezipiert werden, also im Kino, nachgegangen. Mit Texten von Anne Paech, Jörg Schweinitz, Barbara Flückinger, Alexandra Schneider, Hans J. Wulff, Britta Hartmann, Tereza Smid, Franziska Heller, Michael Wedel, Daniel Wiegand, Wolfgang Beilenhoff, Christine N. Brinck-mann, Veronika Rall, Patrick Straumann, Joachim Paech, Volker Gerling. Das Schweizer Institut wird inzwischen von Margrit Tröhler geleitet, die auch das Vorwort geschrieben hat. Mehr über das Buch:  www.schueren-verlag.de/paymate/search.php?vid=2&aid=3215

Ehrenpreis für Alfred Holighaus

Er hat sie gegründet und ihr viele Jahre ein Profil gegeben: die Reihe „Perspektive deutsches Kino“ als Sektion der Berlinale. Dafür wird er heute mit dem ersten Ehren-preis des Filmfestivals in Saarbrücken geehrt. Inzwischen ist Alfred Holighaus (*1959) Geschäftsführer der Deutschen Filmaka-demie. Und mancher erinnert sich vielleicht daran, dass er von 1984 bis 1995 zuerst Filmredakteur und dann Redaktionsleiter des Berliner TIP gewesen ist. In diesem Zusammen-hang hat er auch die TIP-Filmjahrbücher herausgegeben. Lang ist’s her. Was ich vergessen hatte: dass er schon 1980 zusammen mit Guntram Lenz das Buch „Wählt, damit es uns gut geht“ publiziert hat; Untertitel „Dichter und Demokratie im Blickpunkt deutscher Lyrik und Prosa von 1840 bis zur Gegenwart“. Damals war Alfred 21 Jahre alt. Glückwunsch zum Ehrenpreis!

Töne der Angst

Es gab den Horror schon im Stummfilm, aber der Ton hat ihm eine wichtige zusätzliche Wirkungskraft verliehen. Das Buch von Frank Hentschel untersucht analytisch die „Töne der Angst“. Es geht um Musik und Geräusche, um Atonalität und Elektronik, um Geistliche Musik, Kinderlieder und Spiel-uhren. Kluge Gedanken zu Filmen wie THE BIRDS, THE SHINING, CANDYMAN und THE INNOCENTS. Im Mittelpunkt stehen die 1960er und 70er Jahre. Mit vielen Abbildun-gen in guter Qualität, einem Glossar, einem umfangreichen Literatur-verzeichnis und einer beigelegten DVD, die mit Filmausschnitten die Analysen konkretisiert. Mehr Informationen: http://www.bertz-fischer.de/toenederangst.html

Die Lust am Genre

Im Oktober 2010 fand im Berliner Museum für Film und Fernsehen ein Symposium der Deutschen Kinemathek über Tradition und Erneuerung des Thrillers aus Deutschland statt. Sieben zum Teil überarbeitete Referate und sieben „Fallbeispiele“ sind jetzt, heraus-gegeben von Rainer Rother und Julia Pattis, in einem Buch nachzulesen (Verlag Bertz + Fischer, 224 S., 19,90 €). Unter den Autoren findet man Jan Distelmeyer, Britta Hart-mann, Andreas Kilb, Stefan Pethke, Ralf Schenk, Chris Wahl, Michael Wedel. Malte Hagener klärt zu Beginn den Begriff „Genre“ und Hans-Christoph Blumenberg fordert „Gerechtigkeit für Gerd Oswald“. Mehr über das Buch unter fd1086b21

Forry Ackermans Leben

Er war einer der verrücktesten Sammler, die ich kennengelernt habe: 1984 bei einer Amerikareise mit Rolf Giesen, zur Vorbe-reitung einer Special-Effects-Ausstellung der Kinemathek im Kaufhaus Wertheim am Kurfürstendamm und einer Retrospektive der Berlinale. In seinem Haus in Hollywood verwahrte er – unterstützt von einem Assistenten – geschätzt 200.000 Exponate aus der Geschichte des Sci-fi- und Horror-films. Er war KING KONG- und METROPO-LIS-süchtig. Was auch immer er uns zeigte – Masken, Helme, Minia-turen, Zeichnungen, Produktionsentwürfe – , es glitzerte in seinen Augen. 1985 kam er zur Ausstellungseröffnung nach Berlin. Er war mit Vincent Price, Ray Harryhausen und Ray Bradbury befreundet. 2008 ist Forrest J Ackerman im Alter von 92 Jahren in Los Angeles gestorben. Deborah Painter hat eine schöne Biografie über ihn geschrieben, erschienen bei McFarland and Company, Jefferson, N.Y. (224 S., viele Bilder). Eve LeQuinu hat eine zugeneigt-kritische Rezension publiziert: ForryAckerman.html

Filmbuch des Jahres

Das Jahr geht zu Ende. Ich habe meine zwölf Filmbücher des Monats vorgestellt. Nun muss ich entscheiden, welches davon das „Filmbuch des Jahres“ werden soll. Ich habe drei Kandidaten: die Autobiografie von Werner Schroeter, aufgeschrieben von Claudia Lenssen (April), „Filmhochschulen in Deutschland“ von Peter Slansky (Juli) und „Floating Food“ von Ulrike Ottinger (Okto-ber). Meine Wahl fällt auf das Buch von Peter Slansky, weil es ein solches Stück Grund-lagenliteratur bisher nicht gab und die jahrelangen Recherchen des Münchner HFF-Professors vorbildlich sind. Ein beeindruckendes  Buch! Mehr unter  www.hhprinzler.de/filmbuecher/filmhochschulen-in-deutschland/

Filmkonzepte: Max Ophüls

Seit sechs Jahren gibt es die Reihe „Film-Konzepte“, herausgegeben von Thomas Koebner und Fabienne Liptay in der edition text + kritik, alle drei Monate erscheint ein Band. Folgerichtig liegt jetzt der Band 24 vor, von Ronny Loewy als Gast-herausgeber betreut. Er ist Max Ophüls gewidmet. Sein Werk wird in vier klugen Texten erschlossen: Verena Lueken schreibt über die frühen Jahre in Deutschland, Fritz Göttler über die 1930er, Lutz Bacher über die Erfahrungen in Hollywood und Martina Müller über die 1950er. Angefügt ist eine kurze Biografie (Loewy). Das Titelfoto stammt aus dem wunderschönen Film LIEBELEI (1933).

Volker Schlöndorff

Der Germanist Hans-Bernhard Moeller (University of Texas, Austin) und der Kom-munikationswissenschaftler George Lellis (Coke College, South Carolina) haben 2002 bei der Southern Illinois University Press ein Buch über Volker Schlöndorff publiziert, das jetzt revidiert und erweitert seinen Weg nach Deutschland gefunden hat und bei Vorwerk 8 erschienen ist (422 S., 24 €). Die Film-für-Film-Analyse ist profund, es kommen nicht nur die speziellen Qualitäten des „Literatur-verfilmers“ zur Sprache, auch die Kontexte des Neuen Deutschen Films der 1960er und 70er Jahre werden thematisiert. Grenzwertig ist die Papierqualität im Hinblick auf die Fotos.

Die Filme von Nanni Moretti

In den deutschen Kinos kann man zurzeit seinen Film HABEMUS PAPAM sehen. Da trifft es sich gut, dass gerade ein Buch erschienen ist, das sich intensiv mit dem bisherigen Gesamtwerk des Regisseurs auseinandersetzt: „Die Filme von Nanni Moretti“ (Schüren Verlag, 392 S., 29,90 €). Die Autorin Charlotte Lorber stellt den Blick auf Raum und Zeit in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung, mit der sie, betreut von Heinz-B. Heller, in Marburg promoviert hat. Die zehn Filmanalysen (HABEMUS PAPAM ist noch nicht dabei) sind gut strukturiert, erschließen die italienische Sekundärliteratur und charakterisieren sehr konkret Morettis Stil als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller. 335 Screenshots begleiten den Text.