Karl May-Jubiläen

Vor 170 Jahren wurde Karl May geboren, vor hundert Jahren ist er gestorben und vor fünfzig Jahren spielte Pierre Brice erstmals den Winnetou. Wenn sich die Daten fügen, kann man daraus ein kleines Fest machen. Es findet an diesem Wochenende und in der kommenden Woche im Berliner Babylon-Kino statt. Gut, dass es inzwischen auch eine neue Karl May-Biografie gibt, die man unbedingt lesen sollte, wenn einen dieser Autor interessiert. Sie stammt vom Feuilleton-Chef des Tagesspiegel, Rüdiger Schaper, und ist im Siedler-Verlag erschienen: „Karl May – Untertan, Hochstapler, Übermensch“.

15 Jahre DVD

Heute vor fünfzehn Jahren, am 19. März 1997, kamen die ersten vier DVDs (Digital Video Disc) in den Handel. Sie haben den Umgang mit neuen und alten Filmen sehr verändert. Auch wenn sich inzwischen die Technik weiterentwickelt hat: die Verfüg-barkeit der Filmgeschichte war nie so groß wie in den vergangenen Jahren, ein Film wie AUGE IN AUGE hätte ohne DVDs kaum entstehen können. Jan Distelmeyers Buch „Das flexible Kino“ erzählt sehr differenziert die Geschichte der DVD (inklusive der darauf folgenden Blue-ray Disc), die vor allem von Marktkämpfen beherrscht war und die Filmrezeption radikal verändert hat.

Zeitenwende(n) des Films

Seit Jahren gibt es interessante Filme, die ihre Handlung nicht linear, sondern in zeitlichen Sprüngen erzählen. Drei Beispiele aus jüngerer Zeit: BABEL von Alejandro Gonzélez Inárritu, PREMONITION von Mennan Yapo, INCEPTION von Christopher Nolan. Die Medienwissenschaftlerin Julia Eckel setzt sich in ihrem gerade erschiene-nen Buch mit „Temporaler Nonlinearilität im zeitgenössischen Erzählkino“ auseinander. Rund 30 Filme dienen ihr in einer manchmal etwas kompliziert formulierten Analyse als Material. Eine anregende Lektüre, hoffentlich nicht nur für potentielle Drehbuchautoren.

Filmstadt Leipzig

In Leipzig beginnt heute die Buchmesse. Mit Büchern und Messen wird die Stadt schnell assoziiert. Aber was hat sie als Filmstadt vorzuweisen? Jens Rübner (*1960), gelernter Koch, lebt in Leipzig und ist ein Filmfan. Er hat intensiv recherchiert und aus seinen Informationen ein sehr persönliches kleines Lexikon gemacht, das im Herbst 2011 im Engelsdorfer Verlag erschienen ist (186 S., 12,50 €). Natürlich steht die DEFA im Zentrum, aber auch internationale Produktionen haben Leipzig als Kulisse genutzt, zum Beispiel IRINA PALM, EIN RUSSISCHER SOMMER und CARLOS. Man spürt, dass dies ein Amateur geschrieben hat. Aber einer mit Energie  und Motivation.

Jutta Hoffmann

In den 1960er und 70er Jahren war sie eine meiner Lieblingsschauspielerinnen: Jutta Hoffmann (*1941).  Sie spielte die Professorentochter in Frank Vogels JULIA LEBT (1963), die allein erziehende Mutter in Horst Seemanns ZEIT ZU LEBEN (1969) und die junge Frau zwischen Manfred Krug und Jaecki Schwarz in WEITE STRASSEN – STILLE LIEBE (1969) von Herrmann Zschoche. Dann wurde sie zu Egon Günthers Hauptdarstellerin in JUNGE FRAU VON 1914 (1969), DER DRITTE (1972), DIE SCHLÜSSEL (1973/74), LOTTE IN WEIMAR (1974/75) und URSULA (1977). Schließlich drehte Frank Beyer mit ihr DAS VERSTECK (1977) und GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT (1978). Zwei Verbotsfilme der Jahre 65/66 bekamen wir erst 1990 zu sehen: WENN DU GROSS BIST, LIEBER ADAM und KARLA. Da lebte und arbeitete sie schon eine Weile im Westen. Sie war eine der Größten der DEFA! Jetzt hat sie ihre Autobiografie geschrieben. Lesestoff für vielen Verehrerinnen und Verehrer.

Du: Clint Eastwood

Es gibt sie noch immer: die Schweizer Kulturzeitschrift Du. Sie erscheint monatlich mit einem Schwerpunktthema. Im März 2012, es handelt sich um das Heft 824, geht es um den großen Clint Eastwood. Auf 80 Seiten wird er mit Texten und Fotos gewürdigt. Der sehr lesenswerte Hauptaufsatz stammt von Tobias Kniebe („Abgezockt und erleuchtet: Triumphzug eines coolen Pragmatisten“). Das Heft enthält  Beiträge von Barbara Vinken (über das Gute, das Böse und die Frauen), Leonardo DiCaprio (über Eastwoods Umgang mit Schauspielern), Nathalie Wepper (eine persönliche Begegnung), Martin Heller (über die „Eastwood-Methode“), Martin Walder (wo steht Clint Eastwood politisch?) und Christoph Feilman (Eastwood und die Musik), ein Gespräch von Jean-Paul Chaillet mit CE und eine Filmografie. Viele Fotos.

Erinnerungen an den Holocaust

„Welchen der Steine du hebst. Filmische Erinnerungen an den Holocaust“ heißt ein Buch, herausgegeben von Claudia Bruns, Asal Dardan und Anette Dietrich, erschienen im Verlag Bertz + Fischer (368 S., 29,90 €). In 23 Texten geht es um filmische Narrationen im Generationengedächtnis, Authentizität und Fiktion im Dokumentarfilm, Leerstellen der Erinnerung, Grenzen von Geschlecht und Geschmack, Grenzgänge zwischen Humor, Satire und Lüge, Transfer von Ikonografien und Narrationen. Meist wird dies an einzelnen Filmbeispielen dargestellt. Zu den Autorinnen und Autoren gehören Heike Klippel, Daniel Kothenschute, Hanno Loewy, Ronny Loewy, Claus Löser, Marcus Stiglegger und Michael Wildt.

Walter Lassally

2005 erhielt der Engländer Walter Lassally (*1926) den Marburger Kamerapreis. Er war in den 1960er Jahren eine Schlüsselfigur des englischen Free Cinema, hat mit Lindsay Anderson und Tony Richardson zusammen-gearbeitet. Für ALEXIS SORBAS bekam er 1966 einen Oscar. Für Hans Noever foto-grafierte er DIE FRAU GEGENÜBER (1979) und DER PREIS FÜRS ÜBERLEBEN (1980), für Thomas Brasch ENGEL AUS EISEN (1981). Im Schüren Verlag ist jetzt ein Buch über ihn erschienen (192 S., 19,90 €). Mit Beiträgen von Axel Block, Andreas Kirchner, Angela Krewani, Gerhard Midding, Hans Noever, Karl Prümm und Lassally selbst.

Emigranten-Lexikon

Der Hamburger Kunsthistoriker und  Filmexperte Kay Weniger (*1954) ist ein fleißiger Rechercheur. 2001 publizierte er das achtbändige „Große Personenlexikon des deutschen Films“, kürzlich ist sein Lexikon der 1933 bis 1945 aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden erschienen. Der Titel „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben…“ zitiert ein Lied des Sängers Joseph Schmidt. Wenigers Buch (ACABUS Verlag Hamburg, 683 S., 64,90 €) enthält 575 Biografien von Filmkünstlern und Mitarbeitern, die aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen vor den Nazis fliehen mussten. Darunter befinden sich auch viele Namen, über die man wenig weiß. Daten und Fakten wirken gut recherchiert, es werden Irrtümer korrigiert und biografische Lücken ergänzt. Neu war für mich, dass Fred Zinnemann nicht – wie von ihm behauptet – in Wien geboren wurde, sondern im heute polnischen Rzeszow. In einem umfangreichen Vorwort stellt der Autor seine Arbeit in den Zusammenhang der NS-Filmpolitik und der daraus folgenden Konsequenz für Einzelschicksale.

Filme der 2000er

Dies ist der neunte Band der internationalen Filmgeschichte in Dekaden, beginnend mit den 1920ern. Herausgeber der Reihe ist der Dresdner Kunstwissenschafler Jürgen Müller. Jetzt geht es bereits um die ersten zehn  Jahre dieses Jahrhunderts. 139 Filme werden mit Fotos, Texten und Plakaten in Erinnerung gerufen. Darunter sind fünf deutsche Filme: GOOD BYE, LENIN, GEGEN DIE WAND, DAS LEBEN DER ANDEREN, DER BAADER-MEINHOF-KOMPLEX und DAS WEISSE BAND. Dass auf dem Cover noch einmal AVATAR in die Welt blickt, hat eine Logik. Die schwarze Seitengrundierung mit weißer Schrift gibt den Fotos eine spezielle Brillanz. Die Texte zu den Filmen, Personen und film-technischen Begriffen stammen u.a. von Philipp Bühler, Malte Hagener, Lars Penning und Burkhard Röwekamp. Mehr zum Buch: catalogue/film/all/04430/facts.filme_der_2000er.htm