100 Jahre ganz großes Kino

Zusammen mit seiner Frau Ingvild hat der Filmfan Gerhard Schuster in den vergangenen zehn Jahren mehrere tausend DVDs gesichtet. Das Ehepaar vergab an die Filme Sterne oder Rote Karten. Die höchste Aus-zeichnung (sieben Sterne) ging an den Film KÖNIGIN CHRIS-TINE von Rouben Mamoulian mit Greta Garbo. CITIZEN KANE von Orson Welles bekam eine Rote Karte und wurde abgebrochen. 300 Filme sollten am Ende ausgewählt werden. Sie wurden den unterschiedlichen Genrekategorien zugeordnet, die das Ehepaar differenziert hat. So gibt es Melodramen (36), Thriller (24), Epische Filme (23), Liebesfilme (21), Komödien (19), Western (18), Historische Filme (15), Märchen für Erwachsene (12), Erotische Filme (12), Literatur-Verfilmungen (11), Detektivkomödien (11), Jugenddramen (8), Roadmovies (6), aber auch „Neid und Eifersucht“ (25), „Ehepaar-Mordpläne“ (16), „Heldentum“ (15), „Filme über den Sinn des Lebens“ (10) und „Episoden-Klassiker“ (3). Kriegs-, Mafia-, Horror- und Science-Fiction-Filme sowie Musicals wurden ausgespart. Gewinner in den Kategorien bekamen sechs Sterne. Dies sind zum Beispiel DIE MÖRDER SIND UNTER UNS von Wolfgang Staudte (Melodramen), L’INNOCENTE von Luchino Visconti (Filme von Neid und Eifersucht), DER DRITTE MANN von Carol Reed (Thriller), VOM WINDE VERWEHT von Victor Fleming (Epische Filme), ONEGIN – EINE LIEBE IN ST. PETERSBURG von Martha Fiennes (Liebesfilme), DAS APARTMENT von Billy Wilder (Komödien), SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD von Sergio Leone (Western), DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTZIGEN HÄNDEN von Claude Chabrol (Mordpläne von Ehepaaren), DES TEUFELS GENERAL von Helmut Käutner (Heldentum), EIN HERZ UND EINE KRONE von William Wyler (Märchen für Erwachsene), DAS PIANO von Jane Campion (Erotische Filme), STURMHÖHE von William Wyler (Literaturverfilmungen), MANCHE MÖGEN’S HEISS von Billy Wilder (Detektivkomödien). Von den 300 ausgewählten Filmen stammen 15 von William Wyler, zehn von Alfred Hitchcock, neun von David Lean und Helmut Käutner, sieben von Billy Wilder, Claude Sautet und Frank Capra. Es gibt erklärende Texte zum Verfahren, die Listen mit Titeln und Sternen und Abbildungen von DVDs. Umfang: 73 Seiten. Originell. Mehr zum Buch: gerhard-d-schuster-9783740780869

Großes Kino

Zur Kinowerbung in der DDR gehörten die Groß-flächenplakate des Pro-gress-Verleihs: zweiein-halb Meter breit, über ein Meter hoch, die für die Außenwerbung benutzt wurden. Im Gegensatz zum traditionellen Plakat waren sie schwer zu handhaben, wurden in drei Abschnitten geklebt und sind kaum archiviert worden. Patrick Rössler, in dessen Archiv an der Universität Erfurt 130 Großflächenplakate verwahrt werden, hat jetzt einen Bildband mit insgesamt 162 Reproduktionen aus der Zeit von 1959 bis 1966 herausgegeben. 132 werben für Filme aus dem Ostblock, also aus der DDR (33), der UdSSR (30), der CSSR (27), Polen (14), Ungarn (13), Rumänien (9), Bulgarien (4), Jugoslawien (2). Sieben Filme stammen aus Frankreich, darunter MON ONCLE von Jacques Tati und PRIVATLEBEN mit Brigitte Bardot, sechs aus Großbritannien, darunter BITTERER HONIG von Tony Richardson und DER WEG NACH OBEN von Jack Clayton, fünf aus der Bundes-republik, darunter DIE BRÜCKE von Bernhard Wicki, drei aus Italien, darunter DIE NACHT VON FERRARA von Florestano Vancini, einer aus den USA: DIE GLORREICHEN SIEBEN von John Sturges. Auch China, Kuba, Griechenland und Ägypten sind mit je einem Film vertreten. Auf jeweils einer Seite ist das Großplakat abgebildet, verbunden mit Reproduktionen anderer Werbematerialien, begleitet von einem Text mit den wichtigsten Informationen zum Film. Von Patrick Rössler stammt ein sachkundiges Vorwort, von Stefanie Eckert ein Geleitwort. Ein schöner Beitrag zum 75jährigen Bestehen der DEFA. Mehr zum Buch: https://www.bertz-fischer.de/grosseskino

ÜBER DIE UNENDLICHKEIT (2019)

Der jüngste und voraussichtlich letzte Film des schwedischen Regisseurs Roy Andersson erzählt fünfzehn Geschichten, die alle mit den Worten „Ich sah …“ beginnen. Inspiriert von Scheherazade in „Tausendund-einer Nacht“ nimmt uns Andersson auf unterschiedliche Reisen mit, tragische und komische, die aber alle in beeindruckenden Bildern erzählt werden. Der Film beginnt mit einer Totale, in der ein Paar durch graue Wolken über einer Stadtlandschaft schwebt. Später erfahren wir, dass es sich um die Stadt Köln handelt, die im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. Jede Episode wird von der Frauenstimme eingeleitet, die zum Beispiel sagt: „Ich sah einen Mann, der seine Frau mit einem guten Essen überraschen wollte…“ oder „Ich sah Eltern, die ihren Sohn in einem Krieg verloren hatten…“ oder „Ich sah einen jungen Mann, der die Liebe noch nicht kannte…“. Die Geschichten enden nicht mit einer Pointe. Auch der Schluss bleibt offen. „Ich sah einen Mann, der ein Problem mit seinem Auto hatte…“ Auf einer verlassenen Straße steht er mit seiner hellgrünen Limousine und versucht vergeblich, den Motor zu starten. Wandergänse fliegen über ihn hinweg. Wolken ziehen vorüber. Nur das Auto bewegt sich nicht. Dann ist der Film zu Ende. Die Erzählweise ist faszinierend, man ist damit beschäftigt, die jeweilige Geschichte für sich zu vollenden, wenn eine neue beginnt. Das Kaleidoskop funktioniert, wenn wir uns beteiligen. Herausragend. Bei good!movies ist jetzt die DVD des Films erschienen. Unbedingt zu empfehlen. Mehr zur DVD: ueber-die-unendlichkeit.html

„Aber Liebe … ist nur eine Geschichte“

Eine Dissertation, die an der Ludwig-Maximilian-Universität München entstanden ist. Susanne van den Berg unter-sucht darin neurobiologische und psychologische Aspekte der Paarbeziehung im seriellen Erzählen am Beispiel der Kran-kenhausserien GREY’S ANA-TOMY und IN ALLER FREUND-SCHAFT. Sie richtet ihren Blick zunächst auf die historischen Veränderungen von „Ehe, Partnerschaft und Liebes-beziehung“ mit Verweisen auf die entsprechende Forschungs-literatur. Dann beschäftigt sie sich mit der Liebesziehung als Gegenstand psychologischer Forschung sowie mit Arzt- und Krankenhausserien im Kontext der filmwissenschaftlichen Serienforschung. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Analysen ausgewählter Folgen der amerikanischen Serie GREY’S ANATOMY (ausgestrahlt seit 2005 von ABC) und der deutschen Serie IN ALLER FREUNDSCHAFT (ausgestrahlt von der ARD seit 1998). Die Befunde der Autorin sind präzise und schlüssig. Im Resümee urteilt sie, dass die amerikanische Serie „im Rahmen der beschriebenen narrative complexity inhaltlich und filmästhetisch wesentlich mutiger, auch irritierender erzählt ist“ als die deutsche. Der Titel des Buches ist dem Roman „Night and Day“ (1920) von Virginia Woolf entnommen. 93 kleine Abbildungen in akzeptabler Qualität. Coverfoto: GREY’S ANATOMY. Mehr zum Buch: 664-aber-liebe-ist-nur-eine-geschichte.html

Motorlegenden: Cars and Crimes

Autos spielen im Zusammen-hang mit Verbrechen häufig eine wichtige Rolle. Christian Steiger erzählt in seinem Buch zwölf Geschichten, die mit spezifischen Fahrzeugen ver-bunden waren. Viele sind ver-filmt worden. Dies sind die Täter, ihre Verbrechen, die Autos, die Orte und die Jahre: Al Capone als Gangsterboss im grünen Panzer-Cadillac in Chicago 1928. Bruno Hauptman als Entführer des Lindberg-Babys im grünen Dodge in Hopewell/New Jersey 1932. Bonnie Parker und Clyde Barrow als kriminelles Paar im schwarzen Ford V8 in Louisiana 1934. Sechs junge Posträuber im grauen Ford V8 in Mannheim 1949. Inge Zorek und Gerhard Popp als mörderisches Pärchen im Opel Rekord in Hannover 1956/57. Der Zahnarzt Dr. Richard Müller als Mörder seiner Ehefrau im dunkelroten Borgward Hansa im Umland von Kaiserslautern 1954. Der Mörder des Taxifahrers Gustav Lingies im Opel Kapitän in Lübeck 1962. Karl-Heinz F. und Werner D. als Soldatenmörder im gelben Fiat 124 Sport Coupé in Landau/Pfalz 1969. Günter Stoll als Mörder YOGTZE im blauen VW Golf in Hagen 1984. Die Mörderin Olga Hepnarová im schwarzen Praga-Lastwagen in Prag 1973. Das Ehepaar Inger und Josef Gaum, die auf mysteriöse Weise verschwinden und einen blauen Opel Kapitän in Mannheim 1963 hinterlassen. Der Mörder der Prostituierten Rosemarie Nitribitt und ihr schwarzer Mercedes 190 SL in Frankfurt am Main. Die Taten und die Ermittlungen der Polizei werden so präzise wie möglich erzählt, die mediale Resonanz und die spätere Verarbeitung in Kino- oder Fernsehfilmen sind im Text und in Abbildungen dokumentiert. Spannende Lektüre. Mehr zum Buch: D20210310172310&navid=

Die Bilder, der Boschmann und ich

Am vergangenen Samstag wurde der Filmemacher Adolf Winkelmann 75 Jahre alt. Im Verlag Henslowsky Boschmann in Bottrop, spezialisiert auf „Bücher vonne Ruhr“, ist gerade ein Buch erschienen, das auf Telefongesprächen zwischen Winkelmann und dem Verleger Boschmann im Herbst 2020 basiert. Zunächst geht es um das Ruhrgebiet, die Kindheit und Jugend in Dortmund, das Kunst-Studium in Kassel, die ersten experimentellen Filme, die Rückkehr in die Heimatstadt. Ausführlich wird über den ersten Spielfilm DIE ABFAHRER (1978) gesprochen, in dem drei arbeitslose Jugendliche einen Möbelwagen klauen und eine abenteuerliche Runde durch die Region drehen. Der zweite Film der Ruhr-Trilogie, JEDE MENGE KOHLE (1981), ist durch das beeindruckende Drehtagebuch von Christiane Schaefer dokumentiert. Auch über NORDKURVE (1992), CONTERGAN (2007) und JUNGES LICHT (2016) wird detailliert gesprochen. Eine wichtige Rolle spielt die Installation der Lichtzeichen am Dortmunder U. Interessant sind Winkelmanns Hinweise auf die technischen Veränderungen der Filmarbeit in den vergangenen 40 Jahren. Er hat die entsprechenden Möglichkeiten genutzt. Gewürdigt wird auch die Professorentätigkeit des Protagonisten an der Fachhochschule Dortmund. Das Buch ist dem wunderbaren Kameramann David Sláma gewidmet, der an allen langen Filmen von Winkelmann beteiligt war und im vergangenen Oktober gestorben ist. Coverfotos: Winkelmann bei den Dreharbeiten zu NORDKURVE und als Schüler 1960. Mehr zum Buch: adolf_winkelmann_bilder.html

Von wahren Kunstwelten

Eine Dissertation, die an der Humboldt-Universität zu Berlin entstanden ist. Corinna Ale-xandra Rader beschäftigt sich darin mit der Szenographie im DEFA-Märchenfilm. 50 Film-beispiele aus 41 Jahren werden von der Autorin mit genauem Blick auf die Ausstattung ana-lysiert. Darunter sind so be-kannte Filme wie DAS KALTE HERZ (1950) von Paul Ver-hoeven, DIE GESCHICHTE VOM KLEINEN MUCK (1953) von Wolfgang Staudte, SCHNEEWITTCHEN (1961) von Gottfried Kolditz, KÖNIG DROSSEL-BART (1965) und DORNRÖSCHEN (1971) von Walter Beck, WIE HEIRATET MAN EINEN KÖNIG? (1969) und SECHSE KOMMEN DURCH DIE WELT (1972) von Rainer Simon, DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL (1974) von Václav Vorliček, DAS BLAUE LICHT (1976) von Iris Gusner, GRITTA VON RATTENZUHAUS-BEIUNS (1985) von Jürgen Brauer, DIE GESCHICHTE VON DER GÄNSEPRINZESSIN UND IHREM TREUEN PFERD FALADA (1989) von Konrad Petzold. Vier Kapitel strukturieren das Buch: Die 1950er Jahre: Das DEFA-Filmmärchen als künstlerisches Experimentierfeld. Die 1960er Jahre: Märchen für Kinder entstehen im Atelier. Die 1970er Jahre. Zurück zur Natur? Die 1980er Jahre. Ausblick mit Endzeit-stimmung. Rund 1.000 Quellenverweise sichern den Text wissen-schaftlich ab. Der Anhang enthält 409 Abbildungen in hervorragender Druckqualität. Ein Basis-Werk zum DEFA-Märchenfilm und zur Geschichte der Szenographie. Mehr zum Buch: von_wahren_kunstwelten-2277.html

THE FORGIVEN (2017)

1984 drehte der britische Regisseur Roland Joffé seinen ersten Spielfilm, das Kriegs-drama THE KILLING FIELDS über die Terrorherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha in den 70er Jahren. Es folgten 1986 MISSION über die Missio-nierung südamerikanischer Ureinwohner durch die Jesuiten und 1989 FAT MAN AND LITTLE BOY über die geheime Entwicklung der ersten Atom-bomben. Mit der Nathaniel-Hawthorne-Verfilmung THE SCARLET LETTER (1995) begann für Joffé eine Phase von Misserfolgen. Sein neuer Film verbindet wieder ein historisch-politisches Thema mit interessanten filmischen Einfällen und starken schauspielerischen Leistungen. Erzählt wird die Auseinandersetzung des südafrikanischen Erzbischofs Desmond Tutu mit einem fanatischen Rassisten in der Zeit nach der Apartheid. Der weißhäutige Mörder Piet Blomfeld sitzt in einem Zuchthaus und will seinen Hass im Dialog mit Tutu argumentativ begründen, um Gnade zu bekommen. Das Psycho-Duell nimmt dramatische Formen an. Interessant ist die dramaturgische Struktur des Films, der durch Rückblenden die Herkunft von Blomfelds Überzeugungen deutlich macht. Sie sind durch seinen Vater ausgelöst worden. Zwei Darsteller prägen den Film: Forest Whitacker als Desmond Tutu und Eric Bana als Piet Blomfeld. Ihr Duell hat sehr starke Momente. Bei EuroVideo ist jetzt die DVD des Films erschienen. Leider gibt es für die Originalfassung keine deutschen Untertitel, die notwendig wären, um die Dialekte und Slangs zu verstehen. Die deutsche Fassung ist nur ein Behelf. Mehr zur DVD: 204660,the-forgiven,tv-kino-film.html

Reinhard Hauff

Dies ist keine Rezension, son-dern ein Hinweis in eigener Sache. Zusammen mit Rolf Aurich habe ich ein Buch über den Regisseur Reinhard Hauff ediert. Es ist im Verlag edition text + kritik erschienen. Im Mittelpunkt der Publikation steht ein Werkstattgespräch, das wir im Oktober 2019 mit ihm in München geführt haben. Es ist eine detailreiche Passage durch Hauffs Leben und Arbeit mit den Schwerpunkten Lehrzeit und Regie in Unterhaltungsproduk-tionen für die Bavaria, Wechsel zu politisch basierten Fernseh-filmen, Auftragsproduktionen für bundesdeutsche Fernsehanstalten (vor allem WDR), Zusammenarbeit mit den Autoren Burkhard Driest, Peter Schneider, Stefan Aust und dem Produzenten Eberhard Junkersdorf, das Verhältnis zu Kolleginnen und Kollegen des Neuen Deutschen Films, die Arbeit mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern und mit Laien, die Realisierung von Filmen wie DIE VERROHUNG DES FRANZ BLUM, PAULE PAULÄNDER, MESSER IM KOPF, STAMMHEIM, LINIE 1, BLAUÄUGIG, die Erfahrungen als Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin 1993 bis 2005). 60 Seiten lebendige Erinnerungen. In einem analytischen Text erschließt Egon Netenjakob das filmische Werk von Reinhard Hauff: „Zu Erkenntnissen kommen“. Ein eigenständiger Text von Rolf Aurich beschäftigt sich mit der kreativen Freundschaft zwischen dem indischen Regisseur Mrinal Sen und Reinhard Hauff: „Die Grenzen von Authentizität und Fantasie“. An die lange Zusammenarbeit mit dem Kameramann Wolfgang-Peter Hassenstein erinnert ein separates Gespräch, das Rolf Aurich mit WPH geführt hat. Der Anhang enthält ein Werkverzeichnis, das von Klaus Hoeppner zusammengestellt wurde. Mit vielen Abbildungen und faksimilierten Dokumenten. Band 5 der Reihe „Fernsehen. Geschichte. Ästhetik“, gemeinsam herausgegeben vom Archiv der Akademie der Künste und der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen. Mehr zum Buch: https://www.etk-muenchen.de/search/Details.aspx?ISBN=9783967074130#.YF9vMjvl5W8

Romy und der Weg nach Paris

Über die Beziehung zwischen Romy Schneider und Alain Delon, die Befreiung von der Mutter Magda und dem SISSI-Image gibt es schon einige Bücher, zuletzt erschien im vergangenen Jahr die Doppel-Biografie von Thilo Wydra „Romy & Alain“. Jetzt hat Micaela Jary (unter dem Pseu-donym Michelle Marly) eine Roman-Biografie publiziert, die gut zu lesen ist. Sie erzählt Romys Leben vom 10. April 1958 bis zum 9. Mai 1962, vom Flug nach Paris zur Vorbereitung der Dreharbeiten zu CHRISTINE bis zur Präsentation der Filme BOCCACCIO 70 (mit Romy) und LIEBE 1962 (mit Alain) bei den Filmfestspielen in Cannes. Der letzte Satz lautet: „Romy war auf dem richtigen Weg.“ Natürlich gibt es auf der Strecke viele Unsicherheiten, Hindernisse und Krisen. Mutter Magda und Stiefvater Hans Herbert Blatzheim verkörpern die konservative Position, wollen Romys Emanzipation verhindern. Aber es gibt drei Personen, die ihr in verschiedenen Phasen helfen: Alain Delon, Luchino Visconti und Coco Chanel. Ihre Namen sind den drei Hauptkapiteln vorangestellt. Romy muss oft weinen, die Form des Romans führt zu starken Empathien, doch am Ende hat man viel über das Denken und Fühlen der Protagonistin erfahren. Lesenswert. Mehr zum Buch: romy-und-der-weg-nach-paris.html