Liebe und andere Neurosen

Vor zwei Jahren hat Katja Eichinger das Buch „Mode und andere Neurosen“ publiziert. Jetzt geht es um die Liebe. Genauer: um Begehren, Leidenschaft, Lust, Verlieben, Ehe, Zweisamkeit, Familie, Selbstliebe, Freundschaft, Tod und Trennung. In zehn Essays lässt sie uns teilhaben an persönlichen Erinnerungen, macht Ausflüge in die Philosophie und schildert Erlebnisse während der Pandemie. Aufgewachsen in Hessen, ging Katja Hofmann nach dem Abitur nach London, studierte am British Film Institute, arbeitete als Filmjournalistin, heiratete 2006 den Produzenten Bernd Eichinger, der 2011 an einem Herzinfarkt starb. Sie schrieb eine Biografie über ihn („BE“, 2012), machte die Musik zu einem zweiten Lebensinhalt und pendelt heute zwischen München und Berlin. Natürlich spielt Eichinger eine wichtige Rolle im neuen Buch. Auch ihre Eltern und Großeltern werden präsent. Das Persönliche wird immer wieder durch Exkurse in die antike Mythologie oder zu den modernen Denkern unterbrochen. Und es gibt eine schöne Passage über Tristan und Isolde. Die Lektüre ist spannend und amüsant. Mit Fotografien von Christian Werner. Mehr zum Buch: liebe-und-andere-neurosen/978-3-351-05096-2

Écriture féminine im internationalen Film

Der Filmwissenschaftler Andreas Jacke analysiert in seinem beeindruckenden Buch das Werk von vier Filme-macherinnen: Margarethe von Trotta (*1942), Claire Denis (*1946), Chantal Ackerman (*1950) und Sofia Coppola (*1971). Er folgt dabei dem Konzept der Écriture féminine, wie es von der französischen Schriftstellerin Hélène Cixous entwickelt worden ist. Im Hintergrund spielt die Denkweise von Jacques Derrida eine wichtige Rolle. „Die politische Ethik der Schwestern“ ist das Kapitel über Margarethe von Trotta überschrieben, „Die Negativität des Eindringlings“ heißt das Kapitel über Claire Denis, „Die depressive Mutterbindung“ das Kapitel über Chantal Ackermann, Sofia Coppola ist „Die Vater-Tochter“. Detailliert wird in den jeweiligen Filmen die weibliche Handschrift entziffert. Der Autor verfügt über beachtliche Kenntnisse der Filmwissenschaft, der Psychoanalyse und des Feminismus, die er konkret und gut verständlich vermitteln kann. Es gibt keine Abschweifungen ins theoretische Nirgendwo. Deshalb ist die Lektüre spannend. Mit einem Nachwort von Lutz Ellrich. Mehr zum Buch: product_info.php/products_id/3149

Filmjahr 2021/2022

Die Basis für dieses Jahrbuch ist weiterhin der Filmdienst, der als Portal sehr gut funktioniert. Der Rückblick auf das Filmjahr 2021 hat die Überschrift „Auf. Zu. Stopp. Go – Und wie weiter?“ Die Pandemie hatte die Kinos im Würgegriff. Unter den zwanzig besten Kinofilmen des Jahres findet man FIRST COW von Kelly Reichardt, FABIAN ODER DER GANG VOR DIE HUNDE von Dominik Graf, TITANE von Julia Ducournau, NOMADLAND von Chloe Zhao, HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE von Maria Speth, THE POWER OF THE DOG von Jane Campion, DER RAUSCH von Thomas Vinterberg, ANNETTE von Leos Carax, DUNE von Denis Villeneuve, DRIVE MY CAR von Ryusuke Hamaguchi und LIEBER THOMAS von Andreas Kleinert. Es folgt der Blick auf 15 bemerkenswerte Serien. Fünf Gespräche und Texte beschäftigen sich mit Filmbranche & Filmkultur, sechs Texte mit Themen und Motiven. Zehn Filmschaffende werden porträtiert, darunter die Schauspielerinnen Vicky Krieps (von Esther Buss), Maren Eggert und Lubna Azabai (von Cosima Lutz), der Schauspieler Matt Damon (von Patrick Holzapfel), die Regisseure Abbas Kiarostami (von Lukas Foerster), Denis Villeneuve (von Stefan Stiletto) und Satyajit Ray (von Michel Ranze). Eine Hommage von Patrick Holzapfel gilt Bob Dylan und er feiert auch den 100. Geburtstag von Simone Signoret. Fünf Interviews mit Franz Rogowski, Maria Speth, Dominik Graf, Alexander Kluge und Janna Ji Wonders beschäftigen sich mit dem deutschen Kino, in fünf Gesprächen mit Ildiko Enyedi, Anders Thomas Jensen, Jasmila Zbanic, Thomas Vinterberg und Iclair Bollain geht es um das internationale Kino. Acht längere Nachrufe nehmen Abschied von Tamara Trampe, Jean-Paul Belmondo, Tatjana Turanskyj, Richard Donner, Libuse Safrankova, Monte Hellman, Hanns Eckelkamp und Cicely Tyson. Es folgen 71 kurze Nachrufe. Auf Seite 227 beginnt das „Lexikon des internationalen Films“ mit Kurzkritiken und filmografischen Daten. Im Anhang findet man die Auflistung der wichtigsten Preise. Redaktion: Jörg Gerle, Felicitas Kleiner, Josef Lederle und Marius Nobach. Als Filmbuch für mich weiterhin unverzichtbar. Coverfoto: DER RAUSCH von Thomas Vinterberg. Mehr zum Buch: filmjahr-2021-2022-lexikon-des-internationalen-films.html

WALCHENSEE FOREVER (2021)

Der Walchensee in Bayern ist Heimatort einer Familie seit fünf Generationen. 1920 gründete dort Apa Bucherer mit ihrem Mann ein Ausflugscafé, das bis heute existiert. Die Filmemacherin Janna Ji Wonders ist ihre Urenkelin und hat sich auf eine Spurensuche begeben, bei der reiches Material zu finden war: frühe 8mm-Aufnahmen, Fotos, Briefe, Dokumente. Apas älteste Tochter Norma Werner übernahm das Café und führte es bis zu ihrem 88. Geburtstag. Ihre Töchter Anna und Frauke fuhren in den 1960er Jahren durch die Welt auf der Suche nach Glück und Erleuchtung. Sie lebten lange in den USA und Mexiko, Anna zog es auch nach Ashram in Indien, während ihre Schwester in einer Silvesternacht bei einem Verkehrsunfall starb, man vermutet Suizid. In einer Hippie-Kommune in den USA wurde Anna 1978 schwanger und brachte ihre Tochter Janna Ji zur Welt. Sie kehrte nach Deutschland zurück und übernahm von ihrer Mutter das Café. Dort wurde sie oft von Rainer Langhans und Jutta Winkelmann besucht, mit denen sie seit 1972 befreundet war. Der Film von Janna Ji Wonders macht speziell die 60er und 70er Jahre präsent, Rainer Langhans erinnert sich an viele Situationen, auch Anna, gelernte Fotografin, kann wunderbar erzählen. Es sind vor allem die starken Frauen, die in fünf Generationen Dominanz haben. Bei farbfilm*verleih ist gerade die DVD des Films erschienen. Unbedingt zu empfehlen. Mehr zur DVD: filme/walchensee-forever/?context=cinema

Die Welt von AVATAR

Das großformatige Bilderbuch, zusammengestellt von Joshua Izzo, entführt uns in das Universum von James Camerons AVATAR. Die Texte der acht Kapitel informieren über die Welt Pandora mit Hallelujah-Bergen und Regenwald, Flora, Fauna mit Thanator, Natterwolf, Schreckenspferd, fliegenden Tieren und Wassertieren, die Na’vi mit Zeremonien und Riten, Clans der Na’vi, die heilige Stätten mit dem Baum der Seelen und dem Baum der Stimmen, das Interstellare Vehikel Venture Star, das die Transporte zwischen der Erde und dem Sternensystem Alpha Centauri bewältigt, und Neuanfänge jenseits des Regenwalds. Auch das Forscherteam der RDA-Wissenschaftsabteilung wird porträtiert: Dr. Grace Augustine, Dr. Norm Spellman, Dr. Max Patel . Zum Sicherheitsdienst gehören Parker Selfridge, Corporal Lyle Wainfleet und die Pilotin Trudy Chacón. AVATAR ist der bis heute erfolgreichste Kinofilm weltweit. Die Einblicke in die Pandorawelt im Buch sind aufschlussreich, die Hintergrundinformationen spannend. Jüngst erschienen bei Dorling Kindersley. Mehr zum Buch: joshua-izzodie-welt-von-avatar-9783831038695

Filmblatt Nr. 78

Seit 27 Jahren gibt es die Zeitschrift Filmblatt, heraus-gegeben von CineGraph Babelsberg. Auch das jüngst erschienene Heft enthält viele lesenswerte Beiträge. Wolfgang Jacobsen erinnert an den Film KÖNIG FÜR EINE NACHT (1950) von Paul May mit Adolf Wohlbrück, Willy Fritsch und Elisabeth Flickenschildt. Guido Altendorf beschreibt die Entstehungsgeschichte der DREIGROSCHENOPER (1962/63) von Wolfgang Staudte mit Curd Jürgens, Hildegard Knef, Gert Fröbe, Lino Ventura und Samy Davis jr. Von Jeanpaul Goergen stammt ein Beitrag über bundesdeutsche Dokumentarfilme zum Thema Jugend und den Interviewfilm MENSCHEN VON MORGEN (1965) von Kees Brusse. Frederik Lang beschäftigt sich mit den kurzfristigen Genreambitionen von Hartmut Bitomsky und Harun Farocki. Gary Vanisian äußert sich zu dem Großstadtwestern ALPHA CITY (1985) von Eckart Schmidt. Tarek Strauch entdeckt als Fundstück das Archiv der „Tödlichen Doris“ in der Deutschen Kinemathek. Bei Philipp Stiasny geht es um den Produzenten Karl Spiehs und die Lisa Film. Michael Grisko vermittelt seine Eindrücke von der Ausstellung „Methode Rainer Werner Fassbinder“ in der Bundeskunsthalle Bonn. Außerdem gibt es DVD-Rezensionen und Buchbesprechungen. Mehr zur Zeitschrift: filmblatt-27-jg-nr-78-fruehjahr-2022/

Anthologieserie

Anthologieserien haben ein gemeinsames Thema, aber unterschiedliche Figuren und jeweils abgeschlossene Episoden. Der von Kilian Hauptmann, Philipp Pabst und Felix Schallenberg heraus-gegebene Band informiert über Systematik und Geschichte dieses Formats. Dirk Rose macht Vorschläge zu einer Systematisierung. Moritz Baßler äußert sich zur strukturellen und semantischen Äquivalenz-bildung von TRUE DETECTIVE. Irene Husser befasst sich mit Modellen anthologischer Zeitlichkeit am Beispiel von TRUE DETEKTIVE 1-3. Kilian Hauptmann untersucht strukturelle und funktionalistische Aspekte der Anthologieserie am Beispiel von FARGO. Bei Martin Hennig geht es um Ästhetik, Erzählformen und kulturelle Funktionen von Horror-Anthologien in Film und Fernsehen von TALES FROM THE CRYPT bis AMERICAN HORROR STORY. Ilona Mader und Nicola Mattern versuchen eine Systematisierung am Beispiel von THE BALLAD OF BUSTER SCRUGGS und AMERICAN HORROR STORY. Sebastian Berlich und Johannes Ueberfeld sehen BLACK MIRROR als Meta-Anthologie und innovierenden Serialisierungsprozess. Bei Philipp Pabst und Felix Schallenberg geht es um die populäre Ästhetik der „NSFW Animated Anthology“ LOVE, DEATH & ROBOTS. Philipp Ohnesorg entdecken Pathologien des anthologischen Verfahrens in der Serie PHILIP K. DICK’S ELECTRIC DREAMS. Sven Grampp beschäftigt sich mit der „Disneyzität“ der Anthologieserie. Raphael Krause platziert den TATORT zwischen Episoden-, Fortsetzungs- und Anthologieserie. Alle Texte sind auf hohem Niveau um Begriffsklärung bemüht. Mehr zum Buch: 713-anthologieserie.html

Blaues Blut (Remix!)

Drei Generationen kommen in diesem „Roman“ zu Wort und erzählen ihre individuellen Erfahrungen: Friedrich Freiherr von Fürstenberg, „Fritz“ (1862-1944), Friedrich Leopold Freiherr von Fürstenberg, „Leo“ (1902-1969) und Veith Freiherr von Fürstenberg (*1947). Fritz, ein passionierter Jäger, übernimmt als junger Mann ein Gut im oberschlesischen Kopanina, das er dank der Unterstützung seiner wohlhabenden Ehefrau durch verschiedene Krisen führt. Er war ein Verehrer von Adolf Hitler. Leo verlässt als 25jähriger Deutschland, lebt zunächst in New York, dann in der Karibik und kehrt 1937 mit dem Schoner So Fong von Hongkong nach Deutschland zurück. 1956 wird er Botschafter der Bundesrepublik auf den Philippinen. Veith verlebt seine Kindheit in Chicago und auf den Philippinen, besucht das Internat in Salem und wird Ende der 60er Jahre Filmproduzent in München. Er war mit fünfzig Tatorten sehr erfolgreich. Fritz erzählt seine Vita in einem hinterlassenen Buch „Meine Lebenswege“. Von Leo ist das Tagebuch des Jahres 1937 überliefert. Veith hat seine Erinnerungen assoziativ zu Papier gebracht. Die Collage der Texte ist mit zahlreichen Zeichnungen verbunden, die eine erstaunliche Qualität haben. Die Lektüre ist sehr spannend. Mehr zum Buch: blaues-blut-remix-200445.html

HOLLYWOOD-STORY (1955)

Sieben Jahre war der Schauspieler Charlie Castle bei dem Produzenten Stanley Hoff unter Vertrag. Über eine Verlängerung um weitere sieben Jahre wird verhandelt. Hoff will sie mit aller Gewalt, Castle möchte sich aus der Umklammerung befreien, und seine Frau Marion, die sich zwischenzeitlich von ihm getrennt hat und Hoff nicht ausstehen kann, würde dann zu ihm zurückkehren. Hoff verfügt über ein Druckmittel: Castle hat vor einigen Jahren in betrunkenem Zustand einen Unfall mit tödlichen Folgen verursacht, Hoff rettete ihn vor der Strafverfolgung. Aber es gibt eine Zeugin, die damals neben Castle im Auto saß und jetzt aussagen will: das Starlet Dixie Evans. Die Konflikte spitzen sich zu, Castle scheint davon überfordert. Wie kommt er aus dem Dilemma raus? Der Film von Robert Aldrich basiert auf einem Theaterstück von Clifford Odets und hat große Qualitäten. Dazu gehören die Darsteller/innen Jack Palance (Castle), Ida Lupino (Marion), Rod Steiger (Hoff) und Shelley Winters (Dixie). Hinter der Kamera stand Ernest Laszlo. Bei Koch Media ist jetzt die DVD des Films in restaurierter Fassung erschienen. Unbedingt sehenswert. In der deutschen Synchronisation spricht Wolfgang Lukschy für Jack Palance. Mehr zur DVD: details/view/film/hollywood_story_dvd/

Vier Romane

In den vergangenen vier Wochen habe ich vier Kriminalromane gelesen, die viele filmische Elemente haben und sehr zu empfehlen sind: „Vertrauen“ von Dror Mishani, „Der Donnerstagsmordclub“ von Richard Osman, „Die Experten“ von Merle Kröger und „Der russische Spion“ von Daniel Silva.

Inspektor Avi Avraham in Tel Aviv hat Sehnsucht nach spannenden Ermittlungen. Aber zunächst geht es nur um ein Baby, das vor einem Krankenhaus ausgesetzt wurde. Wer ist die Mutter und was sind die Motive? Dann verschwindet ein Mann aus einem Hotel, Verwandte holen sein Gepäck, es gibt einen Toten im See, aber was ist der Hintergrund? Möglicherweise ist der Geheimdienst Mossad beteiligt. Im Falle des Babys übernimmt Avrahams Kollegin Esthi Wahabe die Ermittlungen und klärt zumindest, dass es eine 16-jährige Mutter gibt. Fand eine Vergewaltigung statt? Das behauptet die Mutter der jungen Mutter. Kompliziert wird die Aufklärung des Mordes. Avraham fährt nach Paris, wo er sich mit der Tochter des Ermordeten trifft. Eine definitive Klärung deutet sich an dank der Hilfe der französischen Kollegen. In Paris lebt auch die Mutter des ausgesetzten Babys. Avraham verhört sie dort und kommt zu einem Ergebnis. Der neue Roman von Dror Mishani – dessen Buch „Drei“ ich herausragend fand – ist ziemlich kompliziert, aber die parallelen Fälle verbinden sich beim Lesen im Kopf, auch wenn sie sehr unterschiedlich sind. Und Mishanis Sprache hat Stil. Mehr zum Buch: dror-mishani/vertrauen-9783257071771.html

Richard Osman ist ein englischer Fernsehmoderator und hat seinen ersten Kriminalroman verfasst. Schauplatz ist die luxuriöse Seniorenresidenz Coopers Chase in der Grafschaft Kent. Donnerstags treffen sich dort regelmäßig vier Bewohner, um ungelöste Kriminalfälle aufzuklären: Elizabeth, früher Geheimagentin, Ron, ehemals Gewerkschaftsführer, der Psychiater Ibrahim und die achtzigjährige frühere Krankenschwester Joyce. Ein Mord in unmittelbarer Nähe animiert sie zu aktiver Unterstützung der Polizei. Sie sind dabei sehr erfolgreich. Mordopfer ist der Bauunternehmer Tony Curran, der mit der Seniorenresidenz viel Geld verdient hat. Er wird mit einem Schraubenschlüssel erschlagen. Am Tatort findet man ein Foto, unter den Abgebildeten ist der Boxer Jason Ritchie, ein Sohn von Ron. Ermittelt wird vom DCI Chris Hudson und der aus London kommenden PC Donna de Freitas. Die Perspektivwechsel beim Erzählen der Geschichte erhöhen die Spannung. Originell finde ich im Klappentext die Information über den Autor: „Der Donnerstags-mordclub“ ist sein erster und bisher bester Roman.“ Mehr zum Buch: der-donnerstagsmordclub-die-mordclub-serie-1-9783471360149.html

Kann ein Thriller die Geschichte eines Jahrzehnts erschließen? Merle Kröger gelingt das mit ihrem Buch „Die Experten“. Es geht um die 1960er Jahre. Hauptfigur ist die 20jährige Rita Hellberg, deren Vater als renommierter Flugzeugingenieur gilt. Er lässt sich von der ägyptischen Regierung als Experte für die Entwicklung einer Flugzeug- und Raketenindustrie engagieren und zieht mit Frau und Tochter nach Kairo. Der Sohn Kai bleibt in Deutschland. Auch Rita bekommt einen Job in Kairo. Und sie erlebt dort die konfliktreiche Zeit des Nasser-Regimes in der Nachbarschaft zu Israel. Erzählt werden Ritas Erfahrungen anhand von Fotos aus drei Alben, die ihr Leben dokumentieren. Eine zweite Ebene sind Zeitungsmeldungen, Aktenvermerke und biografische Notizen, die zusätzliche Fakten vermitteln und die Gegenwart mit der deutschen Vergangenheit verbinden. Der Roman ist spannend, hat starke emotionale Momente und ist hervorragend geschrieben. Die thematische Initialzündung stammt von Stefanie Schulte Strathaus, deren Großvater als Experte engagiert war. Herausgegeben von Thomas Wörtche im Suhrkamp Verlag. Mehr zum Buch: Die%20Experten%20&tab=1

Dies ist der 18. Roman der Gabriel Allon-Serie von Daniel Silva, erschienen 2018. Der Originaltitel „The Other Woman“ führt uns auf eine Spur, die im letzten Drittel zu einer Verfolgungsjagd wird. Es geht um Rebecca Manning, die Tochter von Kim Philby und Charlotte Bettencourt, die in Washington das Büro des britischen Geheimdienstes leitet, aber in Wahrheit für den russischen Aufklärungsdienst WSR tätig ist. Zuvor werden wir Zeugen der Verfolgung des russischen Überläufers Konstantin Kirow in Wien, die für ihn tödlich endet, und des britischen Spions Alistair Hughes, der des Doppelspiels verdächtigt wird, aber nur psychische Probleme hat. Auch er muss sterben. Zwischen den Schauplätzen Wien, Tel Aviv, Bern, London, Sevilla und Washington ist Gabriel Allon, inzwischen Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, ständig unterwegs, oft ohne Personenschutz. Nur gelegentlich erholt er sich bei seiner Frau Chiara. Und sein freundschaftliches Verhältnis zum englischen MI6-Chef Graham Seymour droht zu zerbrechen. Wieder ein spannender Roman mit einem Personal, das Silva-Lesern sehr vertraut ist. Mehr zum Buch: krimi-couch.de/titel/20752-der-russische-spion/