Die Regierung der Serie

Eine Dissertation, die an der Universität Bonn entstanden ist. Dominik Maeder untersucht darin die „Poetologie televisuel-ler Gouvernementalität der Ge-genwart“. Sechs Kapitel struktu-rieren den Text: 1. Physik der Serie, 2. Regieren, Medialität, Serie, 3. Serielle Steuerungs-poetiken, 4. Sucht und Serie: Zu einer gouvernementalen Schwellenfigur, 5. Phantasmati-ken des Regierens, 6. Stream und Serie. In einer Zeit, in der Serien zu den dominanten medialen Angeboten gehören, sind Erkenntnisse in diesem Bereich notwendig und aufschlussreich. Der Text bewegt sich durch das Terrain auf sehr hohem theoretischem Niveau. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: die-regierung-der-serie/?number=978-3-8376-5428-8

Die 25 besten Regisseure aller Zeiten

Präsentiert von der Zeit-schrift cinema. Dies sind ihre Namen: Steven Spiel-berg. Ernst Lubitsch, Blake Edwards, John Ford, Akira Kurosawa, David Lynch, Peter Jackson, Jacques Tati, Tim Burton, Sidney Lumet, Claude Chabrol, Sam Peckinpah, Sergio Leone, James Cameron, John Carpenter, Fritz Lang, Woody Allen, Christopher Nolan, Federico Fellini, Martin Scorsese, Alfred Hitchcock, Quentin Taran-tino, Stanley Kubrick, Ridley Scott, Billy Wilder. Eine konkrete Begründung für die Auswahl bleibt der Chefredakteur Philipp Schulze in seinem Vorwort zwar schuldig, nennt aber acht Namen, die als „grandiose Filmemacher zu entdecken“ wären: Kathryn Bigelow, Brian De Palma, Werner Herzog, Greta Gerwig, Oliver Stone, Wim Wenders, François Truffaut, Ingmar Bergman. Vielleicht sollte man auch Chaplin und Eisenstein, Buñuel und Welles, Antonioni und Ozu nicht vergessen… Jedem Regisseur sind mindestens sechs Seiten mit Texten und Abbildungen gewidmet, Spielberg, Jackson, Scorsese und Hitchcock bringen es auf zehn, Cameron auf zwölf, Nolan und Tarantino auf 14. Es gibt jeweils biografische Notizen („Zur Person“), spezielle Hinweise und ausführliche Würdigungen des Werkes. Sie sind informativ und sachkundig. Hervorragend: die Qualität der Abbildungen. Mehr zum Buch: die-besten-regisseure-aller-zeiten-ydcine002

Dynamik und Wirkung von Nutzerkommunikation über Kinofilme

Eine Dissertation, die an der Friedrich-Schiller-Universität Jena entstanden ist. Felix Sattelberger untersucht darin Dynamik und Wirkung von Nutzerkommunikation über Kinofilme. Im Fokus steht bei ihm die onlinebasierte Kommu-nikation vor dem Kinostart. Sein Untersuchungszeitraum ist Mai bis Dezember 2012. In Deutschland kamen damals 231 Filme ins Kino. Wie wurde über sie auf Facebook, Twitter oder YouTube kommuniziert? Was sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren? Dies können u.a. Produktionskosten, Filmförderung, Werbeausgaben, Schauspieler*innen, Regisseur*innen, Filmverleihe, Genres, Saisonalität, offizielle Bewertungen, Filmpreise, Filmkritiken sein. Die quantitativen Untersuchungsergebnisse werden im Text und in umfangreichen Tabellen vermittelt. Die Signifikanten sind sehr unterschiedlich. Interessante Lektüre. Mehr zum Buch: kommunikation-ueber-kinofilme-id-86841/

EXIL (2020)

Hauptfigur des Films ist der aus dem Kosovo stammende Phar-maingenieur Xhafer (Mišel Matičević). Er lebt mit seiner deutschen Frau (gespielt von Sandra Hüller) und drei Kindern in einer mittelgroßen Stadt, fühlt sich aber an seinem Arbeitsplatz nicht ins Team integriert. Auslöser für eskalierende Konflikte ist eine tote Ratte, die er vor seiner Wohnungstür findet. Er hat den Verdacht, dass sein Kollege Urs (Rainer Bock) sie dort deponiert hat. Er beschwert sich bei seinem Chef über vermeintliches Mobbing, findet weitere Ratten in seinem Briefkasten, die er Urs auf den Schreibtisch wirft. Er bedroht ihn mit einer Gabel. Urs begeht Selbstmord, Xhafer wird von seiner Frau und den Kindern verlassen und verliert seinen Job. Die Hintergründe der Vorkommnisse werden allmählich enthüllt. Am Ende geht Xhafer zum 70. Geburtstag seiner Schwiegermutter. Der Psychothriller von Visar Morina ist spannend inszeniert und hervorragend gespielt. Er war vor einem Jahr bei der Berlinale im Panorama zu sehen. Jetzt ist bei Alamode die DVD erschienen, die unbedingt zu empfehlen ist. Mehr zur DVD: medium/detail/exil.html

Widerständige Nostalgie

Eine Dissertation, die an der Uni-versität Wien entstanden ist. Nicole Kandioler untersucht darin „Ost-europäische Film- und Fernseh-kulturen 1965-2013“. Im Zentrum der Arbeit steht die Konfrontation von Filmen und Fernsehserien aus der Zeit vor 1990 mit Titeln aus dem Postsozialismus aus Ungarn, Polen, der Tschechoslowakei, Jugo-slawien, der Sowjetunion, Rumä-nien, Bulgarien und Albanien. Auch einige Filme und Serien aus westli-chen Ländern werden einbezogen. Insgesamt 22 gut ausgewählte Beispiele werden als „Double Features“ gegenübergestellt. Dies sind: SÜSSE EMMA, LIEBE BÖBE (1992) von István Szabó und NORD-RAND (1998) von Barbara Albert, DIE LIEBE EINER BLONDINE (1965) von Miloš Forman und LANGEWEILE IN BRÜNN (2003) von Vladimír Morávek, DER AMATEUR (1979) von Krzysztof Kieślowski und MEINE BRATHÜHNER (2002) von Iwona Siekierzynska, ALLES HAAR (1978) von Zdeněk Smetana + Zdena Bártová und KLEINER OTO NIMMERSATT (2000) von Jan + Eva Švankmajer, DIE FRAU HINTER DEM LADENTISCH (1978) von Jaroslav Dudek und ACHT STUNDEN SIND KEIN TAG (1973) von Rainer Werner Fassbinder, EHELICHE ETÜDEN (1987/2006) von Helena Třeštíková und AUF EWIG DEIN (2013) von Erika Hníková, OHR (1970) von Karel Kachyna und KRATZER (2008) von Michal Rosa, DAS GESCHÄFT AUF DEM KORSO (1965) von Elmar Klos + Ján Kádar und WIR MÜSSEN EINANDER HELFEN (2000) von Jan Hřbejk, REKON-STRUKTION (1968) von Lucian Pintilie und DER TOD DES HERRN LAZARESCU (2005) von Cristi Puiu, LIMONADEN-JOE (1964) von Oldřich Lipský und RÜCKSEITE/KEHRSEITE (2009) von Borys Lankosz, SELTSAM IST DIESE WELT (1967) von unbekannten Filmemachern und MEIN DANK (1968) von Ján Roháč. Es gibt viele Verweise auf andere Filme. Die Analysen sind präzise. Mit Abbildungen in guter Qualität. Sehr lesenswert. Mehr zum Buch: widerstaendige-nostalgie/?number=978-3-8376-4750-1

Berlinale

Eigentlich sollte heute die 71. Berlinale eröffnet werden. Aber aus bekannten Gründen findet sie zweigeteilt Anfang März und im Juni statt, zuerst für die Branche, dann für das Publikum. Immerhin wird heute das Wettbewerbs-programm bekannt gegeben. Die Besetzung der Jury ken-nen wir schon seit einiger Zeit. Es sind sechs Gewinne-rinnen und Gewinner von Goldenen Bären, die in diesem Jahr ohne Präsident-schaft über die Preise entscheiden: Mohammad Rasoulof (Iran, GB 2020), Nadav Lapid (Israel, GB 2019), Adina Pintilie (Rumänien, GB 2018), Ildikó Enyedi (Ungarn, GB 2017), Gianfranco Rosi (Italien, GB 2016), Jasmila Žbanić (Bosnien und Herzegowina, GB 2006). Eine originelle Idee. Zu sehen bekommt das Publikum die preisgekrönten Filme allerdings erst im Sommer. Um 11 Uhr werden Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian heute in einer Videokonferenz die Filme des Wettbewerbs und der Reihe Berlinale Specials vorstellen. Mehr zur Berlinale: berlinale.de/de/home.html

„Der Kaplan“

Der Schriftsteller Klaus Mann, ältester Sohn von Thomas, war als US-Soldat an der Befreiung Italiens vom Faschismus betei-ligt und sollte als Autor einer Episode an Roberto Rossellinis Film PAISÀ mitwirken. Sie wurde nicht realisiert. Das Drehbuch – THE CHAPLAIN – wird hier erstmals publiziert, verbunden mit Texten zum Hintergrund der Produktion und zur damaligen Situation von Klaus Mann. Die Episode erzählt die Begegnung eines pazifisti-schen Militärkaplans mit einem faschistischen Jugendlichen in der Nähe des Futa Passes im nördlichen Apennin und hat berührende Momente. Frederic Kroll äußert sich zu Klaus Manns Zusammenarbeit mit Rossellini. Von Carlo Gentile stammt eine historische Situationsbeschreibung „Futu Pass, Weihnachten 1944“. Die Herausgeberin Susanne Fritz informiert über die Kriegsjahre des Autors Klaus Mann (What are we fighting for?“). Georg Seeßlen stellt die Kooperation zwischen Klaus Mann und Roberto Rossellini in einen filmhistorischen Zusammenhang. Susanne Fritz spricht mit dem Regisseur Didi Danquart über Filmen im Kriegsgebiet und mit den Regisseurinnen Lucia Chiarla und Chiara Sambuchi über Kunst im Zusammenhang mit Krieg und Katastrophen. Friedrich Lohmann stellt theologische und ethische Überlegungen zu Klaus Manns Drehbuch an. Alberto Gualandi äußert sich zu Macht und Ohnmacht der Vernunft in Klaus Manns letzten Werken. Auszüge aus Manns Fragment gebliebenen letzten Roman „The Last Day“ (1949) schließen den Band ab. Interessanter Lesestoff über einen weitgehend in Vergessenheit geraten Autor. Mehr zum Buch: 9783835338302-der-kaplan.html

Vico Torriani

Er war ein populärer Schlager-sänger aus der Schweiz und wurde in den 1950er Jahren zum Film- und Fernsehstar. Vico Torriani (1920-1998) spielte Hauptrollen in Filmen wie STRASSENSERENADE (1953), GITARREN DER LIEBE (1954), EIN HERZ VOLL MUSIK (1955), DER FREMDENFÜHRER IN LISSABON (1956), SIEBENMAL IN DER WOCHE (1957). Seine berühmtesten Fernsehsendungen waren Hotel Victoria (1961-68) und Der goldene Schuss (1967-70). Barbara Tänzler hat sich zusammen mit Torrianis Tochter Nicole auf die Spurensuche gemacht, Archive erschlossen und Zeitzeugen gefunden, die viel über die wechselhafte Karriere erzählen konnten. Die Biografie hat als Text ein hohes Niveau, informiert über die beruflichen Stationen und skizziert das treue Familienverhalten des Protagonisten. Beeindruckend: die Zahl und Auswahl der Bilder. Mehrere Jahrzehnte Kultur- und Medien-geschichte werden präsent. Der Untertitel der Biografie lautet „Ein Engadiner singt sich in die Welt“. Erschienen im Verlag NZZ Libro. Mehr zum Buch: biografie-taenzler

O.K. (1970)

Der Film von Michael Verhoe-ven war vor 51 Jahren der Festivalsprenger der 20. Ber-linale. Der Wettbewerb wurde damals abgebrochen, weil sich die Jury darüber zerstritt, ob der Film überhaupt hätte zuge-lassen werden dürfen, weil er geeignet sei „die Verständigung zwischen den Völkern zu ver-letzen“. Vor allem Jury-Präsi-dent George Stevens war dage-gen. Der Film erzählt eine Episode aus dem Vietnamkrieg, die im Bayerischen Wald spielt. Das Mädchen Phan Ti Mao (Eva Mattes) wird auf dem Fahrrad im Wald von fünf GIs angehalten und drangsaliert. Nach einer Leibesvisitation wird sie vergewaltigt und schließlich erstochen. Eine Strafanzeige gibt es nicht, am Ende ist alles „o.k.“. Ein auch formal sehr interessanter Film. In der Edition Filmmuseum ist jetzt die DVD des Films erschienen. Zum Bonusmaterial gehört ein Gespräch des Regisseurs Verhoeven und des Produzenten Rob Houwer über O.K. Das Booklet enthält eine informative Chronik der Produktion und Rezeption des Films von Stefan Drößler. Mehr zur DVD: info/p195_o-k-.html

Audrey & Hubert

Auf 24 großformatigen Seiten erzählt der Zeichner Philip Hopman die Geschichte einer Freundschaft zwischen der Schauspielerin Audrey Hepburn und dem Modedesigner Hubert de Givenchy. Seine Kleider erwiesen sich als spezielle Entwürfe für ihre Rolle in FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY. Zitat: „Freunde fragten Audrey oft: ‚Audrey ist dieser Hubert dein Mann?’. ‚Oh, nein’, antwortete sie, ‚Er ist viel mehr als das. Wenn ich seine Kleider trage, fühle ich mich sicher. Ich fürchte mich vor nichts mehr.’“ Rund 100 Kleider und Anzüge sind abgebildet. Ein schönes Bilderbuch. Mehr zum Buch: produkt/audrey-hubert/