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29. September 2022

Gewohnte Gewalt

Frauenmord ist häufig das Resultat häuslicher Gewalt. Das zeigen auch viele Filme. 50 Texte in diesem Buch, das Drehli Robnik und Joachim Schätz herausgegeben haben, thematisieren Brutalität und heimliche Bedrohung im Spannungskino. Ich nenne hier zwölf, die mir besonders gut gefallen haben. Elisabeth Streit beschreibt starke Frauen und schwache Männer in den Versionen von GASLIGHT (1940, 1944, 1960, 1977). Drehli Robnik informiert über Gaslightning und Faschismus im Domestic Thriller 1940/2020. Ulrike Wirth äußert sich zu unzuverlässiger Wahrnehmung und unglaubwürdiger Zeuginnenschaft in THE WOMAN IN THE WINDOW (2021) und FEAR OF RAIN (2021). Louise Haitz reflektiert über Glaubwürdigkeit in GONE GIRL (2014). Bei Valerie Dirk geht es um vier Filme über ältere Frauen und jüngere Männer. Ivo Ritzer unternimmt eine Spurensuche mit Baby Jane und Robert Aldrich im domestischen Thriller. Sylvia Szely richtet ihren Blick auf Manipulation und Ambiguität in MY COUSIN RACHEL nach Daphne du Maurier (1952 und 2017). Kathrin Heinz beschreibt die katastrophalen Wohnverhältnisse in Bong Joon-hos PARASITE (2019). Joachim Schätz sieht das Einfamilienhaus als Schauwert und Schauplatz bei Claude Chabrol und nach FATAL ATTRACTION (1987). Michael Omasta stellt fest: „So übel Joan Fontaine in ihren berühmten Filmen auch mitgespielt wird, am Ende triumphiert sie doch“. Heike Klippel beobachtet eine Verjüngungskur mit Giftpilzen in PHANTOM THREAD (2017). Heide Schlüpmann erinnert an den Horror im Haus in PRÄSTÄMKAN – DIE PFARRERSWITWE (1920) von Carl Theodor Dreyer und CRAIG’S WIFE (1936) von Dorothy Arzner. Alle Texte sind konkret und anschaulich formuliert, es gibt keine wissenschaftlichen Abstraktionen oder Abschweifungen. Mit Abbildungen in guter Qualität. Unbedingt lesenswert. Mehr zum Buch: sonderzahl.at/product/gewohnte-gewalt/