Macht, Ohnmacht, Widerstand

50 Frauen in der Zeit des Natio-nalsozialismus porträtiert Christiane Kruse in ihrem Buch. Ihr Vorwort beginnt mit der Feststellung „Die NS-Ideologie war eindeutig frauenfeindlich. Entscheidungsträger waren ausschließlich Männer der NS-Elite, Frauen wurden von politischer Mitgestaltung fast vollkommen ausgeschlossen und aus verantwortungsvollen Ämtern möglichst ferngehalten. Ihre Rolle als ‚Gefährtin des Manns’, als Hausfrau und Mutter dagegen wurde geradezu mystifiziert und mit allen Mitteln der Propaganda beworben.“ Neun porträtiert Frauen waren mit dem Film verbunden: die Schauspiele-rinnen Lida Baarová, Zarah Leander, Anny Ondra, Marika Rökk, Sybille Schmitz und Kristina Söderbaum, die Autorin Thea von Harbou, die Regisseurin Leni Riefenstahl, die Filmkritikerin und Widerstandskämpferin Libertas Schulze-Boyse. Die Porträts auf jeweils zwei bis vier Seiten sind informativ, pointiert geschrieben und höchst lesenswert. Mit Abbildungen in guter Qualität. Erschienen bei Edition Braus. Mehr zum Buch: Macht-Ohnmacht-Widerstand::275.html

Oscar-Wette

Es gab in der vergangenen Nacht eine wirklich große Überraschung: zum ersten Mal wurde ein nichtenglischsprachiger Film zum „Best Picture“ gewählt: der südkoreanische Film PARASITE von Bong Joon-ho, der auch für die Regie, das Originaldrehbuch und als „International Feature Film“ ausgezeichnet wurde. Ich finde den Film herausragend, habe ihm aber bei der Oscar-Wette nicht genügend vertraut. 42 Perso-nen haben sich in diesem Jahr daran beteiligt. Alleiniger Sieger ist Wolfgang Höbel mit 22 richtigen Prognosen. Respekt und Gratulation, lieber Wolfgang! Mit 16 richtigen Vorhersagen bin ich mit zwei anderen Personen auf Platz sieben gelandet. Das ist eher enttäuschend. Einige der nominierten und ausgezeichneten Filme müssen wir noch im Kino nachholen, bevor die Berlinale beginnt. Mehr zu den Oscar-Gewinnern: oscar.go.com/winners

Oscar-Verleihung

In der kommenden Nacht findet in Los Angeles die 92. Oscar-Verlei-hung statt. Sie wird ab 2.30 Uhr live auf Pro7 übertragen. Auch in diesem Jahr gibt es keinen Moderator, was der Veranstaltung gut tut. Wir haben uns wieder an der Oscar-Wette beteiligt, die von Artur und Theresa Althen in der Tradition ihres Vaters Michael organisiert wird. Die Prognosen waren auch diesmal nicht leicht. Hier sind meine Tips in den 21 wichtigsten Kategorien: 1917 (Best Picture). Sam Mendes (Directing). Renée Zellweger (Actress in a Leading Role). Joaquin Phoenix (Actor in a Leading Role). Laura Dern (Actress in a Supporting Role). Brad Pitt (Actor in a Supporting Role). Quentin Tarantino/ ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD (Writing, Original Screen-play). Greta Gerwig/LITTLE WOMEN (Writing, Adapted Screenplay). Roger Deakins/1917 (Cinematography). Yang Jimmo/PARASITE (Film Editing). Barbara Ling, Nancy Haigh/ONCE UPON THE TIME IN HOLLYWOOD (Production Design). Jacqueline Durran/LITTLE WOMEN (Costume Design). Kazu Hiro, Anne Morgan, Vivian Baker/ BOMBSHELL (Makeup and Hairstiling). PARASITE (International Feature Film). TOY STORY 4 (Animated Feature Film). AMERICAN FACTORY (Documentary, Feature). Hildur Guonadottir/JOKER (Music, Original Score). „(I’m Gonna) Love Me Again“/ROCKETMAN (Music, Original Song). Oliver Tarney, Rachael Tate/1917 (Sound Editing). Mark Taylor, Stuart Wilson/1917 (Sound Mixing). AVEN-GERS: ENDGAME (Visual Effects). Im vergangenen Jahr bin ich mit 15 richtigen Prognosen zusammen mit acht anderen auf Platz vier gelandet. Die Nacht wird wieder spannend. Mehr zu den Nominierungen: nominees

LEID UND HERRLICHKEIT (2019)

Dies ist der 21. Film des inzwi-schen 70jährigen Pedro Almo-dóvar und sicher einer seiner besten. Er erzählt die Lebens-geschichte eines gealterten Filmregisseurs, erinnert an frühe Lieben, die Beziehung zu seiner Mutter (gespielt von Penélope Cruz und Julieta Serrano), berufliche Entscheidungen, die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Alberto Crespo, die konfliktreich war, die Begegnung mit seinem Exlover Federico. Der Regisseur Salvador Mallo wird von Antonio Banderas gespielt, der über eine große Ausstrahlung verfügt. Autobiografisches verbindet sich mit Fiktivem. Heroin spielt eine gewisse Rolle, Homosexualität natürlich auch. Am Ende liegt der Regisseur auf dem Operationstisch und wird vom Chirurgen gefragt, ob sein neuer Film ein Drama oder eine Komödie werde. „Das weiß man erst am Ende“, antwortet er. Dann beginnt die Narkose. Der Film war erfolgreich im Kino, jetzt ist bei StudioCanal/Arthaus die DVD erschienen. Mit interessanten Extras. Mehr zur DVD: dvd/leid_und_herrlichkeit

Filmstatistisches Jahrbuch 2019

Auch für das Jahr 2018, in dem die Besucherzahlen der Kinos etwas schwächelten, liegen jetzt die offiziellen Zahlen des Film-statistischen Jahrbuchs vor, das über die Entwicklungen in den Bereichen Filmproduktion, Verleih, Filmtheater, Werbung, Filmbesuch, Video, FSK, FBW, Filmförderung, internationale Filmstatistik und Fernsehen informiert. Es wurden, wie im Jahr 2017, 247 deutsche Lang-filme uraufgeführt. Der erfolg-reichste deutsche Film war JIM KNOPF UND LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER mit 1,9 Mio Besuchen. Es wurden insgesamt 105,4 Millionen Tickets verkauft, 2017 waren es noch 122,3 Millionen. Aber die Tendenz steigt inzwischen wieder. Die passioniertesten Kinobesucher gibt es weiterhin in Berlin; dort ging jeder Einwohner 2,33 mal pro Jahr ins Kino, gefolgt von Bremen (2,22) und Hamburg (1,88). Brandenburg ist mit 0,94 pro Einwohner im Jahr weiterhin das Schlusslicht. Der durchschnittliche Ticketpreis lag bei 8,54 €. 50 Prozent der Kinobesuche fanden zu zweit statt, nur 13 Prozent der Besucher*innen gingen allein ins Kino. Wieder erfährt man auf den 100 Seiten des Buches viele interessante Fakten, wenn man sich für Zahlen interessiert. Für die Zusammenstellung war wieder Wilfried Berauer zuständig. Mehr zum Buch: product=43506

Philosophieren mit Filmen im Unterricht

Neun Themenbände sind für die Reihe „Methoden im Philoso-phie- und Ethikunterricht“ ge-plant. Band 1 hat den Film im Blickpunkt. Vier Beiträge ver-mitteln, wie Filme generell im Philosophie- und Ethikunter-richt eingesetzt werden können. Dann geht es konkret um die Möglichkeiten des Einsatzes in den Sekundarstufen I und II. Rund 20 Titel werden für den pädagogischen Einsatz vorge-schlagen, darunter sind die Filme SHREK von Andrew Anderson, FREEDOM WRI-TERS von Richard LaGrevenese, BALANCE von Christoph und Wolfgang Lauenstein, DAS MEER IN MIR von Alejandro Amenábar, DIE STADT DER BLINDEN von Fernando Meirelles, WENN DAS LEBEN GEHT von Karsten Killerich, IN TIME von Andrew Niccol, EPILOG von Tom Tykwer, L.A. CRASH von Paul Haggis, THE TRUMAN SHOW von Peter Weir, MUXMÄUSCHENSTILL von Markus Mittermeier, THE DARK KNIGHT und INCEPTION von Christopher Nolan, HIGH NOON von Fred Zinnemann (beeindruckender Text von Bodo Kensmann), MATRIX von den Wachowskis, BLADE RUNNER von Ridley Scott, eXistenZ von David Cronenberg und die Serie DR. HOUSE. Die Texte vermitteln den philosophischen Kern des jeweiligen Films und geben die pädagogische Richtung vor. Ein sehr inspirierendes Buch, herausgegeben von Martina und Jörg Peters, erschienen im Meiner Verlag. Mehr zum Buch: philosophieren-mit-filmen.html

Poesie des Alltäglichen

Eine Dissertation, die an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf entstanden ist. Andy Räder untersucht darin die Regiearbeiten von Ulrich Thein für das Fernsehen der DDR. Thein (1930-1995) war vor allem als Schauspieler in DEFA-Filmen populär. Seine acht Fernsehfilme, einige mehrteilig, haben wichtige Akzente gesetzt. Räder informiert in seinem Text über die Geschichte des Fernsehens der DDR, über das Leben von Ulrich Thein und über die vier zentralen TV-Arbeiten DER ANDERE NEBEN DIR (1963), COLUMBUS 64 (1966), UNBEKANNTE BÜRGER (1969) und BRODDI (1975). Die vier Analysen haben die Titel „Historische Schuld, Aufarbeitung und Völkerverständigung“, „Bitterfelder (Irr-)Weg und Zensur“, „Geschlechterrollen und Generationskonflikte“, „Sozialistischer Antiheld“. Vier Exkurse sind den Filmen TITEL HAB’ ICH NOCH NICHT (1964), MITTEN IM KALTEN WINTER (1968), JULE – JULIA – JULIANE (1972) und EIN ALTES MODELL (1976) gewidmet. Einerseits werden die wissenschaftlichen Ansprüche erfüllt, anderseits sind die Analysen anschaulich und konkret, werden der künstlerischen Bedeutung der Fernsehfilme gerecht. Auch der Titel der Publikation ist klug gewählt. Mit Abbildungen in guter Qualität. Erschienen im Verlag Springer VS. Mehr zum Buch: 9783658252380

Yasujiro Ozu

Eine Habilitationsschrift, die an der Universität Frankfurt am Main entstanden ist. Andreas Becker verortet darin das Werk von Yasujiro Ozu (1903-1963) in die japanische Kulturwelt und in die globale Welt des Films. Es geht um „Resonanzen, Prämis-sen, Interdependenzen“. Dies sind die wichtigsten Kapitel: Ozu und der geliehene Raum / Shakkai (mit einer Beschrei-bung von Ozus Grab), Semioti-sche Räume (mit einer Einord-nung der Schilder, Schrift und Schreiben in dem Film AN AUTUMN AFTERNOON), Action-Cut (mit einer Drehbuchanalyse von EQUINOX FLOWER), Spiritueller Raum (Gedanken, Erinnerung und Trance, mit einem Brückenschlag zu Fred Zinnemanns HIGH NOON), Ozus Räume (Sinnesfelder, Kulissenräume, Labyrinthe, Bildräume), Ozu und John Ford, Blicke (Scham- und Schuldkulturen). Seit ich bei der Berlinale 1963 eine Werkschau seiner Filme gesehen habe, ist Ozu einer meiner Lieblingsregisseure. Ich habe fast alle Filme von ihm gesehen, viele mehrmals, am häufigsten TOKYO MONOGATARI mit Setsuko Hara. Die Lektüre des Buches von Andreas Becker hat mein Wissen stark erweitert, auch wenn sich manche Hintergründe für mich nicht erschlossen haben, weil sie in philosophische Bereiche führen. Die Filmbeschreibungen sind meist sehr konkret und rufen Erinnerungen wach. Mit vielen Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: ozu-die-japanische-kulturwelt-und-der-westliche-film/

Brandspuren

Im Museum für Film und Fernsehen am Potsdamer Platz ist zurzeit eine sehr interessante Ausstellung zu sehen. Sie zeigt „Filmplakate aus dem Salzstock“. Sie wurden 1986 in einem Salzbergwerk in Grasleben gefunden, wo Bestände des Reichsfilmarchivs seit 1944/45 lagerten. In einem Film sehen wir die Situation vor Ort. In der Ausstellung erfahren wir viel über die Geschichte des Reichsfilm-archivs und sehen 25 ausge-wählte Plakate, die restau-riert werden konnten. Eine beeindruckende Präsentation. Ein kleines Buch zeigt die Plakate und informiert über die Filme. Die Texte stammen von Rolf Aurich, Peter Mänz, Anett Sawall und Georg Simbeni. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Mai zu sehen. Mehr zur Ausstellung und zum Buch: filmplakate-aus-dem-salzstock / 20Filmplakate.pdf

Drei Filme von Stanley Kubrick

Im Taschen Verlag sind drei großformatige, bil-derreiche Bücher über Filme von Stanley Kubrick erschienen, herausgegeben von Alison Castle. Die Texte zu 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (1968) stammen von Jan Harlan, Carolan Geduld (Inhaltsangabe, Chro-nologie der Produktion), Anthony Frewin (Stanley Kubrick und die Suche nach außerirdischer Intelligenz), Herb A. Lightman (Dreharbeiten, Frontprojektion), Gene D. Philips (Musik) und Margaret Stackhouse (Interpretationen).

Michel Ciment äußert sich zu dem Film CLOCKWORK ORANGE (1971). Dokumentiert sind ein Brief von Kubrick an die New York Times und ein Interview mit ihm von Philip Strick und Penelope Houston. Von Andrew Bailey stammt der Essay „Eine Utopie wie ein Uhrwerk“.

Den Text zu BARRY LYNDON hat Rodney Hill verfasst. Ein Inter-view mit Kubrick hat Michel Ciment geführt. John Hofsess erzählt „Wie ich lernte Barry Lyndon zu lieben“. Alle Bände werden mit einer Filmografie und einer Biografie abgeschlossen. Jedem Buch liegen eine DVD und ein Original-Filmplakat bei. Mehr zu den Büchern: 2001_odyssee_im_weltraum_buch_dvd.htm / barry_lyndon_buch_dvd.htm#images_gallery-1 / uhrwerk_orange_buch_dvd.htm