Film. Bild. Wirklichkeit.

2016-filmbild-w18 Textbeiträge und eine 50-Seiten-Einleitung auf hohem theoretischem Niveau. Nicht immer konnte oder wollte ich diesen Denkvorgaben folgen. Aber es gab Texte, die ich mit Interesse gelesen habe. Zum Beispiel: „Mediale Autoreflexion im Film“ von Oliver Jahraus, der sich mit den Filmen THE GAME von David Fincher und INCEPTION von Christopher Nolan beschäftigt. „Der Errettung der äußeren Wirklichkeit“ von Timo Rouget, der Siegfried Kracauer und die Dogma 95-Gruppe in einen Zusammenhang bringt. „ADAPTATION: Interpretation“ von Martin Holtz, der das Buch „The Orchid Thief“ von Susan Orlean mit der Verfilmung von Charlie Kaufman vergleicht. „Das Gespenst als Medium und das Medium als Gespenst“ von Michael Meyer, der die (Re-)Medialisierung in Almereydas postmodernem HAMLET thematisiert. „Metafiktion im neueren Animationsfilm“ von Stefan Neuhaus, in dem u.a. die Filme WHO FRAMED ROGER RABBIT von Robert Zemecki, WALLACE & GROMIT von Nick Park, DESPICABLE ME 1 + 2 von Pierre Coffin & Chris Renaud und FRANKENWEENIE von Tim Burton behandelt werden. „Der Errettung der gezeichneten Wirklichkeit“ von Andreas Rauscher, der Harvey Pekars transmedialen Comic-Realismus analysiert. „Selbstreflexive Implikationen des animierten Dokumentarfilms“ von Sebastian Domsch, der Ari Folmans WALTZ WITH BASHIR untersucht. Mit wenigen Abbildungen. Coverfoto: MULHOLLAND DRIVE. Mehr zum Buch: film-bild-wirklichkeit/

DOKTOR ZYKLOP (1940)

2016-dvd-doktor-zyklopDieser Science-fiction-Film von Ernest B. Schoedsack (er hat 1933 zusammen mit Merian C. Cooper den unvergesslichen KING KONG realisiert) ist in Deutschland nie im Kino gezeigt worden. Er lief in den 70er Jahren nur im Fernsehen. Jetzt ist bei Koch Media die DVD erschienen. Der Film erzählt die Geschichte des besessenen Biologen Dr. Alexander Thorkel, der in seinem Laboratorium im Urwald von Peru Lebewesen durch radioaktive Strahlen verkleinert. Sein amerikanischer Kollege Dr. Bullfinch, die Biologin Dr. Mary Robinson und zwei Bergbauingenieure, die ihn in seinem Camp besuchen, werden zu Opfern: sie schrumpfen auf eine Größe von 30 cm. Auch Thorkels Gehilfe Pedro wird verkleinert. In den folgenden Auseinandersetzungen werden Dr. Bullfinch und Pedro getötet. Die drei anderen versuchen zu fliehen, es gelingt ihnen, Dr. Thorkel in einen Erzschacht zu stürzen, und am Ende erlangen sie auch wieder ihre ursprüngliche Größe. Eine wichtige Rolle spielt im Hin und Her der Geschichte die Brille von Dr. Thorkel. Die Story ist spannend erzählt, die Spezialeffekte sind eindrucksvoll, und der Kampf geschrumpfter Menschen in einer vergrößerten Natur hat seine Dynamik. Gedreht in Technicolor, hinter der Kamera stand Henry Sharp. Zum Bonus-Material gehört ein Audiokommentar von Rolf Giesen und Uwe Sommerlad. Mehr zur DVD: dr_zyklop_dvd/

Siebzig Jahre CCC

2016-cccHeute Abend wird in den CCC-Filmstudios in Berlin-Spandau mit einem Galadinner der 70. Geburtstag der Produktions-firma CCC gefeiert. Im Mittel-punkt der Veranstaltung steht der inzwischen 98jährige Filmproduzent Artur Brauner, der die Firma 1946 gegründet und zu einem großen Erfolgs-unternehmen geführt hat. Am Sonntag wird in Berlin eine Filmreihe eröffnet, die gemein-sam von der Deutschen Kinemathek und dem Deutschen Filminstitut präsentiert wird. 15 Filme werden gezeigt, darunter ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG (1958) in einer neuen Digitalisierung, AM TAG ALS DER REGEN KAM (1959), DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE (1990) und HITLERJUNGE SALOMON (1960). Die Eröffnung der Reihe findet im Berliner UCI Kinowelt Colosseum statt, sie wird ab 1. Oktober im Kino am Bundesplatz fortgesetzt. Eine Programmbroschüre haben SDK und DIF gemeinsam erarbeitet. Sie enthält ein Grußwort von Claudia Dillmann und Rainer Rother, einen Essay zur Produktionsfirma CCC von Claudia Dillmann, sowie Texte und Materialien zu allen gezeigten Filmen. Das Coverfoto zeigt Hans Albers und Artur Brauner 1956 nach der Premiere des Films VOR SONNENUNTERGANG auf der Berlinale.

Festival zum Filmerbe

2016-filmrestoredIm Filmhaus am Potsdamer Platz eröffnet heute die Staats-ministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, das neue Filmerbe-Festival „Film:ReStored_01“. An vier Tagen zeigt die Deutsche Kinemathek digital restaurierte Filme aus sechs Jahrzehnten deutscher Filmgeschichte. Zu sehen sind u.a. DIE KOFFER DES HERRN O. F. (1931) von Alexis Granowsky, KAMERADSCHAFT (1931) von G. W. Pabst, ROSE BERND (1957) von Wolfgang Staudte, DER WILLI-BUSCH-REPORT (1979) von Niklaus Schilling, DEUTSCHLAND BLEICHE MUTTER (1980) von Helma Sanders-Brahms, ULIISSES (1982) von Werner Nekes und DAS LUFTSCHIFF (1982) von Rainer Simon. Es finden Vorträge und Werkstattgespräche statt. In einer Podiumsdiskussion, die von Cornelia Klauß moderiert wird, geht es um die Frage „Was soll vom deutschen Filmerbe digitalisiert werden?“. Darüber sprechen Rolf Peter Kahl, Thorolf Lipp, Peter Dinges und Rainer Rother. Die Veranstaltungen finden im Arsenal 1 + 2 statt. Am Samstagabend wird im Veranstaltungsraum des Filmhauses der Kinopreis des Kinematheksverbundes verliehen. Mehr zur Veranstaltung: film-restored

Der Film als Experimentalfeld der Pop Art

2016-im-zwischenraumEine Dissertation, die im Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaft der Freien Universität Berlin entstanden ist. Stefanie Stallschus beschäftigt sich in sechs beeindruckenden Analysen mit Künstlern der Pop-Art, die in ihren Werken mit filmischen Elementen experimentiert haben. Es geht um Eduardo Paolozzis modulare Bildkombi-nationen, um das Bild als Mittel der Dekonstruktion bei Bruce Conner, um Gianfranco Baruchellos diagrammatische Bilder, um die räumlichen Erweiterungen des Bildes bei Mario Schifano, um die Vergegen-wärtigung des Bildes bei Andy Warhol und um das Bild als Schauplatz bei Martial Raysse. Die Filme werden dabei im Kontext des bildkünstlerischen Werks der jeweiligen Künstler betrachtet. Die Analysen sind sehr sachkundig und verirren sich nicht in theoretischen Labyrinthen. Dass keine Künstlerin ausgewählt wurde, sieht die Autorin selbst als Manko, das sie aber einleuchtend begründet. Mit zahlreichen Abbildungen in akzeptabler Qualität. Coverabbildung: Ciné (Detail) von Martial Raysse (1964). Mehr zum Buch: 978-3-7705-5539-0.html

Deutschlandbilder

2016-deutschlandbilderJörg Metelmann ist Titularprofes-sor für Kultur- und Medienwissen-schaft an der Universität St. Gallen. Seine „Deutschlandbilder“ sind kürzlich in der kleinformatigen Buchreihe „Kultur & Kritik“ bei Bertz + Fischer erschienen. Der Autor vermittelt darin eine „Filmische Landeskunde von ALMANYA bis WOLFSBURG“. Acht Kapitel strukturieren den Stoff: Erbe, Haus und Hof, Innenwelten, Neue Mitten, altes Außen, Treibstoffe, Typen, Un/Tugenden, Wunden. Ihnen sind Begriffe zugeordnet, die viel mit Deutschland zu tun haben, beispielsweise Dichter und Denker, Spreewaldgurken, Volkslied, Einbauküche, Gehorsam, jwd, die deutsche Mutter, Seele, Waldeinsamkeit, Weltschmerz, Penne, Reichstag, Sehnsucht, Beamte, Anstand, Auschwitz, Terrorismus. Jedem Begriff sind assoziativ einzelne Filme zugeordnet, die auf wenigen Seiten beschrieben werden. Das wirkt einerseits spielerisch, ist aber anderseits genau ausgedacht. Es sind kurze, präzise Erinnerungen an Filme der letzten Jahrzehnte, die wir hier lesen, beginnend mit Philipp Stölzls GOETHE!, endend mit SIE HABEN KNUT von Stefan Krohmer. Natürlich spielen die Filme der Berliner Schule eine große Rolle, aber auch FACK JU GÖTHE von Bora Dagtekin und DIE GELIEBTEN SCHWESTERN von Dominik Graf werden differenziert gewürdigt. Die Abbildungen sind von akzeptabler Qualität. Was ich vermisse, ist ein Register zumindest der Filmtitel. Mehr zum Buch: deutschlandbilder.html

SPIELBANK-AFFÄRE (1957)

2016-dvd-spielbank-affaereSchauplatz des Films ist zunächst ein Hotel mit Spielbank am Lago Maggiore, dann eine westdeutsche Stadt mit konkurrierenden Spiel-casinos, es könnte Wiesbaden sein. Zwei Casino-Besitzer kämpfen hier mit allen Mitteln um die Macht. Gefälschte Jetons kommen zum Einsatz, um den Konkurrenten in Verruf zu bringen. Die junge Schauspielschülerin Sybille (Gertrud Kückelmann) gerät unwissentlich ins Zentrum der Auseinandersetzungen, weil sie mit den falschen Jetons gespielt hat. Sie überlebt am Ende einen Autounfall. Ein dubioser Anwalt (Peter Pasetti) wird ermordet, die Besitzer der Casinos (Rudolf Forster und Willy A. Kleinau) einigen sich hinter den Kulissen. Der Film, eine Koproduktion der DEFA mit der schwedischen Firma A.B.Pandora, wurde 1956/57 von Artur Pohl in drei verschiedenen Fassungen realisiert: in Agfa-Color-Totalvision (die Fassung wurde nie im Kino gezeigt), in Agfa-Color-Normalformat für die DEFA und in Agfa-Color-Normalformat für das westliche Ausland. In der DDR wurde der Film schließlich in einer Schwarzweiß-Fassung gezeigt, damit die Schauplätze nicht zu attraktiv erschienen; Artur Pohl zog seinen Namen daraufhin zurück. In der Bundesrepublik kam der Film unter dem Titel PARKPLATZ ZUR GROSSEN SEHNSUCHT 1958 in die Kinos und war ziemlich erfolglos. Die DVD der „Filmjuwelen“ enthält alle drei Fassungen, so dass man einen guten Eindruck von ihrer Unterschiedlichkeit bekommt. Natürlich dominiert das Klima der fünfziger Jahre, aber die Bilder des Kameramannes Joachim Hasler in Totalvision sind zum Teil sehr beeindruckend. Hilfreich, um die Hintergründe des Films zu verstehen, sind die Texte von Ralf Schenk im Booklet. Und natürlich habe ich mich gefreut, wieder einmal einen Film mit meiner damaligen Lieblingsschauspielerin Gertrud Kückelmann zu sehen. Mehr zur DVD: %22filmjuwelen%22

Fünfzig Jahre dffb

2016-dffb-50Am Samstag, dem 17. September 1966, also heute vor 50 Jahren, wurde in einem Festakt die Deutsche Film- und Fernseh-akademie Berlin (dffb) eröffnet. Die Veranstaltung fand im Sendesaal des Hauses des Rundfunks in der Masurenallee statt, sie begann um 10 Uhr mit einer Begrüßungsansprache des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt. Dann folgte eine Rede des Direktors Heinz Rathsack, die mir gut gefallen hat. Der zweite Direktor, Erwin Leiser, war erkrankt und ließ seine Rede von seiner Frau vortragen. Grußworte sprachen anschließend der Intendant Walter Steigner für die ARD, der Intendant Karl Holzamer fürs ZDF, der SPIO-Präsident Walter Pindter, der Staatssekretär Professor Werner Ernst fürs BMI und der Student Josef J. Kristof, weil er der Älteste seines Jahrgangs war. Die meisten seiner 34 neuen Kolleginnen und Kollegen waren anwesend, hielten sich aber sehr im Hintergrund. Es war – in meiner Erinnerung – eine gediegene Feier. Alle waren froh, dass es die DDFB nun endlich gab und die Ausbildung beginnen konnte. Am kommenden Dienstag wird das Jubiläum mit einem Festakt im Roten Rathaus gefeiert. Dazu haben der neue Direktor Ben Gibson und der Chef der Senatskanzlei Björn Böhning eingeladen. Angekündigt sind „persönliche Gedanken von Absolvent_innen und Studierenden“. Ich bin gespannt. Mehr zur dffb: www.dffb.de . Und zur Geschichte der dffb: www.dffb-archiv.de .

Vom Neorealismus zu den Neuen Wellen

2016-vom-neorealismusDrei Bände sind für die „Ein-führung in die Filmgeschichte“ geplant. Der dritte Band (New Hollywood bis Dogma 95) erschien 2008; eine überarbei-tete Neuausgabe ist gerade publiziert worden, zeitgleich mit dem Band „Vom Neorealismus zu den Neuen Wellen“. Band 1 (Von den Anfängen bis zum Zweiten Weltkrieg) ist in Vorbereitung. Zielgruppe sind Studierende der Filmwissenschaft, Lehrerinnen und Lehrer, Journalistinnen und Journalisten „sowie neugierige Kinoliebhaber, die in die Geschichte des internationalen Films eintauchen wollen.“ (Heraus-geber Thomas Christen in seinem Vorwort). Christen ist wissenschaft-licher Mitarbeiter am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich. Er hat den neuen Band in vier Teile strukturiert: Nach dem Krieg / Trümmer, Krisen, neue Wirklichkeiten, Neue Wellen in Westeuropa / Jugendkultur, Protest, Revolte, Hinter dem Eisernen Vorhang / Aufbruch, Zensur, Verbot und Neues Kino außerhalb Europas / USA, Brasilien, Japan. 18 Einzeltexte sind jeweils einem Land oder einem Genre gewidmet. 14 Texte stammen vom Herausgeber, vier Beiträge haben Zürcher Filmwissenschaftler/innen geschrieben: Simon Spiegel über die vielen Leben des James Bond, Barbara Flückinger über die französische Nouvelle Vague, Patricia Pfeifer über den jugoslawischen Novi Film und Wolfgang Fuhrmann über Brasiliens Cinema Novo. Unter den Texten von Thomas Christen haben mir seine Gedanken über den Neorealismus, den Film noir, den Jungen deutschen Film, den Italowestern und die Filme des Prager Frühlings besonders gut gefallen. Er schreibt konkret und anschaulich, lässt gesellschaftliche, ökonomische und technologische Fragen nicht außer Acht und kann wichtige Veränderungen auf den Punkt bringen. Am Ende jedes Textes gibt es Hinweise auf Basistexte, weiterführende Literatur und wichtige Filme. Die zahlreichen Abbildungen haben eine erstaunlich gute Qualität. Mehr zum Buch: filmische-erneuerungsbewegungen-1945-1968.html

3001 Kino in Hamburg

2016-kino-3001Das „3001 Kino“ im Hamburger Schanzen-viertel gibt es inzwi-schen seit 25 Jahren, es bereichert die Szene der Stadt mit unge-wöhnlichen Program-men, für die vor allem sein Initiator und Leiter Jens Meyer verant-wortlich ist. Seit 15 Jahren bewirbt er sich mit seiner „Besatzung“ bei der Beauftragten für Kultur und Medien um einen Kino-Preis, und einmal hat sein Kino auch den ersten Preis bekommen. Das höchst lesenswerte und zum Teil sehr amüsante Buch dokumentiert die individuellen Texte aus den Jahren 2002 bis 2016, die den Bewerbungsunterlagen beigefügt waren. Sie erlauben uns den Blick ins Innere eines kleinen Kinounternehmens. Das Haus hat 91 Plätze. Gezeigt werden natürlich keine Mainstream-Filme, sondern speziell ausgesuchte Titel. Wir erfahren viel über Terminierungen, Kopiensuche, Umgang mit Verleihern, Formulierung von werbenden Ankündigungen, spezielle Erfahrungen mit dem Hamburger Publikum, prominente Gäste. Es gab überraschende Erfolge (THE WRESTLER war drei Wochen lang jeden Abend ausverkauft), aber auch Enttäuschungen (der Film ACHTERBAHN blieb trotz Hamburger Dom-Rummel unbeachtet). Mehrfach waren der Staats-anwalt und Filmkritiker Dietrich Kuhlbrodt und der Dokumentarist Klaus Wildenhahn im 3001 Kino zu Gast. Auch pointierte Bemerkungen im Besucherbuch (eigentlich nur für intern) sind abgedruckt. Oft haben die Texte zu den Einreichungen den Charakter eines Tagebuchs. Jens Meyer besucht häufig Pressevorführungen und teilt uns seine Meinung zu den Filmen mit. Es werden Zeitungskritiken zitiert, Fernseh-Affären mitgeteilt (zum Beispiel die Entmachtung der NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze), und in Rückblenden ist auch die Filmgeschichte präsent. Ein Register erleichtert die Suche nach Personen, Filmtiteln und Stichworten. Beigefügt ist die Broschüre „Chandler geht ins Kino“. Das Coverfoto zeigt ein Schiff auf hoher See, das hoffentlich nicht untergeht. Mehr zum 3001 Kino: www.3001-kino.de/