Berlinale Kamera für Ulrike Ottinger

Heute wird Ulrike Ottinger im Haus der Berliner Festspiele mit der Berlinale Kamera ausge-zeichnet. Die Begründung des neuen Leitungsduos der Berlinale ist einleuchtend: „Mit der Berlinale Kamera feiern wir Künstler*innen, deren Arbeit stets eine enge Beziehung zwischen den Themen des Kinos und dem eigentlichen Akt des ‚Filmemachens’ unterhält. Daher ist Ulrike Ottinger die ideale Trägerin eines Preises, der das Wort ‚Kamera“ enthält. Als Malerin, Fotografin und Allround-Künstlerin hat sie das Kino immer als eine Kunst verstanden, die durch Begegnung mit anderen Menschen, Objekten, Büchern, Geschichten, Orten und Kulissen entsteht, in denen sich die Realität bemerkbar macht. Ihr aktueller Film PARIS CALLIGRAMMES ist eine originelle und wunderschöne Autobiografie und Zeitreise.“ (Chatrian/Rissenbeek). Ich habe fast alle Filme von Ulrike gesehen, bewundere sie als Fotografin und Filmemacherin und bin gespannt auf ihren neuesten Film. Mehr zur Auszeichnung: berlinale-kamera.html

Retrospektive King Vidor

Die Retrospektive ist in diesem Jahr dem amerika-nischen Regisseur King Vidor gewidmet. Gezeigt werden 35 Filme aus den Jahren 1918 bis 1959. Vidor ist ein oft unterschätzter Regisseur, der in vielen Genres stilistisch eigenständige Werke realisiert hat. Das Buch zur Retrospektive (zweisprachig deutsch und englisch, herausgegeben von Karin Herbst-Meßlinger und Rainer Rother bei Bertz + Fischer) würdigt den Regisseur in acht Essays. Sie stammen von Kevin Brownlow (Vidors Stummfilme), Lisa Gotto (über den Film HALLELUJAH), Françoise Zamour (Vidors Melodramen), Heinz Emigholz („THE FOUNTAINHEAD – ein experimentelles Meisterwerk des kommerziellen Films“), Bert Rebhandl (Vidors Western), Carlo Chatrian („Mit den Augen eines Wanderers“), Rainer Rother (über den Film SOLOMON AND SHEBA), Martin Scorsese („Ein Traum vom menschlichen Fortschritt“); mein Text beschäftigt sich mit King Vidors Blick auf die Realität. Der Anhang enthält eine Chronik zu Leben und Werk. Mit zahlreichen Fotos in sehr guter Qualität. Es ist das erste Buch über King Vidor in Deutschland. Mehr zum Buch: kingvidor.html

Berlinale

Heute wird mit dem Film MY SALINGER YEAR von Philippe Falardeau mit Sigourney Weaver und Margaret Qualley die 70. Berlinale eröffnet. Es ist die erste unter der neuen Leitung von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek. Im Wettbewerb sind 18 Filme zu sehen. Ich bin besonders gespannt auf BERLIN ALEXANDERPLATZ von Burhan Qurbani, THE WOMAN WHO RAN von Hong Sangsoo, THE SALT OF TEARS von Philippe Garrel, THE ROAD NOT TAKEN von Sally Poetter, SCHWESTERLEIN von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond mit Nina Hoss und Lars Eidinger, THERE IS NO EVIL von Mohammed Rasoulof, SIBERIA von Abel Ferrara und UNDINE von Christian Petzold mit Paula Beer und Franz Rogowski. Natürlich gibt es auch in den anderen Sektionen Filme, die mich sehr interessieren. Mal sehen, ob meine Kraft ausreicht, täglich mindestens dreimal ins Kino zu gehen. Es ist meine 61. Berlinale. Hier ist ein persönlicher Rückblick auf meine 60 Berlinalen: meine-60-berlinalen/. Mehr zur Berlinale: berlinale-programm.html

DAS KINO IST TOT, ES LEBE DAS KINO

Im Februar 2019 begleitete der Dokumentarist Thomas Schadt den Direktor der Berlinale Dieter Kosslick durch die letzte in seiner Amtszeit. Der Film wird heute erstmals auf arte gezeigt. Er hat große Qualitäten, weil er einen so noch nie gesehenen Blick hinter die Kulissen eines Festivals ermöglicht. Wir sind als Beobachter ganz nah am Geschehen, erleben Auftritte von Juliette Binoche, Charlotte Rampling oder Christian Bale, sind nahe an Nora Fingscheidt, die ihren Film SYSTEMSPRENGER präsentiert, und erleben, wie Dieter mit der Absage des fest eingeplanten neuen Films von Zhang Yimou umgeht, der plötzlich nicht mehr gezeigt werden kann, weil angeblich die Postproduktion nicht abgeschlossen werden konnte. Der Film von Thomas erzählt auch die Geschichte der Berlinale in der Vor-Kosslick-Zeit und baut eine schöne Brücke in die Zukunft. Natürlich lebt das Kino weiter, wenn wir uns dort oft genug die neuen Filme anschauen. Zum Beispiel auf der Berlinale, die morgen beginnt. Mehr zum Film: das-kino-ist-tot-es-lebe-das-kino/

Ein Schauspieler spielt selten allein

Der Schauspieler Volkmar Kleinert (*1938) gehörte in den 70er und 80er Jahren zum Ensemble des Deutschen Theaters und hat in zahlreichen Filmen der DEFA und des DDR-Fernsehens mitgespielt, nach der Wende auch in TATORTen, POLIZEIRUFen und zuletzt in LARA von Jan Ole Gerster. Die Schauspielerin Regina Beyer (*1947) war vor allem in DEFA-Filmen zu sehen, aber auch in DDR-POLIZEIRUFen. Seit vielen Jahren sind sie ein Paar. Mit Unterstützung von Andreas Püschel erzählen sie jetzt ihre autobiografischen Geschichten, ihre Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Regisseuren, ihre persönliche Sicht auf das Leben und die Arbeit. Sie verfügen beide über ein großes Erinnerungsvermögen und können pointiert schreiben. Das macht die Lektüre des Büches spannend und informativ. Mit Abbildungen in guter Qualität. Erschienen im Verlag Neues Leben. Mehr zum Buch: schauspieler-spielt-selten-allein.html

Filmreihe „Aufbruch und Umbruch“

Heute beginnt im Kino am Bundesplatz ein Begleitprogramm zur Ausstellung von Beat Presser „Aufbruch und Umbruch“, die zur Zeit im Willy-Brandt-Haus zu sehen ist. Sie wird mit Filmen von Hanna Schygulla eröffnet, die auch anwesend ist. Special Guest ist Volker Schlöndorff, ich werde die Gäste begrüßen. Gezeigt werden die Filme TRAUMPROTOKOLLE (16 min.), WAHLVERWANDT (38 min.) und WIR FLÜCHTLINGSKINDER (41 min.) von Hanna Schygulla. An den folgenden Sonntagen sind jeweils um 15.30 Uhr Michael Verhoeven (mit dem Film MUTTERS COURAGE), Tilo Prückner (DER WILLI-BUSCH-REPORT), Peter Fleischmann (DAS UNHEIL), Joachim von Vietinghoff (BOMBER UND PAGANINI) und Eva Mattes (CÉLESTE) zu Gast. Mehr zur Filmreihe: m&mid=3492

ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD (2019)

Eine Reise ins Hollywood des Jahres 1969, in die Aufbruchs-zeit des New Hollywood, als die Filmszene in manchen Berei-chen aus der Spur geriet. Der Schauspieler Rick Dalton, durch eine Fernsehserie zum Star geworden, hat Angst vor der Zukunft, weil er nur noch schlechte Rollen angeboten bekommt. Sein Freund Cliff Booth, bisher als Stuntdouble gut beschäftigt, kriegt keine Jobs mehr, weil er angeblich seine Frau umgebracht hat. Dalton hat neue Nachbarn: den Regisseur Roman Polanski und die Schauspielerin Sharon Tate. Die beiden gehen auf eine Party, an der auch Steve McQueen teilnimmt. Am nächsten Tag spielt Dalton für den Trailer einer neuen Serie wieder einen Schurken. Der Produzent Marvin Schwarz bietet ihm mehrere Rollen in Italowestern an, und Dalton fährt mit seinem Freund Cliff Booth für einige Monate nach Europa, wo er sich in die Italienerin Francesca verliebt und sie heiratet. Nach der Rückkehr nach Hollywood kommt es in Daltons Haus zu Gewaltakten der Manson Family, die für einige tödlich endet. Cliff wird verletzt, Rick, Francesca und Sharon bleiben verschont. Quentin Tarantino hat Fakten und Fiction bunt gemischt. Sein Blick in die Vergangenheit ist wieder spannend inszeniert und große Stars sind in großen und kleineren Rollen zu sehen, Leonardo DiCaprio als Rick Dalton, Brad Pitt als Cliff Booth (dafür hat er gerade den Oscar als Supporting Actor gewonnen), Margot Robbie als Sharon Tate, Al Pacino als Marvin Schwarz. 160 unterhaltsame Minuten. Bei Sony Pictures ist jetzt die DVD des Films erschienen. Mehr zur DVD: QvzBoCD0MQAvD_BwE

SFB mon amour

Wenn man viele Jahrzehnte als Moderator und in anderen Funktionen für einen Rund-funksender tätig war, dann weiß man fast alles, was im Haus passiert ist und fühlt sich eng mit ihm verbunden. Alexander Kulpok (*1938) hat eine sehr lesenswerte „Geschichte des Senders Freies Berlin“ geschrie-ben. Ihr Titel ist „SFB mon amour“. Es gibt einen Prolog, einen Epilog und 36 Kapitel, beginnend mit dem langen Weg zur Gründung. Bis 1952 sendete aus dem Haus des Rundfunks in der Masurenallee noch der “(Ost)Berliner Rundfunk“, dann residierte dort vier Jahre die Sowjetarmee, bis der Regierende Bürgermeister Otto Suhr die Übergabe an die BRD erreichte und nach aufwendiger Restaurierung am 4. Dezember 1957 die Wiedereröffnung gefeiert und das Hörfunkprogramm produziert wurde. Das Fernsehprogramm des SFB wurde zunächst aus dem Deutschlandhaus ausgestrahlt, bis 1970 am Theodor Heuss-Platz das neue, 14stöckige Fernsehzentrum eingeweiht werden konnte. Einzelne Kapitel sind speziellen Sendeformen gewidmet, zum Beispiel der Abendschau, dem Hörspiel, den „Zeitpunkten“, dem Sportfunk, den Fernsehserien, dem Videotext. Wunderbar: der persönliche Text über Kulpoks Reise mit Willy Brandt und Herbert von Karajan nach Paris im April 1963 („Marlene, Romy und Malraux inklusive“). – Der SFB war seit 1960 mein „Haussender“. Kurz vor der Fusion mit dem ORB zum rbb gehörte ich dem SFB-Rundfunkrat an. Das Buch hat viele Erinnerungen wachgerufen. Der Anhang enthält eine Liste der SFB-Intendanten von 1954 bis 2003 und eine Chronik des SFB, Jahr für Jahr. Mehr zum Buch: 152&reihe=

„Aufbruch und Umbruch“

Heute wird im Willy-Brandt-Haus die Ausstellung „Aufbruch und Um-bruch“ eröffnet. Sie ist eine Hommage an den Neuen Deutschen Film und präsentiert Bilder des Schweizer Fotografen Beat Presser, die er in den letzten zehn Jahren von ihren Protagonisten gemacht hat. Die Künstlerische Leiterin des Freundeskreises Willy-Brandt-Haus, Gisela Kayser, die Autorin und Regisseurin Jutta Brückner und der Dreh-buchautor Wolfgang Kohlhaase werden zur Eröffnung sprechen. Parallel wird die Ausstellung „Erzähl mir, Augenblick – Schauspieler-porträts“ von Michael Weidt eröffnet. Foto: Schatten von Michael Verhoeven vor einem Berlinale-Poster. Mehr zur Ausstellung: aufbruch-und-umbruch

CALIGARI-Ausstellung

Vor 100 Jahren, im Februar 1920, wurde der Film DAS CABINET DES DR. CALIGARI von Robert Wiene mit Werner Krauss, Lil Dagover und Conrad Veidt im Berliner Marmorhaus uraufgeführt: ein Schlüsselfilm zur deutschen Filmgeschichte. Im Museum für Film und Fern-sehen wird heute die Ausstel-lung „Du musst Caligari wer-den! – Das virtuelle Kabinett“ eröffnet. Es sprechen der Künstlerische Leiter der Deutschen Kinemathek, Rainer Rother, die Leiterin der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Christiane von Wahlert, und der Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert. Zur Ausstellung gehört auch der siebenminütige „volumetrische Film“ DER TRAUM DES CESARE, der vom Goethe-Institut Warschau initiiert wurde. Ich bin gespannt. Mehr zur Ausstellung: du-musst-caligari-werden-das-virtuelle-kabinett