Neue Filmkunst Resurrected

2016-neue-filmkunst-grossDen Verleih „Neue Film-kunst Walter Kirchner“ gab es von 1953 bis 1975. Er hat mir den Zugang zu vielen wichtigen Filmen ermöglicht. In meinem Archiv stehen alle 90 Hefte der „kleinen Film-kunstreihe“, beginnend mit ADEL VERPFLICH-TET (Redaktion: Werner Schwier, 1957), endend mit der DREIGRO-SCHENOPER (Redaktion: Werner Hecht, 1973). In den 60er Jahren war häufig Hans-Dieter Roos für die Redaktion verantwortlich, nach seinem Tod übernahmen Frieda Grafe und Enno Patalas diese Funktion. Im Metropolis Kino in Hamburg fand kürzlich eine Retrospektive mit Filmen aus dem damaligen Verleih statt, Jörg Schöning hat dazu einen Katalog zusammengestellt, der bei der edition text + kritik verlegt wurde. In den Texten geht es um Walter Kirchner und seine Verleihpolitik, um die Plakate von Hans Hillmann (der äußert sich dazu in einem langen Gespräch mit Christoph Hochhäusler), um die Programmhefte und vor allem um die Filme selbst. 40 in Hamburg gezeigte Titel werden in Wort und Bild vorgestellt. Am Ende des Bandes gibt es eine Auflistung der Kinos der Neuen Filmkunst, das „Cinema“ in Göttingen, die „Lupen“ in Berlin, Braunschweig, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, München und Stuttgart, die es alle nicht mehr gibt. Nur das „Theatertiner“ in München wird noch bespielt – von der Witwe, Marlies Kirchner, die unverdrossen der internationalen Filmkunst verbunden geblieben ist. Die Publikation ruft viele persönliche Erinnerungen wach. Mehr zum Buch: 9783000535796#.WCr7VyjzTV4

Karl Wolffsohn

2016-karl-wolffsohnEr war gelernter Drucker und ein großer Filmfreund zeit seines Lebens. Über den Verleger und Kinounternehmer Karl Wolffsohn (1881-1957) hat Ulrich Döge jetzt ein Buch publiziert, das viele Informa-tionen über die Filmpublizistik in der Weimarer Republik und über einige große Filmtheater der damaligen Zeit vermittelt. Ab 1910 hat Wolffsohn in seinem Verlag die wöchentlich erscheinende Zeitschrift Lichtbild-Bühne publiziert, die vor allem für Kinobetreiber bestimmt war, aber auch sehr lesenswerte Filmkritiken enthielt. Sie konkurrierte mit dem täglich erscheinenden Film-Kurier, der 1919 von dem Verleger Alfred Weiner gegründet wurde. Ab 1924 war der Ullstein Verlag Mitgesellschafter bei der LBB. Die Biografie von Karl Wolffsohn ist – bis 1933 – erfolgsorientiert. Neben seinem Verlag, der auch Filmbücher publiziert und ein eigenes Archiv unterhält, engagiert er sich bei der Planung und Gründung von Kinos, zum Beispiel der „Lichtburg“ in Essen und Berlin, dem „Olympia-Theater“ in Dortmund und den Kölner „Lichtspielen des Westens“. Die Nazis entmachten den Unternehmer jüdischer Herkunft Mitte der 30er Jahre, er wird verfolgt, inhaftiert, kann aber 1939 mit seiner Frau nach Palästina fliehen. Ab 1949 lebte das Ehepaar wieder in Deutschland und versuchte in zahlreichen juristischen Auseinandersetzungen, für die Verluste in der Vergangenheit entschädigt zu werden. Ulrich Döge hat hervorragend recherchiert, in allen einschlägigen Archiven geforscht und einen klug strukturierten Text geschrieben, der vor allem die Bürokratie in der Nachkriegszeit erschreckend deutlich in Erinnerung ruft. Der Buchtitel – „Er hat eben das heiße Herz“ – zitiert den Wolffsohn-Mitarbeiter Hugo Fabian mit einem Ausspruch zum 50. Geburtstag des Unternehmers. Das Buch ist im Verlag „tredition“ erschienen und kann auch als eBook erworben werden. Mit Abbildungen, Literaturverzeichnis und Personenindex. Mehr zum Buch: er-hat-eben-das-heisse-herz-paperback-84666/ 

Animationsfilm in Japan bis 1917

2016-japanischer-animationsfilmDies ist schon eine sehr spezielle Publikation, recherchiert und geschrieben von einem Anime-Spezialisten, der sich mit dieser Kunstform seit Jahrzehnten beschäftigt. Freddy Litten, im Hauptberuf an der Bayerischen Staatsbibliothek Referent für Mikroformen, informiert über die Frühgeschichte des Animations-films, setzt sich kritisch mit der vorhandenen Literatur aus-einander, zum Beispiel mit dem neuen Buch von Matthias C. Hänselmann, klärt Begriffe, datiert die frühen Filmbezie-hungen zwischen Japan und dem europäischen und amerikanischen Kino und widmet sich dann vor allem den Pionieren des japanischen Animationskinofilms: Shimokawa ōten bzw. Shimokawa Hekoten, Kitayama Seitarō und Kōuchi Jun’ichi sowie den drei Filmunternehmen Nikkatsu, Tenkatsu und Kobayashi Shōkai. Ein eigenes Kapitel handelt vom japanischen Animationsfilm des Jahres 1917. 100 Seiten kompaktes Wissen, vor allem für Fans des Animatonsfilms geeignet. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: litten.de/abstrtoc/abstr5d.htm

Tierfilme / Internationale Heimatfilme

2016-tierfilmIn der Reihe „Filmgenres“ bei Reclam sind zwei neue Bände erschienen, es gibt jetzt also insgesamt 18. „Tierfilm“ ist als eigenes Genre schwer fassbar. Die Herausgeber Ingo Lehmann und Hans J. Wulff versuchen sich an einer eigen-ständigen Definition, die vor allem interessante Verbindungen zwischen Mensch und Tier herstellt und verspre-chen eine Auswahl, die „die ganze Breite der dramatischen, narrativen und poetischen Annäherung des Films an die Welt des Animalischen darzustellen versucht.“ 47 Filme werden in den einzelnen Texten vorgestellt, 14mal sind verschiedene Tiere versammelt, oft geht es dabei um den Tierschutz (SERENGETI DARF NICHT STERBEN). Immerhin haben es acht Hunde in die Auswahl geschafft, von LASSIE COME HOME (1943) bis zu WHITE DOG (1982). Vier Pferde, drei Affen und drei Bären, zwei Ratten, zwei Schafe und zwei Vögel waren für ihre Spezies noch relativ erfolgreich. Dann kommen noch neun einzelne Exemplare, in alphabetischer Reihenfolge: Büffel, Delphin, Esel, Huhn, Kamel, Nilbarsch, Pinguin, Wal und Ziege. Die entsprechenden Filmtitel sind durchaus bekannt. Erstaunlich ist allerdings, dass die Katze ausgespart wurde. Weder eine animierte (SUSI UND STROLCH, ARISTOCATS), noch eine real gespielte (zum Beispiel in LE CHAT, 1971, oder in THE LATE SHOW, 1977) hat bei den Herausgebern Interesse gefunden. Aber sie haben viele Filmwissenschaftler zur Mitarbeit gewonnen: zum Beispiel Matthias Bauer, Jens Eder, Britta Hartmann, Ursula von Keitz, Thomas Koebner, Sabine Nessel, Christine Noll Brinckmann und Jörg Schweinitz). Das Niveau der Texte ist entsprechend hoch. Coverfoto: GORILLAS IN THE MIST. Mehr zum Buch: Filmgenres__Tierfilm

2016-heimatfilm„Heimatfilm international“, heraus-gegeben von Jürgen Heizmann, ist ein relativ schmales Bändchen. Gerade mal 25 Filme werden hier vorgestellt, mit deutlicher Distanz zum Heimatfilm der 1950er Jahre. Nur GRÜN IST DIE HEIDE wird als Prototyp analysiert, in einem klugen Text von Judith Kretzschmar. Insgesamt sind zehn deutsche Titel aufgenommen worden, zwei von Edgar Reitz, seine erste HEIMAT und seine bisher letzte, DIE ANDERE HEIMAT. Eröffnet wird der Band mit dem Film DER HEILIGE BERG (1926) von Arnold Fanck mit Leni Riefenstahl, den Alexandra Ludewig sehr sachkundig interpretiert. Je vier Filme stammen aus den USA und Frankreich, zwei aus Großbritannien, je einer aus Italien, der Schweiz, der UdSSR, Tschechien und Kanada. Da fehlen mir Irland (zum Beispiel THE QUIET MAN von John Ford), Spanien, Polen, wenigstens ein Land aus Skandinavien, von Afrika oder Lateinamerika gar nicht zu reden. An den einzelnen Texten ist nichts auszusetzen, sie sind informativ und gut formuliert. Man hätte gern ein paar mehr gelesen. Coverfoto: WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS. Mehr zum Buch: Heimatfilm_international

Zahl doch einfach, was du willst

2016-zahl-doch-einfachFür eine wissenschaftliche Publikation ist das ein ziemlich salopper Titel. Thematisch geht es um die Frage, warum sich Pay-What-You-Want für deutsche Kinos lohnen würde. Elisa Hofmann hat 2011 eine experimentelle Online-Studie durchgeführt, um herauszu-finden, ob das Kino für einen neuen Preismechanismus geeignet ist. Rund 600 Umfrage-bögen standen für die Auswertung zur Verfügung. Durchschnittlich würden Personen 5,15 € für ein Kinoticket bezahlen. Der Betrag würde sich erhöhen, wenn sie nach dem Schauen des Films bezahlen könnten. Das könnte als Preismechanismus zukunftsweisend werden. Sehr konkret ist das Kapitel über die Kinomarktstruktur in Deutschland. Abstrakter sind die theoretischen Grundlagen. Da geht es um „Behavorial Pricing und Prospekt-Theorie“, „Homo Reciprocans und Prinzipal-Agenten-Theorie“, „Informationsökonomik und Adverse Auslese“, „Marketing“ und „Medienökonomie“. Konkreter wird es dann wieder im Kapitel der empirischen Erhebung. Forschungsbedarf besteht in der Frage, welche Variablen den größten Einfluss auf die freiwillige Zahlungsbereitschaft haben und warum. Der Anhang dokumentiert die Umfrage der Autorin. Mehr zum Buch: was-du-willst.html

Zwei Western

2016-dvd-auf-verlorenem-postenDer kleine Joshua Hallock lebt mit seinem Vater – die Mutter ist vor einigen Jahren gestorben – auf einer Farm in Timberline. Das ist ein unsicherer Ort, denn hier sind die berüchtigten Varden-Brothers unterwegs. Immerhin hat Joshua einen kleinen Hund, der auf ihn aufpasst. Der Vater lässt sich scheinbar auf eine Zusammen-arbeit mit den Banditen ein. In Wahrheit ist Zachary Hallock (gespielt von Joel McCrea) ein Detektiv, der am Ende die Schurken zur Strecke bringt. THE LONE HAND (1953, deutscher Titel: AUF VERLORENEM POSTEN) ist ein B-Western von George Sherman, erzählt aus Kinder-Perspektive, durchaus spannend, in digital restaurierten Farben von Technicolor. Und mit Barbara Hale mischt sich auch eine attraktive Frau ins Geschehen ein. Nr. 40 der „Western Legenden“ von Koch Media. Das Booklet stammt von Hank Schraudolph. Mehr zur DVD: 1015810&nav1=FILM

2016-dvd-californiaEin Treck auf dem Weg nach Kalifornien zur Zeit des Sezes-sionskrieges. Er wird ausein-ander gerissen, als der Ruf ertönt, man habe Gold gefunden. In der Goldminenstadt Pharaoh City gibt es eine Interessen-gruppe, angeführt von dem korrupten Pharach Coffin, die hier einen selbständigen Staat errichten möchte. Der ehemalige Soldat Jonathan Trumbo (gespielt von Ray Milland) tritt wie die Mehrheit der Bevölkerung für eine Eingliederung in die USA ein. Die Konflikte verschärfen sich, als die Barbesitzerin Lily Bishop (wunderbar: Barbara Stanwyck) aktiv wird, die Coffin und Trumbo gleichermaßen umwerben. Der Showdown wird von Lilys Pistole entschieden. Eine Schlüsselrolle spielt Barry Fitzgerald als Winzer und überraschender Kandidat für ein politisches Amt. CALIFORNIA (1947) von John Farrow ist ein Western, der sich Zeit für seine Geschichte nimmt und auch viel Musik erklingen lässt. In einer kleinen Rolle ist Anthony Quinn zu sehen. Nr. 41 in der Reihe „Western Legenden“ von Koch Media. Den Text im Booklet hat wieder Hank Schraudolph verfasst. Mehr zur DVD: western_legenden_41_dvd/

Raymond Depardon: Irrfahrt

2016-irrfahrtEin beeindruckendes Buch. Der Fotograf und Filme-macher Raymond Depar-don (*1942) nimmt uns mit auf eine „Irrfahrt“. Auf der einen Seite lesen wir seinen Text, auf der anderen Seite sehen wir seine Fotos: 78 an der Zahl, alle in Schwarzweiß und im Hochformat. Er hat für dieses Projekt in Amerika, Afrika, Europa und Japan fotografiert. Abgebildet sind Straßen, Autos, Strom-masten, Kreuzungen, Häuser, Wolken, Bäume, gelegentlich auch Menschen. Die Bilder haben eine erstaunliche Tiefenschärfe. Über die Perspektiven kann man intensiv nachdenken. Der Text ist eine sehr persönliche Erzählung über das Projekt, über den Titel, über den Beruf des Fotografen und des Filmemachers, über frühere Projekte, über sein Leben. Es gibt wunderbar lakonische Feststellungen im Text, zum Beispiel: „Einsamkeit gehört zum Leben eines Fotografen.“ „Die Einsamkeit ist notwendig für den Blick.“ „Ein Mensch im Bild dient als Maßstab.“ „Ich habe meine Art zu fotografieren, ich habe meine eigene Distanz.“ „Zu jedem Thema gehört eine eigene Distanz.“ „Der Verrückte und der Fotograf sind sich ziemlich nahe.“ „Die Wirklichkeit ist für den Fotografen ein ständiger Gefährte.“ „Der Verrat an der Wirklichkeit gehört zum Fotografendasein.“ Dies ist Band 19 der Reihe „Texte zum Dokumentarfilm“ im Verlag Vorwerk 8, mit einem Vorwort von Werner Dütsch. Ich bin begeistert. Mehr zum Buch: php?id=217&am=4

Fatih Akin

2016-fatik-akinEine Dissertation, die an der Universität Marburg entstanden ist. Stefanie Klos will das Werk von Fatih Akin aus der Ecke des „Migrantenfilms“ oder des „deutsch-türkischen Kinos“ befreien und es in einen transkulturellen Zusammen-hang stellen. Sie tut das mit überzeugenden Analysen seiner Filme. Pflichtgemäß formuliert sie zunächst ein thematisches Spannungsfeld und vermittelt den Forschungsstand. Dann folgen die Fallbeispiele für „Transkulturelle Inhalte“ (CROSSING THE BRIDGE, KURZ UND SCHMERZLOS, IM JULI) mit den entsprechenden Motiven und Verortungen. Anschließend geht es um „Transkulturelle Formen“, um Genre, Erzählstrukturen und vor allem um die Filmmusik (in SOLINO, GEGEN DIE WAND, SOUL KITCHEN, AUF DER ANDEREN SEITE). Die Analysen der Autorin sind Ergebnisse genauer Beobachtungen, ab und an sichert sie sich wissenschaftlich ab, aber ihr Text ist eine eigenständige Leistung, die dem Werk von Fatih Akin gerecht wird. Im Fazit kann sie von einem „transkulturellen Autor“ sprechen. Wenige, aber qualitativ gute Abbildungen. Mit dem Film TSCHICK war Fatih Akin in den letzten Monaten in unseren Kinos sehr erfolgreich. Er kommt im Text von Stefanie Klos noch nicht vor, ist aber beim Lesen oft präsent. Coverfoto: SOLINO. Mehr zum Buch: 527-fatih-akin.html

Film-Bühne Hotel

2016-film-buehne-hotelHeute beginnt in Hamburg der 29. CineGraph-Kongress. Sein Thema: „Gebrochene Sprache. Filmautoren und Schriftsteller des Exils“. Pünktlich wie immer liegt die Dokumentation des vorangegangenen Kongresses vor, redaktionell betreut von Swenja Schiemann und Erika Wottrich, publiziert bei edition text + kritik. Das Thema: „Film-Bühne Hotel. Begegnungen in begrenzten Räumen“. 14 Beiträge sind hier versammelt, alle sehr lesenswert. Alfons Maria Arns gibt einen ersten historischen Überblick. Bei Michelle Koch geht es um die Trennung der Bereiche Gäste und Personal und ihre Kommunikation. Heike Klapdor reflektiert über den Topos Hotel und konkretisiert dies an den drei Filmen BRENNENDES GEHEIMNIS, FRÄULEIN ELSE und THE PASSING OF THE THIRD FLOOR BACK. Leonardo Quaresima beschäftigt sich mit dem Roman „Menschen im Hotel“ von Vicki Baum und seinen unterschiedlichen Adaptionen. Réka Gulyás informiert über die fünf Verfilmungen des Romans „Hotel Imperial“ von Lajos Bíró. Michael Girke richtet seinen Blick auf Pensionen und Absteigen, sein Filmbeispiel ist DER VULKAN von Ottokar Runze. Thomas Brandlmeier entdeckt Raumfluchten und Zeitfluchten in den Filmen L’ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD und ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN. Evelyn Hampicke beschreibt Roben und Garderoben in Hotelfilmen der NS-Zeit. Von Detlef Kannapin stammt ein Beitrag über „verdichtete Räume und soziale Beziehungen“ in den wenigen Hotel-Filmen der DEFA. Hans J. Wulff erinnert an Hotelszenarien im westdeutschen Schlagerfilm. Kathrin Fahlenbach reflektiert über die Metaphorik von Hotels u.a. im Horrorfilm. Jan Distelmeyer sieht Hotels als Transiträume in den Filmen von Wes Anderson. Sven Weidner schreibt über das Hotel als Bühne in Rainer Werner Fassbinders WARNUNG VOR EINER HEILIGEN NUTTE. Und Tobias Haupts hat Mitleid mit den einsamen Menschen im Hotel in neuen deutschen Filmen. Das Niveau der Texte ist, wie immer, durchgehend sehr hoch, das Thema des letzten Kongresses war besonders spannend. In einem Jahr werden wir lesen können, was in den nächsten Tagen in Hamburg referiert wurde. Mehr zum Buch: WAohgSiJbV4

Transnationale Medienlandschaften

2016-transnationale-medienlandschaften17 Beiträge enthält der Sammel-band in der Reihe „Neue Per-spektiven der Medienästhetik“. Eine Einführung der Heraus-geber Ivo Ritzer und Harald Steinweder gibt die Richtung vor. Man muss natürlich nicht die Reihenfolge einhalten. Der letzte Text – von Dominik Graf – setzt schon mal Maßstäbe, er handelt von Aldo Lados Giallo-Trilogie aus den 1970er Jahren, ist provokant im Tonfall, sehr persönlich im Blick auf die internationale Filmproduktion und wunderbar konkret („Destinazione München, Innsbruck, Prag, Venedig: der letzte Kinozug in die Nacht“). Um auf eine abstraktere Ebene zu gelangen, liest man dann vielleicht den ersten Text von Ivo Ritzer „Epistomologische Herausforderungen einer Kulturtheorie des World Cinema“, der sich mit der Studie „Kritik der schwarzen Vernunft“ von Achille Mbene auseinandersetzt. Sehr handfest geht es in Lisa Andergassens Beitrag über Franz Antels Wirtinnen-Reihe als hybride Grenzüberschreitung zu („Schnell, ins Bett!“). Jan Distelmeyer beschäftigt sich mit „Karl May, (Inter-)Nationalismus und den europäischen Koproduktionen der CCC“, ergänzt von einem Interview mit Artur Brauner, das Harald Steinwender und Alexander Zahlten geführt haben. Von ihnen stammt auch das aufschlussreiche Gespräch mit Hanns Eckelkamp („Mit dem Atlas um die Welt“). Mehrfach geht es um Italien, zum Beispiel bei Harald Steinwender (über die deutsch-italienischen Koproduktionen der 1960er und 70er Jahre) und bei Peter Scheinpflug („Yellow: A Neo-Gallio: Die Renaissance des italienischen Genrefilms als transnationales Kunstkino“). Ein Kapitel deutscher Filmgeschichte erzählt Sano Cestnik in seinem Text „Evidenz und Uneindeutigkeit“: über Asien als Chiffre in den Produktionen der Rapid-Film von Wolf C. Hartwig. Spannend sind auch die Beiträge von Sven Safarow über den FU-MAN-CHU-Zyklus von Harry Alan Towers („Die ‚gelbe Gefahr’ in den Fängen der Popkultur’) und von Tim Slagman über die Raumstruktur des extremen französischen Horrorkinos („Blutige Grenzen, globale Mythen“). Interessanter Lesestoff zur internationalen Filmgeschichte. Mehr zum Buch: book/9783658126841