Audrey Hepburn

Demnächst (am 4. Mai) ist ihr 90. Geburtstag zu feiern. Es gibt viele Bücher über sie, zum Beispiel die Biografie von Donald Spoto (A.H. – Ein Leben, Frankfurt 2010), die Erinnerungen ihres Sohnes Sean Hepburn Ferrer (A.H. – Melancholie und Grazie, Berlin 2007), den Bildband bei Schirmer/Mosel (A.H -Portraits einer Ikone, 2015). Sie starb vor 26 Jahren. Bei ebersbach & simon ist jetzt eine Hommage von Daniela Sannwald erschienen, die auf beeindruckende Weise Audrey Hepburn präsent macht. In acht Kapiteln werden ihr Leben und ihre Arbeit beschrieben, beginnend mit der Kindheit in Belgien, Holland und England, früh getrennt von ihrem Vater. Die Ausbildung zur Tänzerin war eine wichtige Station. Für ihre Kleidung war immer wieder der Modeschöpfer Hubert de Givenchy verantwortlich, dessen Kreationen Daniela wunderbar zu beschreiben weiß. Ein spezielles Kapitel: Audrey und die Männer – der englische Unternehmersohn James Hanson, der Schauspieler William Holden, der erste Ehemann Mel Ferrer, der zweite Ehemann Andrea Dotti, die Schauspieler Ben Gazzara und Robert Wolders. In einem Kapitel wird an ihre Rollenbilder erinnert, in einem weiteren an die Bedeutung der Stadt Paris für ihr Leben. Am Ende war sie als UNICEF-Botschafterin unterwegs. Das letzte Kapitel trägt die Überschrift „Stilikone und Königin der Herzen“. Der Anhang enthält biografische Daten, eine Liste ihrer Filme, Fernsehrollen und Bühnenauftritte. Die jeweils ganzseitigen Abbildungen haben eine gute Qualität. Das kleine Buch ist ein sehr schönes Geschenk zum 90. Geburtstag. Mehr zum Buch: audrey-hepburn-eine-hommage

Kino in Kolumbien

Eine Dissertation, die an der Universität Tübingen entstanden ist. Anne Burkhardt untersucht darin den „innerkolumbianischen Konflikt im Film zwischen Gewaltdiskurs und (trans-)nationaler Identität“. Das Kino in Argentinien, Brasilien, Mexiko oder Kuba gilt als wesentlich intensiver erforscht als das Kino in Kolumbien. Seit 16 Jahren gibt es dort eine staatliche Filmförderung, die für einen Aufschwung der Produktion und für eine internationale Wahrnehmung kolumbiani-scher Filme gesorgt hat. Die Autorin informiert zunächst über die Entwicklung des kolumbianischen Films, über Forschungsstand und Quellenlage. Sie hat hervorragend recherchiert; davon zeugen die insgesamt 2.069 Quellenverweise. Kernstück ihrer Untersuchung sind 17 sehr konkret formulierte Filmanalysen aus vier Phasen des kolumbianischen Films von 1959 bis zur Gegenwart. Das Thema „Violencia“ steht dabei im Mittelpunkt. Zu den analysierten Filmen gehören u.a. EL RÍO DE LAS TUMBAS (1964) von Julio Luzardo, AQUILEO VENGANZA (1968) von Ciro Durán, CANAGUARO (1981) von dem emigrierten chilenischen Regisseur Dunav Kuzmanich, CÓNDORES NO ENTIERRAN TODOS LOS DÍAS (1984) von Francisco Norden, LA VENDEDORA DE ROSAS (1998) von Víctor Gaviria und LA SIRGA (2012) von William Vega. Insgesamt: eine beeindruckende Publikation. Auf Abbildungen wurde verzichtet. Das Coverfoto stammt aus dem Film LA SIRGA. Mehr zum Buch: kino-in-kolumbien/

Filmjahr 2018/19

Den Filmdienst gibt es seit Januar 2018 leider nicht mehr in Printform, aber den Rückblick auf das vergangene Jahr kann man weiterhin in der bewährten Buchform erwerben, publiziert im Schüren Verlag, redaktionell betreut von Jörg Gerle, Felicitas Kleiner, Josef Lederle und Marius Nobach. Die Struktur hat sich ein bisschen verändert. Das Lexikon der Filme beginnt auf Seite 201, hundert Seiten später als früher. Es gibt zunächst den bewährten Rückblick auf das Kinojahr 2018, Fotos und Texte zu den 20 besten Kinofilmen und zehn bemerkenswerten Serien 2018, kurze Beiträge zu den Themen „Filmbranche und Politik“, „Themen und Motive“, „Fokus Filmgeschichte“, sieben Interviews mit deutschen FilmemacherInnen (u.a. mit Andreas Dresen, Werner Herzog und Margarethe von Trotta), acht Porträts und Interviews aus der internationalen Kinoszene (u.a. Spike Lee, Terry Gilliam und Agnes Varda) und sieben Nachrufe (u.a. auf Bertolucci, Forman, Robby Müller und Claude Lanzmann). Das Lexikon ist dann rund 140 Seiten kürzer als im Vorjahr. Aber das beschädigt nicht die Substanz. Im Anhang findet man auf 20 Seiten die wichtigsten Preise. Ich bin sehr erfreut, dass das „Lexikon des internationalen Films“ auf diesem Niveau fortgesetzt wird. Mit kleinen Abbildungen in relativ guter Qualität. Coverfoto: FIRST MAN. Mehr zum Buch: lexikon-des-internationalen-films.html

Frohe Ostern!

Es gibt Tage, da kann man auch mal einen Film anschauen, der nichts mit Kunst und viel mit Nostalgie zu tun hat. Zum Beispiel SCHWARZWÄLDER KIRSCH, einen Heimatfilm aus dem Jahr 1958, also mehr als 60 Jahre alt. Regie führte damals Géza von Bolváry, das Drehbuch stammte von Gustav Kampendonk und hinter der Kamera stand Georg Bruckbauer. Der berühmte Komponist Peter Benrath (Dietmar Schönherr) und sein Textdichter Freddy Weller (Boy Gobert) reisen zur Einweihung eines Denkmals in den Schwarzwald. Die Sängerin Angela Westmann (Marianne Hold) ist mit ihrer Freundin Jette (Edith Hancke) den beiden auf den Fersen. Vor Ort kommt es zu zahlreichen Verwechslungen, die manchmal ziemlich albern sind, aber die Landschaftsaufnahmen gleichen das zwischendurch aus. In Nebenrollen sind Willy Fritsch, Helen Vita, Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller zu sehen. Die Musik stammt von Lothar Olias, sie spielt eine wichtige Rolle. Eine DVD des Films ist jetzt bei den „Filmjuwelen“ erschienen. Mit einem Booklet von Roland Mörchen. Mehr zur DVD: 1-1-catcorr . Frohe Ostern!

ALLES IST GUT (2018)

Kann alles gut sein, wenn eine junge Frau von einem Mann, den sie gerade kennengelernt hat, vergewaltigt wird? Sie erzählt niemandem etwas davon, auch ihrem Freund nicht, der sowieso am meisten an sich selbst interessiert ist. Die junge Frau tritt einen neuen Job als Lektorin an – und ihr Vergewaltiger ist plötzlich ein Kollege, der Schwager ihres Chefs. Das macht die Situation kompliziert. ALLES IST GUT, der Debütfilm von Eva Trobisch, ist ein Psychodrama, das seine Story gegen viele Klischees erzählt und dramaturgisch immer wieder überrascht. Wie lange kann ein Mensch sich selbst belügen? Und was passiert, wenn jemand am Ende einer emotionalen Sackgasse ankommt? Das ist beeindruckend gezeigt und hervorragend von Aenne Schwarz gespielt. Bei EuroVideo ist jetzt die DVD des Films erschienen, den ich mit großem Interesse im Kino gesehen habe. Mehr zur DVD: alles-ist-gut,tv-kino-film.html

Die Wissenschaft schlägt zurück

Dr. Andreas Müller (*1973) ist Astro-physiker und Kinoliebhaber. Er gehört seit 2018 zur Chefredaktion der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“. Sein Forschungsschwerpunkt sind Schwarze Löcher. 25 Kinofilme aus dem Science-Fiction-Bereich werden von ihm in diesem Buch einem Faktencheck unterzogen, wohl wissend, dass die Fantasie im Kino eigentlich keine Grenzen kennt. Zu jedem Film gibt es einen längeren Text und drei Bewertungen auf einer Fünf-Punkte-Skala: nach Unterhal-tungswert, nach Schockwirkung auf das Publikum („Auweia-Faktor“) und nach Wissenschaftlichkeit („Science-Faktor“). Die am höchsten bewerteten Filme sind THE MARTIAN (2015) von Ridley Scott (zwölf Punkte), GRAVITY (2013) von Alfonso Cuarón, STAR TREK: THE NEXT GENERATION (1987-1994) von Gene Roddenberry und CONTACT (1997) von Robert Zemeckis (jeweils elf Punkte). Schlecht bewertet sind INDEPENDENCE DAY (1996) von Roland Emmerich (fünf Punkte), RAUMPATROUILLE – DIE PHANTASTISCHEN ABENTEUER DES RAUMSCHIFFS ORION (1966) von Theo Mezger und Michael Braun, THE WAR OF THE WORLD (2005) von Steven Spielberg und DEEP IMPACT (1998) von Mimi Leder (jeweils sechs Punkte). Auch Stanley Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY (1968) schneidet mit sieben Punkten nicht gut ab. „Kubricks Werk ist das, was die meisten Filme des Genres nicht sind: Kopfkino.“ Müllers Text ist auch für Nichtwissenschaftler verständlich, enthält viele Informationen, klingt in den Kommentaren und Bewertungen manchmal salopp. Wenige Abbildungen aus den Filmen, mehr aus dem Bereich der Wissenschaft. Erschienen im Verlag Komplett-Media. Mehr zum Buch: 112757.html

Cutting Edge!

Der Band dokumentiert die Beiträge zu einer Film- und Vortragsreihe, die 2016 im Black-Box-Kino im Film-museum Düsseldorf stattge-funden hat. Es geht um „Aktuelle Positionen der Filmmontage“. Die elf Texte beschäftigen sich entweder mit einem einzelnen Film oder mit einem übergreifen-den Thema. Der Herausgeber Martin Doll legt in seiner Einleitung die Basis. Bei Ulrich Meurer geht es um die Parallelmontagen von THE BIRTH OF A NATION von David  W. Griffith. Petra Löffler richtet ihren Blick auf die „Molekulare Montage“ von LEVIATHAN von Lucien Castaing-Taylor und Véréna Paravel. Julia Bee äußert sich zur Montage im dokumentarischen Film am Beispiel von FOREIGN PARTS von Véréna Paravel und J. P. Sniadecki. Johannes Pause analysiert die Gegenschüsse in vier One-Actor-Movies. Daniel Eschkötter untersucht den Ton im Film REVISION von Philip Scheffner. Martin Doll beschreibt die Distanzmontage in der zweiten Staffel von BREAKING BAD. Cecilia Valenti erinnert an Harun Farockis Film EIN TAG IM LEBEN DER ENDVERBRAUCHER und die italienische Fernsehsendung BLOB. Bei Sven Seibel geht es um Montage und kollaboratives Filmemachen am Beispiel des Dokumentarfilms LES SAUTEURS. Malte Hagener reflektiert über den Splitscreen bei Brian De Palma, Jan Distelmeyer über Desktop-Filme. Es handelt sich zumeist um Texte mit hohem wissenschaftlichen Anspruch, der die Lektüre anstrengend macht. Mit Abbildungen in sehr guter Qualität. Mehr zum Buch: cuttingedge.html

Der dokumentarische Film und die Wissenschaften

In zehn sehr lesenswerten Beiträgen werden Überlegungen zum Erkenntnisgewinn der Wissenschaften durch den Dokumentarfilm angestellt, beginnend mit dem umfang-reichsten Text (50 Seiten) von Carsten Heinze über das Ver-hältnis von Siegfried Kracauer zum „Tatsachenfilm“. Der Historiker Arthur Schlegelmilch äußert sich zur Beziehung des Dokumentarfilms zur Ge-schichtswissenschaft. Der Medienwissenschaftler Thomas Weber differenziert die heutigen Perspektiven auf den dokumentari-schen Film. Der Filmpublizist Kay Hoffmann schlägt einen Bogen vom „Direct Cinema“ zum politischen Video-Aktivismus. Der Literaturwis-senschaftler Christian Hißnauer sieht die Entwicklung des Fernseh-dokumentarismus von der „Stuttgarter Schule“ bis heute als Geschichte eines hörbaren Verlustes. Die Medienwissenschaftlerin Robin Curtis beschäftigt sich mit der historischen Verortung autobiografischer Dokumentarfilme. Die Filmemacherin Andrea Figl betrachtet die „Webdoku“ als interaktive Erzählung. Der Soziologe Frank Hillebrandt äußert sich zu den dokumentarischen Filmen über Woodstock. Bei der Soziologin Franka Schäfer geht es um das empirische Potential des Films THE CHICAGO 10 für eine Geschichte der Gegenwart der Yippie!-Proteste. Andreas Valley und Anja-Brigitte Lucke richten ihren Blick auf die Darstellung der Vergangenheit in dem Film BERLIN – AUGUSTSTRASSE (1979) von Günter Jordan. Ausgangsbasis für die Publikation war eine Tagung an der FernUniversität Hagen im Mai 2016. Mit einigen Abbildungen in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: product=26893133

Der Kameramann Jost Vacano

Eine Dissertation, die an der Universität Marburg entstanden ist. Bernd Giesemann unter-sucht visuelle Konzepte und Strategien der Kameraarbeit von Jost Vacano, der prägend für viele national und international bekannte Regisseure gearbeitet hat. Der Autor erfüllt alle wis-senschaftlichen Ansprüche und erzählt in konkreten Bildana-lysen die Entwicklung der Kameraarbeit von Vacano (*1934 in Osnabrück). Seine Filmbeispiele sind der Doku-mentarfilm MOSKAU 57 (1957, „Subjektive Bilder der autonomen Handkamera“) und der Spielfilm SCHONZEIT FÜR FÜCHSE (1966, „Die Suche nach einer neuen Ästhetik des deutschen Films“) von Peter Schamoni), die Fernsehspiele ALMA MATER (1969) von Rolf Hädrich, DER PEDELL (1971) von Eberhard Itzenplitz u DIE DEUTSCHSTUNDE (1971) von Peter Beauvais („Vacano und das Fernsehspiel der 60er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland“), MORD IN FRANKFURT von Rolf Hädrich (1968, „Formen einer neuen Bildlichkeit“), der Kino- und mehrteilige Fernsehfilm DAS BOOT von Wolfgang Petersen (1981, „Das Mitsein der Kamera“), die beiden Filme TOTAL RECALL (1990, „Modifikation und Kontinuität“) und STARSHIP TROOPERS (1997, „Bildarbeit im digitalisierten Kino“) von Paul Verhoeven. Die Bildbeschreibungen des Autors sind hervorragend, wir haben es mit einem beispielhaften Buch über die Kameraarbeit zu tun. Mit einem würdigenden Vorwort von Karl Prümm, der das Promotionsprojekt betreut hat. Mehr zum Buch: jost-vacano.html

GESCHICHTEN VOM KÜBELKIND (1969/70)

Es sind 24 bizarre Geschichten, die hier von Edgar Reitz und Ula Stöckl erzählt werden. Sie dauern zwischen einer und 25 Minuten, die Gesamtlänge summiert sich auf 224 Minuten. Gedreht wurde 1969/70 auf 16mm, die ersten Vorführungen fanden im April 1971 im Münchner „Rational-theater“ statt, das spät abends zur Kinokneipe umgebaut wurde, man konnte sich einzelne Episoden von der Menükarte bestellen. Das Kübelkind in rotem Kleid, roten Strümpfen und roten Schuhen wurde von Kristine de Loup gespielt, Alf Brustellin war d’Artagnan und „ein guter Mensch“, Werner Herzog ein Hurenmörder, Hans Sukopp Al Capone. Die Serie wirkt wie ein Genremix: Slapstick, Gangsterfilm, Musical, Vampir-Film, Western, Mantel-und-Degen-Film. Es gibt viele Reminiszenzen an die Filmgeschichte, jede Episode hat einen Titel, zum Beispiel „Kübelsyndrom“, „Kübelkind lernt ein Scheißspiel“, „Niedrig gilt das Geld auf dieser Erde“ oder „Kübelkind hat einen guten Menschen zum Fressen gern“. Die digital restaurierte Serie wurde im vergangenen Jahr bei der Berlinale gezeigt und ist jetzt bei Arthaus/Studio Canal als DVD erschienen. Zum Bonusmaterial gehört die Dokumentation DER FILM VERLÄSST DAS KINO von Robert Fischer (90 min.). Mehr zur DVD: Kuebelkind.html oder kuebelkind-special_edition