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Abschied vom gedruckten „Filmdienst“

Heute ist die letzte gedruckte Ausgabe des Filmdienstes erschienen, nach siebzig Jahren ist Schluss. Das vor-liegende Heft ist aus gegebe-nem Anlass ein besonderes. 26 Autorinnen und Autoren verabschieden sich mit einem persönlichen Text unter der Kafka variierenden Über-schrift „Im Kino gewesen. Geschrieben“. Da liest man wunderbare, zum Teil sehr persönliche Reminiszenzen von Wilfried Reichart an Kino und Heimkino, Michael Ranze an Vincente Minnellis THE BAND WAGON, Ulrich Kriest an Straub-Huillet, Franz Everschor an Filmmusik, Ralf Schenk an das Kino in seiner Kindheit auf dem Dorf, Rainer Gansera an den Filmkritiker Gunter Groll, Alexandra Wach an das Filmmuseum in Amsterdam, Esther Buss an Texte von Maria Lang, Jörg Gerle an den Nachspann oder Claus Löser an das Kino seines Großvaters in Hilbersdorf. Die zwanzig Zeichnungen auf dem Titel (TAXI DRIVER) und im Heft stammen von Wolfgang Diemer. Daniel Kothenschulte macht sich Gedanken darüber, warum das Kino in Vincent van Gogh verliebt ist. Felicitas Kleiner rezensiert Blu-ray und DVD von Peter Bogdanovichs THE LAST PICTURE SHOW und gibt der neuen STAR WARS-Episode vier Sterne. Man blättert und liest, freut sich und ist doch traurig, dass dies die letzte Ausgabe sein soll, die man in der Hand hält. „Fürchtet Euch nicht! Große Veränderungen stehen kurz bevor!“ heißt es auf der letzten Umschlagseite. Ja, den Filmdienst gibt es künftig „online“. Und wer eine gedruckte Filmzeitschrift bevorzugt, möge doch epd film abonnieren. Aber das tue ich bereits seit 34 Jahren. Also bedanke ich mich bei Horst Peter Koll, dem scheidenden Chefredakteur der Zeitschrift, für die tolle Arbeit, die er geleistet hat, und lasse es offen, ob und wie oft ich künftig filmdienst.de aufrufen werde.

Im vergangenen Februar habe ich während der Berlinale eine Laudatio auf den Filmdienst gehalten, der damals mit einem „Caligari Filmpreis“ ausgezeichnet wurde. Hier kann man den Text lesen: siebzig-jahre-filmdienst/ 

Film Stadt Berlin (Weihnachtsgeschenk 7)

„Film Stadt Berlin“ heißt eine DVD-Reihe von Icestorm, in der bekannte und weniger bekannte Filme, meist von der DEFA produziert, mit Geschichten über Menschen in dieser Stadt zu er-werben sind. Nr. 1: EINE BERLINER ROMANZE (1956) von Gerhard Klein. Uschi (Annekathrin Bürger in ihrer ersten Rolle) lernt den Beruf der Ver-käuferin im HO-Warenhaus am Alexanderplatz, Hans (Ulrich Thein) arbeitet zunächst als Autowäscher und dann in einem Abbruchunternehmen in Westberlin. Ihre Liebesgeschichte könnte nach vielen Hindernissen glücklich enden, aber das bleibt offen. Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase. Schwarzweiß, viele komische Momente, nah an der Wirklichkeit.

Nr. 2: LEICHENSACHE ZERNIK (1971) von Helmut Nitzschke. Ein Kriminalfilm, der die Zerrissenheit der Viersektorenstadt Berlin im Jahr 1948 thematisiert. Hauptfigur ist der junge Kriminalanwärter Kramm (gespielt von Alexander Lang), der zusammen mit Kriminalrat Stübner (Kurt Böwe) und Oberrat Kleinert (Norbert Christian) einen Frauenmörder verfolgt. Mit her-vorragenden Darstellerinnen (Anne-mone Haase, Lissy Tempelhof, Käthe Reichel, Agnes Kraus) in diversen Nebenrollen. Ursprünglich sollte Gerhard Klein Regie führen, der aber nach zehn Drehtagen verstarb. Am Drehbuch und seiner Realisierung war Wolfgang Kohlhaase beteiligt. Schwarzweiß, spannend.

Nr. 3: HEUTE ABEND UND MORGEN FRÜH (1979) und MOTIVSUCHE (1989) von Dietmar Hochmuth. HEUTE ABEND… ist sein Diplomfilm an der Moskauer Filmhochschule, dauert 50 Minuten und zeigt Momente im Leben einer Zahnärztin (Christine Schorn) am Freitagabend am Alexanderplatz und am Samstagmorgen zu Hause mit ihrem Mann (Rolf Hoppe) , während der Sohn in der Schule ist. Schwarzweiß, authen-tisch. MOTIVSUCHE erzählt von den Schwierigkeiten eines Dokumentarfilm-regisseurs, der endlich einen Spielfilm drehen will und dabei scheitert, weil seine Protagonisten sich mit ihm und untereinander zerstreiten. Gedreht kurz vor dem Mauerfall.

Nr. 4: FRÜHLING IN BERLIN (1957) von Arthur Maria Rabenalt. Ein Flug von Wien nach Kopenhagen muss wegen schlechten Wetters in Berlin unterbrochen werden. Die meisten Passagiere sind darüber sauer, aber der erzwungene Aufenthalt klärt auch einige Konflikte. Nach zwei Tagen treffen sie sich in besserer Stimmung in Tempelhof wieder. Eine Kurt Ulrich-Produktion mit prominenten Darstel-lern: Walter Giller, Sonja Ziemann, Gardy Granass, Gerhard Riemann, Dietmar Schönherr. Wunderbar: Martha Eggerth als Sängerin, Wolf-gang Neuss als Bankräuber, Wolfgang Völz als Zeitungsverkäufer. Ein Werbefilm für die Stadt aus westlicher Perspektive.

Nr. 5: GESCHICHTEN JENER NACHT (1966/67). Vier Episoden aus der Nacht vor Beginn des Mauerbaus, vom 12. zum 13. August 1961. In PHÖNIX von Karlheinz Carpentier entschließt sich ein Kampfgruppenkommandant (Hans Hardt-Hardtloff), zu einem jungen Genossen großzügig zu sein. In DIE PRÜFUNG von Ulrich Thein entschei-det sich ein 18jähriges Mädchen (Jenny Gröllmann), nicht in den Westen zu gehen. In MATERNA von Frank Vogel steht ein Maurer (Ulrich Thein) mit Gewehr Posten. In DER GROSSE UND DER KLEINE WILLI von Gerhard Klein ändert der kleine W (Jaecki Schwarz) seine Meinung zu Gunsten der DDR und des großen W (Erwin Geschonneck). Wirkt heute alles etwas propagandistisch.

Nr. 6: DÄMMERUNG – OSTBERLI-NER BOHÈME DER 50ER JAHRE (1993) und THEATERARBEIT – DAS BERLINER ENSEMBLE IM 25. JAHR (1975) sind zwei Dokumentarfilme von Peter Voigt. Er hat in beiden Fällen umfangreiches Archivmaterial ausge-wertet. Der Blick zurück in die 50er Jahre wird begleitet von persönlichen Erinnerungen, u.a. kommen Rolf Ludwig, Hans-Dieter Knaup, Stefan Lisewski, Ekkehard Schall und Werner Stötzer zu Wort.  THEATERARBEIT zeigt Ausschnitte aus Proben und Vorstellungen, ergänzt durch Interviews. Christian Lehmann war Kameramann bei beiden Filmen.

Nr. 7: DER FACKELTRÄGER (1957) von Johannes Knittel sollte eine Satire zur Situation der Justiz in Westberlin sein, galt aber schon damals als nicht gelungen, wurde zwei Jahre unter Ver-schluss gehalten und nur in der DDR-Provinz gezeigt. Ein Gerichtsfilm, in dem es nicht um Gerechtigkeit, sondern um Karriere geht. Der Oberstaatsan-walt Dr. Sänger (dargestellt von Her-mann Kiessner) wird am Ende trotz Misserfolgs an den Bundesgerichtshof berufen. In einer Nebenrolle ist Ruth-Maria Kubitschek zu sehen. Drehbuchautor war der Strafverteidiger Friedrich Karl Kaul. Unter den hier versammelten Filmen der schwächste.

Die DVDs sind ein schönes Geschenk für alle, die sich für Berliner Geschichte(n) interessieren. Mehr zu den DVDs: filmstadt-berlin-vorteilspaket.html 

„Texte zum Film“ von Maria Lang

Im September hat Ute Aurand im Zeughauskino eine Werkschau mit Filmen von Maria Lang gezeigt und ein Buch mit Texten von ihr ediert. Maria Lang hat von 1980 bis 1985 an der dffb studiert, ihr Abschlussfilm war ZÄRTLICHKEITEN. 1991 ist sie in ihren Heimatort Zusmars-hausen zurückgekehrt, um dort ihre pflegebedürftige Mutter zu betreuen. 2014 ist sie aus dem Leben geschieden. In ihren Texten beschäftigt sie sich mit Gertrude Stein und Hannah Arendt, mit Filmen von Frauen und über Frauen, mit der Ulmer Hochschule für Gestaltung und der dffb, mit ihren Gedanken, Gefühlen und Hoffnungen. Einige Texte sind Vorträge oder Filmeinführungen. Sie sind nicht chronologisch geordnet, sondern klug montiert und bekommen dadurch einen eigenen, assoziativen Fluss. Die Lektüre macht nachdenklich, zwischendurch traurig, aber am Ende doch auch glücklich. Denn es ist ein Buch, das einen im Inneren bewegt, weil der Tonfall der Texte reflexiv, zärtlich und sensibel ist. Mit einem Vorwort von Ute Aurand. Mehr zu Maria Lang, zur Filmreihe und zum Buch: taz.de/!5447079/ . Das Buch bestellen kann man bei der Herausgeberin: uteaurand.de/kontakt.php. Es kostet 15 €.

Der Himmel über Westberlin

Er war ein sensibler Zahnarzt, in seiner Praxis am Lehniner Platz hingen beeindruckende Kunstwerke, zu seinen Patien-ten gehörten Schriftsteller, Maler und Regisseure, in seinen Praxisgästebüchern haben sich viele von ihnen verewigt. Jetzt hat Anatol Gotfryd (*1930) seine Autobiografie veröffentlicht. Sein Erinnerungsvermögen ist bewundernswert, beginnend mit seiner Kindheit in dem kleinen ostgalizischen Städtchen Jablonow, in das 1939 die Rote Armee einmarschierte und zwei Jahre später die deutschen Soldaten. Über sein Leben zwischen 1942 und 1945 hat Gotfryd ein eigenes Buch geschrieben, „Der Himmel in den Pfützen“ (2005). Jetzt steht die Zeit ab 1958 im Mittelpunkt, als er mit seiner Frau Danka nach Westberlin kam, zunächst in einer Klinik arbeitete und im Oktober 1962 die Praxis am Kurfürstendamm eröffnete. Ohne Eitelkeit erzählt er von seinen vielen prominenten Patienten, zu denen die Künstler Johannes Grützke, K. H. Hödicke, Markus Lüpertz und Heinz Otterson, die Künstlerinnen Maria Lassnig und Rebecca Horn, die Schriftsteller Günter Grass, Heiner Müller und George Tabori, die Regisseure Peter Stein und Peter Zadek, der Architekt Werner Düttmann und der Boxer Bubi Scholz gehörten. Seine Praxis ist nur einer der vielen Schauplätze, die Stadt Berlin insgesamt ist vor allem mit kulturellen Erlebnissen präsent und zwischendurch wird auch verreist. Eine schöne Geschichte ist seine Vermittlung zwischen drei seiner Patienten bei der Planung der künftigen „Schaubühne am Lehniner Platz“ 1981, zwischen dem Kultursenator Dieter Sauberzweig, dem Theaterdirektor Jürgen Schitthelm und dem Architekten Jürgen Sawade, die sich am Ende über Preisvorstellungen und Gebäudegestaltung einigen konnten. Meine Frau Antje war längere Zeit Patientin bei ihm, ich nur ein Jahr, dann ging er leider in den Ruhestand. Mehr zum Buch: der-himmel-ueber-westberlin.html

Marlene Dietrich

2016.Marlene DietrichBei diesem Buch von Katja Kulin (*1974) über das Leben von Marlene Dietrich handelt es sich um eine „Romanbiografie“. Das gibt der Autorin die Mög-lichkeit, wichtige Momente und Situationen fiktional zu konkre-tisieren, Dialoge zu erfinden, die authentisch klingen und beim Lesen Emotionen auslösen. Kulin konzentriert sich in ihrem Text auf die Zeit von 1928 bis 1945. Die Zeit davor und danach, von 1901 (Geburt) bis 1992 (Tod), wird mit fragmenta-rischen Informationen ver-mittelt. „Von Kopf bis Fuß auf Leben eingestellt“ heißt der Untertitel. Der Blick richtet sich auf die berufliche Karriere, die mit dem BLAUEN ENGEL (1930) des Regisseurs Josef von Sternberg ihren ersten Höhepunkt erreicht, in Hollywood zu einem Auf und Ab bei verschiedenen Studios führt und Marlene nach dem Kriegseintritt der USA zu einem Star in der Truppenbetreuung macht, und auf das Privatleben, in dem berühmte Männer und Frauen als Liebhaber/innen, die Tochter Maria, die Kinderbetreuerinnen, der formale Ehemann Rudi Sieber und dessen Geliebte Tami, Kochen, Reisen und der Wechsel von der deutschen zur amerikanischen Staatsbürgerschaft die wichtigsten Elemente sind. Marlene-Fans wissen von ihrer Nähe zu Josef von Sternberg, John Gilbert (der quasi in ihren Armen stirbt), Douglas Fairbanks, Erich Maria Remarque, Ernest Hemingway, James Stewart und vor allem Jean Gabin, zu Mercedes de Acosta und Marion Barbara Carstairs, genannt „Joe“. Sie alle sind in der Romanbiografie präsent. Beeindruckend beschrieben sind die Dreharbeiten zu dem Western DESTRY RIDES AGAIN (1939) unter der Regie von George Marshall, mit James Stewart als Partner. Inspirationen hat sich die Autorin vor allem aus den beiden Dietrich-Büchern „Ich bin, Gott sei Dank, Berlinerin“ und „Nachtgedanken“, aus Maria Rivas Autobiografie „Meine Mutter Marlene“, aus dem Briefwechsel mit Remarque und aus den Biografien von Steven Bach und Donald Spoto geholt. Zitate sind kursiv gedruckt, aber sie dominieren nicht. Und natürlich gibt es auch einen peinlichen Fehler: In einem Absatz über ihre Gastfreundschaft in der Emigrantenkolonie von Hollywood steht der Satz: „Der Schauspieler Fritz Lang liebt ihr Gulasch.“ (S. 124). Mehr zum Buch: c-28/p-7072/

Frauen und Film

2016-frauen-und-film-67Zwei neue Hefte der Zeitschrift Frauen und Film sind kürzlich erschienen: Nr. 67 zum Thema Migration und Nr. 68 zum Thema Aufbruch. Die Zeit-schrift wurde 1974 von Helke Sander in Berlin gegründet und wechselte 1983 nach Frankfurt am Main. Sie ist inzwischen theoretischer geworden, aber es gibt auch in den neuen Heften sehr unterschiedlich konzipierte Beiträge. Das Heft über Migra-tion hat Nanna Heidenreich redaktionell betreut. Ich nenne einige Beiträge, die mir besonders gut gefallen haben. Zum Beispiel Eva Hohenbergers Essay über Harun Farockis Installation AUFSTELLUNG und ihr kritischer Kommentar zur Definition „politische Kunst“ von Jacques Rancière; das Gespräch zwischen Brigitta Kuster und Angela Melitopoulos über Film und Migration („Denkt euch doch selbst was aus!“); der kulturanthropologische Kommentar von Barbara Wolbert zu Aysun Bademsoys Dokumentarfilm AM RANDE DER STÄDTE; das Interview von Toby Ashraf mit der dffb-Absolventin Sema Poyraz („Macht bloß keine Filme über Migranten“); der Nachruf von Sabine Schöbel auf Vera Chytilowá. Sehr berührt hat mich der Nachruf von Karola Gramann und Heide Schlüpmann auf Rosi S.M. und der Hinweis von Uta Aurand auf den Tod von Maria Lang. Beide kannte ich aus meiner Zeit an der dffb.

Fuf68Cover.inddDas Heft „Aufbruch“ über Regisseurinnen der 60er Jahre dokumentiert die Beiträge zu einer Veranstaltungsreihe, die im Herbst 2015 im Zeughaus-kino stattgefunden hat. Die Redaktion lag bei Borjana Gakovic und Sabine Schöbel. Beeindruckend: die rund zwanzig Essays über die Filme von Vera Chytilová, Nelly Kaplan, Paule Delsol, Agnès Varda, Marguerite Duras, Judi Elek, Márta Mészáros, Ula Stöckl, Mai Zetterling, Nadine Trintignant, Kira Muratova, Muriel Box, Anna Gobi, Lina Wertmüller, Liliana Cavani und Helma Sanders-Brahms. Was für eine kreative Vielfalt, die hier gewürdigt wird! Sabine Schöbel unternimmt in ihrem Einleitungstext eine Kontextualisierung der Film- und Veranstaltungsreihe, Heide Schlüpmann erinnert an die Regisseurinnen der 60er in Frauen und Film der 70er. Es gibt Interviews mit einigen Regisseurinnen, ein Gespräch mit Erika Gregor über Larissa Schepitko, einen Auszug aus der Autobiografie von Lina Wertmüller und den Nachdruck eines Textes von Nelly Kaplan, der schon im Heft 1 von Frauen und Film abgedruckt war: „Die Geschichte unserer Verrücktheiten machen wir!“. Auf dem Coverfoto sehen wir die Regisseurin Paule Delsol und ihre Hauptdarstellerin Jacqueline Vandal bei den Dreharbeiten zu LA DÉRIVE. Mehr zu den Heften: de/buecher_F_726_1/ + de/buecher_F_683_1/

Sechs Filme zum Jubiläum der Murnau-Stiftung

2016-dvd-box-murnau-stiftungSeit fünfzig Jahren gibt es die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden. Sie ist für die Pflege und Auswertung des deutschen Filmerbes der frühen Jahrzehnte zuständig, in Einzelfällen bis in die 1960er Jahre, dazu gehören rund 2.000 Stummfilme und 1.000 Tonfilme. Zum Jubiläum ist bei „Studio-Hamburg-Enterprises“ eine Box mit sechs Filmen aus fünf Jahrzehnten erschienen, die unbedingt zu empfehlen ist. Mit ZAPATAS BANDE (1914) von Urban Gad und ALS ICH TOT WAR (1916) von Ernst Lubitsch sind zwei Filme dabei, die lange als verschollen galten, der Lubitsch-Film sogar in einer Farbfassung. Im beigefügten Booklet widmet Heide Schlüpmann den beiden Filmen zwei sachkundige Texte. ASPHALT (1929), ein später Tonfilm von Joe May, war in verschiedenen Retrospektive zu sehen. Er erzählt die Liebesgeschichte eines Polizisten (Gustav Fröhlich) und einer Juwelendiebin (Betty Amann), die mit einem Autocrash beginnt. Gedreht im Studio in Babelsberg. Der informative Text im Booklet stammt von der SPIO-Geschäftsführerin Christiane von Wahlert. VIKTOR UND VIKTORIA (1933), ein früher Tonfilm von Reinhold Schünzel, ist eine musikalische Komödie zum Thema Geschlechtertausch mit Renate Müller, Hermann Thimig und Adolf Wohlbrück. Rainer Rother hat darüber einen lesenswerten Text geschrieben. Das Melodram ROMANZE IN MOLL (1943) stammt von Helmut Käutner. Die Hauptrollen spielen Marianne Hoppe, Ferdinand Marian und Paul Dahlke. Von Christian Petzold stammt der sehr zugeneigte Text im Booklet. Und schließlich: MADELEINE UND DER LEGIONÄR (1958) von Wolfgang Staudte, ein eher unbekannter Film mit Hildegard Knef, Bernhard Wicki und Hannes Messemer, der die Genres Melodram und Abenteuerfilm verknüpft. Text: SPIO-Präsident Alfred Holighaus. Alle sechs Filme wurden aufwändig restauriert und digitalisiert. Ein schönes Jubiläumsgeschenk der Murnau-Stiftung. Mehr zur DVD-Box: de/node/5061

Die Welt von „Game of Thrones“

2016-welt-game-of-thronesAus kulturwissenschaftlicher Perspektive werden in 23 Bei-trägen der Fantasy-Zyklus „A Song of Ice and Fire“ (ASOIAF) von George R. R. Martin – es gibt seit 1996 bislang fünf Romane – und die Fernsehserie GAME OF THRONES (GOT) von HBO – es gibt seit 2011 bislang sechs Staffeln, die siebte befindet sich in Produktion – in den Blick genommen. In den Texten des Bandes geht es um Familien-Politik und dynastische Fragen, Kulturgeographie und Geo-politik, Religion und Mythen, Gender-Diskurse und soziale Fragen, Ethik, Moral und Politik, Medienreflexion, Rätsel und Mystifikation, Träume und Prophezeiungen und am Ende um Transmedialität. Die Autorinnen und Autoren kommen aus den Bereichen Germanistik, Mittelalterforschung, Kulturanthropologie, Game Studies, Englische Kulturwissenschaft, Komparatistik, Theologie, Filmwissenschaft und Musikwissenschaft. Ich weise auf acht Beiträge hin, die sich speziell mit GOT beschäftigen: Mario Grzelji (München) behandelt die Alteritätsdiskurse in GOT. Hans Richard Brittnacher beschäftigt sich mit Utopien des Hybriden. Felix Schröder untersucht weibliche Figuren in GOT-Computerspielen, Franziska Ascher das GOT-Narrativ und seinen Wechsel ins Medium Computerspiel. Christian Weng informiert über Techniken und Funktionen von Filmmusik am Beispiel von GOT. Maria Kutscherow vergleicht die Darstellung von Kindheit und Jugend in ASOIAF und GOT. Der Filmwissenschaftler Simon Spiegel richtet den Blick auf Sexszenen in GOT und anderen Serien. Tobias Unterhuber analysiert subkulturelle Reaktionen auf den Medien- und Publikumswechsel von ASOIAF zu GOT. Vor allem für Fans der Serie ist dies interessanter Lesestoff. Mehr zum Buch: die-welt-von-game-of-thrones

Regionale Kinogeschichte: Saarland

2016-narratologie-des-kinobesuchsEine Dissertation, die an der Universität Trier entstanden ist. 15 Personen, zwölf Frauen und drei Männer, aus der Region um St. Wendel, einer Kreisstadt im heutigen Nordsaarland, hat Susanne Haake über ihre Kinoerinnerungen aus den 1930er bis 50er Jahren intensiv befragt. Die Antworten wurden transkribiert und sind in längeren Zitaten einzelnen Bereichen der Untersuchung zugeordnet. Ein einleitendes Kapitel informiert über „Kino und Erinnerung im Fokus der interdisziplinären Forschung“. Ein weiteres Kapitel problematisiert „Das narrative Interview als Erhebungsinstrument von Kinoerinnerung“. Die narratologische Untersuchung der Kinogeschichten unterteilt sich dann in filmisch-biografische Narrative, Geschichten, die im Kino spielen, Geschichten auf dem Weg ins Kino und filmische Adaptionen in der Alltagswelt. Festzustellen ist eine Inselhaftigkeit der Kinoerinnerung. Dabei spielen die Zeit, der Umgang mit dem fehlenden Bild und die Verzahnungen im Raum-Zeit-Kontinuum eine große Rolle. Was sich hier eher abstrakt anhört, wird im Text sehr konkret, wenn Erinnerungen an spezielle Filme zu lesen sind. Dazu gehören u.a. die deutschen Filme SA-MANN BRANDT und HITLERJUNGE QUEX (beide 1933), FÄHRMANN MARIA (1936), JUD SÜSS (1940), …REITET FÜR DEUTSCHLAND (1941) und DIE GOLDENE STADT (1942), die amerikanischen Filme BEN HUR (1925 und 1959), und IM WESTEN NICHTS NEUES (1930), der englische Film DER DRITTE MANN (1949) und die französischen Filme MAMA KOLIBRI (1937) und DER ABTRÜNNIGE (1954). Mit Abbildungen. Band 3 der Buchreihe „Cadrage“, die von Ursula von Keitz herausgegeben wird. Mehr zum Buch: t-0/1039517/

DER APFEL IST AB (1948)

2016.DVD.Apfel ist abDie alte Geschichte von Adam und Eva, neu erzählt von Helmut Käutner, nach Motiven einer musikalischen Komödie aus dem Jahr 1936. Käutners zweiter Nach-kriegsfilm – nach dem Episodenfilm IN JENEN TAGEN – ist pures Kabarett. Es gibt einen realen Ausgangspunkt: die Direktionsetage des Apfelsaftfabrikanten Adam Schmidt in München kurz nach Kriegsende. Schmidt wird von zwei Frauen (seiner Ehefrau Lilith und seiner Freundin Eva) geliebt und kann sich nicht zwischen ihnen entscheiden. Er beschließt, sich das Leben zu nehmen, aber der Sprung von einer Brücke und der Versuch, sich zu erhängen, misslingen. So landet er zusammen mit seinem Dackel Männe in einem Sanatorium. Hier beginnt, architektonisch und im Spiel der Protagonisten, endgültig die Kunstwelt. Die Behandlung des Patienten Schmidt durch den Psychiater Professor Petri endet schnell, weil er verbotenerweise in einen Apfel gebissen hat. Aber die letzte Straßenbahn ist weg, und so verbringt Adam Schmidt die Nacht im Wartesaal des Sanatoriums. Im Traum kommt er zunächst in den Himmel zu Petrus und Luzifer, wo gerade Eva erschaffen wird, dann mit Eva ins Paradies, in die Hölle und wieder ins Paradies, wo aus der Schlange die Verführerin Lilith wird, und schließlich mit einer Mischung aus Eva und Lilith auf die Erde. Dann wacht Adam auf, geht zur Straßenbahn und trifft Lilith-Eva an der Haltestelle. Sie fahren mit der Bahn in die Stadt. Ende. Das alles ist kabarettistisch, also sehr pointiert gespielt von Bobby Todd (Adam), Joana Maria Gorvin (Lilith), Bettina Moissi (Eva), Helmut Käutner (Petri/Petrus), Arno Assmann (Luzifer). Die Kameraführung von Igor Oberberg wirkt elegant und ist insofern dem Sujet angemessen. Beeindruckend sind die Bauten vor allem der Traumsequenzen. Sie stammen von Wolfgang Znamenacek. Und für die Spezial-Effekte war der unvergessene Theo Nischwitz verantwortlich. Der Film ist jetzt erstmals bei den Filmjuwelen als DVD erschienen. Das Booklet von Roland Mörchen ist sehr lesenswert. Mehr zur DVD: Filmjuwelen/dp/B01AMU3LRQ