6 Treffer für Ihre Suche nach Margarete Wach

Cinema 63: Zukunft

Das Schwerpunktthema des Schweizer Filmjahrbuchs ist diesmal „Zukunft“. Acht Essays sind ihm gewidmet. Simon Spiegel denkt darüber nach, warum fiktionale Science-Fiction-Filme fast ausschließ-lich eine dystopische Zukunft entwerfen, während positive Utopien mehr in Dokumentar- und Propagandafilmen gezeigt werden. Stella Castelli analy-siert die Filme HER von Spike Jonze und THE STEPFORD WIVES von Frank Oz und stellt fest, dass die Kommunikation zwischen Menschen und künstlichen Intelligenzen vor allem an emotionalen und körperlichen Differenzen scheitert. Rebecca Boguska untersucht die Wirkung einer pornografi-schen Virtuality-Installation. Margarete Wach beschäftigt sich mit Sci-Fi-Visionen im Kino Osteuropas. Bei Maren Kiessling geht es um das Potenzial von Fulldome-Filmen (360°-Kino). David Grob richtet seinen Blick auf die HBO-Serie WESTWORLD, in der die Besucher eines Vergnügungsparks auf humanoide Roboter treffen. Monique Schwitter vermittelt ihre Erfahrungen mit „schlüpfrigen“ Virtual-Reality-Filmen. Denis Newiak beschäftigt sich mit der Geschichte des Mars-Films und den erkennbaren Veränderungen. Henriette Bornkamm, Kristina Köhler und Marian Petraitit haben ein interessantes Gespräch über Herausforderungen und Möglichkeiten neuer Technologien mit dem Medienwissenschaftler William Uricchio geführt. Eine Bildstrecke dokumentiert biomechanische Zukunftsvisionen von HR Giger. Im CH-Fenster geht es in zwei Beiträgen um die Zukunft des Archivierens. Der „Filmbrief“ kommt in diesem Jahr aus Schanghai. In der „Sélection Cinema“ werden wieder 34 Schweizer Filme der Saison 2016/17 vorgestellt. Wie in jedem Januar: ein lesenswertes Jahrbuch. Mehr zum Buch: titel/568-zukunft.html

Nouvelle Vague Polonaise?

2015.Nouvelle Vague PAusgangspunkt dieser Publikation war ein Symposium im Rahmen des Festivals „goEast“ im April 2014. Die Heraus-geberin Margarete Wach ist eine Expertin für den osteuropäischen Film, hat eine beeindruckende Dissertation über Krzysztof Kieslowśki geschrieben (2014 erschien bei Schüren eine überarbeitete und ergänzte Fassung), kommt aus der „Mainzer Schule“ und öffnet uns den Blick für die speziellen Qualitäten des polnischen Kinos in den 1960er Jahren. 15 Textbeiträge versammelt der Band, sie sind alle mit zahlreichen Abbildungen in erstaunlicher Qualität gefüllt. Ich greife zehn Beiträge heraus, die mir besonders gefallen haben: Tadeusz Lubelski schreibt über „Drei Phasen der polnischen ‚Neuen Welle’“ und stellt dabei die Regisseure Tadeusz Konwicki, Jerzy Skolimowski und Krzysztof Zanussi in den Mittelpunkt. Bei Małgorzata Fidelis geht es um „Die polnische Jugend an der Schwelle der Long Sixties“, bei David Crowley um Pop im osteuropäischen Film. Ralf Schenk unternimmt eine „unvollständige Annäherung“ an die Neuen Wellen im osteuropäischen Kino und in der DDR 1960-1968. Joachim Paech analysiert Jerzy Skolimowskis polnische Filme. Elżbieta Ostrowska erinnert an „Männlichkeitsdilemmata in den frühen Filmen von Polanski, Skolimowski, Żuławski und Królikiewicz“. Ewa Mazierska referiert über „Wanderer-Figuren in den Filmen der polnischen Neuen Welle“. Marcus Stiglegger entdeckt „Bilder des Grausamen bei Żuławski und Królikiewicz“. Schamma Schahadat untersucht die Filme DAS MESSER IM WASSER von Polanski und BESONDERE KENNZEICHEN: KEINE von Skolimowski. Margarete Wach würdigt den Filmessay als Gattung der Neuen Welle(n) mit beispielhaften Hinweisen auf Alexander Kluge, Krzysztof Zanussi und Dušan Makavejev. Natürlich ist auch der Einleitungsessay der Herausgeberin („Cineastischer Ost-West-Divan“) unbedingt lesenswert. Coverfoto aus dem Film WALKOVER von Jerzy Skolimowski. Mehr zum Buch: polonaise.html

Die alte Tante ist noch munter…

Text für den Filmdienst  (mehr …)

Unterwegs zum Nachbarn

2015.Unterwegs NachbarnDie deutsch-polnischen Filmbeziehungen waren und sind vielfältig und teilweise kompliziert. Das Buch, herausgegeben von Brigitte Braun, Adrzej Debski und Andrzej Gwózdz, basiert auf einer internationalen Konferenz, die 2011 in Wroclaw stattgefunden hat. 23 Textbeiträge sind dokumentiert. Ich nenne zehn Texte, die mir besonders gefallen haben: Andrzej Debski referiert über Stereotypen des „Nachbarn jenseits der Oder“ im deutschen und polnischen Gegenwartskino. Margarete Wach schreibt über Filmemacher aus Polen und Deutschland „unterwegs zum Nachbarn“ vor dem Hintergrund kinematografischer Europäisierungsprozesse vor und nach der Wende. Konrad Klejsa erinnert an die Zusammenarbeit von Artur Brauner, Jan Fethke und Fritz Lang in DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE (1960). Ralf Schenk erzählt die Entstehungs-geschichte des deutsch-polnischen Gemeinschaftsfilms SIGNALE – EIN WELTRAUMABENTEUER (1970) von Gottfried Kolditz. Bei Andrzej Gwózdz geht es um die gute Nachbarschaft in Stanislaw Lenartowicz’ OPETANIE und Egon Günthers DIE SCHLÜSSEL. Ulrich Tempel vergleicht die Darstellung des September 1939 in den Filmen DER FALL GLEIWITZ (1961) von Gerhard Klein und LOTNA (1959) von Andrzej Wajda. Michaela S. Ast untersucht die Darstellung von Flucht und Vertreibung im bundesdeutschen Spielfilm der 1950er Jahre und heute. Larson Powell thematisiert nationale Gedächtnisbilder im polnischen und ostdeutschen Film der 1970er Jahre am Beispiel von Andrzej Wajda und Rainer Simon. Magdalena Saryusz-Wolska dokumentiert die Rezeption von Andrzej Wajdas Film DAS MASSAKER VON KATYN (2007). Bernadetta Matuszak-Loose referiert über Nationalhistoriographie im deutschen und polnischen Kino vor und nach 1989. Aber auch andere, zum Teil sehr spezielle Texte sind interessant. Band 23 der Schriftenreihe „Filmgeschichte International“, die von Uli Jung herausgegeben wird. Coverfoto: LICHTER von Hans-Christian Schmid. Mehr zum Buch: www.wvttrier.de/ (und dann den Titel suchen).

Von Ödipus zu Eichmann

2015.ÖdipusDie Tagung, auf die sich diese Publikation bezieht, fand im Sommer 2010 in Graz statt. Allerdings sind noch Beiträge hinzuge-kommen, die damals nicht vorgetragen wurden. Es geht um eine existentielle Grundfrage menschlicher Gesellschaften: die strukturellen und kulturellen Entstehungs-bedingungen von Gewalt. 24 Texte sind zu bewältigen. In einigen spielt der Film keine oder nur eine untergeordnete Rolle, die lasse ich hier außer Betracht. Sehr präsent sind Pier Paolo Pasolini (mit seinem letzten Interview, retrospektiven Notizen zu seinem Werk und zwei Kommentaren zu seinem Film EDIPO RE) und Michael Haneke (mit einem Interview, einem umfänglichen Essay von Margarete Wach zu den audiovisuellen Strategien in seinen Filmen und vier Beiträgen zu DAS WEISSE BAND). Zweimal werden Filme von Robert Bresson und Jean-Luc Godard untersucht. Besonders gut gefallen haben mir Reinhold Zwicks Bemerkungen zu AU HASARD BALTHASAR von Bresson, Andrea Kreisls Beobachtungen zu den Verschränkungen von Männergewalt und Frauengewalt in Tarantinos KILL BILL und Peter Hasenbergs Analyse der mimetischen Rivalitäten in Shakespeares „Macbeth“ und den Verfilmungen von Orson Welles, Akira Kurosawa und Roman Polanski. Band 22 der Reihe „Film und Theologie“, herausgegeben von Dietmar Regensburger und Christian Wessely. Mehr zum Buch: von-oedipus-zu-eichmann.html

DEKALOG von Krzysztof Kieślowski

Bild 1Als bekennender Christ ist der polnische Filmemacher Krzysztof Kieślowski (1941-1996) nicht in Erscheinung getreten, aber als eines seiner Hauptwerke gilt die „Verfilmung“ der Zehn Gebote. Unter dem Titel DEKALOG hat er sie in den Jahren 1987/88 als Fernsehzyklus realisiert, mit finanzieller Unterstützung des damaligen SFB. Gesendet wurden die zehn jeweils knapp 60 Minuten langen Filme in den Dritten Programmen der ARD. Jetzt sind sie bei Absolut Medien als DVD-Box erschienen. Natürlich handelt es sich nicht um eine „Verfilmung“ der Zehn Gebote. Sie dienen dem Regisseur als Versuchsanordnung, als Ausgangspunkt für zehn extreme Schicksalsgeschichten. Schauplatz aller Episoden ist eine Hochhaussiedlung in Warschau, jede Geschichte beginnt in einer Wohnung und endet dort auch. Die Schauplätze zwischendurch sind weit verstreut: ein Bahnhof, ein Krankenhaus, ein Flughafen, ein zugefrorener See, ein Ort in den Bergen, eine Brücke, ein Gerichtssaal. Zehn Geschichten, zum Teil sehr pessimistisch im Grundton. Der Wissenschaftler Krzystof verliert seinen Sohn, weil er die Stärke des Eises falsch berechnet hat, auf dem der Junge seine neuen Schlittschuhe ausprobieren will. Krzystof hat dem Computer mehr geglaubt als dem lieben Gott. – Die Violinistin Dorota ist schwanger von ihrem Geliebten, ihr Ehemann Andrzej ist krebskrank. Sie will das Kind abtreiben lassen, wenn Andrzej überlebt. Der Chefarzt diagnostiziert den Tod des Mannes, sie treibt nicht ab, der Mann überlebt. – Der Taxifahrer Janusz feiert mit seiner Familie den Heiligen Abend. Das Fest wird gestört, als seine ehemalige Geliebte Eva ihn bittet, ihr bei der Suche nach ihrem verschwundenen Mann zu helfen. In Wahrheit will Eva Janusz zurückgewinnen. Der kehrt aber zu seiner Familie zurück. – Die Schauspielschülerin Anka konfrontiert ihren Vater mit einem geheimnisvollen Brief ihrer verstorbenen Mutter. Darin steht, dass er nicht ihr leiblicher Vater sei. Die nächtliche Aussprache ist dramatisch. Am Morgen gesteht Anka, dass sie den Brief gefälscht habe. – Der Jurist Piotr muss in seinem ersten Prozess den Mörder Jacek pflichtverteidigen. Er erkennt in einem letzten Gespräch die unheilvollen Verstrickungen des Angeklagten. Der wird zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung ist grausam. – Der junge Postangestellte Tomek beobachtet durchs Fernrohr die attraktive Nachbarin Magda, verliebt sich in sie und wird von ihr, die keine Liebe, sondern nur sexuelle Lust kennt, in den Suicid getrieben. Tomek überlebt, aber er hat für Magda nur noch Verachtung übrig. – Die 21jährige Maika hat mit 16 ein Kind geboren, das von Maikas Mutter als Kind einer anderen Frau angemeldet wurde. Sie will ihr Kind zurück, entführt es, leistet aber am Ende Verzicht. – Die Ethikprofessorin Zofia arbeitet mit der jüdischen Wissenschaftlerin Elzbieta aus den USA zusammen und erfährt, dass sie sich 1943 geweigert hat, die damals sechsjährige Elzbieta vor den Nazis zu verstecken. Die Aussprache wird schwierig. – Der Chirurg Roman erfährt, dass er impotent sein wird. Er findet einen Lebenskompromiss mit seiner Frau Hanka, der jedoch durch deren Beziehung zu einem Physikstudenten in Gefahr gerät. Roman unternimmt einen Selbstmordversuch. – Der Streit um die Erbschaft einer wertvollen Briefmarkensammlung vereint die beiden Brüder Jerzy und Artur, entzweit sie aber endgültig, als die Sammlung gestohlen wird und Jerzy und Artur sich gegenseitig verdächtigen. – Die Episoden wurden von unterschiedlichen Kameraleuten aufgenommen. Aus zwei Episoden wurden lange Spielflme entwickelt (EIN KURZER FILM ÜBER DAS TÖTEN / EIN KURZER FILM ÜBER DIE LIEBE). Das Booklet zur DVD-Box wurde redaktionell von Rainer Niehoff betreut. Zur DVD-Box gehört der Dokumentarfilm STILL ALIVE von Freunden und Mitarbeitern Kieslowśkis und ein 40-Minuten-Fernsehgespräch aus dem Jahr 1989. Mehr zur DVD-Box: Dekalog++%286+DVD%29

Das Buch über Kieślowski

2014.KieslowskiEs gibt mehrere Bücher über den polnischen Regisseur, das beste stammt von Margarete Wach. Es war die Dissertation der Autorin an der Gutenberg-Universität in Mainz, erschien 2001 in einer Zusammenarbeit des Kölner KIM Verlages mit dem Marburger Schüren Verlag in der „Edition film-dienst“ und liegt jetzt in einer zweiten, überarbeiteten Auflage vor. Die Autorin hat ihre Monografie um über hundert Seiten erweitert, der neue Untertitel „Zufall und Notwendigkeit“ verweist auf Bezüge zum episodischen Erzählkino, wie es in den letzten Jahrzehnten von Tom Tykwer, Jean-Pierre Jeunet oder Paul Thomas Anderson entwickelt wurde. In der Terminologie der Autorin heißt das: „So sind Zufallskombinationen und Zwangslagen für Kieslowśkis Poetik eines narrativen Netzwerks der offenen Lebenswege wie für sein ethisches Paradoxon einer indeterminierten Determiniertheit konstituierend.“ Hinzugekommen sind neue Erkenntnisse zur Farbästhetik, zur Rolle der Fotografie, zu den Analogien mit Filmen von Robert Altman und Michael Haneke. Auch die Wiederentdeckung von Kieslowśkis frühem Film Zdjęcie / DAS FOTO (1968) hat den Interpretationshorizont vergrößert. Schier atemberaubend ist der Umgang mit Fotos, mit Standfotos, Screenshots und Sequenzen-Stills, die den Analysen eine zusätzliche Beweiskraft geben. Das Buch ist Pflichtlektüre für Anhänger des Autorenkinos. Coverfoto: Kieslowśki auf dem Set von DREI FARBEN: WEISS. Mehr zum Buch: 172–krzysztof-kieslowski.html