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Werner Schroeter

In der österreichischen Buch-reihe „Filmmuseum/ Synema Publikationen“, die ich beson-ders schätze, ist jetzt ein Band in englischer Sprache über den Regisseur Werner Schroeter (1945-2010) erschienen, her-ausgegeben von Roy Grund-mann. Die Beiträge stammen vorwiegend von einer Konfe-renz, die 2012 in Boston statt-gefunden hat. Mit einem beeindruckenden 50-Seiten-Essay „The Passions of Werner Schroeter“ eröffnet Grundmann das Buch. Gertrud Koch untersucht „Operatic and Filmic Gestures in Werner Schroeter’s Films“. Bei Caryl Flinn geht es um „Werner Schroeter’s Exotic Music and Margins“. Sieben sehr lesenswerte Texte konzentrieren sich auf einzelne Filme. Sie stammen von Marc Siegel (über DER TOD DER MARIA MALIBRAN), Michelle Langford (SALOME), Christine N. Brinckmann (WILLOW SPRINGS), Gerd Gemünden (die beiden Italienfilme NEL REGNO DI NAPOLI und PALERMO ODER WOLFSBURG), Fatima Naqvi (MALINA), Roy Grundmann (POUSSIÈRES D’AMOUR) und Edward Dimendberg (NUIT DE CHIEN). Christine N. Brinckmann und Roy Grundmann haben im Sommer 2016 ein sehr schönes Interview mit der Kamerafrau Elfi Mikesch geführt. Dokumentiert wird schließlich ein Gespräch von Michel Foucault und Werner Schroeter, das 1982 im Goethe-Institut Paris stattfand. Eine gut recherchierte Schroeter-Filmografie von Stefan Drößler und eine Auswahlbibliografie von Frankie Vanaria schließen den Band ab. Mit zahlreichen Abbildungen in guter Qualität. Das Coverfoto stammt aus den 70er Jahren. Mehr zum Buch: 1530003154837

DER PRIESTER UND DAS MÄDCHEN (1958)

Heimatfilm, Zölibatsmelodram, Dreiecksgeschichte. Die Haupt-figuren sind der neu in die klei-ne Stadt kommende Priester Walter Hartwig (Rudolf Prack), die nach einem Unfall gelähmte Adligentochter Eva von Gronau (Marianne Hold), ihr Verlobter Stefan von Steinegg (Rudolf Lenz), ihr Vater (Willy Birgel), Stefans Mutter (Winnie Markus). Ort der Handlung: Mariental. Walter bewirkt Positives bei Eva, die langsam wieder laufen lernt, und verliebt sich in sie. Stefan bekommt einen Diplomatenjob in Rom, kehrt aber nach Mariental zurück, als er von seiner Mutter über die Verbindung zwischen Walter und Eva informiert wird. Walter, von Zweifeln geplagt, beantragt beim Bischof seine Versetzung, verlässt Mariental und kehrt nur noch einmal zurück, um Eva und Stefan zu trauen. Man kann von einem prototypischen Fünfziger-Jahre-Film sprechen, den mit Gustav Ucicky ein Routinier inszeniert hat. Es gibt unfassbar klischeehafte Momente. Walter engagiert Eva als Leiterin des zuvor schrecklich klingenden Kinderchors und plötzlich können die Kinder singen. Eva wird ständig von Selbstzweifeln geplagt, Walter schwankt zwischen Zölibat und Liebe zu Eva, Stefan zwischen beruflicher Karriere und Verantwortung für seine Verlobte. Ewald Balser als Bischof sorgt schließlich für Ordnung. Die Musik von Franz Grothe verstärkt die Gefühlslagen, die Kamera von Günther Anders orientiert sich an den Gesichtern der Schauspieler/innen. Im Film-Echo hieß es damals: „Vorwiegend Frauen – die sogenannten reiferen versteht sich – dürften von diesem Film seelisch durchgeschüttelt und ordentlich ergriffen sein.“ Bei Filmjuwelen ist jetzt eine DVD erschienen. Mit einem informativen Booklet von Roland Mörchen. Mehr zur DVD: Der+Priester+und+das+Mädchen

Schauplatz Berlin

Zwölf Texte und ein sehr in-formatives Vorwort des Her-ausgebers Hans Richard Brittnacher geben ein vielfäl-tiges Bild der Darstellung Berlins in der Literatur und im Film in den letzten hundert Jahren. Sieben Beiträge haben mir besonders gut gefallen: Rolf-Peter Janz erinnert an Franz Hessel und das Flanieren in Berlin in den 1920er Jahren. Swati Acharya rekonstruiert eine Topografie der käuflichen Liebe im Berlin der Weimarer Republik. Nadja Israel vergleicht Ermittlung und Geständnis im Polizeifilm 1931 (M von Fritz Lang) und 2013 (Tatort GEGEN DEN KOPF von Stephan Wagner). Bei Matthias Bauer geht es um „Infragestellung und Selbstbehauptung weiblicher Autonomie bei Kriegsende“ (Marlene Dietrich, Hildegard Knef, Marianne Hoppe, Leni Riefenstahl). Susanne Scharnowski richtet ihren Blick auf „Affirmation und Kritik der Moderne im Berlin-Film der Nachkriegszeit“ (u.a. bei Will Tremper, Jürgen Böttcher, Wim Wenders). Heinz Bude & Karin Wieland beschäftigen sich speziell mit dem Film REDUPERS (1978) von Helke Sander. Auch Jenifer Pötzsche konzentriert sich auf einen Film: VICTORIA (2015) von Sebastian Schipper. Das Buch bereichert unsere Regale mit Berlin-Literatur. Band 11 der Reihe „Projektionen“. Coverabbildung: Ausschnitt aus dem Gemälde „Berliner Straßenszene“ von Nikolaus Braun (1921). Mehr zum Buch: W46Zvun-BW8

Schauplatz Frankfurt am Main: heute beginnt dort die Frankfurter Buchmesse. Es ist die 70. seit der Gründung 1949. Mindestens dreißigmal war ich vor Ort und bin durch die Hallen gewandert, die Erinnerungen sind positiv geprägt. Man sollte mal wieder hinfahren…

FÄHRMANN MARIA (1936)

Das Heide-Drama von Frank Wysbar mit Sybille Schmitz erzählt die Geschichte einer jungen Frau in vergangener Zeit an unbestimmtem Ort, die sich als Fährmann betätigt, einen verwundeten jungen Mann rettet, sich in ihn verliebt und ihn in einer waghalsigen Aktion vor dem Tod rettet, der als Person in Erscheinung tritt. Der von Franz Weihmayr wunderbar fotogra-fierte Film weckt Assoziationen an Fritz Langs DER MÜDE TOD und Murnaus NOSFERATU. Aribert Mog spielt den jungen Mann und Peter Voss den Tod. Herausragend ist Sybille Schmitz in der Titelrolle. In der Reihe „Kulleraugen“ ist jetzt ein Heft erschienen, das detailliert über die Produktionshintergründe des Films informiert und mit einer Fotoserie von Brigitte Tast die Stimmung des Films und die Landschaften, die dabei eine große Rolle spielen, in Erinnerung ruft. Die Premiere von FÄHRMANN MARIA fand am 7. Januar 1936 in den Hildesheimer „Bernward-Lichtspielen“ statt. Sybille Schmitz konnte daran nicht teilnehmen, weil sie erkrankt war. – In der Galerie für klassische und zeitgenössische Fotografie FOTHOYA in Hoya findet zurzeit die Ausstellung „Memories are made for this“ als Hommage an die Schauspielerinnen Sybille Schmitz und Rosel Zech statt. Mehr zum Heft: Kulleraugen+Fährmann+Maria

Filmblatt 64/65

Die Bilder und Texte in diesem Heft sind für mich mit vielen persönlichen Erinnerungen verbunden, denn es geht um 50 Jahre dffb, zehn Jahre, von 1969 bis 1979, war ich dort Studienleiter. Zwölf Texte sind dem Thema dffb gewidmet, beginnend mit einem Beitrag von Frederik Lang über Klaus Wildenhahn als Dozent von 1968 bis 1972 und die „therapeu-tische Wirkung“ der von ihm initiierten Wochenschaugruppe. Fabian Tietke hat die Hinter-gründe des Besuchs von Joris Ivens 1974 an der dffb recherchiert, dessen siebenstündige Diskussion mit den Studenten protokolliert wurde („Von Joris Ivens lernen“, dffb-info 33). Peter Nau, eine Zeit lang Dozent für Filmgeschichte, äußert sich in einem Gespräch über „Die Kunst des Schreibens, des Zuhörens und des Filmesehens“. Die Absolventin Irina Hoppe resümiert in einem Gespräch „Filmemachen konnt’ ich nicht“. Ute Aurand erinnert sich an ihr Studium und an die Filmemacherin Maria Lang. Fünf weitere Texte stammen von Frederik Lang; über die Filmtheorie bei Ulrich Gregor im ersten Studienjahr 1966, über die Arbeit von Jean-Marie Straub und Danièle Huiilet und ihre Präsenz in der dffb, über Hartmut Bitomsky, seinen Film DAS KINO UND DER WIND UND DIE PHOTOGRAPHIE und seine Lehre an der dffb, über studentische Arbeiten aus dem Dokumentarfilmseminar von Peter Nestler im Herbst 1990 und über neue Publikationen mit dffb-Bezug. Volker Pantenburg informiert über den Archivfund von zwei Filmen von Harun Farocki aus dem Jahr 1969. Lukas Foerster beschäftigt sich mit dem Film IM SCHNEELAND (1994) von Stephan Settele. Hannes Brühwiler richtet seinen Blick auf den Film ALLE ZEIT DER WELT (1997) von Matl Findel und andere kleine Berlinfilme der 1990er Jahre. Interessante Texte, zahlreiche Abbildungen, viele stammen von dem früheren Dozenten Helmut Herbst. Auf dem Coverfoto erkennt man hinter der Kamera Lilly Grote. Ein separater Text von Günter Agde ist den Dokumentarfilmen von Peter Pewas gewidmet. Am Ende, wie immer, interessante Buchbesprechungen. Mehr zum Heft: filmblatt-aktuell

Anton Corbijn

Er ist einer der großen Fotografen der Gegenwart und ein interessan-ter Filmemacher: Anton Corbijn (*1955). Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg widmet ihm zur Zeit eine Ausstellung, die noch bis 6. Januar 2019 zu sehen ist. Sie hat den Titel „The Living and the Dead“. Gezeigt werden 120 Fotografien, die zum Teil noch unveröffentlicht sind. Im Verlag Schirmer/Mosel ist gerade ein „Selbstportrait“ von Corbijn erschienen, das auf einem Gespräch mit der französischen Schriftstellerin Maria-Noel Rio basiert. Sehr reflektiert erzählt er von seinem Leben in Holland und in England, von seiner Affinität zur Musik und zur Fotografie, von den unterschiedlichsten Menschen, die ihm in seinem Leben begegnet sind, von seiner Filmarbeit (CONTROL, THE AMERICAN, A MOST WANTED MAN, LIFE), von den Inspirationen durch Andrej Tarkowskij und Jacques Tati, von der speziellen Kunst des Porträtierens und von visueller Poesie. Die 30 Seiten liest man wie im Flug und weiß am Ende deutlich mehr über das Denken und Fühlen dieses Künstlers. 23 Fotos und ein Lebenslauf sind angefügt. Ein kleines, wunderbares Buch. Mehr zur Ausstellung: antoncorbijn106.html Mehr zum Buch: nfohk2bfc92

Elfi, Rosa, Werner

Heute Abend wird in der Akademie der Künste am Pariser Platz die Ausstel-lung „Abfallprodukte der Liebe“ eröff-net. Sie widmet sich drei Kunstschaf-fenden, die eng miteinander befreundet waren: der Fotografin, Kamerafrau und Regisseurin Elfi Mikesch (*1940), dem Filmemacher Rosa von Praunheim (*1942) und dem Theater-, Opern- und Filmregisseur Werner Schroeter (1945-2010). Alle drei kommen aus der „Westberliner Subkultur“. Die fünf Ausstellungsräume der Akademie am Pariser Platz sind eindrucksvoll gestal-tet. Projektionen erinnern vor allem auch an frühe Filmarbeiten. Klangin-stallationen erzeugen eine sehr spezielle Atmosphäre. Man sollte sich zunächst einen Überblick über die Präsentation insgesamt verschaffen und sich dann, Raum für Raum, auf die Exponate in den Vitrinen, die Filmausschnitte an den Wänden und in den Kabinen, die Hörstationen und die Texte konzentrieren. Es gibt viele Entdeckungen zu machen, vor allem aus der Frühzeit im Werk von Elfi, Rosa und Werner. Ihm sind zwei Räume gewidmet, den einen haben Claudia Lenssen und Elfi konzipiert, hier begegnet man Magdalena Montezuma und Maria Callas, kann eine Klangcollage von Eberhard Kloke und Ausschnitte aus dem 70-Stunden-Interview von Claudia mit Werner hören. Einen zweiten Raum hat die französische Kostüm- und Bühnenbildnerin Alberte Barsacq gestaltet. Er überrascht durch die (mir) unbekannten Polaroid-Fotos von Werner in starker Vergrößerung. Auch in den zwei Holz-Kuben im Raum von Elfi gibt es viel zu entdecken: auf Fotos, in frühen Filmausschnitten und in Klängen. Zu sehen ist erstmals Material aus dem vor zwanzig Jahren projektierten Film L.A.TANGO. In Rosas Raum dominiert die Politik mit Zitaten an den Wände und dokumentarischen TV-Aufnahmen aus Talkshow, aber man kann dort auch Gedichte hören, Zeichnungen bewundern und sich in einem kleinen Mausoleum an seine weiblichen Stars erinnern. Eine schöne Ausstellung, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, die bis zum 12. August zu sehen ist. Mit einem reichhaltigen Veranstaltungs-programm. Mehr zur Ausstellung: Mikesch/praunheim/schroeter

Irving Penn

Im C/O Berlin ist zurzeit die Ausstellung „Centen-nial“ des „Jahrhundert-fotografen“ Irving Penn (1917-2009) zu sehen. Ich finde sie grandios. Auf zwei Etagen werden rund 240 Exponate gezeigt, elf Themen geben die Zeit- und Raumstruktur vor: „Lebenszeichen, 1939-47“ (Momente und Arrange-ments aus New York, Mexiko, Italien), „Existentielle Portraits, 1947-48“ (Prominente in einem jeweils speziellen, meist engen Raum, darunter Georgia O’Keeffe, Elsa Schiaparelli, George Grosz, Salvador Dali, Jerome Robbins, Igor Strawinsky, Le Corbusier, Alfred Hitchcock, Peter Ustinov, Truman Capote, Joe Louis, W. H. Auden, Spencer Tracy), „In Vogue, 1947-50“ (Titelgeschichten für die Zeitschrift), „Cuzco, 1948“ (Menschen in der peruanischen Stadt), „Aktaufnahmen 1949-50“ (eigenwillige Körperausschnitte), „Kleine Gewerbe, 1950-51“ (Menschen in London und New York mit Werkzeugen oder Gegenständen aus ihrem Arbeitsbereich), „Klassische Portraits, 1948-62“ (darunter T. S. Eliot, Marlene Dietrich, Jean Cocteau, Miró und seine Tochter, Richard Burton, Cecil Beaton, Audrey Hepburn, Yves Saint Laurent, Francis Bacon, Colette, Carson McCullers, Pablo Picasso), „Ethnographische Portraits, 1967-71“ (meist aufgenommen für Vogue in Neuguinea und Marokko), „Zigaretten, 1972“ (fotografiert in New York), „Zeitkapseln, 1960er Jahre-2007)“ (ungewöhnliche Portraits u.a. von Tom Wolfe, Truman Capote, Arthur Penn und Warren Beatty, Ingmar Bergman, Joan Didion, Zaha Hadid, Richard Avedon, Gianni Versace; Personen in exotischen Kostümen), „Stillleben, 1968-2007“. Es lohnt sich, die Ausstellungsräume mehrmals zu durchqueren. – Die erste Station der Ausstellung war im vergangenen Jahr das Metropolitan Museum of Art in New York. Der Katalog ist bei Schirmer/Mosel erschienen, herausgegeben von Maria Morris Hambourg und Jeff L. Rosenheim, mit Texten von Alexandra Dennett, Philippe Garner, Adam Kirsch, Harald E. L. Prins, Vasilios Zatse und dem Herausgeberteam. 365 Abbildungen in bester Qualität. Man kann sich stundenlang mit diesem Buch beschäftigen. Mehr zur Ausstellung: irving-penn-centennial-berlin . Mehr zum Buch: Penn_Centennial.pdf

Krieg und Liebe

Der Schriftsteller Erich Maria Remarque (1898-1970), der mit dem Roman „Im Westen nichts Neues“ 1929 sein international erfolgreichstes Buch publizierte, war dreimal verheiratet (zwei-mal mit derselben Frau) und hatte in seinem Leben viele Liebesbeziehungen und Affären, am bekanntesten ist wohl die Liaison mit Marlene Dietrich, die 1935 oder 36 in Venedig begann. Hans Boeters, im Hauptberuf Patentanwalt, thematisiert in seinem Roman „Krieg und Liebe“ das Verhältnis von Remarque zu den Frauen, beginnend mit den traumatisierenden Erfahrungen als Kind, dessen Mutter dem älteren Bruder Arthur mehr Liebe zukommen ließ; Arthur starb mit fünf Jahren. Die wichtigsten Lebensstationen von Remarque waren Osnabrück (sein Geburtsort), Hannover, Berlin und ab 1932 Porto Ronco im Tessin; längere Aufenthalte in Paris, New York und Los Angeles haben meist berufliche Gründe. Dem Autor standen für seine Recherchen viele Quellen zur Verfügung, vor allem konnte er aus Briefen und Tagebüchern zitieren, die inzwischen publiziert sind. Boeters fokussiert seinen eigenen Text auf entscheidende Begegnungen und Momente, die er erstaunlich präzise beschreibt. Eine wichtige Rolle spielen dabei Kleidung, Blicke, Körpersprache, Schauplätze, Atmosphäre, Alkohol, Zigaretten. Es gibt Momente, wo die Detailverliebtheit nervt, da kann man auch ein paar Seiten auslassen. Aus der Filmwelt sind nicht nur Marlene Dietrich und Remarques dritte Ehefrau, Paulette Goddard, präsent, sondern auch Hedy Lamarr, Greta Garbo, Gloria Swanson, Walther Ruttmann, Josef von Sternberg, Charles Chaplin und viele andere. Ohne Abbildungen, mit Zeittafel. Coverfoto: Remarque mit Paulette Goddard. Mehr zum Buch: krieg-und-liebe/

Abschied vom gedruckten „Filmdienst“

Heute ist die letzte gedruckte Ausgabe des Filmdienstes erschienen, nach siebzig Jahren ist Schluss. Das vor-liegende Heft ist aus gegebe-nem Anlass ein besonderes. 26 Autorinnen und Autoren verabschieden sich mit einem persönlichen Text unter der Kafka variierenden Über-schrift „Im Kino gewesen. Geschrieben“. Da liest man wunderbare, zum Teil sehr persönliche Reminiszenzen von Wilfried Reichart an Kino und Heimkino, Michael Ranze an Vincente Minnellis THE BAND WAGON, Ulrich Kriest an Straub-Huillet, Franz Everschor an Filmmusik, Ralf Schenk an das Kino in seiner Kindheit auf dem Dorf, Rainer Gansera an den Filmkritiker Gunter Groll, Alexandra Wach an das Filmmuseum in Amsterdam, Esther Buss an Texte von Maria Lang, Jörg Gerle an den Nachspann oder Claus Löser an das Kino seines Großvaters in Hilbersdorf. Die zwanzig Zeichnungen auf dem Titel (TAXI DRIVER) und im Heft stammen von Wolfgang Diemer. Daniel Kothenschulte macht sich Gedanken darüber, warum das Kino in Vincent van Gogh verliebt ist. Felicitas Kleiner rezensiert Blu-ray und DVD von Peter Bogdanovichs THE LAST PICTURE SHOW und gibt der neuen STAR WARS-Episode vier Sterne. Man blättert und liest, freut sich und ist doch traurig, dass dies die letzte Ausgabe sein soll, die man in der Hand hält. „Fürchtet Euch nicht! Große Veränderungen stehen kurz bevor!“ heißt es auf der letzten Umschlagseite. Ja, den Filmdienst gibt es künftig „online“. Und wer eine gedruckte Filmzeitschrift bevorzugt, möge doch epd film abonnieren. Aber das tue ich bereits seit 34 Jahren. Also bedanke ich mich bei Horst Peter Koll, dem scheidenden Chefredakteur der Zeitschrift, für die tolle Arbeit, die er geleistet hat, und lasse es offen, ob und wie oft ich künftig filmdienst.de aufrufen werde.

Im vergangenen Februar habe ich während der Berlinale eine Laudatio auf den Filmdienst gehalten, der damals mit einem „Caligari Filmpreis“ ausgezeichnet wurde. Hier kann man den Text lesen: siebzig-jahre-filmdienst/