Filmbuch-Rezensionen
Filmbuch des Monats
Dezember 2017

1. Friedemann Beyer
Die Ufa - ein Film-Universum
München, Morisel Verlag 2017
172 S., xx €
ISBN 978-3-943915-15-0
2. Peter Mänz, Rainer Rother, Klaudia Wick (Hg.)
Die Ufa. Geschichte einer Marke
Bielefeld, Kerber Verlag 2017
200 S.,
ISBN 978-3-7356-0412-7

Friedemann Beyer / Peter Mänz, Rainer Rother, Klaudia Wick (Hg.):
100 Jahre Ufa - Zwei Bücher

In diesem Monat kann man das hundertjährige Bestehen der Ufa feiern. Am 18. Dezember 1917 wurde in Berlin die „Universum Film AG“ gegründet. Sie hatte ihre besten Zeiten in der Weimarer Republik, aber sie besteht als „UFA Film- und Fernsehproduktion“ bis heute und investiert in die Zukunft. Im Museum für Film und Fernsehen gibt es eine Ausstellung über die Ufa zu sehen, im Deutschen Historischen Museum findet eine internationale Tagung statt, und es sind in den letzten Monaten verschiedene Bücher zum Thema Ufa erschienen. Zwei sind meine Bücher des Monats Dezember: Friedemann Beyers „Die Ufa – Ein Film-Universum“ und der Ausstellungskatalog „Die Ufa. Geschichte einer Marke“, den Peter Mänz, Rainer Rother und Klaudia Wick herausgegeben haben.

Das Buch von Friedemann Beyer fokussiert die Ufa auf die Zeit von 1917 bis 1945. Der Autor erinnert in seinem Text an die Entstehung der Produktionsfirma, ihre Erweiterung in die Bereiche Verleih und Kino, die Erfolge in der ersten Hälfte der 1920er Jahre, an die Umbrüche in der Ära Hugenberg, die technischen Veränderungen durch den Tonfilm, die Stars in den verschiedenen Genres, an den politischen Bruch 1933 und die ins Exil vertriebenen Künstler aller Bereiche, an die Verstaatlichung 1937, die Einwirkungen des Krieges, die ersten Farbfilmversuche und die letzten Produktionen der Jahre 1944/45. Faktische Hinweise auf die Zeit danach schließen den Text ab. Den drei Kapiteln, die natürlich auch Abbildungen enthalten, folgt jeweils ein umfangreicher spezieller Bildteil, der einzelne Filme in den Mittelpunkt stellt.

Die Überraschung des Bandes sind die zahlreichen bisher nicht bekannten Werkaufnahmen. Sie stammen vornehmlich aus Fotoalben oder Privatsammlungen, die Friedemann gezielt für diese Publikation erschlossen hat. Nicht das hinlänglich Bekannte ist zu sehen, sondern das weithin Unbekannte. „Mit Aufkommen der Kleinbildfotografie durch die Leica I (1927) häuften sich Momentaufnahmen, die ein lebendiges Bild der Menschen und Stimmungen in und außerhalb der Ufa-Ateliers vermitteln.“ (Beyer) Die Druckqualität ist sehr gut, das Querformat unterstützt die Wirkung der Fotos.

Die historische Ufa ist Friedemann Beyer bestens vertraut. Er hat im September die große Ufa-Retrospektive im Kino Babylon kuratiert und in den letzten Jahren die Bücher „Ufa in Farbe“ (2010) und „Die Gesichter der Ufa“ (2013) publiziert. Im morisel Verlag hat er inzwischen einen verlässlichen Partner gefunden.

Coverfoto: Lilian Harvey und Willy Fritsch in dem Film EINBRECHER (1930) von Hanns Schwarz.

Mehr zum Buch: ufa_bildband/index.html

Vor 25 Jahren fand im Deutschen Historischen Museum die Ausstellung „Die Ufa 1917-1945. Das deutsche Bilderimperium“ statt. Ihr Projektleiter war Rainer Rother. Den Katalog (22 Hefte in einer Kassette) hatte der Grafiker Volker Noth gestaltet, die Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek war eng. Im Zeughauskino wurden  Ufa-Filme in einer Retrospektive gezeigt.

Jetzt also: „Die Ufa – Geschichte einer Marke“; inzwischen ist Rainer Rother künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek. Die aktuelle Ausstellung zeigt Exponate, Plakate, Fotos und Filmausschnitte aus hundert Jahren in sieben Kapiteln, beginnend mit der Ufa-Gründung kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, endend mit einem Zeittunnel im „Volumetrischen Film“. In der großen Zeitschleife sind die Brüche und Zäsuren der Firmengeschichte deutlich markiert.

Der Katalog nimmt uns mit auf die Zeitreise. Drei Essays sorgen für Basisinformationen und die notwendige Orientierung. Rainer Rother erinnert die Ufa 1917 bis 1949 („… so mächtige Mittel …“). Jörg Schö-ning blickt zurück auf das Erbe der Ufa von 1949 bis 1969: Entflechtung, Neuverflechtung, Abwicklung („Ein Stück peinliche deutsche Wirt-schaftsgeschichte“). Klaudia Wick befasst sich mit dem Neuanfang unter dem Dach des Bertelsmann-Konzerns: Die UFA 1970 bis 2017 („Für alle Bedürfnisse des Fernsehmarktes“). Es sind drei faktenreiche, präzise formulierte Texte, die das Terrain beschreiben, in dem sich die Ausstellung thematisch bewegt.

Im zweiten Teil des Katalogs werden ausgewählte Exponate vorgestellt. Sie sind Namen (Ernst Lubitsch, Emil Jannings, Rudi Feld, Brigitte Helm, Zarah Leander, Dieter Hallervorden, Frank Beyer, Norbert Sauer, Heino Ferch, Claudia Michelsen), Filmen bzw. Fernsehsen-dungen (DIE NIBELUNGEN, DER WELTKRIEG, MANN FÜR MANN, POUR LE MÉRITE, MÜNCHHAUSEN, DAS TOTENSCHIFF, SCHWARZER KIES, DIE ZWEITE HAUT, DER KÖNIG UND SEIN NARR, DER SANDMANN, MOGADISCHU, VERLIEBT IN BERLIN, DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR, UNSERE MÜTTER, UNSERE VÄTER, DANNI LOWINSKI, GEORGE, DEUTSCHLAND 83, DINA FOXX) und Themen (Filme in Serie, Babelsberg 1925, Die Parufamet-Verträge, Früher Tonfilm, Die Ufa-Lehrschau, Das Trickatelier der Ufa, Zwangsarbeit, Das Ufa-Nachwuchsstudio, Traditionen nach 1956, Die späten 1950er Jahre, Bertelsmann, Das 50. Firmenjubiläum, Shows und Serien, Die Schachtelkinos, Historien-Mehrteiler, Crosspromotion, Grundy UFA, Das 75. Firmenjubiläum, „One UFA“, 100 Jahre Ufa, Soziale Medien und Online-Video, 360-Grad-Film, Volumetrischer Film) zugeordnet. Die Texte stammen von Rolf Aurich, Karin Herbst-Meßlinger, Peter Mänz, Rainer Rother, Annika Schaefer, Vera Thomas, Nils Warnecke, Maximilian Weinberg und Klaudia Wick. Zahlreiche Abbildungen in Schwarzweiß und Farbe machen die Texte konkret und anschaulich. Für die Redaktion des Katalogs war Karin Herbst-Meßlinger verantwortlich. Ihr gebührt ein großes Kompliment.

In Berlin ist die Ausstellung bis zum 22. April 2018 zu sehen. Anschließend geht sie vom 8. Juni bis 16. September 2018 ins Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung in München.

Coverfotos des Katalogs: Käthe von Nagy in dem Film EINMAL EINE GROSSE DAME SEIN (1934) von Gerhard Lamprecht (oben), Sofia Helin und Tom Schilling in dem Film DER GLEICHE HIMMEL (2017) von Oliver Hirschbiegel (unten).

Mehr zum Buch: de/die-ufa.html

Ein Standardwerk zur Geschichte der Ufa ist das Buch „Die Ufa-Story“ von Klaus Kreimeier. Es war mein Filmbuch des Jahres 1992 ( die-ufa-story/ ) und hat bis heute Bestand.