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05. Oktober 2022

Western

Man kann zwischen dem Western und der poetischen Lyrik eine eigenständige Verbindung herstellen, wenn man mit dem Genre vertraut ist und über das sprachliche Vermögen verfügt. Tim Trzaskalik transformiert 64 Western in Gedichte von unterschiedlicher Länge. Ein Schlüsselsatz heißt: „Was sagen revolverhelden im western / über dichter im heute / wenn letzterer aus ersterem / einen kugelschreiber macht?“ Der älteste in Gedichtform verwandelte Western stammt von Edwin S. Porter: THE GREAT TRAIN ROBBERY (1903), der jüngste von John Maclean: SLOW WEST (2015). Sergio Leone ist viermal dabei, Clint Eastwood, John Ford und Anthony Mann sind dreimal vertreten, Edward Dmytryk, Howard Hawks, Buster Keaton, Henry King, Sergio Leone und Quentin Tarantino zweimal. Das längste Gedicht ist THE MAN WHO SHOT LIBERTY VALENCE von John Ford gewidmet. Die Gedichte sind jeweils durch sieben Sterne getrennt. Ein Index am Ende informiert über die lyrisierten Western. Hier noch ein Zitat zu SHE WORE A YELLOW RIBBON: „Zur schonung der pferde / glaubt man bei der kavalerie mitunter / bei der infanterie zu sein. / Western können gemälde sein. / John Ford ein Maler / In natur. / Mit wolken, blitz und donner / am himmel im dämmerlicht. / Sich dabei schön in den haaren haben. / Für auferstehung und leben? / Wofür in die luft geschrieben wird. / und kautabak. / Denn es ist nun einmal so. / Und das muss ausbuchstabiert werden. / Ford: Ausbuchstabieren. / Ein zündholz an seine geschichte anlegen / = / western. / Aber auch das hilft nichts. / Nachdem es, sie & man abgebrannt sind. / Das heißt dann: los reiten / Ein gewehr und ein pferd. Das genügt. / Um seinen john wayne zu machen. / john wayne: Sein, was man nie war, / aber immer schon werden wollte. / Anti-poesie.“ Da fehlt mir leider Maureen O’Hara. Mehr zum Buch: matthes-seitz-berlin.de/buch/western.html?lid=3