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21. November 2012

Emil Jannings

Diese Biografie war überfällig, denn Jannings war einer der großen Darsteller des deutschen Films, spielte Hauptrollen in vielen Klassikern des deutschen Stummfilms, eine Hollywood-karriere scheiterte mit Beginn des Tonfilms, er schaffte dann mühelos den Übergang vom Weimarer Kino zum NS-Film, hatte eine Nähe zu Hitler und Goebbels, war aber vor allem eins: ein Schauspieler mit hohen Ansprüchen an sich selbst, seine Autoren, Regisseure und Mitspieler. Ja, er war wohl der erste deutsche Weltstar, gehörte in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre zu den Großen in Hollywood, erhielt als erster Schauspieler 1929 einen Oscar (die Statuette steht im Berliner Museum für Film und Fernsehen) und stellte sich in den 30er Jahren mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Naivität ins politische Zwielicht. Frank Noack (*1961), Filmpublizist in Berlin, hat das Leben von Jannings sorgfältig rekonstruiert, 773 Anmerkungen und Quellenverweise zeugen von einer intensiven Recherche. Stärken und auch Schwächen dieses Schauspielers werden an seinen wichtigsten Filmen herausgearbeitet. Das liest sich gut, vor allem wenn einem die vielen zitierten Personen und genannten Filme der Zeit vertraut sind, es kommt der Ambivalenz des Protagonisten sehr nahe und fordert so etwas wie eine späte Gerechtigkeit. Der Anhang enthält natürlich eine umfängliche Theatro- und Filmografie, Fotos in akzeptabler Qualität, aber kein Register. Das Titelbild gefällt mir, weil es gegen das Jannings-Klischee ausgewählt wurde. Mehr zum Buch: titel536.html. Heute Abend findet im Museum für Film und Fernsehen eine Präsentation des Buches statt.