Aktuelles
31. Dezember 2018

Abschiede

Am Ende eines Jahres ist an Menschen zu erinnern, die uns in diesem Jahr verlassen haben. Ich nenne hier sieben, denen ich mich beruflich oder privat besonders eng verbunden fühlte. Hilmar Hoffmann starb am 1. Juni in Frankfurt. Er wurde 92 Jahre alt. Zwanzig Jahre war er in Frankfurt für die Kulturpolitik zuständig, hat dort zuerst das Kommunale Kino und dann das Deutsche Filmmuseum initiiert, dessen Entwick-lung ich von Berlin aus mit Respekt (und Neid) beobachtet habe. Er hat interessante Bücher publiziert und war für mich immer ein anregender Gesprächspartner. (Hilmar+HoffmannH&cat=1 )

Eckhard Keßler (*1938) war mein ältester Freund, wir haben in Rottweil gemeinsam Abitur gemacht, er studierte anschließend Klassische Philologie, Philosophie und Germanistik, wurde zunächst Assistent und später Nachfolger von Ernesto Grassi als Professor für Philosophie der Renaissance an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. 1964 heiratete er Rose Goes, die Tochter des Schriftstellers Albrecht Goes. Das Paar wohnte viele Jahre in der Konradstraße in Schwabing. Wir haben sie dort oft besucht. Dann sind sie nach Leipzig gezogen. Am 11. Juni ist „Ecki“ für mich überraschend gestorben.

Der Publizist und Lektor Manfred Delling starb am 17. Juni im Alter von 90 Jahren. Sein Themenfeld war vor allem das Fernsehen. Als Dozent der dffb kam er in den 70er und 80er Jahren regelmäßig von Hamburg nach Berlin. Wir waren eng befreundet und haben immer donnerstags Skat gespielt. In den letzten Jah-ren lebte er in seiner umgebauten Schmiede in der Nähe von Bad Segeberg. Wir haben häufig miteinander telefoniert, er war neugierig, meinungsfreudig und streitlustig. (manfred-delling/

Enno Patalas (*1929) war Gründer der Zeit-schrift Filmkritik, Autor wichtiger Filmbücher und zwanzig Jahre Leiter des Münchner Film-museums. Er hat sich vor allem um die Rekon-struktion bedeutender deutscher Filme ver-dient gemacht. Er starb – 16 Jahre nach seiner Frau, der Publizistin Frieda Grafe, die ich immer sehr bewundert habe – am 7. August 2018 in München. Aus der Öffentlichkeit hatte sich Enno schon vor längerer Zeit zurückgezogen. Für den Tagesspiegel habe ich einen Nachruf geschrieben: 22899050.html

Klaus Wildenhahn (*1930) war einer der großen Dokumentaristen in der Bundesre-publik. Wir haben eng zusammengearbeitet, als er Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre Dozent an der dffb war. Sein Buch „Über synthetischen und dokumentarischen Film“ habe ich redaktionell betreut, seine Filme sind für mich beispielhaft für den beobachtenden Dokumentarfilm. Klaus starb am 9. August in Hamburg; zur Urnenbeisetzung und einer Trauerfeier waren wir vor Ort. In der Akademie der Künste habe ich einen Nachruf auf ihn gehalten (klaus-wildenhahn-1930-2018/ ).

Helmut Merker (*1942) war über 30 Jahre Filmredakteur des WDR, seine „Filmtips“ sind legendär. Nach seiner Pensionierung zog er nach Berlin, man traf sich bei Pressevor-führungen, er schrieb für die taz und den Tagesspiegel. Und ein Thema war immer der Fußball, speziell seine Heimmannschaft: Arminia Bielefeld. Am 3. September ist Helmut in Berlin gestorben. Wir haben auf dem Friedhof in der Stubenrauchstraße von ihm Abschied genommen. Hier mein kurzer Nachruf: helmut-merker/ 

Hans Günther Pflaum (*1941) hat Film-kritiken für die Süddeutsche Zeitung und den Filmdienst geschrieben, über ein Dezennium das „Jahrbuch Film“ des Hanser Verlags herausgegeben, war viel für das Goethe-Insti-tut unterwegs und hat über Rainer Werner Fassbinder ein Buch geschrieben und einen Film gedreht. Zwischen 1979 und 1992 habe ich mit ihm für den Hanser Verlag und InterNationes das Handbuch „Film in der Bundesrepublik Deutsch-land“ verfasst, das mehrere Auflagen erlebte und als Standardwerk galt. Die Zusammenarbeit war kollegial und freundschaftlich. Am 19. Dezember ist Günther in München gestorben.

Auch wenn es eine Logik hat, dass die Abschiede zahlreicher werden – sie stimmen traurig und schmerzen.