Martin Scorsese

2013.ScorseseAls die herausragende Martin Scorsese-Ausstellung zu Beginn des Jahres im Berliner Museum für Film und Fernsehen stattfand, gab es leider keinen Katalog. Der wurde zur folgenden Station im Museo Nationale del Cinema in Turin nachgeliefert, herausgegeben von den Berliner Kuratoren Kristina Jaspers und Nils Warneke in der Silvana Editoriale. Er gliedert sich in die neun Ausstellungssegmente: Family, Brothers, Men and Women, Lonely Heroes, New York, Cinema, Cinematography, Editing und Music. Im Katalog enthalten sind Gespräche mit Martin Scorsese, der Kostümbildnerin Sandy Powell und dem Kameramann Michael Ballhaus sowie zwei informative Texte von Rainer Rother und Kristina Jaspers + Nils Warnecke. Der Anhang enthält eine Filmografie. Texte in Italienisch und Englisch. Das Schönste an diesem Buch sind natürlich seine Abbildungen: Filmfotos, Storyboards, Plakate, Fotos von Exponaten. Schade, dass es das Buch nicht schon zu Beginn des Jahres gab. Aber, wie man so sagt: es ist ja nie zu spät. Zurzeit ist die Ausstellung im Caermersklooster in Ghent zu sehen: martin-scorsese. Mehr zum Buch: asp?id=3800 / Vorgestern hatte Scorseses neuer Film WOLF OF THE WALL STREET Premiere.

Hanna Schygulla

2013.SchygullaHeute feiert Hanna Schygulla ihren 70. Geburtstag. Sie hat sich dazu eine Autobiografie geschenkt oder von Lothar Schirmer schenken lassen. Ein ungewöhnliches Titelfoto: Hanna mit geschlossenen Augen (Foto: Lilian Birnbaum, 1992). Ein schöner Titel: offenbar ein Zitat von Peter von Becker. Ein berührendes Buch. Wenn ich ihm drei Adjektive zuschreiben darf, dann wären das: zärtlich, diskret, bescheiden. Teile ihres Textes erschienen 1981 bei Schirmer/Mosel und ließen sich mühelos in die Autobiografie integrieren. Da ging es vor allem um die Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder. Neu: das sind die vergangenen 32 Jahre, die Arbeit mit ganz unterschiedlichen Regisseuren (Godard, Ferreri, Guerra), Begegnungen mit Helmut Newton, Alicia Bustamante, Gabriel Garcia Márquez, die Arbeit mit ihrer Schauspielschülerin Anika Dressler, das Leben in Paris, die Betreuung ihrer kranken Mutter, die Sorge um den Vater, auch Rückblicke in die Kindheit und Jugend, Monate im Rollstuhl, Reminiszenzen an Stéphane Hessel und Eugen Bavcar, Überlegungen zu einem Umzug nach Berlin und neue Erinnerungen an RWF. Das letzte Kapitel heißt „Ende gut, alles gut“. Es gibt keine feste Chronologie, sondern eine Vorliebe für Assoziationen. Viele kleine Bilder. Claudia Lenssen hat für den Tagesspiegel eine schöne Rezension des Buches geschrieben: 8960070.html Mehr zum Buch: info.php?cPath=39&products_id=725

Weihnachtsgruß aus Paris

 

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HERZLICHE WEIHNACHTSGRÜSSE AUS PARIS

Hans Helmut Prinzler + Antje Goldau

 

Pasolini-Ausstellung in Paris

2013.PasoliniIn der Cinémathèque française ist zurzeit eine Ausstellung über Pier Paolo Pasolini und sein Verhältnis zur Stadt Rom zu sehen. Sie gliedert ihr Thema in sechs Stationen und zeigt Zeugnisse aus 25 Jahren Lebens-geschichte des itaienischen Autors und Regisseurs: Fotos und Filmausschnitte, Manuskripte, Drehbücher und Briefe, Film- und Fernsehinterviews, Stadtpläne, einen Schneidetisch, ein Auto. Es ist natürlich auch eine Reise durch Pasolinis Filme: von ACCATTONE, MAMMA ROMA, LA RICOTTA, und UCCELLACCI E UCCELLINI bis zur späten Trilogie und SALÒ, die mir immer noch relativ fremd sind. An drei oder vier Stellen kommt das Rom von 2013 ins Bild. Ab 11. September 2014 ist die Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. Ihre erste Station war Barcelona, vor Berlin geht sie logischerweise noch nach Rom. In guter Erinnerung ist mir die Pasolini-Ausstellung des Schwulen Museums zum Jahresbeginn 2012. Die neue Ausstellung ist größer, aber konventioneller. Gerhard Midding hat darüber in der Berliner Zeitung und in epd Film geschrieben, die Texte stehen leider nicht im Netz. Mehr zur Ausstellung: pasolini-roma/exposition.html

Ein europäischer Weihnachtsfilm

2013.WeihnachtsfilmEs gibt, das weiß man, sehr viel mehr amerikanische als englische, französische oder deutsche Weihnachts-filme. Noch immer steht bei mir Anke Sterneborgs Text über Weihnachten im Film im Netz (zauber-und-realitat/ ). Auf der Suche nach einem französischen Weihnachts-film (wir sind gerade in Paris) stieß ich auf MERRY CHRISTMAS/JOYEUX NOEL (2005) von Christian Carion. Der Film spielt am Heiligabend 1914 an der westlichen Kriegsfront. Das Singen von Weihnachtsliedern führt zu einer kurzfristigen Verbrüderung von französischen, schottischen und deutschen Soldaten. Mit Benno Fürmann, Diane Krüger, Guillaume Canet und Daniel Brühl. Angesichts des großen Themas relativ subtil in der Erzählform und erstaunlich unsentimental. Mehr zum Film: Merry_Christmas_(Film)

Romy & Alain

2013.Romy & AlainVor fünf Jahren hat der Wiener Film-historiker Günter Krenn im Aufbau Verlag eine hervorragende Romy Schneider-Biografie publiziert: bestens recherchiert, gut geschrieben. Jetzt lässt er dem umfänglichen Buch ein kleineres folgen: die Geschichte der kurzfristigen Liebe und späteren Freundschaft zwischen Romy und Alain Delon. Die beiden haben sich 1958 bei den Dreharbeiten zu CHRISTINE (Regie: Pierre Gaspard-Huit) kennen gelernt und in den folgenden Jahren in fünf Filmen zusammen gespielt. Zu den bekanntesten gehört LA PISCINE/DER SWIMMINGPOOL (1968/69) – da war ihre aber Liebesgeschichte bereits zu Ende. Romy und Alain gehörten in den 1960er und 70er Jahren zu den großen europäischen Stars. Krenn beschreibt mit Diskretion und Respekt das Miteinander und Nebeneinander der beiden. Er hat (das belegen 433 Fußnoten) noch einmal intensiv geforscht. Es geht dabei um die Einflüsse des Stiefvaters Hans Herbert Blatzheim und der Mutter Magda, von denen sich Romy befreien wollte, um die Arbeit mit Fritz Kortner, Luchino Visconti, Orson Welles, Claude Sautet und das parallele Leben von Alain Delon. Delon gibt es noch, Romy starb 1982, also vor mehr als 30 Jahren. Mehr zum Buch: romy-und-alain.html

Kira Muratova

2013.Kira MuratovaKira Muratova (* 1934) ist eine experimentierfreudige russische Filmregisseurin, die inzwischen 15 eigene Spielfilme realsiert hat. Ich habe leider nur zwei davon gesehen, DAS ASTHENISCHE SYNDROM (1989) und KLEINE LEIDENSCHAFTEN (1994). Das Buch von Isa Willinger, erschienen in der Reihe „kommunikation audiovisuell“ der HFF München, macht neugierig auf weitere Filme, die in den letzten Jahren teils ins Russland, teils in der Ukraine entstanden sind. Die Autorin hat für ihre zehn Kapitel schöne Überschriften gefunden: „Subversion und körperliche Affizierung“, „Ritus, Gender, Formalismus“, „Zersetzung total“, „Leiche im Koffer: Täuschung und Tod“, „Figuren des Performativen“, „Groteske Welten“, „Ohrensausen: die Tongestaltung“, „Weibliche Selbstinszenierung, entblößte Männer“, „Zirkustricks und Eisensteins Attraktionsmontage“. Jedem Kapitel sind ein, zwei oder drei Filme zugeordnet, die von Willinger sensibel interpretiert werden. Der Anhang enthält eines der seltenen Interviews mit Muratova und ihrem Ausstatter Evegenij Golubenko und eine kommentierte Filmografie. Unbedingt lesenswert, wenn man sich für den osteuropäischen Film interessiert. Mehr zum Buch: 5f595d4e2c729e5d5061/

Musik im DEFA-Spielfilm

2013.Musik DEFAEine „spannende Lektüre“ garantiert Ralf Schenk, Vorstand der DEFA-Stiftung, in seiner kurzen Vorbemerkung. Und er hat völlig Recht. Ich habe seit langem kein so interessantes Buch über die DEFA gelesen wie „Klang der Zeiten“, weil es den Blick auf die Filme aus einer speziellen und mir so nicht bekannten Perspektive öffnet. Der Hauptteil (130 Seiten) trägt den Titel „Komponisten im Gespräch“. Die sieben Interviews mit Peter Rabenalt, Bernd Wefelmeyer, Peter Michael Gotthardt, Christian Steyer, Wolfgang Thiel, André Asriel und Reiner Bredemeyer, meist geführt vom Herausgeber Klaus-Dieter Felsmann, sind extrem spannender Lesestoff, weil sie Auskunft geben über das Komponistenleben in der DDR, über die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Regisseuren in den verschiedenen Genres, im Auf und Ab der DEFA-Geschichte und speziell über die Situation vor und nach der Wende. Besonders interessant fand ich die Gespräche mit Rabenalt, Gotthardt, Steyer und Thiel. Günther Fischer stand leider für ein Interview nicht zur Verfügung. Wolfgang Thiel hat einen kurzen, aber informativen Beitrag (30 Seiten) über die Geschichte der Musik zu DEFA-Filmen zugeliefert. Im dritten Teil des Buches (70 Seiten) sind Analysen der Filmmusik von 16 ausgewählten DEFA-Filme zu lesen, darunter DIE MÖRDER SIND UNTER UNS (Musik: Ernst Rothers, Text: Wolfgang Thiel), DER RAT DER GÖTTER (Hanns Eisler/Guido Heldt), BERLIN – ECKE SCHÖNHAUSER (Günter Klück/Jean Martin), DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA (Peter Gotthardt/Dieter Wiedemann), DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER (Siegfried Matthus/Robert Rabenalt) und der Dokumentarfilm DU UND MANCHER KAMERAD (Paul Dessau/Jean Martin). Das Buch hat mich sehr beeindruckt. Es ist in der Schriftenreihe der DFEA-Stiftung erschienen, die im Bertz + Fischer Verlag publiziert wird. Mehr zum Buch: 42&products_id=428

Essays von Norbert Grob

2013.GrobDies ist – nach „Im Kino gewesen…“, „Zwischen Licht und Schatten“ und „Just be natural!“ – der vierte Band mit Texten von Norbert Grob und der 66. Band der „Filmstudien“. Er enthält 24 Essays zur Filmgeschichte, gegliedert in vier Kapitel: „Klassisches“, „Modernes“, „Solitäres“ und „Neuer Deutscher Film“. Mein Freund Norbert kommt von der Filmkritik; der Übergang zur Filmwissenschaft hat seinen Umgang mit dem Medium Film eher intensiviert und gottlob nicht grundlegend verändert. Er ist weiterhin ein Entdecker und Interpret und kein Definitionsartist. Ich bewundere seine analytischen Fähigkeiten, seine Neugier auf die Entwicklung von Erzählformen und sein nicht nachlassendes Interesse für die unterschiedlichsten Aspekte der Filmgeschichte. Er kann wunderbar porträtieren (dafür gibt es in dieser Anthologie mehr als ein Dutzend Beispiele, ich verweise nur auf seine Texte über Altman, Graf, Herzog, Hsiao-hsien, Ozu, Pabst, Rivette, Schroeter, Curt Siodmak, Visconti, Téchine sowie auf die neue Fassung seines Essays über Veit Harlan und dessen Melodramen). Ein schöner Text handelt von der „Großstädtischen Aura der 1920/30er Jahre“, interessante Überlegungen spielen mit der „Regie im Kino“, natürlich ist das klassische Hollywood-Kino präsent (mit einem Text über Warner Bros.), aber auch der experimentelle Film (Ottomar Domnick) und sein Lieblingsgenre, der Film noir (hier personifiziert in Alain Corneau). Auch die „Miniaturen“ sind vertreten (zu Handke, Wenders und den Frauen bei Godard). Ich hoffe sehr, dass es eines nicht zu fernen Tages einen fünften Band der Grob-Texte geben wird. Das verschafft ihnen eine Präsenz, die sie an den unterschiedlichen Orten ihrer Erstveröffentlichung (Zeitungen, Zeitschriften, Bücher) nicht haben können. Titelbild: Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg in Godards A BOUT DE SOUFFLE (1959). Mehr zum Buch: Grob-Vom-Gesicht-Welt/productview.aspx?product=21512

Paris-Filme

2013.Paris-Film 2Wie bereitet man sich – filmisch – auf eine Paris-Reise vor? Die 1930er Jahre (Sous les toits de paris, HOTEL DU NORD) sind ein bisschen zu lange her. Das Jahr 1960 (À BOUT DE SOUFFLE, ZAZIE DANS LE MÉTRO,) ist auch schon mehr als fünfzig Jahre vorbei. Ich entscheide mich für drei neuere Filme, die es preiswert auf DVD gibt. Wir haben sie vor ein paar Jahren gesehen, aber nicht im Zusammenhang mit einer Paris-Reise. PARIS, JE T’AIME (2006) ist ein Episodenfilm, an dem 21 Regisseure beteiligt waren, darunter Gus Van Sant, Ethan und Joel Coen, Isabel Coixet, Olivier Assayat, Wes Craven und Tom Tykwer. Jede der 18 Episoden spielt in einem anderen Arrondissement (auf zwei Episoden wurde offenbar aus qualitativen Gründen verzichtet). Auch wenn manche Stories etwas forciert und überpointiert wirken, schafft es der Film, uns die Vielfalt der Stadt und das Spektrum ihrer Bewohner in 120 Minuten nahe zu bringen. Zur Vorbereitung einer Reise gut geeignet.

2013.Paris-Film 32 DAYS IN PARIS (2007) von Julie Delpy ist eine relativ amüsante Komödie, in der man viel von Paris zu sehen bekommt. Erzählt wird ein zweitägiger Beziehungsstress auf einem Zwischenstopp in Paris. Die Probleme sind sprachlicher und psychischer Natur. Und es prallen zwei Kulturen aufeinander: die amerikanische und die französische. Aber es gibt ein Happy-End. Mit Julie Delpy und Adam Goldberg.

2013.Paris-Film 1PARIS (2008; dt.: SO IST PARIS) von Cédric Klapisch beginnt mit einer wunderbaren Eröffnungsequenz, in der Paris im flirrenden Sommerlicht erscheint und alle Klischees hintereinander montiert werden. Der Film spielt dann im Winter, zeigt vor allem Menschen in schwierigen Situationen und die Stadt im Schneematsch. Nicht die Sehenswürdigkeiten kommen ins Bild, sondern die Atmosphäre des Alltags. Gut für uns Touristen, damit wir die Stadt begreifen. Mit Juliette Binoche, Romain Duris und Fabrice Luchini. Nun fahren wir am Mittwoch mit vielen Bildern im Kopf nach Paris.