Joachim Gottschalk

2014.SchweikartDer Schauspieler Joachim Gottschalk (*1904) beging am 6. November 1941 mit seiner jüdischen Frau Meta und dem gemeinsamen Sohn Michael Suizid, nachdem er sich geweigert hatte, sich von seiner Frau scheiden zu lassen und deshalb Berufsverbot bekam. Zu seinen bekanntesten Filmen gehört AUFRUHR IN DAMASKUS (1939) von Gustav Ucicky, DAS MÄDCHEN VON FANÖ (1940) von Hans Schweikart und DIE SCHWEDISCHE NACHTGALL (1941) von Peter Paul Brauer. Der Autor und Regisseur Hans Schweikart (1895-1975) hat aus der Geschichte von Joachim und Meta Gottschalk in den vierziger Jahren einen „Filmvorschlag“ entwickelt, der 1947 von Kurt Maetzig als DEFA-Film realisiert wurde: EHE IM SCHATTEN mit Paul Klinger und Ilse Steppat in den Hauptrollen. Schweikarts Novelle wurde nie publiziert und ist jetzt unter dem Titel „Es wird schon nicht so schlimm!“, herausgegeben von Carsten Ramm, im Verbrecher Verlag veröffentlicht worden. Es ist ein lakonisch formulierter, bewegender Text über die Beziehung und die Ehe der Schauspielerin Lilly Hollmann mit ihrem Kollegen Gregor Maurer von 1933 bis 1941, der mit ihrer Beerdigung endet. Zum Verständnis der politischen und filmhistorischen Hintergründe haben Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen ein umfangreiches, hervorragend recherchiertes Nachwort geschrieben, das allen beteiligten Personen gerecht wird. Die Publikation ist eine Hommage an Joachim Gottschalk und ein wichtiger Beitrag zur deutschen Filmgeschichte der 30er und 40er Jahre. Mehr zum Buch: book/detail/756

Psychologen über Liebespaare im Film

2014.Liebespaar im FilmEs ist bereits das dritte Buch, das der Psychoanalytiker Stephan Doering (Universität Wien) und die Psychotherapeutin Heidi Möller (Universität Kassel) gemeinsam im Medizin-Programm des Springer-Wissenschaftsverlages publizieren. In den ersten beiden Büchern ging es um jeweils 30 Filmcharaktere mit psychischen Störungen („Frankenstein und Belle de Jour“, 2008, „Batman und andere himmlische Kreaturen“, 2011), diesmal stehen Liebespaare im Zentrum. 41 Autorinnen und Autoren durften dabei über einen Film ihrer Wahl schreiben. In den Texten werden die psychischen Aspekte der Paar-Beziehungen thematisiert, aber auch die filmischen Mittel analysiert. In der ersten Filmgruppe geht es um Dreiecksbeziehungen. Besonders gut gefallen haben mir die Texte über BARBARA von Christian Petzold (Autorin: Beate West-Leuer), YELLA, ebenfalls von Christian Petzold (Autorin: Cornelia Hartmann-Jansen) und WOLKE 9 von Andreas Dresen (Astrid Riehl-Emde). In der zweiten Gruppe („Mörderische Liebe“) haben mich die Analysen von BONNIE AND CLYDE von Arthur Penn (Autoren: Mathias + Johannes Hirsch), BLOOD SIMPLE von den Coen-Brüdern (Mechthild Zeul), und AMOUR von Michael Haneke (Eva Jaeggi) am stärksten beeindruckt. In der dritten Gruppe („Schicksal und Scheitern“) fand ich die Texte über Michael Curtiz’ CASABLANCA von Martin Poltrum, Urszula Antoniaks NOTHING PERSONAL von Sieglinde Eva Trömmel + Tatjana Noemi Trömmel und über Ingmar Bergmans SZENEN EINER EHE von Ulrich Sachsse am bemerkenswertesten. „Ewiges Sehnen“ heißt das vierte Kapitel mit interessanten Analysen von Alain Resnais’ HIROSHIMA MON AMOUR von Verena Kast, Luis Buñuels DIESES OBSKURE OBJEKT DER BEGIERDE von Birger Dulz + Julia Kohlmorgen, Woody Allens THE PURPLE ROSE OF CAIRO von Michael B. Buchholz und Wong Kar-wais IN THIE MOOD FOR LOVE von Silvia Schneider. In der letzten Gruppe geht es um „Drama und Happy End“ und dabei u.a. um Matthias Glasners GNADE (Text: Heidi Möller), Lisa Cholodenkos THE KIDS ARE ALLRIGHT (Timo Storck + Svenja Taubner), Robert Townes TEQUILA SUNRISE (Heidi + Peter Zagermann) und schließlich um die titelgebende PRETTY WOMAN von Garry Marshall (Andreas Hamburger + Vivian Pramataroff-Hamburger). Ein interessantes Filmbuch aus psychoanalytischer Perspektive. Ich bin gespannt auf die nächste Publikation von Stephan Doering und Heidi Möller 2017. Mehr zum Buch: 978-3-642-44985-7

DER LETZTE AKT

2014.DVD.Der letzte AktZehn Jahre nach Kriegs-ende, 1955, drehte G. W. Pabst (1885-1967) in Österreich den ersten deutschsprachigen Spielfilm über Adolf Hitler, genauer: über die letzten zehn Tage im Führerbunker in Berlin. Es war ein Schwarzweißfilm, 107 Minuten lang, der jetzt als DVD bei „filmjuwelen“ erschienen ist. In der Bundesrepublik war damals das Interesse an diesem Film nicht sehr groß, auch wenn sich Pabst über die Realisierung sehr viele Gedanken gemacht hatte und mit dem Dialog-Autor Erich Maria Remarque in Streit geraten war. Albin Skoda, Burg-Schauspieler, stellte Hitler dar: nicht mit der Empathie und Virtuosität von Bruno Ganz im UNTERGANG, sondern mit einer gewissen Distanz. „Die Annäherung an das Individuum Hitler, die sein Stoff mit sich brachte, wollte Pabst dann doch nicht wagen“, schrieb Andreas Kilb vor zehn Jahren in seinem sehr differenzierten Text über den LETZTEN AKT. „So entrückte er den Diktator in ein Schattenreich, in dem bei aller Drastik das Darstellungstabu gewahrt blieb. Diese Distanzierung hat freilich ihre eigene Würde. Wenn Hitler bei Pabst verkündet, daß der Krieg verloren sei, zieht sich die Kamera von ihm zurück. Bei Hirschbiegel fährt sie stattdessen auf ihn zu. An diesem Punkt trennen sich die Wege der beiden Filme. Der eine malt eine Skizze in Schwarzweiß, der andere ein buntes Tableau. Die Wahrheit liegt, wie immer, zwischen den Bildern.“ (FAZ, 19.9.2004). Oskar Werner spielte damals den (fiktiven) Hauptmann Wüst, Lotte Tobisch die Eva Braun. Hinter der Kamera stand Günther Anders. Das informative Booklet zur DVD stammt von Oliver Bayan. Mehr zur DVD: der+letzte+akt

Rudolf Thome 75

2014.ThomeDer Filmemacher Rudolf Thome wird heute 75 Jahre alt. Er hat seit 1964 mit großer Kreativität und bewundernswertem Eigensinn sechs Kurzfilme und 28 abendfüllende Filme realisiert. In ihren Themen und Formen waren sie nie so etwas wie deutscher Mainstream, ökonomisch gehörten sie immer in den low-budget-Bereich, aber sie hatten und haben ihre Fans nicht nur in Deutschland. Mit seinen frühen Filmen DETEKTIVE, ROTE SONNE, SUPERGIRL und FREMDE STADT hat er zusammen mit dem Drehbuchautor Max Zihlmann einen an amerikanischen Vorbildern orientierten neuen Stil ins westdeutsche Kino gebracht, in einer lockeren Verbindung mit Klaus Lemke. 1973 verlagerte er  seinen Lebensmittelpunkt von München nach Berlin. Er hat viele lesenswerte Filmkritiken geschrieben, für die Süddeutsche Zeitung, die Filmkritik und den Tagesspiegel. Mein persönlicher Lieblingsfilm von Rudolf ist BERLIN CHAMISSOPLATZ mit Hanns Zischler und Sabine Bach, die Liebesgeschichte zwischen einem Architekten und einer Studentin in den späten 1970er Jahren. Einmal hatte ich das Vergnügen, in einem Film von Rudolf eine kleine Rolle zu spielen: den Professor Stubenrauch in LIEBE AUF DEN ERSTEN BLICK. Viele Filme hat er für die ARD-Tochter Degeto mit seiner Firma „moanafilm“ realisiert, zuletzt den Film INS BLAUE mit Vadim Glowna. Jahrelang konnte man im Netz an der Entstehung seiner Drehbücher teilhaben, denn er ist ein Internet-Freak. Auf seiner Website www.moana.de führt er ein Blog-Tagebuch. Und morgen beginnt er mit der Arbeit an seiner Autobiografie. Er lebt in Berlin-Kreuzberg und auf einem Bauernhof in Niendorf/Südbrandenburg. Wo auch immer gefeiert wird: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Rudolf, und noch viele produktive Jahre als Autor und Filmemacher. (Foto: Frauke Haß, 2014)

Autorenserien II

474192a440Christoph Dreher, Absolvent der dffb, inzwischen Professor für Film und Video an der Merz Akademie in Stuttgart, hat jetzt den zweiten Band zu den Autorenserien herausgegeben, der sich mit Quality TV in den USA und Europa beschäftigt. Die Texte basieren auf einer Tagung, die im Januar an der Merz Akademie stattfand. Sie sind in der Publikation zweisprachig dokumentiert (linke Seite in Englisch, rechte Seite in Deutsch). Vom Herausgeber selbst stammt der informative Text „Perspektiven der Autorenserie: USA, Skandinavien, Deutschland“. Cathryn Humphris berichtet über ihre Erfahrungen als Serien-Autorin bei MAD MEN. Stewart Lyons blickt auf seine langjährigen Erfahrungen als Line Producer im amerikanischen TV-Geschäft zurück. Der Autor Lolis Eric Elie erzählt, wie die Serie TREME bei HBO entstand. Christine Lang beschäftigt sich mit den Enden in Serien am Beispiel von THE SOPRANOS, BREAKING BAD und MAD MEN. Kerstin Stutterheim porträtiert skadinavische Ermittlerinnen in Serien wie KOMMISSARIN LUND und ARNE DAHL. Bei Diedrich Diedrichsen geht es um den Autor und Showrunner David Milch und seine nicht sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Sender HBO. Jane Feuer untersucht die Darstellung von Psychoanalyse und -therapie in den Serien THE SOPRANOS und IN TREATMENT. Auszüge aus der Podiumsdiskussion über die Produktion von Autorenserien in Deutschland (mit Marcus Ammon, Alain Bieber und Wolfgang Feindt, moderiert von Christoph Dreher) beenden den Band. Die Publikation ist ein sehr interessanter Beitrag zur aktuellen Diskussion über Fernsehserien. Mehr zum Buch: 978-3-7705-5812-4.html

Lars von Trier / Jacques Derrida

2014.Lars von TrierAndreas Jacke ist Filmwissen-schaftler, er lebt in Berlin. Er hat 2002 mit einer Arbeit über Marilyn Monroe promoviert und Mono-grafien über Stanley Kubrick, Roman Polanski, David Bowie und Walter Benjamin publiziert. In seinem neuen Buch konfrontiert er das Werk von Lars von Trier mit der Filmphilosophie von Jacques Derrida. Das kann man als Versuchsanordnung lesen oder als Interpretationsbrücke. Seine Ausgangsthese: Lars von Trier neigt zur Depression, die Haltung des feministischen Philosophen Derrida ist hoffnungsvoll. Das führt in der Analyse zu neuen Erkenntnissen. Nach einer biografischen Spurensuche mit den Dominanten Angst, Depression und Todestrieb entschlüsselt der Autor das Werk von Lars von Trier in sechs Kapiteln: „1. Die ungewöhnliche Aufarbeitung des Bösen in der europäischen Geschichte: die Europa-Trilogie – THE ELEMENT OF CRIME (1984), EPIDEMIC (1987), EUROPA (1991). 2. Ghost Dance – Heim-suchungen: RIGET I und II (1994(97). 3. Eigenwillige Liebesopfer in der Goldherz-Trilogie: BREAKING THE WAVES (1996), IDIOTERNE (1998), DANCER IN THE DARK (2000). 4. Vor dem Gesetz: Der Dogma-Film IDIOTERME, THE FIVE OBSTRUCTIONS (2004) und THE BOSS OF IT ALL (2006). 5. Der Ruf einer kommenden Demokratie: Die unabgeschlossene U.S.A.-Land of Opportunities-Trilogie, DOGVILLE (2003) und MANDERLAY (2005). 6. Persönliche Filme über die Existenz, die Trilogie der Depression: ANTICHRIST (2009), MELANCHOLIA (2011) und NYMPHOMANIAC Vol I u. II (2013).“ Andreas Jacke ist mit dem Werk von Lars von Trier gut vetraut, er knüpft die Verbindungen zur Filmphilosophie von Jacques Derrida sehr konkret. Die Erkenntnisse sind erstaunlich. Mehr zum Buch: 39-80.html

„Film/Arbeit“ in der Kinemathek

2014.Film:ArbeitHeute Abend wird im Veranstaltungsraum der Deutschen Kinemathek (19 Uhr, Filmhaus, 4. Stock) das Buch „Film/Arbeit“ mit Texten, Dokumenten und Arbeitsnotizen von Christoph Hübner und Gabriele Voss, heraus-gegeben von Bert Rebhandl, präsentiert. Rainer Rother wird in den Abend einführen. Bert Rebhandl kommentiert den Band, Christoph und Gabriele zeigen einige Kurzfilme aus den EMSCHER SKIZZEN (2006-2013) und lesen ausgewählte Texte ihres Buches. Anschließend moderiere ich eine Gesprächsrunde der Beteiligten. Da wird es auch um die Veränderungen im Dokumentarfilm der letzten Jahre und Jahrzehnte gehen. Anlass der Veranstaltung, die von Werner Sudendorf vorbereitet wurde, ist die Teilübergabe des Archivs von Christoph und Gabriele an die Deutsche Kinemathek. Darüber freue ich mich auch persönlich, denn ich fühle mich mit den beiden Filmemachern aus Witten seit langer Zeit befreundet. Mehr zum Buch: film-arbeit/

NOVEMBERTAGE

2014.OphülsEin gutes halbes Jahr nach der Öffnung der Mauer, im Sommer 1990, hat Marcel Ophüls in Berlin einen Dokumentarfilm gedreht, in dem er Menschen – bekannte und unbekannte – nach ihren Erinnerungen an den Fall der Mauer fragte. Der Film NOVEMBERDAYS entstand im Auftrag der BBC, die Produzentin Regina Ziegler beteiligte sich an der Produktion, die am 9. November 1990 von RTLplus und dem noch existierenden DDR-Sender DFF ausgestrahlt wurde. Die Resonanz war hervorragend, die Kriker jubelten, es gab einen Grimme-Preis in Gold, und Ophüls hätte gern eine Drei-Stunden-Fassung fürs Kino hergestellt, aber das scheiterte an der Rechteinhaberin Ziegler, die kein zusätzliches Geld investieren wollte. Der streitlustige Ophüls hat die Konflikte eher verstärkt, eine mögliche Beteilgung des NDR an einer neuen Fassung kam nicht zustande, und so schlummerte der 130-Minuten-Film weitgehend im Archiv. Dass jetzt bei Absolut Medien eine DVD erschienen ist, finde ich wunderbar, denn zwischen all den aktuellen Dokumentationen behauptet sich der 24 Jahre alte Film weiterhin als grandioses Meisterwerk. Das ist vor allem den oft frechen Fragen von Ophüls zu verdanken und einer Montage, die nicht vor Entlarvungen zurückschreckt. „Opfer“ sind dabei in erster Linie die damals aktiven Politiker (Egon Krenz, Günter Schabowski, auch Walter Momper), die Intellektuellen und Künstler (Stephan Hermlin, Heiner Müller, Barbara Brecht-Schall). Kurt Masur ist mutig und verweigert sich den Fragen von Ophüls, Barbel Bohley spielt als „Mutter der Revolution“ eine eher zwiespältige Rolle. Für einen gewissen Unterhaltungswert sorgen die Songs, gesungen von Fred Astaire, Bing Crosby, Marlene Dietrich und Joseph Schmidt. Auch Filmausschnitte aus dem BLAUEN ENGEL, STAGECOACH, JULIUS CAESAR, TO BE OR NOT TO BE oder CABARET sind provokant einmontiert. In ihrer Grundstimmung sind die NOVEMBERTAGE – und das ist für Marcel Ophüls durchaus ungewöhnlich – fast eine Komödie. Der Regisseur ist gerade 87 Jahre alt geworden. Man wünscht ihm noch ein langes Leben. Das Booklet zur DVD hat Ralph Eue zusammengestellt. Mehr zur DVD:  https://absolutmedien.de/film/4028/Novembertage+-+Stimmen+und+Wege

 

Der Vorspann amerikanischer Fernsehserien

2014.VorspannSie stehen seit einiger Zeit in ihrer Beliebtheit auch in Deutschland ganz vorn im Medienangebot: die ameri-kanischen Fernsehserien von HBO, CBS, Showtime oder Fox. Ihre Dramaturgien gelten als innovativ, ihre Genres sind vielfältig, jede neue Staffel wird sehnsüchtig erwartet. Welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang die Vorspänne, ihre Bilder, ihre Musik, ihre Längen, arbeiten sie mit Variablen oder Konstanten? Der Marburger Medienwissen-schaftler Eric Buhse (zurzeit Redakteur der Zeitschrift MEDIENwissenschaft Rezensionen) hat den Vorspann als „Bedeutungsträger“ erstmals wissenschaftlich untersucht. Er stellt ihn dabei in einen historischen Kontext, beschreibt ihn als Produkt industrieller und systembedingter Entwicklungsprozesse und analysiert schließlich einige ausgewählte Beispiele: GAME OF THRONES (seit 2011, bisher drei Staffeln, HBO), FRINGE (2008-13, nach fünf Staffeln beendet, Fox), ONCE UPON A TIME (seit 2011, die vierte Staffel wird in den USA gerade gesendet, ABC), FLASH FORWARD (2009-10, nach einer Staffel eingestellt, ABC), PERSON OF INTEREST (seit 2011, die vierte Staffel wird in den USA gerade gesendet, CBS), DEXTER (2006-13, nach acht Staffeln eingestellt, Showtime), HOW I MET YOUR MOTHER (Sitcom, 2005-14, bisher neun Staffeln, CBS). Der Autor beschreibt in seiner Analyse jeweils sehr genau die Bild- und Tonelemente der Vorspänne, die Varianten, soweit es sie gibt, und die möglichen strategischen Überlegungen der Produzenten. Für Serien-Fans eine sehr interessante Lektüre. Mehr zum Buch: programm/buhse

Festschrift für Lothar Mikos

Eichner-Publikum-9783867645188.inddLothar Mikos ist Professor im Studiengang Medienwissenschaft der Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“ und Geschäfts-führender Direktor des Erich Pommer Instituts. Er wurde kürzlich sechzig Jahre alt und aus diesem Anlass mit einer Festschrift gewürdigt, die die Europäischen Perspektiven des Fernsehens (und die großen Verdienste des Geehrten) thematisiert. 22 Beiträge haben die Herausgeberinnen Susanne Eichner und Elizabeth Prommer akquiriert, davon sieben in englischer Sprache. Die Mischung ist bunt. Der HFF-Absolvent Lutz Warnicke erinnert sich an seinen wichtigsten Lehrer. Der Medienwissenschaftler Rainer Winter plädiert für eine globale ethnografische Medienforschung. Hanne Bruun und Kirsten Frandsen reflektieren über Television Entertainment. Bei Hugh O’Donnell und Enric Castelló geht es um „Television in the New Millenium“. Claudia Töpper stellt sich ein Castingformat mit der Suche nach dem (Super-)Professor vor, in dem Lothar Mikos als Kandidat präsentiert wird. Joan Kristin Bleicher sieht „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ als Medienwelttheater. Jasko Jockenhövel verbindet seinen Genrediskurs über Zombie-Serien mit der Auswertung von LES REVENANTS. Elke Weissmann definiert „The Transnational Aesthetics of the RIPPER STREET“. Stefanie Armbruster verknüpft die Fernsehrezeption zweier Generationen in Deutschland und Spanien unter dem Gesichtspunkt Nostalgie. Marta Perrotta und Maria Cristina Zullo nehmen das Produc Placement im italienischen Mainstream-Fernsehen aufs Korn. Conrad Heberling erinnert sich an den Beginn des Fernsehformats BIG BROTHER 1999 und an seine erste Begegnung mit Lothar Mikos. Drei weitere englische Texte thematisieren den Blick der Medienindustrie aufs Massenpublikum (Göran Bolin), die Nachrichtennutzung in einer Multiplattform-Umgebung (Kim Christian Schroder) und die Nutzung von Multiscreens während der Fernsehrezeption (Claudia Wegener). Maya Götz berichtet über ihre zahlreichen Fallstudien zur Fernsehrezeption, die von Lothar Mikos’ Haltung beeinflusst wurden. Regina Friess und Stefano Semeria stellen die Bedeutung des klassischen Fernsehens für die jüngere Generation in Frage. Besonders interessant fand ich Hans-Jörg Stiehlers Überlegungen zur Bedeutung des Fußballschiedsrichters im medialen Umfeld. Yulia Yurtaeva informiert über die institutionellen Rahmenbedingungen im Programmaustausch zwischen Ost- und Westeuropa bis 1990. Ben Bachmaier erkennt eine didaktische Annäherung zwischen Mobilität und Schule. Joachim von Gottberg macht sich Gedanken über den Jugendschutz im veränderten medialen Umfeld. Und zum Schluss erinnert sich Dieter Wiedemann an Begegnungen mit Lothar Mikos. Viel Respekt und spürbare Verehrung für einen Professor zum 60. Geburtstag. Mehr zum Buch: 40a214f20/