Es lebe der Dokumentarfilm

2014.DokumentarfilmIn München findet zurzeit das 29. Internationale Dokumentarfilmfest statt. Präsentiert werden 135 Filme aus 41 Ländern, das Programm macht einen sehr interessanten Eindruck, die Retrospektive ist der britischen Filmemacherin Kim Longinotto gewidmet. Zum Festival gehört auch das „DOK.forum“, in dem seit vier Jahren über neue Entwicklungen im Dokumentarfilm diskutiert wird. Im Schüren Verlag ist gerade das Buch „Der Dokumen-tarfilm ist tot. Es lebe der Dokumen-tarfilm“ erschienen, das Matthias Leitner, Sebastian Sorg und Daniel Sponsel in Zusammenarbeit mit dem DOK.fest herausgegeben haben. 14 Beiträge informieren über die Zukunft der dokumentarischen Arbeit. Es geht um die Narration (Texte von Daniel Sponsel und Kay Hoffmann), um die Interaktion (Egbert van Wyngaarden, Christoph Brosius, Florian Thalhofer, Frédéric Jaeger), um Zeit und Raum (Rudi Gaul, Jörg Adolph, Wim Wenders im Gespräch mit Sponsel), um Finanzierung und Distribution (Michael Augustin über Crowdfunding, Thorsten Frehse über Verleihprobleme, Julia Basler über die internationale Vermarktung deutscher Dokumentarfilme, Patrick Hörl über den Dokumentarfilm im globalen Markt und C. Cay Wesnigk über Urheberrecht und digitale Distribution). Die Mehrzahl der Beiträge stammt von ausgewiesenen Praktikern, handelt von Gegenwart und Zukunft, ist also konkret formuliert und am Fortbestand des Dokumentarfilms interessiert. Eine nützliche Publikation. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: es-lebe-der-dokumentarfilm.html .

Amos Kollek

2014.Amos KollekAmos Kollek (*1947) ist Schrift-steller („Don’t ask me if I love“), Filmemacher (SUE, 1998, BRIDGET, 2002, RESTLESS, 2008) und, vor allem, der Sohn des israelischen Politikers Teddy Kollek (1911-2007), der als Bürgermeister von Jerusalem berühmt wurde. „Parallele Leben“, Amos Kolleks Autobiografie, erzählt „eine persönliche Geschichte“, oder, genauer, sehr viele Geschichten aus einem unsteten Leben zwischen Israel, Wien, New York und Hollywood. „Ich habe versucht, über die Menschen und Ereignisse zu schreiben, die mich am meisten interessieren und in meinem Leben am stärksten berührt haben. Oft habe ich mich dabei der freien Assoziation bedient und bin innerhalb eines Kapitels oder sogar auf einer Seite mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte vor- oder zurückgesprungen, wenn es sich gerade ‚richtig anfühlte’.“ Kollek ist immer auf der Suche nach einem eigenen Platz vor allem in der Welt des Films. Sein Vater hat ihm viele Türen geöffnet, und der Sohn hat sich zwischen all den berühmten Regisseuren und Schauspielern, die ihn empfangen haben, manchmal sichtlich verirrt. Für ernsthafte Gespräche mit Billy Wilder, Kirk Douglas, Paul Newman oder Alfred Hitchcock war er in den 1970er Jahren, bei seinem ersten USA-Besuch, einfach zu jung. Manche Begegnungen haben ihren anekdotischen Reiz: wie er Elizabeth Taylor glücklich macht, weil er ihren verloren geglaubten roten Schal wiederfindet; wie er von Frank Sinatra aufgefordert wird, seinen Vater liebevoll zu küssen und ihm doch nur die Hand geben kann; wie er die zickige Faye Dunaway mit väterlicher Hilfe zur Raison bringt. Sein erster Film, GOODBYE NEW YORK, wurde ein überraschender Erfolg, sein zweiter, FOREVER LULU, ein unerwarteter Flop. Kollek erzählt das selbstkritisch und hält sich nie länger an einer Station auf. Das Tempo in den Zeitsprüngen macht den Leser oft atemlos. Nur die vielen Begegnungen mit der Mutter, Tamar Kollek, bringen etwas Ruhe ins Buch. Ihr ist die Autobiographie gewidmet, sie starb 25. Juli 2013 im Alter von 96 Jahren. Titelfoto: Vater + Sohn. Mehr zum Buch: parallele_leben/9783100411099

Bremer Filmsymposium

2014.FilmerfahrungHeute beginnt das 19. „Internationale Bremer Symposium zum Film“ mit dem Thema „Film und Geschichte“. Es findet erstmals im Mai statt (bisher war es mit dem Bremer Filmpreis im Januar verbunden) und bringt 15 Filmwissenschaftler zu Vorträgen und Gesprächen in die Stadt. Mehr zum Programm: symposium.html . Bei Bertz + Fischer, die das Symposium seit vielen Jahren publizistisch begleiten, ist gerade der Band mit den Beiträgen der Jahre 2012 und 2013 erschienen: „Filmerfahrung und Zuschauer“. Er teilt sein Thema in die Bereiche „Kino“ (fünf Texte), „Museum/Institutionen“ (drei Texte und ein Gespräch) und „Soziale Netzwerke“ (vier Texte). Bei Heide Schlüpmann geht es um die frühen Kinos und den Einfluss des weiblichen Publikums. Klaas Dierks erinnert an die frühen Formen kommunaler Kinoarbeit in den 1910er Jahren. Malte Hagener reflektiert über die Cinephilie, die ja auch eine Liebe zum Kinoraum ist. Winfried Pauleit beschreibt eine „Politik der Zuschauer“ am Beispiel der Filme LES QUATRE CENTS COUPS von François Truffaut und CARO DIARIO von Nanni Moretti. Mattias Frey interessiert sich für die Langeweile oder den Ekel von Zuschauern. Eine DVD kann man abschalten, aber wann verlässt man das Kino? Francesco Cassati beschäftigt sich mit den Wanderungen des Films ins Museum und die Relokation des Kinos. Dominique Paini, viele Jahre Leiter der Cinémathèque française, denkt über die Ausstellbarkeit von Film nach. Stefanie Schulte Strathaus erzählt die Geschichte des Berliner Arsenals auf der Basis der Gründungsgedanken von Ulrich Gregor. Alexander Horwath berichtet sehr konkret von der Arbeit des Österreichischen Filmmuseums. Dann sind wir schon bei den fünf Texten zum Film in den „Sozialen Netzwerken“ von Janet Staiger (die Rezeption des jüngsten INDIANA JONES-Films), Guillaume Soulez (interaktiver Dokumentarfilm), Stefano Odorico (Partizipation und Interaktion) und Joseph M. Catalá (noch einmal: interaktiver Dokumentarfilm), die mich aber nicht so sehr interessiert haben. Eine englische Version ist auf DVD beigefügt. Viele gute Abbildungen. Mehr zum Buch: filmerfahrungundzuschauer.html .

Das Filmjahr 2013

2014.Filmjahr 2013Es nennt sich „Lexikon des internationalen Films“ und ist das letzte uns noch verbliebene Filmjahrbuch, das regelmäßig im April erscheint und auf das vergangene Jahr zurückblickt, herausgegeben von der Zeitschrift Filmdienst und der Katholischen Filmkommission in Deutschland, redaktionell verantwortlich betreut von Horst Peter Koll. Der zweite bisher mitarbeitende Redakteur, Hans Messias, ist im vergangenen Jahr gestorben. Am Anfang steht traditionell die Jahreschronik: ein Rückblick auf 23 Seiten mit Erinnerungen an die wichtigsten Filme (ein spezieller Hinweis gilt den Kinderfilmen), an Ausstellungen, Preisverleihungen, runde Geburtstage und mit Nachrufen (diesmal u.a. auf Ray Harryhausen, Roger Ebert und Otto Sander). Ein 50-Seiten-Brevier ist dem Animationsfilm gewidmet. Dann folgt das „Lexikon der Filme 2013“; es sind wieder über 2.000, die mit einem Kurztext und filmografischen Daten dokumentiert sind. Umfang: fast 400 Seiten. Dann werden – mit den Texten aus dem Filmdienst – „Die besten Kinofilme des Jahres 2013“ vorgestellt, angeführt von ZERO DARK THIRTY von Kathryn Bigelow und DIE ANDERE HEIMAT von Edgar Reitz. Auch eine Auflistung herausragender DVD- und Blu-ray-Editionen des Jahres „(Die Silberlinge“) ist im Anhang zu finden, sowie der wichtigsten nationalen und internationalen Filmpreise. Respekt vor der editorischen Leistung! Umschlagfoto: GRAVITY von Alfonso Cuarón. Mehr zum Buch: filmjahr-2013.html

Walt R. Vian und das Filmbulletin

2014.VianDas Filmbulletin gibt es seit 1958, es ist inzwischen die einzige Filmzeitschrift in der deutschsprachigen Schweiz, und sie ist unbedingt lesenswert, weil sie den internationalen und den Schweizer Film im kritischen Blickfeld hat. „Kino in Augen-höhe“ heißt ihr Untertitel, ihr Chefredakteur ist Walt R. Vian, und nach 45 Jahren hat er sich jetzt aus dieser Position verab-schiedet. Er ist einer der sachkundigsten Filmjournalisten, die ich kenne, und deswegen gebührt ihm ein Abschiedsgruß, verbunden mit dem Hinweis auf das gerade erschienene Heft 3/2014, in dem er gebührend gewürdigt wird.

2014.FilmbulletinAuch in der reichen Schweiz muss eine Filmzeitschrift um die öffentliche Förderung kämpfen. Es ist Vian über all die Jahre gelungen, ausreichend finanziert zu werden. Das Bundesamt für Kultur (Bern), die Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich und die Stadt Winterthur sorgen inzwischen für eine akzeptable Unter-stützung. Acht Hefte pro Jahr können zurzeit produziert werden. Das Verhältnis Text/Bild ist ideal. Die Struktur („Kurz belichtet“, „History“, „Hommage“, „Filmforum“, „Neu im Kino“, „Essay“, „Kolumne“) ist variabel, es gibt jeweils erkennbare Schwer-punkte. „Kurz belichtet“, das sind Festivalberichte, Ausstellungs-rezensionen, kleine Nachrufe, die Buchkolumne von Frank Arnold, die DVD-Kolumne von Johannes Binotto. Im Hauptteil stehen nicht allein die Regisseure im Fokus, es wird eine „politiques des collaborateurs“ verfolgt: Drehbuchautoren, Komponisten, Kameraleute, Filmtechniker werden porträtiert. Im neuen Heft gibt es ein Gespräch mit dem Toningenieur Bruno Tarrière. Natürlich werden auch die Schauspielerinnen und Schauspieler nicht vergessen. Bei den Autorinnen und Autoren gibt es einen harten Kern (Frank Arnold, Johannes Binotto, Natalie Böhler, Christoph Egger, Irene Genhardt, Flavia Giorgetta, Martin Girod, Oswald Iten, Pierre Lachat, Michael Lang, Gerhard Midding, Michael Ranze, Erwin Schaar, Doris Senn, Stefan Volk, Martin Walder) und profilierte Gäste (zuletzt: Norbert Grob über Douglas Sirk, Marli Feldvoss über Alain Resnais, Erika Richter über Elio Petri, Thomas Tode über Dziga Vertov). Walt R. Vian hielt sich als Autor zurück, er konzipierte und koordinierte. Vor vielen Jahren haben wir ein langes Gespräch über die Filmarchivierung und die Deutsche Kinemathek geführt (publiziert im Heft 5/1998). Das Filmbulletin ist für mich seit Jahrzehnten Pflicht- und Neigungslektüre. Tereza Fischer als neue Chefredakteurin verbindet mit Walt R. Vian offenbar die Liebe zum Kino. Das lässt hoffen. Mehr zum Filmbulletin: HP/338ih.php

Oskar Schlemmer

2014.DVD.BauhausDas Werk des Malers, Bildhauers und Bühnenbildners Oskar Schlemmer (1888-1943) war bis vor kurzem öffentlich nicht zu präsentieren, weil die Erben im Rechtsstreit lagen. Jetzt ist es – 70 Jahre nach seinem Tod – endlich frei zugänglich. Damit wurde auch die Publikation der DVD von „absolut medien“ möglich, die drei Filme über Schlemmer und „Das Triadische Ballett“ enthält, ein Hauptwerk des Künstlers, der viele Jahre die Bauhausbühne in Dessau geleitet hat. Der Film MENSCH UND KUNSTFIGUR: OSKAR SCHLEMMER UND DIE BAUHAUSBÜHNE (1969) von Margarete Hasting, einer Mary-Wigman-Schülerin, ist eine eher generelle Einführung in die Tanzphilosophie von Schlemmer mit Beispielen zum Metalltanz, Raumtanz, Formentanz, Gestentanz, Stäbetanz, Reifentanz, Kulissentanz, mit Baukastenspiel und Maskenchor (27 min.). Der Film DAS TRIADISCHE BALLETT (1970) zeigt modernisierte Figurinen der Kostümbildnerin Margit Bárdy in einer Choreographie von Margarete Hasting mit der Musik von Erich Ferstl (30 min.). Der Film DAS TRIADISCHE BALLETT (1989) von Henk van Dijk dokumentiert eine Choreografie von Gerhard Bohner, der sich mit Schlemmer besonders intensiv beschäftigt hat. Musik: Hans Joachim Hespos (72 min.) Zwei Dokumente haben die Funktion von Bonus-Material: ein 15-Minuten-Ausschnitt aus OSKAR SCHLEMMER UND TANZ (1980) mit Jessica Ebert, Ivan Liska und Philip Kilner zur Musik des No Set Ensembles in der Choreografie von Bohner und ein 6-Minuten-Ausschnitt des Porträts GERHARD BOHNER (1984) von Ulrich Tegedor. Insgesamt: 150 Minuten Oskar Schlemmer in der „Edition Bauhaus“. Informativ und anregend. Mehr zur DVD: view=film&id=1553

Der Fotograf Hans Casparius

2014.Casparius 2Eigentlich wollte er Schauspieler werden. In Filmen von Johannes Guter, Ernö Metzner und G.W. Pabst spielte er ab 1928 auch kleine Rollen. Aber dann machte er als Fotograf Karriere. Seine Porträts und Reisebilder, seine Werkfotos von Dreharbeiten in den frühen 1930er Jahren haben einen eigenen Stil, sind ganz nah an den Menschen, wirken oft wie Schnappschüsse. Hans Casparius (1900-1986) hat ein großes fotografisches Werk hinterlassen. Es wird von der Deutschen Kinemathek betreut. 1978 war ihm eine Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Berlin gewidmet, mit einer inzwischen legendären Publikation, redaktionell betreut von Jürgen Berger und Hans-Michael Bock. Bei edition text + kritik ist jetzt, herausgegeben von Wolfgang Jacobsen, ein kleiner, aber sehr schöner Bildband erschienen, der noch einmal die großen Stärken der Casparius-Fotos in Erinnerung ruft. Mit Straßenszenen aus Berlin, New York, London und Tel Aviv, Reisebildern aus Afrika, USA und Kanada, mit wunderbaren Porträts von Louise Brooks, Sybille Schmitz, Peter Lorre, Theo Lingen und Asta Nielsen, Hans Feld,  Ernst und Paul Morgan, Hanns Sachs und Leo Baeck, mit Werkfotos von den Dreharbeiten zur 3-GROSCHEN-OPER von G.W. Pabst (die 22 Fotos sind in der Mitte der Publikation platziert), zur WEISSEN HÖLLE VOM PIZ PALÜ und ZIGEUNER DER NACHT. Textdokumente von Kenneth MacPherson, Arnold Höllriegel, Georg Herzberg, Arthur Rundt und ein sensibles Nachwort des Herausgebers Jacobsen geben den Bildern einen vertiefenden Hintergrund. Einer Kurzbiografie am Ende des Bandes entnahm ich, dass die „Photospezialhandlung“ von Casparius ab 1932 einen öffentlich zugänglichen Laden am Kurfürstendamm 156 besaß, also im WEGA-Komplex am Lehniner Platz, in dem wir heute wohnen. Casparius ist 1933 emigriert, hat zunächst in Wien, dann in London gelebt. Bei der Ausstellungseröffnung 1978 war er anwesend, ich erinnere mich an ihn als einen freundlichen älteren Herren. Titelfoto: Indianer, Banff (Alberta/Kanada, 1931). Mehr zum Buch: U2IXqhzdJgs

DEFA 1989 – 1992

2014.Last FeaturesReinhild Steingröver, Associate Professor of German and Film Studies an der Eastman School of Music der University of Rochester, leistet mit ihrem Buch „Last Features“ wichtige Erinnerungsarbeit. Es geht um DEFA-Filme der Wendezeit, speziell um die Arbeiten der damals jüngsten, auf die DEFA-Geschichte bezogen vierten Generation. In ihrem ersten Kapitel („On Fools and Clowns or Refusal as Engagement“) stellt die Autorin den Film STEIN von Egon Günther Jörg Foths LETZTES AUS DER DA DA ER gegenüber und gewinnt aus der Kontrastierung interessante Erkenntnisse. Kapitel 2 („DEFA’s Untimely Poets“) porträtiert die Regisseure Ulrich Weiß und Herwig Kipping. Auf den Film BANALE TAGE von Peter Welz, der die Situation von zwei Jugendlichen Ende der 1970er Jahre thematisiert, konzentriert sich das dritte Kapitel („Absurd Endgames“). Besonders differenziert und der Protagonistin zugeneigt ist das Kapitel über Helke Misselwitz („Flight into Reality“), in dem Helkes Filme von WINTER ADÉ über WER FÜRCHTET SICH VORM SCHWARZEN MANN und SPERRMÜLL bis zu HERZSPRUNG gewürdigt werden. Auch dem Dokumentaristen Andreas Voigt und seinen fünf Leipzig-Filmen ist ein lesenswertes Kapitel gewidmet („The Extraordinary in the Ordinary“). Im Schlusskapitel („Asynchronicity in DEFA’s Last Feature“) geht es um Peter Kahane und seinen Film DIE ARCHITEKTEN, der nur mit großer Verzögerung gedreht werden konnte und im Mai 1990 in die Kinos kam. Die Realität war den Menschen da gerade wichtiger als ein Film. Umso interessanter ist es, sich heute mit diesen Filmen als Dokumenten der Zeit zu beschäftigen. Titelfoto aus dem Film DIE ARCHITEKTEN von Peter Kahane (zweite Bildhälfte auf der Rückseite). Mehr zum Buch: viewItem.asp?idProduct=14412

Kino aus Spanien und Lateinamerika

2014.MuestraSeit 2005 gibt es in Passau das Iberoamerikanische Filmfestival ¡muestra! Es ist eng mit der Universität verbunden, für die Organisation wurde der Verein „cineforum“ gegründet, der inzwischen nach München abgewandert ist. Und damit die bisherigen Aktivitäten nicht in Vergessenheit geraten, entstand die Idee zu einem resümierenden Buch. Es enthält zehn Texte. Judith Riemer und Julia Schmitt, dem Festival eng verbunden, erzählen die Geschichte der jährlich stattfindenden Veranstaltung. Annette Scholz informiert über die Situation des spanischen Filmmarktes. Sonja Hoffmann gibt einen Überblick über das aktuelle lateinamerikanische Kino. Sonja Maria Steckbauer analysiert den historischen mexikanischen Revolutionsfilm mit den Protagonisten Pancho Villa und Emilio Zapata, während sich Sven Pötting auf den aktuellen mexikanischen Film konzentriert. Das kubanische Kino nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion steht im Mittelpunkt des Beitrags von Carola Heinrich. Um Tendenzen im zeitgenössischen Film Kolumbiens geht es bei Birgit Aka und Verena Schmöller, um das argentinische Kino heute im Beitrag von Laila Nissen und Johanna Süß. Peter Grüttner beschäftigt sich mit dem brasilianischen Film der vergangenen zehn Jahre. Victor Cubillo informiert über die Lage des chilenischen Films. Die Texte sind informativ und wirken sachkundig. 30 brillante Fotos. Titelbild aus dem Film CITY OF GOD (2002) von Fernando Meirelles. Mehr zum Buch: kino-aus-spanien-und-lateinamerika-in-deutschland.html

Der deutsche Weltkriegsfilm 1931 bis 1939

2014.Sieg! Heil?Eine Dissertation aus München (Ludwig-Maximilian-Univer-sität). Daniela Kalscheuer ana-lysiert 17 Weltkriegsfilme aus der Weimarer Republik (5) und dem ‚Dritten Reich’ (12), die alle einen national-konservativen Blick auf den Krieg haben und insofern ideologisch vergleich-bar sind. Die Autorin setzt sich zunächst mit den Deutungs-spektren des Weltkriegs in der Weimarer Republik auseinander und untersucht den Stellenwert des Kriegsfilms in der Filmwirt-schaft (100 Seiten). Den Haupt-teil (350 Seiten) nehmen die Filmanalysen in Anspruch. Sie trennt zwischen quantitativer und qualitativer Analyse. Quantitativ: das sind Informationen über die Handlung des Films, die Produktion, die Werbung und die Rezeption, also die Publikumsreaktionen und die Kritik in der Presse. Die entsprechenden Recherchen wirken sorgfältig und fügen sich zu einem detaillierten Bild. Unter den analysierten Filmen befinden sich BERGE IN FLAMMEN (1931) von Luis Trenker und Karl Hartl, MORGENROT (1933) von Gustav Ucicky, EIN MANN WILL NACH DEUTSCHLAND (1934) von Paul Wegener, PATRIOTEN (1937), UNTERNEHMEN MICHAEL (1937), URLAUB AUF EHRENWORT (1938) und POUR LE MÉRITE (1938) von Karl Ritter und AUFRUHR IN DAMASKUS (1939) von Gustav Ucicky. In der qualitativen Analyse geht es dann um die Darstellung der Kriegsschuldfrage und der „Dolchstoßlegende“, um Feindbilder, Frauenbilder, Rassismus und Antisemitismus, um Kampfdarstellungen, Opfertod und das Verhältnis zwischen Einzelschicksal und Massenschicksal. Während die quantitative Analyse eher wie eine Fleißarbeit wirkt, erweist sich die Autorin in der qualitativen Analyse als kompetente Interpretin vieler Details der Inszenierung und Bildauflösung. Der Text insgesamt ist flüssig zu lesen, auch wenn die insgesamt 2.642 Fußnoten kleine Stolpersteine sind. Keine Abbildungen. Dem Buch ist eine CD-ROM beigelegt, die Sequenz- und ausgewählte Einstellungsprotokolle der behandelten Filme sowie Erfolgsmeldungen aus dem Filmkurier enthält. Mehr zum Buch: 62669#.U0lVfxzdJgs