Pasolini Roma

2014.Pasolini MGBIm Berliner Martin-Gropius-Bau ist am Mittwoch die Ausstellung „Pasolini Roma“ eröffnet worden. Ich hatte sie bereits im vergangenen Dezember in der Cinéma-theque française in Paris gesehen. Aber die Präsentation im Gropius-Bau ist besser strukturiert und wirkungsvoller. Natürlich muss man sich – neben dem Blick auf die Filmausschnitte und die unübersehbaren Exponate des Schneide-tisches, des Autos, der Schreibmaschine – vor allem auch auf die Faksimiles der Manuskripte und Zeitungsauschnitte einlassen, um die Universalität von Pasolini zu begreifen, der ja nicht nur ein großer Filmemacher, sondern auch Schriftsteller, Lyriker, Theaterregisseur, Essayist, Maler und Schauspieler war. Zur Nachbereitung des Ausstellungsbesuches ist der Katalog sehr hilfreich, der im Prestel Verlag erschienen ist, herausgegeben von dem Kurator Jordi Balló. Er enthält viele Exponat-Abbildungen in hervorragender Druckqualität, Interviews mit Alberto Arbasino, Bernardo Bertolucci, Vincenzo Carami, Ninetto Davoli (der bei der Eröffnung in Berlin eine schöne, sehr persönliche Rede hielt), Dacia Maraini, Ennio Morricone und Nico Naldini, Kapiteleinführungen von Alain Bergala, Kommentare zu den Dokumenten von Bergala, Gianni Borgna, der sich sehr für das Projekt engagiert hat und vor wenigen Monaten gestorben ist, und Herausgeber Balló, sowie ein Vorwort vom Intendanten der Berliner Festspiele, Thomas Oberender. Ausstellung und Katalog machen deutlich, wie eng das Denken und künstlerische Handeln von Pasolini, der vor 38 Jahren ermordet wurde, mit unserer Gegenwart verbunden sind, auch wenn sich die Stadt Rom inzwischen sehr verändert hat. Gefördert wurde das Ausstellungsprojekt im Übrigen auch vom Hauptstadtkulturfonds. Im Kino Arsenal findet begleitend zur Ausstellung eine Pasolini-Retrospektive statt, die bis in den Oktober hinein zu sehen ist. Die Ausstellung endet am 5. Januar 2015. Mehr zur Ausstellung: 88022.php / Mehr zum Katalog: true#tabbox

A MOST WANTED MAN

2014.CorbijnHeute hat der Film A MOST WANTED MAN von Anton Corbijn in den deutschen Kinos Premiere. Ich habe ihn bereits in einer Presse-vorstellung gesehen, finde seine Erzählweise in der Dramaturgie und Montage sehr traditionell, aber es gibt ein Muss für den Kinobesuch und das ist sein Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman. Er spielt – in seiner letzten Hauptrolle – den deutschen Agenten Günther Bachmann, der in Hamburg eine Spezialeinheit leitet und mit dem Verfassungs-schutz und der CIA in Konflikt gerät. Hoffmans physische Präsenz ist in keinem Moment reduziert, seine scheinbare Ruhe und der dennoch ungebrochene Erfolgswille werden mit allen darstellerischen Mitteln ausgedrückt; es ist eine phänomenale Abschiedsvorstellung. – Schirmer/Mosel hat zum Kinostart ein wunderbares Buch publiziert. Es enthält 140 Fotos, die Anton Corbijn, der ja auch ein herausragender Fotograf ist, vor und während der Dreharbeiten in Hamburg gemacht hat. Seine handgeschriebenen Texte begleiten die Bilder durchs Buch und geben ihnen eine zugleich informative und emotionale Ebene, denn sie entstanden erst nach Hoffmans Tod. Zu sehen sind auf den Fotos natürlich auch die anderen Darstellerinen und Darsteller des Films, auf die ich nicht näher eingegangen bin: Nina Hoss, Daniel Brühl, Willem Dafoe, Rainer Bock, Rachel McAdams, Robin Wright, Grigoriy Dobrygin – und der Autor der literarischen Vorlage, John le Carré, der ja eigentich David Cornwell heißt. Mehr zum Buch: Path=39&products_id=727

Doku.Arts in Berlin

2014.Doku-ArtsHeute wird im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums das Festival Doku.Arts eröffnet. Andreas Lewin hat wie in den vergangenen Jahren ein interessantes Programm zusammengestellt. Zum zweiten Mal werden unter dem Titel „Second Hand Cinema“ Dokumentar-, Essay- und Kompilationsfilme präsentiert, die auf besondere Weise filmisches Archivmaterial verwenden. Insgesamt stehen in den kommenden fünf Wochen 23 Filme auf dem Programm. Eröffnet wird heute Abend mit  REGARDING SUSAN SONNTAG von Nancy Kates, in Anwesenheit der Filmemacherin. Aus diesem Film stammt auch das Foto oben. Am Freitag findet eine Fachtagung zum Thema „Recycled Cinema“ statt, an der u.a. die Juristinnen Julie Ahrens (Stanford) und Elizabeth Gibson (London), die Journalisten Rudiger Suchsland und Dirk von Gehlen, die Produzenten Anthony Wall (BBC) und Hans Kohl (Goethe-Institut), der Filmwissenschaftler Balázs Varga (Budapest) und der Filmemacher und Akademie-Direktor Thomas Schadt (Ludwigsburg) teilnehmen. Den Eröffnungsvortrag, „Ethik der Aneignung“, hält morgen Abend der Filmhistoriker Thomas Elsaesser (Amsterdam). Am 26. September spreche ich mit Robert Fischer über seinen Film SWAN SONG, der die Produktionsgeschichte von Billy Wilders FEDORA erzählt. Doku.Arts wird in diesem Jahr wieder von der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Es ist zu hoffen, dass Andreas Lewin auch in den kommenden Jahren die Finanzierung des Festivals sichern kann. Mehr zu Doku.Arts: doku-arts.de/2013-14/de/

Retrospektive Samuel Fuller

2014.Fuller 1Im Münchner Filmmuseum beginnt heute eine Retro-spektive der Filme von Samuel Fuller (1912-1997). 25 Filme stehen bis zum 21. Dezember auf dem Programm. „Die berühmteste Kinoformel stammt von ihm, tausendfach zitiert, das gesamte Kino umfassend. Was das Kino sei, exactement, wird in einer Party-Szene in Godards PIERROT LE FOU der kleine Amerikaner gefragt, der mit schwarzer Sonnenbrille auf der Nase und Zigarre im Mund an der Wand lehnt, er spricht kein Französisch und ist vom Partygelaber daher ungerührt. Sam Fuller, als amerikanischer Filmregisseur, in Paris, um einen Film zu derhen, THE FLOWERS OF EVIL. Und er hat eine knappe Definition parat für Belmondo: ‚Film is like a battleground. Love, Hate. Action. Violence. Death. In one word: Emotions.“ (Fritz Göttler im Programmheft des Filmmuseums in seiner wunderbaren Einführung in die Retrospektive). Und man sollte immer wieder an das Fuller-Buch erinnern, das Ulrich von Berg und Norbert Grob 1984, also vor dreißig Jahren, in der „Edition Filme“ herausgegeben haben. Im ZVAB wird es gerade für 18,80 € angeboten. Mehr zur Retrospektive: samuel-fuller.html

Sieben Filme von Yasujiro Ozu

2014.DVD.OzuMeine Bewunderung für diesen großen Regisseur begann 1963. Die Berlinale widmete Yasujiro Ozu damals eine kleine Retrospektive, und ich sah sechs Filme von ihm, darunter TOKYO MONOGATARI, UKIGUSA und AKIBIYORI. 1963: das war das Jahr, in dem Ozu am 12.12. gestorben ist, an seinem 60. Geburtstag. Er hat insgesamt 54 Filme gedreht, 33 von ihnen sind erhalten. – Bei Koch Media sind jetzt sieben Filme von Ozu, die wenig bekannt sind, auf DVD erschienen. Zwei von ihnen habe ich noch nie gesehen. DER WANDERSCHAUSPIELER (1934), noch stumm gedreht, ist uns in seiner Geschichte als Remake von 1959 (UKIGUSA/ABSCHIED IN DER DÄMMERUNG) vertraut. Es ist erstaunlich, wie intensiv die erste Version wirkt, wie in den Alltagsbeobachtungen und der einfachen Handlung bereits Ozus Stilmittel zu sehen sind. EINE HERBERGE IN TOKIO (1935) erzählt, ebenfalls noch ohne Dialoge, aber mit Originalmusik, die Geschichte eines arbeitslosen Vaters und seiner zwei Söhne, der eine Witwe mit ihrer kranken kleinen Tochter kennen lernt und ihr zu helfen versucht. Von Anfang an ist in den Kamerapositionen und in der Montage Ozu zu erkennen. Natürlich habe ich die anderen fünf Filme gern wiedergesehen. In DER EINZIGE SOHN (1936), Ozus erstem Tonfilm, unternimmt eine verwitwete Mutter eine Reise nach Tokio, um dort ihren Sohn zu besuchen. Sie muss erkennen, dass er in sehr viel schlechteren Verhältnissen lebt, als sie erwartet hat. Sie kehrt nach Hause zurück und stirbt. DIE GESCHWISTER TODA (1941) erzählt eine klassische Ozu-Familiengeschichte, die mit dem Tod des Vaters beginnt und die Konflikte der Mutter mit ihren drei Kindern beschreibt. In ES WAR EINMAL EIN VATER (1942) wird eine schwierige Vater/Sohn-Beziehung geschildert, die vor allem aus Trennungen besteht und mit dem Tod des Vaters endet. Der wird von Chishu Ryu gespielt, dem für mich wichtigsten Ozu-Darsteller. Er steht auch im Zentrum des Films WEIZENHERBST (1951), der vom Zerbrechen einer Familie erzählt und von der Emanzipation der Tochter Noriko, gespielt von Setsuko Hara, der von mir am meisten verehrten Ozu-Darstellerin. Und schließlich: DER GESCHMACK GRÜNEN TEES AUF REIS (1952), die Geschichte eines kinderlosen Ehepaares, das sich entfremdet hat, aber wieder zueinander findet. – Das Erscheinen der Ozu-Box ist für mich ein Ereignis. Koch Media gebührt dafür großer Respekt. Das Booklet enthält einen sehr kompetenten Text von Olaf Möller. Mehr zur DVD: ozu_collection_masterpieces_of_cinema_7_dvds/

Gespenster

2014.Gespenster 1Die Reihe „Projektionen – Studien zu Natur, Kultur und Film“ gibt es seit 2009. Thomas Koebner hat sie gegründet und bisher herausgegeben. Zuletzt erschienen Bände über Indianer, Mythopoetik, Ekstase und Kindheiten im Film. Mit dem achten Band verabschiedet sich der bisherige Heraus-geber und übergibt an den Berliner Germanisten Hans Richard Brittnacher. Im Mittelpunkt des „Gespenster“-Buches steht ein wunderbarer Aufsatz von Thomas über „Spukhaus-Filme“, in denen die konkrete Verortung von Gespenstern die Regel ist. Auf zwölf Filme geht der Autor genauer ein: THE HOUSE OF USHER (1960) von Roger Corman, THE INNOCENTS (1961) von Jack Clayton, THE HAUNTING (1963) von Robert Wise und das Remake THE HAUNTING (1999) von Jan de Bont, THE SHINING (1980) von Stanley Kubrick, THE CHANGELING (1980) von Peter Medak, BURNT OFFERINGS (1976) von Dan Curtis, POLTERGEIST (1982) von Tobe Hooper, BELOVED (1998) von Jonathan Demme, THE OTHERS (2001) von Alejandro Amenábar, THE SKELETON KEY (2005) von Iain Softley und THE CONJURING (2013) von James Wan. Es sind vor allem die Ortsbeschreibungen und die Charakterisierungen der involvierten Personen, die den Text so faszinierend machen. Auf sieben andere interessante Texte des Buches will ich zumindest hinweisen: auf Roman Mauers Reflexionen über Doppelbelichtung in Geisterfotografien und Stummfilm, Hans Richard Brittnachers Gedanken zu Doppelgängern und Spiegelbildern in Literatur und Film, René Rupperts Erinnerungen an Gespenster in der Filmkomödie, Daniel Illgners Informationen zu Mario Bava und den Gespenstern des italienischen Horrorfilms, Marcus Stigleggers Entdeckungsreise zu den mythologischen Wurzeln des japanischen Geisterfilms, Andreas Rauschers Überlegungen zu Tim Burton und dem Genrekino und Sascha Koebners kurze Analyse der Geschichte des Zombies im Film. Also: viel Irreales zum Abschied des bisherigen Herausgebers und ein Willkommensgruß an den neuen. Mehr zum Buch: SBN=9783869162355#.VADiUxyWGT0

Hanna Schygulla

2014.SchygullaDies ist der neunte Band der BFI-Reihe über Filmstars. Es gibt sie seit 2012, unter den Porträtierten findet man bisher u.a. Nicole Kidman, Elizabeth Taylor, Barbara Stanwyck, Brigitte Bardot und Mickey Rourke. Mit Hanna Schygulla ist der erste deutsche Star in die Reihe aufgenommen. Die Autorin Ulrike Sieglohr ist „Honorary Reasearch Associate in Film, Television and Radio Studies at Staffordshire University“. Angeregt durch Thomas Elsaessers Buch „New German Cinema“, hat sie sich intensiv mit Rainer Werner Fassbinder beschäftigt und ist dabei auf die besondere Spielweise von Hanna Schygulla aufmerksam geworden. „I increasingly admired Schygulla’s intelligence in managing her performance skills, particularly a capacity to turn what critics have perceived as her manneristic limitation to her own advantage. Consequently, my study bears witness to Schygulla’s increasing versatility and the fact that her work with a wide range of distinguished international directors has afforded the actor greater agency, as well as producing a more naturalistic acting style.“ Sieglohrs Text ist weit entfernt von traditionellen Starmonografien. Sie beschreibt mit vielen Zitaten die ganz unterschiedlichen Stilmittel, mit denen Schygulla unter so wichtigen Regisseuren und Regisseurinnen wie Jean-Luc Godard, Andrzej Wajda, Margarethe von Trotta, Amos Kollek, Agnès Varda, Fatih Akin oder Aleksandr Sokurov vor der Kamera agiert. Ein verspätetes Präsent zum 70. Geburtstag der Schauspielerin, der im vergangenen Dezember gefeiert wurde. Coverfoto: Schygulla in RIO DAS MORTES (1971). Mehr zum Buch: hanna-schygulla.html#.VAV9yByWGT0

Geschichte der Kinowochenschau

2014.WochenschauBis in die späten 1970er Jahre gehörte die Wochenschau zum Bestandteil eines Kino-programms, dann wurde sie endgültig ein Opfer der „Tageschau“. Noch heute erinnere ich mich gut an den Vorspann der von den Amerikanern produzierten „Fox Tönende Wochenschau“, die 1978 eingestellt wurde. In der DDR gab es die Wochenschau „Der Augenzeuge“ im Dezember 1980 zum letzten Mal. Der Historiker Bernd Kleinhans (Pädagogische Hochschule Schwäbisch-Gmünd) hat im vergangenen Jahr eine sehr fundierte Geschichte der Kinowochenschau publiziert, auf die ich hier mit kleiner Verspätung hinweise. Einzeluntersuchungen zum Beispiel zur NS-Wochenschau gab es natürlich, aber eine Gesamtdarstellung zum Thema ist mir bisher nicht bekannt. Kleinhans strukturiert sein Buch chronologisch, beginnend mit den Anfängen der Wochenschau vor dem Ersten Weltkrieg. Dann folgt ein Kapitel zum Bild des Ersten Weltkrieges in den Wochenschauen, die damals als Informationsmedium eine große Bedeutung bekamen. Die Wochenschau in der Weimarer Republik teilt sich, technisch bedingt, vor allem in Stummfilm- und Tonfilmzeit. Es konkurrierten ab 1930 die „Deulig-Tonwoche“, die „Emelka-Tonwoche“, die „Fox-Tonwoche“ und die dominante „Ufa-Tonwoche“. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus gab es noch viele Jahre diese Wochenschauen, auch wenn die Berichterstattung vereinheitlicht wurde. Der Neustart ab 1945 war von den Einflüssen der Besatzungsmächte geprägt, es dominierte in den Westzonen zunächst „Welt im Film“ (britisch-amerikanisch), die erste westdeutsche Wochenschau war „Blick in die Welt“, dann kamen „Fox Tönende Wochenschau“, „Welt im Bild“ und die „Ufa Wochenschau“ (später „Ufa dabei“); in der DDR wurde „Der Augenzeuge“ 1946 in die Kinos gebracht. Und die 1950er Jahre waren die große Zeit der Wochenschau in Ost und West. Dann drängte sich das Fernsehen in den Vordergrund, und es begann der langsame Abschied. Die Arbeit von Kleinhans ist hervorragend recherchiert (1.184 Quellenhinweise) und gut zu lesen – wenn man sich für die Geschichte der Wochenschau noch interessiert. Titelbild: Anzeige der „Messter-Woche“ in der Lichtbildbühne v. 19.10.1918. Mehr zum Buch: Ersatz-fuer-die-Wirklichkeit.html

Sommernachtsraum in Zürich

2014.SommernachtSeit dreißig Jahren gibt es auf dem Zürcher Röntgen-platz in jedem Sommer Openair-Vorführungen von Filmen. Im ersten Jahr (1985) wurden unter dem Reihentitel „Harte Männer, starke Frauen“ DER BLAUE ENGEL mit Marlene Dietrich, CASABLANCA mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman, AFRICAN QUEEN mit Bogart und Katharine Hepburn und NINOTCHKA mit Greta Garbo gezeigt. Der Ort hat inzwischen in Zürich eine fast mythische Bedeutung, weil eigentlich eine Autobahnbrücke über die Limmat gebaut werden sollte, was aber durch ausdauernde Bürgerproteste verhindert wurde. Stattdessen wurde der sogenannte „Kreis 5“ dann verkehrsberuhigt und hat eine beispielhafte urbane Entwicklung genommen. Sie ist auch der eigentliche Kern des Buches, das zwar die 30 Jahre Freiluftkino als Ausgangspunkt hat, aber vor allem ein Forum der Selbstdarstellung („Innen- und Außenblicke“) für 34 Bewohner in Wort und Bild ist. Das multikulturelle Spektrum wirkt dabei überraschend groß. Drei Aufsätze informieren über die historische Entwicklung des Röntgenplatzes von 1850 bis in die Gegenwart. Zwei Texte beschäftigen sich mit dem Kreis 5 im Film und dem Film im Kreis 5, und am Ende – schließlich ist es ein Filmbuch – werden die Leserinnen und Leser mit Erinnerungen an die Geschichte des Openairkinos in der Schweiz aus der Lektüre entlassen. Dokumentiert sind alle Plakate der 30 Jahre und alle gespielten Filme (der Film RIFF RAFF konnte im Übrigen 1992 nicht gezeigt werden, weil ein Sturm die Leinwand zerstört hatte). Mit vielen Abbildungen. Eine ungewöhnliche Publikation! Mehr zum Buch: www.limmatverlag.ch/Default.htm?/verlag/limlief.htm

Roland Klick

2014.DVD.KlickEr war ein unbequemer, interessanter Regisseur des Neuen Deutschen Films. Im Juli wurde sein 75. Geburtstag gefeiert, und die Filmgalerie 451 hat aus diesem Anlass eine DVD-Box publiziert. So kann man jetzt seine kurzen Filme der 1960er Jahre und vier lange Filme der 70er und 80er wieder sehen. Klick begegnete ich zum ersten Mal bei den Mannheimer Filmwochen 1965 und 1966 und sah damals den Kurzfilm ZWEI und den mittellangen Film JIMMY ORPHEUS, dessen Impressionen aus dem Milieu von St. Pauli mir damals gut gefallen haben. DEADLOCK (1970) mit Mario Adorf und Marquard Bohm wirkt noch heute als Genrefilm – eine Mischung zwischen Western und Gangsterfilm – sehr professionell. SUPERMARKT (1973) mit Charly Wierzejewski ist für mich Klicks bester Film, einfach in der Erzählform, aber von starker Emotionalität und ganz nah bei seinem Protagonisten; hinter der Kamera stand damals Jost Vacano. Ivo Ritzer hat einen sehr zugeneigten Text im Reclam-Band zum „Neuen Deutschen Film“ darüber geschrieben. WHITE STAR (1981-83) finde ich zwiespältig, weil Dennis Hopper als abgehalfterter Musikmanager in seinem Aktionismus offenbar nicht zu bremsen war und den authentischen Rahmen sprengt. Die späte Komödie SCHLUCKAUF, gedreht in den später 80ern, erstaufgeführt 1992, ist ja ziemlich unbekannt, bereitet aber dank der beiden Hauptdarstellerinnen Irene Findeisen und Cathy Haase durchaus Vergnügen. Eine schöne Würdigung des Regisseurs Roland Klick ist der Dokumentarfilm THE HEART IS A HUNGRY HUNTER (2012) von Sandra Prechtel. Nur drei Filme von Klick (BÜBCHEN, LIEB VATERLAND, MAGST RUHIG SEIN und DERBY FEVER USA) fehlen in der Box. Aber sie ist trotzdem ein würdiges Geburtstagsgeschenk zum 75. Das Booklet enthält einen Text von Jörg Schöning, Zitate aus positiven zeitgenössischen Kritiken, ein frühes Gespräch mit Klick von Heiko R. Blum und eine Filmografie von Frank Arnold. Mehr zur DVD: roland-klick-filme/