Venedig

2016.VenedigHeute beginnen die 73. Filmfestspiele in Venedig. Zwanzig Filme bewerben sich im Wettbewerb um den „Goldenen Löwen“, darunter Wim Wenders mit seiner fünften Peter Handke-Adaption DIE SCHÖNEN TAGE VON ARANJUEZ, François Ozon mit der deutsch-französischen Koproduktion FRANTZ, Tom Ford mit NOCTURNAL ANIMALS (mit Jake Gyllenhaal und Laura Linney), Terrence Malick mit dem Dokumentarfilm VOYAGE OF TIME, Emir Kusturica mit ON THE MILKY ROAD und Derek Cianfrance mit THE LIGHT BETWEEN OCEANS (mit Michael Fassbender und Alicia Vikander). In der Jury, unter dem Vorsitz von Sam Mendes, sitzt auch die Schauspielerin Nina Hoss. Außer Konkurrenz sind u.a. der Dokumentarfilm SAFARI von Ulrich Seidl, der Zweiteiler THE YOUNG POPE von Paolo Sorrentino mit Jude Law als Papst Pius XIII., der Historienfilm AUSTERLITZ von Sergei Loznitsa und HACKSAW RIDGE von Mel Gibson zu sehen. Eröffnungsfilm ist LA LA LAND von Damien Chazelles mit Emma Stone und Ryan Gosling, als Finale wird das Remake THE MAGNIFICENT SEVEN von Antoine Fuca mit Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-Hun Lee und Peter Sarsgaard gezeigt. Ehren-Löwen erhalten die französische Schauspieler Jean-Paul Belmondo und der polnische Regisseur Jerzy Skolimowski. Mehr zum Festival: labiennale.org/en/cinema/

An den Drehschrauben filmischer Spannung

2016.DrehschraubenEine Masterarbeit, die an der Universität Bonn entstanden ist. Jana Zündel leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Literatur über filmische Spannung. Sie fragt in ihrer Einleitung: „Inwie-fern tragen die raumzeitlichen Bedingungen und Wendungen einer Sequenz zu Aufbau und Steigerung von Spannung bei? Wie beeinflussen diese Größen die Wahrnehmungs- und Ver-stehensprozesse des Zuschauers? Wie werden Zeit- und Raumdynamiken kombiniert?“ (S. 7). Die Autorin analysiert zur Beantwortung dieser Fragen Sequenzen aus neun Filmen von Alfred Hitchcock: THE 39 STEPS (1935), SABOTAGE (1936), SABOTEUR (1942), NOTORIOUS (1946), STRANGERS ON A TRAIN (1951), REAR WINDOW (1954), THE MAN WHO KNEW TOO MUCH (1956), NOTH BY NORTHWEST (1959) und THE BIRDS (1963). Sie unterscheidet dabei zwischen Zeitstrategien (Verzögerungen und Deadlines) und Raumstrategien (klaustrophobische und exploratorische Raumdynamiken). Ihr Fazit: Hitchcock nutzt zur Steigerung des Suspenses alle Mittel und arbeitet dabei auch noch mit den Möglichkeiten des Tons. Der Anhang enthält Einstellungsprotokolle der Filme THE BIRDS, SABOTAGE und THE MAN WHO KNEW TO MUCH. Die Qualität der Abbildungen ist grenzwertig. Mehr zum Buch: 7f0d19a401ed9e4

WOZZECK (1947)

2016.DVD.WozzeckEin früher DEFA-Film. Er spielt in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Die Rahmen-handlung führt uns in den Anatomiesaal einer Universität. Ein Arzt begutachtet die Leiche des Füsiliers Wozzeck, der als Mörder hingerichtet wurde. Der Student Georg Büchner erzählt die tragische Geschichte des jungen Mannes, der mittellos ist, einem Arzt als Versuchsobjekt dient, mit seiner Geliebten Maria ein Kind hat, aber von Maria mit einem Tambour-Major betrogen wird. Aus Eifersucht und Verzweiflung ersticht er Maria, wird verhaftet und zum Tode verurteilt. Der Medizinstudent und spätere Schriftsteller Georg Büchner schreibt ein Dramenfragment über Wozzeck. – Für den österreichischen Autor und Regisseur Georg C. Klaren, der 1931 erst-mals Regie geführt hatte und die Nazi-Zeit als Drehbuchautor über-stand, war dies die erste Nachkriegs-Regie. Stilistisch orientiert er sich stark am Expressionismus und wurde dabei von dem Kameramann Bruno Mondi, dem Szenografen Hermann Warm und dem Ausstatter Walter Schulze-Mittendorf, die alle schon in der Weimarer Republik tätig waren, kreativ unterstützt. Als künstlerischer Berater war Paul Wegener an dem Film beteiligt. Viele prominente Schauspieler wirkten in dieser Produktion mit: Kurt Meisel als Wozzeck, Paul Henckels als Arzt, Arno Paulsen als Hauptmann, Elsa Wagner als Großmutter, Rotraut Richter als Kellnerin Käthe, mit der Wozzeck anzubändeln versucht. Ein interessanter, fast experimenteller Film. Georg C. Klaren drehte anschließend den DEFA-Film SEMMELWEIS – RETTER DER MÜTTER. Mehr zur DVD: dvd-wozzek-sparkauf.html

Der Zeichentrickfilm

2016.ZeichentrickfilmIn seiner Einleitung beklagt der Autor das Fehlen wissenschaft-licher Erkenntnisse mit Blick auf „1) die grundlegende medien-theoretische Unterscheidung des Zeichentrickfilms vom Realfilm, 2) zeichentrickspezifische Kommunikations­potentiale, 3) die Entwicklung neuer film-wissenschaftlicher Definitions- und Beschreibungskategorien, die den speziellen Möglichkeiten und Eigenheiten des Zeichen-trickfilms Rechnung tragen, 4) sowie mediensemiotische und kognitive Theorien zur Rezeption des Zeichentrickfilms.“ (S. 14). Die theoretischen Ansprüche von Matthias C. Hänselmann sind entsprechend hoch, und er nutzt 650 Druckseiten, um ihnen gerecht zu werden. Sein Text ist in fünf Kapitel strukturiert: I. Ausgangslage und Grunddefinitionen. II. Die Grundlagen der allgemeinen Zeichentrick-semiotik. III. Das Darstellungssystem des Zeichentrickfilms. IV. Das diegetische System des Zeichentrickfilms. V. Die Grundlagen der Zeichentricknarratologie. Berücksichtigt werden sowohl narrative Unterhaltungsfilme wie auch illustrative Musikvideos und experimentelle Kunstfilme. In seinen Analysen ist der Autor sehr konkret und anschaulich, in der Terminologie und den entsprechenden Verweisen auf die Literatur dominieren Abstraktionen. 193 Abbildungen in guter Qualität helfen beim Verständnis des Textes. Mehr zum Buch: titel/484-der-zeichentrickfilm.html

Musik in Zeichentrickfilmen von Walt Disney

2016.ZeichentrickmusikEine Dissertation, die an der Universität Mainz entstan-den ist. Britta Heiligenthal untersucht darin die spezielle Bedeutung der Musik in den Animationsfilmen von Walt Disney. „Was ist die Bild-Ton-Beziehung, wie berührt sie unterbewusst die Zuschauer, wie unterstützt sie Handlung, Atmosphäre, Figuren, Situationen im Film, wodurch fördert sie das Miterleben des Zuschauers und sein Eintauchen in die Handlungswelt des Films?“ (S. 14). Die Autorin analysiert drei Filme aus dem Walt Disney Studio aus unterschiedlicher Zeit: SNOW WHITE AND THE SEVEN DWARFS (1937), THE JUNGLE BOOK (1967) und BEAUTY AND THE BEAST (1991). Ihre 15 Motiv-Stationen bei der SNOW WHITE-Analyse sind: Ouvertüre / Die böse Königin / Schneewittchen / Mordauftrag / Mordversuch und Flucht / Neue Freunde / Frühjahrsputz / Zwergen-Mine / Zurück im Haus der Zwerge / Verwandlung der bösen Königin / „Silly Song“ / Der vergiftete Apfel / Aufbruch der Zwerge / Besuch der Hexe, Mord und Jagd / Totenwache, Erlösung und Happy End. Ähnlich aufgefächert sind die musikalischen Haltepunkte bei den beiden anderen Filmen. Die Autorin verfügt über die große Fähigkeit, die Filmmusik und ihre Beziehung zu den Handlungsmomenten genau zu beschreiben. Es gibt keine Abbildungen aus den Filmen, aber gelegentlich Notenbeispiele für spezielle Motive. Wenn die Musik zu effektvoll oder aufdringlich ist – vor allem in den späteren Filmen – wird das auch kritisiert. Man müsste sich die drei Filme anschauen und parallel den Text des Buches lesen. Ich werde das demnächst mit dem Schneewittchen-Film ausprobieren, den ich seit meiner Kindheit sehr schätze. Britta Heiligenthal ist inzwischen als Regisseurin großer Musical-Produktionen tätig. – Band 72 der „Reihe Filmstudien“, die inzwischen im Nomos Verlag in Baden-Baden erscheint. Mehr zum Buch: productview.aspx?product=25454

UFA-Filmnächte in Berlin

2016.Uda-FilmnächteZum sechsten Mal finden in diesem Jahr die UFA-Filmnächte in Berlin statt, wieder, hoffentlich bei gutem Wetter, im Kolonnadenhof der Museumsinsel. Sie werden heute mit dem Film DIE BERGKATZE (1921) von Ernst Lubitsch mit Pola Negri (Foto) und Paul Heidemann eröffnet. Morgen stehen die UNHEIMLICHEN GESCHICHTEN (1919) von Richard Oswald mit Conrad Veidt, Anita Berber und Reinhold Schünzel auf dem Programm. Am Freitag wird DER MÜDE TOD (1921) von Fritz Lang mit Lil Dagover, Walter Janssen und Bernhard Goetzke gezeigt. Die musikalische Begleitung liegt heute bei Trioglyzerin zusammen mit der JazzCombo der Deutschen Oper Berlin, morgen sind Jonas Nay und die Northern Lights vor Ort, am Freitag präsentiert der DJ Raphael Marionneau seine Neuvertonung des Fritz Lang-Film, die eine Kompilation aus Elementen klassischer Musik und Ethno-Pop sein soll. Alle drei Filme wurden von der Murnau-Stiftung restauriert. Für die Einführungen ist an allen drei Abenden die Schauspielerin Caroline Peters verantwortlich. Die Veranstaltung wird von der UFA und Bertelsmann verantwortet. Zumindest am ersten Abend bin ich dabei. Mehr zur Veranstaltung: www.ufa-filmnaechte.de/

Pioniere des Comic

2016.Pioniere des ComicComic und Film sind auf mehrfache Weise verbun-den. Sie wurden fast zeitgleich – Ende des 19. Jahrhunderts – zu einem Massenmedium, sie bestehen aus Bildfolgen, sie sind kadriert, sie erzählen Geschichten. In der Frankfurter Schirn ist zurzeit eine Ausstellung über die Pioniere des amerikanischen Comics zu sehen (noch bis 18. September). Der Katalog zur Ausstellung, heraus-gegeben von Alexander Braun und Max Hollein im Hatje Cantz Verlag, ist unbedingt zu empfehlen. Es waren Zeitungsseiten, die in den USA für eine große Verbreitung der Comics sorgten. Im Katalog werden sechs Zeichner, die es zu großem Ansehen brachten, in umfangreichen Porträts vorgestellt: Winsor McCay (1869-1934) ist vor allem mit zwei Serien berühmt geworden: „Dream of the Rarebit Fiend“ (ab 1904) und „Little Nemo in Slumberland“ (ab 1905), sie erschienen im New York Herald. Lyonel Feininger (1871-1956) zeichnete 1906 von Berlin aus für die Chicago Sunday Tribune zwei Serien: „The Kin-der-Kids“ und „Wee Willie Winkie’s World“; die Zusammenarbeit dauerte allerdings nur ein halbes Jahr, aber die abgedruckten Beispiele sind beeindruckend. Charles Forbell (1885-1946) erfand 1913 die Serie „Naughty Pete“, die als besonders frech galt, für den New York Herald. Cliff Sterrett (1883-1964) war mit dem Comic „Polly and Her Pals“ für Sonntagszeitungen aus dem Hearst-Konzern ab 1912 über viele Jahrzehnte erfolgreich. Er reagierte auf Kunststile der Zeit (Expressionismus, Kubismus) und hat später auch die Zeichner des Disney-Studios beeinflusst. George Herriman (1880-1944) hat mit der Serie „Krazy Kat“ ab 1913 Katze und Maus in den Comic eingeführt. Bei Frank King (1883-1969) spielten Vater Walt und Sohn Skeezix in der Serie „Gasoline Alley“, die er ab 1918 für die Chicago Tribune zeichnete, die Hauptrollen. Die Texte zu den sechs Porträts stammen von Alexander Braun. Ein Gastbeitrag des Malers Thomas Scheibitz „Parallelbilder, Fantasie oder optischer Humor“ stellt den Comic in größere Zusammenhänge. Die meist farbigen Abbildungen des Katalogs sind wunderbar. Coverabbildung: „Little Nemo in Slumberland“ (1908). Mehr zum Buch: pioniere-des-comic–6669-0.html

Filme von Jürgen Böttcher

2016.DVD.Böttcher 1Vor anderthalb Monaten, am 8. Juli, wurde Jürgen Böttcher 85 Jahre alt. Dank der „Edition Filmmuseum“ gibt es jetzt end-lich die Möglichkeit, das Werk dieses großen Dokumentaristen in seiner ganzen Komplexität zur Kenntnis zu nehmen. Es lohnt sich! Auf drei Doppel-DVDs sind insgesamt 18 Dokumentarfilme, drei Experimentalfilme und sein einziger Spielfilm, JAHRGANG 45, verfügbar. Jürgen Böttcher war über viele Jahrzehnte sowohl als Maler (Strawalde) wie als Filmemacher tätig. Am engsten ist diese Verbindung in den drei Filmen POTTER’S STIER, VENUS NACH GIORGIONE und FRAU AM KLAVICHORD (1981) zu spüren, in denen er zusammen mit dem Kameramann Thomas Plehnert Kunstpostkarten seiner Lieblingsmaler filmisch bearbeitet hat. Auch die Tonebene der drei Filme ist experimentell. Der Zyklus trägt den Titel VERWANDLUNGEN.

2016.DVD.Böttcher 2Bei den Dokumentarfilmen kann man zwischen Bött-chers früher Phase (1960 bis 1977) und dem DEFA-Spätwerk unterscheiden, wie es Claus Löser in seinem unbedingt lesenswerten Essay in zwei Booklets tut. Der früheste Film stammt aus dem Jahr 1960, ist sein Diplomfilm NOTWENDIGE LEHRJAHRE und zeigt Beobachtungen auf einem Jugendwerkhof. In dem Gruppenporträt DREI VON VIELEN (1961) besucht er seine Dresdner Künstler-freunde; der Film wurde damals verboten. Für das Außenministerium entstanden Filme wie IM PERGAMON-MUSEUM (1962) und TIERPARKFILM (1967), die den Blick vor allem auf die Besucher richten. Mit OFENBAUER (1962) beginnt die große Serie seiner Filme aus der Arbeitwelt. Dies sind STARS (1963), DER SEKRETÄR (1967), EIN VERTRAUENSMANN (1968), WÄSCHERINNEN (1972), RANGIERER (1984) und DIE KÜCHE (1986). WÄSCHERINNEN und RANGIERER gehören für mich zu den beeindruckendsten DEFA-Dokumentarfilmen, die ich kenne. Auch das Porträt MARTHA (1978) über eine Trümmerfrau in Berlin ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Eine Entdeckung ist auch IN GEORGIEN (1987), ein abendfüllender Dokumentarfilm. Der Spielfilm JAHRGANG 1945, der zu den Verbotsfilmen der Jahre 66/67 gehörte, ist in der Zensurfassung und in zwei unterschiedlichen Tonfassungen zu sehen und zu hören. Jürgen Böttcher hat im Übrigen alle Filme auf 35mm gedreht. Das Bonusmaterial der DVDs enthält zwei Zeitzeugengespräche mit Böttcher von Katrin und Ferdinand Teubner aus dem Jahr 2015 und das Porträt DER MALER UND FILMEMACHER JÜRGEN BÖTTCHEN – STRAWALDE von Hans-Peter Dürhager. Mehr zur DVD: Frau-am-Klavichord—In-Georgien.html

Peter Falk

2016.Peter FalkEr arbeitete als Lieutenant bei der Mordkommission des Los Angeles Police Departement, kam immer in seinem alten Peuegot im zerknit-terten Trenchcoat zum Tatort, meist begleitet von seinem Basset namens „Hund“. Sein Name: Columbo. In dieser Rolle ist der Schauspieler Peter Falk (1927-2011) berühmt geworden. Aber er hat zwischen 1958 und 2008 auch in 44 Kino-filmen mitgespielt. Über sein Leben, seine Filme und „Die Kunst Columbo zu sein“ informiert die kürzlich erschienene Biografie von Uwe Killing. Falk wurde als Sohn jüdisch-osteuropäischer Aus-wanderer in New York geboren, verlor mit drei Jahren durch einen Tumor sein rechtes Auge, besuchte High School und College, nahm Schauspielunterricht, sammelte Off-Broadway Bühnenerfahrungen und spielte für Nicholas Ray in WIND ACROSS THE EVERGLADES seine erste Rolle in einem Kinofilm. Es folgten kleinere und dann auch größere Rollen u.a. bei Frank Capra, Joseph Strick, Stanley Kramer, Clive Donner, Sidney Pollack und John Cassavetes. 1968 trat er erstmals als Inspektor Columbo in dem Fernsehfilm PRESCRIPTION MURDER auf. Dies war die Initialzündung für die Serie, die zunächst von 1971 bis 1978 und dann noch einmal von 1989 bis 2002 für NBC realisiert wurde. Es gibt insgesamt 69 Episoden, viele davon sind abendfüllend. Ein eigenes, sehr schönes Kapitel hat Uwe Killing der Zusammenarbeit von Peter Falk und Wim Wenders in dem Film DER HIMMEL ÜBER BERLIN gewidmet. Falk reagierte positiv auf einen Anruf von Wenders, kam für eine Woche Drehzeit nach Berlin und spielte einen amerikanischen Schauspieler, der an einem Kinofilm über den Aufstieg der Nationalsozialisten mitwirkt und als Ex-Engel dem verliebten Engel Damiel (Bruno Ganz) behilflich ist, ein Mensch zu werden. Auch in der Fortsetzung – IN WEITER FERNE, SO NAH! – spielte Peter Falk mit. Ich habe die Biografie mit großem Interesse gelesen. Mehr zum Buch: die-kunst-columbo-zu-sein.html

Der magische Raum

2016.Der magische RaumHinderk M. Emrich (*1943) ist Hirnforscher, Nervenarzt, Philosoph, Hochschullehrer und stark an Film interessiert. Edgar Reitz (*1932), dessen Hauptwerk die mehr als 60stündige HEIMAT-Trilogie ist, gilt unter den deutschen Filmemachern als besonders reflektiert. Der vorliegende Band dokumentiert vier Gespräche, die Emrich und Reitz in den Jahren 2009 und 2010 geführt haben. Eingeleitet wird das Buch von dem Vortrag „Raum nehmen und die Ethik des Raumes im Film“, den Emrich 2010 an der HFF in Babelsberg gehalten hat; hier geht es u.a. um die Filme THE TRIAL von Orson Welles, HAMMERSMITH IS OUT von Peter Ustinov, TRÄUME von Akira Kurosawa, LETZTES JAHR IN MARIENBAD von Alain Resnais, VATER UND SOHN von Alexander Sokurov, RITUALS IN TRANSFIGURED TIME von Maya Deren und CHUNGKING EXPRESS von Wong Kar-wei. Dann folgen die Gespräche über „Die Anfänge der filmischen Erzählkunst“ (Hannover, 24. Juni 2009), „Die Epiphanie des Konkreten“ (München, 10. und 11. Dezember 2009), „Der Film als Sprache ohne Begriffe“ (München 28. Februar 2010) und „Sind Erzählräume dreidimensional?“ (Hannover, 20. September 2010). Natürlich erzählt Edgar Reitz von seinen eigenen Erfahrungen beim Filmemachen. Aber es kommen auch zahlreiche andere Filme zur Sprache. Eingefügt in die Texte sind kurze Zitate zu Themen wie Kathedrale, Erinnerungsarbeit, Bewegung, optische Identifikation, Nähe, Blicke, Montage, Gewalt, Parallelkosmos, Kontinuität, Geburt der Filmsprache, Film als Kunst, Darstellung von Greuel, die von Erwin Panowsky, Jean-Marie Peters, Béla Balázs, André Bazin, Claude Lanzmann, Thomas Elsaesser und Malte Hagener, Siegfried Kracauer und Susanne Kaul stammen. Mehr zum Buch: der-magische-raum.html