Oscar-Verleihung – die Ergebnisse

2017.OscarsBei der Oscar-Verleihung gab es einige Überraschungen, viele Anspielungen auf Donald Trump und eine böse Panne ganz am Ende: bei der Verkündung des Sieger-Films. Faye Dunaway und Warren Beatty sollten den Gewinner bekannt geben, kamen nach der Öffnung des Umschlags etwas ins Stottern und Dunaway sagte dann: LA LA LAND. Das Team des Films stürmte glücklich auf die Bühne, aber noch während der Dankesrede des Produzenten musste das Ergebnis korrigiert werden, und plötzlich hieß es: MOONLIGHT ist der Sieger. Die Verwirrung war groß, offenbar hatte Beatty (Foto) zunächst einen falschen Umschlag bekommen, der Moderator Jimmy Kimmel nahm die Schuld auf sich, und die Übertragung war dann zehn Minuten nach sechs schnell zu Ende. Es ist natürlich schade, dass TONI ERDMANN keinen Oscar bekommen hat, aber die Abwesenheit des Siegers Ashgar Fahadi (THE SALESMAN) und das Verlesen des Statements von ihm gaben der Veranstaltung starke politische Momente. Und die Entscheidung für MOONLIGHT kann man natürlich auch begrüßen, es ist ein beeindruckender Film. An der Oscar-Wette haben sich diesmal 34 Fans beteiligt, mit 15 richtigen Vorhersagen bin ich zusammen mit fünf anderen auf Platz 3 gelandet. Das finde ich nicht schlecht. Mehr zu den Ergebnissen: 1136005.html

Oscar-Prognose

2017.OscarIn der kommenden Nacht werden in Hollywood die „Oscars“ für das Jahr 2016 verliehen. Es ist die 89. Preis-verleihung. Sie wird ab 2.30 Uhr live auf Pro7 übertragen. Wie in den vergangenen Jahren haben wir uns an der Oscar-Wette beteiligt, die von Artur und Teresa Althen in der Tradition ihres Vaters Michael organisiert wird. Hier sind meine Prognosen in den 21 wichtigsten Kategorien: LA LA LAND (Best Picture). Damien Chazelle (Direc-ting). Casey Affleck (Actor in a Leading Role). Emma Stone (Actress in a Leading Role). Mahershala Ali (Actor in a Supporting Role). Viola Davis (Actress in a Supporting Role). Kenneth Lonergan / MAN-CHESTER BY THE SEA (Writing, Original Screenplay). Barry Jenkins, Tarell Alvon McCraney / MOONLIGHT (Writing, Adapted Screenplay). Linus Sandgren / LA LA LAND (Cinematography). Tom Cross / LA LA LAND (Editing). David Wasco / LA LA LAND (Production Design). Madeline Fontaine / JACKIE (Costume Design). Eva von Bahr, Love Larson / A MAN CALLED OVE (Makeup and Hairstyling). TONI ERDMANN (Foreign Language Film). ZOOTOPIA (Animated Feature Film). O. J.: MADE IN AMERICA (Documentary, Feature). Justin Hurwitz / LA LA LAND (Music, Original Score). „City of Stars“ / LA LA LAND (Music, Original Song). Sylvain Bellemare / ARRIVAL (Sound Editing). A. Nelson, Ai-Ling Lee, Steve A. Morrow / LA LA LAND (Sound Mixing). Legato, Valdez, Jones, Lemmon / THE JUNGLE BOOK (Visual Effects). Im vergangenen Jahr landete ich mit 15 richtigen Voraussagen wieder auf einem Mittelplatz. Mal sehen, ob LA LA LAND so viele Oscars gewinnt wie vermutet. Die Nacht wird wieder spannend. Mehr zu den Nominierungen: http://oscar.go.com/nominees

„Die Toten“ von Christian Kracht

2016.Die TotenEin Roman aus der Filmwelt der frühen 1930er Jahre. Er verbin-det reale Personen jener Zeit mit drei fiktiven Figuren: dem Schweizer Filmregisseur Emil Nägeli, der den sehr erfolg-reichen Film „Die Windmühlen“ gedreht hat, seiner Verlobten, der Schauspielerin Ida von Üxküll, und dem japanischen Kulturbeamten Masahiko Amakasu, der eine „zelluloidene Achse“ zwischen Berlin und Tokio schmieden möchte, um den amerikanischen Kultur-imperialismus aufzuhalten. Ausführlich werden zunächst die Lebensläufe von Nägeli und Amakasu geschildert, bis – im zweiten Teil – die Filmwelt in den Blickpunkt rückt, beginnend mit einem Besuch von Charles Chaplin in Tokio, der dabei fast einem Attentat auf den japanischen Premier-minister zum Opfer fällt. Dann fliegt Emil Nägeli von Bern nach Berlin, um mit Alfred Hugenberg über ein Filmprojekt zu verhandeln, bei dem Heinz Rühmann eine Hauptrolle spielen soll. Er lernt Lotte Eisner und Siegfried Kracauer kennen, bei denen er übernachtet. Am nächsten Tag unterschreibt er den Vertrag im Büro von Hugenberg, während Eisner und Kracauer zusammen mit Fritz Lang im Zug nach Paris fahren und sich im Speisewagen betrinken. Nägeli fliegt dagegen nach Japan, trifft dort seine Verlobte und den Kulturbeamten Amakasu. Zusammen schauen sie sich einen Film von Yasujiro Ozu an. Dann beginnt Ida ein Verhältnis mit Amakasu, Nägeli reist mit seiner Bolex zornig durch Japan und kehrt mit einem impressionistischen Film auf vielen Umwegen in die Schweiz zurück, während Ida in Los Angeles landet, dort aber keine Rolle bekommt und ein tragisches Ende erlebt. Das alles findet auf 200 Seiten statt, ist über weite Strecken prätentiös formuliert, aber auch spannend zu lesen, wenn man es nicht allzu ernst nimmt. Das fällt, wenn es vom Anfang bis zum Ende immer wieder um den Tod geht, nicht ganz leicht. Mehr zum Buch: 978-3-462-04554-3/

Joel und Ethan Coen

2016.Joel und Ethan CoenIhr jüngster Film, HAIL, CAESAR, lief im vergangenen Jahr zur Eröffnung auf der Berlinale. 18 Filme haben sie bisher zusammen realisiert, sie sind, zusammen mit Jean-Pierre und Luc Dardenne, das kreativ-ste Brüderpaar im Filmbereich. Kein Wunder, dass gern über sie geschrieben wird. Das neueste Buch stammt von der Psycho-analytikerin Mechthild Zeul, hat den Untertitel „Meister der Überraschung und des viel-schichtigen Humors“ und ist kürzlich bei Transcript erschienen. Es beginnt mit einer „Einführung in das Universum der Coen-Brüder“, beschreibt die soziale und politische Situation in den USA, macht Anmerkungen zur Ästhetik der Coen-Filme und gibt eine Orientierung über den psychoanaly-tischen Umgang mit ihren Filmen. Zwölf Coen-Filme werden dann von der Autorin genauer analysiert. Der Inhaltsbeschreibung folgt jeweils eine psychoanalytisch fundierte Interpretation. Dabei spielen Erwartungsverletzungen, die Inszenierung von Humor und die Konfrontation von Bild und Musik eine besondere Rolle. Vor allem für Liebhaber der Coen-Filme ist dies eine lohnenswerte Lektüre. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: joel-und-ethan-coen?c=738

Musik und Medien

2016.Musik und MedienAuf insgesamt sechs Bände ist die Edition der Texte von Peter Weibel angelegt, die im Verlag Hatje Cantz erscheint. Der erste Band über „Architektur und Medien“ wurde im Herbst 2015 publiziert (architektur-und-medien/). Jetzt folgt Band 2: „Musik und Medien“. 31 Texte (mit vielen Fotos) sind hier versammelt, beginnend mit dem Aufsatz „Musik als numerische Sensi-bilität“, erstmals veröffentlicht 1984, überarbeitet 2000, aktualisiert 2016, endend mit den beiden englischen Texten „Digital Synesthesia“ und „Data Music“ (beide 2016). Die Beiträge sind – wie schon im Band 1 – nicht chronologisch geordnet, sie werden durch einen Index erschlossen. Besonders gut hat mir der längste Text gefallen: „Von den visuellen Musik zum Musikvideo“ (1987), der sich auf über 60 Seiten auf sein Thema einlässt. Schön sind auch die Porträts von Meredith Monk („Die Kehle als Klangkörper“, 1983 von Weibel als Ghostwriter für Susanne Widl verfasst), Milan Grygar („Inside the Sound“, 2016) und Ryoji Ikeda („Physik als Musik“, 2014), sowie das Gespräch mit Olga Neuwirth („Die Musik sollte Herrin der Zeit sein“, 2005). Als Leitsatz steht über dem Band das Weibel-Zitat: „Die Musik ist die Mutter aller technologischen Künste“. Mehr zum Buch: 6228-0.html

Gilmore Girls

2016.Gilmore GirlsGILMORE GIRLS war eine amerikanische TV-Serie, die mit großem Erfolg von 2000 bis 2007 in sieben Staffeln mit insgesamt 153 Folgen ausge-strahlt wurde. In Deutschland war sie auf VOX zu sehen. Karla Pauls Büchlein in der Reclam-Serie „100 Seiten“ ist eine dezidierte Liebeserklärung, die gut begründet wird und sich vor allem an die Fans der Serie richtet. Zunächst werden alle Angehörigen der Gilmore-Familie vorgestellt und charakterisiert. Dann geht es um den Schauplatz Stars Hollow und seine Bewohner, bis hin zu Kirk Gleason und seine 61 Jobs, die präzise aufgelistet sind. Wir werden informiert über die Gilmores und die Liebe, über Bücher, Songs und Filme, die in der Serie eine Rolle spielen. Es folgen 42 Zitate aus den inzwischen legendären Dialogen, einige Hinweise für Insider und die schönsten Fehler der Serie. Den Abschluss bilden zwei Kurzinterviews: mit der Genderforscherin Heike Mißler und dem Medienwissenschaftler Herbert Schwaab. Seit November 2016 gibt es eine vierteilige Fortsetzung der Serie. Mehr zum Buch: gilmore_girls

Gangsterwelten

2017.GangsterweltenEine erste Welle von Gangster-filmen entstand um 1930 in den USA, eine zweite in den 1950er Jahren in Frankreich. Im vor-liegenden Band, den Hermann Doetsch und Andreas Mahler herausgegeben haben, geht es um „Faszination und Funktion des Gangsters im französischen Nachkriegskino“. Einem einlei-tenden Text der beiden Heraus-geber folgen acht Essays. An-dreas Mahler reflektiert über die Vereinsamung des Gangsters in der abstrakten Gesellschaft („Vom Patron zum Samourai“). Susanne Dürr schlägt den historischen Bogen zum amerikanischen Gangsterfilm als Vorläufer („Die Paten des film noir“). Bei Hermann Doetsch geht es um den heist-Film und die Technisierung der Lebenswelt in Jules Dassins DU RIFIFI CHEZ LES HOMMES (aus dem Film stammt auch das Cover-foto). Wolfram Nitsch untersucht Handwerk und Hasardspiel in Melvilles BOB LE FLAMBEUR („Der Gangster als Spieler“). Maria Imhof richtet den Blick auf Topographien des Verbrechens im französischen Gangsterfilm („Zwischenräume“). Jörg Dünne beschäftigt sich mit „Gangstern am Pool“. Wolfgang Lasinger erinnert an den „flic“ als Einzelgänger in POLICE von Maurice Pialat („Zwischen den Fronten“). Dunja Bialas thematisiert Aspekte des französischen Gangsterfilms der 2000er und 2010er Jahre („Von Ex-Bullen, Rechercheuren und Reanimateuren“). Alle Beiträge sind konkret an Filmbeispielen orientiert. Mit Abbildungen und Literaturhinweisen. Es fehlen Kurzbiografien der Autorinnen und Autoren. Mehr zum Buch: gangsterwelten?c=738

DIE FRAU MIT DER KAMERA (2015)

2016.DVD.Frau mit der KameraDer Film über ihre Freundin, die Fotografin Abisag Tüllmann (1935-1996) war ein Herzens-projekt von Claudia von Alemann. Nach der Kinoauswertung ist er jetzt bei good!movies als DVD erschienen. Mir hat dieses Porträt, das mit einem langsamen Gang durch die Wohnung kurz nach ihrem Tod beginnt und mit dem Foto endet, das wir auf dem DVD-Cover sehen, sehr gut gefallen. Es ist nicht nur der Film über eine große Künstlerin, sondern auch über eine Freundschaft, die diese beiden Frauen über mehr als drei Jahrzehnte verbunden hat. Hunderte von Fotos führen uns zurück in die Konflikte der 1960er und 70er Jahre, beginnend mit der Unterzeichnung des Oberhausener Manifests. Freundinnen und Freunde erzählen von Abisag Tüllmanns Leben und ihrer Arbeit, darunter die Malerin Sigrid Baumann-Senn, die Fotografin Barbara Klemm, der Designer Josef Bar-Pereg, die Produzentin Helma Schleif. Sie war Standfotografin bei den Filmen DIE ALLSEITIG REDUZIERTE PERSÖNLICHKEIT von Helke Sander und DIE REISE NACH LYON von Claudia von Alemann. Ein eigenes Kapitel ist ihren Theaterfotografien gewidmet. Sie war sozial engagiert und hat Obdachlose fotografiert, sie war unterwegs in Algerien, in Rhodesien, in Israel. Sie hat langsam und sehr nachdenklich gesprochen, schnell und meist im entscheiden Moment auf den Auslöser der Kamera gedrückt. Porträts von Künstlerinnen und Künstlern ist ebenfalls ein eigenes Kapitel gewidmet. Am Ende des Films gibt es Ausschnitte aus einem späten Interview, in dem sie sich über Veränderungen in der Fotografie äußert. Beeindruckend! Mehr zur DVD: 81&cid=15588

Bären-Verleihung

2017.Bären-VerleihungHeute Abend werden im Berlinale-Palast die Bären ver-liehen, ein „Goldener“ für den besten Film im Wett-bewerb und sieben „Silberne“ (Großer Preis der Jury, Beste Regie, Alfred Bauer-Preis, Bestes Dreh-buch, Herausragende Künstlerische Leistung, Beste Darstellerin, Bester Darsteller). Über die Favoriten wird seit Tagen heftig spekuliert. Im vergangenen Jahr wurde der italienische Film FUOCOAMMARE von Gianfranco Rosi mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Ich habe zu wenige Wettbewerbsfilme gesehen, um eine realistische Prognose zu geben. Aus den Punktetabellen der Kritikerinnen und Kritiker in der Berliner Zeitung und im Tagesspiegel schälen sich drei oder vier Filme als Anwärter auf den „Goldenen Bären“ heraus: der ungarische Film ON BODY AND SOUL von Ildikó Enyedi, der finnische Film THE OTHER SIDE OF HOPE von Aki Kaurismäke, der taiwanesisch-japanische Film MR. LONG von Sabu und der koreanische Film ON THE BEACH AT NIGHT ALONE von Hong Sangsoo. Aber die Jury trifft ihre eigenen Entscheidungen. Heute Abend wissen wir mehr.

Werner Nekes

Bildschirmfoto 2017-02-16 um 15.41.52In der Reihe „Berlinale Special“ hatte gestern der Film WERNER NEKES – DAS LEBEN ZWISCHEN DEN BILDERN von Ulrike Pfeiffer Premiere: ein Porträt des experi-mentellen Filmemacher und passionierten Sammlers, der am 22. Januar in Mülheim an der Ruhr gestorben ist. Ich finde den Film sehr beeindruckend, weil er das filmische Denken und die komplexe Persönlichkeit von Werner auf vielfältige Weise dokumentiert. Die Filmemacherin – Absolventin der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin – hat ihn im vergangenen Jahr bei vielen Gelegenheiten interviewt und beobachtet ihn immer wieder bei der Filmarbeit. Dokumentarische Aufnahmen aus der Hamburger Zeit zeigen ihn, oft zusammen mit seiner Partnerin Dore O., im Kreis der FilmCoop, an deren Gründung er beteiligt war. Helmut Herbst und Klaus Wyborny würdigen Werner in ausführlichen Statements. Werners Kameramann Bernd Upnmor erzählt von der gemeinsamen Arbeit. Ausschnitte aus zehn Filmen vermitteln einen Eindruck vom Spektrum seines filmischen Denkens. Der Darsteller Helge Schneider, der Komponist Anthony Moore, der Medienphilosoph Bazon Brook und der Filmkritiker Daniel Kothenschulte sind präsent in Interviews. Und wie ein roter Faden zieht sich ein langes, reflexives Gespräch zwischen Alexander Kluge und Werner durch den Film. Als Sprecherin fungiert Hannelore Hoger. Ab November ist der Film in den Kinos zu sehen. Wie schön, dass die Berlinale ihn vorab gezeigt hat. Mehr zum Film: werner-nekes/