Mein Film des Jahres: BOYHOOD

S2014.DVD.Boyhoodeit der Uraufführung des Films auf der Berlinale ist Richard Linklaters BOYHOOD für mich unvergessen, und kein anderer Film in diesem Jahr hat mich annähernd so beeindruckt. Er erzählt die Geschichte eines Jungen aus einer Patchworkfamilie in Texas; am Anfang ist Mason sechs Jahre alt, am Ende 18. Die wunderbare Idee von Linklater: er hat die Darsteller der Familie in jedem Jahr für ein paar Drehtage vor die Kamera geholt und damit, soweit ich weiß, eine erste Langzeitbeobachtung als Spielfilm realisiert. Zwei der Hauptdarsteller sind durchaus bekannt: Patricia Arquette spielt die Mutter, die viel Pech mit ihren Männern erlebt, Ethan Hawke den Vater, der die Familie verlassen hat. Ellar Colltrane als Mason ist ein Glücksfall, weil er mit seiner Rolle wächst und wir dabei zusehen können, wie er einen Platz in seiner Familie, in verschiedenen Orten von Texas sucht und findet. Seine Schwester Samantha wird von Linklaters Tochter Lorelei gespielt. Es ist kaum zu glauben, wie sich alles in diesem Film zusammenfügt, wie er uns bewegt und auch gedanklich beschäftigt. Er dauert 163 Minuten, und das ist keine zuviel. Im Juni ist der Film in unsere Kinos gekommen, jetzt gibt es bereits bei Universum eine DVD. Zwar enthält sie kein Bonusmaterial, aber es lohnt sich, die Originalfassung anzuschauen (je nach Sprachkenntnissen notfalls mit deutschen oder englischen Untertiteln). Mehr zur DVD: AodzmQAqQ

Frohe Weihnachten

Bild 1

FROHE WEIHNACHTEN  UND EIN GESUNDES,        GLÜCKLICHES JAHR 2015 WÜNSCHEN

Hans Helmut Prinzler und Antje Goldau

 

Gus Van Sant

2014.Van SantSein Thema sind die Grenzgänger, die Heimatlosen, die Außenseiter. Dabei ist Gus Van Sant (*1952) selbst ein Grenzgänger und Außenseiter im Hollywood-Kino. Er hat als Regisseur bisher 15 Filme realisiert, zunächst ganz im Independent-Bereich, dann – nach dem internationalen Durchbruch mit GOOD WILL HUNTING (1997) – im Fahrwasser des US-Mainstreams und ist mit seinen letzten Filmen zu seinen Ursprüngen im unabhängigen Kino zurückgekehrt. Die Aufmerksamkeit bei den großen Festivals, zum Beispiel in Cannes, ist ihm sicher. 2003 erhielt er für ELEPHANT die Goldene Palme. Christian Weber hat 2012 an der Universität Mainz mit der Dissertation „Looking for a Place Like Home – Identitätssuche und queere Sehnsucht im Kino von Gus Van Sant“ promoviert; das jetzt bei Bertz + Fischer publizierte Buch ist eine überarbeitete und aktualisierte Fassung der Dissertation. Im Mittelpunkt stehen gut lesbare und höchst lesenswerte Analysen der 15 Filme. Es ist erstaunlich, wie der Autor diese Filme, ihre thematische Komplexität, die filmhistorischen Vorbilder und die ästhetischen Entscheidungen des Regisseurs darstellt und entschlüsselt. Er verirrt sich dabei nie in einem theoretischen Überbau, bleibt nah an den Filmen selbst, stellt Verbindungen zu verschiedenen Genres her, verliert nicht den teils offenen, teils latenten Anspruch der „queer Authorship“ aus den Augen und wird so dem inzwischen 30 Schaffensjahre umfassenden Werk Gus Van Sants gerecht. Auch die Rezeptionsgeschichte ist klug eingearbeitet. Ein weiterer Glücksfall für diese Publikation ist die sorgfältige Bebilderung mit Screenshots, filmhistorischen Verweisfotos und einem 32-seitigen Farbteil. Mit 450 Seiten Umfang hat man ein gewichtiges Buch in der Hand, das auch für ein Wiedersehen mit den Filmen von hohem Nutzen ist. Cover: Fotos aus MY OWN PRIVATE IDAHO (oben) und GERRY (unten). Mehr zum Buch: 36&products_id=435

METROPOLIS – zwei Bücher

2014.MetropolisMETROPOLIS – das ist ein Meisterwerk der 1920er Jahre von Fritz Lang. Grundlage für den Film, das wird gern vergessen, war ein Roman der Autorin Thea von Harbou (1888-1954), der damaligen Ehefrau von Fritz Lang, die auch als Drehbuchautorin des Films ihren Credit hat. Der Roman erschien erstmals 1926, also vor fast 90 Jahren, bei August Scherl und ist jetzt im Wiener Milena Verlag neu publiziert worden. Es ist interessant, den Roman heute zu lesen, wenn man die Bilder des Films im Kopf hat. Sein Beginn ist prototypisch für die Harbou-Sprache jener Zeit: „Jetzt schwoll das Brausen der großen Orgel zu einem Dröhnen an, das sich wie ein aufstehender Riese gegen die Wölbung des hohen Raumes stemmte, um sie zu zersprengen. Freder beugte den Kopf zurück; seine weit offenen, verbrennenden Augen starrten blicklos nach oben. Seine Hände formten Musik aus dem Chaos der Töne, mit den Erschütterungen des Klanges ringend und bis ins Innerste von ihm durchwühlt. Er war den Tränen so nahe, wie nie in seinem Leben, und in einer seligen Hilflosigkeit unterwarf er sich dem glühend Feuchten, das ihn blendete.“ Freder, der jugendliche Held, sitzt in einer Kirche an der Orgel und denkt an seine Mutter, die bei seiner Geburt gestorben ist. Der Roman endet mit einer Begegnung von Freders Vater, Joh Fredersen, der inzwischen ergraut ist, mit seiner uralten, gelähmten Mutter, die ihm einen Brief der Lichtgestalt „Hel“ übergibt, der mit dem Satz endet „Siehe, ich bin bei dir alle Tage bis an der Welt Ende!“ Meilenweit von aller Neuen Sachlichkeit der zweiten Hälfte der 1920er Jahre entfernt, findet man in der Religiosität, im Pathos und in der fast romantischen Zukunftsbeschreibung der Autorin interessante Ergänzungen und Bezüge zum Lang-Film. Mit einem Nachwort von Franz Rottensteiner. Mehr zum Roman: author=147 Gut gefallen hat mir eine Rezension von Barbara Mader im Wiener Standard: Die-Wahrheit-ist-hier-drinnen?_slide=5

2014.Franzobel„Metropolis“ – das ist auch ein neuer Dialog-Text des österreichischen Autors Franzobel (*1967), der den Plot des Romans von Thea von Harbou und des Films von Fritz Lang zum Ausgangspunkt eines sprachlich modernen, gelegentlich ins Östereichische wechselnden Liebes- und Kapitalistendramas macht, das von der Erzählerin Hel kommentiert wird und von den bekannten Protagonisten (Freder, sein Vater Joh Fredersen, der erste Sekretär Josephat, der Aufpasser „der Schmale“, Werkmeister Grot, der Erfinder Rotwang, der Arbeiter Györgi – Maria und Maschinenmaria) vorgeführt wird. Wir lesen eine Art Theatertext mit Aktionsbeschreibungen. Am Ende darf Maria verkünden: „Das Teuerste, was der Mensch besitzt, ist sein Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, daher muss jeder von euch seine Zeit nützen, vergeudet sie nicht mit sinnloser Arbeit, um euch sinnlose Ablenkung leisten zu können. Sucht keinen Zeitvertreib, sucht euch selbst. Nichts ist so wunderbar und so groß wie die Seele eines Menschen. Darum sage ich euch, rennt keinem Führer hinterher, sondern hört auf euren Bauch, pflegt eure Seele, nützt die Zeit – vertraut auf euer Herz.“ Von Thea von Harbous Sprache unterscheidet sich Franzobels Version fundamental. Sie hat satirische Momente und mahnt zur Vernunft. Fünf Fotos des Autors zeigen Rolltreppen. Vom Verlag wird Franzobel als „freischaffender Fahrradfahrer in Wien“ vorgestellt, der sich gelegentlich auch als Autor betätigt. Also doch: Satire. Mehr zum Buch: 9783709201282&L=0

Film Noir (2): THE KILLERS

2014.Killer 2Ein Klassiker des Film Noir, gedreht von Robert Siodmak im Frühjahr 1946, nach einer Kurzgeschichte von Ernest Hemingway. Zwei Killer bringen gleich zu Beginn Ole Anderson um, den „Schweden“, der schon früh als Boxer gescheitert war, in Gangsterkreise geriet, von Kitty, der Geliebten eines Gangster-bosses, in den Bann gezogen wurde, für sie zwei Jahre in den Knast ging, dann am Überfall auf eine Lohnkasse teilnahm und sich – im Wissen, dass ihn Kitty und der Gangsterboss betrügen wollten – mit dem erbeuteten Geld aus dem Staub gemacht hat. Er hoffte, als Angestellter bei einer Tankstelle in Brentwood (New Jersey) unentdeckt zu bleiben. Aber der Gangsterboss findet ihn dort und lässt ihn durch die beiden Killer töten. Weil Ole Anderson eine Versicherung abgeschlossen hatte, beginnt der Versicherungsagent Jim Reardon mit großer Neugierde eine Spurensuche, die ihn mit verschiedenen Freunden und Freundinnen des Schweden zusammenführt. In elf Rückblenden wird uns die Geschichte von zehn Jahren Unglück, Verzweiflung und vergeblicher Hoffnung erzählt, die mit der Verfolgung der beiden Killer durch den Agenten Jim Reardon und die Polizei und mit dem Tod des Gangsterbosses in der Gegenwart endet. Im Zentrum des Films stehen die Darsteller Burt Lancaster als Schwede, Ava Gardner als Kitty und Edmund O’Brien als Reardon. Für Lancaster und Gardner begannen damit ihre Karrieren. Auch Robert Siodmak schaffte mit THE KILLERS endlich den Durchbruch in Hollywood. Zu verdanken hatte er das vor allem seinem Kameramann Woody Bredell, der im Umgang mit dem Licht und in der Atmosphäre der Bilder wirklich einen Noir-Film fotografiert hat. Publikum und Kritik waren damals sehr beeindruckt. Bei Koch Media ist jetzt in der Film Noir-Reihe eine digital restaurierte DVD des Films erschienen, die alle Ansprüche erfüllt. Zum Bonusmaterial gehören ein Kinotrailer, eine Radioadaption von 1949 mit Burt Lancaster, Shelley Winters und William Conrad, verschiedene Werbematerialien und ein sehr informatives Booklet von Thomas Willmann. Also noch ein später Tipp für ein Weihnachtsgeschenk – oder eine Silvesterüberraschung. Mehr zur DVD: 1003722&nav1=FILM

Weihnachtsgeschenk 5: STAR TREK

2014.Star TrekAmerikanische Serien sind unter Filmmenschen zurzeit ein beherr-schendes Thema. Es gibt weit über 1.000. Und am meisten geredet wird wohl über HOMELAND, THE WALKING DEAD, BREAKING BAD, THE BLACKLIST oder GAME OF THRONES. Da ist es doch interessant, fünfzig Jahre in der Geschichte zurückzugehen und sich an die Serie STAR TREK zu erinnern. 1964 entstanden die Pilotfilme, die erste Staffel wurde 1966/67 gesendet, nach der dritten Staffel (1969) und 79 Episoden war allerdings Schluss. Zehn Jahre später kam der erste Film, STAR TREK – THE MOTION PICTURE, in die Kinos, sechs weitere Filme folgten, der bisher letzte, STAR TREK INTO DARKNESS, war 2013 zu sehen. Noch immer sind Kirk und Spock und Pock (im letzten Film dahingerafft) und Uhara an Bord. Man kann von einer Erfolgs-geschichte sprechen. Jan Schlieker, geboren zehn Jahre nach Beginn der Serie, hat sie jetzt in einem „kritische Episodenführer“ zu Papier gebracht. Der Titel des Buches, „Roddenberrys Idee“, personifiziert den Autor: Gene Roddenberry (1921-1991), war Erfinder, Autor und Produzent der Serie. Schlieker hat sich die immense Arbeit gemacht, alle Serienfolgen und alle Filme detailliert zu beschreiben, die Produktionshintergründe zu recherchieren und über das Phänomen STAR TREK auf fast 500 Seiten umfassend zu informieren. Zwar sind ein paar Erinnerungsfotos eingefügt, aber es ist vor allem ein Textbuch für Fans, mit dem wir es hier zu tun haben. Und ich denke, dass es das ideale Weihnachtsgeschenk für sie ist. Aber wahrscheinlich haben sie es sich schon gekauft… 1994 wurde im Übrigen ein Krater auf dem Mars nach Roddenberry benannt. Er hat einen Durchmesser von 140 km. Mehr zum Buch: die-star-trek-originalserie-im-wandel-der-zeit.html

Weihnachtsgeschenk 4: ein Buch über Rosa

2014.RosaSpätestens zu Ostern fragt Rosa von Praunheim in unserer Skatrunde, ob wir uns denn schon hinreichend Gedanken über Weihnachtsgeschenke gemacht haben. Das Thema beschäftigt uns auch über den Sommer – und jetzt wird es wirklich ernst. Wenn wir heute Abend wieder Skat spielen (unseren sogenannten „Weihnachtsskat“) habe ich für alle am Tisch ein wunderbares Geschenk: das neue Buch über Rosa von Praunheim. Es ist gerade im Mühlbeyer Filmbuchverlag erschienen. Der Autor Julius Pöhnert hat mit dem Text 2009 in Mainz das Diplom in Mediendramaturgie erworben. Für die Publikation wurde er erweitert und aktualisiert. Pöhnert schreibt über Rosas Filme als Zeitdokumente, als Werke eines provokanten Künstlers, als Bestandteile der Schwulenbewegung, als Selbstdarstellungen. Er zitiert Rosa aus dessen zahlreichen Publikationen, hat die kritische Resonanz auf die Filme eingearbeitet und für seinen Text eine einleuchtende Struktur gefunden. Ausgangspunkt ist Rosa von Praunheim als Künstler, seine Ausbildung, sein Weg zum Filmemachen, seine Beeinflussung durch andere Künstler, die Verbindung von Privatheit und Öffentlichkeit in seinen Filmen. Dann geht es um visuelle Auffälligkeiten, um Farbe, Kitsch und bewussten Dilettantismus. Es werden Fragen nach „schwuler Ästhetik“ gestellt und nach Rosas Vermischung von Spiel- und Dokumentarfilm. Ein eigenes Kapitel handelt von „Menschenbildern“, von Frauen, Schwulen, Nazis und Spießern und von „Gegensätzen“, von Leere und Fülle, Lebenslügen und Lebenszielen, von „Normalität“ und „Perversion“. Und schließlich kommt Rosas „Aktivismus“ zur Sprache: in der frühen Schwulenbewegung, im Zusammenhang von AIDS, in Verbindung mit seinen Outing-Aktionen in den 1990er Jahren. Ein Nachwort summiert die Erkenntnisse. Das Literaturverzeichnis im Anhang ist umfangreich. Ganz am Ende des Buches findet man eine interessante Übersicht der Kameramänner und -frauen in Rosas Filmen. (Natürlich ist für mich Elfi Mikesch die beste.) Das Buch ist ein schönes Weihnachtsgeschenk nicht nur für Schwule. Für die Skatrunde ist natürlich das größte Weihnachtsgeschenk, dass Helene wieder mitspielen kann. Mehr zum Buch: provokation-in-rosa.html

Weihnachtsgeschenk 3: Frauen der 1920er Jahre

2014.Frauen 20erEin Weihnachts-geschenk für Freundinnen und Freunde, die noch nicht alles über die 1920er Jahre wissen. Dies ist einerseits ein klassisches „Coffee Table Book“, weil zunächst die Fotos dominieren, die auch in bester Qualität gedruckt sind, aber es lohnt sich, die Texte des Autors Thomas Bleitner zu lesen, der 18 Frauen porträtiert: die Autorinnen Zelda Fitzgerald und Dorothy Parker, die Publizistin Nancy Cunard, die Malerin Tamara de Lempicka, die Mode-Ikone Luisa Casati, die Modeschöpferinnen Coco Chanel und Elsa Schiaparelli, die Fotografinnen Lee Miller und Claude Cahun, die Schauspielerinnen Clara Bow und Louise Brooks, die Tänzerinnen Anita Berber, Josephine Baker und Lavinia Schulz, die Sängerin, Schauspielerin und Malerin Alice Prin, genannt Kiki de Montparnasse, die Flugpionierin Amelia Earhart, die Tennisspielerin Suzanne Lenglen, die Automobilsportlerin Clärenore Stinnes. Die Auswahl ist subjektiv, hat aber das internationale Spektrum im Blick. Thomas Bleitner hat Literaturwissenschaft studiert, ist Mitinhaber einer Hamburger Buchhandlung und scheint mit der Kulturgeschichte der 20er Jahre bestens vertraut zu sein. Seine Texte haben einen persönlichen Stil, sind informativ und bekommen durch die Abbildungen die notwendige Anschaulichkeit. Coverfoto: ein Zwillingspaar auf der Champs-Élysées; der Fotograf wird nicht genannt. Mehr zum Buch: frauen-der-1920er-jahre

Weihnachtsgeschenk 2: Brigitte Bardot

2014.BardotIm September hat sie ihren 80. Geburtstag gefeiert. Ihre große Zeit waren die 1950er und 60er Jahre. Ihre Karriere begann mit dem Film ET DIEU CRÉA LA FEMME/ UND IMMER LOCKT DAS WEIB (1956) von Roger Vadim. Brigitte Bardot hat rund 40 Filme gedreht und sich 1973 vom Filmgeschäft verabschiedet. Ihre Popularität hat dafür gesorgt, dass sie auch in den folgenden Jahr-zehnten, zum Beispiel als Tierschützerin, immer wieder in den Schlagzeilen war. (Das ist aber ein spezielles Kapitel.) Sie war nie meine Lieblingsschauspielerin, aber ihre Filme LA VÉRITÉ von Henri-George Clouzot, LE MÉPRIS von Jean-Luc Godard und VIVA MARIA! von Louis Malle habe ich sehr geschätzt. Das Buch von Ginette Vincendeau mit dem Untertitel „The Life. The Legend. The Movies“ („unofficial and unauthorized“) ist in seiner Aufmachung, seinen Beilagen und seinem Anspruch etwas Besonderes. In kleinen eingehefteten Taschen enthält es Reproduktionen von Plakaten, Postkarten, Presseheften, Kostümentwürfen, Manuskripten und anderen Dokumenten. Das ist liebevoll gestaltet und nostalgisch gedacht. Die Autorin ist Professorin am King’s College in London, Autorin für Sight and Sound und hat ein beeindruckendes Buch über Jean-Pierre Melville geschrieben. Ihr Text hat eine Haltung zur Protagonistin und ist nicht nostalgisch, sondern reflektiert. Sie weiß, über wen sie schreibt. Wem man das Buch zu Weihnachten schenken kann? Menschen, die sich mit Kulturgeschichte beschäftigen, den Film ernst nehmen, ein Interesse an schauspielerischen Mythen haben und einen englischen Text lesen können. Sie müssen nicht unbedingt für Brigitte Bardot geschwärmt haben. Mehr zum Buch: =brigitte_bardot

Weihnachtsgeschenk 1: Mode im Kino

2014.Mode 1Weibliche Filmstars hatten in allen Jahr-zehnten eine große Nähe zu den Mode-schöpferinnen und -schöpfern ihrer Zeit. Das war und ist nicht nur bei den Oscar-Preisverleihungen zu sehen, sondern auch in den Filmen selbst, sofern sie Geschichten erzählen, in denen die Heldinnen elegante Kleider tragen dürfen. Zwar waren in Hollywood die Costume Designer der einzelnen Studios für den Outfit der Darstellerinnen zuständig. Aber es gab darüber hinaus immer enge Verbindungen zur Modewelt. Gelegentlich fühlten sich die Stars auch von den Studio-Designern in ihrem Aktionsradius eingeschränkt, in ihren Kostümen versteckt. Im Buch von Véronique Le Bris, auf Deutsch gerade bei Edel Books erschienen, dominieren deutlich die Bilder. Sie erinnern an die großen Stars mit ihren unverwechselbaren Kleidern in ihren schönsten Filmen. 46 europäische und amerikanische Schauspielerinnen, beginnend mit Louise Brooks, endend mit Uma Thurman, werden mit einem kurzen biografischen Text, einer Würdigung ihrer künstlerischen Leistung und vielen großformatigen Fotos porträtiert. Schwarzweiß und Farbe mischen sich dabei. Privatfotos sind für Hintergründe genutzt. Zehn Modeschöpfern/innen sind eigene Texte gewidmet: Jean Patou, Paul Poiret, Jeanne Lanvin (Hutmacherin), Elsa Schiaparelli, Christian Dior, Paco Rabanne, Yves Saint Laurent, Thierry Mugler, Karl Lagerfeld, Hubert de Givenchy. Das Vorwort stammt von dem französischen Filmkritiker Philippe Azoury. Coverfoto: Audrey Hepburn in BREAKFAST AT TIFFANY’S; Kostüme: Hubert de Givenchy. Dies ist ein schönes Weihnachtsgeschenk vor allem für Frauen, die noch einen Blick für die Mode im Film und eine Erinnerung an die großen Stars haben. Mehr zum Buch: mode-im-kino/