Leinwandgöttinnen

2016.LeiwandgöttinnenDie Ausstellung „Best Actress“ im Museum für Film und Fernsehen ist inzwischen geschlossen, aber noch in guter Erinnerung. Daniela Sannwald, Kuratorin dieser Ausstellung, hat jetzt zusammen mit Tim Linde-mann bei ebersbach & simon ein Buch über Oscar-Preisträgerinnen publiziert: „Leinwandgöttinnen“. 15 Porträts würdigen Stars von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart. Dies sind die Auserwählten: Katharine Hepburn („Die Kompromisslose“), Bette Davis („Mit der ist nicht zu spaßen!“), Vivien Leigh („Für immer Scarlett“), Audrey Hepburn („Sie füllt die Luft mit einem Lächeln“), Grace Kelly („Die Fürstin“), Elizabeth Taylor („Das Studiokind“), Sophia Loren („Schüchterne Kanaille“), Jane Fonda („Die Perfektionistin“), Faye Dunaway („Die Diva vom Land“), Meryl Streep („Die Alleskönnerin“), Jodie Foster („Ernste Kämpferin“), Susan Sarandon („Sex und Politik“), Julia Roberts („Eine von uns“), Cate Blanchett („Die Frau mit den vielen Gesichtern“) und Julianne Moore („Die Reisende“). Jedes Porträt umfasst acht Seiten. Sechs Texte stammen von Daniela Sannwald, fünf von Tim Lindemann, vier Gastbeiträge haben Manuela Reichart (Audrey Hepburn), Christina Tilmann (Sophia Loren), Susan Vahabzadeh (Grace Kelly) und Nils Warnecke (Meryl Streep) geschrieben. Mit Abbildungen in bester Qualität. Empfehlenswerte Lektüre. Mehr zum Buch: leinwandgoettinnen

Zwei Filme von Gustav Ucicky

2016.DVD.Späte LiebeEr war der unehelich geborene Sohn des Malers Gustav Klimt, stammte aus Wien, arbeitete zunächst als Kameramann und wurde ab 1930 zum vielbeschäf-tigten Ufa-Regisseur. Gustav Ucicky (1898-1961) hatte eine große Affinität zum Patriotismus der Nationalsozialisten, vor allem seine Filme MORGENROT (1932), FLÜCHTLINGE (1933) und HEIMKEHR (1941) waren in ihren Botschaften dubios. Er beherrschte viele Genres, drehte Kriminalfilme (SAVOY HOTEL 217), Melodramen (MUTTER-LIEBE) und Literaturverfilmungen (DER POSTMEISTER). Bei den Filmjuwelen sind jetzt die DVDs von zwei Filmen aus den 40er Jahren erschienen, die ich noch nicht kannte und interessant finde. SPÄTE LIEBE (1942/43) erzählt die Geschichte der Porzellanmalerin Sophie von Angersprang, die eine Vernunftehe mit einem wohlhabenden Unternehmer eingeht, um ihrer lungenkranken Schwester eine Kur in Davos zu ermöglichen. Die Ehe gestaltet sich schwierig. Erst der persönliche Einsatz ihres Mannes für die Genesung der Schwester lässt Sophie ein Happyend erleben. In den Hauptrollen sehen wir Paula Wessely und Attila Hörbiger, und sie sind in ihrer differenzierten Darstellung ein Glücksfall für den Film, der in Österreich zu Beginn des letzten Jahrhunderts spielt. Mit einem Booklet von Friedemann Beyer. Mehr zur DVD: %22filmjuwelen%22

2016.DVD.Das Herz muss schweigenAuch der Film DAS HERZ MUSS SCHWEIGEN (1944) führt uns zurück in diese Zeit. Das Melo-dram erzählt die Geschichte des Röntgenarztes Paul Holzgruber und seiner Assistentin Maximiliane. Es geht natürlich um die Nebenwirkungen der Röntgenstrahlen, aber auch um die Liebe von Maximiliane zu einem adligen Witwer und am Ende um ihre unheilbare Krebserkrankung. Wieder spielt Paula Wessely die Hauptrolle: nuancenreich, subtil, ohne Sentimentalität. Beeindruckend. Ihre Partner sind Werner Hinz und Matthias Wiemann. Günther Anders hat damals die Kamera geführt. Es war der dritte Film von Ucicky über Wiener Frauenschicksale um die Jahrhundertwende. – Das informative Booklet stammt wieder von Friedemann Beyer. Mehr zur DVD: 1-82&keywords=%22filmjuwelen%22

Fußball-Europameisterschaft

2016.HerzrasenHeute beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frank-reich. In den kommenden vier Wochen steht der Fußball – wenn wir uns dafür interessieren – mehr als das Kino im Zentrum unserer Aufmerksamkeit. Die Spiele werden im Fernsehen übertragen, und wir können heftig über Aufstellungen, Taktiken und Spielverläufe diskutieren. Zeitungsberichte begleiten uns dabei. Und wenn zwischendurch Zeit ist, können wir Filme über Fußball sehen (es gibt viele) oder Bücher über Fußball lesen. Zum Beispiel die spannenden Thriller  „Der Winter-transfer“ und „Die Hand Gottes“ von Philip Kerr oder die Fußball-Lovestory „Herzrasen“ von Bernd Pohlenz. Bernd ist ja eigentlich ein Zeichner und Cartoonist, als Romanautor hat er wenig Erfahrung. Das merkt man seinem Buch auch an. Er erzählt die Liebesgeschichte zwischen der fanatischen Bayern München-Anhängerin Mia und dem militanten Borussia Dortmund-Fan Tim. Sie beginnt mit einer Kollision in Dortmund, wenn Mia im roten Auto auf dem Weg ins Stadion Tim auf dem gelben Fahrrad zu Fall bringt, und beide das Spiel versäumen, weil Tim ins Krankenhaus muss. Die Komplikationen scheinen unüberwindlich, aber die Liebe siegt. In 45 Kapiteln wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, Freundinnen und Freunde, Mias und Tims Eltern greifen in das Geschehen ein. Es gibt komische, aber auch viele nervende Momente, die durch die Dialekte noch gesteigert werden. Es wird häufig gesimst, zwischendurch auch mal Fußball gespielt, Mia lernt Dortmund kennen, Tim wird in München heimisch, und das Buch endet mit dem Kapitel „Nachspielzeit“ 2018, wenn Mia und Tim zwei Kinder haben, bei denen noch unklar ist, ob sie Fans von Bayern München oder Borussia Dortmund sein werden. Wer mit den verbalen Übertreibungen des Buches zurecht kommt, wird sich beim Lesen amüsieren. Mehr zum Buch: Bernd-Pohlenz/dp/1503935892

Comic Film Gender

2016.Comic Film GenderEine Dissertation, die an der Ruhruniversität Bochum entstanden ist. Es geht um die „(Re-)Medialisierung von Geschlecht im Comicfilm“. Véronique Sina stellt drei verfilmte Comics in den Mittelpunkt ihrer Unter-suchung: SIN CITY (2005) von Robert Rodriguez, Frank Miller und Quentin Taran-tino, nach den Comics von Frank Miller, IMMORTEL (AD VITAM) (2004) von Enki Bilal, nach dessen Comic-Reihe „La Trilogie Nikopol“ und KICK-ASS (zwei Teile, 2010 und 2013) von Matthew Vaughn bzw. Jeff Wadlow, parallel gefilmt zur Graphic Novel von Mark Millar und John Romita jr. Die Autorin analysiert sehr detailliert die Veränderungen des Aussehens und der Aktionen von Männern und Frauen zwischen Comic und Film. Sie stellt wechselseitige Generierungen und produktive Beeinflussungen fest. Hinweise auf andere Comics und ihre Verfilmungen erweitern das Spektrum der Untersuchung. Konkrete Bild- und Personenbeschreibungen erleichtern die Lektüre und tragen zur Anschaulichkeit der Studie bei. Zahlreiche Abbildungen in sehr guter Qualität. Umschlagabbildung: Robert Hochstaedter. Mehr zum Buch: comic-film-gender?c=738

Tangenten

2016.TangentenElke Schieber, mit der Film- und Fernsehgeschichte der DDR bestens vertraut, dokumentiert in diesem umfänglichen Band (692 Seiten) in lexikalischer Form die mediale Darstellung von Holo-caust und jüdischem Leben in der SBZ und der DDR von 1946 bis 1990. Fünf Themen strukturieren das Buch: 1. Judenverfolgung im Nationalsozialismus. 2. Anti-semitismus vor 1933. 3. Vergan-genheit in der Gegenwart. 4. Jüdisches Leben (unterteilt in allgemein und biografisch). 5. Palästina – Israel – Naher Osten. Unterschieden wird zwischen Produktionen für den Einsatz im Kino, im Fernsehen und für den besonderen Einsatz. Zu jedem Titel gibt es die filmografischen Fakten, eine inhaltliche Beschreibung, Anmerkungen und Literaturhinweise. Es ist eine beeindruckende Arbeit, die Elke Schieber hier geleistet hat, die noch einmal vor Augen führt, wie ernst das Thema National-sozialismus und Antifaschismus in der DDR genommen wurde und in welcher Vielfalt es dargestellt worden ist. Lohnend ist die Lektüre der Einleitung: „Noch eine Dokumentation?“, in der die Autorin auch filmhistorische Bewertungen vornimmt. „Tangenten“ ist der jüngste Band der Schriftenreihe der DEFA-Stiftung. Von Ralf Schenk stammt ein Geleitwort. Mit Abbildungen. Titelfoto: Corinna Harfouch in DIE SCHAUSPIELERIN. Mehr zum Buch: products_id=439

Film als epistemisches Ding

2016.Film als epistemisches DingEine Dissertation, die an der Universität Konstanz ent-standen ist. Epistemische Dinge sind – nach einer Definition des Molekularbiologen und Historikers Hans-Jörg Rheinberger – „charakterisiert durch ein gewisses Maß an Unbestimmtheit, was sie als Erkenntnisgegenstände interessant macht.“ Dies überträgt Markus Spöhrer auf den Bereich der Hip-Hop-Kultur und analysiert sehr detailliert den offenbar ersten deutschen Hip-Hop-Film STATUS YO! (2004) von Till Hastreiter. Der Film erzählt in verschiedenen Episoden Geschichten aus dem Leben junger Menschen in Berlin, die der Hip-Hop-Szene angehören. Die Darstellerinnen und Darsteller sind Laien. Spöhrer zieht den amerikanischen Film WILD STYLE (1983) von Charlie Aheam zum Vergleich heran, in dem ein Graffiti-Künstler in New York porträtiert wird. Da es sich um eine wissenschaftliche Arbeit handelt, dominieren theoretisch-methodische Überlegungen den Text. 1.132 Quellenhinweise und Fußnoten machen die Lektüre etwas mühsam. Abgeschlossen wird der Band mit einem Interview, das Spöhrer mit dem Filmemacher Till Hastreiter geführt hat. Keine Abbildungen. Coverfoto: STATUS YO! Mehr zum Buch: film-als-epistemisches-ding.html

Fünf Roman Polanski-Filme auf Arte

2016.PolanskiMit dem historischen Film DER PIANIST (2002) beginnt heute Abend auf Arte eine kleine Reihe mit Filmen von Roman Polanski. Morgen sind der Mystery-Thriller NEUN PFORTEN (1999) und der Psycho-Thriller EKEL (1965) zu sehen, am Mittwoch der Theaterfilm VENUS IM PELZ (2013) und das politische Psychodrama DER TOD UND DAS MÄDCHEN (1994). Es sind alles Filme mit großen schauspielerischen Leistungen: Adrien Brody spielt den Pianisten Wladyslaw Szpilman im Warschauer Ghetto, Johnny Depp den Bücher-Detektiv Dean Corso, Catherine Deneuve die introvertierte Maniküre Carol Ledoux, Emmanuelle Seignier und Mathieu Amalric die Schauspielerin Vanda und den Regisseur Thomas, Sigourney Weaver die vergewaltigte Paulina Escobar und Ben Kingsley ihren Peiniger Dr. Miranda. Ich habe für die Ausstrahlungen auf Arte fünf kurze Einführungen gemacht, die jeweils vor Beginn des Films gesendet werden. Foto: Adrien Brody in DER PIANIST. Mehr zum heutigen Film: 060749-000-A/der-pianist

Ortsbestimmungen

2016.OrtsbestimmungenBildende Kunst und Film haben sich in den letzten Jahren enger miteinander verbunden. Es gibt einen sogenannten documen-tary turn, den man inzwischen in vielen Ausstellungen finden kann: Filminstallationen, die den Blick auf gesellschaftliche Realitäten erweitern sollen. Das Buch „Ortsbestimmungen“, herausgegeben von Eva Hohen-berger und Katrin Mundt, enthält elf Beiträge, die drei Kapiteln zugeordnet sind: I. Institutio-nelle Faktoren, II. Traditions-linien und Verfahren, III. Fallstudien. Zu I: Im Text von Barbara Engelbach geht es um das Ausstellen von Film am Beispiel von Jonas Mekas, Harun Farocki und Yvonne Rainer. Benjamin Cook schreibt über die Arbeiten mit Künstlerfilmen. Rose Epple, Bernhard Schwenk, Heiner Stadler und Detlef Weitz sprechen über die Ausstellung „Subjektiv“ in der Pinakothek der Moderne in München. Zu II: Alexandra Moschovi rekapituliert die Neukonstituierung der dokumentarischen Fotografie als Kunst im Museum of Modern Art. Jan Verwoert interpretiert den Dokumentarfilm als Kultur des Austausch („Zeigst du mir deins, zeig ich dir meins“). Maria Muhle würdigt das Reenactment als Versuch der Nachahmung historischer Ereignisse. Thomas Elsaesser sieht eine „Poetik der Obsoleszenz“, die aus dem Rückblick in die Vergangenheit Zukunftsaussagen gewinnt. Zu III: T. J. Demos beschäftigt sich mit dem Dokumentarfilm ENJOY POVERTY von Renzo Martens. Jochen Becker informiert über Allan Sekula und seine dokumentarischen Filme. Maeve Connolly richtet den Blick auf Installationen von Gillian Wearing. Iris Dressler informiert über das Archivo F. X. des Pedro G. Romero. Wieder ein interessanter Band der Reihe „Texte zum Dokumentarfilm“, inzwischen der 18. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: ?id=210&am=7

Filmstadt Hamburg

2016.Filmstadt HamburgÜber die Filmstadt Hamburg weiß niemand mehr als Michael Töteberg. Vor 16 Jahren hat er bei VSA das erste Buch zu diesem Thema veröffentlicht, vor acht Jahren zusammen mit Volker Reissmann in der Edition Tem-men das Hamburger Kinobuch „Mach dir ein paar schöne Stunden“ publiziert, und jetzt ist bei VSA eine aktualisierte, ergänzte und neu bebilderte Ausgabe erschienen. Inzwi-schen sind es 26 Kapitel geworden, in denen von Filmen und Kinos, von Schauspielern und Regisseuren, von Produzenten und Studios, von Zeitgeschichte und Filmgeschichte erzählt wird. In einigen Kapiteln habe ich mich wieder festgelesen: in den Texten über die späte Wiederentdeckung des Regisseurs Werner Hochbaum, über den „melancholischen Trümmer-film“ GROSSE FREIHEIT NR. 7 mit Hans Albers und Ilse Werner, über den Autofilm IN JENEN TAGEN von Helmut Käutner, der 1946 auf Hamburgs Straßen gedreht wurde, über den Prozess gegen Veit Harlan wegen „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“ im Frühjahr 1949, über Walter Koppel und Gyula Trebisch („Die Real-Film-Story“), über das Andere Kino, das Abaton und die FilmCoop, über den Regisseur Fatih Akin („Sein Werk ist ein einziger Heimatfilm“). Michael Töteberg verfügt über die große Fähigkeit, die Vergangenheit anschaulich und präsent zu machen. Er verliert sich nicht in Details, er informiert durch Fakten und erzählt gleichzeitig Geschichten. Beeindruckend! Mit vielen Abbildungen in sehr guter Qualität. Coverfoto: SOUL KITCHEN von Fatih Akin. Mehr zum Buch: ttnews[backPid]=6428

Marilyn Monroe

2016.MarilynHeute wäre Marilyn Monroe 90 Jahre alt geworden. Sie ist leider im August 1962 unter mysteriösen Umständen gestorben. MM gehört zu den großen Filmikonen des 20. Jahrhunderts. Meine persönlichen Lieblingsfilme mit ihr sind GENTLEMEN PREFER BLONDES von Howard Hawks, RIVER OF NO RETURN von Otto Preminger, SOME LIKE IT HOT von Billy Wilder und THE MISFITS von John Huston. Es gibt natürlich zahlreiche Biografien und Bildbände über Marilyn – ein besonders beeindruckendes Buch ist für mich „Marilyn Monroe. The Last Sitting“ von Bert Stern, publiziert 2002 bei Schirmer/Mosel. Zum runden Geburtstag ist jetzt im Verlag ebersbach & simon ein kleines, sehr empfehlenswertes Büchlein erschienen, das Barbara Sichtermann herausgegeben hat. Drei der vier Texte im Buch stammen aus Amerika und führen uns ganz nah zu MM: Truman Capote erzählt, wie er den Tag der Beerdigung der Schauspiellehrerin Constanze Collier mit Marilyn verbracht hat („Ein bildhübsches Kind“). Von Joyce Carol Oates gibt es eine Passage aus dem Roman „Blond“ zu lesen. Und der Text „Das traurigste Mädchen der Welt“ von Arthur Miller stammt aus dessen Autobiografie „Zeitkurven“. Die Texte sind gut ausgewählt. Herausragend finde ich den einleitenden Essay von Barbara Sichtermann, weil er uns aus heutiger Perspektive die Bedeutung von Marilyn Monroe als Schauspielerin und Sexsymbol in den 1950er Jahren vor Augen führt: sehr konkret, in wunderbaren Formulierungen, mit großer Zuneigung. Ich bin sehr beeindruckt. Mehr zum Buch: buecher/marilyn-monroe