Die Mutter- und Vaterrolle im Film

2014.Mutter- und VaterrolleEine soziologische Dissertation aus Berlin (Humboldt-Univer-sität), verfasst im Kontext der Cultural Studies, in der Filmanalyse orientiert an den Methoden von Lothar Mikos. Vier Fernsehfilme sind die Basis des Untersuchung: VATER AUF DER FLUCHT (2007) von Franziska Meyer Price, MAMA ARBEITET WIEDER (2009) von Dietmar Klein, VATER AUS LIEBE (2008) von Imogen Kimmel und VATERHERZ (2007) von Gabi Kubach. Es handelt sich um drei Familiendramen und eine Komödie. Die Autorin Ines Iwen untersucht die Inszenierungen der Persönlichkeiten von Müttern und Vätern, die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, die Rolle der Mütter und Väter in Beruf, Familie und Freizeit, die Mutter- und Vaterbilder. In der Zusammenfassung heißt es: „Wie im realen Leben wird auch in den Filmen der Ehe eine große Bedeutung beigemessen. Trennungen und Folgepartnerschaften stellen die Regel dar und liefern mit ihren emotionalen Spannungen die Vorlage für die meisten Filmstorys. In den Fernsehfilmen werden meist Familien der mittleren bis oberen Mittelschicht dargestellt. Das Einkommen der Eltern wird selten thematisiert.“ Vier Filme sind natürlich nicht gerade eine repräsentative Auswahl. Aber die Autorin analysiert die Situationen und Konflikte auf der Handlungsebene sehr präzise und findet Korrelate in der soziologischen Literatur. Umfangreiche Bibliografie, keine Abbildungen. Titelbild aus der Serie „en famille“ der Malerin Grit Peters. Mehr zum Buch: 9783899982145.htm

Die 1950er Jahre im Fernsehen der BRD

2014.50er JahreEine Dissertation aus Freiburg. Mark Rüdiger analysiert die Geschichts-bilder der 1950er Jahre im Fernsehen der BRD. Eigentlich wollte er alle einschlägigen Sendungen zur Grundlage seiner Untersuchung machen. Aber damit war er – und das beschreibt er sehr konkret in seiner Einleitung – bereits vom zugänglichen Material her und vor allem beim noch nicht zugänglichen Material überfordert. Sein Spektrum bleibt groß genug: Nachrichtensendungen, Kinofilme, Fernsehsendungen, Werbefilme. Zu allem gibt es spezielle Erkenntnisse. Er teilt seinen Untersuchungszeitraum in die Jahre 1959 bis 1976 („Formierungen“) und 1977 bis 1989 („Polarisierungen“). Ein Schlüsselkapitel heißt „Person und Ära Adenauer“. Die Gleichberechtigung von dokumentarischen Sendungen und fiktionalen Produktionen erschwert ein bisschen die Orientierung und den Erkenntnisprozess beim Leser. Die „Sendungsliste“ im Anhang nennt immerhin 98 Titel, die genauer analysiert werden. Und 958 Fußnoten verweisen auf genutzte Materialien und Kritiken. Die Konzentration auf weniger Titel hätte den Erkenntnisgewinn möglicherweise vergrößert. Gut gefallen haben mir die Interpretationen der Filme HUNGERJAHRE von Jutta Brückner, KALTE HEIMAT von W. Werner Schaefer und DER TAG, AN DEM ELVIS NACH BREMERHAVEN KAM von Peter F. Bringmann. Die Abbildungen sind relativ klein und drucktechnisch grenzwertig. Mehr zum Buch: goldene-50er-oder-bleierne-zeit?c=738

Farbige Lichträume

2014.Farbige LichträumeEine Dissertation aus Berlin (Freie Universität). Für Untersuchungen zur Farbe im Film gibt es noch freie Räume. Zuletzt ist eine Arbeit über die Farbe im NS-Propagandafilm erschienen (zur-geschichte-des-farbfilms/ ). Marc Glöde reflektiert über „Manifesta-tionen einer Veränderung des Bild-Raumdenkens“. Es geht ihm dabei eher um die „Raumidee“ als um die klassische Raumerzählung. Seine theoretischen Ausgangspunkte liegen in der Psychoanalyse, in der Bildtheorie, in der Wahrnehmungstheorie. Er findet die Basis für seine Untersuchung in den Diskursen über Farbe und Farblicht in den Künsten, in der Malerei, in der Farblichtarchitektur (inklusive den farbig illuminierten Kirchenräumen), in Theatermaschinen und Farblichtorgeln. Im zweiten, zentralen Teil geht es um die Farbe im frühen Film, um farbliche Avantgardepositionen zwischen 1910 und 1930 (Arnaldo Ginna, Bruno Corra, Léopoild Survage, natürlich auch die deutsche Avantgarde, Richter, Ruttmann, Fischinger) und den entsprechenden filmtheoretischen Diskurs bei Béla Balazs, Rudolf Arnheim und Siegfried Kracauer), um die Übergänge bei Sergej Eisenstein, Len Lye und Mary Ellen Bute, um die Entwicklung in den 1940er Jahren (Sara Kathryn Arledge, Kenneth Anger, Hy Hirsh, Harry Smith, Dwinell Grant) und schließlich um das experimentelle Kino der 50er und 60er Jahre (Stan Brakhage, Jordan Belson, James & John Whitney). Die Künstler werden kenntnisreich vorgestellt und historisch eingeordnet. Fast 800 Fußnoten verbinden den Text mit seinen Quellen. Die Abbildungen im laufenden Text sind schwarzweiß, im Anhang (116) in Farbe und guter Qualität. Mehr zum Buch: 978-3-7705-5497-3.html

Volker Koepp (1)

2014.DVD.Koepp 1.kleinAm vergangenen Sonntag ist der Dokumentarist Volker Koepp 70 Jahre alt geworden. Es gab einige sehr schöne Geburtstagstexte (zum Beispiel von Martina Knoben in der SZ oder von Gunda Bartels im Tagesspiegel), und bei Absolut Medien sind zwei Doppel-DVDs mit frühen Filmen von ihm erschienen. Sein Wittstock-Zyklus gehört für mich zu den Glücksfällen des Dokumentarfilms der DDR. Der erste Film, MÄDCHEN IN WITTSTOCK, wurde 1974, also vor vierzig Jahren gedreht, dann folgten ein Jahr später WIEDER IN WITTSTOCK, zwei Jahre später WITTSTOCK III und drei Jahre später LEBEN UND WEBEN. Es waren noch Kurzfilme: der erste 18 Minuten lang, der zweite 22, der dritte 32, der vierte 28. 1984 entstand der erste Langfilm: LEBEN IN WITTSTOCK. Mehr war eigentlich nicht geplant. Aber dann kamen die Wende und die Neugier auf die Veränderungen, die damit konkret verbunden waren. 1992 wurden wir mit NEUES AUS WITTSTOCK auf den damaligen Stand gebracht, und 1997 folgte mit WITTSTOCK, WITTSTOCK der Abschluss. Es ist sehr spannend, die Filme – die ich zu ihrer Zeit alle gesehen habe – heute noch einmal zu sehen. Einerseits wirkt vieles inzwischen weit entfernt. Andererseits, und das ist der großen Kunst von Volker zu verdanken, bleiben uns die Menschen, die wir über lange Zeit kennen gelernt haben, erstaunlich gegenwärtig. Es geht um Näherinnen aus dem 1974 eröffneten Obertrikotagenbetrieb „Ernst Lück“ in Wittstock an der Dosse, einer kleinen Stadt mit 10.000 Einwohnern im Nordwesten von Berlin. Drei Frauen werden zum Zentrum der Beobachtung: Edith, FDJ-Sekretärin, zeitweise Bandleiterin, mutig und ehrlich, hat all unsere Sympathien. Sie wird 1992 entlassen und geht dann in die BRD. Renate, die Älteste und Erfahrenste im Konfektionsbereich, war Abteilungsleiterin, sie kann die Abläufe und Fehler im Betrieb natürlich am besten erklären. Sie arbeitet nach der Wende als Zimmermädchen in einem Hotel. Elsbeth (Cover-Foto), die Jüngste, übernimmt Verantwortung in der Endkontrolle, hat den größten Charme und eher bescheidene Zukunftswünsche. Wir sehen die Frauen bei der Arbeit, im Gespräch, auch in der Freizeit. Es wurde damals kräftig geraucht. Die Nachtschichten sind anstrengend. Die Männer wirken eher abschreckend. Alle Filme wurden in Schwarzweiß gedreht. Kamera: Christian Lehmann. Volker vermittelt aus dem Off kurze Informationen. Alle Filme zusammen dauern sechseinhalb Stunden. Die Zeitinvestition lohnt sich. Das Booklet, herausgegeben von Ralf Schenk, ist sehr informativ. Mehr zur DVD thema&list_item=53

Münchner Filmfest

2014.Münchner FilmfestHeute beginnt in München das 32. Filmfest. In der interna-tionalen Reihe „CineMasters“ sind wieder einige Filme aus Cannes zu sehen, zum Beispiel der 3D-Film ADIEU AU LANGAGE von Jean-Luc Godard, CLOUDS OF SILS MARIA von Olivier Assayas und DEUX JOURS, UNE NUIT von den Brüdern Dardenne. In der Reihe „CineVision“ konkur-rieren internationale Nach-wuchsfilme um einen Preis, auch in der Reihe „Spotlight“ trifft man auf Cannes-Beiträge, zum Beispiel von Tommy Lee Jones (THE HOMESMAN) und Wim Wenders (SALT OF THE EARTH). In der Reihe „Neues Deutsches Kino“ sind Filme u.a. von Doris Dörrie, Silke Enders und Vanessa Jopp zu sehen. Auch die Sektion „Neues Deutsches Fernsehen“ ist mit Filmen von Matti Geschonneck, Dominik Graf, Nina Grosse, Hermine Huntgeburth, Rainer Kaufmann, Andreas Kleinert, Christian Schwochow und Christian Wagner gut besetzt. Die Retrospektive ist dem amerikanischen Regisseur Walter Hill gewidmet (25 Filme), den CineMerit Award erhält der Schauspieler Udo Kier, geehrt wird auch der Produzent Arthur Cohn, und Klaus Lemke darf vier Filme zeigen, die er in Hamburg gedreht hat. Ein reizvolles Programm, für das nun schon zum dritten Mal Diana Iljine verantwortlich zeichnet. Mehr zum Programm: filmprogramm/film-reihen.aspx

BLOW-UP

2014.Blow-upIn der Wiener Albertina ist zurzeit (und noch bis zum 24. August) eine Ausstellung über Michelangelo Antonionis Film BLOW-UP (1966) und seine Bezüge zur Fotografie zu sehen. Ihre weiteren Stationen sind das Fotomuseum Winterthur und das Ausstellungshaus C/O Berlin. Der bei Hatje-Cantz erschienene Katalog ist in Wort und Bild beeindruckend. Der Kurator Walter Moser gibt mit seinem Essay „Antonionis hypnotischer Blick auf eine wilde Welt“ die Anspruchshöhe und den thematischen Horizont vor. Gabriele Jutz reflektiert über die Spielarten des voyeuristischen Blicks. Astrid Mahler erinnert an die neuen Tendenzen der britischen Modefotografie der 1960er Jahre (David Bailey, Terence Donovan, Brian Duffy), Anna Hanreich an die Reportagefotografie jener Zeit (Don McCullin, John Bumer, Philip Jones Griffith). Roland Fischer-Briand hat ein Werkverzeichnis der 91 offiziellen Pressefotos zu BLOW-UP zusammengestellt. Philippe Garner begründet die damalige Wahl des Drehorts London: „die aufregendste Stadt der Welt“. Und Thomas Seelig informiert am Ende über fotografische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, die sich auf Antonionis Film zurückführen lassen. Mit über tausend kleinen und großen Abbildungen in bester Qualität ist dieses Buch eine wunderbare Hommage auf den Klassiker des Fotografiefilms. Ich freue mich auf die Ausstellung, die im Dezember nach Berlin kommt. Mehr zum Buch: blow-up-5937-0.html

Hou Hsiao-hsien

2014.HouIm Österreichischen Filmmuseum ist gerade eine große Hou Hsiao-hsien-Retrospektive zu Ende gegangen. Was bleibt, ist die Publikation. Ihr Herausgeber, Richard I. Suchenski, Director des Center for Moving Image Arts at Bart College, analysiert in seiner Einleitung das bisherige Werk des Taiwanesischen Regisseurs. In zehn Essays geht es um einzelne Filme oder größere Zusammenhänge. Die Autorinnen und Autoren sind Peggy Chiao (über den Film A CITY OF SADNESS), Ni Zhen („The Significance of Hou’s Films for Asian Cinema“), Jean-Michel Frodon („“Unexpectes but Fertile Convergence“), Jean Ma (über THE PUPPETMASTER), Hasumi Shigehiko (über FLOWERS OF SHANGHAI), James Quandt („A Certain Slant of the Light in the Films of Hou Hsiao-hsien“), James Udden (über DUST IN THE WIND), Wen Tien-Hsiang („The Unmarried Women“), Abé Mark Nornes („Narrative Space“) und Kent Jones („In Time“). Drei Filmemacher sind mit speziellen Texten über Hou Hsiao-hsien vertreten: Olivier Assayas, Jia Zhang-Ke und Koreeda Hirokazu. Zehn enge Mitarbeiter, darunter der Kameramann Chen Huai-En, der Cutter Liao Ching-Sung, die Produzenten Chen Kuo-Fu und Ichiyama Shozo und der Schauspieler Jack Kao, erzählen von der Zusammenarbeit. Alle Texte des Buches in Englisch. Der Anhang enthält eine Biografie, eine Filmografie und eine Bibliografie. Viele hervorragende Abbildungen rufen die Filme in Erinnerungen. Ich habe leider nicht sehr viele gesehen, war aber sehr beeindruckt von der Familiengeschichte A TIME TO LIVE AND A TIME TO DIE (1985), dem Historienfilm A CITY OF SADNESS (1989) und der Ozu-Hommage CAFÉ LUMIÈRE (2003). Mehr zum Buch: rel=de&ss1=y

Anschauen und Vorstellen

2014.Anschauen und Vorstellen23 Texte und die Einleitung des Herausgebers summieren sich zu einem sehr vielfältigen Buch über die gedanklichen und emotionalen Aktivitäten der Zuschauerinnen und Zuschauer im Kino, ihre Mitarbeit, ihre Imaginationen, ihr intellek-tuelles Vergnügen. Ausgangspunkt war eine internationale Tagung 2011 in Bremen. Ich nenne hier acht Einzeltexte und ein spezielles Kapitel, die mir besonders gut gefallen haben. Klaus Kreimeier eröffnet den ersten Teil („Emotio-nen“) mit einem sehr interessanten Text über „Blickstrategien in der frühen Kinematographie“. Julia Schoderer beschäftigt sich mit der Inszenierung moderner Krisenphänomene im Stummfilm am Beispiel von Robert Reinerts NERVEN (1919), der mit Recht neuerdings stärkere Beachtung findet. Der Herausgeber Heinz-Peter Preußer analysiert „Das imaginierte Böse in den ALIEN-Filmen von Ridley Scott bis Jean-Pierre Jeunet“. Es ist der Text mit den besten Abbildungen. Nina Schimmel referiert über die Sympathielenkung am Beispiel von NATURAL BORN KILLERS von Oliver Stone. Bei Kerstin Stutterheim geht es um „Dialogizität, Imagination und implizite Dramaturgie“ in Martin Scorseses SHUTTER ISLAND. Im zweiten Teil („Evokationen“) haben mich am stärksten beeindruckt: die Überlegungen von Michael Niehaus über das Voice-over in A LETTER TO THREE WIVES von Joseph L. Mankiewicz, die Erinnerungen von Johannes Pause an das „Jenseits der Bilder“ in den italienischen Politthrillern von Francesco Rosi, Damiano Damiani und Elio Petri, die Beschreibungen von Sabine Haenni, wie der Handlungsort Hafen in Marseille-Filmen dargestellt wird, und die Reflektionen von Heinz-B. Heller über den Dokumentarfilm und das Imaginäre. Das spezielle Kapitel („Exempel“) konzentriert sich mit sieben individuellen Texten auf den Film DAS WEISSE BAND von Michael Haneke, die Beiträge stammen von Janina Widfeuer, Constanze Breuer, Wolfram Bergande, Stephen Brockmann, Matteo Galli und Ulf Abraham. Band 4 der “Schriftenreihe zur Textualität des Films”. Eine Fundgrube für interessante wissenschaftliche Erkenntnisse. Mehr zum Buch: gelenkte-imagination-im-kino.html

SUPERGIRL von Rudolf Thome

Bild 1Endlich gibt es – bei Zweitausendeins – eine DVD von Rudolf Thomes Film SUPERGIRL. Gedreht wurde er vor 44 Jahren in München und am Starnberger See, in Zürich, Madrid und Paris. Iris Berben, damals 20, ist das Mädchen Francesca, das aus dem Nirgendwo kommt und dort am Ende auch wieder verschwindet. Sie trifft den Playboy Charly (Nikolaus Dutsch), den Schriftsteller Evers (Marquard Bohm), den Filmproduzenten Polonsky (Jess Hahn). Sie liest gern Comics, sie lässt sich auf vieles ein, sie sorgt mit ihrer Schönheit und ihrer geheimnisvollen Herkunft für Verwirrung. Der Plot ist natürlich nur die eine Seite des Films. Die andere Seite ist die physische Präsenz der Darsteller, der Gegenstände, der Orte: „Wie jemand blickt. Wie jemand geht. Wie jemand Whisky trinkt. Wie klar der Starnberger See ist. Wie amerikanische Autos gleiten. Wie jemand den Revolver hält. Wie jemand sich auszieht. Und wie jemand im Bett liegt und sich räkelt. Daraus bildet sich der Stoff, der die Faszination von Thomes Filmen ausmacht.“ (Norbert Grob, Kinemathek 66, November 1983). Drehbuch: Max Zihlmann/Rudolf Thome. Kamera: Affonso Beato. Im Hintergrund sehen wir Rainer Werner Fassbinder (vor dem Schaufenster einer Boutique), Eddie Constantine (als Gast auf einer Party), Klaus Lemke (als amerikanischen Produzenten). Ein spezieller Genuss sind die Farben des Films (wie schon bei Thomes davor gedrehten Film ROTE SONNE): das Rot, das Weiß, das Schwarz, das Blau. Und das Orange des Raumanzugs, mit dem Iris Berben in den Film einschwebt. Vorher dominierte im „Jungen deutschen Film“ eher das Schwarzweiß. SUPERGIRL lässt uns im Kino träumen. Mehr zur DVD: edition-deutscher-film-5-1970.html

Bilder aus der Zeit dazwischen

2014.HFF 2Die HFF München dokumen-tiert ihre Geschichte. Der erste Band über die Zeit von 1967 bis 1979 („Bilder wilder Jahre“) erschien 2011. Jetzt gibt es, wieder bei edition text + kritik, den zweiten Band: „Bilder aus der Zeit dazwischen“, über die 1980er Jahre. Die kurzen Vorworte stammen von der Hauptherausgeberin Michaela Krützen, den Herausgeberinnen des neuen Bandes, Judith Früh und Catalina Torres, und den – wie man neuerdings sagt – „Alumni“ Michael Gutmann und Nina Grosse. 28 von ihnen sprechen mit großer Empathie über ihre Ausbildung, darunter sind (ich nenne sie in alphabetischer Reihenfolge): Michael Bentele, Franziska Buch, Jakob Clausen, Nina Grosse, Michael Gutmann, Nico Hofmann, Ralf Huettner, Nicolas Humbert, Rainer Kaufmann, Lutz Konermann, Uli Limmer, Caroline Link, Vivian Naefe, Thomas Riedelsheimer, Hans-Christian Schmid, Dorothee Schön, Sönke Wortmann. Die Gespräche sind in einer geschickten Montage zehn thematischen Einzelkapiteln zugeordnet. Im Mittelpunkt dieser Kapitel stehen insgesamt 136 Filme, die in Wort und Bild dokumentiert sind. Sie geben einen Eindruck von der Vielfalt der Ausbildungsproduktion. Von Claudius Seidl stammt ein schöner, fordernder Text über den westdeutschen Film der 1980er Jahre (1990 veröffentlicht in Vogue). Irgendwann wird wohl ein dritter Band zur HFF-Geschichte folgen. Andere Filmhochschulen könnten sich an dieser „Vergangenheits-bewältigung“ ein Beispiel nehmen. Mehr zum Buch: 9783869162638#.U5hnxByWFgt