Eine Nacht im Tarantella

2014.TarantellaEr ist als Gründer des Hamburger Abaton-Kinos bekannt geworden, hat an die fünfzig Filme produziert, darunter den unvergesslichen FUSSBALL WIE NOCH NIE von Hellmuth Costard, und viele selbst inszeniert, hat Filmpolitik gemacht und das alles in seiner Autobiografie erzählt: „Hinter der Leinwand“. Sie war im April 2010 mein „Filmbuch des Monats“ (film-und-kinogeschichten ). Und weil Werner Grassmann (*1926) ein guter Geschichtenerzähler ist, hat er jetzt seine Erlebnisse im Hamburg der Nachkriegszeit publiziert: „Eine Nacht im Tarantella“. 1946 konnte er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Hamburg fliehen. Er wurde Dolmetscher beim englischen Bau-Bataillon. 28 teils schöne, teils auch schreckliche und absurde Geschichten über Arbeitssuche, Begegnungen mit attraktiven Frauen (Anneliese, Conny, Erika), über Besuche in Kinos, Kneipen und Bars, über Freunde und Familie fügen sich zu einem sehr realen Panorama der Zeit bis zur Währungsreform. Es geht um Kleidung, Geld, Ernährung, Wohnen, Arbeiten und auch ein bisschen um Kultur. Oft enden die Geschichte mit einer Pointe, manchmal aber auch im Nirgendwo. Die titelgebende „Nacht im Tarantella!“ handelt von einer Investition ohne Zukunft. Der junge Werner schenkt seiner Schulfreundin Inge einen Gutschein zum Besuch der berühmten Tarantella-Bar. Sie will das Geschenk zunächst nicht annehmen, weil sie nicht weiß, was sie anziehen soll. Dann wird das Cocktailkleid der Mutter für sie umgearbeitet. Sie fahren schließlich an einem Abend zum Dammtorbahnhof, Werner glaubt, finanziell vorgesorgt zu haben, aber die Weinpreise erweisen sich als zu hoch. 650 Mark für zwei Flaschen Rotwein überfordern ihn, als es an die Zahlung der Zeche geht. Er hat nur noch 340 in der Tasche. Ein Klavierspieler hilft im Konflikt mit dem Oberkellner, Werner und Inge dürfen noch bleiben und tanzen, bis der Frühzug nach Reinbek fährt, und haben am Ende „den schönsten Abend der Reichsmarkzeit erlebt.“ Leider wird die Schulfreundin Inge wenig später zu ihren Großeltern nach Göttingen geschickt. Der Großvater war dort Prokurist in einer Wurstfabrik. – Die erzählten Geschichten werden von vielen Fotos der Zeit begleitet. Ein schönes Buch aus dem Verlag Ellert & Richter. Mehr zum Buch: ISBN=978-3-8319-0584-3

VERBOTENE FILME von Felix Moeller

2015.DVD.Verbotene FilmeDer Film von Felix Moeller thematisiert den Umgang mit dem Nazi-Kino und den rund vierzig „Vorbehaltsfilmen“, die bis heute öffentlich nur mit Einführung und anschließender Diskussion gezeigt werden dürfen. Soll man alle Vorbehalte aufheben und auf die kritische Kompetenz der Zuschauer hoffen? Das ist eine Position, die der Historiker Götz Aly und – etwas naiver – der Filmemacher Oskar Roehler im Film vertreten. Differenzierter sind die Meinungen von Rainer Rother, Sonja M. Schultz, Ernst Szebedits oder Christina von Wahlert, die zumindest bei den krassen Propagandafilmen die bisherigen Einschränkungen aufrechterhalten wollen. Felix hat seinen Film sehr komplex angelegt, zeigt auch Reaktionen auf Nazifilm-Vorführungen in Frankreich und Israel und plädiert seinerseits nicht für eine radikale Lösung. Damit wird er dem Problem gerecht. Die gezeigten Filmausschnitte – vor allem aus JUD SÜSS, HEIMKEHR, DIE ROTHSCHILDS oder ICH KLAGE AN – und die dokumentierten Publikumsreaktionen machen deutlich, wie unterschiedlich die Rezeption vonstatten geht und wieviel vom historischen und filmischen Vorwissen abhängt. VERBOTENE FILME provoziert die notwendigen Diskussionen. Das macht ihn so sehenswert. Bei Edition Salzgeber ist jetzt eine DVD des Films erschienen. Das schmale Booklet enthält ein Interview mit dem Regisseur. Mehr zur DVD: VERBOTENEFILME_ProdInfo.pdf

Die Kamera als Monster

2014.Kamera MonsterDie bewegliche Kamera im Horrorfilm THE BLAIR WITCH PROJECT (1999), der man einen dokumentarischen Stil unterstellen kann, hat offenbar viel zum Erfolg des Films beigetragen. Steffen Lindinger untersucht in seiner Mainzer Diplomarbeit zunächst den Wirklich-keitsanspruch des Dokumentarfilms, die Rolle der Kamera und die Subversionen des dokumentarischen Modus („Mock-Documentary“ und „Mondo-Film“). Vier Filme des Horrorgenres werden als Vorläufer des BLAIR WITCH PROJECT genauer analysiert: HÄXAN (1922) von Benjamin Christensen, MONDO CANE (1962) von Gualtiero Jacopetti, Franco Prosperi und Paolo Cavara, THE LEGEND OF BOGGY CREEK (1972) von Charles B. Pierce und CANIBAL HOLOCAUST (1979) von Ruggero Deodato. Das letzte Kapitel ist der Weiterentwicklung des „dokumentarischen Horrors“ gewidmet, dem so erfolgreichen BLAIR WITCH PROJECT der beiden ehemaligen Filmstudenten Daniel Myrick und Eduardo Sánchez, dem spanischen Film REC (2007) von Jaume Balagueró und Paco Plaza und der amerikanischen Produktion PARANORMAL ACTIVITY (2009) von Oren Peli. Der Autor ist bei seinen Analysen nah an den Filmen. Das fördert vor allem für Horrorfilm-Fans interessante Erkenntnisse zutage. Mehr zum Buch: aspx?product=22795

Die Hochstapelei des Tom Ripley

2015.RipleyEs sind eigentlich zwei Themen, die sich in dieser Dissertation aus Dresden überzeugend verbinden: die Hoch-stapelei als spezielle männliche Attitüde und die Figur des Tom Ripley in dem Romanzyklus von Patricia Highsmith und seinen verschiedenen Verfilmungen. Wieland Schwanebeck reflektiert zunächst sehr umfassend über die Begriffsgeschichte der Hochstapelei, über die besondere Rolle der Hochstaplererzählung in den USA, über Hochstaplermotive in der Literatur und stellt die Hochstapelei in den größeren Zusammenhang der „Männlichkeitsforschung“. Das sind immerhin 100 wissenschaftlich abgesicherte Seiten mit 185 Fußnoten und einigen Seitenhieben auf wissenschaftliche Hochstapler, die als Plagiatoren entlarvt wurden. Dann geht es im zweiten Teil auf 250 Seiten vor allem um die Romane von Patricia Highsmith, die bisher erstaunlich wenig von der Wissenschaft zur Kenntnis genommen wurden. Der Autor lässt sich sehr genau auf „The Talented Mr. Ripley“ (1955), „Ripley Under Ground“ (1970), „Ripley’s Game“ (1974), „The Boy Who Followed Ripley“ (1980) und „Ripley Under Water“ (1991) ein, findet literarische Parallelen, formuliert Überlegungen zur Ästhetik der Fälschung und spannt den Bogen zu den Frauen in der Ripley-Reihe und der Auseinandersetzung mit der Weiblichkeit. Den Romanen zugeordnet sind ausführliche Darstellungen zu den Verfilmungen, zu PLEIN SOLEIL (1960) von René Clement mit Alain Delon als Ripley, RIPLEY UNDERGROUND (2003) von Roger Spottiswood mit Barry Pepper, THE TALENTED MR. RIPLEY (1999) von Anthony Minghella mit Matt Damon, DER AMERIKANISCHE FREUND (1980) von Wim Wenders mit Dennis Hopper, RIPLEY’S GAME (2002) von Liliana Cavani mit John Malkovich. Selbstinszenierung und Körpersprache der Ripley-Darsteller werden von Schwanebeck präzise beschrieben, vorausgesetzt, man hat die Filme noch in guter Erinnerung. Wenige, aber hilfreiche Abbildungen in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: 978-3-412-22363-2.html.

Der deutsche Kinofilm seit 1990

2014.Good Bye, FassbinderDie Zeit ab 1990, also seit der „Wiedervereinigung“, war für den deutschen Kinofilm mit vielen Veränderungen ver-bunden. Da ist es sinnvoll, die etwas unübersichtlichen Entwicklungen zu strukturieren und zu ordnen. Es war eine hervorragende Idee, dafür einen kompetenten französischen Autor zu gewinnen, der mit dem deutschen Film gut vertraut ist, ihn aber mit dem Blick „von außen“ betrachtet. Pierre Gras (*1960), inzwischen Dozent für Filmökonomie an der Sorbonne in Paris, hat eine Haltung zu seinem Thema, ist meinungsfreudig ohne zu mäkeln, kennt die Filme genau, über die er schreibt, und stellt sie in größere Zusammenhänge. Die Lektüre ist spannend, das Fazit für den deutschen Film ermutigend. Elf Kapitel bilden die Struktur. Der Einstieg ist das Jahr 2003, als GOOD BYE, LENIN! von Wolfgang Becker zu einem großen internationalen Erfolg wurde, mit Blicken zurück und nach vorn. Dann folgen „Das Abenteuer X Filme“ (Tom Tykwer, Wolfgang Becker, Dani Levy), „Die erste Generation“ (Christian Petzold, Angela Schanelec, Thomas Arslan), „Die junge Garde“ (Christoph Hochhäusler, Benjamin Heisenberg, Henner Winckler, Ulrich Köhler, Valeska Griesebach, Maren Ade, ‚Berliner Schule’ und ‚Nouvelle vague allemande’), „Drei Filmemacher jenseits aller Gruppenzugehörigkeit und ein Meteorit“ (Fatih Akin, Andreas Dresen, Hans-Christian Schmid und DAS LEBEN DER ANDEREN), „Besessene und Maîtres fous“ (Romuald Karmakar), „Das kommerzielle Kino“ (Bernd Eichinger, Sönke Wortmann, Detlev Buck, Oskar Roehler, Krimis, Doku-Dramen, Komödien, Til Schweiger), „Die Kunst des Dokumentarfilms“ (Thomas Heise, Volker Koepp, Heinz Emigholz, Gerhard Friedl, Aysun Bademsoy, Bettina Blümner, Philip Scheffner, Peter Nestler), „Wachtumsfaktoren“ (Auswertung, Verleih, Produktion, öffentliche Förderungen, Filmhochschulen, die Berlinale), „Farocki und Kluge, zwei Mentoren“ und der „Ausblick“. Es ist erstaunlich, wie intensiv sich der Autor auf die Filme und die einzelnen Personen einlässt, wie er komplizierte Sachverhalte (Förderung) verständlich vermittelt. Das Buch ist zunächst in Frankreich erschienen und, auf dem aktualisierten Stand vom November 2014, nun im Berliner Alexander Verlag. Für die Übersetzung ist Marcus Seibert verantwortlich, Christoph Terhechte hat ein Vorwort beigesteuert. Mehr zum Buch: GOOD_BYE_FASSBINDER.html

Alain Resnais-Retrospektive in München

2015.ResnaisIm Münchner Filmmuseum beginnt heute mit LE NUIT ET BRUILLARD und HIROSHIMA MON AMOUR eine Retro-spektive aller Filme von Alain Resnais. Seine zwanzig langen Spielfilme werden gezeigt und die vielen Kurzfilme, die zum Teil als eigene Programme zu sehen sind, zum Beispiel am 8. Januar mit zehn Beispielen aus den 1940er und 50er Jahren, eingeführt von François Thomas. Im Programmheft des Filmmuseums steht ein wunderbarer Text von Fritz Göttler über Resnais, der die Bedeutung dieses Regisseurs über viele Jahrzehnte in Erinnerung ruft. Ich zitiere daraus: „Einen Film sah er nicht als Kontinuum, in Progression und Verfolgung eines Suspense, sondern als Collage, als Installation. Mit besonderer Lust widmet sich Resnais den Brüchen, Wiederholungen, Leerläufen, Anschlussfehlern in seinen Filmen. Dekonstruktion, Dekonzentration. Ein filmisches Wirken wider die filmische Korrektheit – gegen die Grammatiker des Filmemachens, die das amerikanische Modell zur Norm erheben, mit seinem Postulat vom unmerklichen narrativen Fluss. Jeder Schnitt, jeder Anschluss ist bei Resnais ein Abenteuer, ein Ereignis. Alles was erzählt wird, steht unter dem Zeichen der Vorläufigkeit. Die Erinnerungslücken und -verweigerungen in MARIENBAD, der sterbenskranke Autor in PROVIDENCE, die Somnambulen aus MON ONCLE D’AMERIQUE…“. 2012, als Resnais noch lebte, fand eine große Retrospektive im Berlin Arsenal statt. Und damals erschien auch die lesenswerte Dissertation von Sophie Rudolph über ihn im Verlag edition text + kritik: 2012/06/alain-resnais/ . Nun hat München das Privileg einer großen Retrospektive. Mehr zum Programm (mit dem vollständigen Text von Fritz Göttler): Alain_Resnais.pdf

Fernseh- und Gesellschaftsgeschichte im TATORT

2015.TatortÜber die inzwischen 40jäh-rige TATORT-Reihe der ARD wird seit einiger Zeit viel geforscht und publiziert. Der vorliegende Band dokumen-tiert die Beiträge einer wissenschaftlichen Tagung, die im Sommer 2013 in Göttingen stattgefunden hat. In 16 Texten blicken die Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Perspektiven auf den TATORT. Ich nenne hier zehn Beiträge, die mich besonders interessiert haben. Thomas Weber führt mit Überlegungen zur kommunikativen Figuration der Reihe und der Darstellung der Protagonisten in den Band ein. Joan Kristin Bleicher macht sich Gedanken über die Veränderung von Täterprofilen, die über die Jahrzehnte mehr in ihren Erscheinungsformen und weniger in ihrem Kern (zum Beispiel den Tatmotiven) deutlich werden. Bei Stephen Völlmicke geht es um die Inszenierung des Todes im TATORT und um die sozialen Subtexte. Besonders originell finde ich den Beitrag von Rolf Parr, der die Autos der Kommissare und ihren Umgang mit den Dienstfahrzeugen untersucht. Christian Hißnauer erinnert an die Frühgeschichte bundesdeutscher Krimiserien, an STAHLNETZ und DER KOMMISSAR. Sehr informativ ist das Gespräch mit der SWR-Redakteurin Melanie Wolber, die für die Lena Odenthal-Folgen zuständig ist. Natürlich wird der Münster-TATORT genauer untersucht; im einen Text sieht Andreas Blödorn „Münster als Raum exzessiver Selbstreflexion“ des Krimi-Formats, im anderen verortet Thomas Klein das komödiantische Niveau „zwischen Wortwitz und Klamauk“. Tina Welke hat sich auf den MDR-TATORT der Jahre 1992 bis 2007 konzentriert und fragt, wie konkret sich die Lebensverhältnisse in den Neuen Bundesländern dort widerspiegeln. Julika Griem stellt den TATORT in einen internationalen Kontext und fordert zum Vergleich mit amerikanischen Serien auf. Wenige Abbildungen, viel Lesestoff. Mehr zum Buch: /zwischen-serie-und-werk?c=738

PRAUNHEIM MEMOIRES

2014.PraunheimHeute Abend hat der Film PRAUNHEIM MEMOIRES in der Volksbühne in Berlin Premiere. Er kommt am Donnerstag in die Kinos. Eine Voraufführung gab es bereits vor einigen Monaten in Frankfurt. Denn dort ist der Film entstanden. Praunheim ist ein Stadtteil von Frankfurt. Dort wuchs der junge Holger Mischwitzky ab 1954 bei seinen Eltern auf, die mit ihm zuvor in der DDR gelebt hatten und von dort in den Westen geflüchtet waren. Wie schon Rosas Film MEINE MÜTTER ist auch PRAUNHEIMS MEMOIRES eine Spurensuche. So trifft er, eine berührende Überraschung, seinen inzwischen 86jährigen Deutschlehrer wieder, der ihn sehr gefördert hat, und die Witwe seines Malerfreundes Marek und seine mütterliche Freundin Nora Gräfin Stollberg, mit der er sein Leben lang verbunden blieb. Der Film macht auf seine Weise klar, wie schwierig es war, in den 50er Jahren als Schwuler in Deutschland zu leben. Kein Wunder, dass Rosa sich in den Sechzigern in der Schwulenbewegung engagierte und mit seinem Film NICHT DER HOMOSEXUELLE IST PERVERS, SONDERN DIE SITUATION, IN DER ER LEBT (1971) auch Fernsehgeschichte geschrieben hat. Natürlich gibt es heute Abend in der Volksbühne nicht nur den Film zu sehen, es wird auch ein Fest gefeiert. Das Film-Team ist anwesend. Und es spielt die Band „Baby of Control“. Mehr zum Film: detailliert&Itemid=68

Schriftfilme

2014.SchriftfilmeDie Schrift ist – wie die Sprache – ein „Urmedium“, also sehr alt. Den Film gibt es bekanntlich erst seit rund 120 Jahren, und in ihm dominieren die Bilder. „Schrift-filme“ sind in der Filmgeschichte ein spezielles Kapitel, in das man sich mit Gewinn vertiefen kann. Vor einem Jahr gab es im ZKM in Karlsruhe eine Ausstellung zu diesem Thema, die inzwischen nach Liverpool gewandert ist und dort noch bis in den Februar hinein besucht werden kann. Die Publikation im Verlag Hatje Cantz war der Katalog zur ZKM-Ausstellung, aber sie ist auch ein Basiswerk zum Schriftfilm. In 21 zumeist kürzeren Texten werden zunächst die Grundlagen zum Thema gelegt. Da geht es u.a. um die Schrift als Bild in Bewegung (Autor: Bernd Scheffer), um das Spiel mit der Lesbarkeit als ästhetische Erfahrung (Marcel Schellong), um „Die Schrift als Atem des Films“ (Mario Grezeli), um die Bildhaftigkeit bewegter Zeichen (Markus Heidingsfelder), um die Intermedialität in Schriftfilmen (Michael Lentz), um die Ästhetik unlesbarer Filmschriften (Stephan Packard), um Schrift und Bild im frühen Film (Ulrich Johannes Blei), um den unkonventionellen Einsatz von Zwischentiteln (Thomas Ballhausen), um „Konkrete Schriftfilme“ (Annette Gilbert), um den Vorspann als Schriftfilm (Julia Dettke), um Kinetografische Titelsequenzen im Film (Michael Schaudig), um die Schrift in Gedichtverfilmungen (Thomas Zandegiacomo Del Bel), um die Verwendung von Schrift und Schriftbild im Poesiefilm (Thomas Wohlfahrt) und um die frühen Arbeiten des Medienkünstlers Peter Weibel (Domenika Szope). Der zweite und besonders beeindruckende Teil des Buches (er umfasst mit fast 300 Seiten rund zwei Drittel der Publikation) ist eine kommentierte Filmografie der Schriftfilme von 1895 bis heute: mehr als eine Fleißarbeit, für die vor allem die Mitherausgeberin Christine Stenzer verantwortlich ist. Fast 1.000 Abbildungen sind unverzichtbarer Bestandteil der Publikation. Coverfoto: TOUCH YELLO. THE VIRTUAL CONCERT (2009). Mehr zum Buch: schriftfilme-5944-0.html

Mein Filmbuch des Jahres

Bild 1Das Jahr 2015 hat gestern begonnen. Zwölf „Filmbücher des Monats“ habe ich 2014 den Freundinnen und Freunden der Filmliteratur empfohlen (www.hhprinzler.de/filmbuecher/ ). Eines davon soll traditionell zum „Filmbuch des Jahres“ erklärt werden. Auch wenn es durchaus mehr als drei Kandidaten gibt, ziehe ich die folgenden Titel in die engere Wahl: die Motivgeschichte „Der Tod im Spielfilm“ von Johannes Wende (Juni; der-tod-im-spielfilm/ ), die große Frauen-und-Film-Untersuchung „Wie haben Sie das gemacht?“ von Claudia Lenssen und Bettina Schoeller (Oktober; frauen-und-filme/ ) und die Biografie „Fritz Lang“ von Norbert Grob (November; fritz-lang-die-biographie/ ). Ich entscheide mich für die Lang-Biografie, weil sie als das lange erwartete Buch über einen der großen deutschen Regisseure für die Filmliteratur in diesem Land von besonderer Bedeutung ist. Natürlich kann ich in meinem Urteil als befangen gelten, weil ich mit dem Autor eng befreundet bin. Aber die Presseresonanz auf das Buch war so ungewöhnlich positiv, dass ich mich in meiner Bewertung dieser Biografie in bester Gesellschaft sehe. Fritz Göttler hat in der Süddeutschen Zeitung fast eine ganze Seite über das Buch geschrieben (und Filmbücher werden dort höchst selten rezensiert), Katja Nicodemus hat in der Zeit, Peter Körte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Hans-Georg Rodek in der Welt Norbert Grobs Buch aufs höchste gelobt, auch die Rezensionen in den deutschen Filmzeitschriften waren sehr positiv. Der Propyläen Verlag muss über diese Resonanz beglückt sein. So freue ich mich über die Urteile der Kollegen und fühle mich in der Einschätzung des Buches bestätigt. „Fritz Lang“ ist mein „Filmbuch des Jahres“.