Die Oscars

Bild 3Die Oscar-Nacht hat in diesem Jahr weniger Spaß gemacht, und mit den Ergebnissen bin ich nur partiell zufrieden. Die Moderation des mit viel Vorschusslorbeeren bedachten Neil Patrick Harris fanden wir nicht sehr originell, die Musiknummern klangen – abgesehen vom preisgekrönten Song „Glory“ – etwas leer, die Werbepausen dehnten das Ritual und die Dankesreden waren bis auf wenige Ausnahmen ohne Empathie. Aber vielleicht dominiert bei mir vor allem die Enttäuschung über den Absturz von BOYHOOD. Ja, mein Optimismus war groß, vier Oscars habe ich für ihn prognostiziert, nur einen (für Patricia Arquette als Supporting Actress) hat er am Ende bekommen und damit das Duell gegen BIRDMAN eindeutig verloren. Das finde ich schade. Die beiden Oscars für Hauptdarstellerin und Hauptdarsteller gingen zu Recht an Julianne Moore (Foto) und Eddie Redmayne. THE GRAND BUDAPEST HOTEL von Wes Anderson wurde mit vier Oscars belohnt (Production Design, Costume Design, Makeup and Hairstyling, Music – Original Score), und das finde ich völlig in Ordnung. Zwar hätte ich Wim Wenders einen Oscar für seinen Dokumentarfilm THE SALT OF THE EARTH gegönnt, aber CITIZEN FOUR war der Favorit in der Kategorie und hat natürlich auch gewonnen. Als Animated Feature Film habe ich HOW TO TRAIN YOUR DRAGON 2 vorn gesehen, aber am Ende wurde BIG HERO 6 ausgezeichnet. Mit IDA von Pawel Pawlikowski wurde aus meiner Sicht der beste Foreign Language Film preisgekrönt. Mit 14 richtigen Vorhersagen in den 21 wichtigsten Kategorien war ich deutlich schlechter als im vergangenen Jahr (damals waren es 20). Die Wette haben in diesem Jahr Artur Althen, Thomas Häberle und Rüdiger Suchsland gewonnen. Ich gratuliere.

Die Oscar-Preisträger findet man hier: http://oscar.go.com/nominees

Oscar-Prognose

oscars-2014-shortsIn der kommenden Nacht werden in Hollywood die „Oscars“ für das Jahr 2014 verliehen. Es ist die 87. Preis-verleihung. Sie wird live auf Pro7 übertragen. Und wie in den vergangenen Jahren haben wir uns an einer Oscar-Wette beteiligt, die von Artur und Teresa Althen in der Tradition ihres Vaters Michael organisiert wird. Hier sind meine Tipps in den 21 wichtigsten Kategorien: BOYHOOD (Best Picture). Richard Linklater (Directing). Eddie Redmayne/THE THEORY OF EVERYTHING (Actor in a Leading Role). Julianne Moore/STILL ALICE (Actress in a Leading Role). J.K.Simmons/ WHIPLASH (Actor in a Supporting Role). Patricia Arquette/ BOYHOOD (Actress in a Supporting Role). Ináritu, Giacobone, Dinelaris, Bo/BIRDMAN (Writing, Original Screenplay). Graham Moore/THE IMITATION GAME (Writing, Adapted Screenplay). Emmanuel Lubezki/BIRDMAN (Cinematography). Sandra Adair/BOYHOOD (Editing). Adam Stockhausen/THE GRAND BUDAPEST HOTEL (Production Design). Milena Canonero/THE GRAND BUDAPEST HOTEL (Costume Design). Hannon, Coulier/THE GRAND BUDAPEST HOTEL (Makeup and Hairstyling). IDA (Foreign Language Film). HOW TO TRAIN YOUR DRAGON 2 (Animated Feature Film). CITIZEN FOUR (Documentary, Feature). Johann Johannsson/THE THEORY OF EVERYTHING (Music, Original Score). „Glory“ from SELMA (Original Song). Richard King/INTERSTELLAR (Sound Editing). Rizzo, Landaker, Weingarten/INTERSTELLAR (Sound Mixing). Franklin, Lockley, Hunter, Fisher/INTERSTELLAR (Visual Effects). Morgen früh wissen wir mehr. Die Nominierungen findet man auf der „Oscar“-Homepage: oscars_nominees_announcement_discover

Robert Altman

Bild 4Heute wäre der Regisseur Robert Altman 90 Jahre alt geworden. Leider ist er im November 2006 gestorben. Sein letzter Film war A PRAIRIE HOME COMPANION. Seit gestern gibt es in einigen deutschen Kinos den Dokumentarfilm ALTMAN von Ron Mann zu sehen. Er dauert 95 Minuten, ist konven-tionell in der Machart, aber es ist schön, sich auf eine Reise durch das wechselvolle Leben dieses großen Regisseurs mitnehmen zu lassen. Ich habe ab 1969, beginnend mit dem Film M.A.S.H., fast alle Kinofilme von ihm gesehen. Meine Lieblinge sind THE LONG GOODBYE, NASHVILLE, A WEDDING, THE PLAYER und SHORT CUTS. Es gab natürlich auch Filme, die ich überhaupt nicht mochte, aber die nenne ich hier nicht. Der Film von Ron Mann ruft mit kurzen Filmausschnitten viele Titel in Erinnerung. Und es kommen Weggefährten von Altman zu Wort: James Caan, Keith Carradine, Elliott Gould, Sally Kellerman, Julianne Moore, Lily Tomlin, Robin Williams, Bruce Willis. Es gibt Ausschnitte aus Talkshows mit Altman zu sehen und Homemovies, denn die Familie war kooperativ. Auch die Krisen in Altmans Leben werden thematisiert, das Pariser Exil nach einigen Flops in Amerika, die gesundheitlichen Probleme der letzten Jahre mit Herztransplantation. Manchmal wünscht man dem Film etwas mehr Ruhe, aber in seiner Geschwindigkeit entspricht er wohl doch dem kreativen Tempo seines Protagonisten. Meine Verehrung von Robert Altman ist über die Jahre nicht kleiner geworden. Mehr zum Film in einer Kritik von Frank Arnold: 1019180.html und auf der Website des Verleihs: www.altman-derfilm.de/

Spike Jonze

2015.Spike JonzeMit seinem Film HER ist Spike Jonze (*1969) in der oberen Liga des unabhängigen Hollywoodkinos angekommen. Für sein Drehbuch einer Liebesgeschichte zwischen Mensch und Computer-Betriebssystem bekam er 2014 einen Oscar und einen Golden Globe. Es war sein vierter Regiefilm. Johannes Wende hat jetzt (als Nummer 37) ein Heft der „Film-Konzepte“ über Spike Jonze herausgegeben, das höchst lesenswert ist. Sieben Beiträge öffnen den Blick auf ein vielseitiges Werk, das auch im Bereich der Musikvideos Bedeutung erlangt hat. Henry Keazor & Thorsten Wübbena unternehmen den „Versuch einer Spektralanalyse“ von Spike Jones. Sie liefert die Basis auch für die folgenden Texte. Hans Krah reflektiert über „Bewegung und Stillstand in Spike Jonzes Musikvideos“. Der Herausgeber Johannes Wende verortet Jonze im Independentkino. Bei Marie-Luise Angerer geht es um die „akusmatische Liebesbeziehung“ in HER, bei André Wendler um „Medien, Netzwerk, Liebe“, bei Anna Steinbauer um das Verhältnis von Sehen und Hören („Kameraauge und Ohrstöpsel“). Das ist immer theoretisch abgesichert und mit Zuneigung formuliert. Nicolas Freund begibt sich im letzten Text auf Motiv- und Spurensuche in Jonzes zweitem Film ADAPTION. Was mir fehlt, ist eine Analyse von Jonzes erstem Film BEING JOHN MALKOVICH, der ja sein Einstieg in die Kinowelt war. Dennoch: wieder eine Bestätigung der großen Qualität der „Film-Konzepte“. Mehr zur Publikation: VOToARzxmT0

Babelsberger Kameramänner

2015.Babelsberg 1In Babelsberg wurde deutsche Film-geschichte geschrieben, von Regis-seuren, Schauspie-lerinnen und Schauspielern, aber vor allem auch von Kameraleuten. Uwe Fleischer und Helge Trimpert porträtieren sechs heraus-ragende Persönlich-keiten, die hinter der Kamera, zum Teil als Erfinder oder Trickspezialisten, in den vergangenen hundert Jahren für die Filmstadt Großes geleistet haben: Guido Seeber (1879-1940), Eugen Schüfftam (1886-1977), Gerhard Huttula (1902-1996), Ernst Kunstmann (1898-1995), Kurt Marks (1933-2011) und Erich Günther (*1923). Bei Seeber, Schüfftan und Kunstmann handelt es sich um fiktive Interviews mit sehr sachkundigen Fragen, bei Gerhard Huttula ist Rolf Giesen der informierende Gesprächspartner, bei Marks und Günther sind es reale Interviews, die hier zu lesen sind. In einem Gespräch mit Uwe Fleischer, der ab 1970 im Studio Babelsberg gearbeitet hat und von 1981 bis 1994 Chef der DEFA-Trickabteilung war, geht es schließlich um den Übergang ins digitale Zeitalter. Und das Buch schließt mit einem Gespräch mit Michael Düwel, dem Geschäftsführer des Art Departments im Studio Babelsberg. Eine Chronik am Anfang und ein Glossar am Ende bieten einen informativen Rahmen. Herausragend ist die Qualität der Abbildungen, teils in Schwarzweiß, teils in Farbe. Auch auf kleineren Abbildungen sind noch Details erkennbar. Coverfoto: Vorsatzmodell für den DEFA-Film RAT DER GÖTTER von Kurt Maetzig, realisiert von dem Trickspezialisten Ernst Kunstmann. Mehr zum Buch: trickkiste.html

Gustav Ucicky

786_big_ucicky_u1shop-1Dies ist das erste Buch über den österreichischen Kameramann und Regisseur Gustav Ucicky (1899-1961).  Filmhistoriker verbinden mit seinem Namen Titel aus der Zeit der Weimarer Republik (DAS FLÖTENKONZERT VON SANS-SOUCI mit Otto Gebühr und Renate Müller, YORCK mit Werner Krauß und Gustaf Gründgens, MORGENROT mit Rudolf Forster und Adele Sandrock), aus der Nazizeit (DER ZERBROCHENE KRUG mit Emil Jannings, DER POSTMEISTER mit Heinrich George und Hilde Krahl, HEIMKEHR mit Paula Wessely), aus den 1950er Jahren (BIS WIR UNS WIEDERSEH’N mit Maria Schell und O. W. Fischer, DER KAPLAN VON SAN LORENZO mit Dieter Borsche und Gertrud Kückelmann, DER PRIESTER UND DAS MÄDCHEN mit Rudolf Prack und Marianne Hold). Der Titel der Publikation formuliert eine Ambivalenz: „Professionalist und Propagandist“. Ernst Kieninger nennt ihn in seinem Vorwort einen „Mann ohne Eigenschaften“. Das Filmarchiv Austria hat in das Buch (Umfang: 568 Seiten) viel Arbeit investiert, die Recherchen und Analysen sind beeindruckend, sie wurden von Christoph Brecht, Armin Loacker und Ines Steiner geleistet. Vor allem bei der Lektüre der Analysen spürt man, wie genau die einzelnen Filme gesehen wurden, wie komplex ihre Interpretationen formuliert sind, wie ästhetische und zeitgeschichtliche Fragestellungen in einem Zusammenhang gebracht werden. Immer wieder wird dabei auf die Quellenlage verwiesen, die durch die Zusammenarbeit mit vielen Archiven hervorragend war, aber natürlich auch ihren Grenzen hatte. Texte von Ucicky selbst gibt es wenige. Er hat sich immer im Hintergrund gehalten. Das Kapitel „Persönliches von Gustav Ucicky“ stammt von seiner Witwe Ursula Ucicky: Erinnerungen an Filme, die er für sie formuliert hat, und Auszüge aus Briefen, die er ihr geschrieben hat. Zahlreiche Abbildungen in hervorragender Qualität. Mehr zum Buch: http://filmarchiv.at/ und dann zum Shop.

Berlinale – meine Bilanz

2015.Berlinale.EndeGestern Abend wurden im Berlinale-Palast die Bären verliehen. Ich finde die Entscheidungen der Internationalen Jury sehr respektabel, wenn ich sie mit den Punkten der Kritiker vergleiche und den eigenen Urteilen, soweit ich die Filme des Wettbewerbs gesehen habe. Mit dem „Goldenen Bären“ für TAXI von Jafar Panahi stimme ich voll überein. Das ist ein sehr komplexer Film, der viel über die Situation des Regisseurs und über die politischen Ambivalenzen in Teheran erzählt und dabei erstaunlich komische Momente enthält. Es gefällt mir sehr, dass die schauspielerischen Leistungen von Charlotte Rampling und Tom Courtenay mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet wurden. Auch den Spezialpreis der Jury für EL CLUB aus Chile kann ich nachvollziehen. Und über die Würdigung des Kameramannes Sturla Brandt Grovlen in Sebastian Schippers VICTORIA habe ich mich besonders gefreut. – Ich habe zehn Filme in der Retrospektive „Glorious Technicolor“ gesehen, darunter fünf zum ersten Mal: YOLANDA AND THE THIEF von Vincente Minnelli, WINGS OF THE MORNING von Harold B. Schuster, THIS HAPPY BREED von David Lean, AN AMERICAN ROMANCE von King Vidor und THE SHEPHERD OF THE HILLS von Henry Hathaway. Im Panorama habe ich Rosas Film HÄRTE gesehen, der mir gut gefallen hat, im Forum die Filme CINEMA: A PUBLIC AFFAIR von Tatiana Brandrup (über Naum Kleiman und die Situation seines Archivs und seines Kinos) und WAS HEISST HIER ENDE? von Dominik Graf (über das Leben und Schreiben unseres Freundes Michael Althen). Eine schöne Berlinale mit vielen Begegnungen. Es war meine 56.

Bären-Verleihung

Bild 1Heute Abend werden im Berlinale-Palast die Bären verliehen. Natürlich wird seit Tagen heftig darüber spekuliert, wie die Jury in diesem Jahr entscheidet. Im vergangenen Jahr bekam der chinesische Film BLACK COAL, THIN ICE und nicht der allgemeine Favorit BOYHOOD den „Goldenen Bären“ (was ich nach wie vor nicht verstehen kann). In diesem Jahr gibt es nicht einen großen Favoriten, sondern mehrere. Aus den Punktetabellen der Kritikerinnen und Kritiker in der Berliner Zeitung und im Tagesspiegel schälen sich drei oder vier Filme als Anwärter auf den „Goldenen Bären“ heraus: TAXI von Jafar Panahi, 45 YEARS von Andrew Haigh, UNDER ELECTRIC CLOUDS von Alexey German Jr., EL CLUB von Pablo Larrain. Und es gibt ja noch insgesamt sieben Silberne Bären (Großer Preis der Jury, Beste Regie, Alfred Bauer-Preis, Bestes Drehbuch, Herausragende Künstlerische Leistung, Beste Darstellerin, Bester Darsteller). Für mich war Charlotte Rampling die beste Darstellerin und die Kameraführung von Sturla Brandt Grovlen in Sebastian Schippers VICTORIA halte ich für eine herausragende Künstlerische Leistung. Aber ich habe zu wenige Filme im Wettbewerb gesehen, um wirklich Prognosen abgeben zu können. Und die Jury geht bekanntlich ihre eigenen Wege. Heute Abend wissen wir mehr.

WAS HEISST HIER ENDE?

2015.AlthenHeute Abend hat der Film von Dominik Graf über unseren 2011 verstorbenen Freund Michael Althen im Delphi seine Premiere: WAS HEISST HIER ENDE? Dominik hat es auf – für mich – beeindruckende Weise geschafft, den Kern von Michaels Schreiben und Denken über das Kino, über Kunst und über das Leben präsent zu machen. Es sind 120 schöne und zugleich traurige Minuten, in denen wir noch einmal mit Michael zusammen sind. Wir hören die Erinnerungen seines Vaters Adolf und seiner Mutter Hanna, von Bea, Artur und Teresa. Die große Nähe von Michael zu den Filmemachern Romuald Karmakar, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer und Wim Wenders ist in ihren Gesprächen mit Dominik wirklich zu spüren. Und natürlich tragen viele Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen ganz konkret zum Blick auf Michaels Leben bei, vor allem Wolfgang Höbel, Andreas Kilb, Tobias Kniebe, Peter Körte, Doris Kuhn, Stephan Lebert, Harald Pauli, Milan Pavlovic, Evelyn Roll, Claudius Seidl und Anke Sterneborg. Schön sind die Beschreibungen von Cannes und Venedig, von München und Unterhaching, Paris und Berlin, interessant ist das Meinungs-spektrum zum Thema neue Filmkritik. Und natürlich fehlt nicht der Besuch bei Schumann’s. Tobias Streck, der 2008 den Film AUGE IN AUGE von Michael und mir montiert hat, war auch hier für den Schnitt verantwortlich. Und Joe Schroeders Preview Production hat produziert. Vielen Dank, Dominik, für diesen Film. Im Mai kommt er ins Kino. Mehr zum Film: .php?id=154

Berlinale-Kamera für Naum Kleiman

2015.KleimanDer Filmhistoriker Naum Kleiman (*1937) wird heute mit der Berlinale-Kamera ausgezeichnet. Naum, den ich seit Jahrzehnten kenne, war in den 1960er Mit-begründer des Eisenstein-Archivs in Moskau, das er fast zwanzig Jahre lang geleitet hat. 1989 wurde die Moskauer Cinema-thek von ihm gegründet, die er viele Jahre erfolgreich geleitet hat, bis das „Musey Kino“ in einen Immobilienskandal verwickelt und geschlossen wurde. Seither ist die Arbeit für ihn immer schwieriger geworden. Im vergangenen Juli wurde er entlassen. Auch internationale Solidaritätsaktionen haben nicht geholfen. Nach der heutigen Preisverleihung ist der Film CINEMA: A PUBLIC AFFAIR von Tatiana Brandrup zu sehen, der Kleimans Lebenswerk und sein Verständnis von Kino im heutigen Russland dokumentiert. In Berlin hat Naum mit Erika und Ulrich Gregor enge Verbündete. So ist auch das Forum der richtige Schauplatz für seine Ehrung. Mehr zur Auszeichnung: Alle-Detail_27161.html