Johnny Depp

2014.Johnny DeppIn den Kinos ist er zurzeit als TEILZEITGAUNER Charlie Mortdecai zu sehen und demnächst als Wolf in INTO THE WOODS. Und weil Johnny Depp auch bei uns ein beliebter Schauspieler ist, gibt es jetzt bei Bastei Lübbe eine Biografie über ihn. Sie ist, wie man so sagt, flott formuliert, aber gut recherchiert. Der Autor Thomas Fuchs hat vor zwei Jahren eine Mark Twain-Biografie publiziert. Sie konzentrierte sich mehr auf dessen Leben als auf sein Werk. Und so ähnlich ist es auch bei Depp. Aber das gleitet selten in die Trivialität oder ins ganz Private ab, sondern schildert die Erfolge und Misserfolge des Schauspielers, der ja immer an Experimenten interessiert war und sich häufig in seinen Erwartungen geirrt hat. Die großen Erfolge, das waren EDWARD SCISSORHANDS (1990) von Tim Burton, WHAT’S EATING GILBERT GRAPE (1993) von Lasse Hallström, PIRATES OF THE CARIBBEAN (2003) von Gore Verbinsky mit zwei Folgefilmen von Verbinsky und einem von Rob Marshall, ALICE IN WONDERLAND (2010) von Tim Burton, sein größter Misserfolg war wohl sein Regiefilm THE BRAVE (1997). Man kann den Informationen von Thomas Fuchs vertrauen, er schildert sehr konkret die Produktions-hintergründe der Filme mit Johnny Depp, und wer bisher noch nicht alles über diesen Schauspieler wusste, ist mit diesem Buch gut bedient. Mehr zum Buch: johnny-depp/id_2778864

Bildbau im Film

2014.BildbauHeute Abend wird im Berliner Museum für Film und Fern-sehen, moderiert von Hans von Trotha,  das Buch „Der Bildbau im Film“ präsentiert. Der Autor Boris Hars-Tschachotin hat als einer der beiden Kuratoren die Ausstellung über Ken Adam mitverantwortet. Und Ken Adam ist auch ein großes Kapitel in seinem Buch gewidmet. Es ist kaum zu glauben, dass es sich bei dieser aufwendigen, abbildungsreichen Publikation um eine Dissertation handelt, mit der der Autor vor vier Jahren, betreut von Horst Bredekamp und Wolfgang Mühl-Benninghaus, an der Humboldt-Universität in Berlin promoviert hat. Thema der beeindruckenden Arbeit sind „Die Zeichnungen der Production Designer von METROPOLIS, DR. STRANGELOVE und TROY“, also von Erich Kettelhut und Erich Hunte für Fritz Lang 1925/26, von Ken Adam für Stanley Kubrick 1962/63 und von Nigel Phelps für Wolfgang Petersen 2002/03. Hars-Tschachotin, Kunsthistoriker, Regisseur und Installationskünstler, hat sich intensiv mit den künstlerischen Aufgaben eines Production Designers beschäftigt. Das wird in seinem ersten Kapitel deutlich, das ihre unterschiedlichen Wege zum Film beschreibt: aus der Richtung der Bühnenbildner, der Architekten und der Maler. Im METROPOLIS-Kapitel geht es vor allem um die Entwürfe der „Großen Geschäftsstraße“, die von Kettelhut und Hunte unterschiedlich konzipiert wurde, wobei sich Fritz Lang am Ende für Huntes Konzept entschied. Im DR. STRANGELOVE-Kapitel steht natürlich der War Room im Mittelpunkt und, damit verbunden, der Prozess der Raumkonzeptuierung und die symbiotische, aber schwierige Zusammenarbeit zwischen Adam und Kubrick. Im TROY-Kapitel wird der Director’s Cut des Films für die Analysen zugrunde gelegt. Es handelt sich bei TROY (TROJA) um den Stoff der „Ilias“ von Homer. Wichtig war die Vorarbeit des Drehbuchautors David Benioff. Der Prävisualisierungsvorgang war aufwendig, gedreht wurde vor allem auf Malta und in Mexiko. Kernbilder des Films sind Tor und Stadtmauer. Auch für die Arbeit von Nigel Phelps spielt das „sketchbook“ eine große Rolle. In seinem Schlusskapitel geht Hars-Tschachotin noch einmal grundsätzlich auf die Filmzeichnung als Basiswerk des Production Designers ein. In einem „Ausblick“ macht er sich Gedanken über den Beruf im digitalen Zeitalter. Der Anhang enthält ein Interview mit dem Production Designer Alex McDowell. Coverfoto: Ken Adam bei der Arbeit an DR. STRANGELOVE. Mehr zum Buch: 300051&verlag=3

DEFA after East Germany

2014.DEFA after GermanyEinerseits schaut dieses Buch aus amerikanischer Perspektive auf die DEFA in der Wendezeit und danach, andererseits kommen viele damals Beteiligte aus Deutschland zu Wort. Die Herausgeberin Brigitta B. Wagner spielt dabei die Rolle der Moderatorin. Sie hat auch die Veranstaltung „Making History ReVisible: East German Cinema after Unification“ 2010 an der Indiana University initiiert, die zur Ausgangsbasis für diese Publikation wurde. Fünf Teile strukturieren das Buch: I. Sketching DEFA’s Past and Present, II. Film in the Face of the Wende, III. Migrating DEFA to the FRG, IV. Archive and Audience, V. Reception Material. Ich greife einige Texte heraus, die mir besonders gefallen haben: Wolfgang Kohlhaases „Thoughts for Indiana“, das Interview mit Andreas Dresen von Brigitta Wagner und der Essay von Barton Byg über das Nachleben des DDR-Films im Teil I. Knut Elstermanns Erinnerungen an die Wende im Film, die Erfahrungen von Peter Kahane als Regisseur in den Jahren 1989/90, die Interviews mit Eduard Schreiber und Jörg Foth im Teil II. Die Geschichte der Firma Ö-Film, erzählt von Katrin Schlösser und Frank Löprich, das Interview mit dem Filmförderer Klaus Keil von Brigitta Wagner, die Texte von Johannes von Moltke, Jennifer M. Kapczynski und der Herausgeberin Wagner zum Wendefilm im Teil III. Die Reminiszenzen von Helmut Morsbach an die Gründung der DEFA-Stiftung und von Thomas Krüger an den Umgang mit DEFA-Filmen im Zusammenhang mit politischer Bildung im Teil IV. Teil V dokumentiert ausgewählte Pressestimmen zu 17 DEFA-Filmen der Jahre 1987 bis 1994, von VORSPIEL von Peter Kahane bis zu BURNING LIFE von Peter Welz mit jeweils einem einführenden Kommentar aus amerikanischer Sicht. Zielgruppe des Buches sind vor allem englischsprachige Kulturwissenschaftler und Filmhistoriker. Aber auch aus deutscher Sicht enthält es viele interessante Informationen. Am Ende ist ein kleines Kapitel dem Verhältnis zwischen Volker Schlöndorff und der DEFA gewidmet. Wir erinnern uns… Coverfoto: VERRIEGELTE ZEIT. Mehr zum Buch: Product=14635

Mechanische Verlebendigung

2014.Mechanische Verlebendigung„Mechanische Verlebendigung“ klingt als Titel für eine Publikation über ästhetische Erfahrung im Kino etwas spröde, ist aber konsequent aus den theoretischen Funda-menten des Textes abgeleitet. Es handelt sich hier um die Disser-tation von Chris Tedjasukmana, mit der er an der Freien Universität in Berlin promoviert hat. Sie ist in ihrem ersten Teil eine Passage durch die Werke der wichtigsten Filmtheoretiker und -philosophen über Bewegung, Bild und Illusion, beginnend mit Henri Bergson und Gilles Deleuze, fortgeführt mit Walter Benjamin und Siegfried Kracauer, Béla Balázs und Jean Epstein, Maurice Merleau-Ponty und Michael Foucault, André Bazin, Edgar Morin und Roland Barthes. Es geht als Denkprozess und im Ergebnis um „Die Erfahrung verlorener Möglichkeiten“, um „Gedächtnis, Gefühle und Geschichte im Kino“. Während im ersten Teil konkrete Filmbeispiele nur gelegentlich ins Spiel gebracht werden, stehen sie im zweiten Teil im Mittelpunkt der Analysen. Die vier Kapitel heißen „Rainer Werner Fassbinder und das Scheitern nach 1968“, „Hito Steyerl, Alexander Kluge und der Stadtraum im Filmraum, „AIDS und ästhetische Trauer bei Gregg Bordowitz und Tom Joslin / Peter Friedman“ und „Todd Haynes und die Wiedererfindung der sexuellen Revolution“. Bei Fassbinder konzentriert sich der Autor auf die beiden Filme NIKLASHAUSER FAHRT (1970) und WARNUNG VOR EINER HEILIGEN NUTTE (1971), bei Hito Steyerl auf DIE LEERE MITTE (1998), bei Alexander Kluge auf IN GEFAHR UND GRÖSSTER NOT BRINGT DER MITTELWEG DEN TOD (1974/75), bei Gregg Bordowitz auf FAST TRIP, LONG DROP (1993), bei Joslin/Friedman auf SILVERLAKE LIFE (1993), bei Todd Haynes auf VELVET GOLDMINE (1998), verweist aber auch auf andere Filme der genannten Regisseure. Die Filmanalysen haben mich bei der Lektüre des Buches besonders beeindruckt. Mehr zum Buch: 978-3-7705-5803-2.html

Oskar Werner

2014.Oskar WernerDie Publikation kommt aus demselben Haus wie mein „Filmbuch des Monats“ über Fritz Kortner und das Kino: aus dem Filmarchiv Austria. Raimund Fritz, der Herausgeber des Buches, gehört seit 2000 zu den Mitarbeitern des Film-archivs. Er hat, unterstützt von den Autoren Klaus Kreimeier, Günter Krenn und Ralf Schenk und der Autorin Ines Steiner, hervorragende Arbeit geleistet. Fritz war bereits 2002 an der Publikation „Oskar Werner – Das Filmbuch“ beteiligt, er konnte jetzt noch einmal neu ansetzen, weil ihm der Zugang zum Nachlass des Schauspielers ermöglicht wurde, in dem sich viele Briefe, Fotos und Dokumente befinden, aus denen neue Erkenntnisse zu gewinnen waren. Von Klaus Kreimeier stammt ein sehr differenzierter Essay über Oskar Werner („Der schwierige Unbestechliche“), der den Blick auf seine individuelle Rollengestaltung öffnet. Ein „Prolog“ des Herausgebers informiert über Werner als Komparsen und Synchronsprecher (1938-43). Acht Filme werden im ersten Kapitel („Kometenhafter Aufstieg: Von Österreich über England nach Hollywood, 1947-50“) analysiert, beginnend mit DER ENGEL MIT DER POSAUNE von Karl Hartl, endend mit DECISION BEFORE DAWN von Anatole Litvak. Im zweiten Kapitel geht es um Oskar Werner und die deutschsprachige Filmproduktion der Jahre 1954 bis 58, also um DER LETZTE AKT von G. W. Pabst, SPIONAGE von Franz Antel, LOLA MONTEZ von Max Ophüls, den MOZART-Film von Karl Hartl, der in Deutschland REICH MIR DIE HAND MEIN LEBEN hieß, und EIN GEWISSER JUDAS, den Werner selbst inszeniert hat. Ein Zwischenkapitel handelt von François Truffauts JULES ET JIM und der Theateraufzeichnung TORQUATO TASSO von Josef Gielen. Sieben Filme stehen im letzten Kapitel im Fokus, sie stammen aus den Jahren 1964 bis 76, darunter sind SHIP OF FOOLS von Stanley Kramer, THE SPY, WHO CAME IN FROM THE COLD von Martin Ritt, FAHRENHEIT 451 von François Truffaut und VOYAGE OF THE DAMNED von Stuart Rosenberg. Der „Epilog“ informiert über gescheiterte Filmprojekte, der Anhang über abgelehnte Projekte, Oskar Werners Filmsammlung, über Fernsehaufzeichnungen und Dokumentarfilme und enthält eine Biografie des Schauspielers. In insgesamt 32 Filmen hat Oskar Werner große Rollen gespielt. Er starb 1984 im Alter von 61 Jahren. Das Buch ist überwältigend in seiner Fülle von Abbildungen, Informationen und Analysen. Es wirkt damit „defintitiv“. Mehr zum Buch: meta_id=-1#ov_item_782

ROTE FAHNEN SIEHT MAN BESSER

2014.DVD.Rote FahnenFür den Dokumentarfilm waren die 1970er und 80er Jahre eine Zeit entscheidender Verän-derungen: technisch, ästhetisch und inhaltlich. Dies wurde 2014 auf dem CineGraph-Kongress in Hamburg thematisiert. Eine DVD mit vier Filmbeispielen ist dazu bei AV Visionen erschie-nen. Am bekanntesten ist natürlich der Film ROTE FAHNEN SIEHT MAN BESSER (1970/71) von Theo Gallehr und Rolf Schübel. Er schildert die Betriebsstilllegung der Phrix-Werke in Krefeld aus der Sicht von vier entlassenen Kollegen. Zwar kommt auch die Konzernleitung zu Wort, aber die Gespräche mit den Betroffenen, ihre Besuche auf dem Arbeitsamt, ihre Existenzsorgen, ihre spürbare Politisierung stehen im Mittelpunkt des Films. Er wurde für den WDR gedreht (Redaktion: Martin Wiebel), enthielt in der Originalfassung u.a. ein Protestlied des Sängers Dieter Sieverkrüp, das für die Fernsehausstrahlung entfernt wurde, und galt schon durch seinen Titel als programmatisch für den „neuen“ Dokumentarfilm in der Bundesrepublik. Die DVD enthält die ungekürzte 100-Minuten-Fassung des Films, damals gedreht im 16mm-Format, schwarz/weiß. Wunderbar ist der zweite Film auf der DVD: WÄSCHERINNEN (1972) von Jürgen Böttcher, 23 min, 35mm, schwarz/weiß. Zwei Lehrlinge erzählen zwischen riesigen Waschmaschinen und viel Dreckwäsche von ihren Träumen und Wünschen im Alltag der DDR. Eigentlich als eine „Auftragsarbeit“ gedacht, unterläuft Böttcher durch seine Beobachtung (Kamera: Werner Kohlert) jede damals vorgegebene oder von den Auftraggebern erwartete Botschaft. Die beiden anderen Filme auf der DVD sind UPPER CLYDE SHIPBUILDERS (1971) von der Gruppe Cinema Action und THEBADFILM (1981-85) von Jürgen Mainusch und Christian Bau. Das Booklet (Redaktion: Swenja Schiemann) ist sehr informativ. Mehr zur DVD: page=0&art=3048

Abschied von Wolfgang Trautwein

2015.Trautwein27 Jahre hat Wolfgang Trautwein (*1949) das Archiv der Akademie der Künste in Berlin geleitet. Er kam zunächst als wissenschaft-licher Assistent für Literatur nach Berlin, war Geschäftsleiter des Literarischen Colloquiums, wurde dann Sekretär der Abteilung Literatur der Akademie der Künste und ist seit 1987 dort Direktor des Archivs. Morgen wird er in einer öffentlichen Veranstaltung am Hanseatenweg in den Ruhestand verabschiedet. Er hatte in seiner Amtszeit viele schwierige Veränderungen im Haus zu bewältigen, darunter zwei existentielle: die Vereinigung der Archive der West- und der Ost-Akademie und den Neubau am Pariser Platz, der vor allem im Bereich der Klimatisierung eine Herausforderung war. Wie die Akademie selbst mit ihren sechs Sektionen ist auch ihr Archiv interdisziplinär. 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zurzeit dafür verantwortlich, dass die Archivbestände gut verwahrt werden, zugänglich sind und in Ausstellungen gezeigt werden können. In zahlreichen Veranstaltungen ist das Archiv der Akademie auch im kulturellen Leben unserer Stadt präsent. Ich kenne Wolfgang Trautwein seit mehr als zwei Jahrzehnten, habe seine Kompetenz, seine Energie und seine positive Ausstrahlung immer geschätzt. Zu meinen Kinemathekszeiten haben wir uns hier und da konkurrierend um Nachlässe beworben, sind dabei aber nie in Streit geraten. Als Direktor der Abteilung Film- und Medienkunst habe ich ihn neun Jahre lang regelmäßig in den Senatssitzungen erlebt, an Veranstaltungen des Archivs teilgenommen, und mein Respekt vor ihm hat sich noch vergrößert. Ich kann mir das Akademie-Archiv ohne ihn kaum vorstellen. Bei der Veranstaltung morgen sprechen Präsident Klaus Staeck und der Leiter des Bertolt Brecht- und des Walter Benjamin-Archivs der Akademie, Erdmut Wizisla. Ulrich Matthes liest Texte von Archivgebern, Dagmar Manzel singt Lieder von Brecht, Eisler und Werner Richard Heymann. Und die Nachfolgerin wird begrüßt: die Kunsthistorikerin Birgit Jooss. Ich wünsche Wolfgang Trautwein alles Gute für die nächsten Jahre und hoffe auf seine gelegentliche Präsenz am Hanseatenweg oder am Pariser Platz. (Foto: Christoph Rosenthal).

Prinzip Hollywood

2014.Prinzip HollywoodMarietheres Wagner (*1961) ist Regisseurin (ihr Debütfilm war DIE NACHT DES MARDERS, 1989), Drehbuchautorin (LIPPELS TRAUM, 1991) und Produzentin. Sie war Dozentin an der HFF in München und an der Filmakademie in Ludwigs-burg, hat 2013 an der Universität Passau promoviert und ist dort Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literatur-wissenschaft und Medien-semiotik. Das Buch „Prinzip Hollywood“ ist nicht ihre Dissertation, sondern eine eigenständige Publikation zum Thema Dramaturgie. In zehn Kapiteln reflektiert sie die Frage, wie Dramaturgie unser Denken bestimmt. Sie beginnt mit einer kurzen Geschichte der Dramaturgie („Von Goethe bis Hollywood“), dann geht es um Elemente, Modelle und Fachbegriffe („Spannung und Struktur“), um Heldenreisen („Hollywoods Erzählstrukturen“), um die Grenzen des Erzählens („Die Welt jenseits der Worte“), um Raum, Zeit, Figuren und Handlung („Das Modell der vier Ebenen“). Eine genaue dramaturgische Analyse widmet sie dem Film WHAT’S EATING GILBERT GRAPE (1993) von Lasse Hallström. Die vier weiteren Kapitel handeln vom dramaturgischen Tempo, von der „Arena-Dramaturgie“, von den Wegen zum Happy End und von Realität & Fiktion, beispielhaft dargestellt am Film TITANIC (1997) von James Cameron. Die Autorin ist mit ihrem Thema natürlich bestens vertraut, ihr Wechselspiel zwischen Theater-, Literatur- und Filmgeschichte wirkt überzeugend. Man spürt die pädagogischen Erfahrungen. Ihre Zielgruppe sind nicht nur Menschen, die es auf den Regiestuhl drängt, der auf dem Cover abgebildet ist. Mehr zum Buch: 736e75bd0

Momente des Filmischen bei Patrick Modiano

2014.ModianoAls dieses Buch erschien, war ihm gerade der Nobelpreis zuerkannt worden. Patrick Modiano (*1945) ist seither auch über die literarische Welt hinaus bekannt. Seine Berührungen mit der Filmwelt sind überschaubar: er war Co-Autor von Louis Malle bei LACOMBE, LUCIEN und von Jean-Paul Rappeneau bei BON VOYAGE, sein Roman „Villa triste“ wurde 1994 unter dem Titel LE PARFUM D’YVONNE von Patrice Leconte verfilmt. Eva Gerritzen, Dozentin an der Ruhr-Universität Bochum, untersucht in ihrer Publikation „(Kon-)Fusionen von Film und Buch“ Momente des Filmischen in drei Romanen von Patrick Modiano. In „Villa Triste“ (1975) entdeckt die Autorin eine verborgene Filmwelt, die von Modiano in seine Geschichte integriert ist und für die handelnden Personen zu Begegnungen mit Stars und Glamour führt. Am Ende stellt der Protagonist fest, dass ihm diese Welt sehr fremd ist. In „Quartier perdu“ (1984), der bisher in Deutschland nicht erschienen ist, geht es ums Erinnern und Vergessen, um die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, in der sich Literatur und Film medial sehr nahe kommen. In „Du plus loin de l’oubli“ (1996), deutsch: „Aus tiefstem Vergessen“, spielen die Zuschauer eine Rolle, das Kino wird als Zufluchtsort begriffen, die Protagonisten sind auf der Suche nach ihrer Identität. Eva Gerritzen baut Brücken zwischen den literarischen Elementen und den filmischen Assoziationen, sie stabilisiert ihre Untersuchung mit vielen filmtheoretischen Verweisen (Bazin, Deleuze, Barthes) und findet Beweismaterial auch in konkreten Filmbeispielen der „Nouvelle vague“. Ein interessantes Buch vor allem für Modiano-Leserinnen und -Leser. Mehr zum Buch: 6jol6je02ford50

Thomas Heise

2014.Thomas HeiseHeute Abend wird in der Akademie der Künste am Hanseatenweg in Berlin der Film STÄDTEBEWOHNER von Thomas Heise gezeigt. Er erzählt vom Alltag junger Männer in einem Gefängnis von Mexiko-Stadt. Präsentiert wird bei dieser Gelegenheit auch das Buch „Über Thomas Heise“, das im vergangenen Herbst im Verlag Vorwerk 8 erschienen ist. Matthias Dell und Simon Rothöhler haben es heraus-gegeben. In 14 Texten werden seine Filme kommentiert, ein Essay analysiert seine akustischen Arbeiten, in sieben Protokollen erinnern sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Zusammenarbeit mit Thomas Heise. Acht Texte zu seinen Filmen haben mir besonders gut gefallen: Annet Gröschners über WOZU DENN ÜBER DIESE LEUTE EINEN FILM?, Christoph Hochhäuslers über IMBISS SPEZIAL und IM GARTEN, Bert Rebhandls über STAU – JETZT GEHT’S’S LOS, NEUSTADT und KINDER, WIE DIE ZEIT VERGEHT, Barton Bygs über BARLUSCHKE, Michael Bautes über MEINE KNEIPE, Claus Lösers über MEIN BRUDER – WELL’MEET AGAIN, Dirk Baeckers über MATERIAL und Cristina Nords über GEGENWART. In den Gesprächsprotokollen geht es um Produktionsgeschichten (Heino Deckert), Kamerageschichten (Peter Badel), Schnittgeschichten (Mike Gürgen und René Frölke), Tongeschichten (Uve Haußig) und Theatergeschichten (Stephan Suschke, Ina Voigt & Hermann Beyer). Das Buch wird der Arbeit von Thomas Heise sehr gerecht. Mehr zum Buch: titel-ansicht.php?id=182