Die DEFA: A Companion

2014.DefaIn 13 Kapiteln versuchen die Herausgeber Marc Silberman und Henning Wrage, die Geschichte des DEFA-Films, seiner Genres und Themen in einem breit gefächerten Rückblick zu erschließen. In ihrer Einleitung vermitteln sie die Basis für das Selbstverständnis des DDR-Films, der sich dezidiert in den Dienst eines neuen Gesellschaftssystems stellte und politisch kontrolliert wurde. Die künstlerische Freiheit, die sich Autoren und Regisseure herausnahmen, spielt in vielen Texten eine Rolle. So konzentriert sich das erste Kapitel, „Cinema und Socialist Modernity“, auf drei Filme: Slatan Dudows FRAUENSCHICKSALE (1952), Frank Beyers SPUR DER STEINE (1966) und Egon Günthers DER DRITTE (1972); Autor: Hunter Bivens. Manuel Köppen wählt für seinen Text „Emplotting Antifacism: Heroes, Scoundrels, Traitors“ fünf Filmbeispiele aus: Wolfgang Staudtes ROTATION (1949), Kurt Maetzigs zweiteiligen ERNST THÄLMANN (1954/55), Beyers FÜNF PATRONENHÜLSEN (1960), Rolf Römers HE, DU! (1970) und Roland Gräfs DIE FLUCHT (1977). Barton Byg, einer der großen Kenner des DDR-Films in den USA, beschäftigt sich mit „Divided Loyalties: Technocrats and the Working Class“, seine Beispiele sind Maetzigs DER RAT DER GÖTTER (1950), Achim Hübners Fernsehfilm DR. SCHLÜTER (1965), Konrad Wolfs DER GETEILTE HIMMEL (1964), Peter Kahanes DIE ARCHITEKTEN und Rainer Simons DIE BESTEIGUNG DES CHIMBORAZO (beide 1989). Die Künstlerfilme der DEFA waren ein besonders interessantes Genre. Seán Allan schreibt über Maetzigs ROMAN EINER JUNGEN EHE (1952), Ralf Kirstens DER VERLORENE ENGEL (1965), Konrad Wolfs GOYA (1971) und DER NACKTE MANN AUF DEM SPORTPLATZ (1974) und Horst Seemanns BEETHOVEN – TAGE AUS EINEM LEBEN (1976). Anke Pinkert bringt zum Thema „Familiy Feelings: Kinship, Gender and Social Utopia“ sehr viele Filme ins Spiel, etwas ausführlicher lässt sie auf Frank Vogels DAS SIEBENTE JAHR (1968) ein. Vier Kapitel sind dem Unterhaltungsfilm gewidmet. Stefan Soldovieri behandelt den DEFA-Musikfilm und geht sehr differenziert auf Hans Heinrichs MEINE FRAU MACHT MUSIK (1958) ein. Brad Prager analysiert speziell die Darstellung des Westens im DEFA-Kriminalfilm, zu seinen Beispielen gehören Werner Klinglers RAZZIA (1947), Gerhard Kleins ALARM IM ZIRKUS (1954), Hans-Joachim Kunerts SEILERGASSE 8 (1960) und Günter Scholz’ VERNEHMUNG DER ZEUGEN (1987). Bei Jaimey Fisher geht es um Science-fiction, Literaturverfilmung und Indianerfilme. Für jedes Genre gibt es ein Musterbeispiel: IM STAUB DER STERNE (1976) von Gottfried Kolditz, DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHERS (1976) von Egon Günther und DER SCOUT (1983) von Konrad Petzold. Sabine Hake, mit der deutschen Filmgeschichte bestens vertraut, setzt sich in ihrem Essay „Public Figures, Political Symbold, Famous Stars“ sehr differenziert mit dem sozialistischen Starsystem auseinander; ihre Protagonisten sind Erwin Geschonneck, Manfred Krug und Armin Mueller-Stahl. Die Verbindung zwischen der DEFA und dem osteuropäischen Kino thematisiert Larson Powell. Er konfrontiert den tschechoslowakischen Film DAS GESCHÄFT IN DER HAUPTSTRASSE (1965) von Ján Kadár und Elmar Klos mit Frank Beyers JAKOB DER LÜGNER (1975) und DER MANN AUS MARMOR (1977) von Andrzej Wajda mit Rainer Simons JADUP UND BOEL (1980/88). Auch dem DEFA-Kinderfilm ist natürlich ein eigenes Kapitel gewidmet. Benita Blessing schreibt über verschiedene Filme, am eindrucksvollsten über SABINE KLEIST, 7 JAHRE (1982) von Helmut Dziuba. Henning Wrage entdeckt die internationalen Einflüsse in DEFA-Filmen der 50er und 60er Jahre, die sich mit Problemen Jugendlicher beschäftigen, speziell BERLIN – ECKE SCHÖNHAUSER… (1957) von Gerhard Klein (Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase) und DENK BLOSS NICHT, ICH HEULE (1965) von Frank Vogel. Das letzte, für mich schwächste Kapitel ist dem Dokumentarfilm vorbehalten. Nick Hodgin konzentiert seinen Text auf Jürgen Böttcher (sehr gut dargestellt) und Kurt Tetzlaff; Volker Koepp und Winfried Junge werden nur beiläufig erwähnt. Das ist zu wenig für einen „Companion“. Die Qualitäten des Buches sind insgesamt beachtlich. Coverfoto: das Kino International zeigt DIE GLATZKOPFBANDE (1963). Mehr zum Buch: u9hdOQ&result=1

DER DRAUFGÄNGER

2014,DraufgängerEin früher Tonfilm von Richard Eichberg mit Hans Albers. Sie hatten zuvor mit dem GREIFER, einer Scotland-Yard-Geschichte, einen großen Erfolg verbucht (/der-greifer-1930/ ). DER DRAUF-GÄNGER (1931) ist für Albers ein Heimspiel. Als Hamburger Hafenpolizist ermittelt er im etwas verworrenen Fall eines Juwelendiebstahls, rettet ein junges Mädchen vor dem Ertrinken im Hafenbecken, das Mädchen wird anschließend entführt, er trifft sie wieder als Animierreiterin im Hippodrom, verliebt sich in sie, muss aber feststellen, dass sie in den Diebstahl verwickelt ist – und es braucht seine Zeit, bis er ihre Unschuld erkennt und den Gangster, der für alles verantwortlich ist, unschädlich macht. Die Story wirkt flott inszeniert, vor allem weil die Schauspieler auf hohem Niveau agieren. Albers ist ganz in seinem Element und kämpft bis ins spannende Finale, Sigurd Lohde spielt einen reichen Amerikaner, Gerda Maurus ist seine Freundin, Leonard Steckel der Inhaber des Hippodroms und Ernst-Stahl-Nachbaur der Gangster George Brown. Wunderbar: Martha Eggerth als Animierreiterin Trude. Es war einer ihrer ersten Filme, sie war gerade 19 Jahre alt und hat anschließend als Schauspielerin, Operettensängerin und Partnerin von Jan Kipura Karriere gemacht. Sie ging 1938 von Wien aus ins Exil nach New York und wurde 101 Jahre alt. (Eine persönliche Erinnerung: wir haben sie 1996 in der Nähe von New York besucht und ihren Charme bewundert.) – Wie schön, dass es den DRAUFGÄNGER jetzt bei den „Filmjuwelen“ als DVD gibt. Das Booklet von Friedemann Beyer ist, wie immer, sehr informativ. Mehr zur DVD: B00G3PQ2IU .

30 Jahre „MEDIENwissenschaft: Rezensionen“

mewi02-03_14-goldEin Jubiläum ist zu feiern: seit dreißig Jahren gibt es die Zeitschrift MEDIENwissenschaft: Rezensionen. Sie wurde von Thomas Koebner und Karl Riha gegründet, erschien anfangs im Niemeyer-Verlag, wechselte nach zehn Jahren zum Schüren-Verlag und wird inzwischen von Malte Hagener, Angela Krewani, Burkhard Röwekamp, Jens Ruchatz, Yvonne Zimmermann (alle Marburg) und Karl Riha (Siegen) herausgegeben. Ich weiß nicht, wie hoch die Auflage in der frühen Zeit war, inzwischen liegt sie bei 600 Exemplaren. Zum Jubiläum ist jetzt eine Doppelnummer erschienen, die mit zehn Beiträgen zur Geschichte der Zeitschrift beginnt. Jürgen Felix erinnert sich an die Anfangsjahre als Redakteur, Joachim Fleing (früher: Schmitt-Sasse) reflektiert über die Veränderungen von Plattformen in drei Jahrzehnten, Heinz-B. Heller denkt zurück an seine ersten Rezensionen und die Zeit als Mitherausgeber, die aktuellen Herausgeber aus Marburg versuchen einen Rückblick und Ausblick, das Redaktionsteam von 2013 (Karin Kirsten und Carlo Thielmann) gibt einen Erfahrungsbericht, Karl Prümm sendet einen Geburtstagsgruß und begründet, warum die Zeitschrift weiterhin gebraucht wird, Karl Riha, in den meisten Heften mit einem „Fundstück“ vertreten, erinnert sich sehr persönlich an die Gründungsgeschichte, die Verlegerin Annette Schüren argumentiert, warum eine Printausgabe der Zeitschrift auch weiterhin notwendig ist, Sven Stollfuß und Philipp Blum, Redakteure von 2009 bis 2011, vermitteln ihrerseits persönliche Arbeitserfahrungen, und Hans J. Wulff macht sich zusammen mit Ludger Kaczmarek generelle Gedanken über wissenschaftliches Rezensieren. Dann beginnen die gewohnten Besprechungen und Hinweise. Ganz am Ende gibt es ein spezielles Fundstück: zwei Fotos von der Feier der Erstausgabe mit dem Redakteur Joachim Schmitt-Sasse und der Stud. Hilfskraft Barbara Helfer, dem Herausgeber Thomas Koebner und der Sekretärin Elisabeth Faulstich. Hoffen wir also auf die Zukunft der Zeitschrift in den nächsten zehn Jahren. Mehr zur Zeitschrift: 0002/index

The Place of Politics in German Film

2014.Place of PoliticsEin Symposium im Herbst 2010 an der Rice University in Houston, Texas, war die Initialzündung für diese Publikation. Sie enthält zwölf Beiträge, die meisten konzentrieren sich auf einen oder zwei spezielle Filme. Die Auswahl orientiert sich nicht unbedingt an der politischen Bedeutung der Filme, aber sie wirkt zumindest originell. Für den NS-Film steht beispielhaft die Komödie CAPRICCIO von Karl Ritter (Autorin: Valerie A. Weinstein). Für die Weimarer Republik sind es HOMUNCULUS von Otto Rippert und DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM von Paul Wegener und Carl Boese (Nicholas Baer), NOSFERATU von F. W. Murnau (Kata Gellen) und DIE STRASSE von Karl Grune (Anton Kaes). Jamey Fisher schreibt über HUNDE, WOLLT IHR EWIG LEBEN von Frank Wisbar und die 1950er Jahre der Bundesrepublik, Larson Powell unternimmt eine eher generelle Zeitreise durch die Geschichte der DEFA. Zwei Texte sind der RAF gewidmet: bei Thomas Elsaesser geht es um „Urban Guerilla or Guerilla Urbanism“ in dem Gruppenfilm DEUTSCHLAND IM HERBST und dem Doku-Drama TODESSPIEL von Heinrich Breloer, bei Christina Gerhardt um die Familiengeschichten in DIE BLEIERNE ZEIT von Margarethe von Trotta und DIE INNERE SICHERHEIT von Christian Petzold. Petzolds GESPENSTER-Trilogie ist auch das Thema eines Beitrags von Jennifer Ruth Hosek, und natürlich ist Petzold auch ein Protagonist in Carsten Strathausens Essay „The Space of Subjectivity in Berlin School Cinema“. Die jüngsten Filme sind SOUL KITCHEN von Fatih Akin (Text von Angelica Fenner) und DIE KOMMENDEN TAGE von Lars Kraume (Brad Prager). Die Autorinnen und Autoren sehen den deutschen Film aus der akademischen Perspektive der USA. Das macht die Lektüre besonders spannend. Mehr zum Buch: www.aisthesis.de/ und dann suchen.

Hamburger Filmfest

2014.HamburgHeute beginnt das 22. Hamburger Filmfest. In elf Sektionen werden insgesamt 128 Filme gezeigt. „Freihafen“ heißt eine neue Sektion, im Wettbewerb um den „Hamburger Produzen-tenpreis für europäische Kino-Coproduktionen konkurrieren elf Filme, darunter WINTERSCHLAF von Nuri Bilge Ceylan, WELCOME TO KARASTAN von Ben Hopkins und SCHÄNDUNG von Mikkel Nørgaard. „Drei Farben Grün“ versammelt acht Filme zum Thema Umwelt. „Voilà!“ präsentiert 13 französisch-sprachige, „Vitrina“ 14 spanisch- und portugiesischsprachige Filme. „Asia Express“ ist eine Reise in den Fernen Osten mit zehn Filmen aus acht Ländern. „Eurovisuell“ bringt sechs Filme aus Stockholm, Warschau, Zagreb, Reykjavík, Prag und Paris nach Hamburg. „DDR Deluxe“ ist eine kleine Rückschau aufs DDR-Kino, die zehn Filme hat Andreas Dresen ausgewählt. 32 Filme aus aller Welt präsentiert die neue Reihe „Kaleidoskop“. 12 Filme stehen in der Sektion „16:9“ (verantwortlich: Friedemann Beyer) in der Konkurrenz um den „Hamburger Produzentenpreis für deutsche Fernsehproduktionen“. Die Kinderfilmreihe „Michel“ findet bereits zum 12. Mal statt, elf Filme stehen auf dem Programm. Mehr zum Programm des Festivals: www.filmfesthamburg.de/de/

Folter und Film

2014.Folter und FilmReinhold Görling ist Medienwissenschaftler an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich von Bild und Gewalt, die vorliegende Publikation erscheint mit Unterstützung der VolkswagenStiftung. Mit dem Thema Folter widmet er sich einer extremen Form der Gewalt, sie ist, so der Autor, „eine durch und durch theatrale Inszenierung, in der dem Opfer seine Machtlosigkeit vorgeführt werden soll.“ Und: „Gerade weil die Differenz zwischen Handlung und Vorführung jede szenische Konstellation als Faltung und inneres Oszillieren charakterisiert und in ihrer Dynamik bestimmt, hat das Kino ein verstärktes Bewusstsein auch der szenischen Dimension der Gewalt entwickelt. Wenn es eine Szene der Folter zeigt, dann macht es uns nicht zum distanzierten Betrachter einer Vorführung, es zieht uns tatsächlich auch in die Handlung selbst hinein.“ In vier Kapiteln konkretisiert Görling diese These an konkreten Filmbeispielen. Sein Ausgangspunkt im ersten Kapitel ist die berühmte Szene der Folterung des kommunistischen Widerstandskämpfers Manfredi durch die deutschen Besatzer in Roberto Rossellinis ROMA CITTÀ APERTA, die präzise analysiert wird. Auch in Rossellinis Filmen ANGST, EUROPA ’51 und IL GENERALE DELLA ROVERE gibt es Momente der Folterung, die aber unterschiedlich gezeigt oder im Bild ausgespart werden. Im zweiten Kapitel führt der Weg von Rossellinis dokumentarischen Aufnahmen zu George Orwells Roman „1984“ und der Verfilmung von Michael Radford, zu dem polnischen Film PRZESLUCHANIE (VERHÖR) von Ryszard Bugajski, SALÒ O LE 120 GIORNATE DI SODOMA von Pier Paolo Pasolini und WAS WO von Samuel Beckett. Im dritten Kapitel reflektiert der Autor zunächst sehr beeindruckend Chris Markers Film LA JETÉE und verbindet dies mit Verweisen u.a. auf RED DUST von Tom Hooper und HUNGER von Steve McQueen. Das letzte Kapitel ist vor allem Kathryn Bigelow und ihren Filmen THE HURT LOCKER und ZERO DARK THIRTY gewidmet. Hier spielt das Thema Terrorismus eine größere Rolle. Am Ende stehen die Filme STANDARD OPERATING PROCEDURE von Errol Morris und THE ACT OF KILLING von Joshua Oppenheimer. Der Text ist theoretisch (Deleuze, Derrida, Foucault) durchgehend abgesichert. Auf dem Cover verbinden sich ROMA CITTÀ APERTA und ZERO DARK THIRTY. Mehr zum Buch: szenen-der-gewalt?c=738

Joe Dante

2014.DanteEine neue Buchreihe bei Bertz + Fischer: „Cinestrange“. Sie ist verbunden mit dem Genre-filmfestival in Dresden. Im Oktober 2013 hat Joe Dante beim 2. Cinestrange einen Preis für sein Lebenswerk in Empfang genommen – und so ist ihm der erste Band der Reihe gewidmet. Es ist auch das erste deutsch-sprachige Buch über Dante. Die Herausgeber Michael Flintrop (Braunschweig), Stefan Jung (Freiberg) und Heiko Nemitz (Dresden) haben hier beispielhafte Arbeit geleistet. Von 41 Autorinnen und Autoren stammen insgesamt 49 Texte, die umfassend über Leben und Werk von Joe Dante (*1946) informieren. Den Anfang machen ein Grußwort von Fritz Göttler und ein Foreword des amerikanischen Filmkritikers Tim Lucas. Marcus Stiglegger, mit Dante bestens vertraut, führt in sein Œvre ein, Stefan Jung erinnert an dessen Arbeit als Filmkritiker und Journalist, Stefan Borsos nähert sich dem Paranoia-Kino von Dante, Oliver Nöding verbindet Roger Corman und Dante, bei Michael Flintrop geht es um Spielberg, Amblin und Dante, Heiko Nemitz schreibt über Dantes Satiren wider den American Way of Life, Nils Bothmann entdeckt intertextuelle und intermediale Bezüge in Dantes Kino, Marco Heiter kennt die Spielregeln des Genre-Crossings, Wieland Schwanebeck informiert über Dantes Coming-of-Age-Geschichten, Sascha Westphal konzentriert sich auf Dante als TV-Auteur und Sofia Glasl analysiert die Darstellung des Fernsehens in den Filmen von Dante, Ivo Ritzer baut die Brücke zwischen Dante und dem Filmemacher Mark Goldblatt mit dessen Hommage DEAD HEAT, Ingo Kott schaut zurück auf Dantes Arbeit als Trailer-Editor bei New World und die Etablierung der Internet-Platform Trailers From Hell. Hinzu kommt: ein Werkstattgespräch, das mit Respekt und Zuneigung geführt wurde. Jedem von Dantes bisher 17 Fime und 15 Fernseharbeiten ist schließlich ein eigener Text gewidmet, zu den Autorinnen und Autoren gehören Johannes Binotto, Marc Fehse, Michael Fleig, Lukas Foerster, Annette Kilzer, Andreas Rauscher, Nando Rohner, Udo Rotenberg, Christian Stumberg, Patrick Thülig, Carolin Utsch, Jochen Werner, Rochus Wolff und einige andere, die mir noch unbekannt sind. Filmografie und Bibliografie sind vorbildlich recherchiert, die Abbildungen auch drucktechnisch hervorragend. Ich bin sehr beeindruckt von der Publikation. Mehr zum Buch: 42&products_id=446

FEDORA (1977)

2014.DVD.FedoraEs war der vorletzte Film von Billy Wilder (1981 folgte noch BUDDY BUDDY), er wurde in Frankreich geschätzt, in Deutschland abgelehnt und in Amerika ambivalent aufgenommen. FEDORA erzählt in der Form eines Melodram die Geschichte einer Filmdiva (gespielt von Marthe Keller), die von einem Film-produzenten (William Holden) zu einem Comeback überredet werden soll, aber auf der griechischen Insel Korfu ein geheimnsivolles Leben führt. Die DVD von Eurovideo präsentiert den Film in einer restaurierten HD-Fassung. – Ein exklusives Extra ist der Film SWAN SONG von Robert Fischer, der die schwierige Produktionsgeschichte von FEDORA dokumentiert. Fischer hat Gespräche geführt mit der Hauptdarstellerin Marthe Keller, den Schauspielern Mario Adorf und Michael York, dem Kameramann Gerry Fisher, dem Produzenten Harold Nebenzal und Paul Diamond, dem Sohn des Co-Autors I.A.L. Diamond. Diese Gespräche verknüpft er in zehn Kapiteln sehr spannend mit Filmausschnitten, Fotos und dokumentarischen Aufnahmen von den Dreharbeiten 1977, die sehr authentisch Wilders Probleme bei der Realisierung des Films deutlich machen. SWAN SONG ist eine schöne, respektvolle Hommage an Billy Wilder (1906-2002) und das klassische Hollywoodkino. Der Film wird am 26. September um 21 Uhr bei Doku.Arts im Zeughauskino gezeigt. Nach dem Film führe ich ein Gespräch mit Robert Fischer. Vor SWAN SONG ist um 18.30 Uhr FEDORA zu sehen. Mehr zur DVD: fedora,tv-kino-film.html

Sophia Loren

2014.Sophia LorenSie stammt aus armen Verhältnissen, wuchs allein bei ihrer Mutter auf, nahm schon als 15jähriges Mädchen an Schönheitswettbewerben teil, drehte 1950 ihren ersten Film und spielte seitdem in über hundert Filmen meist die Hauptrolle. Heute wird die Schauspielerin Sophia Loren achtzig Jahre alt. Sie meldet sich termingerecht mit ihrer Autobiografie zu Wort, die einen interessanten Blick in ihr berufliches, aber in wichtigen Augenblicken auch in ihr privates Leben öffnet. Sie erzählt nicht einfach chronologisch, sondern assoziativ und dramaturgisch geschickt von der Zusammenarbeit mit berühmten Regisseuren wie Vittorio De Sica, Alessandro Blasetti, Jean Negulesco, George Cukor, Charles Chaplin oder Robert Altman, mit ihren Kolleginnen und Kollegen Anna Magnani, Silvana Mangano, Marlon Brando, Cary Grant, Anthony Quinn und vor allem Marcello Mastroianni. Die Schilderungen sind in der Regel diskret und freundlich, auch wenn sie mit ihren Regisseuren gelegentlich Probleme hatte. Natürlich spielt die Ehe mit dem Produzenten Carlo Ponti eine wichtige Rolle, die in Italien erst spät legalisiert werden konnte, weil es in den 50er Jahren dort keine Scheidung gab. Eine traumatische Dimension hatte die Verhaftung 1977 und die Verurteilung wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung 1980. Dies dokumentieren Tagebuchnotizen aus dem Ortsgefängnis in Caserta, wo sie 17 Tage zugebracht hat. Sie gewann 1962 einen Oscar als Hauptdarstellerin in LA CIOCIARA und erhielt 1991 einen Oscar für ihr Lebenswerk. Diese Ereignisse kann Sophia Loren mit großer Empathie beschreiben – wie natürlich auch den Tod ihrer Mutter 1991 oder den Abschied von ihrem Lieblingspartner Mastoianni 1996. Carlo Ponti starb 96jährig 2007. / Vor sechzig Jahren, das steht nicht in ihrer Autobiografie, besuchte Sophia Loren erstmals die Berlinale mit ihrem Film L’ORO DI NAPOLI, vor zwanzig Jahren erhielt sie einen Goldenen Ehrenbären, und die Kinemathek organisierte die Hommage. Sie war ein angenehmer Gast. Jetzt darf man ihr zum 80. Geburtstag gratulieren. Mehr zum Buch: 978-3-492-05656-4

Manfred Georg(e)

2014.Georg(e)Er war promovierter Jurist, aber zum Beruf wählte er den Journalismus und seine Liebe galt vor allem dem Film; seine ersten Kritiken schrieb er 1916. In den 20er Jahren war er Redakteur zunächst beim Ullstein-Verlag, dann beim Mosse-Verlag und ab 1928 wieder bei Ullstein, als Feuilletonchef des Tempo. Da hieß er noch Manfred Georg, schrieb auch für Die Schaubühne und Die Weltbühne, war amerika-kritisch und galt als engierter Intellektueller. Vor den Nazis brachte er sich wegen seiner jüdischen Herkunft in der Tschechoslowakei in Sicherheit, war viel in Paris, schrieb für die Pariser Tageszeitung und emigrierte 1938 in die USA. Er wurde Chefredakteur des Aufbau und nannte sich dann Manfred George. Ab 1951 besuchte er mehrfach die Bundesrepublik, schrieb auch für westdeutsche und Schweizer Zeitungen und starb 1965 in New York. Es ist gut, dass in der Reihe „Film & Schrift“ an Manfred Georg(e) erinnert wird. Jennifer Boormann hat diesmal den einleitenden biografischen Essay geschrieben, der viele interessante Informationen enthält. Dokumentiert sind insgesamt 85 Filmkritiken und sieben andere Texte, darunter eine Hommage an Marlene Dietrich aus dem Jahr 1931. Die Filmkritiken verteilen sich auf die Kaiserzeit (3), die Zeit der Weimarer Republik (34), die NS- und Kriegszeit im Exil (33) und die Jahre 1948 bis 1965 (17). Es werden erstaunlich viele Filme rezensiert, die ihre Bedeutung behalten haben, zum Beispiel DIE STRASSE und SYLVESTER, IM WESTEN NICHT NEUES und MÄDCHEN IN UNIFORM, CONFESSIONS OF A NAZI SPY und THE SEVENTH CROSS, DIE SÜNDERIN, EXODUS und THE MISFITS. Die Texte sind knapp und pointiert formuliert, meinungsfreudig und verzichten auf feuilletonistische Pirouetten. Mehr zum Buch: VAx8axyWGT0