Reiseführer „on location“

2014.on location„on location“ heißt eine neue Film-buchreihe des Schüren Verlages. Sie führt uns zu bekannten oder bisher unbekannten Orten, an denen berühmte Filme gedreht wurden. Der erste Band ist den Ländern Kambodscha, Vietnam und Thailand gewidmet. Die „Top-Locations“ sind Angkor, Pnom Penh, Bokor Hill Station (Kambodscha), Saigon, die Halong-Bucht und Hanoi (Vietnam), Bangkok, der National-Park Phang Nga, Ayutthaya, Surin, Phuket und die Brüke am Kwai (Thailand). Die beiden Autoren Michael Scholten und Wolf Jahnke lokalisieren und beschreiben 69 Filme, die in den drei Ländern Südostasiens gedreht wurden. Es sind zumeist amerikanische Filme vor allem aus der Zeit seit 1990. Mit jeweils 1 – 5 Filmrollen und 1 – 5 Flaggen wird die Qualität des Films bewertet und die Nutzung der Drehorte im jeweiligen Land. Die fünf Rollen erreichen allerdings nur zwei Filme: THE DEER HUNTER von Michael Cimino und KILLING FIELDS von Roland Joffé. Eine eigene Rubrik ist Kambodscha-, Vietnam- und Thailand-Filmen gewidmet, die nicht vor Ort gedreht wurden (so entstand zum Beispiel THE BRIDGE ON THE RIVER KWAI mit Alec Guiness in Sri Lanka). Eingefügt in den Text sind drei Interviews (mit dem Schauspieler Sereyvuth Kem, dem Autor Benjamin Prüfer und dem Bar-Besitzer Tony Douglas), die mir etwas überflüssig erscheinen. Die Abbildungen sind oft relativ klein, aber insgesamt akzeptabel. Coverfoto: L’AMANT von Jean-Jacques Annaud. Im nächsten Band soll Paris der Filmschauplatz sein. Mehr zum Buch: thailand-kambodscha-vietnam.html

HITLERKANTATE

2014.DVD.HitlerkantateIhr Fokus sind: die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Situation der Frauen und filmisches Erzählen ohne die Effekte des Mainstreams. Jutta Brückner hat Politische Wissenschaft, Philosophie und Geschichte studiert, bevor sie in den 1970er Jahren zur Filmemacherin wurde. Ihre Filmografie nennt zehn Titel, zuletzt hat sie vor zehn Jahren HITLER-KANTATE gedreht. Der Film ist jetzt bei Absolut Medien als DVD erschienen. Er erzählt die Geschichte der jungen Musikschülerin Ursula in den späten 1930er Jahren, die eine glühende Verehrerin des ‚Führers’ ist. Sie erhält den Auftrag, dem arrivierten Komponisten Hanns Broch bei der Realisierung eines Kompositionsauftrags zu helfen: einer Kantate zu Hitlers 50. Geburtstag. Broch und die junge Frau ziehen sich zur schöpferischen Arbeit in sein Landhaus in Finnland zurück. Es beginnt eine Liebesgeschichte, die zu einer politischen Bewusstwerdung bei Ursula, zu künstlerischen Problemen bei Broch und zu Konflikten mit Ursulas in Berlin gebliebenem Partner und mit Brochs jüdischer Lebensgefährtin führt. Für das Gelingen des Films waren mehrere Faktoren ausschlaggebend: Buch und Regie von Jutta Brückner, die aus der erzählten Geschichte alle falschen Klischees entfernt hat; die hervorragende Kameraarbeit des erfahrenen Thomas Mauch; die kluge Montage der Schnittmeisterin Monika Schindler; die spannungsvolle Musik des Komponisten Peter Gotthardt; und vor allem die beiden Hauptdarsteller: Hilmar Thate (Hanns Broch) und Lena Lauzemis (Ursula), die differenziert und glaubhaft agieren. Die Produktion stand leider unter einem unglücklichen Stern, weil es Streit gab mit dem Verleih. Der internationalen Anerkennung auf Festivals stand insofern eine schlechte Kinoauswertung in Deutschland gegenüber. Der Film wurde vom WDR und von Arte ausgestrahlt. Schön, dass es jetzt die DVD gibt. Und Jutta arbeitet seit geraumer Zeit an mehreren Projekten. Wir sind gespannt. Mehr zur DVD: Mehr zur DVD: https://absolutmedien.de/film/7011/Hitlerkantate

 

Jean-Patrick Manchette

2014.ManchetteEr war ein großer französischer Autor, der Erneuerer des „Roman noir“, des „Néo-polar“. Er hat zehn lesenswerte Kriminalromane geschrieben, die auch in Deutschland publiziert wurden, und, was ich bisher nicht so genau wusste, viele journalistische Texte publiziert, zum Beispiel Filmkritiken für die Zeitschriften Charlie hebdo und L’Hebdo Hara-Kiri. Sie werden in diesem Buch erstmals auf Deutsch veröffentlicht. Es sind 36 Texte aus den Jahren 1979 bis 82. Jean-Patrich Manchette (1942-1995) schrieb auch als Journalist in einem sehr eigenen Stil, oft ganz nah am Leser („Wann habt ihr CITIZEN KANE das letzte Mal gesehen?“ oder „Was ihr unbedingt sehen müsst, und zwar gleich, weil er nicht mehr lange auf dem Programm stehen wird, ist DIE SIEBEN SAMURAI, ungekürzte Fassung.“) Die meisten Kritiken in seiner wöchentlichen Kolumne (ihr Titel: „Die Augen der Mumie“) galten Titeln aus der internationalen Filmgeschichte, die gerade in Paris zu sehen waren. Das beginnt mit NOW, VOYAGER von Irving Rapper mit Bette Davis, setzt sich fort mit ausführlichen Hinweisen zu G. W. Pabst, Fritz Lang (allein ihm gelten fünf Texte), Erich von Stroheim, Rainer Werner Fassbinder (drei interessante Kritiken zu DIE EHE DER MARIA BRAUN, LILI MARLEEN und LOLA), Alfred Hitchcock, Orson Welles, Howard Hawks (SCARFACE), Nicholas Ray, Elia Kazan (VIVA ZAPATA!: „Wie schwerfällig das alles ist! Wie betulich! Wie ersthaft! Wie erbärmlich!! Und wie schön ich das fand, als ich siebzehn war!“), John Cassavetes (GLORIA), Roberto Rossellini („Wir sollten die Lust an seinen Filmen, den raffinierten Einstellungen und all diesen Dingen, nicht den kopflastigen Filmologen überlassen.“), Godard, Kubrick, Kurosawa. Die Texte sind meinungsfreudig, mehr an den Formen als an den Inhalten interessiert, sie sind Dokumente eines Autors, die man mit Respekt und Vergnügen liest. Das Buch enthält außerdem ein Drehbuch von Manchette von 1968 („Irrungen und Zerfall der Todestanztruppe“), sechs Erzählungen aus den Jahren 1979 bis 85 und sieben Anmerkungen zum literarischen Krimi-Genre. Mit einem Vorwort des Herausgebers Doug Headline und einem Nachwort von Dominique Manotti. Mehr zum Buch: PORTRAIT_IN_NOIR.html

Sport im Film

Englert-Sport-9783867644839.inddEs geschieht offenbar nicht oft, dass Sportwissenschaftler und Filmwissenschaftler unmittelbar aufeinandertreffen. Das ist im Januar 2013 am Institut für Sportwissenschaft der Goethe-Universität in Frankfurt am Main in Form einer Tagung passiert und hat jetzt zu einer Publikation geführt, die ihr Thema vielfältig erschließt. Die Sportwissenschaftler Robert Gugutzer und Barbara Englert geben in ihrer Einleitung den Rahmen vor: er soll in Zukunft international erweitert werden. Das machen drei Gastbeiträge von David Rowe, C. Richard King und Aaron Baker aus Sydney, Pullman (WA) und Phoenix (AZ) deutlich. Tullio Richter-Hansen nimmt HE GOT GAME von Spike Lee als Musterbeispiel fürs Sportfilmgenre. Thomas Waitz konfrontiert die Bowling-Komödie KINGPIN von Bobby und Peter Farrelly mit dem Sozialdrama THE LONELINESS OF THE LONG DISTANCE RUNNER von Tony Richardson und reflektiert über die filmische Produktivität des Sports. Die Mitherausgeberin Barbara Englert beschreibt, wie der US-amerikanische Sportfilm der 1970er Jahre (zum Beispiel ROLLERBALL, ROCKY, SEMI-TOUGH, SLAP SHOT) die Gesellschaft reflektiert. Auch bei Thorsten Benkel stehen amerikanische Kampfsport-Filme im Mittelpunkt. Diethelm Blecking entdeckt für uns den tschechoslowakischen Film BOXER A SMRT (1963) von Peter Solan. Andreas Becker beschäftigt sich mit den OLYMPIA-Filmen von Leni Riefenstahl, während es bei Emanuel Hübner vor allem um die Amateurfilme über die Olympischen Spiele von 1936 geht, die wenig bekannt sind In zwei Texten stehen noch einmal Boxfilme im Mittelpunkt: Günther Helmes und Jürgen Schwier konzentrieren sich dabei auf den Dokumentarfilm MUHAMMAD ALI, THE GREATEST von William Klein, Robert Gugutzer beschreibt die Entwicklungen von ROCKY I zu ROCKY VI. Moritz Böttcher analysiert den Rugby-Film INVICTUS von Clint Eastwood vor dem Hintergrund der Person Nelson Mandelas. Ivo Ritzer schlägt schließlich einen interessanten Bogen vom Kampfsportfilm (STREET FIGHTER, THE RAID) zum Videogame. Erinnert sei im Übrigen an den Band „Sportfilm“ in der Reclam-Reihe „Filmgenres“. Mehr zum neuen Buch über Sport im Film: 768d2c9c58/ In den Kinos ist derzeit der WM-Film DIE MANNSCHAFT zu sehen, eine PR-Veranstaltung des DFB.

Joachim Gottschalk

2014.SchweikartDer Schauspieler Joachim Gottschalk (*1904) beging am 6. November 1941 mit seiner jüdischen Frau Meta und dem gemeinsamen Sohn Michael Suizid, nachdem er sich geweigert hatte, sich von seiner Frau scheiden zu lassen und deshalb Berufsverbot bekam. Zu seinen bekanntesten Filmen gehört AUFRUHR IN DAMASKUS (1939) von Gustav Ucicky, DAS MÄDCHEN VON FANÖ (1940) von Hans Schweikart und DIE SCHWEDISCHE NACHTGALL (1941) von Peter Paul Brauer. Der Autor und Regisseur Hans Schweikart (1895-1975) hat aus der Geschichte von Joachim und Meta Gottschalk in den vierziger Jahren einen „Filmvorschlag“ entwickelt, der 1947 von Kurt Maetzig als DEFA-Film realisiert wurde: EHE IM SCHATTEN mit Paul Klinger und Ilse Steppat in den Hauptrollen. Schweikarts Novelle wurde nie publiziert und ist jetzt unter dem Titel „Es wird schon nicht so schlimm!“, herausgegeben von Carsten Ramm, im Verbrecher Verlag veröffentlicht worden. Es ist ein lakonisch formulierter, bewegender Text über die Beziehung und die Ehe der Schauspielerin Lilly Hollmann mit ihrem Kollegen Gregor Maurer von 1933 bis 1941, der mit ihrer Beerdigung endet. Zum Verständnis der politischen und filmhistorischen Hintergründe haben Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen ein umfangreiches, hervorragend recherchiertes Nachwort geschrieben, das allen beteiligten Personen gerecht wird. Die Publikation ist eine Hommage an Joachim Gottschalk und ein wichtiger Beitrag zur deutschen Filmgeschichte der 30er und 40er Jahre. Mehr zum Buch: book/detail/756

Psychologen über Liebespaare im Film

2014.Liebespaar im FilmEs ist bereits das dritte Buch, das der Psychoanalytiker Stephan Doering (Universität Wien) und die Psychotherapeutin Heidi Möller (Universität Kassel) gemeinsam im Medizin-Programm des Springer-Wissenschaftsverlages publizieren. In den ersten beiden Büchern ging es um jeweils 30 Filmcharaktere mit psychischen Störungen („Frankenstein und Belle de Jour“, 2008, „Batman und andere himmlische Kreaturen“, 2011), diesmal stehen Liebespaare im Zentrum. 41 Autorinnen und Autoren durften dabei über einen Film ihrer Wahl schreiben. In den Texten werden die psychischen Aspekte der Paar-Beziehungen thematisiert, aber auch die filmischen Mittel analysiert. In der ersten Filmgruppe geht es um Dreiecksbeziehungen. Besonders gut gefallen haben mir die Texte über BARBARA von Christian Petzold (Autorin: Beate West-Leuer), YELLA, ebenfalls von Christian Petzold (Autorin: Cornelia Hartmann-Jansen) und WOLKE 9 von Andreas Dresen (Astrid Riehl-Emde). In der zweiten Gruppe („Mörderische Liebe“) haben mich die Analysen von BONNIE AND CLYDE von Arthur Penn (Autoren: Mathias + Johannes Hirsch), BLOOD SIMPLE von den Coen-Brüdern (Mechthild Zeul), und AMOUR von Michael Haneke (Eva Jaeggi) am stärksten beeindruckt. In der dritten Gruppe („Schicksal und Scheitern“) fand ich die Texte über Michael Curtiz’ CASABLANCA von Martin Poltrum, Urszula Antoniaks NOTHING PERSONAL von Sieglinde Eva Trömmel + Tatjana Noemi Trömmel und über Ingmar Bergmans SZENEN EINER EHE von Ulrich Sachsse am bemerkenswertesten. „Ewiges Sehnen“ heißt das vierte Kapitel mit interessanten Analysen von Alain Resnais’ HIROSHIMA MON AMOUR von Verena Kast, Luis Buñuels DIESES OBSKURE OBJEKT DER BEGIERDE von Birger Dulz + Julia Kohlmorgen, Woody Allens THE PURPLE ROSE OF CAIRO von Michael B. Buchholz und Wong Kar-wais IN THIE MOOD FOR LOVE von Silvia Schneider. In der letzten Gruppe geht es um „Drama und Happy End“ und dabei u.a. um Matthias Glasners GNADE (Text: Heidi Möller), Lisa Cholodenkos THE KIDS ARE ALLRIGHT (Timo Storck + Svenja Taubner), Robert Townes TEQUILA SUNRISE (Heidi + Peter Zagermann) und schließlich um die titelgebende PRETTY WOMAN von Garry Marshall (Andreas Hamburger + Vivian Pramataroff-Hamburger). Ein interessantes Filmbuch aus psychoanalytischer Perspektive. Ich bin gespannt auf die nächste Publikation von Stephan Doering und Heidi Möller 2017. Mehr zum Buch: 978-3-642-44985-7

DER LETZTE AKT

2014.DVD.Der letzte AktZehn Jahre nach Kriegs-ende, 1955, drehte G. W. Pabst (1885-1967) in Österreich den ersten deutschsprachigen Spielfilm über Adolf Hitler, genauer: über die letzten zehn Tage im Führerbunker in Berlin. Es war ein Schwarzweißfilm, 107 Minuten lang, der jetzt als DVD bei „filmjuwelen“ erschienen ist. In der Bundesrepublik war damals das Interesse an diesem Film nicht sehr groß, auch wenn sich Pabst über die Realisierung sehr viele Gedanken gemacht hatte und mit dem Dialog-Autor Erich Maria Remarque in Streit geraten war. Albin Skoda, Burg-Schauspieler, stellte Hitler dar: nicht mit der Empathie und Virtuosität von Bruno Ganz im UNTERGANG, sondern mit einer gewissen Distanz. „Die Annäherung an das Individuum Hitler, die sein Stoff mit sich brachte, wollte Pabst dann doch nicht wagen“, schrieb Andreas Kilb vor zehn Jahren in seinem sehr differenzierten Text über den LETZTEN AKT. „So entrückte er den Diktator in ein Schattenreich, in dem bei aller Drastik das Darstellungstabu gewahrt blieb. Diese Distanzierung hat freilich ihre eigene Würde. Wenn Hitler bei Pabst verkündet, daß der Krieg verloren sei, zieht sich die Kamera von ihm zurück. Bei Hirschbiegel fährt sie stattdessen auf ihn zu. An diesem Punkt trennen sich die Wege der beiden Filme. Der eine malt eine Skizze in Schwarzweiß, der andere ein buntes Tableau. Die Wahrheit liegt, wie immer, zwischen den Bildern.“ (FAZ, 19.9.2004). Oskar Werner spielte damals den (fiktiven) Hauptmann Wüst, Lotte Tobisch die Eva Braun. Hinter der Kamera stand Günther Anders. Das informative Booklet zur DVD stammt von Oliver Bayan. Mehr zur DVD: der+letzte+akt

Rudolf Thome 75

2014.ThomeDer Filmemacher Rudolf Thome wird heute 75 Jahre alt. Er hat seit 1964 mit großer Kreativität und bewundernswertem Eigensinn sechs Kurzfilme und 28 abendfüllende Filme realisiert. In ihren Themen und Formen waren sie nie so etwas wie deutscher Mainstream, ökonomisch gehörten sie immer in den low-budget-Bereich, aber sie hatten und haben ihre Fans nicht nur in Deutschland. Mit seinen frühen Filmen DETEKTIVE, ROTE SONNE, SUPERGIRL und FREMDE STADT hat er zusammen mit dem Drehbuchautor Max Zihlmann einen an amerikanischen Vorbildern orientierten neuen Stil ins westdeutsche Kino gebracht, in einer lockeren Verbindung mit Klaus Lemke. 1973 verlagerte er  seinen Lebensmittelpunkt von München nach Berlin. Er hat viele lesenswerte Filmkritiken geschrieben, für die Süddeutsche Zeitung, die Filmkritik und den Tagesspiegel. Mein persönlicher Lieblingsfilm von Rudolf ist BERLIN CHAMISSOPLATZ mit Hanns Zischler und Sabine Bach, die Liebesgeschichte zwischen einem Architekten und einer Studentin in den späten 1970er Jahren. Einmal hatte ich das Vergnügen, in einem Film von Rudolf eine kleine Rolle zu spielen: den Professor Stubenrauch in LIEBE AUF DEN ERSTEN BLICK. Viele Filme hat er für die ARD-Tochter Degeto mit seiner Firma „moanafilm“ realisiert, zuletzt den Film INS BLAUE mit Vadim Glowna. Jahrelang konnte man im Netz an der Entstehung seiner Drehbücher teilhaben, denn er ist ein Internet-Freak. Auf seiner Website www.moana.de führt er ein Blog-Tagebuch. Und morgen beginnt er mit der Arbeit an seiner Autobiografie. Er lebt in Berlin-Kreuzberg und auf einem Bauernhof in Niendorf/Südbrandenburg. Wo auch immer gefeiert wird: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Rudolf, und noch viele produktive Jahre als Autor und Filmemacher. (Foto: Frauke Haß, 2014)

Autorenserien II

474192a440Christoph Dreher, Absolvent der dffb, inzwischen Professor für Film und Video an der Merz Akademie in Stuttgart, hat jetzt den zweiten Band zu den Autorenserien herausgegeben, der sich mit Quality TV in den USA und Europa beschäftigt. Die Texte basieren auf einer Tagung, die im Januar an der Merz Akademie stattfand. Sie sind in der Publikation zweisprachig dokumentiert (linke Seite in Englisch, rechte Seite in Deutsch). Vom Herausgeber selbst stammt der informative Text „Perspektiven der Autorenserie: USA, Skandinavien, Deutschland“. Cathryn Humphris berichtet über ihre Erfahrungen als Serien-Autorin bei MAD MEN. Stewart Lyons blickt auf seine langjährigen Erfahrungen als Line Producer im amerikanischen TV-Geschäft zurück. Der Autor Lolis Eric Elie erzählt, wie die Serie TREME bei HBO entstand. Christine Lang beschäftigt sich mit den Enden in Serien am Beispiel von THE SOPRANOS, BREAKING BAD und MAD MEN. Kerstin Stutterheim porträtiert skadinavische Ermittlerinnen in Serien wie KOMMISSARIN LUND und ARNE DAHL. Bei Diedrich Diedrichsen geht es um den Autor und Showrunner David Milch und seine nicht sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Sender HBO. Jane Feuer untersucht die Darstellung von Psychoanalyse und -therapie in den Serien THE SOPRANOS und IN TREATMENT. Auszüge aus der Podiumsdiskussion über die Produktion von Autorenserien in Deutschland (mit Marcus Ammon, Alain Bieber und Wolfgang Feindt, moderiert von Christoph Dreher) beenden den Band. Die Publikation ist ein sehr interessanter Beitrag zur aktuellen Diskussion über Fernsehserien. Mehr zum Buch: 978-3-7705-5812-4.html

Lars von Trier / Jacques Derrida

2014.Lars von TrierAndreas Jacke ist Filmwissen-schaftler, er lebt in Berlin. Er hat 2002 mit einer Arbeit über Marilyn Monroe promoviert und Mono-grafien über Stanley Kubrick, Roman Polanski, David Bowie und Walter Benjamin publiziert. In seinem neuen Buch konfrontiert er das Werk von Lars von Trier mit der Filmphilosophie von Jacques Derrida. Das kann man als Versuchsanordnung lesen oder als Interpretationsbrücke. Seine Ausgangsthese: Lars von Trier neigt zur Depression, die Haltung des feministischen Philosophen Derrida ist hoffnungsvoll. Das führt in der Analyse zu neuen Erkenntnissen. Nach einer biografischen Spurensuche mit den Dominanten Angst, Depression und Todestrieb entschlüsselt der Autor das Werk von Lars von Trier in sechs Kapiteln: „1. Die ungewöhnliche Aufarbeitung des Bösen in der europäischen Geschichte: die Europa-Trilogie – THE ELEMENT OF CRIME (1984), EPIDEMIC (1987), EUROPA (1991). 2. Ghost Dance – Heim-suchungen: RIGET I und II (1994(97). 3. Eigenwillige Liebesopfer in der Goldherz-Trilogie: BREAKING THE WAVES (1996), IDIOTERNE (1998), DANCER IN THE DARK (2000). 4. Vor dem Gesetz: Der Dogma-Film IDIOTERME, THE FIVE OBSTRUCTIONS (2004) und THE BOSS OF IT ALL (2006). 5. Der Ruf einer kommenden Demokratie: Die unabgeschlossene U.S.A.-Land of Opportunities-Trilogie, DOGVILLE (2003) und MANDERLAY (2005). 6. Persönliche Filme über die Existenz, die Trilogie der Depression: ANTICHRIST (2009), MELANCHOLIA (2011) und NYMPHOMANIAC Vol I u. II (2013).“ Andreas Jacke ist mit dem Werk von Lars von Trier gut vetraut, er knüpft die Verbindungen zur Filmphilosophie von Jacques Derrida sehr konkret. Die Erkenntnisse sind erstaunlich. Mehr zum Buch: 39-80.html