Hommage für Wim Wenders

2015.WendersDie Hommage der Berlinale ist in diesem Jahr dem Regisseur Wim Wenders gewidmet. Am Donnerstag (12. Februar) wird er mit dem Ehrenbären des Festivals ausgezeichnet. Den gibt es seit 1982. Der erste Preisträger war James Stewart. Wim Wenders ist der 33. Preisträger – und der erste deutsche Regisseur, der so geehrt wird. Zehn Filme stehen auf dem Programm der Hommage, darunter meine Lieblingsfilme von ihm, ALICE IN DEN STÄDTEN, DER HIMMEL ÜBER BERLIN und TOKYO-GA. Am Mittwoch führt Rainer Rother im HAU ein Gespräch mit Wenders über sein Werk. Außer Konkurrenz ist im Wettbewerb der Berlinale auch sein neuer Film EVERY THING WILL BE FINE mit James Franco und Charlotte Gainsbourg zu sehen. Wenders wird in diesem Jahr – er feiert am 14. August seinen 70 Geburtstag – vielfach geehrt. Es gibt Ausstellungen (zum Beispiel in Düsseldorf), Retrospektiven (zum Beispiel im MoMA in New York), Publikationen (im Verlag der Autoren und bei Schirmer/Mosel). Darüber informiert die Website der Wenders-Stiftung: wimwendersstiftung.de/ww2015/ . Mehr zur Hommage: hommage/index.html

AUGE IN AUGE

2015.DVD.AiAEndlich gibt es den Film AUGE IN AUGE auf DVD als Einzelstück zu kaufen. 2009, ein Jahr nach der Premiere auf der Berlinale, hatte das Goethe-Institut DVDs für den internen Gebrauch hergestellt. 2010, zur 60. Berlinale, edierte die FAZ die Box „Momente des deutschen Films“ mit zehn Spielfilmen und AUGE IN AUGE als Zugabe. Jetzt hat Absolut Medien den Film in sein DVD-Programm aufgenom-men, und dafür bin ich Molto Menz sehr dankbar. Immer wieder wurde ich in den vergangenen Jahren nach verfügbaren DVDs gefragt und konnte bisher nur mit den Schultern zucken. Jetzt ist der Film, den ich mit Michael Althen gemacht habe, wirklich verfügbar. Und es ist – ich bin natürlich befangen – einfach schön, zusammen mit Michael Ballhaus, Doris Dörrie, Andreas Dresen, Dominik Graf, Wolfgang Kohlhaase, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer, Wim Wenders und Hanns Zischler in der deutschen Filmgeschichte unterwegs zu sein, den berühmten Schauspielerinnen und Schauspielern beim Küssen, Rauchen, Schreien, Telefonieren zuzuschauen, ihre Blicke zu verorten und darüber nachzudenken, was spezifisch „deutsch“ ist am deutschen Film. Die DVD enthält die deutsche, von Michael Althen gesprochene Fassung sowie Sprachfassungen in Englisch und Französisch (Sprecher: Mario Adorf), in Spanisch (Sprecher: Peter Lohmeyer) und Portugiesisch (Sprecherin: Christina Do Rego). Es gibt als Extras Statements der Filmemacher, Schnittbilder, eine Hörfassung für Sehbehinderte und eine ausführliche zweite Audiodeskription als reine Audiofassung. Ich hoffe natürlich, dass die DVD viele Käufer findet und der Film dadurch präsent bleibt. Mehr zur DVD: Auge+in+Auge+-+Eine+deutsche+Filmgeschichte

Scenario 9

2015.Scenario 9Ein Kegler würde jetzt wohl sagen „Alle Neune!“. Und sich über den Wurf freuen. Aber das Kegeln ist nicht meine Welt, und so sage ich mit einer Verbeugung vor dem Heraus-geber Jochen Brunow: der neunte Band von „Scenario“ ist da, und es gibt Grund zur Freude. In einer Veranstaltung im Museum für Film und Fernsehen wird heute der neue Film- und Drehbuchalmanach präsentiert. Er ist wieder mit Unterstützung der Deutschen Filmakademie erschienen, und die Präsidentin Iris Berben wird heute ausgewählte Texte daraus lesen. Die Auswahl wird ihr nicht ganz leicht gefallen sein, denn es gibt wieder viele interessante Beiträge. Das Werkstattgespräch hat Jochen Brunow zum zweiten Mal (nach Ruth Toma in „Scenario 2“) mit einer Autorin geführt: mit Heide Schwochow, der Mutter des Regisseurs Christian Schwochow, die bisher fünf Drehbücher geschrieben hat, zuletzt BORNHOLMER STRASSE (2014). Sie stammt aus der DDR, hat verschiedene Ausbildungen absolviert und kann sehr reflektiert über ihre Arbeit als Autorin sprechen. Die vier „Essays“ stammen von dem dffb-Absolventen Paul Salisbury („Mein Weg vom Tagträumer zum Drehbuchautor in nur 360 Monaten“), Thomas Knauf („Erinnerungen an eine Filmschule“ – zum 60. Geburtstag der HFF Konrad Wolf), Sascha Arango („Erzählen und Verschweigen oder vom Drehbuch zum Roman und wieder zurück“ – ein glänzend formulierter Erfahrungsbericht über seinen erfolgreichen Ausflug in die Literatur, zum Verlag Random House) und Gerhard Midding (über Jean-Claude Carrière und sein Buch „Der Kreis der Lügner“). Das „Journal“ von Xao Seffcheque erzählt die Entstehungsgeschichte seines Films DIE KLEINEN UND DIE BÖSEN und dokumentiert vor allem seine Beharrlichkeit. In der Rubrik „Backstory“ ist zunächst, eingeleitet von Gerhard Midding, der überarbeitete Nachruf von Bertrand Tavernier auf den amerikanischen Drehbuchautor David Rayfiel (1923-2011) dokumentiert. Dann folgt ein hervorragend recherchierter Text von Michael Töteberg über die Mitarbeit des Autors Hans Werner Richter am Drehbuch des Film VON GOTT UND DEN MENSCHEN (1955) von Erich Engel und Richters Versuch, seine Erfahrungen in der Filmwelt in einem satirischen Hörfunkfeature („Pipapo – Die Geschichte eines Drehbuchs“, 1955) zu verarbeiten, das nach der Erstsendung im NWDR durch juristische Einsprüche im Giftschrank landete und später in Vergessenheit geriet. Auch eine Fernsehversion von Michael Kehlmann (unter dem Titel DIE WEICHEN SIND FALSCH GESTELLT, 1956) wurde verhindert. Die „Lesezeichen“ führen zu den Büchern „Erzählstimmen im aktuellen Film“ von Christina Heiser (Jochen Brunow verbindet dies mit eigenen Überlegungen zur Voice-over-Narration), „Der Klang des Films“ von Peter Rabenalt (rezensiert von Elke Rössler), „Der Tramp und die Bombe“ von James Agee und „Verzehrt“ von David Cronenberg (beide Texte von Manuela Reichart) und diversen Titeln im Lektürestreifzug von Andreas Resch. Das Drehbuch des Jahres, „In den Gängen“, stammt von Thomas Stuber und Clemens Meyer und wurde gestern von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters ausgezeichnet. Coverfoto: NOVEMBERKIND. – Nun freuen wir uns auf „Scenario 10“.

Retrospektive: Technicolor

2015.RetroMit dem Film GONE WITH THE WIND von Victor Fleming (Foto: Vivian Leigh und Clark Gable) wird heute Abend im CinemaxX 8 die Retro-spektive der Berlinale eröffnet. Ihr Thema ist bekanntlich das Farbfilmverfahren Technicolor. Die Firma Technicolor wurde vor hundert Jahren gegründet. Die große Zeit von Technicolor waren die 1930er, 40er und 50er Jahre. In der Retrospektive sind vier Kurzfilme und rund 30 lange Spielfilme zu sehen. Natürlich kenne ich viele der gezeigten Filme, aber einige sind mir ganz unbekannt, zum Beispiel THE TOLL OF THE SEA (1922) von Chester M. Franklin, REDSKIN (1929) von Victor Scherzinger, WINGS OF THE MORNING (1936) von Harold B. Schuster, THE SHERPHERD OF THE HILLS (1941) von Henry Hathaway, AN AMERICAN ROMANCE (1944) von King Vidor, THIS HAPPY BREED (1944) von David Lean, LEAVE HER TO HEAVEN (1945) von John M. Stahl und BLANCHE FURY (1947) von Marc Allegret. Ich freue mich, dass ich sie bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal sehen kann. Und ich werde versuchen, vier oder fünf meiner Lieblingsfilme – zum Beispiel THE WIZARD OF OZ von Victor Fleming, DUEL IN THE SUN von King Vidor, SHE WORE A YELLOW RIBBON von John Ford, THE AFRICAN QUEEN von John Huston, GENTLEMEN PREFER BLONDES von Howard Hawks oder THE NAKED SPUR von Anthony Mann – noch einmal zu sehen. Morgen um 18 Uhr diskutieren Technicolor-Experten über die historische Entwicklung und die besondere Bedeutung des Verfahrens. Das Buch zur Retrospektive ist mein „Filmbuch des Monats“. Mehr zur Retrospektive: /retrospektive.html

Berlinale

2015.BerlinaleHeute beginnt die 65. Berlinale. Seit der Pressekonferenz vor neun Tagen kennt man das Programm und die wichtigsten Terminierungen. Ich kon-zentriere mich in meiner Planung auf den Wettbewerb und die Retrospektive. In den Sektionen Panorama und Forum werde ich nur wenige Vorführung besuchen. Mit meinem Presseausweis kann ich mir vormittags und am frühen Nachmittag die für mich interessantesten Wettbewerbs-filme ansehen. Das sind TAXI von Jafar Panahi, QUEEN OF THE DESERT von Werner Herzog, JOURNAL D’UNE FEMME DE CHAMBRE von Benoit Jacques, VICTORIA von Sebastian Schipper, KNIGHT OF CUPS von Terrence Malick (auf diesen Film bin ich besonders gespannt), ALS WIR TRÄUMTEN von Andreas Dresen, EVERY THING WILL BE FINE von Wim Wenders, EISENSTEIN IN GUANAJUATO von Peter Greenaway, ELSER von Oliver Hischbiegel, CINDERELLA von Kenneth Branagh und TEN NO CHASUKE von Sabu. Natürlich kann es sein, dass ich den Berlinale-Sieger versäume (wie im vergangenen Jahr). Aber der wird dann ja in der Abschlussveranstaltung noch einmal gezeigt. Zur Eröffnung mit dem Film NADIE QUIERE LA NOCHE von Isabel Coixet gehen wir natürlich auch. Im Panorama interessiert mich vor allem der Film HÄRTE von Rosa von Praunheim (ich kenne eine frühe Fassung, von der ich sehr beeindruckt war). Und im Forum erwarte ich mit Spannung den Film von Dominik Graf über meinen 2011 verstorbenen Freund Michael Althen: WAS HEISST HIER ENDE? Ich freue mich sehr, dass Naum Kleiman aus Moskau mit einer Berlinale-Kamera ausgezeichnet wird und werde mir den Film CINEMA: A PUBLIC AFFAIR von Tatiana Brandrup anschauen, der über die Lebensleistung von Naum informiert. Am 12. Februar gehe ich natürlich in den Berlinale-Palast, wenn Wim Wenders seinen Goldenen Ehren-Bären in Empfang nimmt. Seinen Film DER AMERIKANISCHE FREUND habe ich lange nicht gesehen. Das Berlinale-Programm gibt es hier: programm/programmsuche.php

Helga Reidemeister 75

2015.ReidemeisterHeute wird die Dokumentaristin Helga Reidemeister 75 Jahre alt. Sie ist Absolventin der Deutschen Film- und Fern-sehakademie, wurde 1973 an die dffb aufgenommen; ich war damals Mitglied der Prüfungs-kommission, also kenne ich sie jetzt schon über 40 Jahre. Ich habe viele (nicht alle) Filme von ihr gesehen, ich bewundere ihr Engagement, ihre Beharr-lichkeit, ihre Empathie. Besonders beeindruckt haben mich ihre Filme DREHORT BERLIN (1987), LICHTER AUS DEM HINTERGRUND (1998) und ihr zweiter Afghanistan-Film MEIN HERZ SIEHT DIE WELT SCHWARZ – EINE LIEBE IN KABUL (2009). Seit vielen Jahren ist sie im In- und Ausland als Dozentin tätig und hat inzwischen eine Honorarprofessur an der Filmakademie in Ludwigsburg. Sie wird von Studentinnen und Studenten geliebt, weil sie sozusagen mit dem Herzen filmt, ganz nah bei den Menschen, meist Frauen, für die sie sich engagiert. Ihre Dokumentarfilme sind nicht „beobachtend“, sie sucht den engen Kontakt zu den Protagonisten, sie ist parteilich. Zu ihrem Geburtstag wurde ihr neuester Film, SPLITTER AFGHANISTAN, in der Akademie der Künste uraufgeführt, im Arsenal war der Film VON WEGEN „SCHICKSAL“ zu sehen, und im Bundesplatz-Kino gibt es noch bis Ende März eine Werkschau mit Einführungen und Gesprächen. Britta Hartmann und Gerlinde Waz haben in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek eine sehr schöne und informative Broschüre über Helga Reidemeister herausgegeben, die ich ausdrücklich empfehle. Liebe Helga, ich gratuliere Dir sehr herzlich zu Deinem 75. Geburtstag!

Kino „International“

2015.Kino InternationalIm Mai 1961, als der Bau des Kinos „Inter-national“ begann, hieß die Straße zwischen Alexander-platz und Straußberger Platz noch Stalinallee, im November 1963, als es mit dem sowjetischen Film OPTI-MISTISCHE TRAGÖDIE eröffnet wurde, war die Adresse Karl-Marx-Allee 33. Inzwischen gehört es zur Yorck Kinogruppe, hat vor gut einem Jahr sein 50jähriges Bestehen gefeiert, gilt als gesichert für die nahe Zukunft und ist bei vielen Kinobesuchern sehr beliebt. Der Architekt und Stadtplaner Dietrich Worbs hat jetzt im Gebr. Mann Verlag ein hervorragend recherchiertes Buch über die Geschichte des „International“ publiziert. Sehr detailliert werden Bauplanung, Realisierung und Gestaltung des Gebäudes geschildert. Vor allem die Platzierung des Kinosaals im ersten Stock galt als ungewöhnlich. Der Architekt Josef Kaiser war für die Planung verantwortlich. Das Buch vermittelt interessante Informationen über sein Leben und seine Arbeit. In der DDR-Zeit war das „International“ das große Premierentheater. Ich erinnere mich persönlich an viele Besuche in den 60er und 70er Jahren. Worbs widmet ein eigenes, umfangreiches Kapitel den Premieren der DEFA-Filme SPUR DER STEINE (30. Juni 1966), LOTTE IN WEIMAR (6. Juni 1975), SOLO SUNNY (17. Januar 1980) und COMING OUT (9. November 1989) im „International“. Er zitiert Zeitzeugen und dokumentiert die Presseresonanz. Auch dem Fassaden-Relief „Aus dem Leben der heutigen Menschen“ gilt ein Kapitel. Am Ende, für die Zeit ab 1990, geht es noch um Denkmalschutz, Treuhand-Verwaltung, Verkauf und Erhaltung des Kinos. Viele Abbildungen in bester Qualität. Coverfoto: Erik-Jan Ouwerkerk, 2014. Ein Kinobuch, wie man es sich wünscht. Mehr zum Buch: 302711&verlag=3

Robert Siodmak

2015.Siodmak1998 war die Retrospektive der Berlinale dem Regisseur Robert Siodmak (und seinem Bruder, dem Drehbuchautor Curt Siodmak) gewidmet. Die Publikation ist als Monografie kaum zu übertreffen. Im Frühjahr 2014 fand im Zeughaus-kino eine fast vollständige Robert Siodmak-Retrospektive statt. Frederik Lang, Kurator dieser Retrospektive, hat jetzt aus den acht dort gehaltenen Filmeinführungen ein kleines, sehr lesenswertes Büchlein gemacht, das im Schüren Verlag erschienen ist. Von Wolfgang Jacobsen stammt eine liebevolle „Vorbemerkung“, die Siodmaks Gesamtwerk im Blick hat. Chris Wahl beschäftigt sich mit Siodmaks Sprachversionsfilmen für die Ufa. Frederik Lang führt in die in Japan wiedergefundene deutsche Fassung von STÜRME DER LEIDENSCHAFT ein (den Film habe ich hier zum ersten Mal gesehen, er hat mich sehr beeindruckt) und vergleicht die deutsche Fassung von VORUNTERSUCHUNG mit Albert Bassermann mit der französischen Version AUTOUR D’UNE ENQUÈTE mit Jean Périer. Karl Prümm macht interessante „Anmerkungen“ zu der musikalischen Komödie LA CRISE EST FINIE!. Ralph Eue vermittelt einige Fakten und Überlegungen zum Dschungelfilm COBRA WOMAN (1943, auch: Coverfoto). Lukas Foerster formuliert kurz, aber überzeugend „Seh-Eindrücke zu CHRISTMAS HOLIDAY“; der damalige Einführungstext von Norbert Grob zu Siodmaks Bedeutung für den Film Noir stand leider nicht zur Verfügung. Und Claudia Mehlinger sieht Siodmaks Gerhart-Hauptmann-Verfilmung DIE RATTEN mit Maria Schell aus heutiger Perspektive. Von Frederik Lang stammt eine Übersicht über die Filme der Retrospektive mit Cast und Credits in Minimalform, Herkunft der Kopie und kurzen Texten zu den Filmen. Ein kleines, feines Robert Siodmak-Buch. Mehr zum Buch: 442–robert-siodmak.html

PANZERKREUZER POTEMKIN / OKTOBER

2014.DVD.PotemkinNatürlich stehen in meinem DVD-Regal die Eisenstein-Filme PANZER-KREUZER POTEMKIN (1925) und OKTOBER (1928), ich glaube, sie stammen von der Firma Icestorm, und ich habe sie seit mindestens zehn Jahren. Schließlich sind es legendäre Filmklassiker, die man einfach besitzen muss. Die neue DVD in der Edition Filmmuseum bietet etwas Neues und Besonderes: sie präsentiert die originale deutsche Schnittfassung des POTEMKIN mit der von Helmut Imig rekonstruierten Orchestermusik von Edmund Meisel (70 Minuten) und die von Meisel selbst verantwortete Tonfassung von 1930 mit nachträglich aufgenommenen Geräuschen und Dialogen (49 Minuten). Von dem Film OKTOBER, der in Deutschland unter dem Titel ZEHN TAGE, DIE DIE WELT ERSCHÜTTERTEN zu sehen war, gibt es von der deutschen Fassung nur noch ein Fragment von 35 Minuten. Die rekonstruierte Originalfassung, die auf der DVD mit der von Frank Strobel und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin eingespielten Musik von Edmund Meisel zu sehen und zu hören ist, dauert 116 Minuten. Es ist spannend, die unterschiedlichen Fassungen zu sehen, hilfreiche Kommentare enthält das Booklet mit Beiträgen von Thomas Tode, Richard Siedhoff und Stefan Drössler (von ihm stammt eine sehr informative „Chronologie Sergej Eisenstein – Edmund Meisel“). Zum Bonusmaterial gehört der Kurzfilm VINTIK-SPINTIK / DIE KLEINE SCHRAUBE (1927) von Vladislav Tvardoskij. An der DVD-Edition waren viele Institutionen und Personen beteiligt, ich nenne mal die Institutionen, die auf dem Cover genannt werden: Filmmuseum München, Österreichisches Filmmuseum, Deutsche Kinemathek, Technisches Museum Wien, Deutsches Filminstitut, Gosfilmofond, ZDF/Arte. Die Kooperation hat sich gelohnt. Mehr zur DVD: Potemkin—Oktjabr-.html

Wolf Suschitzky

2014.SuschitzkyEr hat als Fotograf auf allen Kon-tinenten gearbeitet, wurde in Wien geboren, lebt seit 1934 in London, war viele Jahre auch als Kameramann tätig und ist, man kann es kaum glauben, 102 Jahre alt. Bei Synema in Wien ist jetzt ein neuer Band mit 170 Foto-grafien von Wolf Suschitzky erschienen, aus der Zeit von 1930 bis 2001, von ihm selbst zusammengestellt und kurz kommentiert, sieben Kapiteln zugeordnet: Telling Stories in Pictures, Sights, Tender Accomplices, Memories, At Work, Artists and their Craft, My Point of View. Es sind Schwarzweißfotos von Straßen, Menschen, Tieren, aus Fabriken, Zoos und entfernten Ländern, interessiert an der Realität. Es gibt wunderbare Porträts zu sehen und weite Blicke über Flüsse, Städte und Märkte. Elf Fotos, die mir besonders gefallen: die Porträts der Schauspielerinnen Deborah Kerr (1941), Virginia McKenna (1953) und Moira Lister (1957), der Schauspieler Michael Caine (1970) und Vincent Price (1973), der Regisseure Paul Rotha (1949) und Harry Watt (1960), des Schriftstellers Gore Vidal (1982), ein Foto von H. G. Wells an seinem Schreibtisch in London (1939), ein Blick über die Themse in London 1952, die Augen eines Mädchens in Trinidad 1960. Zwei schöne Texte über Wolf Suschitzky stammen von Amanda Hopkinson und Julia Winckler. Michael Omasta und Brigitte Mayr haben das Buch herausgegeben. Coverfoto: Hamstead Heath Fair, London, Ostern 1949. Mehr zum Buch: section769846.html