„Der Apfelbaum“ (Weihnachtsgeschenk 7)

Der Schauspieler Christian Berkel (*1957) erzählt in der Form eines Romans die Lebens-geschichte seiner Eltern: Sala und Otto haben sich 1932 in Berlin verliebt, sie ist dreizehn Jahre und jüdischer Herkunft, er ist siebzehn und kommt aus einer Arbeiterfamilie. 1938 trennen sich ihre Wege. Sala emigriert nach Paris, wird in einem Lager in den Pyrenäen interniert, soll nach Auschwitz deportiert werden, kann in Leipzig untertauchen und will nach Kriegsende ein neues Leben in Buenos Aires begin-nen. Otto wird im Krieg Sanitätsarzt, gerät in russische Gefangenschaft und kehrt 1950 ins zerstörte Berlin zurück. Es klingt wie ein Wunder, dass es für Sala und Otto ein Happyend gibt. Die Geschichte ist spannend erzählt, der Autor bringt sich dramaturgisch klug und ohne jede Eitelkeit ein. Hier ist ein Schauspieler zum Schriftsteller geworden und hat ein beeindruckendes 400-Seiten-Buch verfasst, mit dem man zu Weihnachten Menschen beschenken kann, die sich für deutsche Geschichte interessieren. Mehr zum Buch: 9783550081965.html

MENSCHEN AM SONNTAG (Weihnachtsgeschenk 6)

Es ist einer der schönsten Berlin-Filme, die es gibt, realisiert 1929, an der Wende vom Stummfilm zum Tonfilm. Billie Wilder war am Drehbuch beteiligt, das auf einer Reportage von Curt Siod-mak basierte. Hinter der Kamera standen Eugen Schüfftan und – als Assistent – Fred Zinnemann. Regie führten Robert Siodmak und Edgar G. Ulmer. Die Dar-steller waren Laien. 2014 haben die Deutsche Kinemathek und das EYE Filminstituut Nederland den Film restauriert, der jetzt als DVD und Blue-ray bei Atlas Film erschienen ist. Martin Koerber infor-miert im Booklet über Rekonstruktion und Restaurierung des Films. In unserem Film AUGE IN AUGE haben Michael Althen und ich vor elf Jahren Wolfgang Kohlhaase als Paten seine Eindrücke über den Film erzählen lassen. Es ist wunderbar, wie er ausgewählte Szenen am Bahnhof Zoo und am Wannsee in Form und Inhalt schildert. Auch wenn man den Film oft gesehen hat, ist man immer wieder berührt von seiner Nähe zu Personen und Schauplätzen. BABYLON BERLIN ist eine beeindruckende Rekonstruktion der Stadt im Jahr 1929, MENSCHEN AM SONNTAG zeigt uns authentisch, wie junge Leute damals gelebt haben. Wer sich für die Geschichte Berlins interessiert, muss diesen Film gesehen haben. Zu den Extras gehört der 30-Minuten-Film WEEKEND AM WANNSEE (2000) von Gerald Koll, der die Entste-hungsgeschichte des Films erzählt. Mehr zur DVD: menschen-am-sonntag.html

Samstagabendhelden (Weihnachtsgeschenk 5)

Tim Pröse war Chefreporter der Münchner Abendzeitung, Re-dakteur des Focus-Magazins und ist vielen legendären Stars aus Film, Funk und Fernsehen persönlich begegnet. In zwanzig Kapiteln erzählt er davon. Dies sind zwölf besonders eindrucks-volle Texte: „Udo Lindenberg und die Lieben seines Lebens“, „Götz George erzählt von seinem nahen Tod“, „Loriot, Hans Albers und Heinz Rühmann haben tiefe Spuren hinter-lassen“, „Konstantin Wecker über Nahtoderlebnisse, Him-melseinblicke und Engel“, „Hape Kerkeling triumphiert über die Tragödie seiner Kindheit“, „Jan Fedder trifft seine alten Kameraden aus dem Film DAS BOOT“, „Christiane Hörbiger über ihren Glauben und die Liebe als Lebensbegleiter“, „Hans-Joachim Kuhlenkampff verlängerte unsere Samstage“, „Thomas Gottschalk taucht bis heute zurück in seine Kinderwelten“, „Alfred Biolek wusste nicht mehr, wer er war“, „Pierre Brice erzählt, was er im Himmel vorhat“ und – noch einmal – „Udo Lindenberg zieht seinen Hut“. In einigen Fällen handelt es sich um dokumentierte Gespräche. Ein schönes Geschenk für Menschen, die viel fernsehen. Mehr zum Buch: 529214.rhd

Grit Boettcher (Weihnachtsgeschenk 4)

Sie gehörte nie zu meinen Lieb-lingsschauspielerinnen. Ihre Welt waren das Boulevardthea-ter, Kinokomödien, Edgar-Wallace-Filme und Fernseh-serien. Als Partnerin von Harald Juhnke wurde sie in der ZDF-Serie EIN VERRÜCKTES PAAR populär. Jetzt hat sie – 80 Jahre alt, unterstützt von der Journa-listin Renate Schramm – ihre Erinnerungen publiziert. Sie erzählen, mit Empathie ge-schrieben, das Auf und Ab beruflicher und privater Ereig-nisse und vermitteln einen sehr persönlichen Einblick in das Leben einer Schauspielerin in Deutschland. Zentrale Orte sind Berlin und München. Der frühe Tod ihres Ehemannes Wolfgang Belstler, Leiter der Münchner Abendschau, ist ein besonders berührendes Kapitel („Die große Liebe“). In der folgenden Zeit hatte sie eher Pech mit den Männern, zu denen der Theatermann Christian Wölffer und der Schauspieler Karlheinz Böhm gehörten. Man kann verstehen, dass sie manchmal sehr verzweifelt war und oft gejammert hat, aber ihren Erinnerungen hat sie einen kontrastierenden Titel gegeben: „Auf ein Lächeln“. Es gibt sicherlich viele Menschen, die sich über dieses Buch als Weihnachtsgeschenk freuen. Mehr zum Buch: grit-boettcher/

Cinemaps (Weihnachtsgeschenk 3)

Andrew DeGraff arbeitet als Zeichner und Illustra-tor für amerikanische Zeitungen und hat eine besondere Leidenschaft für Landkarten. Mit dem Buch „Cinemaps“ hat er sich offenbar einen Ju-gendtraum erfüllt: Kino-fans die Wege zu zeigen, die von den Hauptfiguren erfolgreicher Filme zu-rückgelegt werden. Der Atlas erschließt 35 Filme – für DeGraff „die groß-artigsten aller Zeiten“ – und jede Filmfigur hat eine eigene Farbe. Wir sehen Häuser, Straßen, Parks, Städte auf jeweils vier bis sechs Seiten. Zu jedem Film gibt es auch einen sehr sachkundigen Text, den der Autor A. D. Jameson verfasst hat. Zwölf Filme haben mich besonders interessiert: METROPOLIS von Fritz Lang, KING KONG von Cooper/ Schoedsack, THE WIZARD OF OZ von Victor Fleming, NORTH BY NORTHWEST von Alfred Hitchcock, JAWS von Steven Spielberg, STAR WARS von George Lucas, ALIEN von Ridley Scott, SHINING von Stanley Kubrick, EDWARD SCISSORHANDS von Tim Burton, THE SILENCE OF THE LAMBS von Jonathan Demme, PULP FICTION von Quentin Tarantino, FARGO von den Coen-Brothers. Da es ein Buch über Blockbuster ist, dominiert das amerikanische Kino mit 31 Titeln. Allein fünf Filme stammen von Steven Spielberg. Damit ist auch die Zielgruppe definiert, für die „Cinemaps“ ein schönes Geschenk sein könnte. Die Kartografien sind gut gezeichnet, der Blick auf die Filme ist sehr originell. Mehr zum Buch: Encore/e536350.rhd

Catherine Deneuve (Weihnachtsgeschenk 2)

Im Oktober hat sie ihren 75. Geburtstag gefeiert. Sie gilt inzwischen als Grande Dame des euro-päischen Films. Und wenn man – Film für Film – dieses wunder-bare Buch durchsieht, erinnert man sich an sehr viele Filme, die man in den vergangenen sechzig Jahren gesehen hat. Bei mir begann das 1964 mit den REGENSCHIRMEN VON CHERBOURG von Jacques Demy, gefolgt von EKEL (1965) von Roman Polanski und BELLE DE JOUR (1967) von Luis Bunuel. Mehr als 60 Filme werden von Isabelle Giordano sachkundig, aber auch mit Empathie in Text und Bild vorgestellt. Die Bewunderung steigt, wenn man noch einmal all die Regisseurinnen und Regisseure Revue passieren lässt, mit denen sie zusammen-gearbeitet hat: François Truffaut (zweimal), Nadine Trintignant, Marco Ferreri (zweimal), Jean-Pierre Melville, Robert Aldrich, Claude Lelouch (zweimal), Claude Berri, Alain Corneau (zweimal), André Téchiné (sechsmal), Philippe de Broca, Jean-Pierre Mocky, Régis Wagnier (zweimal), Manoel de Oliveira, Raoul Ruiz (zweimal), Leos Carax, Philippe Garrel, Lars von Trier, François Ozon (zweimal), Emmanuelle Bercot (zweimal). Vor zwanzig Jahren haben wir ihr eine Hommage zur Berlinale gewidmet, sie war ein beeindruckender Gast und wurde mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet. Das jetzt bei Schirmer/Mosel publizierte Buch führt uns ihre schauspielerische Bedeutung noch einmal vor Augen. Es ist ein hervorragendes Geschenk für alle, die sich für die europäische Filmgeschichte interessieren. Coverfoto: BELLE DE JOUR. Mehr zum Buch: 9u5ag4r2q0lj26i5g0

Bob Dylan (Weihnachtsgeschenk 1)

Vom 27. August 1964 bis zum 28. August 1965 hat Daniel Kramer den da-mals 23jährigen Sänger Bob Dylan auf vielen Stationen fotografisch begleitet, beginnend in Woodstock, gefolgt von Philadelphia, New York und anderen Städten. In einem großformatigen 300-Seiten-Buch hat der Taschen Verlag eine Auswahl der Fotos jetzt publiziert. Es ist in der Karriere von Bob Dylan die Umbruchszeit vom Folksänger zum Rock-musiker. Die Aufnahmen von Kramer zeigen Dylan auf und hinter der Bühne, im Studio, unter-wegs, zuhause. Besonders schön: die Bilder von den Konzerten mit Joan Baez im Lincoln Center in New York, in der Kleinham Music Hall in Buffalo und in der New Haven Arena im Februar/März 1965. Bis auf eine 16-seitige Farbstrecke in der Mitte des Buches (mit Bildern von Dylan und seiner damaligen Freundin und späteren Frau Sara Lownds) alle Fotos in Schwarzweiß. In einem sehr persönlich formulierten Text erzählt Daniel Kramer von den verschiedenen Begegnungen mit Bob Dylan und von seiner fotografischen Arbeit. Text in Englisch, Deutsch und Französisch. Ein wunderbares Buch und ein tolles Geschenk natürlich vor allem für Bob Dylan-Fans. Mehr zum Buch: ein_jahr_und_ein_tag.htm

Jahrbuch Fernsehen 2018

Das „Jahrbuch Fernsehen“ gibt es seit 1991, es wurde von Lutz Hachmeister, Knut Hickethier und Karl Prümm begründet. Koordinierender Herausgeber ist das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik in Köln mit dem geschäftsführenden Direktor Lutz Hachmeister. In der Struktur hat sich das Jahr-buch wenig verändert. Es gibt Essays zur Medienlandschaft, einen Jahresrückblick und einen faktografischen Serviceteil. Philipp Alvares de Souza Soares beschäftigt sich mit dem amerikanischen Konzern „Vice Media“, Volker Nünning informiert über den anhaltenden Reformdruck auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Schweiz, Julia Bähr richtet ihren Blick auf die Netflix-Schöpfung THE CROWN und derern dritte Staffel, Hans Hütt beschäftigt sich mit der Dokumentation IM LABYRINTH DER MACHT von Stephan Lamby. Lutz Hachmeister hat ein Gespräch mit dem Mitbegründer der bildundtonfabrik Philipp Käßbohrer geführt. Der Rückblick auf das Fernsehjahr 2017 mit zehn Analysen und zehn Bildern stammt wieder von Dietrich Leder und ist stark auf die Politik fokussiert. 46 Einzelkritiken gelten einzelnen Sendungen oder Serien. Auf 28 Seiten sind die drei wichtigsten Fernsehpreise aufgelistet: Der Deutsche Fernsehpreis 2018, die 54. Grimme-Preise 2018 und der 34. Robert Geisendörfer-Preis 2017. Der Serviceteil informiert über das TV-Angebot, Produktionsfirmen und Dienstleister, Institutionen, Aus- und Weiterbildung, Branchentermine, Festivals und Fernsehpreise der kommenden Monate, sowie Zeitungen und Zeitschriften mit Medienredaktionen und Fachpublikationen. Eine abschließende Liste enthält Daten und Fakten zu Kritikerinnen und Kritikern. Mit vielen Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: jahrbuch-fernsehen.de

Zwei Western-Legenden

Zwei neue „Western-Legenden“ bei Koch Media. TREFFPUKT FÜR ZWEI PISTOLEN (1964) von Richard Wilson erzählt die Geschichte des Farmers Matt Weaver, der aus dem Sezessi-onskrieg nach Pecos in New Mexico zurückkehrt und damit konfrontiert wird, dass seine Farm von einem Banker als „Feindeigentum“ versteigert wurde und seine Freundin in-zwischen einen Warenhaus-besitzer geheiratet hat. Er will sich sein Recht erkämpfen, aber die Bürger der Stadt haben den Gunman Jules Gaspard d’Estaing engagiert, um Weaver zu beseitigen. Eine spannende Geschichte mit Showdown und einem für Matt Weaver glücklichen Ende. George Segal spielt Weaver und muss sich am Ende gegen Yul Brynner (d’Estaing) behaupten. Gute Darstellung, raffinierte Erzählweise. Im informativen Booklet porträtiert Fritz Göttler die Darsteller und den Regisseur. Mehr zur DVD: western_legenden_57_dvd/

UM KOPF UND KRAGEN (1957) von Budd Boetticher ist der zweite Film aus dem sieben-teiligen „Ranown-Zyklus“. Der Farmer Pat Brennan (Randolph Scott) gerät zusammen mit einem frisch verheiraten Ehepaar in die Gewalt einer Dreierbande mit dem Boss Frank Usher (Richard Boone). Lösegeldforderungen und wechselnde Personenkon-stellationen sorgen für ständig steigende Spannung. Am Ende sagt Brennan zur inzwischen verwitweten Ehefrau „Es wird noch ein schöner Tag werden.“ Nach einer Story von Elmore Leonhard. Zum Bonusmaterial gehören Audiokommentare der Filmhistorikerin Jeanine Basinger und des Autors Leonhard sowie ein längeres Statement von Martin Scorsese. Fritz Göttler in seinem Booklet-Text: „Die beiden Gegenspieler sind in diesem Film einander so ähnlich wie in keinem anderen Boetticher-Western. Im Spiel von Randolph Scott und Richard Boone scheint diese Verwandtschaft immer wieder auf.“ Mehr zur DVD: western_legenden_58_dvd/

Deutsche Selbstbilder in den Medien

13 Texte über Gesellschafts-entwürfe in Literatur und Film der Gegenwart. In sechs Bei-trägen spielt das Medium Film eine zentrale Rolle. Matthias Herz beschäftigt sich mit Marcus H. Rosenmüllers Film SCHWERE JUNGS („Deutsch-lands Goldmedaille in Weiß-Blau“). Bei Peter Klimczak & Krystyna Jablonska geht es um zeitgenössische Adaption und Reflexion des ‚deutschen Nationalepos’ in Literatur und Film („Das Blut der Nibelun-gen“). Sie schlagen den Bogen von Fritz Lang zu Uli Edel und Sven Unterwaldt, äußern sich aber auch zu Moritz Rinke („Die Nibelungen“, 2002) und Bernd Frenz („Das Blut der Nibelungen“, 2011). Jan-Oliver Decker untersucht die Konzeption des Nationalsozialismus im Gegenwartsfilm der Bundesrepublik („Mein Führer“), zum Beispiel in DER UNTERGANG von Oliver Hirschbiegel, SPEER UND ER von Heinrich Breloer, DRESDEN – DAS INFERNO von Roland Suso Richter, MEIN FÜHRER – DIE WIRKLICH WAHRSTE WAHRHEIT ÜBER HITLER von Dani Levy, JUD SÜSS – FILM OHNE GEWISSEN von Oskar Roehler und UNSERE MÜTTER, UNSERE VÄTER von Philipp Kaldenbach. Dennis Gräf befasst sich mit dem Erzählen von ‚1968’ im deutschen Gegenwartsfilm, u.a. in KOLLE – EIN LEBEN FÜR LIEBE UND SEX von Susanne Zanke, DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI von Hans Weingartner, ELEMENTARTEIL-CHEN von Oskar Roehler, DIE UNERZOGENEN von Pia Marais, DUTSCHKE von Stefan Krohmer und SOMMER IN ORANGE von Marcus H. Rosenmüller. Christer Petersen vergleicht den Roman „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche (2008) mit der Verfilmung von David Wnendt (2013). Steffie Krause informiert über Beziehungs- und Geschlechterkonstrukte im SAT1-Dienstagsfilm („Liebe in anderen Umständen“). Wissenschaftlich fundiert, interessant zu lesen. Mit wenigen Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: selbstbilder-in-den-medien.html