Zur Geschichtlichkeit deutscher Nachkriegsfilme

2015.Filme sind unter unsBernhard Groß, Professor für Filmwissenschaft an der FU Berlin, hat sich intensiv mit der deut-schen Filmproduktion der Jahre 1945 bis 1951 beschäftigt. Rund 150 Trümmer- und Unter-haltungsfilme, Wochen-schauen, Kultur- und Dokumentarfilme aus West und Ost wurden von ihm gesichtet, dazu kamen zahlreiche inter-nationale Referenzfilme. Theoretisch begleitet u.a. von André Bazin, Gilles Deleuze, Thomas Elsaesser, Hans Ulrich Gumbrecht, Siegfried Kracauer, Maurice Merleau-Ponty, Jean-Luc Nancy und Jacques Rancière untersucht der Autor die „Geschichtlichkeit“ der damaligen Filmarbeit. Was erzählen sie über die historischen Erfahrungen einerseits der Autoren und Regisseure, andererseits der Zuschauerinnen und Zuschauer. „Die Filme sind unter uns“ erweist sich als kluger Titel in seiner Assoziation zu Staudtes Film DIE MÖRDER SIND UNTER UNS, der natürlich genau analysiert wird. Ausführlichere Interpretationen gelten außerdem den Filmen IRGENDWO IN BERLIN von Gerhard Lamprecht, EHE IM SCHATTEN von Kurt Maetzig, LIEBE 47 von Wolfgang Liebeneiner, UND ÜBER UNS DER HIMMEL von Josef von Baky, ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN von Harald Braun, MORITURI von Eugen York, DIE SÜNDERIN von Willi Forst und GERMANIA ANNO ZERO von Roberto Rossellini. Der wissenschaftliche Anspruch der Publikation macht die Lektüre zuweilen sehr anstrengend. Aber die Erkenntnisse sind dann doch relativ ergiebig. Die Qualität der zahlreichen kleinen Abbildungen ist akzeptabel. Coverfoto: 1 x 1 DER EHE (1949) von Rudolf Jugert. Band 15 der Reihe „Traversen“.Mehr zum Buch: php?id=163&am=5

Weihnachtsgeschenk 9: Für James Bond-Fans

2015.James Bond

Seit 5. November ist der James Bond-Film SPECTRE in unseren Kinos zu sehen – und mehr als sechs Millionen Besucherinnen und Besucher haben bisher dafür gesorgt, dass er einer der großen Erfolge in diesem Herbst war. Vor drei Jahren, zum 50. Geburtstag der Spionage-Reihe, öffnete der Taschen Verlag erstmals den Blick in die Bond-Archive der Produktionsfirma EON. Paul Duncan, der Herausgeber der großformatigen Archivbücher, hatte wieder für eine wunderbare Mischung von Fotos, Dokumenten und Texten gesorgt. Er führte damals Interviews mit mehr als 100 Schauspielerinnen und Schauspielern, Ausstattern, Kameraleuten, Tricktechnikern, Stuntmen und Regisseuren. Das Buch ist jetzt – mit einem aktuellen Kapitel über SPECTRE – in einer Neuauflage erschienen und wird zum Sonderpreis von 49,90 € verkauft. Zur englischen Originalausgabe gibt es wieder ein Beiheft mit der deutschen Übersetzung aller Texte. Ein schönes Geschenk für Bond-Fans. Mehr zum Buch: spectre_edition.htm

Weihnachtsgeschenk 8: Zwölf Indianerfilme der DEFA

Bild 1Von 1966 bis 1983 entstanden bei der DEFA zwölf „Indianer-filme“. Sie waren eine Reaktion auf die Karl May-Filme der Bundes-republik, wurden in der DDR sehr geliebt und hatten einen Hauptdarsteller, Gojko Mitić, der zu einem Idol wurde. Er spielte in allen zwölf Filmen den heldenhaften Indianer mit so unterschiedlichen Namen wie Tokei-ihto (in DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN), Chingachgook (auch der Filmtitel), „Weitspähender Falke“ (in SPUR DES FALKEN und WEISSE WÖLFE, wo er am Ende erschossen wird), Shave Head (in TÖDLICHER IRRTUM), Osceola und Tecumseh (auch die Filmtitel), Ulzana (in APACHEN und ULZANA), „Harter Felsen“ (in BLUTSBRÜDER), Severino (auch der Filmtitel) und „Weiße Feder“ (Unterhäuptling in DER SCOUT). Die Regisseure der Filme waren Josef Mach, Richard Groschopp, Gottfried Kolditz (3), Konrad Petzold (4), Hans Kratzert, Werner W. Wallroth und Claus Dobberke. Man darf die Filme nicht mit amerikanischen Western vergleichen, schon gar nicht mit solchen von John Ford, aber sie sind zum Teil erstaunlich professionell gedreht und geschnitten, erzählen von den Leiden der Indianer unter der Kolonialisierung und versuchen gelegentlich, die Vision eines friedlichen Zusammenlebens vor Augen zu führen. Die meisten der Indianerfilme sind inzwischen digitalisiert und restauriert worden. Alle zwölf Filme gibt es bei Icestorm als DVD. Für Mitić-Fans wäre natürlich die rustikale Holzbox in limitierter Auflage eine gute Investition (kostet rund 90 €). Aber man kann auch mit einem Film beginnen und dann zum Fan werden. Mehr zu den DVDs: www.icestorm.de/

Weihnachtsgeschenk 7: Für Charlie Chaplin-Fans

2015.Rampenlicht größerLIMELIGHT (1952) war der letzte Film, den Charlie Chaplin in den USA realisiert hat; nach der Londoner Premiere wurde ihm aus politischen Gründen die Rückkehr nach Amerika verweigert. Er lebte ab 1953 in der Schweiz und drehte noch zwei Filme: A KING IN NEW YORK (1957) und A COUNTESS FROM HONG KONG (1967). LIMELIGHT ist ein Melodram, erzählt wird die Geschichte des Komikers Calvero (Chaplin) und der Balletttänzerin Terry (Claire Bloom), die sich umbringen wollte und von Calvero gerettet wird. Am Ende wird Terry als Tänzerin gefeiert und Calvero stirbt hinter der Bühne. Der Film basiert auf Chaplins Erzählung „Footlights“, die nie publiziert, kürzlich in seinem Nachlass gefunden wurde und jetzt, herausgegeben von David Robinson, bei C. Bertelsmann auch in einer deutschen Ausgabe erschienen ist. Das Buch liest sich spannend, weil man relativ viel über den Veränderungsprozess von der Erzählung über das Treatment zum Drehbuch erfährt und Robinson in einem umfangreichen Textteil zusätzliche Informationen über die Produktionshintergründe vermittelt. Auch der historische Background – das Varieté-Milieu in London in den Jahren 1914/15 – wird gut dokumentiert. Zu den Abbildungen gehören Faksimile-Seiten der von Chaplin bearbeiteten Erzählung, Filmfotos und Arbeitsfotos. Für Chaplin-Fans unverzichtbar. Mehr zum Buch: e467278.rhd

Weihnachtsgeschenk 6: Für Kinobesucher + DVD-Sammler

2015.1001 FilmeDas Buch ist gerade in der 11., aktualisierten Neu-ausgabe bei Edition Olms erschienen, es soll inzwischen 1,5 Millionen Exemplare geben, die kurzen Texte stammen von 77 Autorinnen und Autoren und haben ein erstaunlich hohes Niveau. Man muss akzeptieren, dass die Auswahl der Filme sehr USA-orientiert ist, aber zumindest Frankreich und Italien sind gut vertreten. Ich nenne hier die Regisseure mit den meisten Filmen: Alfred Hitchcock (16), Ingmar Bergman und Howard Hawks (beide 10), Stanley Kubrick und Steven Spielberg (beide 9), Luis Buñuel, Jean-Luc Godard, John Ford und William Wyler (je 8). Bei den deutschen Regisseuren ist die Reihenfolge: Fritz Lang (5), Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog, F. W. Murnau (je 4), Wim Wenders (3). Die jüngsten deutschen Filme sind LOLA RENNT (1998), GOODBYE, LENIN (2003), GEGEN DIE WAND und DER UNTERGANG (beide 2004) und DAS LEBEN DER ANDEREN (2006). Was mich ärgert: dass Konrad Wolf und die DEFA fehlen. Was mich freut: dass Abbas Kiarostami und Yasujiro Ozu mit jeweils drei Filmen vertreten sind. Die Abbildungen sind exzellent, die filmografischen Angaben relativ zuverlässig, unter den Autoren findet man Tom Gunning, David Robinson, Jonathan Rosenbaum und Marc Siegel. Ein Geschenk für Freundinnen und Freunde mit internationalem Horizont. Coverfoto: Scarlett Johansson in LUCY. Mehr zum Buch: 1001_filme_11_neuausgabe

Weihnachtsgeschenk 5: Für STAR WARS-Fans

2015.Star Wars kleinHeute hat die Episode VII von STAR WARS in den Kinos Premiere. Im Schüren Verlag ist aus diesem Grund ein kleines Buch für STAR WARS-Fans erschienen, das Michael Scholten und Hans Jahnke herausgegeben haben: „Es war einmal… Mein erstes Mal STAR WARS“. 55 Prominente und Fans – 53 Männer und zwei Frauen – erinnern sich in sehr persönlichen Texten oder antworten auf fünf Fragen: „Wie oft haben Sie den ersten STAR WARS-Film gesehen? Welche Lieblingsfigur haben Sie im STAR WARS-Universum? Wer ist Ihr Lieblingsschauspieler in der gesamten Saga? Welches ist Ihr Lieblingszitat? Die Gewissensfrage: STAR WARS oder STAR TREK?“. Zu den Befragten gehören Regisseure wie Uwe Boll, Dennis Gansel, Michael „Bully“ Herbig, Philipp Stölzl und Christian Zübert, Produzenten wie Christian Becker, Oliver Berben und Martin Moszkowicz, der Moderator Oliver Welke, der Autor Ronald M. Hahn, der Filmwissenschaftler Rolf Giesen und der CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Der Jüngste unter den Befragten ist acht Jahre alt (ein Schüler aus Düsseldorf), der Älteste 76 (Werner Kließ, Filmkritiker, Autor, Produzent, Künstler). Die beiden Frauen, die sich zu STAR WARS äußern, sind Andrea David (Betreiberin der Seite www.filmtourismus.de & 1977 geboren) und Bibo Loebnau (PR-Agentin und Autorin, zuletzt erschien ihr Roman „Schorsch Clooney, die Landluft und ich“). Das STAR WARS-Buch soll 2017 fortgesetzt werden, wenn die Episode VIII ins Kino kommt. Cover-Zeichnung: Jan Meininghaus. Mehr zum Buch: star-wars.html

Weihnachtsgeschenk 4: Für Verehrerinnen von Joan Collins

2015.Joan CollinsSie ist inzwischen 82 Jahre alt, zum fünften Mal verheiratet und lebt in London, Los Angeles, New York und Frankreich. Joan Collins wurde in den 1980er Jahren weltberühmt als Alexis in der amerikanischen Serie THE DENVER CLAN. 1993 erschienen ihre „Intimen Memoiren“, jetzt gibt es bei LangenMüller das Buch „Joan Collins und wie sie die Welt sieht“, gewidmet ihrem Mann Percy Gibson, der gerade 50 geworden ist. Sie schreibt in neun Kapiteln altersweise und abgeklärt über Ruhm, Kinder, Glamour, modernes Reisen, Männer und Manieren, übers Altern, Essen und über Werte. Sie hat in ihrem Leben Höhen und Tiefen erlebt, sie erzählt Erlebnisse aus unterschiedlichen Zeiten, die man lesen kann, wenn man an den Erfahrungen eines Stars interessiert ist. Am Ende zitiert sie aus dem Gedicht „Desiderata“ von Max Ehrmann: „Trotz all der Täuschungen, Plackereien und unerfüllten Träume, ist es eine wunderschöne Welt. Sei frohgemut. Versuche, glücklich zu sein.“ Insofern für Weihnachten gut geeignet. Mehr zum Buch: wie-sie-die-welt-sieht.html

Weihnachtsgeschenk 3: Für Liebhaber von DOWNTON ABBEY

2015.Downton AbbeyDOWNTON ABBEY ist eine beliebte und hoch gerühmte englische Fernsehserie, von der seit 2010 sechs Staffeln produziert wurden. Sie erzählt die Geschichte einer Adelsfamilie und ihres Personals im fiktiven Downton Abbey in der Grafschaft York zwischen 1912 und 1926. Im Edel-Verlag sind bereits die drei Bände „Die Welt von Downton Abbey“, „Die Chroniken von Downton Abbey“ und „Downton Abbey. Hausregeln für die Dienerschaft“ erschienen. Jetzt liegt das Buch „Hinter den Kulissen von Downton Abbey“ vor, verfasst von Emma Rowley, mit einem Vorwort von Regisseur Gareth Neame. Es geht zunächst um die Entstehung der Drehbücher, dann um die Dreharbeiten in Highclere Caste, den Ealing Studios und an anderen Orten, um die Requisiten, die Kostüme, die Arbeit der Maskenbildner, um Ton, Sprache und Körperhaltung, um die Darstellerinnen und Darsteller in der Welt des Adels und der Dienstboten und schließlich um die weltweite Rezeption inklusive der vielen Auszeichnungen. Für die rund 300 Fotos des Bandes ist Nick Briggs verantwortlich. Ein schönes Geschenk für Liebhaber der Serie. Zu Weihnachten wird im Übrigen das Serienfinale ausgestrahlt. Mehr zum Buch: downton-abbey/

Weihnachtsgeschenk 2: Für SHERLOCK-Fans

2015.Sherlock.KleinDie BBC-Serie SHER-LOCK gibt es seit 2010. Sie holt Geschichten des Privatdetektivs Sherlock Holmes von Conan Doyle in die Gegenwart. Es gab bisher drei Staffeln, jede Staffel umfasst drei Folgen, jede Folge dauert 90 Minuten. Eine vierte Staffel soll 2016 realisiert werden. Das Buch „SHERLOCK“ von Steve Tribe blickt hinter die Kulissen der Erfolgsserie; die deutsche Ausgabe ist kürzlich im Knesebeck Verlag erschienen. Elf Kapitel bilden so etwas wie eine Struktur. Zunächst geht es um die Erfindung der Figur durch den Schriftsteller Conan Doyle, ihre Präsenz in Magazinen und Büchern seit 1887, ihre Veränderungen durch Theater und Film, die enge Verbindung zwischen dem Detektiv und seinem Assistenten Dr. John Watson und die Modernisierung in der Fernsehserie. Es folgen Kapitel über die Besetzung der Hauptrollen, die Phase vom ersten Entwurf bis zum Drehbuch, die Einflüsse von Regie und Schnitt, die Besetzung der Nebenrollen, über Hunde, visuelle Effekte, Musik, Make-up und Kostüme, über die Fangemeinde und einzelne Episoden. Eine Auflistung aller Episoden bildet das Schlusskapitel. Immer wieder werden Faksimiles aus dem Drehbuch von entfallenen Szenen reproduziert. Mit mehr als 400 Fotos wirkt das Buch wie ein Bildband. Und natürlich steht dabei der Sherlock-Darsteller Benedict Cumberbatch (Coverfoto) im Mittelpunkt. Also ein Geschenk nicht nur für SHERLOCK-Fans, sondern auch für Cumberbatch-Verehrer/innen. Mehr zum Buch: sherlock/t-1/394

Weihnachtsgeschenk 1: Filmklassiker der Weimarer Republik

2015.DVD.Filmklassiker WeimarVier Filme sind in dieser DVD-Box vereint, die zu den besten gehören, die in den letzten hundert Jahren in Deutschland gedreht wurden. Es handelt sich um restaurierte Fassungen, die Murnau-Stiftung ist als Initiator beteiligt, Universum Film für die Edition verantwortlich. Jeder, der sich für Filmgeschichte interessiert, sollte diese vier Titel kennen und wird sich über die Box freuen. DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920) von Robert Wiene ist ein expressionistischer Klassiker mit Werner Krauß, Conrad Veidt und Lil Dagover in den Hauptrollen. Im Booklet zur DVD erzählt Olaf Brill die Entstehungsgeschichte des Films, informiert Anke Wilkening über die schwierige Restaurierung, berichtet Nina Goslar über die Realisierung der neuen Begleitmusik. Zum Bonusmaterial gehört der 50-Minuten-Film DR. CALIGARI – DIE GEBURT DES HORRORS IM ERSTEN WELTKRIEG von Rüdiger Suchsland. NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS (1921) von Friedrich Wilhelm Murnau ist ein früher Horrorfilm, nach einem Drehbuch von Henrik Galeen, mit Max Schreck, Gustav von Wangenheim und Greta Schroeder. Auch hier enthält das Booklet interessante Texte von Bernd Schöneberg (über die Entstehung des Films und die damalige Rezeption), Ann-Fleur Praetorius (über den Filmarchitekten Albin Grau), Katharina David (über den Darsteller Max Schreck) und Jesko Jockenhövel (über NOSFERATUS Spuren in Film und Literatur). Zum Bonusmaterial gehört ein Film über F. W. Murnau von Luciano Berriatúa. DER BLAUE ENGEL (1930) von Josef von Sternberg ist der Film, der Marlene Dietrich zum Weltstar machte. Die männliche Hauptrolle spielte Emil Jannings, die Musik stammte von Friedrich Holländer. Hier gibt es kein Booklet, aber zum Bonusmaterial gehört ein interessanter Audiokommentar des Marlene Dietrich-Spezialisten Werner Sudendorf. Und: zusätzlich zur deutschen Fassung ist auf einer eigenen DVD die englische Fassung zu sehen. M (1931) von Fritz Lang – die beklemmende Studie eines Psychopathen – gilt als wichtigstes Werk der deutschen Filmgeschichte, mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens und Otto Wernicke in den Hauptrollen. Der Film wurde inzwischen in Bild und Ton restauriert. Eine eigene DVD enthält 360 Minuten Bonusmaterial, darunter ein 44-Minuten-Interview mit Fritz Lang aus dem Jahr 1968. Eine tolle Box, ein schönes Weihnachtsgeschenk. Mehr zur DVD-Box: filmklassiker-weimarer-kino-1920-1931.html