Coen Brothers

2015.Coen BrothersSie sind zur Zeit das kreativste Brüderpaar des internationalen Films. Joel (*1954) und Ethan (*1957) Coen haben seit Mitte der 1980er Jahre in 16 Filmen gemeinsam Regie geführt und in der Regel auch zusammen das Drehbuch geschrieben. Das erste Buch über sie in Deutschland, herausgegeben von Peter Körte und Georg Seeßlen, erschien vor 15 Jahren bei Bertz + Fischer. Jetzt haben Dominik Schmitt und Stephanie Blum eine interessante Aufsatzsammlung bei Königshausen & Neumann ediert: „Sorry, you just got Coened“. Sie basiert auf einer Ringvorlesung, die an der Universität Saarbrücken stattgefunden hat. Beteiligt waren daran „Nachwuchswissenschaftler/ innen“ unterschiedlicher Disziplinen, von denen man interessante Erkenntnisse zur Postmodernität der Filme erwartete. Zu lesen sind jetzt 16 Aufsätze, in denen jeweils ein Coen-Film analysiert und gewürdigt wird. Ich nenne hier sieben Texte, die mir besonders gut gefallen haben, weil sie die Filme für mich nachvollziehbar entschlüsseln: „Anmerkungen zum BARTON FINK-Gefühl“ von Marc Vetter, „FARGO – das Lügenkorsett als ‚mise en abyme’“ von Marc Bonner, „O BROTHER, WHERE ART THOU? Eine ‚vielstrophige Hymne auf das Pandämonium des Südens“ von Helmut Bieg, „INTOLERABLE CRUELTY – Eine postmoderne Screwball Komödie?“ von Claudia Schmitt, „Sinnevokation und Sinnverweigerung in A SERIOUS MAN“ von Stephanie Blum, „Zum postmodernen Verständnis von Gender-Konstruktionen im Film TRUE GRIT“ von Aline Maldener und „Spiegelungs- und Abgrenzungstechniken in INSIDE LLEWYN DAVIS“ von Dominik Schmitt (der mit drei Texten im Band vertreten ist). Da ich die Coen Brothers sehr schätze, habe ich das Buch mit großem Interesse gelesen. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: Kulturwissenschaft–Bd–67-.html

Frauenfiguren im zeitgenössischen Bollywoodfilm

2015.FrauenfigurenEine Dissertation aus Mainz – und Band 70 der Reihe „Filmstudien“, die inzwischen im Nomos Verlag erscheint. Katharina Görgen hat 63 indische Mainstream-Filme der Jahre 2000 bis 2009 untersucht, um herauszu-finden, wie sich die Moralvorstel-lungen verändert haben, die in diesem Land die Lebensrealität der Frauen prägen. Sie befragt die Filme nach dem Stellen-wert von Töchtern, nach der Bewegungsfreiheit der Frauen, nach der Bildungsfreiheit, nach ihrer finanziellen Unabhängigkeit, nach der sexuellen Freiheit, nach der Freiheit, den Partner zu wählen, nach der Möglichkeit, den Partner zu verlassen und nach der Möglichkeit, sich mehrfach zu binden. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die indische Gesellschaft zwar offener geworden ist, aber radikale Veränderungen noch nicht stattgefunden haben. Dieses Ergebnis wird im Text sehr differenziert dargestellt. Ich bin mit dem Bollywoodfilm nicht eng vertraut, aber die Arbeit von Katharina Görgen erscheint mir methodisch und analytisch sehr fundiert, ihre Erkenntnisse sind durch die konkreten Filmbeispiele abgesichert, die Zahl der Quellenverweise hält sich in Grenzen, weil die Autorin ihren Beobachtungen und Bewertungen vertrauen kann. Mit über 300 Seiten eine vergleichsweise umfangreiche Arbeit. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: product=23125

Neues ostasiatisches Kino

2015.Neues ostasiatisches KinoNach „Neuer Deutscher Film“ und „Classical Hollywood“ ist jetzt in der Reihe „Stilepochen des Films“ der Band „Neues ostasiatisches Kino“ erschie-nen, herausgegeben von Ivo Ritzer und Marcus Stiglegger. 41 Filme aus Japan, Hongkong, Taiwan, China, Korea und Thailand werden als „Spotlights auf komplexe Erneuerungs-prozesse“ vorgestellt. Ivo Ritzer beklagt in seinem Vorwort die Diskrepanz zwischen der Anzahl von in Asien produzierten Filmen und ihrer Präsenz auf den Kinoleinwänden in den USA und Europa. „Mit dem vorliegenden Band soll deshalb ein erster Schritt zur Analyse und Theoretisierung des asiatischen Kinos auch von deutschen Film-, Kultur- und Medienwissenschaftlern geleistet werden.“ (Ritzer). Die Texte sind den sechs Ländern zugeordnet, jedem Land ist ein eigenes Vorwort gewidmet. 13 Filme aus Japan, neun aus Hongkong, drei aus Taiwan, acht aus China, sechs aus Korea und drei aus Thailand werden mit einem Einzeltext gewürdigt. Zu den 30 Autorinnen und Autoren gehören Kayo Adachi-Rabe (sie schreibt u.a. über BLISSFULLY YOURS von Apichatpong Weerasethakul), Elisabeth Bronfen (über SONATINE von Takeshi Kitano), Oksana Bulgakowa (u.a. über LIEBE WIE STAUB IM WIND von Hou Hsiao-hsien und ROTE LATERNE von Zhang Yimou), Lukas Foerster (u.a. über VIRGIN STRIPPED BARE BY HER BACHELORS von Hong Sang-soo), Lisa Gotto (über EAT DRINK MAN WOMAN von Ang Lee), Norbert Grob (u.a. über TAIPAI STORY von Edward Young), Jan-Christoph Müller (u.a. über TUYAS HOCHZEIT von Wang Quan’an), Kai Naumann (über DAYS OF BEING WILD von Wong Kar-wai), Andreas Rauscher (über CITY WOLF von John Woo), Ivo Ritzer (u.a. über SÖLDNER KENNEN KEINE GNADE von Tsui Hark), Marcus Stiglegger (u.a. über SEOM – DIE INSEL von Kim Ki-duk) und Bodo Traber (über DIE FRAU IN DEN DÜNEN von Hiroshi Teshigahara). Die Texte sind jeweils kluge Filmeinführungen, wirken sachkundig und bleiben konkret in ihren Interpretationen. Ein sehr lesenswerter Band. Mehr zum Buch: 978-3-15-019316-7

DEFA-Filme vom Mauerbau

2015.DVD.Und deine Liebe auchAm 13. August 1961 begann in Berlin der Bau der Mauer. Aus DDR-Perspektive hieß sie damals „antifaschisti-scher Schutzwall“. Es gibt vier DEFA-Filme, die den Mauerbau unmittelbar thematisieren. Zwei-einhalb davon sind jetzt auf einer DVD in der Edition Filmmuseum verfügbar. Der erste ist …UND DEINE LIEBE AUCH von Frank Vogel. Er erzählt eine Dreiecks-geschichte: wie sich die Briefträgerin Eva (Kati Székely) zwischen dem Elektromonteur Ulli (Armin Mueller-Stahl) und dem Taxifahrer Klaus (Ulrich Thein) entscheiden muss. Ulli ist staatstreu und sichert in der Nacht zum 13. August die Grenze, Klaus arbeitet in West-Berlin und ist ein Hallodri. Natürlich entscheidet sich Eva für Ulli. Formal ist der Film sehr interessant, er wurde ohne festes Drehbuch gedreht, wirkt streckenweise wie ein Dokumentarfilm und hat durch die Kameraführung (Günter Ost) eine große Authentizität. Die Uraufführung fand im September 1962 statt. Der zweite ist SONNTAGSFAHRER von Gerhard Klein. Er erzählt – in satirischer Form – von einer Gruppenreise am 12. August 1961 aus der DDR nach West-Berlin, die durch den Mauerbau verhindert wird. Das Drehbuch stammte von Karl Georg Egel und Wolfgang Kohlhaase. Die Schauspieler (darunter Harald Halgardt, Herwart Grosse, Irene Korb, Gerd Ehlers und Angelica Domröse) unternehmen dabei einen schwierigen Drahtseilakt, um nicht sofort in einen komischen Abgrund zu fallen. Die Premiere des Films fand im August 1963 statt. Von dem Episodenfilms GESCHICHTEN JENER NACHT (1967) ist auf der DVD nur die Hälfte enthalten; es handelt sich um die Episoden MATERNA von Frank Vogel mit Ulrich Thein und Angelika Waller (15 Minuten) und DER GROSSE UND DER KLEINE WILLI von Gerhard Klein mit Erwin Geschonneck und Jaecki Schwarz (32 Minuten, relativ originell); es fehlen die Episoden von Karlheinz Carpentier und Ulrich Thein. Zum Bonusmaterial gehört stattdessen der Dokumentarfilm SCHAUT AUF DIESE STADT (1962) von Karl Gass, der sich aus heutiger Perspektive als kaum zu ertragendes Propagandastück erweist. Hilfreich und informativ ist das Booklet mit einer Chronik von Ralf Schenk („Mauerbau und DEFA-Kino“), einem Interview mit Frank Vogel und dem Drehbuchautor Manfred Freitag und Pressestimmen zu den vier Filmen. – Nicht auf der DVD enthalten ist der Mauerbau-Film DER KINNHAKEN (1962) von Heinz Thiel mit Manfred Krug. Mehr zur DVD: und-deine-Liebe-auch—Sonntagsfahrer.html

Nickolas Muray

2015.MurayEr war einer der großen amerikani-schen Porträt- und Werbe-fotografen. Nickolas Muray (1892-1965) lebte und arbeitete in New York, er fotografierte für die Magazine Vanity Fair, Vogue und Time, bis in die 1930er Jahre waren seine Bilder schwarzweiß, dann wechselte er zur Farbe. Natürlich hat er fast alle großen Hollywood-Stars porträtiert, vor allem die weiblichen: June Allison, Joan Crawford, Marlene Dietrich, Greta Garbo, Lilian Gish, Jean Harlow, Carole Lombard, Mary Pickford, Gloria Swanson, Elizabeth Taylor, Anna May Wong und vor allem: Marilyn Monroe. Aber er hatte auch einen Blick für die anderen Künste, für die Malerei (es gibt eine Bildserie von ihm über Claude Monet in den 20er Jahren und zahlreiche Aufnahmen aus den 30er und 40er Jahren von Frida Kahlo), die Literatur, den Tanz. In Deutschland war Muray bislang wenig bekannt. Im Frühjahr wurde ihm eine große Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg in Halle gewidmet. Den beeindruckenden Katalog hat der Hirmer Verlag publiziert. Im Zentrum stehen über 250 Fotos von den 20er bis in die 60er Jahre, in hervorragender Qualität reproduziert. Vom Kurator Salomon Grimberg stammen ein lesenswerter 50-Seiten Essay über Leben und Werk von Muray, sowie Texte über Murays Begegnung mit Monet, über die Arbeit mit Marilyn Monroe und die Beziehung zu Frida Kahlo. Dokumentiert sind drei interessante Texte von Muray: „Über das Porträt“, „Der Amateurfilmer“ und „Menschen in Farbe fotografieren“. Michael Hager schreibt über den Verfall von Murays Nitratnegativen. Eine tabellarische Biografie des Fotografen schließt den Band ab. Aus meiner Sicht: ein vorbildlicher Katalog. Mehr zum Buch: nickolas_muray-1229/

Werner Sudendorf

2015.SudendorfHeute ist sein letzter Arbeitstag. Werner Sudendorf, Leiter der Abteilung Sammlungen in der Deutschen Kine-mathek, verabschiedet sich in den Ruhestand. Seit Oktober 1981, also seit fast 34 Jahren, ist Werner ein engagierter Mitarbeiter des Hauses. In seiner Amtszeit haben sich die Bestände vervielfacht, sind neue Bereiche entstanden (Dreidimensionale Objekte, Kostüme, Marlene Dietrich-Collection), hat sich die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vergrößert. Vor 15 Jahren, mit der Eröffnung des Filmmuseums am Potsdamer Platz, wurden Teile der Sammlungen auch für die Öffentlichkeit sichtbar. Die Übernahme des Marlene Dietrich-Nachlasses im Oktober 1993 war für Werner ein Höhepunkt in seinem Leben. Die Aufarbeitung fand in einer Außenstelle in Spandau statt, bei der Filmausstellung „Kino – Movie – Cinéma“ im Martin Gropius-Bau 1995 wurden die ersten Objekte gezeigt. In Sonderausstellungen wandert Marlene seither um die ganze Welt. 2001 hat Werner ihr ein von ihm geschriebenes Buch gewidmet, das bei dtv erschienen ist. Er hat – parallel zu seiner Tätigkeit als Leiter der Sammlungen – in den vergangenen Jahrzehnten viel publiziert, zuerst (1975) einen Band mit Materialien zu Sergej M. Eisenstein, dann (1977/78) die zweibändige Begleitpublikation zur Marlene Dietrich-Retrospektive der Berlinale, 1984 ein Heft über den Stummfilmmusiker Edmund Meisel, 2000 (gemeinsam mit Wolfgang Jacobsen) ein großes Buch über den Film METROPOLIS, 2009 einen beeindruckenden Band über den Filmarchitekten Erich Kettelhut und 2013 die sehr lesenswerte Biografie über Horst Buchholz („Verführer und Rebell“). Zu Zeiten von Werner Sudendorf kamen viele neue Nachlässe in die Kinemathek, u.a. die von Fritz Lang, G. W. Pabst, Erich Pommer, Paul Kohner, Hildegard Knef, Heinz Rühmann, Horst Buchholz. Werner war mit seiner filmhistorischen Kompetenz ein Glücksfall für die Kinemathek. Er wird dem Haus verbunden bleiben. Sein Nachfolger ist Peter Mänz, dessen Ausstellungsabteilung mit den Sammlungen fusioniert wird.

Hinter den Bildern die Welt

2015.Hinter den BildernAntje Vollmer (*1943) ist Politikerin und Autorin, sie hat Evangelische Theologie studiert, war zehn Jahre lang Vizepräsi-dentin des Deutschen Bundestages und ist seit dreißig Jahren Mitglied der Partei „Die Grünen“. Hans-Eckardt Wenzel (*1955) ist Musiker, Autor und Regisseur, er hat Kulturwissenschaft und Ästhetik studiert, seine Diskographie enthält mehr als 35 Titel. Er erhielt viele Preise. Antje Vollmer und Hans-Eckhardt Wenzel haben vom Juni 2014 bis Januar 2015 in der Alten Kachelofenfabrik in Neustrelitz gemeinsam das Gesamtwerk von Rainer Werner Fassbinder besichtigt und darüber einen Briefwechsel geführt, der kürzlich im matrosenblau Verlag publiziert wurde. In den Briefen kommentieren die beiden die gesehenen Filme, setzen sie in Bezug zu der Zeit, in der sie entstanden sind, aber auch zu politischen Ereignissen der Gegenwart (Charlie Hebdo), kommentieren sie aus der Perspektive ihrer unterschiedlichen Erfahrungen (Vollmer mit West-Hintergrund, Wenzel mit Ost-Biografie). Weil sich beide auch intensiv mit der Form der Filme auseinandersetzen und weil Fassbinders Werk unendlich viele Fragen stellt, ist die Lektüre des Buches spannend und kurzweilig, wenn man mit den Filmen gut vertraut ist. Die hohe Intelligenz der Briefpartner ist von Beginn an spürbar, sie nehmen ihre Begegnungen und den Erkenntnisaustausch ernst, aber es gibt natürlich auch Momente der Ironie und manchmal auch der Ermüdung. Zwölf Tage, verteilt auf sieben Termine, haben die Vorführungen gedauert. Es hat sich, aus meiner Sicht, gelohnt. Mehr zum Buch: hinter-den-bildern-die-welt/

Unzuverlässiges Erzählen

2015.Unzuverlässig kleinWenn die Handlung eines Films die traditionellen narrativen Gleise verlässt und den Zuschauer damit verunsichert, spricht man von „unzuverlässigem Erzählen“. Dies hat vor allem in Amerika, aber auch in Europa eine lange Tradition. Bernd Leiendecker hat in seiner Dissertation (Universität Bochum) einen Korpus von 200 Filmen aus dem 20. Jahrhundert untersucht und elf Kategorien gebildet: 1. Die retroaktive Traummarkierung (Beispiel: THE WOMAN IN THE WINDOW von Fritz Lang). 2. Der vorgetäuschte Tod (Beispiel: VERTIGO von Alfred Hitchcock). 3. Die retroaktive Markierung von Halluzinationen, Visionen und Tagträumen (REPULSION von Roman Polanski). 4. Die retroaktiv markierte intradiegetische Fiktion (DIE FEUERZANGENBOWLE von Helmut Weiss). 5. Die unzuverlässige Rückblende (DAS CABINET DES DR. CALIGARI von Robert Wiene). 6. Der unbewusste Tod (THE SIXTH SENSE von M. Night Shyamaian). 7. Imaginäre Freunde und gespaltene Persönlichkeiten PSYCHO von Alfred Hitchcock). 8. Die retroaktiv markierte Virtuelle Realität (WELT AM DRAHT von Rainer Werner Fassbinder). 9. Die irreführende Voice-Over-Rahmung (TO BE OR NOT TO BE von Ernst Lubitsch). 10. Zuweisung einer Opferrolle durch unvollständige Exposition (BEYOND A RESONABLE DOUBT von Fritz Lang). 11. Die metaleptische Annullierung (FUNNY GANES von Michael Haneke). Sechs Einzelfilme ließen sich keiner dieser Kategorien zuordnen (darunter sind MILDRED PIERCE von Curtis Bernhardt, IMAGES von Robert Altman und THE SILENCE OF THE LAMBS von Jonathan Demme). Die genannten Filmtitel habe ich als signifikante Beispiele aus dem von Leiendecker zusammengestellten Korpus ausgewählt. Er hat für seine Analysen natürlich die 200 Filme gesichtet. Eine interessante filmhistorische Untersuchung. Mehr zum Buch: what-they-want-to-see.html

DIE FRAU DES POLIZISTEN

2015.DVD.Frau des PolzistenFür diesen Film hat Philip Gröning 2013 in Venedig den Spezialpreis der Jury erhalten. In Deutschland bekam er überwiegend gute Kritiken, aber beim Deutschen Filmpreis wurde er nicht einmal nominiert. Seine Erzählweise ist eigenwillig. Wir sehen die Situation einer dreiköpfigen Familie in der nord-deutschen Provinz. Der Vater ist Polizist, die Mutter versorgt Haushalt und Kind, die vierjährige Tochter könnte eine schöne Zukunft haben. Aber der Vater arbeitet zu viel, hat Nebenjobs, um sein Gehalt aufzubessern, ist eifersüchtig und jähzornig, es kommt zu Gewaltausbrüchen gegenüber der Frau. Die Zerstörung der Familie ist unabwendbar. Der Film dauert fast drei Stunden. Er strukturiert die Geschichte in 59 Kapiteln, die jeweils mit „Anfang“ und „Ende“ gekennzeichnet sind. Er nimmt sich Zeit. Es dominieren die Bilder (Gröning stand auch selbst hinter der Kamera). Gedreht wurde – wie eigentlich immer bei ihm – ohne vorgegebenes Drehbuch mit viel Improvisation der Darsteller. Die Eltern (David Zimmerschied und Alexandra Finder) sind beeindruckend. Es gibt keine Filmmusik, nur Geräusche. Ich hätte dem Film einen größeren Erfolg gewünscht. In der Filmgalerie 451 ist inzwischen die DVD erschienen. Sie enthält als Bonusmaterial „Deleted Scenes“ (8 Minuten), Beobachtungen „Behind the Scenes“ (9 Minuten) und ein Gespräch zwischen Philip Gröning und Karsten Visarius, das im Deutschen Filmmuseum stattgefunden hat (26 Minuten). Mehr zur DVD: die-frau-des-polizisten/

Movies and Music

2015.MoviesEin Buch zum Hören, Lesen und Schauen. Es ist vor allem ein Buch mit einem akustischen Schatz: es enthält acht CDs mit Musikstücken aus 139 Filmen, in chronologischer Folge, beginnend mit dem Jahr 1932 (THE MUSIC BOX von James Parrott, mit Laurel and Hardy, Musikstück: „Dance of the Cuckoos“ von Marvin Hatley), endend mit dem Jahr 2013 (GRAVITY von Alfonso Cuarón, mit Sandra Bullock und George Clooney, Musikstück: „Main Theme“ von Steven Price). Auf der Reise durch die amerikanische Kinogeschichte (mit kleinen Ausflügen nach England) begleiten uns fast alle prominenten Filmkomponisten, es sind zwölf Stücke von John Williams zu hören, neun von Hans Zimmer, fünf von Ennio Morricone, je vier von James Horner (darunter „My Heart Will Go On“ aus TITANIC) und Bernard Herrmann, je drei von Maurice Jarre (darunter natürlich „Lara’s Theme“ aus DOCTOR ZHIVAGO), Elmer Bernstein und Giorgio Moroder. Auch Richard Strauß (mit „Also sprach Zarathustra“ aus 2001) und Richard Wagner (mit dem „Walkürenritt“ aus APOCALYPSE NOW) sind präsent. Das längste Stück ist „Anything Is Possible“ aus THE MATRIX mit 8 Minuten, 8 Sekunden, das kürzeste „Whistle Theme“ aus KILL BILL VOL. I mit 1’, 27’’. Das Buch enthält auf über 200 großformatigen Seiten auch viel Lesestoff: Texte zu allen 139 Filmen in Englisch und Deutsch, Cast und Credits, Angaben zum Budget und den Box Office-Zahlen. Doppelseiten mit schwarzem Untergrund präsentieren Schwarzweiß- und Farb-Abbildungen zu „Kisses in the Movies“, „Cars in the Movies“, „Disney’s Heroes“, „Iconic Actresses“, „Monsters in Movies“, „Spaceships in Movies“, „Architecture in Movies“, „Super Heroes“, „Disney’s Villains“, „Bad Girls in Movies“, „Bad Guys in Movies“ und „Make-Up Transformations“. Das alles ist – der Verlagsname verpflichtet – edel gestaltet. Die Texte stammen von Stefanie Breitbarth und René Valjeur. Für das Konzept ist Jos Bendinelli Negrone verantwortlich. Kompliment! Mehr zum Buch: moviessoundscameraaction/