Audrey Hepburn

2015.Audrey H.2Zurzeit ist in der Londoner National Portrait Gallery die Ausstellung „Audrey Hepburn. Portraits of an Icon“ zu sehen. Marion Löhndorf hat darüber einen sehr kriti-schen, aber lesenswerten Text in der August-Ausgabe von epd Film geschrieben. Der begleitende Katalog ist jetzt in einer deutschen Ausgabe bei Schirmer/Mosel erschienen. Er ist quasi der Ersatz für eine aktuelle Reise nach London. Die Fotos und Dokumente sind hervorragend reproduziert, die Texte rufen die vielen Momente der Bewunderung in den 1950er und 60er Jahren in Erinnerung und informieren auch über Audrey Hepburns soziales Engagement nach dem Abschied aus der Filmwelt. Ihr Sohn Luca Dotti hat ein kurzes Vorwort beigesteuert, von der Kuratorin Helen Trampeter stammt ein würdigender Essay („Der Weg zur modernen Ikone“), vom Co-Kurator Terence Pepper eine informative Lebens-Chronik. Im Mittelpunkt stehen die Abbildungen für die vier Phasen „Kindheit und erste Erfolge in Großbritannien, 1929-1952“, „Bühne und Film in Amerika, 1951-1960“, „Film- und Modeportraits, 1960er Jahre“, „Vermächtnis und spätere Jahre, 1971-1993“. Ein schönes Buch! Audrey Hepburn gehörte natürlich auch zu meinen „Traumfrauen“ der 50er Jahre, denen 2006 meine letzte Retrospektive der Berlinale gewidmet war. Ich habe damals in der SZ einen kurzen Text über sie geschrieben: 2006/02/audrey-hepburn/ . Und DIE GESCHICHTE EINER NONNE von Fred Zinnemann ist für mich noch immer einer ihrer besten Filme. Mehr zum Buch: 75&products_id=777

NATIONAL GALLERY

2015.DVD.National GalleryEr ist inzwischen 85 Jahre alt und dreht unermüdlich dokumentarische Filme, die für mich zum Besten welt-weit gehören, das es in diesem Genre gibt. Frederick Wiseman hat zuletzt den Film NATIONAL GALLERY realisiert, der 2014 in Cannes Premiere hatte, bei uns auch in den Kinos lief und jetzt bei Kool als DVD erschienen ist. Für alle, die an Bildender Kunst interessiert sind und gern ins Museum gehen, ist dies ein Pflichtfilm. Man muss sich für ihn allerdings ein bisschen Zeit nehmen, denn er dauert drei Stunden. Er führt uns in das Londoner Museum am Trafalgar Square, zeigt berühmte Bilder und aufmerksame Besucher, begleitet erfahrene Führerinnen und Führer durch die Räume, erweitert damit unseren Blick auf die Werke von Rubens, Rembrandt, Vermeer, Caravaggio, Turner und Tizian, beobachtet Restauratoren bei der schwierigen Arbeit, verfolgt interne Diskussionen über Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, entfaltet die innere Struktur einer Kultureinrichtung, in der mit großer Verantwortung gearbeitet wird. Es ist, wie alle Filme von Wiseman, eine Entdeckungsreise in eine Welt, die uns normalerweise nicht zugänglich ist, weil wir sie nur aus der Besucherperspektive kennen. Wir sehen ja nicht, mit welcher Sorgfalt ein Bild gehängt, ausgeleuchtet oder gesäubert wird. Zu den großen Momenten des Films gehört die Beobachtung einer Gruppe Sehbehinderter, denen von einer Museumspädagogin mit gestanzten Vorlagen und genauer Beschreibung Camille Pissarros Gemälde „Boulevard Montmarte bei Nacht“ nahe gebracht wird. Eine andere Museumsführerin bildet mit quasi tanzenden Händen die inneren Bewegungen eines Rubens-Gemäldes ab. Man kann in diesem Film unendlich viel entdecken. Einen Off-Kommentar des Filmemachers gibt es nicht. Er beherrscht die Kunst der Montage, er hatte in acht Wochen Drehzeit 170 Stunden Material aufgenommen. Die drei Stunden Film-Zeit vergehen wie im Fluge. Wisemans Film hat mir noch besser gefallen als Johannes Holzmanns Film DAS GROSSE MUSEUM, der uns ins Kunsthistorische Museum in Wien führt und auch sehr zu empfehlen ist. Frederick Wiseman ist einfach nicht zu übertreffen. Mehr zur DVD: nationalgallery.php4

Medienkonkurrenzen um 2000

2015.MedienkonkurrenzenAls Medien konkurrieren in dieser Dissertation (Universität Mannheim) der Roman, das Kino und das Theater. Nadja Urbani untersucht, theoretisch abgesichert (1.897 Quellen-verweise), in drei konkreten Dimensionsbereichen. In der vitaleffektiven Dimension geht es um das Motiv des Ekels und der Ekelprovo-kationen. Die Filmbeispiele sind DAS PARFUM – GESCHICHTE EINES MÖRDERS (2006) von Tom Tykwer, DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER (1991) von Jonathan Demme, DUMPLINGS. DELIKATE VERSUCHUNG (2004) von Fruit Chan, PRECIOUS – DAS LEBEN IST KOSTBAR (2009) von Lee Daniels und TAXIDERMIA – FRISS ODER STIRB (2006) von György Pálfi. In der gesellschaftspolitischen Dimension handelt es sich um die Darstellung der Finanz- und Weltwirtschaftskrise. Filmbeispiele: DAS SCHNELLE GELD – DIE NICK-LEESON-STORY (1999) von James Dearden, DER GROSSE CRASH (2011) von J. C. Chandor, COMPANY MEN (2010) von John Wells, UP IN THE AIR (2009) von Jason Reitman und die beiden WALL STREET-Filme (1987 und 2010) von Oliver Stone. In der mythologischen Dimension werden wir mit Amazonenfiguren konfrontiert. Filmbeispiele: DIE FREMDE IN DIR (2007) von Neil Jordan, KILL BILL 1 + 2 (2003, 2004) von Quentin Tarantino, LARA CROFT 1 + 2 (2001 und 2003) von Simon West bzw. Jan de Bont, SCREAM 1 – 3 (1996, 1997, 2000) von Wes Craven, SUMURU. SCHIFFBRUCH AUF DEM PLANETEN DER FRAUEN (2003) von Darrel J. Roodt und TOTER MANN (2001) von Christian Petzold. Die Analysen sind sehr präzise. Das betrifft auch den Umgang mit den Romanen und Theateraufführungen. 69 Abbildungen in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: medienkonkurrenzen-um-2000

Egon Netenjakob 80

2015.EgonHeute feiern wir in Köln den 80. Geburts-tag unseres Freundes Egon Netenjakob. Ich fühle mich mit ihm vor allem durch drei Publikationen eng verbunden. Es begann mit dem Buch über Klaus Wildenhahn, „Liebe zum Fernsehen“ (1984), das ich redaktionell verantwortet habe. Dann kam das Buch über Wolfgang Staudte (1991), das ich zusammen mit Eva Orbanz herausgegeben habe. Sein Essay „Ein Leben gegen die Zeit“ ist der beste Text über Staudte, den ich kenne. Schließlich folgte noch seine für mich wichtigste Publikation: „Es geht auch anders. Gespräche über Leben, Film und Fernsehen“ (2006), in der seine große Fähigkeit als Interviewpartner zum Tragen kam. 25 Autoren, Regisseure, Redakteure und Produzenten erzählen in diesem Buch über ihre Erfahrungen beim Schreiben, Machen oder Ermöglichen von Filmen. Es ist ein spannender Blick zurück in die deutsche Film- und Fernsehgeschichte. Egon hat noch viele andere Bücher geschrieben oder herausgegeben, über „Das kleine Fernsehspiel“, über Fernsehserien, über Eberhard Fechner, über Fernseh-Dramaturgen und natürlich das wunderbare TV-Filmlexikon, aber daran war ich nicht beteiligt. Egon interessiert sich – als Autor – für die Auswirkungen der Geschichte, speziell der deutschen Geschichte auf Menschen, die seit vielen Jahren Filme oder Fernsehspiele machen, dokumentarisch, aber auch fiktional. Wichtig ist ihm dabei eine politische und ästhetische Haltung. 2003 wurde er mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet. Ich freue mich, dass er heute gesund und aktiv 80 Jahre alt wird. Glückwunsch!

Das Kino und die Perspektive der Migration

2015.V:ErkennungsdiensteDie Autorin dieser Disser-tation (Humboldt-Universität Berlin) wirft einen neuen und sehr eigenständigen Blick vor allem auf deutsche Spielfilme, in denen eine oder mehrere Personen mit Migrations-hintergrund als Protago-nisten eine zentrale Rolle spielen. Ihre fünf Kapitel haben die Titel „Beredtes Schweigen, sichtbares Reden – die V/Erkennungsdienste des deutschen Ausländer-diskurses“, „Hindurchgehen: Den Erzählungen Raum und Zeit geben“, „Un/Sichtbar-keiten“, „Oberflächen und Subkutanes: Blut, Sex, Haut(farbe)“, „Die Perspektive der Migration“. Das Film-/Video-Verzeichnis am Ende des Bandes listet 137 Titel auf. Ich nenne einige Filme, deren Analyse mich besonders beeindruckt hat: SHIRINS HOCHZEIT von Helma Sanders-Brahms, 40 QM DEUTSCHLAND von Tefvik Baser, ANGST ESSEN SEELE AUF von Rainer Werner Fassbinder, HAPPY BIRTHDAY, TÜRKE! von Doris Dörrie, GEGEN DIE WAND von Fatih Akin und vor allem die Trilogie GESCHWISTER, DEALER und DER SCHÖNE TAG von Thomas Arslan. Nanna Heidenreich beobachtet sehr genau Szenenabläufe und Ausdrucksweisen, kann Bilder und Dialoge mit ihren Subtexten lesen und daraus Schlüsse für ihre Thesen ziehen. Sie setzt sich intensiv mit der filmwissenschaftlichen und filmkritischen Rezeption auseinander, die sie immer wieder in Frage stellt. Am Ende wechselt sie noch vom Spielfilm zur Videokunst, wo innovative Formen zu entdecken sind. Ihr Schlussabsatz lautet: „Nimmt man Migration als soziale und politische Bewegung ernst, als eine Bewegung, die das Politische grundsätzlich rekonfiguriert, und begreift man Migration nicht als etwas Abzubildendes, sondern als Ereignis, so eröffnet sich damit auch für die Frage der Relation von Kunst beziehungsweise Kino und politischen Kämpfen eine andere Perspektive. Diese – die Perspektive der Migration – ist bereits im Bilde. Es gilt jedoch, sie wahrzunehmen und ästhetisch und politisch zu aktivieren.“ (S. 322). Viele Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: die-perspektive-der-migration?c=738_

Die besten TV-Serien

2015.TV-Serien klein

 

 

 

 

 

 

Ihr Handlungsort kann ein Polizeirevier sein, ein Krankenhaus, ein Gefängnis, ein Raumschiff, ein College, eine Anwaltskanzlei, ein Bestattungsunternehmen, eine amerikanische Vorstadt, eine Werbeagentur in den 1960er Jahren oder der westliche Flügel des Weißen Hauses. Sie spielen in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der Zukunft. Sie werden im Fachjargon „High Quality TV Series“ genannt, stammen von HBO, AMC oder ABC und sind auch bei anspruchsvollen Zuschauern sehr erfolgreich. Manche sind süchtig nach ihnen. Besonders für die gibt es jetzt im Taschen Verlag ein gewichtiges Buch: „Die besten TV-Serien“, vier Kilo, 744 Seiten im Querformat. Viele Bilder, gute Texte. 68 ausgewählte Serien der letzten 25 Jahre werden vorgestellt, beginnend mit den SIMPSONS (gibt es seit 1989), endend mit TRUE DETECTIVE (seit 2014). 62 stammen aus den USA, zwei aus Großbritannien (eine davon ist natürlich DOWNTON ABBEY), zwei aus Dänemark, und zwei sind internationale Großproduktionen. Der Herausgeber Jürgen Müller hat 29 Autorinnen und Autoren aktiviert, Wissenschaftler und Journalisten, die uns ins Umfeld der jeweiligen Serie einführen, die spezielle Qualität herausarbeiten und (falls man die Serie nicht kennt) einfach neugierig machen. Es sind Texte u.a. von Philipp Bühler, Malte Hagener, Tobias Haupts, Lars Koch, Sabrina Kunert, Andreas Rauscher, Bert Rebhandl, Ivo Ritzer, Simon Rothöhler zu lesen. Die Auswahl wird nicht weiter begründet, natürlich vermisst man zum Beispiel so wunderbare Arzt-Serien wie EMERGENCY ROOM und GREY’S ANATOMY oder auch die deutsche Serie weissensee. Aber ich will nicht nörgeln, sondern bewundere den Herausgeber, der diesen Band auf den Weg gebracht hat. Mehr zum Buch: taschens_auswahl_der_letzten_25_jahre.htm

Satyajit Ray

2015.RayAuf der Berlinale 1964 lief der indische Film MAHANAGAR von Satyajit Ray, der mich damals sehr beeindruckt hat; Ray erhielt einen Silbernen Bären für die beste Regie. 1965 folgte CHARULATA, wieder erhielt Ray den Regie-Bären. 1966 war Ray zum dritten Mal hintereinander in Berlin, diesmal gab es eine „Besondere Anerkennung“ für den Film NAYAK und sein Gesamtwerk. 1973 war schließlich der „Goldene Bär“ fällig für ASHANI SANKET (FERNER DONNER), einen Film über die Hungersnot in einem Dorf im bengalischen Krieg 1942/43. Satyajit Ray gehört seit den 1960er Jahren zu meinen Lieblingsregisseuren. Ihm ist jetzt der Band 39 der „Film-Konzepte“ gewidmet. Die Herausgeberin Susanne Marschall, mit dem indischen Kino bestens vertraut, schreibt über die APU-Trilogie, ein Basiswerk des Regisseurs. Sreenanti Banerjee setzt sich aus feministischer Perspektive mit dem Emanzipationsdrama CHARULATA auseinander. Pradnya Bivalkar porträtiert beispielhaft drei einsame Frauen und ihren Aufbruch zur Eigenständigkeit. Die entsprechenden Filme sind CHARULATA, GHARE BAIRE und MAHANAGAR, die alle nach literarischen Vorlagen entstanden sind. Swati Acharya untersucht die Machtverhältnisse in DIE ABENTEUER VON GUPI UND BAGHA und seinen beiden Fortsetzungsfilmen. Chandrani Chatterjee führt uns durch die Großstadt, konkret: Kalkutta, in Rays Filmen. Jayant Dasgupta interessiert sich für die Darstellung der indischen Geschichte in Rays Filmen. Diese fünf Beiträge stammen von indischen Autorinnen und Autoren, die aber mit der europäischen Kultur eng verbunden sind. Hannah Birr, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Susanne Marschall, entdeckt in ihrem Text die Inspirationen von Ray für Wes Andersons THE DARJEELING LIMITED (2007). Satyajit Ray (1921-1992) hat ein großes Werk hinterlassen, das nicht in Vergessenheit geraten darf. Coverfoto: Madhabi Mukherjee in CHARULATA. Mehr zum Buch: VbdWdRyWFgs

Zweimal Theo Lingen

2015.DVD.Was wird hierZwei Filme, die im Theatermilieu spielen, die Theo Lingen inszeniert hat und in denen er der Hauptdarsteller ist. WAS WIRD HIER GESPIELT? ist eine Kriminalkomödie. Gezeigt wird auf der Bühne das Stück „Doppeltes Spiel“. Wir sehen zunächst Teile der ziemlich missglückten Generalprobe und dann die Premiere, die abgebrochen werden muss, weil der Hauptdarsteller – Theo Lingen – plötzlich verschwunden ist. Ein anwesender Kriminalkommissar (gespielt von Otto Wernicke) hat den Verdacht eines Verbrechens und ermittelt vor den anwesenden Zuschauern auf der Bühne. Die Auflösung (die ich natürlich nicht verrate) ist ziemlich originell. Das Wechselspiel zwischen Theater und Realität führt zu schönen Momenten. Wir sehen viele bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler (Richard Häußler, Fita Benkhoff, Paul Verhoeven, Paul Henckels, Ursula Herking, Paul Kemp, Paul Bildt). Der Film galt lange als verloren. Die technische Qualität der DVD ist (bis auf den Schluss) akzeptabel.

2015.DVD.HerzHERZ MODERN MÖBLIERT ist eine Verwechslungs-komödie. Theo Lingen spielt den Beleuchter Hans am Theater, der sich mit einem Radiogeschäft selbständig machen will. Seine Liebe gilt der Tänzerin Daisy. Die aber träumt von dem attraktiven Tenor Nevada. Außerdem hat sie noch einen reichen Verehrer, den sie Wulliwautschi nennt und der ihr eine Vierzimmer-wohnung schenkt. Damit kommt die Innenarchitektin Lore Klemm ins Spiel, die auch für Hans eine neue Wohnung einrichten soll. Sie begreift die Zusammenhänge. Die Konflikte eskalieren, die Tänzerin Daisy versagt bei einer Tournee, bei den Wohnungseinrichtungen gibt es Verwechslungen, auch für Lore kommt ein angemessener Partner ins Spiel, und am Ende findet ein doppeltes Happyend statt. Neben Theo Lingen als Hans sehen wir Hilde Krahl als Lore, Gusti Huber als Daisy und Gustav Fröhlich als Lores späteren Partner. Manche Szenen sind ein bisschen forciert gespielt, aber für Theo Lingen-Liebhaber ist der Film Pflicht. Kamera: Reimar Kuntze, Musik: Peter Igelhoff. Die beiden DVDs sind kürzlich bei „Filmjuwelen“ erschienen. Von Friedemann Beyer stammen die informativen Booklets.

Von Ödipus zu Eichmann

2015.ÖdipusDie Tagung, auf die sich diese Publikation bezieht, fand im Sommer 2010 in Graz statt. Allerdings sind noch Beiträge hinzuge-kommen, die damals nicht vorgetragen wurden. Es geht um eine existentielle Grundfrage menschlicher Gesellschaften: die strukturellen und kulturellen Entstehungs-bedingungen von Gewalt. 24 Texte sind zu bewältigen. In einigen spielt der Film keine oder nur eine untergeordnete Rolle, die lasse ich hier außer Betracht. Sehr präsent sind Pier Paolo Pasolini (mit seinem letzten Interview, retrospektiven Notizen zu seinem Werk und zwei Kommentaren zu seinem Film EDIPO RE) und Michael Haneke (mit einem Interview, einem umfänglichen Essay von Margarete Wach zu den audiovisuellen Strategien in seinen Filmen und vier Beiträgen zu DAS WEISSE BAND). Zweimal werden Filme von Robert Bresson und Jean-Luc Godard untersucht. Besonders gut gefallen haben mir Reinhold Zwicks Bemerkungen zu AU HASARD BALTHASAR von Bresson, Andrea Kreisls Beobachtungen zu den Verschränkungen von Männergewalt und Frauengewalt in Tarantinos KILL BILL und Peter Hasenbergs Analyse der mimetischen Rivalitäten in Shakespeares „Macbeth“ und den Verfilmungen von Orson Welles, Akira Kurosawa und Roman Polanski. Band 22 der Reihe „Film und Theologie“, herausgegeben von Dietmar Regensburger und Christian Wessely. Mehr zum Buch: von-oedipus-zu-eichmann.html

DER WEISSE HAI revisited

2015.Der weisse HaiVor 40 Jahren, im Sommer 1975, hatte der Film JAWS (deutsch: DER WEISSE HAI) in den USA Premiere. Es war der zweite Kinofilm des damals 28jährigen Steven Spielberg, die Produk-tionskosten sollen rund acht Millionen Dollar betragen haben, eingespielt hat er 470 Millionen. Ein Blockbuster. Wieland Schwanebeck hat jetzt bei Bertz + Fischer ein Buch herausgegeben, in dem die vielfältige Bedeutung des Films in 21 Textbeiträgen untersucht wird. Die sieben Hauptkapitel heißen „Die Filmmaschinerie“, „(Film-)Geschichtliche Kontexte“, „Gattungsfragen“, „Räumliche Aspekte“, „Tiefenblicke“, „Das Tier und wir“ und „Nachwirkungen“. Ich nenne – auch wenn das eigentlich ungerecht ist, weil die meisten Beiträge sehr interessant sind – einige Texte, die mich besonders beeindruckt haben: die Einführung des Herausgebers, die Überlegungen von Felix Lempp zu Making-ofs und ihren Erzählstrategien, die Annäherung von Michael Hiemke an die Filmmusik von John Williams (mit dem Schulexperiment einer Neuvertonung der Schlüsselszene), die Spurensuche von Schwanebeck nach den Verbindungen zwischen Alfred Hitchcock und dem WEISSEN HAI, die Verortung von JAWS im Tierhorrorfilm von Marcus Stiglegger und im Katastrophenfilm von Michael Flintropp, die Anmerkungen von Stefan Jung zu Spielbergs Erzählgeographie („Suburbia vs. Exurbia“), die psychoanalytische Lesart mit dem Blick auf spezifisch amerikanische Traumata von Elisabeth Bronfen, die Rekonstruktion der Hai-Mensch-Beziehung von Tabea Weber, die Beschreibung der Fortsetzungen von JAWS von Kathleen Loock. Eine interessante Publikation. Viele Abbildungen in hoher Qualität. Mehr zum Buch: weissehai.html