André Bazin on French Cinema

2015.Bazin„Was ist Kino?“, hat André Bazin (1918-1958) immer wieder gefragt, und viele seiner Texte sind in den 1960er und 70er Jahren auch in deutscher Sprache erschienen. Bazin war Mitbegründer der Cahiers du cinéma, schrieb für Le Parisien libéré und L’Esprit, er starb im Alter von vierzig Jahren. Im Logos Verlag ist jetzt ein Band mit Texten von Bazin über das französische Kino in englischer Sprache erschienen, herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Bert Cardullo. Die Texte sind nach Regisseuren geordnet, zuerst kommt die ältere Generation (Claude Autant-Larat, Jacques Becker, Marcel Carné, André Cayatte, René Clair, René Clement, Henri-Georges Clouzot, Jean Cocteau, Roger Leenhardt, Georges Rouquier, Jean Renoir, Marcel Pagnol, Jacques Tati), dann folgt „The New French Cinema“ (Alexandre Astruc, Georges Franju, Chris Marker, Alain Resnais, Jean Rouch, Agnès Varda, François Truffaut). Ehe sich die Nouvelle Vague dann richtig zeigen konnte, war Bazin tot. Wenn man einige Texte liest, ist man darüber traurig. Der Band ist sorgfältig ediert, nur die Abbildungen sind grenzwertig in der Qualität. Mehr zum Buch: /buch/isbn/3897

Coen Brothers

2015.Coen BrothersSie sind zur Zeit das kreativste Brüderpaar des internationalen Films. Joel (*1954) und Ethan (*1957) Coen haben seit Mitte der 1980er Jahre in 16 Filmen gemeinsam Regie geführt und in der Regel auch zusammen das Drehbuch geschrieben. Das erste Buch über sie in Deutschland, herausgegeben von Peter Körte und Georg Seeßlen, erschien vor 15 Jahren bei Bertz + Fischer. Jetzt haben Dominik Schmitt und Stephanie Blum eine interessante Aufsatzsammlung bei Königshausen & Neumann ediert: „Sorry, you just got Coened“. Sie basiert auf einer Ringvorlesung, die an der Universität Saarbrücken stattgefunden hat. Beteiligt waren daran „Nachwuchswissenschaftler/ innen“ unterschiedlicher Disziplinen, von denen man interessante Erkenntnisse zur Postmodernität der Filme erwartete. Zu lesen sind jetzt 16 Aufsätze, in denen jeweils ein Coen-Film analysiert und gewürdigt wird. Ich nenne hier sieben Texte, die mir besonders gut gefallen haben, weil sie die Filme für mich nachvollziehbar entschlüsseln: „Anmerkungen zum BARTON FINK-Gefühl“ von Marc Vetter, „FARGO – das Lügenkorsett als ‚mise en abyme’“ von Marc Bonner, „O BROTHER, WHERE ART THOU? Eine ‚vielstrophige Hymne auf das Pandämonium des Südens“ von Helmut Bieg, „INTOLERABLE CRUELTY – Eine postmoderne Screwball Komödie?“ von Claudia Schmitt, „Sinnevokation und Sinnverweigerung in A SERIOUS MAN“ von Stephanie Blum, „Zum postmodernen Verständnis von Gender-Konstruktionen im Film TRUE GRIT“ von Aline Maldener und „Spiegelungs- und Abgrenzungstechniken in INSIDE LLEWYN DAVIS“ von Dominik Schmitt (der mit drei Texten im Band vertreten ist). Da ich die Coen Brothers sehr schätze, habe ich das Buch mit großem Interesse gelesen. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: Kulturwissenschaft–Bd–67-.html

Frauenfiguren im zeitgenössischen Bollywoodfilm

2015.FrauenfigurenEine Dissertation aus Mainz – und Band 70 der Reihe „Filmstudien“, die inzwischen im Nomos Verlag erscheint. Katharina Görgen hat 63 indische Mainstream-Filme der Jahre 2000 bis 2009 untersucht, um herauszu-finden, wie sich die Moralvorstel-lungen verändert haben, die in diesem Land die Lebensrealität der Frauen prägen. Sie befragt die Filme nach dem Stellen-wert von Töchtern, nach der Bewegungsfreiheit der Frauen, nach der Bildungsfreiheit, nach ihrer finanziellen Unabhängigkeit, nach der sexuellen Freiheit, nach der Freiheit, den Partner zu wählen, nach der Möglichkeit, den Partner zu verlassen und nach der Möglichkeit, sich mehrfach zu binden. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die indische Gesellschaft zwar offener geworden ist, aber radikale Veränderungen noch nicht stattgefunden haben. Dieses Ergebnis wird im Text sehr differenziert dargestellt. Ich bin mit dem Bollywoodfilm nicht eng vertraut, aber die Arbeit von Katharina Görgen erscheint mir methodisch und analytisch sehr fundiert, ihre Erkenntnisse sind durch die konkreten Filmbeispiele abgesichert, die Zahl der Quellenverweise hält sich in Grenzen, weil die Autorin ihren Beobachtungen und Bewertungen vertrauen kann. Mit über 300 Seiten eine vergleichsweise umfangreiche Arbeit. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: product=23125

Ken Adam-Ausstellung in München

2015.Ken AdamGestern wurde im Kunstfoyer der Versiche-rungskammer Bayern in der Maximilian-straße die Ken Adam-Aus-stellung „Bigger Than Life“ eröffnet, die zuvor im Museum für Film und Fernsehen in Berlin zu sehen war. Natürlich hat sich mit der anderen Ausstellungsfläche in München der visuelle Eindruck der Ausstellung verändert. Der legendäre „War Room“ hat auch in München eine dominante Position. Sehr gelungen sind – wie schon in Berlin – die Raumvisionen zu den Themen „Villen und Apartments“, „Verliese und Labore“, „Machtzentren und Versamm-lungsräume“, „Tempel und Kathedralen“, „Wasser und Luft“. Es gibt überzeugende Medien-Installationen und am Ende den biografischen Raum „Berlin und London“ und den in die Zukunft weisenden Bereich „Inspiration und Wirkung“. Ken Adam war auch bei der Eröffnung in München anwesend. Rainer Rother, Peter Mänz und Boris Hars-Tschachotin haben die Brücke von Berlin nach München geschlagen. Die Ausstellung wird bis zum 13. September gezeigt. Mehr zur Ausstellung: bigger-than-life-ken-adams-film-design/

Neues ostasiatisches Kino

2015.Neues ostasiatisches KinoNach „Neuer Deutscher Film“ und „Classical Hollywood“ ist jetzt in der Reihe „Stilepochen des Films“ der Band „Neues ostasiatisches Kino“ erschie-nen, herausgegeben von Ivo Ritzer und Marcus Stiglegger. 41 Filme aus Japan, Hongkong, Taiwan, China, Korea und Thailand werden als „Spotlights auf komplexe Erneuerungs-prozesse“ vorgestellt. Ivo Ritzer beklagt in seinem Vorwort die Diskrepanz zwischen der Anzahl von in Asien produzierten Filmen und ihrer Präsenz auf den Kinoleinwänden in den USA und Europa. „Mit dem vorliegenden Band soll deshalb ein erster Schritt zur Analyse und Theoretisierung des asiatischen Kinos auch von deutschen Film-, Kultur- und Medienwissenschaftlern geleistet werden.“ (Ritzer). Die Texte sind den sechs Ländern zugeordnet, jedem Land ist ein eigenes Vorwort gewidmet. 13 Filme aus Japan, neun aus Hongkong, drei aus Taiwan, acht aus China, sechs aus Korea und drei aus Thailand werden mit einem Einzeltext gewürdigt. Zu den 30 Autorinnen und Autoren gehören Kayo Adachi-Rabe (sie schreibt u.a. über BLISSFULLY YOURS von Apichatpong Weerasethakul), Elisabeth Bronfen (über SONATINE von Takeshi Kitano), Oksana Bulgakowa (u.a. über LIEBE WIE STAUB IM WIND von Hou Hsiao-hsien und ROTE LATERNE von Zhang Yimou), Lukas Foerster (u.a. über VIRGIN STRIPPED BARE BY HER BACHELORS von Hong Sang-soo), Lisa Gotto (über EAT DRINK MAN WOMAN von Ang Lee), Norbert Grob (u.a. über TAIPAI STORY von Edward Young), Jan-Christoph Müller (u.a. über TUYAS HOCHZEIT von Wang Quan’an), Kai Naumann (über DAYS OF BEING WILD von Wong Kar-wai), Andreas Rauscher (über CITY WOLF von John Woo), Ivo Ritzer (u.a. über SÖLDNER KENNEN KEINE GNADE von Tsui Hark), Marcus Stiglegger (u.a. über SEOM – DIE INSEL von Kim Ki-duk) und Bodo Traber (über DIE FRAU IN DEN DÜNEN von Hiroshi Teshigahara). Die Texte sind jeweils kluge Filmeinführungen, wirken sachkundig und bleiben konkret in ihren Interpretationen. Ein sehr lesenswerter Band. Mehr zum Buch: 978-3-15-019316-7

DEFA-Filme vom Mauerbau

2015.DVD.Und deine Liebe auchAm 13. August 1961 begann in Berlin der Bau der Mauer. Aus DDR-Perspektive hieß sie damals „antifaschisti-scher Schutzwall“. Es gibt vier DEFA-Filme, die den Mauerbau unmittelbar thematisieren. Zwei-einhalb davon sind jetzt auf einer DVD in der Edition Filmmuseum verfügbar. Der erste ist …UND DEINE LIEBE AUCH von Frank Vogel. Er erzählt eine Dreiecks-geschichte: wie sich die Briefträgerin Eva (Kati Székely) zwischen dem Elektromonteur Ulli (Armin Mueller-Stahl) und dem Taxifahrer Klaus (Ulrich Thein) entscheiden muss. Ulli ist staatstreu und sichert in der Nacht zum 13. August die Grenze, Klaus arbeitet in West-Berlin und ist ein Hallodri. Natürlich entscheidet sich Eva für Ulli. Formal ist der Film sehr interessant, er wurde ohne festes Drehbuch gedreht, wirkt streckenweise wie ein Dokumentarfilm und hat durch die Kameraführung (Günter Ost) eine große Authentizität. Die Uraufführung fand im September 1962 statt. Der zweite ist SONNTAGSFAHRER von Gerhard Klein. Er erzählt – in satirischer Form – von einer Gruppenreise am 12. August 1961 aus der DDR nach West-Berlin, die durch den Mauerbau verhindert wird. Das Drehbuch stammte von Karl Georg Egel und Wolfgang Kohlhaase. Die Schauspieler (darunter Harald Halgardt, Herwart Grosse, Irene Korb, Gerd Ehlers und Angelica Domröse) unternehmen dabei einen schwierigen Drahtseilakt, um nicht sofort in einen komischen Abgrund zu fallen. Die Premiere des Films fand im August 1963 statt. Von dem Episodenfilms GESCHICHTEN JENER NACHT (1967) ist auf der DVD nur die Hälfte enthalten; es handelt sich um die Episoden MATERNA von Frank Vogel mit Ulrich Thein und Angelika Waller (15 Minuten) und DER GROSSE UND DER KLEINE WILLI von Gerhard Klein mit Erwin Geschonneck und Jaecki Schwarz (32 Minuten, relativ originell); es fehlen die Episoden von Karlheinz Carpentier und Ulrich Thein. Zum Bonusmaterial gehört stattdessen der Dokumentarfilm SCHAUT AUF DIESE STADT (1962) von Karl Gass, der sich aus heutiger Perspektive als kaum zu ertragendes Propagandastück erweist. Hilfreich und informativ ist das Booklet mit einer Chronik von Ralf Schenk („Mauerbau und DEFA-Kino“), einem Interview mit Frank Vogel und dem Drehbuchautor Manfred Freitag und Pressestimmen zu den vier Filmen. – Nicht auf der DVD enthalten ist der Mauerbau-Film DER KINNHAKEN (1962) von Heinz Thiel mit Manfred Krug. Mehr zur DVD: und-deine-Liebe-auch—Sonntagsfahrer.html

Nickolas Muray

2015.MurayEr war einer der großen amerikani-schen Porträt- und Werbe-fotografen. Nickolas Muray (1892-1965) lebte und arbeitete in New York, er fotografierte für die Magazine Vanity Fair, Vogue und Time, bis in die 1930er Jahre waren seine Bilder schwarzweiß, dann wechselte er zur Farbe. Natürlich hat er fast alle großen Hollywood-Stars porträtiert, vor allem die weiblichen: June Allison, Joan Crawford, Marlene Dietrich, Greta Garbo, Lilian Gish, Jean Harlow, Carole Lombard, Mary Pickford, Gloria Swanson, Elizabeth Taylor, Anna May Wong und vor allem: Marilyn Monroe. Aber er hatte auch einen Blick für die anderen Künste, für die Malerei (es gibt eine Bildserie von ihm über Claude Monet in den 20er Jahren und zahlreiche Aufnahmen aus den 30er und 40er Jahren von Frida Kahlo), die Literatur, den Tanz. In Deutschland war Muray bislang wenig bekannt. Im Frühjahr wurde ihm eine große Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg in Halle gewidmet. Den beeindruckenden Katalog hat der Hirmer Verlag publiziert. Im Zentrum stehen über 250 Fotos von den 20er bis in die 60er Jahre, in hervorragender Qualität reproduziert. Vom Kurator Salomon Grimberg stammen ein lesenswerter 50-Seiten Essay über Leben und Werk von Muray, sowie Texte über Murays Begegnung mit Monet, über die Arbeit mit Marilyn Monroe und die Beziehung zu Frida Kahlo. Dokumentiert sind drei interessante Texte von Muray: „Über das Porträt“, „Der Amateurfilmer“ und „Menschen in Farbe fotografieren“. Michael Hager schreibt über den Verfall von Murays Nitratnegativen. Eine tabellarische Biografie des Fotografen schließt den Band ab. Aus meiner Sicht: ein vorbildlicher Katalog. Mehr zum Buch: nickolas_muray-1229/

Werner Sudendorf

2015.SudendorfHeute ist sein letzter Arbeitstag. Werner Sudendorf, Leiter der Abteilung Sammlungen in der Deutschen Kine-mathek, verabschiedet sich in den Ruhestand. Seit Oktober 1981, also seit fast 34 Jahren, ist Werner ein engagierter Mitarbeiter des Hauses. In seiner Amtszeit haben sich die Bestände vervielfacht, sind neue Bereiche entstanden (Dreidimensionale Objekte, Kostüme, Marlene Dietrich-Collection), hat sich die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vergrößert. Vor 15 Jahren, mit der Eröffnung des Filmmuseums am Potsdamer Platz, wurden Teile der Sammlungen auch für die Öffentlichkeit sichtbar. Die Übernahme des Marlene Dietrich-Nachlasses im Oktober 1993 war für Werner ein Höhepunkt in seinem Leben. Die Aufarbeitung fand in einer Außenstelle in Spandau statt, bei der Filmausstellung „Kino – Movie – Cinéma“ im Martin Gropius-Bau 1995 wurden die ersten Objekte gezeigt. In Sonderausstellungen wandert Marlene seither um die ganze Welt. 2001 hat Werner ihr ein von ihm geschriebenes Buch gewidmet, das bei dtv erschienen ist. Er hat – parallel zu seiner Tätigkeit als Leiter der Sammlungen – in den vergangenen Jahrzehnten viel publiziert, zuerst (1975) einen Band mit Materialien zu Sergej M. Eisenstein, dann (1977/78) die zweibändige Begleitpublikation zur Marlene Dietrich-Retrospektive der Berlinale, 1984 ein Heft über den Stummfilmmusiker Edmund Meisel, 2000 (gemeinsam mit Wolfgang Jacobsen) ein großes Buch über den Film METROPOLIS, 2009 einen beeindruckenden Band über den Filmarchitekten Erich Kettelhut und 2013 die sehr lesenswerte Biografie über Horst Buchholz („Verführer und Rebell“). Zu Zeiten von Werner Sudendorf kamen viele neue Nachlässe in die Kinemathek, u.a. die von Fritz Lang, G. W. Pabst, Erich Pommer, Paul Kohner, Hildegard Knef, Heinz Rühmann, Horst Buchholz. Werner war mit seiner filmhistorischen Kompetenz ein Glücksfall für die Kinemathek. Er wird dem Haus verbunden bleiben. Sein Nachfolger ist Peter Mänz, dessen Ausstellungsabteilung mit den Sammlungen fusioniert wird.

Münchner Filmfest

2015.FilmfestHeute wird das 33. Münchner Filmfest eröff-net. In neun Programm-reihen werden rund 200 Filme gezeigt. „Cinemasters“ heißt der Wettbewerb um den besten internationalen Film; zu gewinnen ist der ARRI / Osram Award. Zwölf Filme sind hier zu sehen, darunter ARABIAN NIGHTS von Miguel Gomes, PASOLINI von Abel Ferrara, ASTRAGAL von Brigitte Sy und LOUDER THAN BOMBS von Joachim Trier. „Cinevision“ nennt sich der Wettbewerb um den besten internationalen Nachwuchsfilm; elf Filme bewerben sich. „Spotlight“ nennt sich eine Reihe, in der nicht konkurriert wird; gezeigt werden 53 Filme „mit Stars vor und hinter der Kamera“. Eine große Tradition hat in München die Reihe „International Independents“; hier stehen 43 Filme auf dem Programm. „Neues Deutsches Kino“ präsentiert 18 Premieren, darunter sind neue Produktionen von Dietrich Brüggemann, Lutz Dammbeck, Axel Ranisch und Marie Wilke; es gibt Förderpreise für Schauspiel, Regie, Drehbuch und Produktion. In der Reihe „Neues Deutsches Fernsehen“ sind 18 Filme zu sehen, die sich um den „Bernd Burgemeister Fernsehpreis“ bewerben. Außerdem gibt es natürlich ein „Kinderfilmfest“, verschiedene Hommagen (zum Beispiel für Andy Warhol, Alexander Payne – ihm ist eine große Retrospektive gewidmet – , Joe Hembus sowie Jean-Jacques Annaud und Rupert Everett, die den CineMerit Award erhalten) und Special Screenings. Die Kinos sind über die Stadt verteilt: der Carl-Orff-Saal im Gasteig, das ARRI, das Filmmuseum, drei Säle im „City“, drei in der HFF, vier in der Münchner Freiheit, das Rio I und II und das Filmtheater am Sendlinger Tor. Da ist es gar nicht so einfach, alle Wunschfilme zu sehen. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren fahren wir wieder zum Filmfest. Eröffnet wird heute Abend im Mathäser mit dem Film DEN MENSCHEN SO FERN von David Oelhoffen mit Viggo Mortensen und Reda Kateb. Mehr zum Programm: programm/filme/?cat=1#titel

Hinter den Bildern die Welt

2015.Hinter den BildernAntje Vollmer (*1943) ist Politikerin und Autorin, sie hat Evangelische Theologie studiert, war zehn Jahre lang Vizepräsi-dentin des Deutschen Bundestages und ist seit dreißig Jahren Mitglied der Partei „Die Grünen“. Hans-Eckardt Wenzel (*1955) ist Musiker, Autor und Regisseur, er hat Kulturwissenschaft und Ästhetik studiert, seine Diskographie enthält mehr als 35 Titel. Er erhielt viele Preise. Antje Vollmer und Hans-Eckhardt Wenzel haben vom Juni 2014 bis Januar 2015 in der Alten Kachelofenfabrik in Neustrelitz gemeinsam das Gesamtwerk von Rainer Werner Fassbinder besichtigt und darüber einen Briefwechsel geführt, der kürzlich im matrosenblau Verlag publiziert wurde. In den Briefen kommentieren die beiden die gesehenen Filme, setzen sie in Bezug zu der Zeit, in der sie entstanden sind, aber auch zu politischen Ereignissen der Gegenwart (Charlie Hebdo), kommentieren sie aus der Perspektive ihrer unterschiedlichen Erfahrungen (Vollmer mit West-Hintergrund, Wenzel mit Ost-Biografie). Weil sich beide auch intensiv mit der Form der Filme auseinandersetzen und weil Fassbinders Werk unendlich viele Fragen stellt, ist die Lektüre des Buches spannend und kurzweilig, wenn man mit den Filmen gut vertraut ist. Die hohe Intelligenz der Briefpartner ist von Beginn an spürbar, sie nehmen ihre Begegnungen und den Erkenntnisaustausch ernst, aber es gibt natürlich auch Momente der Ironie und manchmal auch der Ermüdung. Zwölf Tage, verteilt auf sieben Termine, haben die Vorführungen gedauert. Es hat sich, aus meiner Sicht, gelohnt. Mehr zum Buch: hinter-den-bildern-die-welt/