TÄTOWIERUNG (1967)

2015.DVD.TätowierungVier Kinofilme hat Johannes Schaaf (*1933) gedreht, TÄTOWIERUNG (1967) war der erste und ist für mich sein interessantester. Gezeigt wird ein Generationskonflikt. Das Ehepaar Lohmann (gespielt von Alexander May und Rosemarie Fendel) betreibt eine Mosaikfabrik in Westberlin, ganz in der Nähe der Mauer. Zur Familie gehört bereits die 16jährige Adoptivtochter Gaby (Helga Anders), neu hinzu kommt der gleichaltrige Benno (Christof Wackernagel), der bisher in einem Jugendhof gelebt hat, gern opponiert und in seinem Dasein wenig Sinn sieht. Lohmanns schenken ihm ein Moped, ermöglichen ihm eine Lehre als Koch, demonstrieren ein harmonisches Zusammenleben, akzeptieren eine Liebesnacht von Gaby und Benno. Aber der Junge kündigt seinen Küchenjob, tut sich mit einem Kleinganoven zusammen, ist von den Vorträgen seines Stiefvaters genervt, will am liebsten auf den Jugendhof zurück. Für Gaby war die kurze Beziehung zu Benno nur ein One-Night-Stand. Ein Sonntagsspaziergang wird zum überraschenden Showdown. Gaby fährt mit einem jungen Mann davon, Lohmann rezitiert klassische Gedichte, Benno erschießt ihn mit einer gestohlenen Pistole und flüchtet. Er wird in einer leeren Schwimmhalle von der Polizei festgenommen. Johannes Schaaf und sein Kameramann Wolf Wirth erzählen das lakonisch, aus wechselnden Perspektiven, ohne Diffamierung einer Hauptfigur. Die zunächst eher blassen Farben verstärken sich. Einen großen Anteil an der Wirkung des Films hat sicherlich die Schnittmeisterin Dagmar Hirtz. Bei den „Filmjuwelen“ ist jetzt eine DVD erschienen. Mit einem Booklet von Friedemann Beyer. Mehr zur DVD: 91&keywords=%22filmjuwelen%22

Brigitte Desalm

2015.Desalm größerÜber zwanzig Jahre hat sie das Film-Ressort beim Kölner Stadt-Anzeiger geleitet. Ihre Kritiken, Kommentare und Porträts waren klug, sensibel und offen für neue, positive Entwicklungen. Sie liebte das Kino. Als Brigitte Desalm am 12. Dezember 2002 starb, war ich – wie all ihre Freundinnen und Freunde – sehr traurig. Ihren Blick, ihre Stimme, ihr Engagement für den Film habe ich seither nie vergessen. In der Reihe „Film & Schrift“ ist jetzt ein Band mit 108 Texten aus dem Stadt-Anzeiger und aus der Zeitschrift Steadycam erschienen, die uns noch einmal ihren großen Denkhorizont, ihre differenzierte Wahrnehmung und ihr beeindruckendes Formulierungsvermögen vor Augen führen. Die Auswahl der Texte stammt von zwei vertrauten Freunden von Brigitte: von Thomas Koebner und seinem Sohn Sascha. Ihnen sind auch die beiden Einleitungstexte zu verdanken: „Zur Erinnerung an Brigitte Desalm“ von Thomas Koebner und „Mit Brigitte Desalm im Kino“ von Sascha Koebner. Drei Filmkritiken haben mir beim Wiederlesen besonders gut gefallen: über E.T. von Steven Spielberg („Freund vom andern Stern“), über PULP FICTION von Quentin Tarantino („Ein Zombie des Kinos“) und über LOLA RENNT von Tom Tykwer („Wettlauf mit der Zeit“) – aber ich könnte natürlich noch viele andere nennen. Drei Porträts haben mich noch einmal besonders beeindruckt: ihr Text zum 100. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Stadt-Anzeiger („Mit Licht und Bewegung malen“), zum 100. Geburtstag von Fritz Lang, ebenfalls aus dem Stadt-Anzeiger („Lust an den sprechenden Bildern“) und ihr Porträt von Michelangelo Antonioni in Steadycam („Verführerische Unschärfe“). Ich freue mich sehr, dass dieses Buch erscheinen konnte. Mehr zum Buch: VeGWCxyWFgs

Warum Hitler King Kong liebte…

2015.Hitler King KongAdolf Hitler war bekanntlich süchtig nach Filmen. Meist am späten Abend, manchmal auch am frühen Morgen ließ er sich in der Reichkanzlei in Berlin, auf dem „Berg-hof“ bei Berchtesgaden oder im „Braunen Haus“ in München Filme vorführen. Leinwände und Projektoren waren hinter Gobelins instal-liert, Gäste und Bedienstete wurden eingeladen. Volker Koop, Autor zahlreicher Bücher über Protagonisten des Nationalsozialismus, hat jetzt im be.bra verlag ein Buch über „Die geheimen Lieblingsfilme der Nazi-Elite“ publiziert: „Warum Hitler King Kong liebte, aber den Deutschen Micky Maus verbot“. Sieben Kapitel fächern das Thema auf: Es geht zunächst um den „Filmgeschmack des deutschen Diktators“, dann um die begrenzte Macht des Propaganda-ministers Joseph Goebbels und um „Stars und Sternchen unterm Hakenkreuz“ (dazu gehörten u.a. Kristina Söderbaum, Zarah Leander, Olga Tschechowa, Henny Porten, Pola Negri, Imperio Argentina, Lida Baarová, Emil Jannings und Heinz Rühmann). Ihre Nähe zu Hitler und Goebbels und auch ihre Distanzen werden detailliert beschrieben. Ein eigenes Kapitel ist Leni Riefenstahl gewidmet („Hitlers Regisseurin“). Zum Problem wurde oft, dass Hitler und Goebbels Filme unterschiedlich bewerteten und dadurch Bearbeitungen notwendig wurden. Dies kommt in mehreren Kapiteln zur Sprache, speziell im Kapitel „Staatspolitisch wertvoll“. Natürlich konnte die NS-Elite viele ausländische Filme sehen, die von der Zensur nicht zugelassen wurden („Verbotene Früchte“). Im letzten Kapitel wird von der Planung eines bombastischen Premierenkinos an der „Nord-Süd-Achse“ durch Albert Speer berichtet, dessen Realisierung 1939 aufgeschoben und 1942 endgültig zu den Akten gelegt wurde. Das „Deutsche Lichtspieltheater“ an der Potsdamer Brücke war für 2.300 Besucher geplant. – Der Autor hat sorgfältig recherchiert, davon zeugen 893 Anmerkungen und Quellenverweise. Die Abbildungen sind technisch akzeptabel, ein Register erleichtert die Suche nach Personen und Filmtiteln. Mehr zum Buch: verbot.html

Hans Albers in Berlin

2015.Hans AlbersDer Schauspieler Hans Albers (1891-1960) wurde in Hamburg geboren. Dort gibt es auch einen Hans-Albers-Platz in der Nähe der Reeperbahn. Denn zu seinen bekanntesten Filmen gehören GROSSE FREIHEIT NR. 7 (1944), AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS (1954) und DAS HERZ VON ST. PAULI (1957). In Berlin gibt es bisher keine Straße und keinen Platz, die nach ihm benannt sind. Dafür hat jetzt Michael Grisko ein kleines Buch publiziert, das faktenreich beweist, wie eng Hans Albers mit dieser Stadt verbunden war, in der er ab 1917 16 Jahre gelebt und mehr als vier Jahrzehnte gearbeitet hat. Zu seinen großen Rollen auf der Bühne gehörte der Kellner Tunichtgut im Schauspiel „Die Verbrecher“ von Ferdinand Bruckner und der Rekommandeur „Liliom“ im Stück von Ferenc Molnár. Albers hat in den 1920er Jahren in über 100 Stummfilmen kleinere und größere Rollen gespielt, seine Tonfilm-Karriere begann 1929 mit DIE NACHT GEHÖRT UNS von Carl Froelich, gefolgt von DER BLAUE ENGEL von Josef von Sternberg und DER GREIFER von Richard Eichberg. Grisko erzählt auf 70 Seiten die private und berufliche Lebensgeschichte des Schauspielers, der ab 1933 in einer Villa am Starnberger See wohnte, aber in der Nazi-Zeit 18 zum Teil durchaus politische Filme drehte (zum Beispiel CARL PETERS von Herbert Selpin). Sein erster Nachkriegsfilm war 1947 …UND ÜBER UNS DER HIMMEL von Josef von Baky, sein letzter Film hieß KEIN ENGEL IST SO REIN (1960). Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Ohldorf in Hamburg. Mehr zum Buch: 1&Itemid=1

Los Angeles

2015.Los AngelesWolf Jahnke hat seine Magister-arbeit in Münster über das Thema „Los Angeles im Film“ geschrieben, Michael Scholten war im Sommer 1995 ein Semester an der University of California, L.A. Jahnke ist Produktmanager, Scholten Journalist, beide sind filmaffin und können routiniert schreiben. Sie unternehmen in ihrem Buch auf 128 Seiten eine Reise durch L.A. und Umgebung und erinnern uns zunächst an das historische L.A. im Film: in CHINATOWN von Roman Polanski (1974) im Jahr 1937, in L.A. CONFIDENTIAL von Curtis Hanson (1997) im Jahr 1953, in CHANGELING/DER FREMDE SOHN (2008) von Clint Eastwood im Jahr 1928, in BLADE RUNNER (1982) von Ridley Scott an die Zukunft im Jahr 2019. Dann geht es im Zick-Zack-Kurs zum Mulholland-Drive, nach Downtown, zum L.A. River und nach East L.A., nach North L.A. und nach Hollywood, nach West Hollywood, in die Hollywood Hills, zum Wilshire Boulevard, nach Midtown, Beverly Hills, Century-City, Westwood und Brentwood, zum Pacific Coast Highway, nach Malibu und Santa Barbara, zum L.A. Airport, zum Hafen San Pedro, nach South Central und schließlich ins San Fernando Valley. Die letzten sechs Seiten sind den „Masters of the L.A.-Universe“ gewidmet: dem schönsten L.A. von Michael Mann, dem seltsamen L.A. von David Lynch, dem kindischen L.A. von Judd Apatow, dem nekrophilen L.A. von Bret Easton Ellis, dem coolen Pop-L.A. von Quentin Tarantino und dem historischen L.A. von Michel Hazanavicius. Mit vielen Adressen, Anekdoten und Abbildungen. Coverfoto: GANGSTER SQUAD (2913) von Ruben Fleischer. Mehr zum Buch: 463–los-angeles.html

DIE KRANICHE ZIEHEN (1957)

2015.DVD.KranicheDer Film von Michail Kalatosow gewann 1958 in Cannes die „Goldene Palme“. Er war damals einer der großen Erfolge des sowjetischen Kinos der Tauwetterphase, in der auch die Filme BALLADE VOM SOLDATEN von Grigori Tschuchrai, NEUN TAGE EINES JAHRES von Michail Romm und IWANS KINDHEIT von Andrei Tarkowski entstanden. DIE KRANICHE ZIEHEN erzählt die tragische Liebesgeschichte von Weronika (gespielt von Tatjana Samoilowa) und Boris (Alexei Batalow) in Moskau, die hoffnungsvoll in Friedenszeiten beginnt, aber schnell vom ausbrechenden Krieg überschattet wird. Boris meldet sich freiwillig an die Front, kann sich aber nicht mehr von Weronika verabschieden. Weronikas Eltern werden Opfer eines Bombenangriffs. Sie findet in der Familie von Boris eine Bleibe. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als sie in einer Bombennacht Boris untreu wird und dem Werben des Musikers Mark nachgibt. Boris fällt an der Front, aber Weronika erfährt davon nichts. Es folgen eine Evakuierung nach Sibirien, die Entlarvung von Mark als Betrüger und schließlich das Kriegsende. Weronika wartet vergebens auf die Heimkehr von Boris. Diese Geschichte wird in expressiven Schwarzweiß-Bildern erzählt (Kamera: Sergei Urussewski), Tatjana Samoilowa ist eine beeindruckende Hauptdarstellerin. Ich habe den Film 1959 gesehen, in der Bundesrepublik hatte er den Titel WENN DIE KRANICHE ZIEHEN, er hat mich sehr fasziniert. Viele seiner damaligen Qualitäten sind noch immer erkennbar, wenn man sich die DVD anschaut, die jetzt bei Icestorm erschienen ist. Mehr zur DVD: die-kraniche-ziehen.html

Sounds of Hollywood

2015.Sounds HollywoodDaniel Hope (*1974) ist ein britischer Geiger und Schriftsteller. In seinem ersten Buch, „Familien-stücke“ (2007), beschreibt er die Spurensuche nach seinen Urgroßeltern in Berlin. In seinem neuen Buch erzählt er, „Wie Emigranten aus Europa die amerikanische Filmmusik erfanden“. Diesmal führte ihn seine Spurensuche nach Hollywood. In elf Kapiteln geht es um die Komponisten Franz Waxman, Werner-Richard Heymann, Friedrich Hollaender, Kurt Weill, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Max Steiner, Hanns Eisler und André Previn. Es sind vor allem Exil-Geschichten, die der Autor (unterstützt von Wolfgang Knauer) vermittelt. Nur Steiner war schon 1929 nach Amerika ausgewandert, alle anderen (außer Previn, der eher zur darauf folgenden Generation gehört) sind aus Hitler-Deutschland geflohen und haben mit unterschiedlichem Erfolg für die Studios in Kalifornien gearbeitet. Hope erzählt mit großer Empathie, zitiert aus den vielen Gesprächen, die er mit den Nachkommen der Komponisten geführt hat, mischt Anekdoten mit seriös recherchierten Fakten und leistet einen Beitrag zur Erinnerungskultur. Zu seinen Schwächen gehören häufige Redundanzen und eine oft nervende Sprunghaftigkeit. Immer wieder begibt er sich auf Umwege und Nebenschauplätze, wenn man an der Kontinuität einer Geschichte interessiert ist. Seine Stärken sind die Schilderung emotionaler Momente und die Nähe zum Thema: der Musik. Coverfoto: der Autor, fotografiert von Margaret Malandruccolo. Mehr zum Buch: sounds-of-hollywood.html

Audrey Hepburn und William Holden

2015.Audrey + BillEdward Z. Epstein ist ein Profi unter den amerikanischen Biografie-Autoren, er hat – meist zusammen mit Joe Morella – Bücher über Clara Bow, Rita Hayworth, Loretta Young, Marlon Brando, Jane Wyman und Bob Hope geschrieben. Diesmal geht es um Audrey Hepburn und William Holden. Ausgangspunkt ist ihr erster gemeinsamer Film: SABRINA (1954) unter der Regie von Billy Wilder. Die zweite männliche Hauptrolle spielte damals Humphrey Bogart. Eigentlich sollte Cary Grant die Rolle des Linus Larrabee spielen, aber der sagte im letzten Moment ab. Bogart wiederum hätte lieber seine Frau Laureen Bacall als Sabrina besetzt, aber die Entscheidung für Audrey war bereits getroffen. Sie galt nach dem Film ROMAN HOLIDAY, für den sie als Prinzessin Ann den Oscar als beste Hauptdarstellerin bekam, als kommender Star. Hepburn und Holden waren sich bekanntlich sehr zugeneigt, Bogart hielt Holden für einen schlechten Schauspieler und sorgte für viel Trouble am Set. Epstein berichtet in vielen Details von der Produktion und erzählt dann parallel die Lebensgeschichten von Hepburn und Holden, die zwar nach zehn Jahren noch einmal zusammengearbeitet haben (bei dem Film PARIS WHEN IT SIZZLES von Richard Quine), aber privat ihre eigenen Wege gegangen sind. Holden starb 1981 offenbar nach einem Sturz in seinem Hotelzimmer, Hepburn 1993 nach einer Krebsoperation; sie hatte sich 1970 weitgehend aus dem Filmgeschäft zurückgezogen und humanitären Projekten gewidmet. Ihre Verehrer werden vieles, was Epstein erzählt, schon wissen, aber es gibt ja immer ein paar neue Informationen. Mehr über das Buch: eine-unvollendete-liebe.html

Rebellion im Film seit James Dean

2015.James DeanIn unseren Kinos ist zurzeit der interessante Film LIFE von Anton Corbijn zu sehen, der die Begegnungen des jungen James Dean mit dem Fotografen Dennis Stock thematisiert. Es ist ein subtiler, leiser Film, in dem Rebellion nur am Rande vorkommt. Marina Küffner hat ihre Magisterarbeit im Fach Filmwissenschaft an der Universität Frankfurt über „Existentielle Rebellion im Film seit James Dean“ geschrieben, die jetzt im Filmbuchverlag Mühlbayer publiziert wurde. Ihr Titel: „Auflehnung, Antriebslosigkeit, Antidepressiva und Apokalypse“. Die Alliteration klingt lebensbedrohend, aber der Text ist gut lesbar, bleibt weitgehend an den Filmen, die analysiert werden, und schlägt einen Bogen von den 1950er Jahren zu den Coming of Age-Filmen der Gegenwart. Das erste Kapitel (50 Seiten) ist James Dean gewidmet, seinem Leben und den drei Filmen, die er bis zu seinem tragischen Tod 1955 gedreht hat. Im Mittelpunkt steht dabei REBEL WITHOUT A CAUSE als „Urtypus des Teenagerfilms“. Im zweiten Kapitel geht es um die Filme THE BREAKFAST CLUB und FERRIS BUELLER’S DAY OFF von John Hughes, REALITY BITES von Ben Stiller und REMEMBER ME von Allen Coulter mit dem Zwiespalt zwischen Anpassung und Abgrenzung. Das dritte Kapitel handelt von den Rebellen auf der Couch, also ihrer psychotherapeutischen Behandlung. Filmbeispiele: CHARLIE BARTLETT von Jon Poll und GARDEN STATE von Zach Braff. Das vierte Kapitel („Der Rebell am Rande des Weltuntergangs“) teilt die Autorin in die Motive „Angst, Freiheit und Verantwortung“ mit den Filmbeispielen DONNIE DARKO von Richard Kelly und KARBOOM von Gregg Araki und „Die ambivalente Sexualität als rebellischer Akt“, Filmbeispiele: THE DOOM GENERATION von Gregg Araki und THE RULES OF ATTRACTION von Roger Avary. Ein kleiner philosophischer Exkurs handelt von Sarte und Camus. Die Lektüre ist anregend, die technische Qualität vieler Abbildungen finde ich leider unzureichend. Mehr zum Buch: auflehnung.html

Der Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann

2015.Hilmar HoffmannIm August wurde der 90. Geburtstag von Hilmar Hoffmann gefeiert. Er war von 1970 bis 1990 Kulturstadtrat in Frankfurt am Main. Er initiierte damals das Kommunale Kino und war für die Gründung des Deutschen Filmmuseums am Mainufer verant-wortlich. Claus-Jürgen Göpfert hat zum runden Geburtstag eine Biografie über Hilmar Hoffmann publiziert, die mit beeindruckender Genauigkeit sein Leben und Werk beschreibt: seine Kindheit und Jugend ohne Vater, den Kriegsdienst bei den Fallschirmjägern, die amerikanische Gefangenschaft, die Rückkehr nach Deutschland, die Arbeit als Dolmetscher, die Gründung des British Information Center „Die Brücke“ mit Hoffmann als Direktor, die Übernahme der Leitung der neuen Volkshochschule der Stadt Oberhausen, die Gründung und Leitung der Westdeutschen Kurzfilmtage, die Erfolge als Kulturdezernent der Stadt in der Obhut der Oberbürgermeisterin Luise Albertz. Dann folgt 1970 der Wechsel nach Frankfurt und Hoffmanns schwierige Situation unter so unterschiedlichen Oberbürgermeistern wie Walter Möller, Rudi Arndt, Walter Wallmann und Volker Hauff. Göpfert hat eine große Fähigkeit, das kulturelle Engagement, die politischen Konflikte und die diplomatischen Fähigkeiten von Hoffmann zu beschreiben. Zahlreiche Weggefährten wie Peter Iden, Alexander Kluge, Hans Neuenfels und Petra Roth haben – wie Hoffmann selbst – den Autor aus ihrer Sicht informiert. Das liest sich sehr spannend, weil ich mich an viele Namen und Ereignisse erinnere, die Passage über Fassbinders Zeit am TAT hat absurd-komische Momente und meine Bewunderung für die Lebensleistung von Hilmar Hoffmann ist bei der Lektüre noch gewachsen. Natürlich kommt im letzten Teil auch seine Tätigkeit als Präsident des Goethe-Instituts zur Sprache. Mit 240 Fotos aus allen Lebensphasen und einem Vorwort von Claudia Dillmann, der Leiterin des Deutschen Filminstituts, das dieses Buch publiziert hat. Mehr zum Buch: Hilmar-Hoffmann-Leben-und-Werk