Philosophieren mit Filmen im Unterricht

Neun Themenbände sind für die Reihe „Methoden im Philoso-phie- und Ethikunterricht“ ge-plant. Band 1 hat den Film im Blickpunkt. Vier Beiträge ver-mitteln, wie Filme generell im Philosophie- und Ethikunter-richt eingesetzt werden können. Dann geht es konkret um die Möglichkeiten des Einsatzes in den Sekundarstufen I und II. Rund 20 Titel werden für den pädagogischen Einsatz vorge-schlagen, darunter sind die Filme SHREK von Andrew Anderson, FREEDOM WRI-TERS von Richard LaGrevenese, BALANCE von Christoph und Wolfgang Lauenstein, DAS MEER IN MIR von Alejandro Amenábar, DIE STADT DER BLINDEN von Fernando Meirelles, WENN DAS LEBEN GEHT von Karsten Killerich, IN TIME von Andrew Niccol, EPILOG von Tom Tykwer, L.A. CRASH von Paul Haggis, THE TRUMAN SHOW von Peter Weir, MUXMÄUSCHENSTILL von Markus Mittermeier, THE DARK KNIGHT und INCEPTION von Christopher Nolan, HIGH NOON von Fred Zinnemann (beeindruckender Text von Bodo Kensmann), MATRIX von den Wachowskis, BLADE RUNNER von Ridley Scott, eXistenZ von David Cronenberg und die Serie DR. HOUSE. Die Texte vermitteln den philosophischen Kern des jeweiligen Films und geben die pädagogische Richtung vor. Ein sehr inspirierendes Buch, herausgegeben von Martina und Jörg Peters, erschienen im Meiner Verlag. Mehr zum Buch: philosophieren-mit-filmen.html

Poesie des Alltäglichen

Eine Dissertation, die an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf entstanden ist. Andy Räder untersucht darin die Regiearbeiten von Ulrich Thein für das Fernsehen der DDR. Thein (1930-1995) war vor allem als Schauspieler in DEFA-Filmen populär. Seine acht Fernsehfilme, einige mehrteilig, haben wichtige Akzente gesetzt. Räder informiert in seinem Text über die Geschichte des Fernsehens der DDR, über das Leben von Ulrich Thein und über die vier zentralen TV-Arbeiten DER ANDERE NEBEN DIR (1963), COLUMBUS 64 (1966), UNBEKANNTE BÜRGER (1969) und BRODDI (1975). Die vier Analysen haben die Titel „Historische Schuld, Aufarbeitung und Völkerverständigung“, „Bitterfelder (Irr-)Weg und Zensur“, „Geschlechterrollen und Generationskonflikte“, „Sozialistischer Antiheld“. Vier Exkurse sind den Filmen TITEL HAB’ ICH NOCH NICHT (1964), MITTEN IM KALTEN WINTER (1968), JULE – JULIA – JULIANE (1972) und EIN ALTES MODELL (1976) gewidmet. Einerseits werden die wissenschaftlichen Ansprüche erfüllt, anderseits sind die Analysen anschaulich und konkret, werden der künstlerischen Bedeutung der Fernsehfilme gerecht. Auch der Titel der Publikation ist klug gewählt. Mit Abbildungen in guter Qualität. Erschienen im Verlag Springer VS. Mehr zum Buch: 9783658252380

Yasujiro Ozu

Eine Habilitationsschrift, die an der Universität Frankfurt am Main entstanden ist. Andreas Becker verortet darin das Werk von Yasujiro Ozu (1903-1963) in die japanische Kulturwelt und in die globale Welt des Films. Es geht um „Resonanzen, Prämis-sen, Interdependenzen“. Dies sind die wichtigsten Kapitel: Ozu und der geliehene Raum / Shakkai (mit einer Beschrei-bung von Ozus Grab), Semioti-sche Räume (mit einer Einord-nung der Schilder, Schrift und Schreiben in dem Film AN AUTUMN AFTERNOON), Action-Cut (mit einer Drehbuchanalyse von EQUINOX FLOWER), Spiritueller Raum (Gedanken, Erinnerung und Trance, mit einem Brückenschlag zu Fred Zinnemanns HIGH NOON), Ozus Räume (Sinnesfelder, Kulissenräume, Labyrinthe, Bildräume), Ozu und John Ford, Blicke (Scham- und Schuldkulturen). Seit ich bei der Berlinale 1963 eine Werkschau seiner Filme gesehen habe, ist Ozu einer meiner Lieblingsregisseure. Ich habe fast alle Filme von ihm gesehen, viele mehrmals, am häufigsten TOKYO MONOGATARI mit Setsuko Hara. Die Lektüre des Buches von Andreas Becker hat mein Wissen stark erweitert, auch wenn sich manche Hintergründe für mich nicht erschlossen haben, weil sie in philosophische Bereiche führen. Die Filmbeschreibungen sind meist sehr konkret und rufen Erinnerungen wach. Mit vielen Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: ozu-die-japanische-kulturwelt-und-der-westliche-film/

Brandspuren

Im Museum für Film und Fernsehen am Potsdamer Platz ist zurzeit eine sehr interessante Ausstellung zu sehen. Sie zeigt „Filmplakate aus dem Salzstock“. Sie wurden 1986 in einem Salzbergwerk in Grasleben gefunden, wo Bestände des Reichsfilmarchivs seit 1944/45 lagerten. In einem Film sehen wir die Situation vor Ort. In der Ausstellung erfahren wir viel über die Geschichte des Reichsfilm-archivs und sehen 25 ausge-wählte Plakate, die restau-riert werden konnten. Eine beeindruckende Präsentation. Ein kleines Buch zeigt die Plakate und informiert über die Filme. Die Texte stammen von Rolf Aurich, Peter Mänz, Anett Sawall und Georg Simbeni. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Mai zu sehen. Mehr zur Ausstellung und zum Buch: filmplakate-aus-dem-salzstock / 20Filmplakate.pdf

Drei Filme von Stanley Kubrick

Im Taschen Verlag sind drei großformatige, bil-derreiche Bücher über Filme von Stanley Kubrick erschienen, herausgegeben von Alison Castle. Die Texte zu 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (1968) stammen von Jan Harlan, Carolan Geduld (Inhaltsangabe, Chro-nologie der Produktion), Anthony Frewin (Stanley Kubrick und die Suche nach außerirdischer Intelligenz), Herb A. Lightman (Dreharbeiten, Frontprojektion), Gene D. Philips (Musik) und Margaret Stackhouse (Interpretationen).

Michel Ciment äußert sich zu dem Film CLOCKWORK ORANGE (1971). Dokumentiert sind ein Brief von Kubrick an die New York Times und ein Interview mit ihm von Philip Strick und Penelope Houston. Von Andrew Bailey stammt der Essay „Eine Utopie wie ein Uhrwerk“.

Den Text zu BARRY LYNDON hat Rodney Hill verfasst. Ein Inter-view mit Kubrick hat Michel Ciment geführt. John Hofsess erzählt „Wie ich lernte Barry Lyndon zu lieben“. Alle Bände werden mit einer Filmografie und einer Biografie abgeschlossen. Jedem Buch liegen eine DVD und ein Original-Filmplakat bei. Mehr zu den Büchern: 2001_odyssee_im_weltraum_buch_dvd.htm / barry_lyndon_buch_dvd.htm#images_gallery-1 / uhrwerk_orange_buch_dvd.htm

TARANTINO (2019)

Der Dokumentarfilm von Tara Wood, der jetzt bei Koch Media als DVD erschienen ist, würdigt das bisherige Werk des Regis-seurs Quentin Tarantino, ausge-spart ist dessen letzter Film ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD. Das erste Kapitel, „The Revolution“, erzählt, wie er mit seinem Drehbuch zu TRUE ROMANCE den Weg nach Hollywood schaffte und mit seinem Regiedebüt RESERVOIR DOGS 1992 zuerst in Sundance und dann in Cannes erfolgreich war. Das zweite Kapitel, „BadassWomen & Genre Play“, richtet den Blick auf die starken Frauenfiguren in Filmen wie JACKIE BROWN, KILL BILL und DEATH PROOF, auf den Verzicht von political correctness und den Umgang mit Sprache. Im dritten Kapitel, „Gerechtigkeit“, geht es um die Filme INGLOURIOUS BASTARDS, DJANGO UNCHAINED und THE HATEFUL EIGHT. Zu sehen gibt es Filmausschnitte und Beobachtungen des Making Of. Die Interviews mit Bruce Dern, Jamie Foxx, Samuel L. Jackson, Jennifer Jason Leigh, Diane Kruger, Lucy Liu, Michael Madsen, Eli Roth, Kurt Russell und Christoph Waltz sind teils amüsant, aber natürlich informativ über die Zusammenarbeit. Die Entstehung des Films war nicht unkompliziert, weil die Harvey Weinstein in die Produktion involviert war und die Regisseurin nach der Insolvenz seiner Firma einen Rechtsstreit führen musste, um ihren Film zu retten. Er ist in der vorliegenden Form eine Hommage an Tarantino. Mehr zur DVD: tarantino_the_bloody_genius_dvd/

Kleists Erzählungen als Film

Eine Dissertation, die an der Technischen Universität Chemnitz entstanden ist. Diana Pottbeckers untersucht darin die Historisierung und Aktuali-sierung in den Verfilmungen der Erzählungen von Heinrich von Kleist. Die Filmanalysen sind drei Kapiteln zugeordnet. 1. Film und Geschichte. Hier finden wir DIE MARQUISE VON O… (1976) von Eric Rohmer mit Edith Clever und Bruno Ganz, die Kohlhaas-Verfilmung THE JACK BULL (1999) von John Badham als Western mit John Cusack und den französischen MICHAEL KOHLHAAS (2013) von Arnaud des Pallières mit Mads Mikkelsen. 2. Film, Geschichte und Gegenwart. Die drei untersuchten Filme sind DAS ERDBEBEN IN CHILI (1975) von Helma Sanders-Brahms als „Nachtrag zu Achtundsechzig“, MICHAEL KOHLHAAS – DER REBELL (1969) von Volker Schlöndorff mit David Warner als Reflektion zu Terror und Gewalt und DIE MARQUISE VON O… (1989) von Hans Jürgen Syberberg mit Edith Clever als „Überwindung der Geschichte“. 3. Film und Gegenwart. Auch hier richtet sich der Blick der Autorin auf drei Filme: SAN DOMINGO (1970) von Hans Jürgen Syberberg als Afrika-Utopie, KOHLHAAS ODER DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER MITTEL (2012) von Aron Lehmann als „Metaisierung des Films“ und JULIETTA (2001) von Christoph Stark mit Lavinia Wilson als „Marquise auf der Loveparade“. Die Beschreibungen und Analysen sind beeindruckend konkret, der Text ist durch Literaturverweise wissenschaftlich abgesichert, aber dennoch spannend zu lesen. Mit Abbildungen in akzeptabler Qualität. Erschienen im Verlag Dr. Kovač. Mehr zum Buch: 978-3-339-10724-4.htm

Schauspielen im Stummfilm

Eine Dissertation, die an der Universität Wien entstanden ist. Anna Denk untersucht darin die Berufsentwicklung von Schau-spielerinnen und Schauspielern im Wien der 1910er und 1920er Jahre im Blick auf die Film-arbeit. Ihre wichtigste histori-sche Quelle sind die Stumm-filmzeitschriften in Österreich, sowohl Fach- wie Publikums-periodika, die in einem eigenen Kapitel charakterisiert werden. Ausgangssituation ist die Kinematografie als zusätzliches Betätigungsfeld für Schau-spieler/innen. Die Autorin unterscheidet zwischen der Herausbildung des Berufsbildes von „Kinokünstlern“ in der stummfilmästhetischen Schauspielertheorie und der stummfilmspezifischen Arbeitspraxis. Ein Kapitel ist den Konsequenzen der realen Arbeits- und Ausbildungssituation für die Verberuflichung gewidmet. Das letzte Kapitel skizziert das Berufsbild des Stummfilmstars. Neun Persönlichkeiten werden im Anhang als österreichische Stummfilmstars ausgewiesen: Carmen Cartellieri, Maria Corda, Lucy Doraine, Grit Haid, Liane Haid (sie wird im Buch auch speziell gewürdigt), Dora Kaiser, Max Neufeld, Magda Sonja und Ingo Sym. Die Autorin hat eine beeindruckende Arbeit geleistet. Das Buch ist im Transcript Verlag erschienen. Die Abbildungen haben eine akzeptable Qualität. Mehr zum Buch: 978-3-8376-4858-4

Die lange Einstellung

Eine Dissertation, die an der Universität Mainz entstanden ist. Christian Kaiser befasst sich darin mit Dauer, Kontinuität und Mystik der Kameraführung. Im Mittelpunkt stehen Einzel-analysen der Bildsprache von neun Regisseuren: dem Mexika-ner Carlos Reygadas (*1971) und dem Dänen Carl Theodor Dreyer (1889-1968), den Russen Andrej Tarkowskij (1932-1986) und Alexander Sokurow (*1951), dem Griechen Theo Angelopoulos (1935-2012), den Ungarn Miklos Jancsó (1921-2014) und Béla Tarr (*1955), dem US-Amerikaner Gus van Sant (*1952) und dem Argentinier Gaspar Noé (*1963). Zu den Filmen, die auf insgesamt 300 Seiten unter ästhetischen und inhaltlichen Gesichtspunkten erschlossen werden, gehören JAPÓN, BATALLA EN EL CIELO, STELLET LICHT und POST TENEBRAS LUX von Reygadas, ORDET von Dreyer, IWANS KINDHEIT, ANDREJ RUBLJOW, SOLARIS, DER SPIEGEL, STALKER, NOSTALGHIA und OPFER von Tarkowskij, TAGE VON 36, DIE WANDERSCHAUSPIELER, DIE JÄGER, DER GROSSE ALEXANDER, DIE REISE NACH KYTHIRA, DER BIENENZÜCHTER, LANDSCHAFT IM NEBEL, DER SCHWEBENDE SCHRITT DES STORCHES, DER BLICK DES ODYSSEUS, DIE EWIGKEIT UND EIN TAG, DIE ERDE WEINT und DER STAUB DER ZEIT von Angelopoulos, SATANTANGO, DIE WERKMEISTERSCHEN HARMONIEN, DER MANN AUS LONDON und DAS TURINER PFERD von Tarr, GERRY, ELEPHANT und LAST DAYS von van Sant, CARNE, MENSCHENFEIND und ENTER THE VOID von Noé. Von den genannten Filmen gibt es aufschlussreiche Diagramme im Anhang des Buches. Eine Grundthese des Buches ist, dass es eine Verbindung zwischen langen Einstellungen und mystischer Wirkung gibt. Sie wird überzeugend vermittelt. Das Vorwort stammt von Marcus Stiglegger. Mit Abbildungen in sehr guter Qualität. Mehr zum Buch: msm-83.html

Film denkt Revolution

Eine Dissertation, die an der Freien Universität Berlin ent-standen ist. Hanno Berger unter-sucht darin an drei beispielhaften Filmen die audiovisuellen Insze-nierungen politischen Wandels. Die „revolutionstheoretischen Prolegomena“ sind dem wissen-schaftlichen Anspruch der Arbeit geschuldet. Die Ausführungen zu „Film, Zeit und Bewegung“ beziehen sich auf Epstein und Deleuze und untersuchen die Erfahrbarkeit von Geschichte. Die umfangreichste Analyse (60 Seiten) ist dem Film NAPOLEÓN von Abel Gance (1927) gewidmet, die Überschrift lautet „Die erhabene Konzep-tion der Revolution“. Auf rund 50 Seiten richtet sich der Blick auf REDS (1981) von Warren Beatty („Die Russische Revolution in Hollywood“). Um die amerikanische Revolution geht es in der Miniserie JOHN ADAMS (2008) von Tom Hooper („Vor der Geburt kommt die Revolution“). Die Analysen sind lesenswert. Man hätte sich mehr als die drei Abbildungen am Ende des Bandes gewünscht. Erschienen im Verlag Vorwerk 8. Mehr zum Buch: id=250&am=6