DER WEISSE HAI revisited

2015.Der weisse HaiVor 40 Jahren, im Sommer 1975, hatte der Film JAWS (deutsch: DER WEISSE HAI) in den USA Premiere. Es war der zweite Kinofilm des damals 28jährigen Steven Spielberg, die Produk-tionskosten sollen rund acht Millionen Dollar betragen haben, eingespielt hat er 470 Millionen. Ein Blockbuster. Wieland Schwanebeck hat jetzt bei Bertz + Fischer ein Buch herausgegeben, in dem die vielfältige Bedeutung des Films in 21 Textbeiträgen untersucht wird. Die sieben Hauptkapitel heißen „Die Filmmaschinerie“, „(Film-)Geschichtliche Kontexte“, „Gattungsfragen“, „Räumliche Aspekte“, „Tiefenblicke“, „Das Tier und wir“ und „Nachwirkungen“. Ich nenne – auch wenn das eigentlich ungerecht ist, weil die meisten Beiträge sehr interessant sind – einige Texte, die mich besonders beeindruckt haben: die Einführung des Herausgebers, die Überlegungen von Felix Lempp zu Making-ofs und ihren Erzählstrategien, die Annäherung von Michael Hiemke an die Filmmusik von John Williams (mit dem Schulexperiment einer Neuvertonung der Schlüsselszene), die Spurensuche von Schwanebeck nach den Verbindungen zwischen Alfred Hitchcock und dem WEISSEN HAI, die Verortung von JAWS im Tierhorrorfilm von Marcus Stiglegger und im Katastrophenfilm von Michael Flintropp, die Anmerkungen von Stefan Jung zu Spielbergs Erzählgeographie („Suburbia vs. Exurbia“), die psychoanalytische Lesart mit dem Blick auf spezifisch amerikanische Traumata von Elisabeth Bronfen, die Rekonstruktion der Hai-Mensch-Beziehung von Tabea Weber, die Beschreibung der Fortsetzungen von JAWS von Kathleen Loock. Eine interessante Publikation. Viele Abbildungen in hoher Qualität. Mehr zum Buch: weissehai.html

European Visions

2015.European VisionsDie Globalität von Heraus-gebern, Autorinnen und Autoren dieses Bandes ist beeindruckend. Janelle Blankenship und Tobias Nagl lehren an der University of Western Ontario, die wichtigste Initiatorin, Mette Hjort, die auch den ein-leitenden Essay verfasst hat, ist zur Zeit Professorin für Visual Studies an der Lignan Universität in Hongkong, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lehren u.a. in Wien, London, Toronto, New York, Liverpool, Navarra, Montreal, Kansas City, Vilnius und Mykolaiv (Ukraine). Die 23 Texte sind fokussiert auf einzelne Länder, Regisseure oder spezielle Filme. Die Länder sind Belgien, Irland, Island, Luxemburg, Malta, Polen, Rumänien. Die Regisseure heißen Corneliu Porumboiu (Rumänien), Milčo Mančevski (Mazedonien), Krzysztof Zanussi und Andrzej Kondratiuk (Polen), Audrius Stonys (Litauen). Die Filme sind JAR CITY von Baltasar Kormákur, OUR JOURNEY von Benone Todica, TUVALU von Veit Helmer und FROM AFAR von Thomas Arslan. Paul Coates vergleicht den schwedischen Film PERSONA von Ingmar Bergman mit dem polnischen Dokumentarfilm HEAR MY CRY von Maciej Janusz, ein eigener Text ist drei Don Quichotte-Verfilmungen von Grigori Kozintsev, Vadim Kurchevsky und Vasily Livanov gewidmet. Ute Lischke erinnert an die Filme von Helke Misselwitz und Sybille Schönemann. Thomas Ballhausen und Janelle Blankenship informieren über das European Gateway Projekt zur Digitalisierung des Filmerbes. Das Buch – durchgehend in englischer Sprache – enthält viele Informationen, die nur Fachleuten bekannt sind. Cover: Promotionfoto von Veit Helmers TUVALU. Mehr zum Buch: european-visions?c=738

Essays zur Film-Philosophie

2015.Film.Philosophie„Was ist Film-Philosophie?“ fragen Lorenz Engell, Oliver Fahle, Vinzenz Hediger und Christiane Voss in der Einleitung des Buches und finden natürlich mehrere Antworten. Zum Beispiel: „Den Raum der gegenseitigen Herausforderung des Denkens durch den Film und des Films durch das Denken offen zu halten. Oder, anders gesagt, Filmphilosophie will hier das anspielen, was man den ursprünglichen Moment der Filmtheorie nennen könnte: vor allen disziplinären Routinen die Öffnung des Denkens hin auf den Film.“ (S. 11). Engell ist Professor für Medienphilosophie, Voss Professorin für Philosophie Audiovisueller Medien an der Bauhaus-Universität Weimar, Fahle hat eine Professur für Filmwissenschaft an der Ruhr-Universität in Bochum, Hediger ist Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Sie haben sich für diese Publikation zusammengetan und eine Art Versuchsanordnung gebildet. Jeder beschäftigt sich in seinem Text mit einem Schlüsselbegriff. Engell reflektiert über „Agentur“, Voss über „Affekt“, Fahle über das „Außen“, Hediger über „Aufhebung“. Zur Verabredung gehörte auch, dass ein Film in jedem Text vorkommen sollte: die Installation THE CLOCK (2010) von Christian Murray, eine 24-stündige Montage von tausenden Filmausschnitten, die Uhren zeigen und zusammen den Ablauf eines ganzen Tages ergeben. In allen vier Texten wird natürlich ausgiebig die filmtheoretische Literatur zitiert, aber insgesamt gehen die Autorin und die drei Autoren unterschiedliche Wege und beziehen sich zum Teil auf differente Filme. Engell nutzt Genre-Aspekte, konkretisiert dies mit Hinweisen auf die Agenten-Serie MISSION IMPOSSIBLE, schlägt dann aber einen Bogen zu THE CLOCK, der bei ihm klug analysiert wird. Auch Voss stellt den Film in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen, die sehr reflektiert sind. Fahle erinnert in seinen Filmbeispielen an BLOW-UP (Antonioni), SWIMMING POOL (Ozon), CACHÉ (Haneke), ADAPTATION (Jonze) und INCEPTION (Nolan). Bei Hediger spielt der Umgang mit Geschichte eine dominante Rolle und seine wichtigsten Filmbeispiele sind in diesem Zusammenhang JFK von Oliver Stone und DIE MAUER von Jürgen Böttcher. Für Interessenten der Filmphilosophie ist diese Publikation Basisliteratur. Mehr zum Buch: 978-3-7705-5535-2.html

ANDERSON

2015.DVD.AndersonDer Dokumentarfilm ANDERSON von Annekatrin Hendel lief im „Panorama“ der Berlinale 2014, kam dann ins Kino und ist jetzt bei Salzgeber als DVD erschienen. Ich finde ihn interessant und habe nur ein paar formale Einwände. Porträtiert wird der Lyriker und Musiker Sascha Anderson (*1953), der in den 1980er Jahren ein Protagonist der alternativen Ostberliner Kulturszene war und Anfang der 90er als Stasi-IM enttarnt wurde. Das hat damals viele seiner ehemaligen Freunde überrascht. Sie waren aber bereit, vor der Kamera über ihn, sein Charisma und seine Ambivalenzen zu reden. So sehen und hören wir den Schriftsteller Bert Papenfuß, den Liedermacher Ekkehard Maaß, die Keramikerin Wilfriede Maaß, die ihren Ehemann für Anderson verlassen hat, die Galeristin Ingrid Bahß, den Fotografen Dietrich Bahß, die Kameraleute Lars Barthel und Thomas Plenert, die mit Anderson zusammen an der HFF in Babelsberg studiert haben. In ihren Erinnerungen erscheint Anderson als eine schillernde Persönlichkeit, sie sind aber auf ihn nicht zornig, sondern allenfalls enttäuscht von seiner Unehrlichkeit. Zu Wort kommen auch der frühere „Kennzeichen D“-Mitarbeiter Holger Kulick und der heutige Leiter der Stasi-Behörde Roland Jahn. Die Malerin Cornelia Schleime wollte nicht vor der Kamera sprechen, hat sich aber künstlerisch mit ihrer Bespitzelung auseinandergesetzt. Anderson selbst verhält sich relativ souverän vor der Kamera. Im Filmstudio wurde für ihn die frühere Wohnküche von Ekkehard Maaß nachgebaut, was ihm einen effektvollen Auftritt verschafft. Fotos aus den 80er Jahren werden immer wieder mit der filmischen Gegenwart verbunden. Seinen privaten Bereich klammert Anderson in den Gesprächen aus. Auf alle anderen Fragen antwortet er geschickt und wirkt dabei kaum schuldbewusst. Was mich an dem Film stört, sind die vielen Bildeffekte, die durch die Tonmontage noch unterstützt werden. Auch die Rekonstruktion der Wohnküche im Studio finde ich überflüssig. Die Protagonisten haben eigentlich genügend Kraft für einen 90-Minuten-Film, aus dem man viel über die ehemalige DDR lernen kann. Mehr zur DVD: ANDERSON_ProdInfo.pdf

Our Shining Beast

2015.Our Shining BeastDer Film KOYAANISQATSI (1982) von Godfrey Reggio ist Kult. Es gibt in diesem Film keine handelnden Personen, keine Dialoge, nur Bilder (Kamera: Ron Fricke) und Musik (komponiert von Philip Glas). Der Titel zitiert ein Wort der Hopi-Indianer, das mit „Leben im Ungleich-gewicht“ übersetzt werden könnte. Fabian Kaufmann (*1982, zwölf Tage nach der Premiere des Films) porträtiert in seinem Text zunächst fünf Personen, die den Regisseur laut Nachspann zu seinem Werk inspiriert haben: der französische Soziologe und Theologe Jacques Ellul, der austro-amerikanische Philosoph und katholische Priester Ivan Illich, der „spiritual leader of the Hopi Nation“ David Monongye, der französische Künstler und Revolutionär Guy Debord und der österreichische Nationalökonom und Philosoph Leopold Kohr. Im Hauptteil führt uns der Autor durch den Film, beschreibt wichtige Sequenzen, bringt sie in Verbindung zu anderen Filmen, Büchern und philosophischen Erkenntnissen. So kommen Werner Herzogs FATA MORGANA, Leo Marx’ Buch „The Machine in the Garden“, Joan Didions Essay „Bureaucrats“, Marshall Bermans Buch „All That Is Solid Melts Into Air“, Luis Bunuels LOS OLIVIDADOS, Georgia O’Keefes Wolkenkratzer-Gemälde, ein fiktives Interview mit dem Architekten Rem Koolhaas, Saul Bellows Roman „Mr. Sammler’s Planet“, die weiteren Filme von Godfrey Reggio, Thomas Pynchons Roman „Gravity’s Rainbow“ und – immer wieder – das Buch „Die Antiquiertheit des Menschen“ von Günther Anders und Zitate aus Texten der oben genannten Inspiratoren ins Spiel. Das geschieht assoziativ, im besten Sinne auch subjektiv und führt zu überraschenden Erkenntnissen. 379 Quellenverweise auf 120 Druckseiten. Keine Abbildungen. Der Autor lebt seit 2014 mit seiner Frau in Zimbabwe. Mehr zum Buch: product=24320

Schleifen

2015.SchleifenEingerahmt von einem schönen, sehr persönlichen Vor- und Nachwort erzählt Tilman Baumgärtel die Geschichte des Loops in der Musik und konkretisiert sie an bekannten und (mir) weniger bekannten Künstlern. In seinem Kapitel „In den Klang“ geht es um Thomas Alva Edisons Kuss-Loop und die Form der technischen Wiederholung, Pierre Schaeffer und die französische musique concrète, Karlheinz Stockhausen und die Musik aus den Klanglaboren, Elvis Presley und den Belcanto aus der Maschine und Raymond Scott, einen Instrumentenbauer des 20. Jahrhunderts. Das Kapitel „In den Rhythmus“ handelt von Peter Roehrs Filmmontagen und dem ‚Willen zur Wiederholung’ in der Kultur der 60er Jahre, La Monte Young, Andy Warhol und dem Stillhalten der Zeit, Terry Riley und der Geburt der Minimal Music aus dem Geist der Tonbandschleife, Steve Reichs frühen Kompositionen und der Selbsttätigkeit der Technologie, Ken Kesey, Psychedelia und den Schleifen „des großen Hier und Jetzt“, den Beatles und den Schleifen in der Plastiktüte, Donna Summer, Giorgio Moroder und „I Feel Love“, Loops und der Homöostase der Moderne. Die Querverbindungen zum Film sind bei diesem Thema unvermeidlich. Baumgärtel ist Medienwissenschaftler, hat ein beeindruckendes Buch über das Kino Ostasiens geschrieben und sich tief in das Thema Loops eingearbeitet. Er nutzt die vorhandene Literatur, geht aber seine eigenen Wege. Das macht dieses Buch so lesenswert. Mit einem Vorwort von Hans Nieswandt, 40 Abbildungen in akzeptabler Qualität und einem Umschlagbild von Randy Robertson: „Looping Colors“. Mehr zum Buch: schleifen.html

Sexuelle Gewalt im Film

2015.Sexuelle Gewalt16 Beiträge fügen sich zu einem inter-essanten Spektrum, auch wenn man manche Texte schon aus anderen Zusammenhängen kennt. Das Buch hat drei Teile: „Exposition“, „Genres“, „Narrationen“. Sechs Beiträge haben mich besonders beeindruckt: Joachim von Gottbergs Informationen zu den rechtlichen Grenzen im Strafrecht und im Jugendrecht bei der Darstellung sexueller Gewalt, Hedwig Wagners „Überlegungen zum Darstellungsaspekt von Sexualität und zu möglichen Filmlektüren“, die zwar sehr theoretisch klingen, aber eine Basis für das Thema formulieren, Maja Bächlers Anmerkungen zur sexuellen Gewalt im Kriegsfilm, Ivo Ritzers Analyse „Zur medien-kulturellen Symptomatik der Repräsentation von Sex und Gewalt in TV-Serien des US-amerikanischen ‚Qualitätsfernsehens’“, die er in etwas anderer Form schon einmal publiziert hat, die aber wichtige Hinweise zum Thema enthält, der Text von Melanie Hinz über „Sexuelle Gewalt gegen Prostituierte im Mainstreamkino“ (Beispiele: PRETTY WOMAN, WHORE, FROM HELL) und Angela Kochs Gegenüberstellung des Spielfilms BOY’S DON’T CRY von Kimberly Peirce und des Dokumentarfilms THE BRANDON TEENA STORY von Susan Muska + Gréta Olafsdóttir und den unterschiedlichen Umgang mit sexueller Gewalt in der Fiktionalisierung. Auch wenn manche Erkenntnisse nicht neu sind: es ist gut, dass dieses Thema nicht in Vergessenheit gerät. Mehr zum Buch: sexuelle_gewalt_im_film.html

Signaturen der Erinnerung

ballhausen_cover.indd„Über die Arbeit am Archiv“ heißt, relativ nüchtern, der Untertitel dieser Publikation. Ihr Autor, Thomas Ball-hausen (*1975), leitete das Studienzentrum des Film-archiv Austria, ist  auch in den Bereichen Literatur und andere Künste tätig, war vor fünf Jahren zum Ingeborg-Bachmann-Preis eingeladen, schreibt Prosa, gibt Phantastikliteratur heraus, übersetzt, zeichnet Comics. Er ist alles andere als ein prototypischer Archivar. Sein weiter Horizont und sein kreativer Anspruch prägen auch diese Publikation. Sie beginnt und endet mit einem Song („on the different meanings of being framed“). Dann reflektiert sie im ersten Kapitel („Aufrisse und Plateaus“) Aspekte der Theorie, Geschichte und Funktion der (Film-)Archive, formuliert Konditionen des Bewahrens, verbindet Erinnerungsdiskurs und Archivsystem, referiert kurz die internationale Geschichte der Filmarchive, blickt auf „audio-visuelle Bestände“, formuliert Gedanken zur „Politik des Archivs“, trennt Preservation und Präsentation, erinnert an den „Brighton-Effekt“ mit der Rückbesinnung auf den frühen Film und schließt mit den Begriffen „Narrativität“ und „Temporalität“. Das zweite Kapitel betitelt der Autor „Regeln und Relationen“. Es beginnt 1895 mit Pöch, Freud, Röntgen und dem Kino. Der folgende Teil über „Filmzensur als historisches und quellenkundliches Element“ ist relativ umfangreich. Um den Horrorfilm geht es dann mit dem „Körper als Austragungsort“. Mit dem Film FANTOMAS (1931) von Paul Fejos und seiner Vorgeschichte (Louis Feuillade) wird das Verhältnis Stummfilm/Tonfilm thematisiert. Es folgen: der Pornofilm, der Avantgardefilm, der Film Noir, der Punk Film, eine kurze Analyse von 28 DAYS LATER und ein Blick auf den aktuellen japanischen Horrorfilm. Im dritten, abschließenden Kapitel („Prophetie und Poetik“) verknüpft Ballhausen Choreografie und Archiv. Seine Absicht insgesamt: das Archiv aus einer Enge zu befreien, neue Verbindungen herzustellen, das Denken zu erweitern. Er nimmt uns auf eine interessante Reise mit. Man muss ihm nur folgen. Mehr zum Buch: signaturen-der-erinnerung.html

Die Fotografin Eve Arnold

2015.Eve ArnoldSie war eine der großen Fotografinnen des 20. Jahr-hunderts. Als Eve Arnold am 4. Januar 2012 in London starb, war sie 99 Jahre alt. In München, London und San Francisco wurden Aus-stellungen zu ihrem 100. Geburtstag vorbereitet. Die hat sie knapp verpasst. 1951 wurde sie als erste Frau Mitglied bei der Fotoagentur „Magnum“. Manchen Männern war das damals wohl nicht recht. Heute gilt sie als Star. „Magnum Legacy“ heißt eine neue Publikations-reihe im Prestel Verlag, und der erste Band ist Eve Arnold gewidmet. Er erscheint mir vorbildlich in der Balance zwischen Text und Bildern. Wir haben es hier nicht mit einem klassischen Fotobuch zu tun, sondern mit einer Werkbiografie, in der dem Text eine große Bedeutung zukommt. Er stammt von der amerikanischen Kriegsreporterin Janine di Giovanni, die sich intensiv in das Privatarchiv von Eve Arnold eingearbeitet hat, Tagebücher, Briefe und Dokumente auswerten durfte und sechs sehr kluge, zugeneigte Kapitel verfasst hat: 1. Born Poor in America. 2. A Passionate Personal Approach. 3. A New Life in London. 4. At Home in the World. 5. Think in Chinese, Look in Chinese. 6. A Broad Sende of Life. Natürlich sind Arnolds Fotos von Marlene Dietrich, Joan Crawford und Marilyn Monroe bekannt. Sie war zwei Monate bei den Dreharbeiten zu THE MISFITS vor Ort in der Wüste von Nevada und genoss das Vertrauen von Marilyn wie keine andere Fotografin. Aber sie interessierte sich auch für ganz andere Themen, für das Leben in China, für Prostituierte in Kuba, für südafrikanische Minenarbeiter. Sie hatte ein Herz für Benachteiligte. Andererseits standen vor ihrer Kamera auch Jacqueline Kennedy, Malcolm X, Margaret Thatcher und die Queen. Sie fotografierte zunächst in Schwarzweiß, dann in Farbe, dann digital. Und meist sind es die Augen, die uns auf den Fotos besonders faszinieren. Ein tolles Buch! Mehr dazu: 452588.rhd?pub=58500

Drei Filme von Antonio Skármeta

2015.DVD.SkármetaDer Schriftsteller Antonio Skármeta (*1940) war ein Anhänger Salvador Allendes, musste nach dem Militärputsch 1973 Chile verlassen und lebte bis 1989 im Exil in Westberlin. Er schrieb Drehbücher für Peter Lilienthal (LA VICTORIA, ES HERRSCHT RUHE IM LAND), war Dozent an der DFFB (dort lernte ich ihn 1974 kennen) und konnte mit Unterstützung des Produzenten Joachim von Vietinghoff in den 1980er Jahren drei Filme realisieren, die jetzt in der „Edition Filmmuseum“ auf DVD erschienen sind. MIT BRENNENDER GEDULD (1983) erzählt poetisch und humorvoll von der Freundschaft des chilenischen Dichters Pablo Neruda zu einem Dorfbriefträger. Sie endet 1973 mit Nerudas Tod und der Verhaftung des Briefträgers. Die beiden Hauptdarsteller Roberto Parada (Neruda) und Óscar Castro (der Briefträger Mario) sind beeindruckend. Gedreht wurde der Film in Portugal. Skármeta hat aus dem Stoff noch einen Roman gemacht, der 1994 von Michael Radford mit Philippe Noiret und Massimo Troisi verfilmt wurde (IL POSTINO). – In dem Familiendrama ABSCHIED IN BERLIN (1984) unternimmt ein gelähmter Großvater mit seiner Frau den vergeblichen Versuch, aus der Berliner Exilwohnung auszubrechen und in sein Heimatland zurückzukehren. Die Odyssee durch Westberlin endet mit der Rückkehr in die Familie. Auch hier gibt es – bei aller Dramatik der Geschichte – viele poetische und humorvolle Szenen. – WENN WIR ZUSAMMEN-LEBTEN (1983) ist ein Tagebuchfilm, der von Skármetas Begegnungen mit lateinamerikanischen Künstlern in Europa erzählt und Fragen nach den Arbeitsmöglichkeiten im Exil stellt. Es ist der persönlichste der drei Filme. Die DVD-Edition ist der Zusammenarbeit des Goethe-Instituts mit dem Filmmuseum München zu verdanken. Das Booklet enthält vier Texte von Antonio Skármeta, der im Übrigen von 2000 bis 2003 chilenischer Botschafter in Berlin war. Mehr zur DVD: Abschied-in-Berlin.html