Western global

2015.WesternWestern – das ist das amerikanische Filmgenre schlechthin, auch wenn er in den letzten Jahren an Bedeutung verloren hat. Der erste Western war THE GREAT TRAIN ROBBERY (1903). Und die schönsten Western sind für mich die Filme von John Ford. Seit den 1960er Jahren gibt es den Italowestern. Und Thomas Klein durfte, finanziert von der Deutschen Forschungs-gemeinschaft, die Globalisierung des Western auch in anderen Ländern untersuchen. Sein Länderfokus waren vor allem: Mexiko, Australien, Brasilien, Japan. Im mexikanischen Kino sind es die Revolutionsfilme, im australischen Kino die Bushranger-Filme, im brasilianischen Kino die Cangaceiro-Filme, im japanischen Kino die Samurai-Filme, die eine Affinität zum Western haben. Zunächst beschäftigt sich Klein mit den Western-Stereotypen im kulturellen Kontext. Dann untersucht er die Folgen fürs Genrekino im Zusammenhang mit dem Postkolonialismus. Eine dominierende Rolle spielt in diesem Genre die Landschaft. Eine eigene Kategorie sind die Standardsituationen. Ausführlich widmet sich der Autor den nationalen Western-Diskursen in Australien und Lateinamerika. Den größten Raum nehmen aber die bösen Protagonisten ein, die Outlaws und Sozialbanditen. In Australien sind es die „Wild Colonial Boys“, in Mexiko die „Charro-Outlaws“, in Brasilien die „Cangaceiros“, in Argentinien die „Gaucho Outlaws“, in Japan „Ronin“ und „Yakuza“. In diesem Kapitel werden viele Filmbeispiele genannt, die sich auch in den (technisch hervorragenden) Abbildungen wiederfinden. Das Literaturverzeichnis ist umfangreich. Eine beispielhafte Genreuntersuchung. Coverfoto: SUKIYAKI WESTERN DJANGO (2007). Mehr zum Buch: 42&products_id=427

Orson Welles

2015.Orson WellesAls er seinen ersten Film – CITIZEN KANE – drehte, war er 25 Jahre alt. Er galt jahr-zehntelang als eines der großen Genies der Filmregie, aber er hatte von Anfang an Probleme, für seine Projekte die richtigen Partner zu finden. Seine Ideen erforderten oft eine aufwendige Realisierung, er überwarf sich mit Produzenten, er war Europa-orientiert, er hatte eine große Affinität zu Shakespeare. Orson Welles wäre heute 100 Jahre alt geworden. Er ist 1985 gestorben, sein Nachruhm ist kaum verblasst. Noch immer wird CITIZEN KANE (1940/41) zu den bedeutendsten Filmen aller Zeiten gerechnet, THE MAGNIFICENT AMBERSONS (1941/42), THE LADY FROM SHANGHAI (1946) und TOUCH OF EVIL (1957/58) gelten bis heute als Meisterwerke. Oft hat er selbst in seinen Filmen eine Hauptrolle gespielt, und für andere Regisseure war er als Darsteller in zentralen Rollen präsent: als Schlossherr in JANE EYRE von Robert Stevenson, als Harry Lime in THE THIRD MAN von Carol Reed, als General  in THE BLACK ROSE von Henry Hathaway, als Anwalt  in COMPULSION von Richard Fleischer, als Kardinal in A MAN FOR ALL SEASONS von Fred Zinnemann. Vor zehn Jahren hat Bert Rebhandl im Zsolnay Verlag ein beeindruckendes Buch über Orson Welles publiziert (Untertitel: Genie im Labyrinth) und fast zeitgleich ging Stefan Drößler auf Spurensuche in „The unknown Orson Welles“ (belleville Verlag). Seit gestern sind im Fernsehen Filme von und über Orson Welles zu sehen, ich weise hin auf CITIZEN KANE (am 8.5. auf 3sat), THE LADY FROM SHANGHAI (10.5. auf arte), TOUCH OF EVIL (11.5. auf arte). Nicht zu vergessen: die Filme auf DVD, die man von oder mit ihm im Regal stehen hat.

Rainer Werner Fassbinder-Ausstellung

2015.FassbinderIm Martin-Gropius-Bau wird heute Abend die Ausstellung „Fassbinder – JETZT“ eröffnet. Es sprechen Gereon Sievernich (Direktor des Martin-Gropius-Baus), Siegmund Ehrmann (Vorsitzender des Kulturausschusses des Deutschen Bundestages), Claudia Dillmann (Direktorin des Deutschen Film-museums), Juliane Maria Lorenz (Präsidentin der Rainer Werner Fassbinder Foundation) und Laurence Kardish (Vorstandsmitglied der Fassbinder Foundation New York). Fassbinder steht zurzeit im Mittelpunkt vieler Veranstaltungen, weil am 31. Mai sein 70. Geburtstag zu feiern wäre. Die Berliner Ausstellung, die in anderer Form zuvor in Frankfurt am Main zu sehen war, will neue Impulse für die Auseinandersetzung mit seinem Werk geben. Sie bietet mit vielen Originalexponaten Einblicke in seine Arbeitsweise. Sie ehrt auch die Kostümbildnerin Barbara Baum, die häufig mit ihm zusammengearbeitet hat und im Juni mit dem Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises ausgezeichnet wird. Um den Einfluss Fassbinders auf die zeitgenössische Kunst zu verdeutlichen, werden außerdem Werke von Tom Geens, Runa Islam, Maryam Jafri, Olaf Metzel, Jeroen de Rijke, Willem de Rooij, Rirkit Tiravanija, Jeff Wall und Ming Wong präsentiert. Die Ausstellung ist bis zum 23. August zu sehen. Der Katalog ist eine empfehlenswerte Publikation, die ich im November 2013 vorgestellt habe (fassbinder-jetzt/ ). Neu erscheint ein Buch über Babara Baum, auf das ich noch eingehen werde. Mehr zur Ausstellung: fassbinder_111766.php

Oskar Roehler: ein Buch und ein Film

2015.RoehlerZeit: die 1980er Jahre. Ort: Westberlin. Oskar Roehler erzählt in seinem Buch „Mein Leben als Affenarsch“ und in seinem Film TOD DEN HIPPIES!! ES LEBE DER PUNK die über weite Strecken identische Geschichte seines Alter Ego Robert, der vom Souterrain in Wedding aufsteigt in eine Altbauetage in Schöneberg, der als Zwanzigjähriger in Berlin beginnt, seine Identität zu suchen, als Putzmann in einer Peepshow jobbt, eigentlich ein Dichter werden will, seine ersten Drogenerfahrungen macht, sich mit einer Stripperin zusammentut, die aus Wuppertal stammt und eher eine Kleinbürgerin ist. Roberts Kleidung ist ein alter Wehrmachtsmantel, er trägt eine Irokesenfrisur, er unternimmt Gewaltmärsche durch die Stadt, er lässt sich in die Paris Bar und ins „Risiko“ mitnehmen, er hört Blixa Bargeld und die „Einstürzenden Neubauten“; er ist eine literarische Figur und eine Filmfigur, und wir stellen uns vor, dass es Oskar Roehler ist, der sich von seiner tablettensüchtigen Mutter und seinem alkoholkranken Vater emanzipiert und in einer Mischung aus Autobiografie und Fiktion Erinnerungsarbeit leistet. Das Buch ist ein „Ich“-Roman, im Film spielt Tom Schilling den Robert, Hannelore Hoger die Mutter, Samuel Finzi den Vater, Emilia Schüle die Stripperin, die im Buch Nina und im Film Sanja heißt, Alexander Scheer den Blixa Bargeld. Das zeitgleiche Erscheinen von Buch und Film macht deutlich, dass Oskar Roehler als Autor und als Filmemacher in gleicher Weise begabt ist. Er wird oft unterschätzt. Vielleicht, weil er auch Grenzen verletzten kann. Wir können noch viel von ihm erwarten. Mehr zum Buch: 9783550080425.html

DER SANFTE LAUF (1966/67)

2015.DVD.Sanfte LaufWunderbar: das Gesicht, die Körpersprache, die Stimme des 25jährigen Bruno Ganz. Dies war der erste Film des Schweizer Schauspielers in Deutschland. Er spielt den jungen Angestellten Bernhard Krahl in der Versandabteilung einer Elektrofirma, verliebt sich in Johanna, die Tochter eines Bauunternehmers (sympathisch gespielt von Verena Buss), macht Karriere in seiner Firma, unternimmt mit Johanna eine Reise in seine Geburtsstadt Prag, weil er mehr über seine Vergangenheit erfahren will, und wird am Ende des Films mit der Nachricht konfrontiert, dass er seinen Aufstieg in der Firma nicht seinen Leistungen, sondern der Fürsprache von Johannas Vater zu verdanken hat. Es bleibt offen, wie er mit dieser Nachricht umgeht. DER SANFTE LAUF war der erste Spielfilm von Haro Senft (*1928), einem der Initiatoren des „Oberhausener Manifests“, wurde vom gerade gegründeten „Kuratorium junger deutscher Film“ gefördert, war damals im Kino nicht sehr erfolgreich und ist nur Filmhistorikern in guter Erinnerung. Es ist ein sehr sensibler Film, an der Kamera stand der Tscheche Jan Čuřík, und natürlich interessieren wir uns heute vor allem für Bruno Ganz, der aus der Figur des Bernhard einen komplexen Charakter macht. Haro Senft ist später vor allem durch seine Kinderfilme (EIN TAG MIT DEM WIND, 1978) bekannt geworden. Die DVD enthält als Bonusmaterial sieben Kurzfilme von Senft, darunter sind VON 6 BIS 6 (1959), KAHL (1961) und AUTO AUTO (1964). Wilhelm Roth hat für das Booklet einen schönen Text über Leben und Werk von Haro Senft geschrieben, über den 2013 im Übrigen eine sehr fundierte Biografie von Michaela S. Ast erschienen ist (09/haro-senft/ ). Mehr zur DVD bei Absolut Medien:  film/3904/Der+sanfte+Lauf

DIE SCHAUSPIELERIN

2015.DVD.SchauspielerinNoch eine neue DVD mit zwei DEFA-Filmen von Siegfried Kühn: Der Hauptfilm, DIE SCHAUSPIELERIN (1988), erzählt die melodramatische Geschichte eines Identitäts-wechsels in der frühen Nazizeit. Maria Rheine (gespielt von Corinna Harfouch) hat ein Enga-gement am Theater in Magdeburg. Sie liebt ihren Kollegen Mark Löwenthal (André Hennicke). Ihre beruflichen Wege trennen sich, Maria folgt einem Angebot aus München und wird dort zum Star, Mark geht zum jüdischen Theater in Berlin. Wir erleben, wie Mark einmal nach München fährt, Maria dort als Johanna auf der Bühne sieht, aber einer Begegnung ausweicht, und wie Maria Mark als Pantomimen im jüdischen Theater aus den Kulissen beobachtet. Trotz großer Erfolge in München ändert Maria ihren Namen in Manja Löwenthal, färbt ihr blondes Haar schwarz und findet einen Platz im Ensemble des jüdischen Theaters. Am Ende wird ihr Identitätswechsel durch eine Intrige an die Gestapo verraten. Der Film nutzt die Bühnenwelt – Proben, Aufführungen, Kostümwechsel in den Garderoben – für ein Spiel mit vielen Realitäten, politischen, kulturellen, psychologischen, geschlechtsspezifischen. Es gibt ungewöhnlich viele Spiegelszenen, die vor allem von Corinna Harfouch für die Zwiesprache mit sich selbst und mit den von ihr verkörperten Rollen genutzt werden. Sie erweist sich wieder als herausragende Darstellerin, die eine größere Wirkung entfaltet als ihre männlichen Partner (Hennicke und, als Kollege in München, Michael Gwisdek). Die Kameraführung von Peter Ziesche ist beeindruckend sowohl in den Großaufnahmen als auch in den Raumtotalen. Auch die Maskenbildner haben hervorragend gearbeitet. Als „Bonusfilm“ enthält die DVD Kühns späten Film HEUTE STERBEN IMMER NUR DIE ANDERN. Auch hier sind Schauspielerinnen die Hauptpersonen. Sie heißen Hanna, Maria und Lisa, treffen sich nach langer Zeit wieder und müssen sich damit auseinandersetzen, dass Maria an Krebs erkrankt ist und nicht mehr lange leben wird. So thematisiert Kühn das Thema Sterbehilfe. Es gibt viele symbolische Bildelemente, und die ständigen Erinnerungen an eine Gondelfahrt in Venedig gehen einem auf die Nerven, aber Katrin Saß (Hanna), Ulrike Krumbiegel (Lisa) und vor allem Gudrun Ritter (Maria) sind starke Darstellerinnen. – Eine dritte DVD mit Filmen von Siegfried Kühn ist angekündigt. Mehr zur DVD: die-schauspielerin-heute-sterben-immer-nur-die-andern-sparkauf.html

Dominik Graf

2015.GrafDies ist bereits die Nummer 38 der Film-Konzepte. Sie ist dem Regisseur Dominik Graf gewidmet. Die sieben Beiträge dieses Heftes gehen auf ein Kollo-quium zurück, das im November 2014 an der Otto-Friedrich-Universi-tät in Bamberg statt-gefunden hat. Felix Lenz sieht in seinem Referat die FAHNDER-Krimis als Skizzen zu späteren Werken. Judith Ellenbürger beschäftigt sich mit der „Körper-lichkeit des Geldes“ bei Graf. Jörn Glasenapp, diesmal der Herausgeber des Heftes, analysiert die Hauptpersonen im Drama aus dem Rotlichtmilieu, HOTTE IM PARADIES (2002). Kathrin Rothemund macht sich Gedanken über die Elemente der Serialität in Grafs Miniserie IM ANGESICHT DES VERBRECHENS (2010). Lisa Gotto untersucht in ihrem sehr reflektierten Beitrag die filmischen Mittel in dem Essayfilm über den Schauspieler Robert Graf, DAS WISPERN IM BERG DER DINGE (1997), den Dominik zusammen mit Michael Althen realisiert hat und der sich der Autorin als „eine vielgestaltige Collage von Kriegs- und Nachkriegsgenerationen, Film- und Fernsehinstitutionen, gesellschaftlichen Verhältnissen und medialen Verständnissen“ darstellt. Auch die beiden folgenden Texte widmen sich Essayfilmen: bei Florian Lehmann geht es um „Topographie, Typologie, Potentialis“ in MÜNCHEN – GEHEIMNISSE EINER STADT (2000), ebenfalls gemeinsam von Graf und Michael Althen verantwortet, bei Oliver Fahle um „Analyse, Geschichte und Poetik des Fernsehen“ in ES WERDE STADT! (2014), dem Film zum 50jährigen Bestehen des Grimme-Preises, den Graf zusammen mit Martin Farkas gedreht hat. Den Abschluss des Heftes bildet ein „Logbucheintrag“ von Dominik aus dem Dezember 2014, als er zusammen mit Tobias Streck den Film über Michael Althen montiert hat, den ich natürlich sehr berührend finde. Coverfoto: IM ANGESICHT DES VERBRECHENS. Mehr zum Heft: 9783869164021#.VTvmnRyWFgs

Totentanz im Film

2015.TotentanzZwölf lesenswerte Texte zu einem interessanten Filmmotiv, beginnend mit den Todesbildern in den Stummfilmen von Fritz Lang (Autorin: Silke Hoklas), speziell in METROPOLIS (1926). Susanne Kaul forscht über den Totentanz im Zeichentrick und konkretisiert dies in der Filmkomik von Walt Disneys THE SKELETON DANCE (1929), einem 5 1/2-minütigen Kurzfilm. Viola Rühse verbindet in ihrem Text Sergej Eisensteins danse macabre in QUE VIVA MEXICO! (1931) mit der Rezeption in den filmtheoretischen Entwürfen von Siegfried Kracauer. Anke Zechner referiert über den Totentanz im Brautkleid in Pier Paolo Pasolinis MEDEA (1969). Felix Lenz beschäftigt sich mit den amerikanischen Totentänzen in Terrence Malicks BADLANDS (1973) und THE TREE OF LIFE (2011). Jean-Pierre Palmier schreibt über Choreografien des Todes in den Filmen von Quentin Tarantino. Im Text der Herausgeberin Jessica Nitsche geht es um die Konstellation von Tod, Fotografie und Film in PALERMO SHHOOTING (2007) von Wim Wenders. Bernd Schneid reflektiert über das „Spiel im Spiel“ vom Tod in Lars von Triers Film MELANCHOLIA (2011). Daniel S. Ribeiro thematisiert den Tod im zeitgenössischen Dokumentarfilm. In den abschließenden drei Essays wechseln wir in den Bereich der Videokunst. Tim Pickartz untersucht „Choreografien des Todes in bewegten und bewegenden Bildern zeitgenössischer Videokunst“. Mariaelisa Dimino fokussiert ihren Text auf die Videokunst von Alessando Amaducci. Und Andreas Becker formuliert zum Abschluss „Notizen zum Bon Odori“. Mit Bibliografie und Filmografie. 53 Abbildungen in sehr guter Qualität. Mehr zum Buch: mit-dem-tod-tanzen/

Authentizität in der Filmbiografie

2015.AuthentizitätDas „Biopic“ – gemeint sind damit die verfilmten Lebens-geschichten von Künstle-rinnen und Künstlern, Wissenschaftlern, Politikern oder Königinnen – ist ein beliebtes Genre mit einer großen Tradition. Judith Königer fragt in ihrer Dissertation (Ludwig Maximilian Universität München), wie „authen-tisch“ eine Filmbiographie sein muss, wie viel fiktionale Freiheiten sich ein Biopic leisten kann, um bei den Rezipienten, den Zuschauerinnen und Zuschauern, eine positive Wirkung zu haben. Sie untersucht in diesem Zusammenhang die Faktoren Glaubwürdigkeit, Relevanz, Kontingenz und Wahrscheinlichkeit. Ihre Kapitel heißen „Authentizität und Bild“, „Authentizität und Film“, „Authentizität und Fiktion“, „Authentizität und Rezeption“. Ihre theoretischen Bezugspunkte findet sie u.a. bei Manfred Hattendorf („Dokumentarfilm und Authentizität“, 1994), Eva Hohenberger („Die Wirklichkeit des Films“, 1988), Hans Robert Jauß („Der Gebrauch der Fiktion in der Anschauung und Darstellung von Geschichte“, 1982), Klaus Sachs-Hombach (diverse Texte) und Henry M. Taylor („Rolle des Lebens. Die Filmbiographie als narratives System“, 2002). Drei gut ausgewählte Filmbeispiele nutzt die Autorin, um ihre Thesen zur Authentizität konkret zu überprüfen: POLLOCK (USA 2000) von Ed Harris, der 15 Jahre aus dem Leben des amerikanischen Malers Jackson Pollock erzählt, LA VIE EN ROSE (2007) von Olivier Dahan, die Lebensgeschichte der französischen Sängerin Edith Piaf, und CÉLESTE (1981) von Percy Adlon, eine Filmbiografie über Marcel Proust, erzählt aus der Perspektive seiner Haushälterin Céleste Albaret, die den Romancier in den letzten neun Jahren seines Lebens betreut hat. Die Filmanalysen sind beeindruckend und verleihen dem theoretischen Konstrukt einen überzeugenden Zusammenhang. Die wenigen, kleinen Abbildungen in akzeptabler Qualität sind hilfreich. Mehr zum Buch: Bd–825.html

Klaus Wildenhahn

2015.WildenhahnHeute Abend wird in der Akademie der Künste der Film HARLEM THEATER (1968) von Klaus Wilden-hahn gezeigt. Anschließend moderiere ich ein Gespräch mit Jeanine Meerapfel, Gisela Tuchtenhagen und Klaus über dokumentarische Filmarbeit in den 1960er und 70er Jahren. – Im Verbrecher Verlag ist gerade ein neues Buch von Klaus Wildenhahn erschienen: „Abendbier in flacher Gegend“. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Gedichten und Notizen, wie sie der Autor in größeren Abständen publiziert. Es sind literarische Miniaturen, die sich mit seiner dokumentarischen Arbeit verbinden lassen. Sie handeln diesmal von der Adventszeit in Hamburg, von Berlin in verschiedenen Jahren, zu unterschiedlichen Jahreszeiten, von London und Hamburg in den 50ern, von Früh-schichten, von der Arbeit auf einer geschlossenen Station, der Rückkehr nach Deutschland und den ersten Erfahrungen beim NDR-Fernsehen, mit einem Zeitsprung ins Jahr 1975. Dann folgt ein Filmtext von 1991: NOCH EINMAL HH4: REEPERBAHN NEBENAN. Dann: der Weg zur Arbeit im NDR im Januar 95, ein halbes Jahr vor Beginn der Rentenzeit, und wie sich die Arbeit im Schneideraum geändert hat. Dann: Gedanken in zwei Kaffeehäusern im August, September, Oktober 2010, und der Sprung nach Ostende, gefolgt von einem Zeitsprung in den Juni 2012. Die Wohnung in Ostende hatte für Klaus eine große Bedeutung. Wir lesen poetische Beobachtungen, persönliche Erinnerungen. Es sind Blicke in die Denkwelt eines großen Dokumentarfilmregisseurs, der in der Bundesrepublik für dieses Genre eine Schlüsselrolle gespielt hat. Ich habe viel von ihm gelernt, ich fühle mich eng mit ihm verbunden (zum Beispiel in unserer Verehrung des japanischen Regisseurs Yasujiro Ozu). Unsere gemeinsame Freundin Eva Orbanz hat ein schönes Vorwort für das Buch geschrieben. Mehr zum Buch: book/detail/779