Münchner Filmfest

2015.FilmfestHeute wird das 33. Münchner Filmfest eröff-net. In neun Programm-reihen werden rund 200 Filme gezeigt. „Cinemasters“ heißt der Wettbewerb um den besten internationalen Film; zu gewinnen ist der ARRI / Osram Award. Zwölf Filme sind hier zu sehen, darunter ARABIAN NIGHTS von Miguel Gomes, PASOLINI von Abel Ferrara, ASTRAGAL von Brigitte Sy und LOUDER THAN BOMBS von Joachim Trier. „Cinevision“ nennt sich der Wettbewerb um den besten internationalen Nachwuchsfilm; elf Filme bewerben sich. „Spotlight“ nennt sich eine Reihe, in der nicht konkurriert wird; gezeigt werden 53 Filme „mit Stars vor und hinter der Kamera“. Eine große Tradition hat in München die Reihe „International Independents“; hier stehen 43 Filme auf dem Programm. „Neues Deutsches Kino“ präsentiert 18 Premieren, darunter sind neue Produktionen von Dietrich Brüggemann, Lutz Dammbeck, Axel Ranisch und Marie Wilke; es gibt Förderpreise für Schauspiel, Regie, Drehbuch und Produktion. In der Reihe „Neues Deutsches Fernsehen“ sind 18 Filme zu sehen, die sich um den „Bernd Burgemeister Fernsehpreis“ bewerben. Außerdem gibt es natürlich ein „Kinderfilmfest“, verschiedene Hommagen (zum Beispiel für Andy Warhol, Alexander Payne – ihm ist eine große Retrospektive gewidmet – , Joe Hembus sowie Jean-Jacques Annaud und Rupert Everett, die den CineMerit Award erhalten) und Special Screenings. Die Kinos sind über die Stadt verteilt: der Carl-Orff-Saal im Gasteig, das ARRI, das Filmmuseum, drei Säle im „City“, drei in der HFF, vier in der Münchner Freiheit, das Rio I und II und das Filmtheater am Sendlinger Tor. Da ist es gar nicht so einfach, alle Wunschfilme zu sehen. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren fahren wir wieder zum Filmfest. Eröffnet wird heute Abend im Mathäser mit dem Film DEN MENSCHEN SO FERN von David Oelhoffen mit Viggo Mortensen und Reda Kateb. Mehr zum Programm: programm/filme/?cat=1#titel

Hinter den Bildern die Welt

2015.Hinter den BildernAntje Vollmer (*1943) ist Politikerin und Autorin, sie hat Evangelische Theologie studiert, war zehn Jahre lang Vizepräsi-dentin des Deutschen Bundestages und ist seit dreißig Jahren Mitglied der Partei „Die Grünen“. Hans-Eckardt Wenzel (*1955) ist Musiker, Autor und Regisseur, er hat Kulturwissenschaft und Ästhetik studiert, seine Diskographie enthält mehr als 35 Titel. Er erhielt viele Preise. Antje Vollmer und Hans-Eckhardt Wenzel haben vom Juni 2014 bis Januar 2015 in der Alten Kachelofenfabrik in Neustrelitz gemeinsam das Gesamtwerk von Rainer Werner Fassbinder besichtigt und darüber einen Briefwechsel geführt, der kürzlich im matrosenblau Verlag publiziert wurde. In den Briefen kommentieren die beiden die gesehenen Filme, setzen sie in Bezug zu der Zeit, in der sie entstanden sind, aber auch zu politischen Ereignissen der Gegenwart (Charlie Hebdo), kommentieren sie aus der Perspektive ihrer unterschiedlichen Erfahrungen (Vollmer mit West-Hintergrund, Wenzel mit Ost-Biografie). Weil sich beide auch intensiv mit der Form der Filme auseinandersetzen und weil Fassbinders Werk unendlich viele Fragen stellt, ist die Lektüre des Buches spannend und kurzweilig, wenn man mit den Filmen gut vertraut ist. Die hohe Intelligenz der Briefpartner ist von Beginn an spürbar, sie nehmen ihre Begegnungen und den Erkenntnisaustausch ernst, aber es gibt natürlich auch Momente der Ironie und manchmal auch der Ermüdung. Zwölf Tage, verteilt auf sieben Termine, haben die Vorführungen gedauert. Es hat sich, aus meiner Sicht, gelohnt. Mehr zum Buch: hinter-den-bildern-die-welt/

Unzuverlässiges Erzählen

2015.Unzuverlässig kleinWenn die Handlung eines Films die traditionellen narrativen Gleise verlässt und den Zuschauer damit verunsichert, spricht man von „unzuverlässigem Erzählen“. Dies hat vor allem in Amerika, aber auch in Europa eine lange Tradition. Bernd Leiendecker hat in seiner Dissertation (Universität Bochum) einen Korpus von 200 Filmen aus dem 20. Jahrhundert untersucht und elf Kategorien gebildet: 1. Die retroaktive Traummarkierung (Beispiel: THE WOMAN IN THE WINDOW von Fritz Lang). 2. Der vorgetäuschte Tod (Beispiel: VERTIGO von Alfred Hitchcock). 3. Die retroaktive Markierung von Halluzinationen, Visionen und Tagträumen (REPULSION von Roman Polanski). 4. Die retroaktiv markierte intradiegetische Fiktion (DIE FEUERZANGENBOWLE von Helmut Weiss). 5. Die unzuverlässige Rückblende (DAS CABINET DES DR. CALIGARI von Robert Wiene). 6. Der unbewusste Tod (THE SIXTH SENSE von M. Night Shyamaian). 7. Imaginäre Freunde und gespaltene Persönlichkeiten PSYCHO von Alfred Hitchcock). 8. Die retroaktiv markierte Virtuelle Realität (WELT AM DRAHT von Rainer Werner Fassbinder). 9. Die irreführende Voice-Over-Rahmung (TO BE OR NOT TO BE von Ernst Lubitsch). 10. Zuweisung einer Opferrolle durch unvollständige Exposition (BEYOND A RESONABLE DOUBT von Fritz Lang). 11. Die metaleptische Annullierung (FUNNY GANES von Michael Haneke). Sechs Einzelfilme ließen sich keiner dieser Kategorien zuordnen (darunter sind MILDRED PIERCE von Curtis Bernhardt, IMAGES von Robert Altman und THE SILENCE OF THE LAMBS von Jonathan Demme). Die genannten Filmtitel habe ich als signifikante Beispiele aus dem von Leiendecker zusammengestellten Korpus ausgewählt. Er hat für seine Analysen natürlich die 200 Filme gesichtet. Eine interessante filmhistorische Untersuchung. Mehr zum Buch: what-they-want-to-see.html

DIE FRAU DES POLIZISTEN

2015.DVD.Frau des PolzistenFür diesen Film hat Philip Gröning 2013 in Venedig den Spezialpreis der Jury erhalten. In Deutschland bekam er überwiegend gute Kritiken, aber beim Deutschen Filmpreis wurde er nicht einmal nominiert. Seine Erzählweise ist eigenwillig. Wir sehen die Situation einer dreiköpfigen Familie in der nord-deutschen Provinz. Der Vater ist Polizist, die Mutter versorgt Haushalt und Kind, die vierjährige Tochter könnte eine schöne Zukunft haben. Aber der Vater arbeitet zu viel, hat Nebenjobs, um sein Gehalt aufzubessern, ist eifersüchtig und jähzornig, es kommt zu Gewaltausbrüchen gegenüber der Frau. Die Zerstörung der Familie ist unabwendbar. Der Film dauert fast drei Stunden. Er strukturiert die Geschichte in 59 Kapiteln, die jeweils mit „Anfang“ und „Ende“ gekennzeichnet sind. Er nimmt sich Zeit. Es dominieren die Bilder (Gröning stand auch selbst hinter der Kamera). Gedreht wurde – wie eigentlich immer bei ihm – ohne vorgegebenes Drehbuch mit viel Improvisation der Darsteller. Die Eltern (David Zimmerschied und Alexandra Finder) sind beeindruckend. Es gibt keine Filmmusik, nur Geräusche. Ich hätte dem Film einen größeren Erfolg gewünscht. In der Filmgalerie 451 ist inzwischen die DVD erschienen. Sie enthält als Bonusmaterial „Deleted Scenes“ (8 Minuten), Beobachtungen „Behind the Scenes“ (9 Minuten) und ein Gespräch zwischen Philip Gröning und Karsten Visarius, das im Deutschen Filmmuseum stattgefunden hat (26 Minuten). Mehr zur DVD: die-frau-des-polizisten/

Movies and Music

2015.MoviesEin Buch zum Hören, Lesen und Schauen. Es ist vor allem ein Buch mit einem akustischen Schatz: es enthält acht CDs mit Musikstücken aus 139 Filmen, in chronologischer Folge, beginnend mit dem Jahr 1932 (THE MUSIC BOX von James Parrott, mit Laurel and Hardy, Musikstück: „Dance of the Cuckoos“ von Marvin Hatley), endend mit dem Jahr 2013 (GRAVITY von Alfonso Cuarón, mit Sandra Bullock und George Clooney, Musikstück: „Main Theme“ von Steven Price). Auf der Reise durch die amerikanische Kinogeschichte (mit kleinen Ausflügen nach England) begleiten uns fast alle prominenten Filmkomponisten, es sind zwölf Stücke von John Williams zu hören, neun von Hans Zimmer, fünf von Ennio Morricone, je vier von James Horner (darunter „My Heart Will Go On“ aus TITANIC) und Bernard Herrmann, je drei von Maurice Jarre (darunter natürlich „Lara’s Theme“ aus DOCTOR ZHIVAGO), Elmer Bernstein und Giorgio Moroder. Auch Richard Strauß (mit „Also sprach Zarathustra“ aus 2001) und Richard Wagner (mit dem „Walkürenritt“ aus APOCALYPSE NOW) sind präsent. Das längste Stück ist „Anything Is Possible“ aus THE MATRIX mit 8 Minuten, 8 Sekunden, das kürzeste „Whistle Theme“ aus KILL BILL VOL. I mit 1’, 27’’. Das Buch enthält auf über 200 großformatigen Seiten auch viel Lesestoff: Texte zu allen 139 Filmen in Englisch und Deutsch, Cast und Credits, Angaben zum Budget und den Box Office-Zahlen. Doppelseiten mit schwarzem Untergrund präsentieren Schwarzweiß- und Farb-Abbildungen zu „Kisses in the Movies“, „Cars in the Movies“, „Disney’s Heroes“, „Iconic Actresses“, „Monsters in Movies“, „Spaceships in Movies“, „Architecture in Movies“, „Super Heroes“, „Disney’s Villains“, „Bad Girls in Movies“, „Bad Guys in Movies“ und „Make-Up Transformations“. Das alles ist – der Verlagsname verpflichtet – edel gestaltet. Die Texte stammen von Stefanie Breitbarth und René Valjeur. Für das Konzept ist Jos Bendinelli Negrone verantwortlich. Kompliment! Mehr zum Buch: moviessoundscameraaction/

Deutscher Filmpreis

2015.LolaHeute Abend werden in Berlin zum 65. Mal die „Deutschen Filmpreise“ verliehen, die seit 1999 „Lola“ heißen. Über die Nominie-rungen in 16 Kategorien stimmen die rund 1.600 Mitglieder der Deutschen Filmakademie ab. Als „Bester Film“ wird – das ist meine Prognose – entweder IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS von Giulio Ricciarelli oder VICTORIA von Sebastian Schipper gewinnen, als bester Dokumentarfilm CITIZEN FOUR von Laura Poitras oder BEYOND PUNISHMENT von Hubertus Siegert, als bester Kinderfilm RICO, OSKAR UND DIE TIEFERSCHATTEN von Neele Leana Vollmar. Ich hoffe auf Preise für Dominik Graf als besten Regisseur (DIE GELIEBTEN SCHWESTERN), für Nina Hoss als beste Hauptdarstellerin (in PHÖNIX von Christian Petzold), für Hanno Koffler als besten Hauptdarsteller (in HÄRTE von Rosa von Praunheim), für Sturla Brandth Grovlen für die beste Kameraführung (in VICTORIA). In den anderen Kategorien will ich mich nicht festlegen. Da ich kein Mitglied der Deutschen Filmakademie bin, konnte ich mich an der Abstimmung auch nicht beteiligen. Außerdem wird wie in jedem Jahr der Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises vergeben, in diesem Jahr an die Kostümbildnerin Barbara Baum, worüber ich mich sehr freue. Schließlich gibt es noch den Bernd Eichinger Preis, der von einer Jury vergeben wird, und den Publikumspreis, den der Film HONIG IM KOPF von Til Schweiger erhalten wird. Die Verleihung findet am Palais am Funkturm statt, Jan Josef Liefers wird moderieren, eine zeitversetzte Übertragung ist ab 22.45 Uhr im ZDF zu sehen. Mehr zu den Nominierungen zum Deutschen Filmpreis: die-nominierten/

Michael Degen / Oskar Werner

U1_978-3-87134-768-9.inddLiechtenstein 1983. Nach einer Gastspielaufführung von Strindbergs „Fräulein Julie“ in der Inszenierung von Ingmar Bergman wird der Schauspieler Michael Degen von seinem Kollegen Oskar Werner zu einem Drink in dessen Haus in Triesen eingeladen. Es wird eine lange Nacht, in der viel getrunken und fast pausenlos geredet wird. „Roman einer wahren Begegnung“ lautet der Untertitel des Buches. Zwei Schauspieler konfrontieren ihre Erinnerungen: die unterschiedlich verlaufenen Leben, ihre schönsten Rollen, die Zusammenarbeit mit bekannten Regisseuren und berühmten Kollegen, die nicht zu vergessenden Höhepunkte und Krisen in ihrem Beruf. Sie wissen viel von einander, sie haben eine erstaunliche Empathie zueinander. Am Anfang dominiert Oskar Werner, der eigentlich Oskar Josef Bschließmayer hieß, zehn Jahre älter ist als sein Gesprächspartner und den Platzvorteil im eigenen Haus nutzt. Im Laufe der Nacht gewinnt Michael Degen deutlich an Punkten, weil er beruflich noch nicht resigniert hat und etwas weniger trinkt als sein Gegenüber. Teils anekdotisch, teils in differenzierter Bewertung wird über Werner Krauß, Josef Kainz, Gustaf Gründgens, Elisabeth Bergner, Käthe Reichel, Klaus Kinski, über Ingmar Bergman, François Truffaut, Jürgen Fehling, Lothar Müthel, Peter Stein, Rudolf Noelte und Harry Buckwitz gesprochen. Wie interpretiert man die großen Rollen: den Prinzen von Homburg, Don Karlos, den Ferdinand in „Kabale und Liebe“ und vor allem Shakespeares Hamlet? Es gibt Dialoge in diesem Roman, bei denen man glaubt, der Autor habe sie damals heimlich aufgezeichnet. Mit fortschreitender Zeit häufen sich natürlich auch Redundanzen, aber wenn dann, ziemlich zum Schluss, Oskar Werner über den gescheiterten Selbstmordversuch seiner Mutter spricht und Michael Degen über die Jahre 43/44/45 im Untergrund in Berlin, die er dank seiner Mutter überlebt hat, dann gewinnt der Text noch einmal an Intensität. In einem „Epilog“ werden wir über das Ende von Oskar Werner informiert, am 23. Oktober 1983 in Marburg nach einem Herzinfarkt. – Es ist mehr ein Theater- als ein Filmbuch, es handelt von Kunst, Geschichte und Politik, es ist lesenswert. Mehr zum Buch: Der_traurige_Prinz.3075208.html

Verräter

2015.VerräterDie Einleitung von Hans Richard Brittnacher, der von Thomas Koebner die Herausgeberschaft der Buchreihe „Projektionen“ übernommen hat, beginnt so: „Das Urteil über den Verräter sprechen die Verratenen: Über Judas haben die Christen den Stab gebrochen, über Don Juan die verlassenen Frauen, über Leo Trotzki die Stalinisten, über Schenk Graf von Stauffenberg die Nazis, über Edward Snowden die amerikanische Regierung. Die Gründe des Verrats spielen in der Wahrnehmung der Verratenen kaum eine Rolle, die Dunkelheit, in die der Verräter sein Handeln hüllt, umso mehr. Deshalb hat der Verräter schlechte Karten.“ Acht Texte über Verräter sind in diesem Buch versammelt. Fünf haben mir besonders gut gefallen: Jürgen Heizmanns Anmerkungen zu THE THIRD MAN von Carol Reed und den Roman von Graham Greene („Der Verräter aus verlorener Unschuld“), Kai Spankes Essay über den Verrat im Mafiafilm, speziell in THE GODFATHER und GOODFELLAS („Keine Frage der Ehre“), Achim Küppers Reflexionen über Kopie und Auslöschung in Anthony Minghellas Film THE TALENTED MR. RIPLEY („Verrat am ‚Original’? Oder: Die Kunst der Fälschung“), Hans Richard Brittnachers Porträtierung des Judas im Film („’Mit einem Kuss verrätst Du mich?’“) und Thomas Koebners Überlegungen zum Verrat als Leitmotiv im Spionagegenre, mit Hinweisen auf Graham Greene und John le Carré und interessanten Anmerkungen zu THE SPY WHO CAME IN FROM THE COLD, THE HUMAN FACTOR, L’ARMÉE DES OMBRES, OBERST REDL und THE CONSTANT GARDENER. An Karin Wielands Text über Marlene Dietrich („Treue und Verrat“) hat mich der herablassende Ton gestört. Mehr zum Buch: 0#.VW9hKhyWFgs

Dekonstruktion des Bürgerlichen im Weimarer Kino

6416-8 CraciunEs gibt immer wieder neue Untersuchungen zum Film der Weimarer Republik. Die rumänische Germanistin Ioana Crãciun (sie ist auch als Lyrikerin, Dramatikerin und Grafikerin tätig) hat mit Unterstützung der Alexander von Humboldt-Stiftung in Frankfurt und Marbach geforscht und ihre interessanten Erkenntnisse jetzt im Universitätsverlag Winter publiziert. Sie zitiert zwar sehr oft Siegfried Kracauer, relativiert aber dessen Thesen und kommt bei ihren Analysen zu ganz eigenständigen Ergebnissen. Sie fokussiert ihren Blick auf fünf Themenbereiche und begrenzt die Untersuchung auf die Zeit des Stummfilms. Im ersten Kapitel geht es um „Die Großstadt und ihre Psychopathologie“. Die ausgewählten Filme sind ASPHALT von Joe May, DIE FREUDLOSE GASSE und GEHEIMNISSE EINER SEELE von G. W. Pabst. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Darstellung der männlichen Homosexualität. ANDERS ALS DIE ANDERN von Richard Oswald und ICH MÖCHTE KEIN MANN SEIN von Ernst Lubitsch sind die Filmbeispiele, außerdem werden hier Friedrich Wilhelm Murnau und seine beiden Filme DER LETZTE MANN und NOSFERATU ins Spiel gebracht. Das dritte Kapitel mit der Überschrift „Was hast du armet Wesen auf dieser Welt zu verlieren?“ handelt von Kindergestalten und Kinderschicksalen, wie sie in BERLIN. DIE SINFONIE DER GROSSSTADT von Walther Ruttmann, in verschiedenen Filmen von Fritz Lang, in Murnaus FAUST und in Gerhard Lamprechts DIE UNEHELICHEN zu sehen sind. Die umfangreichste Analyse gilt hier der Figur der „kleinen Thymian“ (dargestellt von Louise Brooks) in Pabst TAGEBUCH EINER VERLORENEN. Das vierte Kapitel („Ich möchte etwas Böses sehen … etwas ganz, ganz Böses …!“) handelt von Verbrechen und Verbrechern. Acht Filme werden in diesem Zusammenhang genauer untersucht: WACHSFIGURENKABINETT von Paul Leni, VON MORGENS BIS MITTERNACHTS von Karlheinz Martin, PHANTOM und SCHLOSS VOGELÖD von F. W. Murnau, DR. MABUSE, DER SPIELER und SPIONE von Fritz Lang und DER BETTLER VOM KÖLNER DOM von Rolf Randolf. Im fünften und letzten Kapitel geht es um die Gestalt des Doppelgängers in DER STUDENT VON PRAG von Henrik Galeen (mit einem Blick auf die erste Verfilmung 1913), METROPOLIS von Fritz Lang und, zum Schluss, DAS CABINET DES DR. CALIGARI von Robert Wiene. Beeindruckend am Text von Ioana Crãciun finde ich ihre Vertrautheit mit der deutschen Literatur, ihren Blick „von außen“ und ihre Sensibilität in den Bildbeobachtungen. Mehr zum Buch: Dekonstruktion_des_Buergerlichen/

THE PLAYER von Robert Altman

2015.DVD.The PlayerRobert Altman (1925-2006) ist für mich einer der Großen des amerika-nischen Films. Neben M*A*S*H, NASHVILLE und SHORT CUTS ist THE PLAYER (1992) ein Film, den ich besonders liebe. Bei KSM ist jetzt eine DVD des Films erschienen. Das Drehbuch hat Michael Tolkin geschrieben. Das Thema heißt Hollywood. Die Hauptfigur ist Griffin Mill (Tim Robbins), ein Produzent, der unter Erfolgsdruck steht und mit seiner Macht, über die Realisierung von Projekten zu entscheiden, anonyme Feinde hat. Drohbriefe spitzen seine schwierige Lage zu. Beim Treffen mit einem abgelehnten Autor kommt es zu Handgreiflichkeiten, der Autor stirbt, aber die Drohungen enden nicht. Der Film hat satirische Momente, es gibt Cameo-Auftritte von mehr als 50 Stars, darunter sind Harry Belafonte, Karen Black, Cher, Peter Falk, Jeff Goldblum, Anjelica Huston, Jack Lemmon, Nick Nolte, Julia Roberts, Susan Sarondon, Rod Steiger, Lily Tomlin und Bruce Willis. Zu den Extras der DVD gehören ein Audiokommentar von Robert Altman und Michael Tolkin, ein Interview mit Altman, einige nicht verwendete Szenen, der Trailer und eine Bildgalerie sowie ein Booklet. Mehr zur DVD: php?id=3565