Gunter Groll

2015.GrollSein Credo war: „Der Kritiker sage das Schwere leicht.“ Und: „Drei Grundzüge der guten Kritik: die Fähigkeit zu klären, die Liebe zur Sache und die Distanz zum Objekt.“ Gunter Groll (1914-1982) war von 1946 bis 1958 Filmkritiker der Süddeutschen Zeitung, seine Texte wurden sehr geliebt. Er gliederte sie in kleine Absätze und trennte sie – nach seinem Vorbild Alfred Kerr – durch römische Ziffern. Zwei Bände mit gesammelten Kritiken von ihm erschienen 1953 („Magie des Films“) und 1956 („Lichter und Schatten“). Im Schüren Verlag ist jetzt das Buch „Die Kunst der Filmkritik“ erschienen, herausgegeben von seinen Kindern Monika Stein und Mathias Groll. Es enthält 110 Filmkritiken, eine Auswahl aus den Sammelbänden und zwanzig bisher nicht in Buchform veröffentlichte Texte. Sie sind nicht in eine chronologische Reihenfolge gebracht. Es sind viele sehr bekannte Titel dabei, zum Beispiel PANZERKREUZER POTEMKIN (1925) von Sergei Eisenstein, LA PASSION DE JEANNE D’ARC (1928) von Carl Theodor Dreyer, DER BLAUE ENGEL (1930) von Josef von Sternberg, CITY LIGHTS (1931), THE GREAT DICTATOR (1940) und LIMELIGHT (1950) von Charles Chaplin, LA GRANDE ILLUSION (1937) von Jean Renoir, HOTEL DU NORD (1938) von Marcel Carné, GONE WITH THE WIND (1939) von Victor Fleming, LADRI DI BICICLETTE (1948) von Vittorio De Sica, ORPHÉE (1950) von Jean Cocteau, RASHOMON (1950) von Akira Kurosawa, DER UNTERTAN (1951) von Wolfgang Staudte, MADAME DE… (1953) von Max Ophüls, LA STRADA (1954) von Federico Fellini, LUDWIG II. (1954), DIE LETZTE BRÜCKE (1954) und HIMMEL OHNE STERNE (1955) von Helmut Käutner und RIFIFI (1954) von Jules Dassin – das ist übrigens der einzige von den genannten Filmen, der negativ beurteilt wird („Mififi“). 35 Filme stammen aus den USA, 26 aus Deutschland, 23 aus Frankreich, 12 aus Italien. Diese Reise in die Filmgeschichte liest sich sehr spannend, die Texte sind meist ernsthafter als ich sie in Erinnerung hatte. Mit einem Vorwort von David Steinitz. Mehr zum Buch: die-kunst-der-filmkritik.html

Große Werke des Films

2015.Die großen WerkeDas Buch basiert auf einer Ringvorlesung, die 2013/14 an der Universität Augsburg stattgefunden hat. 13 „Große Werke des Films“ wurden in diesem Zusammenhang in chronologischer Reihefolge vorgestellt. Es sind: NOS-FERATU (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau, M (1931) von Fritz Lang, TO BE OR NOT TO BE (1942) von Ernst Lubitsch, THE SEARCHERS (1956) von John Ford, PSYCHO (1960) von Alfred Hitchcock, OTTO E MEZZO (1963) von Federico Fellini, DR. STRANGELOVE (1964) von Stanley Kubrick, ALPHAVILLE (1965) von Jean-Luc Godard, MEDEA (1969) von Pier Paolo Pasolini, ARREBATO (1979) von Iván Zulueta (der einzige Film, den ich nicht kenne), DEKALOG 5 (1988) von Krzysztof Kieslowski, LOST HIGHWAY (1997) von David Lynch und FAUST (2011) von Alexander Sokurov. Bis auf eine Gastreferentin sind alle Autorinnen und Autoren in der Philologisch-Historischen Fakultät der Universität Augsburg verortet, viele im Bereich der Vergleichenden Literaturwissenschaft, einige am Lehrstuhl für Amerikanistik, andere bei der Romanistik. Ihre Beiträge sind durchgehend sachkundig, manche sind mehr an inhaltlichen als an formalen Fragen interessiert, aber das Wechselspiel der Perspektiven funktioniert gut. Ich greife ein paar Texte heraus, die mir besonders gut gefallen haben: Günter Butzer (Vergleichende Literaturwissenschaft) konfrontiert in seinem NOSFERATU-Beitrag Murnaus Film mit dem Roman von Bram Stoker. Heike Schwarz (Amerikanistik) beschäftigt sich im Kontext von M insbesondere mit Fragen der Psychopathologie. Johanna Hartmann (Amerikanistik) setzt die Figuren von TE BE OR NOT TO BE in eine Beziehung zur historischen Realität. Katja Sarkowsky (Professorin für American Studies an der Universität Münster) untersucht in ihrem beeindruckenden Text Gemeinschaft, Gesellschaft und Hybridität in THE SEARCHERS und tut dies mit einer offenbar großen Kenntnis des Werkes von John Ford. Bei Ingo Kammerer (Didaktik der deutschsprachigen Literatur) geht es vor allem um die Dramaturgie von PSYCHO. Michael Sauter (Amerikanistik) lässt sich sehr intensiv auf Plot und Struktur, Set Design und Kameraführung von DR. STRANGELOVE ein und auf das dort gezeigte Verhältnis Mensch/Maschine. Julia Koloda (Vergleichende Literaturwissenschaft) interpretiert MEDEA als Kritik an der Massenkultur, als traumartigen Antikfilm, als Spiegel der gesellschaftlichen und individualpsychologischen Situation. Die Ringvorlesung soll fortgesetzt werden. In der nächsten Runde sollte man nicht wieder den japanischen Film vergessen. Mehr zum Buch: grosse-werke-des-films-i.html

Unterwegs zum Nachbarn

2015.Unterwegs NachbarnDie deutsch-polnischen Filmbeziehungen waren und sind vielfältig und teilweise kompliziert. Das Buch, herausgegeben von Brigitte Braun, Adrzej Debski und Andrzej Gwózdz, basiert auf einer internationalen Konferenz, die 2011 in Wroclaw stattgefunden hat. 23 Textbeiträge sind dokumentiert. Ich nenne zehn Texte, die mir besonders gefallen haben: Andrzej Debski referiert über Stereotypen des „Nachbarn jenseits der Oder“ im deutschen und polnischen Gegenwartskino. Margarete Wach schreibt über Filmemacher aus Polen und Deutschland „unterwegs zum Nachbarn“ vor dem Hintergrund kinematografischer Europäisierungsprozesse vor und nach der Wende. Konrad Klejsa erinnert an die Zusammenarbeit von Artur Brauner, Jan Fethke und Fritz Lang in DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE (1960). Ralf Schenk erzählt die Entstehungs-geschichte des deutsch-polnischen Gemeinschaftsfilms SIGNALE – EIN WELTRAUMABENTEUER (1970) von Gottfried Kolditz. Bei Andrzej Gwózdz geht es um die gute Nachbarschaft in Stanislaw Lenartowicz’ OPETANIE und Egon Günthers DIE SCHLÜSSEL. Ulrich Tempel vergleicht die Darstellung des September 1939 in den Filmen DER FALL GLEIWITZ (1961) von Gerhard Klein und LOTNA (1959) von Andrzej Wajda. Michaela S. Ast untersucht die Darstellung von Flucht und Vertreibung im bundesdeutschen Spielfilm der 1950er Jahre und heute. Larson Powell thematisiert nationale Gedächtnisbilder im polnischen und ostdeutschen Film der 1970er Jahre am Beispiel von Andrzej Wajda und Rainer Simon. Magdalena Saryusz-Wolska dokumentiert die Rezeption von Andrzej Wajdas Film DAS MASSAKER VON KATYN (2007). Bernadetta Matuszak-Loose referiert über Nationalhistoriographie im deutschen und polnischen Kino vor und nach 1989. Aber auch andere, zum Teil sehr spezielle Texte sind interessant. Band 23 der Schriftenreihe „Filmgeschichte International“, die von Uli Jung herausgegeben wird. Coverfoto: LICHTER von Hans-Christian Schmid. Mehr zum Buch: www.wvttrier.de/ (und dann den Titel suchen).

LIED DER STRÖME (1954)

2015.DVD.Lied der StrömeEr war einer der großen Dokumentaristen des 20. Jahrhunderts. Der in Holland geborene Joris Ivens (1898-1989) hat in vielen Ländern Filme gedreht, er war politisch engagiert, fand immer formal neue Lösungen und hatte auch persön-lich ein großes Charisma. Ich habe ihn 1974 kennen gelernt, als er zwei Tage an der Deutschen Film- und Fernsehakademie mit den Studenten über seine Filme diskutiert hat. Seine wichtigsten Filme sind für mich REGEN (1929), THE SPANISH EARTH (1937) und der 12teilige China-Film COMMENT YUKONG DEPLACA LES MONTAGNES (1976), den er zusammen mit Marceline Loridan realisiert hat. LIED DER STRÖME ist ein poetischer Film, bei dem Ivens 1954 Regie geführt hat, gemeint als eine Verbeugung vor den Arbeitern und Bauern, die an den großen Flüssen der Welt tätig sind, an der Wolga, am Mississippi, am Nil und am Ganges, am Amazonas und am Jangtse. Mitgewirkt haben an diesem Werk Künstler wie Dimitri Schostakowitsch, Bertolt Brecht, Paul Robeson, Ernst Busch und Pablo Picasso. Der 108 Minuten lange Film ist eine Vision von der Schönheit der Erde, aber auch ein Klagelied über das Elend vieler Menschen, die auf dieser Erde leben. Absolut Medien hat jetzt eine DVD dieses Films publiziert, den nur noch wenige kennen. Das ist sehr verdienstvoll. Im Booklet sind Texte von Ralf Schenk und Joris Ivens zu lesen und zeitgenössische Kritiken aus der Berliner Zeitung und der Wochenpost. Zum Bonus-Material gehört der Film MEIN KIND (1955), den Alfons Machalz und Vladimir Pozner unter der Künstlerischen Oberleitung von Joris Ivens gedreht haben. Mehr zur DVD: /film/4040/Lied+der+Stroeme

DOKU.ARTS

2015.DOKE.ArtsNoch bis zum 27. September findet im Zeughauskino des Deutschen Histo-rischen Museums die neunte Ausgabe des Festivals DOKU.ARTS statt. In diesem Jahr stehen Filme aus dem Bereich Architektur und Bauen im Mittelpunkt. Aber auch andere Themen werden nicht vernachlässigt. So gibt es am 23. September den Film NICOLAS ROEG: IT’S ABOUT TIME von David Thompson (Foto) zu sehen, der erstmals einen filmischen Einblick in die Arbeit des englischen Regisseurs erlaubt. Das Porträt ist Teil der BBC-Reihe „The Genius of British Cinema“. Wir sehen und hören die Schauspielerinnen und Schauspieler Donald Sutherland, Julie Christie, Theresa Russell und die Filmemacher Ben Wheatley, Danny Boyle und Mike Figgis. Andreas Lewin hat wieder ein interessantes Programm zusammengestellt. Das Festival gehört inzwischen zum festen Bestandteil des Filmherbstes in Berlin. Mehr zum Programm: 2015/de/programme

Auf Reisen mit Peter Nau

2015.RegenmondDas kleine Format der Bücher des Verbrecher Verlages ist ideal für seine Texte. Peter Nau schreibt in der Regel „Miniaturen“. Das sind Beobachtungen und Gedanken zu Filmen, die er gesehen hat. Vor zwei Jahren erschien der Band „Irgendwo in Berlin“ in der „Filit“-Reihe, die Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen herausgeben. Da ging es um Filme aus Deutschlands Westen und Osten. Jetzt gibt es die Sammlung „Unter dem Regenmond“. Zuerst erzählt Peter in 19 Miniaturen „Von fremden Ländern und Menschen“. Es sind fünf Filme dabei, sie ich sehr liebe: UGETSU MONOGATARI (1953) von Kenji Mizoguchi, WICHITA (1955) von Jacques Tourneur, CHARULATA (1964) von Satyajit Ray, EIN ABEITERCLUB IN SHEFFIELD (1965) von Peter Nestler, SCHATTENLAND (2005) von Volker Koepp und vier Filme, die ich sehr schätze: WIE YÜ GUNG BERGE VERSETZTE (1976) von Joris Ivens und Marcedline Loridan, ANNÄHERUNG. WALTER REUTER, FOTOGRAF UND FILMEMACHER IM EXIL (1991) von Lothar Schuster, AUS DER FERNE (2006) von Thomas Arslan und HOTEL SAHARA (2008) von Bettina Haasen. Die Filme werden mit den Texten sofort wieder präsent. Das zweite Kapitel heißt „Berlin um die Ecke“. Da erzählt Peter u.a. von einem Treffen mit dem Filmjournalisten Fred Gehler in Babelsberg, von Gehlers HEINRICH GEORGE-Porträt (1993), von Gerhard Lamprechts Film IRGENDWO IN BERLIN (1946), von einer spontanen Zusammenarbeit mit Harun Farocki und – ohne konkreten Filmbezug – von Ausflügen nach Weißensee, zu Schinkel-Bauwerken in Glienicke, in den Volkspark Rehberge, nach Plötzensee, von seinem Besuch bei einem Anästhesisten in Lichterfelde Ost und seinem Aufenthalt im Urban-Krankenhaus in Kreuzberg. Peters Texte werden beim Lesen immer zu Bildern, die sich schnell mit Geschichte verbinden. Im letzten Kapitel werden sieben Filme des Regisseurs Peter Goedel gewürdigt („Das unbekannte Meisterwerk“). Das Erscheinen dieses Buches wurde von der DEFA-Stiftung und der Stiftung Deutsche Kinemathek ermöglicht. Mehr zum Buch: book/detail/774

Architektur im Film

2015.Architektur im FilmDas Buch basiert auf einer Tagung, die 2012 an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz stattgefunden hat. Sieben überarbeitete Vorträge und zwei zusätzliche Texte (von Jeanpaul Goergen und Rolf Sachsse) sind hier ver-sammelt. Sie bauen interessante Brücken zwischen Architektur-geschichte und Film. Helmut Weihsmann beschreibt in seinem Beitrag „Cinetectur – Architektur im Zeitalter des Films“ die Interaktion von Film und Architektur. Rolf Sachsse reflektiert unter dem Titel „Türme von Notre Dame: Werdet Bild!“ über die technischen Medien und ihr Bild der Architektur-geschichte. Christiane Keim analysiert den Lehrfilm DIE FRANKFURTER KÜCHE (1928) als mediale Repräsentation des „Neuen Frankfurt“ in den 1920er Jahren. Lena Christolova widmet sich in ihrem Beitrag den Vorgaben des Kunsthistorikers Heinrich Wölfflin und des Architekten Le Corbusier und konfrontiert sie mit den Raum-Darstellungen in Godard LE MÉPRIS. Jeanpaul Goergen hat acht Filme aus den 1950er Jahren gefunden, die für den Wiederaufbau in der Bundesrepublik werben, aber nicht interessiert waren an der Meinung der beteiligten Bürgerinnen und Bürger. Lutz Robbers referiert generalisierend über „Architekturgeschichte im Zeitalter des Films“. Bei Barbara Schrödl geht es um den Kunsthistoriker und Filmemacher Carl Lamb und seinen Film RAUM IM KREISENDEN LICHT (1936). Doris Agotai und Marcel Bächtiger formulieren Manifeste für einen Architekturfilm. Und Christina Threuter analysiert den Architekturfilm LOOS ORNAMENTAL (2006) von Heinz Emigholz. Mit Abbildungen in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: architektur-im-film?c=738

Architektur und Medien

2015.Architektur und MedienPeter Weibel (*1944) gilt als eine zentrale Figur der europäischen Medienkunst. Er ist seit 1984 Professor für Mediengestaltung und -theorie an der Universität für angewandte Kunst in Wien und seit 1999 Vorstand des ZKM/Zentrum für Kunst und Medien-technologie Karlsruhe. Seine Präsenz bei Tagungen und Ausstellungen gilt als konkurrenzlos, entsprechend groß ist sie in den einschlägigen Publikationen. Erstmals wird jetzt der Versuch unternommen, in einer sechsbändigen Schriftenreihe („Enzyklopädie der Medien“) seine Texte, die oft im Verborgenen erscheinen, zugänglich zu machen. Hatje Cantz hat sich als Verlag dafür angeboten. Der erste Band handelt von „Architektur und Medien“. 28 Texte sind hier versammelt, beginnend mit dem Vortrag „Territorium und Technik“ (1988/98), endend mit dem Katalogtext „Jenseits der Erde / Das orbitale Zeitalter“ (1986). Die Beiträge sind nicht chronologisch geordnet, ihre Reihenfolge wird nicht erklärt. Ein Index erschließt den Textkorpus. Schlüsseltexte sind für mich „Vom Verschwinden der Ferne. Die Trennung von Bote und Botschaft“ (1990, zu einer Ausstellung des Deutschen Postmuseums in Frankfurt am Main), „Der Pavillon der Medien von Coop Himmel(b)lau. Eine neue Gleichung zwischen Kunst und Architektur“ (1995, zur Biennale di Venezia; Weibel war in jenem Jahr ‚Kommissär’ des Österreichischen Pavillons), „Schaufenster-Botschaften. Ein Piktorial zur Ikonografie des Urbanismus“ (1979, zu einer Ausstellung des Steirischen Herbstes) und „Architektur Algorithmen“ (1996, über das Programm von Manfred Wolff-Plottegg). Natürlich hat mir auch der Text über die „Infobox“ von Schneider + Schumacher am Potsdamer Platz gefallen, die ich oft besucht habe. Der jüngste Beitrag, „Architektur und Information“ (2014), betrifft den Newsroom von Veech x Veech Design in London. Der zweite Band handelt von „Musik und Medien“. Mehr zum Buch: 1-6227-0.html

Stanley Kubricks 2001

2015.Kubricks 2001Vor fünfzig Jahren hat Stanley Kubrick seinen Film 2001: A SPACE ODYSSEY gedreht. Ein halbes Jahr dauerten die Aufnahmen in den Londoner Studios, für die Special Effects brauchte der Regisseur weitere achtzehn Monate. Der Film wurde in 70mm realisiert, er kostete damals mehr als zehn Millionen $, kam mit 16 Monaten Verspätung ins Kino und wurde in der westlichen Welt ein großer Erfolg. In Berlin, daran erinnere ich mich, musste man über zwei Jahre auf ihn warten, weil der Royal-Palast von dem Mega-Hit DOCTOR ZHIVAGO besetzt war. Ein alternatives Kino gab es nicht. Wer ungeduldig war, fuhr nach München, Hamburg oder in eine andere Stadt. Kubricks Film ist inzwischen ein Mythos. Im Taschen Verlag wurde jetzt das Buch „The Making of Stanley Kubrick’s 2001: A Space Odyssey“ von Piers Bizony publiziert, das sich als wahre Schatzkammer erweist. Umfang: 562 Seiten. Format: 18 cm breit, 38 cm hoch. Neun Teile strukturieren das Buch: I. „Journey Beyond the Stars“ (das war der Arbeitstitel des Projekts; der Autor erzählt kurz Kubricks Biografie und ausführlich von der Zusammenarbeit mit dem Autor Arthur C. Clarke, dessen Story „The Sentinel“ der Ausgangspunkt für 2001 war). II. „A King of Infinitive Space“ (über die Konzeptionierung des Raumschiffs Discovery). III. Santa’s Workshop (über die Postproduction). IV. („The Dawn of Man“ (über den Beginn des Films mit dem Kampf zweier Affengruppen und das Auftauchen eines Monolithen). V. „Stanley on Set“ (über Kubricks Arbeit mit den Darstellern). „They Hated It, They Loved It“ (über die Reaktionen der Kritik, mit einem Kubrick-Interview von Joseph Gelmis). VII. „Yesterday’s Tomorrow“ (über den Film 2001 aus heutiger Perspektive). VIII. „Are We Alone?“ (über den Astronomen Frank Drake und die Möglichkeiten eines extraterrestrischen Lebens ). IX. „Film Synopsis“ (eine ausführliche Inhaltsangabe). Die Texte sind kenntnisreich und lesenswert. Überwältigend ist das Bilderangebot. Immer wieder gibt es ausklappbare Seiten, die das Format verdoppeln. Die technische Qualität ist hervorragend. Kleine Bilder in der Marginalspalte der Texte verweisen bereits auf die großen Bilder. Der Autor hatte natürlich Zugang zum Stanley Kubrick Archiv. Dort kann man – wie die Leserinnen und Leser – über dieses Buch glücklich sein. Mehr zum Buch: 2001_a_space_odyssey.htm

Memorials

2015.MemorialsHans Dieter Schaal hat vor zwanzig Jahren die Aus-stellung „Kino * Movie * Cinéma“ im Martin-Gropius-Bau gestaltet und fünf Jahre danach die Ständige Ausstel-lung des Film-museums Berlin. Die Zusammenarbeit mit ihm war wunderbar, ich habe sehr viel von ihm gelernt. Bei der Lektüre seines jüngst erschienenen Buches „Memorials – Betrachtungen über Denk-Male in unserer Zeit“ wurde mir wieder klar, wie reflektiert sein Blick auf die Geschichte ist. Es geht um die Erinnerung und wie sie sich im 20. Jahrhundert und im gerade begonnenen 21. verändert hat. Die Medien – zuerst das Kino, dann das Fernsehen und inzwischen das Internet – sorgen für eine Präsenz der Geschichte. In zwölf Kapiteln wird das von Schaal konkretisiert. Er beginnt mit einem Rückblick auf den ersten Medienwechsel, die Fernsehrevolution. Es folgt der zweite Medienwechsel mit Gedanken zu den zukünftigen Denkmälern der Computer- und Internetrevolution. Im Zentrum steht das Kapitel über „Neue Museen“, in dem u.a. das Centre national d’art et de culture Georges-Pompidou in Paris, das Museumsufer in Frankfurt am Main, das Museum of Modern Art in New York, das Deutsche Historische Museum in Berlin, das Deutsche Museum in München, das Guggenheim Bilbao Museoa, das Phaeno Science Center in Wolfsburg, das MAXXI-Museo nazionale delle Arti del XXI secolo in Rom, die BMW Welt in München und das Auditorio de Tenerife in Santa Cruz von Schaal sehr persönlich beschrieben und konzeptionell eingeschätzt werden. Ein eigenes Kapitel ist den Vergnügungsparks von Walt Disney gewidmet. Dann geht es um Denkmäler des Konsums, um Autos als Denkmäler und „Denkmalsersatzobjekte“ (mit einem Verweis auf die Filmgeschichte), um Denkmäler der Landschaftszerstörung, um Erinnerungen an das Atomzeitalter und den 11. September und schließlich um Denkmäler des kosmischen Fernwehs. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Friedhöfe. Schaal hat eine große Fähigkeit, uns mit all diesen Schauplätze in ihrer Bedeutung und, in manchen Fällen, auch in ihrer Trivialität zu konfrontieren. Die zahlreichen Abbildungen sind hilfreich. Ich bin beeindruckt. Mehr zum Buch: Schaal_Memorials.pdf