2001. A SPACE ODYSSEY

Heute Abend wird im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main von der neuen Direktorin Ellen Harrington die Ausstel-lung „Kubricks 2001. 50 Jahre A Space Odyssey“ eröffnet. Im Schüren Verlag ist als Begleit-publikation das Buch „201 x 2001 – Fragen und Antworten mit allem Wissenswerten zu Stanley Kubricks ODYSSEE IM WELTRAUM“ erschienen. Der Autor, Nils Daniel Peiler, ist Ko-Kurator der Ausstellung; er schreibt zurzeit an der Univer-sität Heidelberg seine Disserta-tion zur künstlerischen Rezeption des Kubrick-Films. Das jetzt vorliegende kleine Buch ist sachkundig und originell. Die Fragen werden in alphabetischer Reihenfolge gestellt, beginnend mit „001 Wie lautet der Arbeitstitel des Films?“ (Antwort: JOURNEY BEYOND THE STARS), endend mit „201 Welche sozialen Ereignisse bestimmen den Zeitgeist der Entstehung des Films?“ (in der längeren Antwort wird daran erinnert, dass zwei Tage nach der Premiere von 2001 der schwarze Bürgerrechtsaktivist Martin Luther King jr. ermordet wurde). In den Fragen spielen Affen, der Autor Arthur C. Clark, die Erfindungen des Films, die Farben, HAL, die Kosten, die Knochen, der Monolith, die Motive, die Rechte mehrfach eine Rolle. Keine Abbildungen, aber eine wunderbare Lektüre für alle, die den Film lieben. Mehr zum Buch: 576-201-x-2001.html

Zwei Filme über Romy Schneider

Der Film 3 TAGE IN QUIBE-RON von Emily Atef lief im Wettbewerb der Berlinale. Er zeigt Romy Schneider (gespielt von Marie Bäumer) 1981 bei einem Kuraufenthalt in der Bretagne. Ihre Freundin Hilde (Birgit Minichmayr), die in Wien als Restauratorin arbeitet, besucht sie. Es gibt eine Interview-Verabredung mit dem Stern-Journalisten Michael Jürgs (Robert Gwisdek) und dem Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner). Wir sind Zeugen, wie Romy ihre guten Vorsätze über Bord wirft (kein Alkohol), wie ihre Stimmungen schwanken und wie sie im Interview ihre Positionen formuliert. Am Ende bricht sie sich beim Fotografieren an der Felsküste den Fußknöchel. Gedreht in Schwarzweiß. Mich hat der Film vor allem wegen der starken schauspielerischen Leistungen sehr beeindruckt. Mit insgesamt zehn Lola-Nominierungen geht er ins Rennen um die Deutschen Filmpreise, die am 27. April vergeben werden. In unseren Kinos ist 3 TAGE IN QUIBERON ab 12. April zu sehen. Mehr zum Film: 248993.html

1966 hat Hans-Jürgen Syber-berg für das Fernsehen des Bayerischen Rundfunks das dokumentarische Feature ROMY – PORTAIT EINES GESICHTS gedreht. Der Film wurde inzwischen in der erweiterten Form des Director’s Cut vom Filmmuseum München restauriert und digitalisier, er liegt jetzt als DVD in der Reihe der „Fernsehjuwelen“ vor. Drei Tage hat Syberberg die damals 27jährige Schauspielerin in Kitzbühel besucht, sie beim Skilaufen beobachtet und ausführlich mit ihr gesprochen. Das Interview in der zweiten Hälfte des Films ist eindeutig der Höhepunkt des Films. Die Kamera bleibt meist nahe am Gesicht, Romy spricht von ihren Hoffnungen und Sehnsüchten, sie hat Deutschland inzwischen verlassen, lebt in Paris, hat u.a. mit Orson Welles und Anthony Perkins den Film LE PROCÈS gedreht und mit Michel Piccoli LA VOLEUSE. Aus beiden Filmen sind Ausschnitte zu sehen. Syberbergs Film ist effektvoll montiert, es entsteht eine große Nähe zur Protagonistin. Zu den Extras gehört ein 30-Minuten-Interview mit Renate Seydel, die zwei Bücher über Romy Schneider publiziert hat. Mehr zur DVD: B071454NMB

Symptome der Kulturindustrie

Eine Dissertation, die an der Universität Bremen entstanden ist. Sonja Witte untersucht „Dynamiken des Spiels und des Unheimlichen in Filmtheorien und ästhetischem Material“. Ihr Ausgangspukt ist eine Relektüre von Theodor W. Adornos Kritik der Kulturindustrie und die Aus-einandersetzung mit zwei film-theoretischen Diskursen, der Filmologie (vornehmlich aus dem Zeitraum zwischen 1946 und 1961) und der Apparatus-debatte (fokussiert auf die Jahre 1968 bis 1972). Teil I widmet sich den grenzüberschreitenden Spielen. Konkret stehen hier ausgewählte Arbeiten des zeitgenös-sischen Konzeptkünstlers Santiago Sierra im Mittelpunkt. Auf der theoretischen Seite werden zwei Texte des Psychoanalytikers Cesare Musatti zurate gezogen. Im Teil II geht es um das Unheimliche und seine Brüche. Der Film DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE (2001) von Jean-Pierre Jeunet ist das spezielle Beispiel, das die Autorin für ihre Analyse ausgewählt hat. Als Lektüre nutzt sie Texte von Jean-Louis Baudry. Sonja Witte bewegt sich wissenschaftlich auf hohem Niveau, ist bestens vertraut vor allem mit der französischen Filmtheorie und hat ihre Arbeit gut strukturiert. Mit wenigen Abbildungen. Mehr zum Buch: symptome-der-kulturindustrie/

Die Widerständigkeit des Medialen

Eine Habilitationsschrift, die an der Universität Hamburg ent-standen ist. Heinz Hiebler unternimmt „Grenzgänge zwischen Aisthetischem und Diskursivem, Analogem und Digitalem“. Entsprechend hoch ist der theoretische Anspruch. Ausgehend von der Geschichte der Kulturwissenschaften beschreibt der Autor die Schwie-rigkeiten, die Medienwissen-schaften in diesem Umfeld zu positionieren. Er informiert über Einzelmedientheorien zu Film und Hörspiel, unterscheidet bei Künsten und Medien zwischen Unsichtbarkeit und Sichtbarkeit, reflektiert über Möglichkeiten und Grenzen der Beschreibung von Medien und Realität. Medienanalyse und Medieninterpretation ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Hier ist eine schöne Analyse von Jim Jarmuschs Film DOWN BY LAW zu lesen und am Ende ein bemerkenswerter Text über das Hörspiel „The War of the Worlds“ (1938) von Howard Koch und Orson Welles. Im darauffolgen-den Kapitel erkennt Hiebler einen Paradigmenwechsel in der Medienkulturgeschichte, der am Ende im Kapitel „Medien und Realität“ differenziert beschrieben wird. 450 Seiten, 1.217 Quellenverweise, 17 Abbildungen in guter Qualität, umfangreiches Literaturverzeichnis. Mehr zum Buch: die-widerstaendigkeit-des-medialen

Short Cuts

SHORT CUTS (1993) ist einer-seits ein legendärer Film von Robert Altman, „Short Cuts“ nennt man andererseits das Zerstückeln und Neumontieren von Handlungssträngen in der Literatur, im Spielfilm und in Fernsehserien: ein inzwischen oft angewandtes Erzählver-fahren, das den Zuschauern eine gewisse Mitarbeit abverlangt. Zwölf Texte im vorliegenden Buch, das Moritz Baßler und Martin Nies herausgegeben haben, beschäftigen sich mit diesem Thema, in das Baßler sehr sachkundig einführt und für das Nies in seinem Beitrag die theoretische Basis legt. David Ginnutis entdeckt „Gitterstrukturen“ in Short-Cuts-Texten und in Altmans Film. Stephan Brössel erinnert an Short Cuts in erzählenden Texten in den 1910er und 20er Jahren. Philipp Pabst beschäftigt sich mit Ulrichs Seidls Film HUNDSTAGE, Andreas Blödorn mit Roman von Peer Hultberg. Bei Dominic Büker und Valentijn Vermeer geht es um David Mitchells Erzählungen „Cloud Atlas“, bei Kilian Hauptmann um die Verfilmung von Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern. Gudrun Weiland informiert über Textstrategien in Heftromanserien der 20er und 30er Jahre. Keyvan Sarkhosh macht Beobachtungen zum Verhältnis von Erfolg, Staffellaufzeiten und narrativer Dichte in aktuellen Quality-TV-Serien. Von Stefan Tetzlaff stammt ein Beitrag über die Meta-Serie DOCTOR WHO. Anna Lippke und Anna Seidel untersuchen die Seriealisierung des Films TINY FURNITURE und die Popularisierung der Serie GIRLS. Der Band basiert auf den Beiträgen eines Workshops, der an der Universität Münster stattgefunden hat. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: short-cuts-ein-verfahren-zwischen-roman-film-und-serie.html

Kino Arbeit Liebe

Elisabeth Büttner war eine deut-sche Filmwissenschaftlerin, die 2007 Professorin für Film-theorie an der Universität Wien wurde. Zusammen mit Christian Dewald hat sie eine zweibändige Geschichte des österreichischen Films verfasst, die als Standard-werk gilt. EB, wie sie oft genannt wurde, ist im Februar 2016 im Alter von 55 Jahren gestorben. Das Buch „Kino Arbeit Liebe“, herausgegeben von Christian Dewald, Petra Löffler und Marc Ries im Verlag Vorwerk 8, ist eine Hommage an sie. Fünf bisher unveröffentlichte Texte von EB machen deutlich, wie sie gedacht und geschrieben hat: eine Reflexion über HIROSHIMA MON AMOUR (verfasst 1984), Anmerkungen zum Umgang mit Namen bei Cesare Pavese und Cy Twombly (1990), vier Seminareinführungen zu Siegfried Kracauer (2002), ihre Antritts-vorlesung zum Thema „Filmästhetik als Produzent von Geschichtlich-keit“ (2008) und die Dankesrede (gemeinsam mit Christian Dewald) anlässlich der Verleihung des „Victor Adler-Preises“ für die Geschichte des österreichischen Films (2009). 17 Beiträge erinnern oft sehr persönlich an EB, sie stammen von Hans Scheugl, Daniela Hölzl, Dietmar Brehm, Marc Ries, Petra Löffler, Klaus Kreimeier, Rembert Hüser, Ute Holl, Christian Dewald, Andreas Schmiedecker und Viktoria Metschl, Simon Wachsmuth, Hilde Hoffmann, Kathrin Peters, Mathias Pilotek, Isabel Reicher und Lena Stölzl. Fotos spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Ein Werkverzeichnis der Texte von EB schließt den Band ab. Er ist „eine Gebrauchsanweisung für das Sehen und Erleben von Filmen“. Mehr zum Buch: 239&am=6

BARFUSS IN PARIS (2016)

Fiona Gordon ist Kanadierin, sie kooperiert mit dem Belgier Dominique Abel im Tanztheater und im Film. BARFUSS IN PARIS ist ihre vierte gemein-same Kinoregie. Und sie spielen auch die Hauptrollen: Fiona ist eine Bibliothekarin, die aus Kanada nach Paris fliegt, um ihrer alten Tante zu helfen, die man ins Altersheim abschieben will. Dom(inique) kommt als Obdachloser ins Spiel, der hilfreich, aber auch etwas aufdringlich ist. Eine wichtige Rolle spielt Fionas großer roter Rucksack, mit dem sie in die Seine fällt. Ja, dies ist eine Komödie, es gibt viele lustige Szenen, die durchaus Slapstick-Momente haben, und die Filmgeschichte ist mit Buster Keaton und Jaques Tati sehr präsent. Aber in manchen Momenten nerven die Stillstände der Dramaturgie, und man wünscht sich ein anderes Timing. In kleinen Rollen erleben wir noch einmal Emmanuelle Riva (als Tante Martha) und Pierre Richard mit einem Stepptanz im Park. Das Paris in diesem Film muss man auf jeden Fall lieben. Mehr zu DVD: 81&genre=&b=b

Filmdistribution in Deutschland

Eine Masterarbeit, die an der Hochschule der Medien in Stuttgart entstanden ist. Laura Glockseisen beschäftigt sich darin mit der Zukunft des TV-Marktes im Zeitalter der Digita-lisierung am Fallbeispiel Netflix. Nach einer theoretischen Fundierung und der Klärung einiger Grundbegriffe (Film-industrie, Digitalisierung, Filmdistribution) informiert sie kurz über die geschichtliche Entwicklung der Medien, über die Konvergenz der Medien-märkte und die wichtigsten Akteure der Filmindustrie. Ein spezielles Kapitel ist der Filmdistribution in Deutschland gewidmet (Kino, Pay-TV, Free-TV, Video-on-Demand). Der Hauptteil richtet den Blick auf die Videoplattform Netflix, die es seit 1997 gibt. Sie wird sehr differenziert dargestellt. Eine empirische Erhebung mit ausführlichen Interviews von fünf zuvor ausgewählten Experten der deutschen Medienwirtschaft macht die Untersuchung im letzten Kapitel konkret und anschaulich. Mehr zum Buch: product=29672

Jüdisches Berlin

Der Historiker Andreas Na-chama (*1951) und der frühere Intendant der Berliner Fest-spiele Ulrich Eckhardt (*1934) führen uns in diesem Buch durch das Berlin der Zeit vor 1933, zu Orten, Häusern und Plätzen, die von jüdischer Kreativität geprägt waren. Sie porträtieren Künstlerinnen und Künstler, Komponisten, Schrift-stellerinnen und Schriftsteller und Bürgerinnen und Bürger, die in anderen Bereichen tätig waren. Viele von ihnen sind ins Exil gegangen, andere wurden von den Nazis umgebracht. Natürlich wird der Umgang mit diesem Erbe nach Kriegsende kritisiert. Das vorliegende Buch (es ist 1996 anlässlich einer Ausstellung erstmals erschienen und wurde leicht überarbeitet und ergänzt) kann ein wichtiger Begleiter durch unsere Stadt sein, wenn man sich auf die Suche nach der Vergangenheit macht. 28 Kapitel, beginnend rund um die Neue Synagoge, endend in Köpenick. Mit Feuilletons von Hans Knobloch und Fotografien von Elke Nord. Die Filmwelt ist mit Kurt Gerron, Ernst Lubitsch und Billy Wilder etwas unterrepräsentiert. Mehr zum Buch: 766&menu=buecher

Filmpsychoanalyse

Andreas Hamburger (*1954) lehrt Psychoanalyse in Berlin, Kassel und München. Sein grundlegendes Werk über „Das Unbewusste im Kino – das Kino im Unbewussten“, erschienen im Psychosozial-Verlag, hat mich beeindruckt durch die unendlich vielen konkreten Filmbeispiele, die er in seinem Text interpre-tiert. In einem ersten Kapitel „Natural Born Viewers – Zur Psychoanalyse der Spielfilm-erfahrung“ legt er eine theoretische Basis für seine Unternehmung. Im zweiten Kapitel, „Freud in Wonderland – Wege durch den Bilderwald“, werden zunächst die traditionellen psychoanalytischen Zugänge zum Film beschrieben, dann geht es um das szenische Verstehen im Kino und um die einzelnen Schritte der Filmanalyse. Das Hauptkapitel, „Filmpraxis“, richtet den Blick zunächst aufs Genre, hier speziell auf die Komödie und den Agententhriller, widmet sich dann den Elementen der Handlung und der Filmfiguren und untersucht schließlich die Bedeutung der Kamera und des Schnitts. Hier eine Auswahl von Filmen, die der Autor konkret analysiert: BARTON FINK von den Coen-Brüdern und ADAPTATION von Spike Lee (über Drehbuchautoren auf der Leinwand), WITNESS FOR THE PROSECUTION von Billy Wilder (Suspense), DAMAGE von Louis Malle (Figurenspannung), PEEPING TOM von Michael Powell (Macht der Kamera), UNDER THE SKIN von Jonathan Glazer (Farbdramaturgie), RASHOMON von Akira Kurosawa (Parallelfahrten), UN CHIEN ANDALOU von Luis Buñuel und PSYCHO von Alfred Hitchcock (Schnitt), AMOUR von Michael Haneke (Aktivierung des Publikums). Ein letztes Kapitel beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Filmtheorie und Psychoanalyse. Im Mittelpunkt stehen da Film und Traum, Filmmetaphern und Frauen- und Männerbilder im Kino. Lesenswert. Mit Abbildungen, umfangreichem Literaturverzeichnis und drei Registern. Mehr zum Buch: de/2673