Animationsfilm

Bild 1Der Animationsfilm (früher sprach man vom „Zeichen-trickfilm“) ist ein spezieller Bereich der Filmproduktion. Er setzt eine besondere kreative Begabung voraus, die vor allem mit Zeichnen und Malen verbunden ist. An der Film-akademie in Ludwigsburg gibt es dafür ein eigenes Institut. Natürlich träumen sich viele in die Welten von Walt Disney, Pixar oder Hayao Miyazaki hinein. Aber zu den profes-sionellen Voraussetzungen gehört auch handwerkliches Wissen. Das Buch des Animationsfilmers Hannes Rall sorgt in diesem Zusammenhang für eine Basis. Es unterscheidet zunächst zwischen der Vorbereitung einer Produktion (Drehbuch und Storyboarding, figürliches Zeichnen für Storyboard und Animation, Charakterdesign, Produktionsdesign) und der Produktion selbst. Hier geht es dann um die Prinzipien der Animation und ihre konkrete Anwendung: im Zeichentrick, in der Stop Motion und in der 3D-Computeranimation. Hilfreich bei der Vermittlung sind die vielen Zeichnungen und Bildbeispiele, die den Text begleiten. Das Buch ist insgesamt gut verständlich geschrieben, die Fachbegriffe kann man in einem Glossar verifizieren, sofern sie einem nicht ohnehin vertraut sind. Zwei Gastautorinnen – Melanie Beisswenger und Kathrin Albers – kümmern sich vor allem um die Bereiche Stop Motion und 3D-Computer-animation. Hinzu kommen verschiedene Experteninterviews. Nicht nur für Animationsfilmer eine interessante Lektüre. Mehr zum Buch: 5c9634b9d/

Genre und Serie

2015.Genre+SerieGenre: das ist ein Ordnungs-faktor für die Wahrnehmung und Bewertung von Filmen und Fernsehsendungen. Serien: das sind Fortsetzungsgeschichten, die ihr Publikum möglichst langfristig an die Rezeption binden möchten. Darüber kann man sich auch in der Medien-theorie eigene Gedanken machen. Der vorliegende Band entstand im Sonderforschungs-bereich „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ an der FU Berlin. 18 Texte sind fünf Kapiteln zuge-ordnet: „Genres: Abgrenzungen, Poetiken, Praktiken“, „Wiederholung und Serialität“, „Zur televisuellen Evolution der Genres“, „Reihen, Zyklen, Filmserien“ und „Genres jenseits des amerikanischen Mainstreamkinos“. Zu den Autorinnen und Autoren gehören natürlich vor allem Wissenschaftler/innen der FU. Ich nenne einige Beiträge, die mich besonders interessiert haben. Ein kleines Team (Eileen Rositzka, Hermann Kappelhoff, Christian Pischel, Cilli Pogodda) beschäftigt sich mit dem amerikanischen Kriegsfilm THE GREEN BERETS. Gertrud Koch verweist auf Stanley Cavells Publikation „Pursuits of Happiness. The Hollywood Comedy of Remarriage“. Matthias Grotkopp widmet sich der Serie THE WIRE, Nikolaus Perneczky der Serie DEADWOOD. Chris Tedjasukmana referiert über „Affekt, Wiederholung und die Politik des Melodrams in Todd Haynes’ MILDRED PIERCE“. Sulgi Lie erinnert an die „Pflanzliche Mimikry in den BODY SNATCHER-Filmen“ von Don Siegel (1956), Philip Kaufman (1978) und Abel Ferrara (1993). Bei Tobias Haupts geht es um die Serie STAR TREK. Michael Lück erzählt „Mediengeschichtliches zur Edgar Wallace-Kinoreihe der 60er Jahre“. Bernhard Groß äußert sich zum „Verhältnis von Trümmerfilm und Genrekino 1945-1950“ und Winfried Pauleit schließt den Band zusammen mit Christine Rüffert mit einem Beitrag über „Experimentalfilm als Genre“ ab. Eine interessante Lektüre. Mehr zum Buch: 978-3-7705-5361-7.html

Zur Archäologie des Amateurfilms

2015.AmateurfilmDies ist der 25. Band der Buchreihe der Wiener „Gesellschaft für Film und Medien“ SYNEMA und des Österreichischen Filmmuseums. Sie ist im Format und in den Inhalten eine meiner Lieblingsreihen. Ich erinnere nur an die Bücher über Romuald Karmakar, Dominik Graf, Hou Hsiao-hsien und die drei schönen Bände zum 50jährigen Bestehen des Österreichischen Filmmuseums. Diesmal geht es um den Amateurfilm, der in den letzten Jahren auch als historische Quelle an Bedeutung gewonnen hat. 22 Texte sind fünf Kapiteln zugeordnet: „Technologie und Ästhetik“, „Genres und Variationen“, „Produktion und Dissemination“, „Politik und Geschichte“, „Archive und Sammlungen“. Ich nenne einige besonders interessante Beiträge: Ingo Zechner gibt Anleitungen für Amateure: „Wie man einen Film dreht“. Ian Craven untersucht die Verbindungen zwischen Amateuranimation und Avantgardefilmen. Alexandra Schneider forscht in der Frühzeit des Amateurfilms und entdeckt „Das Paradox des Stativs“. Siegfried Mattl und Vrääth Öhner analysieren den abendfüllenden Amateurspielfilm DER GRÜNE KAKADU (1932). Karen Lury stellt einen Zusammenhang zwischen Amateurfilm und Zoobesuch her. Ryan Shand informiert über Amateurfilmclubs speziell in Großbritannien. Nico de Klerk reflektiert über Home Movies als Aufzeichnung sozialen Verhaltens. Mats Jönsson unternimmt eine „Kontextualisierung der schwedischen Amateurfilmkultur 1910-1960“. Sehr interessant sind auch die sechs Berichte über die Amateurfilmsammlungen im „Archivio Nazionale del Film di Famiglia“ in Bologna, im Österreichischen Filmmuseum, in der Deutschen Kinemathek, im Nationalen Filmarchiv in Prag, im „Northeast Historic Film“ in Bucksport (Maine) und im „United States Holocaust Memorial Museum“ in Washington. Also: wieder ein sehr lesenswerter Band in der Reihe „FilmmuseumSynema-Publikationen“.Mehr zum Buch: 5680370519&ss1=y

Terry Gilliam

2015.GilliamesqueEr gehört nicht zu meinen Lieblingsregisseuren, seine Filme sind mir in der Regel zu durchgeknallt. Nur 12 MON-KEYS hat mir sehr gut gefallen. Die letzten Filme von ihm habe ich allerdings nicht gesehen. Jetzt ist seine Autobiografie erschienen. Ich finde sie sehr lesenswert, weil sie lakonisch und geradeheraus geschrieben ist, es gibt im Text eigentlich keine Absurditäten und wenig Anekdoten. Terry Gilliam (*1940) erzählt Geschichten aus seiner Jugend, Erinnerungen an seine Militärzeit, Hintergründe seiner Filmarbeit, Begegnungen mit Woody Allen, Frank Zappa, Robert Crumb oder Richard Nixon, Schwierigkeiten der Finanzierung und auch von den Glücksgefühlen, wenn sich ein Erfolg eingestellt hat. Natürlich wird auch die Zusammenarbeit mit dem Monthy Python Flying Circus und mit großen Schauspielern wie Robert De Niro, Robin Williams, Jeff Bridges, Brad Pitt, Uma Thurman und Johnny Depp thematisiert. Der Tonfall ist eher salopp, gleitet aber nicht in Albernheiten ab. Viele Abbildungen – Fotos, Bildmontagen und Zeichnungen von TG – verleihen dem Buch einen Pop-Charakter. Das wird die Fans freuen. Für mich steht der Text im Mittelpunkt. Mehr zum Buch: Hardcore/e482460.rhd

Verbotene Utopie

2015.Verbotene UtopieDas 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 war für die kulturelle Entwicklung der DDR vor allem in den Bereichen Film und Literatur ein traumatischer Bruch. Zahlreiche Texte und Filme, die sich kritisch mit der DDR-Realität auseinander-setzten, wurden damals verboten. Bei der DEFA waren u.a. zwölf Spielfilme betroffen, die erst in den Jahren 1989/90 gezeigt werden konnten. Das Buch „Verbotene Utopie“, herausgegeben von Andreas Kötzing und Ralf Schenk, ist die bisher beste und genaueste Darstellung der Ereignisse. Drei Teile strukturieren das Buch: „Geschichte“ / „Filme“ / „Dokumente“. Der 130-Seiten-Text des Historikers Kötzing „Sturm und Zwang“ ist eine überaus spannende Darstellung der Vorgeschichte des 11. Plenums, seines Verlaufs und seiner Folgen. Regine Sylvester erzählt aus ihrer persönlichen Perspektive Reaktionen der damals betroffenen Autorinnen, Autoren und Regisseure („Auferstanden. Vom Verstecken bis zum Entdecken der verbotenen Filme“). 14 Texte sind den Filmen gewidmet: Rainer Rother schreibt über DAS KANINCHEN BIN ICH von Kurt Maetzig, Claus Löser über DENK BLOSS NICHT, ICH HEULE von Frank Vogel, Detlef Kannapin über DER FRÜHLING BRAUCHT ZEIT von Günter Stahnke, Ralph Eue über FRÄULEIN SCHMETTERLING von Kurt Barthel, Ursula von Keitz über das Drehbuch „Ritter des Regens“ von Dieter Roth und Egon Schlegel, Ralf Schenk über SPUR DER STEINE von Frank Beyer, Tobias Ebbrecht-Hartmann über KARLA von Herrmann Zschoche, Lukas Foerster über WENN DU GROSS BIST, LIEBER ADAM von Egon Günther, Matthias Dell über BERLIN UM DIE ECKE von Gerhard Klein, Ekkehard Knörer über JAHRGANG 45 von Jürgen Böttcher, Barbara Felsmann über HÄNDE HOCH ODER ICH SCHIESSE von Hans-Joachim Kasprzik, Michael Wedel über DER VERLORENE ENGEL von Ralf Kirsten, Volker Petzold über inkriminierte Trickfilme und Chris Wahl über ES GENÜGT NICHT 18 ZU SEIN von Kurt Tetzlaff. Jedem Text sind präzise Filmdaten und eine spezielle Filmchronik angefügt, die von Johannes Roschlau zusammengestellt wurden. 15 Dokumente (Aktennotizen, Briefe, Stellungnahmen) ergänzen die Analysen. Eine CD enthält ausgewählte Tonband-Mitschnitte, die im Buch von Günter Agde kommentiert werden. Eine vorbildliche Publikation, die – fünfzig Jahre danach – das historische Ereignis und seine Folgen präsent machen. Ich bin auch persönlich sehr beeindruckt, weil ich damals als Journalist für westdeutsche Zeitungen über die DEFA viel geschrieben habe. Mehr zum Buch: products_id=466

Sybille Schmitz

2015.Sybille SchmitzSie war ein großer und geheimnisvoller Star des deutschen Films der 1930er und 40er Jahre. Zu ihren inter-essantesten Filmen gehören für mich F.P.1 ANTWORTET NICHT (1932) von Karl Hartl, FÄHRMANN MARIA (1936) von Frank Wysbar, TANZ AUF DEM VULKAN (1938) von Hans Steinhoff, TITANIC (1943) von Herbert Selpin und Werner Klingler und ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN (1947) von Harald Braun. Friedemann Beyer hat 1998 im Belleville Verlag ein beeindruckendes Buch über sie publiziert: „Schöner als der Tod“. Sybille Schmitz (1909-1955) ist jetzt das 46. Heft der „Kulleraugen“ gewidmet, einer Reihe zur „Visuellen Kommunikation“, die von Brigitte und Hans-Jürgen Tast herausgegeben wird. Titel: „Dem Licht, dem Schatten so nah“. Von Hans-Jürgen Tast stammt ein biografischer Text mit vielen Abbildungen und Zitaten aus zeitgenössischen Quellen, der uns noch einmal die Bedeutung der Schauspielerin vor Augen führt. Brigitte Tast hat eine fotografische Assoziationskette beigesteuert: „Tage wie die endlos schwarze See, ein Hafen stets so schwer zu finden“. Ein eigener Text erinnert an den Film DIE SEHNSUCHT DER VERONIKA VOSS (1982) von Rainer Werner Fassbinder, der die letzten Monate des Lebens von Sybille Schmitz thematisiert. Coverfoto: PR-Porträt für den Film HOTEL SACHER (1939). Mehr zum Heft: 0&sfort=0&La=1

Die Indienfilme von Fritz Lang

Die_Fritz_Lang_IndienEdition__Doppelamaray_DVD_Box_888751382091_2D.600x600DAS INDISCHE GRABMAL hieß 1921 der zweiteilige Film von Joe May nach einem Drehbuch von Fritz Lang und Thea von Harbou. Das Remake von Richard Eichberg entstand 1937/38 und trug die Titel DER TIGER VON ESCHNAPUR und DAS INDISCHE GRABMAL; einen Verweis auf die Co-Autorenschaft des emigrierten Fritz Lang gab es damals natürlich nicht mehr, nur auf den Roman von Thea von Harbou. Artur Brauner bot Fritz Lang 1956 an, die Indienfilme noch einmal für die CCC zu realisieren. Das Drehbuch schrieb Lang zusammen mit Werner Jörg Lüddecke, gedreht wurde in Berlin und in Indien. Der zweiteilige Film kostete 4,68 Mio. DM, führte zu heftigen Streitigkeiten zwischen Regisseur und Produzent, spielte ein Vielfaches ein, wurde von der westdeutschen Kritik verachtet, von der französischen Kritik geschätzt und lässt sich heute sehr entspannt als Abenteuerfilm der 1950er Jahre betrachten. Er erzählt die Geschichte eines deutschen Architekten, der in Indien Schulen und Krankenhäuser bauen soll und sich dort in eine Tänzerin verliebt, die – was er nicht weiß – mit dem Maharadscha verlobt ist. Bei Universum-Film ist jetzt eine Doppel-DVD erschienen, die ich empfehlen kann. Nützlich ist in diesem Zusammenhang die Lektüre des Fritz Lang-Buches von Norbert Grob. Ich zitiere einen Absatz über die Bauten des Films: „An der unterschiedlichen Architektur zwischen West und Ost verdeutlicht Lang Haltung und Spielraum seiner Figuren: Da ist der Deutsche in Indien, mit architektonischen Modellen im Gepäck, die er bereits in Europa hergestellt hat und nun zusammensetzt wie ein Fertighaus-Spielzeug. Man sieht horizontale Kompositionen, so makellos proportioniert wie gediegen und zweckmäßig, die eine deutliche Nähe zur deutschen Bauhaus-Tradition von Walter Gropius und Mies van der Rohe erkennen lassen. Das zwanzigste Jahrhundert will er ins entlegene Eschnapur bringen. Dies impliziert gleichzeitig eine Abneigung gegen Pracht und Schmuck, eine Ablehnung von Farbe und Schnörkeln. Indischer, detailverliebter Prunk also als Gegensatz zum europäischen, funktionalen Baukastenstil. Dies ist für Lang der Trick, um visuell klarzustellen, wie sehr sein Held in der orientalischen Fremde herumirrt: als Akteur und Opfer gleichermaßen.“ (S. 349). Mehr zur DVD: das-indische-grabmal.html

Mein Filmbuch des Jahres 2015

2015.Chaplin Archive

Zwölf Filmbücher des Monats habe ich im vergangenen Jahr auf dieser Seite vorgestellt: filmbuecher/2015/ Eines wähle ich traditionell zu meinem „Filmbuch des Jahres“ aus. Meine drei Kandidaten sind diesmal die Edgar Reitz-Biografie von Thomas Koebner, die Aufsatz-Sammlung „Wie der Film unsterblich wurde“, herausgegeben von Rolf Aurich und Ralf Forster, und der überwältigende Blick ins Archiv von Charlie Chaplin, den uns Paul Duncan ermöglicht. Das im Taschen Verlag erschienene Buch wähle ich diesmal zur Nummer eins. Hier ist meine Würdigung vom vergangenen November: the-charlie-chaplin-archives/

Alles nur Kulisse?!

2015.Alles nur KulisseDas Filmmuseum Potsdam zeigt seit Anfang Dezember die Sonderausstellung „Alles nur Kulisse?! – Filmräume aus der Traumfabrik Babelsberg“. Sie ist ein Jahr lang für das Publikum geöffnet. Den Katalog hat der Verlag und die Datenbank (VDG) für Geistesgeschichte in Weimar publiziert. Das Geleitwort stammt von der Museumsdirektorin Ursula von Keitz, die Einführung von den Herausgebern Annette Dorgerloh und Marcus Becker. Die Sammlungsleiterin Dorett Molitor informiert zunächst über den Szenenbildbestand im Filmmuseum Potsdam. Sie hat auch eine Interview-Collage mit Aussagen von Heike Bauersfeld, Peter Wilde und Gisela Schultze hergestellt. Größere Kapitel tragen die Überschriften „Atelier und Freigelände“, „On location“, „Bilderwelten für den Film“, „Szenenbild und Kamera“, „Szenenbild und Filmgenre“ und „Das dritte Leben der Filmstadt Babelsberg“. Unter den Autorinnen und Autoren findet man den Kameramann Peter Badel, die Szenenbildnerin Angelica Böhm, den Trickspezialisten Uwe Fleischer, die Filmwissenschaftlerin Stella Donata Haag, die Ausstellungskuratorin Kristina Jaspers, den Szenenbildner Sebastian Krawinkel, den Medienwissenschaftler Michael Wedel und acht Kunsthistoriker/innen der Humboldt-Universität, die dort das Forschungsprojekt „Spielräume“ realisieren. Die Themenvielfalt ist beeindruckend, die Texte sind informativ und werden durch ein großes Spektrum von Abbildungen ergänzt. Für 18 € ein preiswertes und lesenswertes Buch. Mehr zum Katalog: babelsberg-1353.html

Mit dieser Empfehlung endet meine Passage durch die Filmliteratur im Jahre 2015. Fortsetzung folgt…

Nouvelle Vague Polonaise?

2015.Nouvelle Vague PAusgangspunkt dieser Publikation war ein Symposium im Rahmen des Festivals „goEast“ im April 2014. Die Heraus-geberin Margarete Wach ist eine Expertin für den osteuropäischen Film, hat eine beeindruckende Dissertation über Krzysztof Kieslowśki geschrieben (2014 erschien bei Schüren eine überarbeitete und ergänzte Fassung), kommt aus der „Mainzer Schule“ und öffnet uns den Blick für die speziellen Qualitäten des polnischen Kinos in den 1960er Jahren. 15 Textbeiträge versammelt der Band, sie sind alle mit zahlreichen Abbildungen in erstaunlicher Qualität gefüllt. Ich greife zehn Beiträge heraus, die mir besonders gefallen haben: Tadeusz Lubelski schreibt über „Drei Phasen der polnischen ‚Neuen Welle’“ und stellt dabei die Regisseure Tadeusz Konwicki, Jerzy Skolimowski und Krzysztof Zanussi in den Mittelpunkt. Bei Małgorzata Fidelis geht es um „Die polnische Jugend an der Schwelle der Long Sixties“, bei David Crowley um Pop im osteuropäischen Film. Ralf Schenk unternimmt eine „unvollständige Annäherung“ an die Neuen Wellen im osteuropäischen Kino und in der DDR 1960-1968. Joachim Paech analysiert Jerzy Skolimowskis polnische Filme. Elżbieta Ostrowska erinnert an „Männlichkeitsdilemmata in den frühen Filmen von Polanski, Skolimowski, Żuławski und Królikiewicz“. Ewa Mazierska referiert über „Wanderer-Figuren in den Filmen der polnischen Neuen Welle“. Marcus Stiglegger entdeckt „Bilder des Grausamen bei Żuławski und Królikiewicz“. Schamma Schahadat untersucht die Filme DAS MESSER IM WASSER von Polanski und BESONDERE KENNZEICHEN: KEINE von Skolimowski. Margarete Wach würdigt den Filmessay als Gattung der Neuen Welle(n) mit beispielhaften Hinweisen auf Alexander Kluge, Krzysztof Zanussi und Dušan Makavejev. Natürlich ist auch der Einleitungsessay der Herausgeberin („Cineastischer Ost-West-Divan“) unbedingt lesenswert. Coverfoto aus dem Film WALKOVER von Jerzy Skolimowski. Mehr zum Buch: polonaise.html