Zwangsmigration im Film

2015.ZwangsmigrationDrei Hochschulen haben bei dieser Publikation zusammen-gearbeitet: die Pädagogische Hochschule Heidelberg, die Palacky-Universität Olomouc (Tschechien) und die Universität Opole (Polen). Es ging bei dem Projekt um die Aussagekraft der jeweiligen Erinnerungskultur im Rückblick auf die Zwangs-migration im Umfeld des Zweiten Weltkriegs. Acht Filme wurden dafür herangezogen: GRÜN IST DIE HEIDE (BRD 1951) von Hans Deppe, UNSERE LEUTE (Polen 1967) von Sylwester Checinski, SCHLESIENS WILDER WESTEN (Deutschland 2002) von Ute Bandura, DIE EISERNEN HUNDERT (Ukraine 2004) von Oles Yanchuk, ICH HABE DEN ENGLISCHEN KÖNIG BEDIENT (Tschechien 2006) von Jiří Menzel, HABERMAN (Tschechien 2010) von Juraj Herz, ALOIS NEBEL (Tschechien 2011) von Tomás Lunák und SIEBEN SÜNDIGE TAGE (Tschechien 2012) von Jiří Chlumsky. Es sind vier „Überblicksbeiträge“, fünf „fachwissenschaftliche ausgerichtete Beiträge“ und acht „didaktische Beiträge“ zu lesen. Die Einleitung der Herausgeberin Bettina Alavin schlägt eine Brücke zwischen filmischer Darstellung der Geschichte und aktueller Flüchtlingsproblematik. In den Beiträgen werden die einzelnen Filme so genau beschrieben, dass man die Bewertungen nachvollziehen kann, auch wenn man nicht alle Filme gesehen hat. Drei Texte haben mir besonders gut gefallen: „Wie viel Erfindung verträgt die Geschichte?“ von Michael Braun über Zwangsmigration im aktuellen Erinnerungsroman und Erinnerungsfilm, „Darf man über ‚Vertreibung’ lachen?“ von Bettina Alavi über die Rolle des Komischen in Filmen zur Zwangsmigration und „Filmsprache im Geschichtsunterricht am Beispiel des Films HABERMANN“ von Nina Bolek. Mehr zum Buch: 978-3-86809-098-7.html

Kurzfilme von Michael Klier

2015.DVD.Kurzfilme KlierSeine Filme ÜBERALL IST ES BESSER, WO WIR NICHT SIND (1990), OSTKREUZ (1992), HEIDI M. (2001), FARLAND (2004) und ALTER UND SCHÖNHEIT (2009) sind subtile Stimmungsbilder aus dem Leben in unserem Land, oft am Rande, in prekärer Situation. Michael Klier ist kein Liebling der Filmförderer. Das macht für ihn die Arbeit schwer. Wenig bekannt sind seine Kurzfilme, die er seit 1963 ziemlich kontinuierlich gedreht hat. Zehn sind jetzt auf einer interessanten DVD der filmgalerie 451 publiziert worden, darunter sein erster, PROBEAUFNAHMEN, eine Produktion von Hans Jürgen Pohland mit Rolf Zacher; er zeigt die verpassten Begegnungen zwischen Hans und Annarella, die beide zum Film wollen, er beobachtet Hans, wie er bei Marga Schoeller ein Filmbuch klaut, als ihr Laden noch am Kurfürstendamm war, er unternimmt eine kleine Reise auf den Funkturm und dokumentiert die Fassade der Filmbühne am Steinplatz, über weite Strecken als Stummfilm mit Musik. Vier Filme hat Klier 1965 für den SFB realisiert: die Geschichte einer Autoleidenschaft (FERRARI, 7 1/2 min), das Porträt einer Sekretärin, die sich für den zweiten Bildungsweg entscheidet (DAS ABITUR, 7 1/2 min), Beobachtungen im Büro von Hans Jürgen Pohland vor seiner Reise nach Danzig (PROJEKT KATZ UND MAUS, 8 1/2 min) und Aufnahmen von der Sängerin Petra Prinz (YEAH YEAH, 7 1/2 min). 1982 entstand der Kurzfilm SCHAUSPIELEREI, der – mit einem kritischen Kommentar – Gesichter und Gesten aus Hollywood und aus Deutschland konfrontiert. Alle diese Filme wurden in Schwarzweiß gedreht. Axel Prahl und Julia Hummer spielen die Hauptrollen in EIN MANN BOXT SICH DURCH (2001), der zeigt, wie schmerzhaft das Geldverdienen am Alexanderplatz sein kann. Die letzten drei Filme zeigen uns Dresden: KURZTRIP (12 min.) zeigt Nicolette Krebitz und Felix Klare auf dem beschwerlichen Weg mit dem Fahrrad auf den Berg zum Weißen Hirsch, HUNG beobachtet einen Vietnamesen bei der Ladensuche am Tag und bei Nacht (12 min.), beide entstanden 2012 für Arte. Den Abschluss macht Kliers FILMTAGEBUCH (2013, 9 min.) mit autobiografischen Reflexionen. Lohnenswert wäre eine DVD mit Kliers WDR-Filmen u.a. über Jean-Marie Straub, Roberto Rossellini, François Truffaut und Godards Kameramänner. Mehr zur DVD: 10-kurzfilme/

Die Staatliche Filmdokumentation am Filmarchiv der DDR

2015.Filme für ZukunftVon der damaligen Öffentlichkeit weit-gehend unbemerkt wurde im Frühjahr 1970 in der DDR die „Staatliche Filmdokumentation“ gegründet. Sie hatte die Aufgabe, für künftige Generationen die Errungenschaften des Sozialismus in Bild und Ton zu dokumentieren, weil die Aussagekraft der DDR-Kino- und Fernsehfilms dafür als nicht ausreichend angesehen wurde. „Filme für die Zukunft“ wurden von der DEFA und vom Deutschen Fernsehfunk offenbar nicht erwartet. Die neue Institution wurde dem Staatlichen Filmarchiv der DDR als eigene Abteilung zugeordnet. Anne Barnert hat jetzt eine sehr lesenswerte Publikation über die „SFD“ herausgegeben. Sie informiert in ihrem eigenen Text über die Idee und die Geschichte der Institution, über die Gründung unter Bernhard Musall (1970/71), die erste Phase der Universalen Dokumentation unter Klaus-Detlef Bausdorf (1972-77), die zweite Phase Berlin-Totale unter Karl-Heinz Wegener (1978-1980), die dritte Phase Sozialistische Lebensweisen unter Peter Glaß (1981) und die Auflösung (1985/86). Es entstanden damals über 300 Filmdokumente, die im Anhang aufgelistet sind. Rolf Aurich informiert über die Historisierung des Films in den 1920er Jahren, das „Filmarchiv der Persönlichkeiten“ im NS-Propaganda-ministerium, das „Institut für den wissenschaftlichen Film“ in Göttingen in den 50er Jahren und die Berlin-Dokumentation in der Landesbildstelle Berlin der 60er Jahre unter der Leitung von Fritz Terveen. Texte von Matthias Braun über „Zensur in Kunst und Kultur der DDR“ und Axel Noack über die „Sonderöffentlichkeit Kirche“ in der SFD erweitern den Blickwinkel. Als Zeitzeugen kommen der Regisseur Thomas Heise, der die SFD-Filme DAS HAUS (1984) und VOLKSPOLIZEI (1985) realisiert hat, der langjährige Direktor des Staatlichen Filmarchivs der DDR Wolfgang Klaue und die Redakteurin Monika Reck zu Wort. Der Anhang enthält neben der SFD-Filmografie ein namentliches Verzeichnis der Mitarbeiter und eine Bibliografie. Zahlreiche Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: filme-fuer-die-zukunft/

Ufa Filmnächte in Berlin

2015.UfaAuf der Berliner Museumsinsel vor der Alten National-galerie finden auch in diesem Jahr wieder die UFA Filmnächte statt, die heute mit der Vorführung von Friedrich Wilhelm Murnaus TABU (1931) eröffnet werden. Die Neuvertonung stammt von Florian C. Reithner, sie wird vom UFA Filmorchester gespielt. Morgen ist die Gaunerkomödie IHR DUNKLER PUNKT (1928) von Johannes Guter mit Lilian Harvey (Foto) und Willy Fritsch zu sehen, begleitet von Neil Brand am Flügel. Zum Abschluss wird der abendfüllende Animationsfilm DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED (1926) von Lotte Reiniger gezeigt, live begleitet von TRIOGLYZERIN. Als Paten der drei Abende fungieren Johannes Król, Tom Wlaschiha und Natalia Wörner. Das Programm hat wie in den vergangenen Jahren Friedemann Beyer zusammengestellt, die Gastgeber sind wieder Bertelsmann und UFA. Mehr zum Programm: www.ufa-filmnaechte.de/

Handbuch Angewandter Dramaturgie

2015.Handbuch DramaturgieDramaturgie ist – theoretisch und praktisch – ein Schlüssel-begriff für die Erzählstruktur von Kino- und Fernsehfilmen. Die Literatur zu diesem Thema ist seit Jahren inflationär, sie gibt Spielregeln vor, fordert Innova-tionen, erteilt Ratschläge. Kerstin Stutterheim, Professorin für AV-Mediendramaturgie und -Ästhetik an der Filmuniversität Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg, hat jetzt ein „Handbuch“ publiziert, das man wohl für einige Zeit als Standardwerk bezeichnen kann. Die Autorin verfügt über große theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen, konkretisiert ihren Leitfaden mit vielen Filmbeispielen und öffnet den Blick auch für alternative Möglichkeiten. Sie beginnt mit einem historischen Rückblick („Dramaturgie als Theorie und Methode“), formuliert dann Basiskenntnisse zum „Praxisbasierten Wissen der Dramaturgie“, widmet sich der „Personage“ (Charaktere und Figuren), unternimmt eine „Heldenreise“, kommt auf neue Formen zu sprechen („Modern, poetisch und offen“), beschreibt „Intrigen und Gegenintrigen“, erinnert an die Entwicklung des epischen Films („Die Poesie mäandernder Erzählungen“), charakterisiert die Besonderheiten der Komödie („Das Einfache, das so schwer zu machen ist“) und endet mit den Kapiteln „Dramaturgie im Dokumentarfilm“ und „Dramaturgie im Fernsehen“. Eingefügt sind drei beeindruckende „Case Studies“, in denen beispielhaft drei Filme analysiert werden: THE SHINING (1980) von Stanley Kubrick, COLLATERAL (2004) von Michael Mann und SPELLBOUND (1945) von Alfred Hitchcock. Das Film-Verzeichnis am Ende des Buches listet 146 Titel auf, die im Text verarbeitet sind. Als schnell zu handhabende Gebrauchsanweisung fürs Storytelling ist die Publikation ungeeignet, man muss sich schon auf die größeren Zusammenhänge, die hier dargestellt werden, einlassen. Dann bringt die Lektüre großen Gewinn. Mit umfangreicher Bibliografie und wenigen Abbildungen. Mehr zum Buch: 75431&cid=348

William Dieterle

2015.DieterleWilhelm Dieterle (1893-1972) war ein deutscher Schauspieler und Film-regisseur, der 1930 zu Warner Bros. nach Hollywood ging, seinen Vornamen anglisierte und in vielen Genres, vor allem mit Biopics erfolgreich war. Er spielte eine Schlüsselrolle für das deutschsprachige Filmexil ab 1933. Die Dissertation von Larissa Schütze (Ludwig-Maximilian-Universität München) ist für mich vorbildlich in der Verknüpfung von politischen und künstlerischen Fragestellungen. Das erste Kapitel ist dem Familienunternehmen „Warner Bros. Pictures Inc.“ gewidmet, das 1923 gegründet wurde, mit Ernst Lubitschs Film THE MARRIAGE CIRCLE (1924) sofort einen künstlerischen Erfolg hatte und von vier Brüdern organisiert wurde: Harry, dem Boss, Albert, dem Verkäufer, Samuel, dem Techniker, und Jack, dem Allrounder. Das Studio gehörte schnell zu den Majors in Hollywood, es war das erste, das schon Mitte der 1930er Jahre den Nazis den Kampf ansagte und mit CONFESSIONS OF A NAZI SPY (1939) einen der bekanntesten Anti-Hitler-Filme produzierte. In ihren zwei Hauptkapiteln beschreibt die Autorin Dieterles Arbeit bei Warner, die mit deutschsprachigen Filmversionen begann, sich mit low budget-Produktionen fortsetzte und in der Zusammenarbeit mit Max Reinhardt bei MIDSUMMER NIGHT’S DREAM (1935) zu einer ersten großen Herausforderung führte. Allein dieser Produktion sind 60 Textseiten gewidmet. Dann folgt das umfangreichste Kapitel über die Jahre 1936 bis 40, das von Dieterles Filmbiografien bei Warner handelt (THE STORY OF LOUIS PASTEUR, THE LIFE OF EMILE ZOLA und ein Beethoven-Projekt mit Fritz Kortner), von Dieterles zunehmender Einbindung in die politisch aktive Emigration (1938/39), von der Zusammenarbeit mit Wolfgang Reinhardt und Paul Muni bei dem Großprojekt JUAREZ (1939), das zu einem Reinfall wurde, von ökonomischen und künstlerischen Konflikten bei Dieterles letztem Film für Warner, DR. EHRLICH’S MAGIC BULLET mit Edward G. Robinson und Albert Bassermann. Zuvor hatte ihn das Studio an RKO für die Realisierung von THE HUNCHBACK OF NOTRE DAME mit Charles Laughton ausgeliehen. Im Juli 1940 wurde er von Warner gekündigt. – Die Lektüre des Buches ist spannend, man wird durch keine Fotos abgelenkt, ich bin sehr beeindruckt. Mehr zum Buch: titel/60461.html

Film und Geschichte

Bild 1Dokumentation des Bremer Film-symposiums 2014. Vier Themen strukturieren das Buch: „Archive und Archivmaterial“, „Migration von Bildern und Tönen“, „Modellierung und Aneignung von Geschichte“, „Siegfried Kracauer im Zeitalter der New Film History“. Ich nenne zehn Texte, die mich besonders interessiert haben: Thomas Elsaessers Reflexionen über den Umgang mit Archivaufnahmen in Harun Farockis AUFSCHUB (2008), Sven Kramers Hinweise auf die Differenz zwischen Geschichtsschreibung (wissenschaftlich) und Filmemachen (künstlerisch) in der Verwendung dokumentarischen Materials aus der Zeit des Shoah, Anne Barnerts Informationen über die „Staatliche Filmdokumentation“ am Filmarchiv der DDR (inzwischen hat sie darüber ein Buch publiziert), Matthias Steinles Erinnerungen an die Fernseh-Sendereihe HISTOIRE PARALLÈLE / DIE WOCHE VOR 50 JAHREN von Marc Ferro, Bernhard Groß’ Hinweise auf das Verhältnis von Film und Geschichte am Beispiel des frühen deutschen Nachkriegskinos, Winfried Pauleits Entdeckungen des Klangraums in dem Western THE THREE BURIALS OF MELQUIADES ESTRADA (2005) von Tommy Lee Jones, Sabine Mollers Interviews zu Filmwahrnehmung und Geschichtsbewusstsein beim Blick auf FORREST GUMP (1994) von Robert Zemecki, Gertrud Kochs Verortung von Siegfried Kracauer zwischen philosophischem Realismus und Historismuskritik, Nicholas Baers Konfrontation des CABINET DES DR. CALIGARI (1920) mit Grundsätzen der „New Film History“ und Mason Allreds Analyse des Lubitsch-Films MADAME DUBARRY (1919) im Umgang mit dem menschlichen Körper. Eine englische Version der Textbeträge ist als CD beigefügt. Die Abbildungen haben eine hervorragende Qualität. Mehr zum Buch: filmundgeschichte.html

UNSER KURZES LEBEN (1981)

2015.DVD.Kurzes LebenBrigitte Reimanns Roman „Franziska Linkerhand“ ist das Hauptwerk dieser wichtigen DDR-Autorin, es blieb leider unvollendet und erschien 1974 postum. Ich habe es damals mit großem Interesse gelesen. Auch die Verfilmung von Lothar Warneke, die 1981 in die Kinos kam, hat mich sehr beeindruckt. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Architektin (gespielt von Simone Frost), die sich nach ihrer Scheidung aus dem Team eines berühmten Professors in Ost-Berlin verabschiedet, um in einer Provinzstadt ihre eigenen Vorstellungen zu realisieren. In ihrer neuen Umgebung versucht sie, Berufs- und Privatleben so eng wie möglich zu verbinden, wenig Kompromisse zu machen und ihre Ansprüche zu verwirklichen. Sie findet in dem Kipperfahrer Trojanovicz (Gottfried Richter) einen neuen Partner, aber die Beziehung scheitert an seiner angepassten Haltung. Die Zusammenarbeit mit ihrem neuen Chef (Hermann Beyer) entwickelt sich dagegen nach anfänglichen Schwierigkeiten positiv. Franziska bleibt nach ihrem Probejahr in der Provinzstadt. Das war damals ein relativ realistischer Blick ins Innenleben der DDR. Es ist sehr zu begrüßen, dass bei Absolut Medien jetzt die DVD erschienen ist. Zu den Extras gehören ein Audiokommentar der Drehbuchautorin Regine Kühn und ein Zeitzeugengespräch mit Lothar Warneke, der leider 2005 gestorben ist. Mehr zur DVD: Unser+kurzes+Leben

Wim Wenders 70

2015.Pixel.Heute wird Wim Wenders 70 Jahre alt. In den letzten Monaten sind ihm bereits viele Ehrungen zuteil geworden, bei der Berlinale im Februar erhielt er den Ehren-Bären, in seiner Geburtsstadt Düsseldorf wurden ihm eine Ausstellung im Museum Kunstpalast und eine Retrospektive im Filmmuseum gewidmet. Im SZ-Magazin erschien kürzlich ein lesenswerter Text von Gabriela Herpell über Wim, in der FAS ein schönes Interview von Peter Körte + Andreas Kilb, und heute gibt es sicherlich viele Glück-wünsche in der internationalen Presse. Ein besonderes Geburtstagsgeschenk hat sich Wim selbst mit der Publikation „Die Pixel des Paul Cezanne“ im Verlag der Autoren gemacht. Sie enthält 17 Texte von ihm zu Künstlerinnen und Künstlern, die in den letzten Jahren publiziert wurden oder hier erstmals zu lesen sind. Die Würdigungen gelten den Malern Edward Hopper, Andrew Wyeth und Paul Cezanne, den Photographen Peter Lindbergh und James Nachtwey, der Photographin Barbara Klemm, der Tänzerin Pina Bausch, dem Modedesigner Yohji Yamamoto, den Filmregisseuren Ingmar Bergman, Michelangelo Antonioni, Anthony Mann, Douglas Sirk, Samuel Fuller, Manoel de Oliveira und Yasujiro Ozu. Und weil Wim Wenders ein herausragender Autor ist, der in seinen Texten und Reden nie das schon oft Gesagte wiederholt, sondern immer neue Gedanken und Erkenntnisse formuliert, ist es ein großer Gewinn, dieses Buch zu lesen, das mit einem sehr persönlichen Bekenntnis beginnt: „Ich schreibe, also denke ich“, einem Rückblick auf sein Formulieren mit der Hand, mit der Schreibmaschine und schließlich mit dem Computer. Beeindruckend! Ich bewundere den Filmemacher und Fotografen Wim Wenders sehr, habe alle seine Filme gesehen, besuche seine Ausstellungen, soweit sie für mich erreichbar sind, und fühle mich ihm auch persönlich sehr nahe. 1991 habe ich in den Münchner Kammerspielen die Vorrede zu seiner „Rede über Deutschland“ gehalten (wim-wenders-deutschland/ ). Ich gratuliere ihm herzlich zu seinem 70. Geburtstag. Mehr zum Buch: wim-wenders.html

Lichtspielschlummer, Daumenkino und anderes

2015.LichtspielschlummerDie Zeitschrift Die Horen wurde 1955 gegründet, seit 2012 wird sie von Jürgen Krätzer heraus-gegeben, und die neueste Nummer (258) handelt vom Kino. Ihr Titel: „Lichtspielschlummer, Daumenkinos und tote Hunde“. Für die Zusammenstellung ist der Tübinger Germanist Franz Huberth verantwortlich. 35 Texte sind sieben Kapiteln zugeordnet, die relativ geheimnisvolle Überschriften tragen: „Das Wunder der drei erbebenden Wasserringe im Glas“, „Entsetzen lag im Saal“, „Kommen Sie! Schauen Sie sich das an!“, „Die Besetzung klingt sensationell“, „Geschichten, die niemals passieren, doch jeden Moment beginnen könnten“, „Geld nehme ich keins mit“ und „Das war kein Lächeln“. Ich nenne mal 16 relativ bekannte Autorinnen und Autoren: Durs Grünbein (sein Gedicht heißt „Der Projektor“), Michael Funke („Filmbesuch mit Vierzehn“), Judith Kuckart („Sommer 1974“), Patrick Roth („Sechs oder sieben Dinge, die ich von ihr weiß“, aus seinem Filmtagebuch), Antje Vollmer und Hans-Eckhardt Wenzel (aus ihren Briefwechsel über Rainer Werner Fassbinder), Thomas Jeschner („Über die Möglichkeit, ein Kino zu verwüsten“), Claus Löser (über Jean-Luc Godard und über seinen Großvater, dem die „Stern-Lichtspiele“ in Chemnitz gehörten), Georg Klein (über das Schlafen im Kino), Monika Rinck (über ungesehene Filme), Stefanie Reis („Vom Finden und Zeigen der Filme“), Stephanie Schmitt („Tote Hunde“), Thomas Koebner („Der Blick aus dem Fenster. Ein symbolisches Arrangement im Gemälde, in der Literatur und im Film“), Konrad Bohley („Film, Film Film“), Kai Bleifuss („Parallel-montage“), Philippe Beck (zwei Gedichte für Robert Altman und Roberto Rossellini). Von der Kunsthistorikerin Julia König stammt ein lesenswerter Essay über Filmplakate (mit 16 Abbildungen), Volker Gerling, Absolvent der HFF Potsdam, erzählt von seinen Erfahrungen als „Daumenkinograph“ (mit 24 Abbildungen). Eine interessante Lektüre und für 14 € sehr preiswert. Mehr dazu: tote-hunde.html