ROBERT MAYER – DER ARZT AUS HEILBRONN (1955)

2016.DVD.Robert MayerHistorisch-biografische Filme wie ROBERT MAYER – DER ARZT AUS HEILBRONN nennt man gern Biopics. Sie erzählen die Lebensgeschichten von Poli-tikern, Künstlern, Sportlern, Wissenschaftlern, Erfindern oder Ärzten, denen ein Nach-ruhm zugestanden wird. Es sind meist Männer, die hier gewür-digt werden. Das Genre wurde im NS-Film sehr geschätzt und war danach im Westen wie im Osten beliebt. Hier handelt es sich um einen DEFA-Film, der die Grenzüberschreitung zwischen Medizin und Physik problematisiert. Robert Mayer (1814-1878) ist ein junger Arzt und entdeckt bei einer Schiffsfahrt, dass sich aus Bewegung Energie und Wärme entwickeln können. Er publiziert darüber einen Aufsatz in den Annalen von Justus Liebig, der aber in der physi-kalischen Fachwelt nicht anerkannt wird. Daraus entstehen Konflikte, die Robert Mayer in den Wahnsinn treiben. Auch seine geliebte Ehefrau Wilhelmine kann ihm nur bedingt helfen. Dank des jungen Natur-wissenschaftlers Dr. Bohn gibt es aber ein Happyend. Der Film (Regie: Helmut Spieß) gewinnt seine Stärke vor allem durch die Schauspieler/ innen. Der Österreicher Emil Stöhr spielt Robert Mayer mit großer Ausstrahlung. Wunderbar: Gisela Uhlen als seine Frau Wilhelmine. In wichtigen Rollen erleben wir Martin Flörchinger, Walther Süssenguth, Herwart Grosse, Fred Düren. Und den Dr. Bohn spielt der damals 24jährige Hilmar Thate; das ist sehr berührend, wenn man den Film heute sieht. – Die DVD ist kürzlich bei den Filmjuwelen erschienen. Das hervorragende Booklet stammt von Ralf Schenk. Mehr zur DVD: %22filmjuwelen%22

Göttinnen der Leinwand

2017.LeiwandgöttinnenAm morgigen Sonntag sendet 3sat ab 9.10 Uhr hintereinander elf Spiel-filme mit großen weib-lichen Stars aus Ame-rika, Deutschland,  Italien, Frankreich und Großbritannien. „Göttin-nen der Leinwand“ heißt der Thementag. Dies sind die Filme, die man sehen kann: LA HABANERA (Deutschland 1937) mit Zarah Leander (9.10 Uhr). DER BLAUFUCHS (Deutschland 1938) mit Zarah Leander (10.45). THE PALM BEACH STORY (USA 1942) mit Claudette Colbert (12.20). OUR MAN IN MARRAKESCH (Großbritannien 1966) mit Senta Berger (13.45). THE MIRROR CRACK’D (Großbritannien 1981) mit Angela Lansbury (15.15). MATRIMONIO ALL’ITALIANA (Italien 1964) mit Sophia Loren (17.00). WOMAN TIMES SEVEN (USA 1967) mit Shirley MacLaine (18.35). HOW TO MARRY A MILLIONAIRE (USA 1953) mit Marilyn Monroe, Lauren Bacall und Betty Grable (20.15). WITNESS FOR THE PROSECUTION (USA 1957) mit Marlene Dietrich (Foto; 21.40). ZU NEUEN UFERN (Deutschland 1937) mit Zarah Leander (23.30). LA BANQUIÈRE (Frankreich 1980) mit Romy Schneider (1.10). Und anschließend werden noch THE MIRROR CRACK’D und HOW TO MARRY A MILLIONAIRE wiederholt. Traumfrauen vom einen bis zum anderen Morgen. Mehr zum Programm: DaN26&cx=122

Film als Midrasch

untitled„Midrasch“ ist die Auslegung religiöser Texte im rabbinischen Judentum. Klaus S. Davidowicz, Professor für Judaistik in Wien, untersucht in seinem Buch kabbalistische Elemente im populären Kino. Seine beiden Hauptkapitel sind dem Dybbuk (der Seelenwanderung) und dem Golem (einem künstlich erschaf-fenen Menschen) gewidmet. Beim Dybbuk werden u.a. die folgenden Filme ausführlich analysiert und bewertet: THE DYBBUK (Polen 1937) von Michal Waszynski, THE DYBBUK (USA 1960) von Sidney Lumet, THE DYBBUK OF THE HOLY APPLE FIELD (Israel 1997) von Yossi Somer, THE POSSESSION (USA 2012) von Ole Bornedal und DEMON (Polen 2015) von Marcin Wrona. Häufig war die literarische Vorlage das Stück „Dybbuk“ des weißrussischen Schriftstellers Saloman An-Sky. Im Golem-Kapitel spielen zunächst zwei deutsche Filme eine wichtige Rolle: DER GOLEM (1914) von Henrik Galeen und Paul Wegener (der Film ist verschollen) und DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM (1920) von Paul Wegener und Carl Boese, der vom Autor genau beschrieben wird. Auch sechs weitere Golem-Filme werden behandelt: LE GOLEM (Frankreich 1936) von Julien Duvivier, DER KAISER UND SEIN BÄCKER (CSSR 1952) von Martin Fric, IT! (Großbritannien 1967) von Herbert J. Leder, LE GOLEM (Frankreich 1967) von Jean Kerchbron, GOLEM (Polen 1980) von Piotr Szulkin und THE GOLEM (1995) von Lewis Schoenbrun. Immer wieder werden dabei die jüdischen Ursprünge der Geschichte ins Spiel gebracht. Der Anhang enthält Literaturhinweise und filmografische Daten. Keine Abbildungen. Coverfoto: DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM. Mehr zum Buch: t-1/1091952/

Das Gefühl des Augenblicks

2017.Gefühl des AugenblicksDas Buch gehört längst zur Basisliteratur über den Dokumentarfilm. Die erste Auflage erschien 2002 bei Bastei Lübbe, jetzt hat uvk die vierte, komplett überarbeitete Auflage publiziert. Thomas Schadt – seit zwölf Jahren Direktor der Filmakademie in Ludwigsburg – ist einer der großen Dokumentaristen in der Bundesrepublik und hat die große Fähigkeit, die Grund-regeln dokumentarischer Filmarbeit auch als Autor zu vermitteln. Er hat viel von seinen Leitfiguren Klaus Wildenhahn und Robert Frank gelernt und verknüpft seine Ausgangsüberlegungen zunächst zu einem Netz theoretischer Voraussetzungen (100 Seiten). Im Mittelpunkt (130 Seiten) steht die Praxis der dokumentarischen Filmarbeit: Idee, Thema, Auftrag, Recherche, Exposé, Finanzierung, Team und Equipment, Dreharbeiten, Interviews, Schnitt/Montage, Postproduktion. In den Text fließen viele eigene Erfahrungen ein. Sehr persönlich sind auch die Überlegungen und Fallstudien im dritten Kapitel „Nichts ist spannender als die Realität“ (100 Seiten). Der Anhang enthält eine kleine Liste deutschsprachiger Regisseurinnen und Regisseure mit jeweils einem Film, der dem Autor besonders in Erinnerung geblieben ist, Literaturhinweise zum Thema und eine Auswahl-Filmografie von Thomas Schadt. Mehr zum Buch: id/47204281/

Apparition, Körper, Bild

2016.Apparition...Eine Habilitationsschrift, die an der Fakultät für Architektur der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen entstanden ist. Die Autorin untersucht das Hell-dunkel in Malerei und Film. Erscheinungsform, Körper und Bild werden in der Wechsel-beziehung von Licht, Schatten und plastischer Darstellung analysiert. Dies geschieht zunächst im Fokus auf die Malerei in der Proto- und Frührenaissance, dann an Beispielen von Leo Battista Alberti und Leonardo da Vinci. Ab S. 115 geht es um „Mimesis, fotografische Materie und Film“. Ausgehend von Thesen zu Natur und Fotografie von Siegfried Kracauer und Theodor W. Adorno beschäftigt sich Jennifer Bleek zunächst mit den Filmen IMPRESSIONEN VOM ALTEN MARSEILLER HAFEN (1929/32) und EIN LICHTSPIEL SCHWARZ-WEISS-GRAU (1930/32) von László Moholy-Nagy, die in der Sichtweise der photogénie betrachtet werden. Der Umgang mit dem Licht in den IMPRESSIONEN VOM ALTEN MARSEILLER HAFEN wird dann mit Josef von Sternbergs thematisch verwandten THE DOCKS OF NEW YORK (1928) verglichen. Im abschließenden Filmkapitel geht es um „Cinéplastique und mimetische Interaktion“. Als Filmbeispiel steht hier John Hustons THE MALTESE FALCON (1941) im Zentrum, dessen Beleuchtung und Plastizität analytisch mit KEY LARGO (1948) verglichen wird. Die Befunde der Autorin sind konkret und nachvollziehbar. Die Lektüre ist auch für Filmhistoriker gewinnbringend. Abbildungen befinden sich im Anhang der Publikation. Coverfoto: Marlene Dietrich in THE SCARLET EMPRESS. Mehr zum Buch: 978-3-7705-6117-9.html

Musik in der Filmkomödie

2017.Musik FilmkomödieDer dritte Band in der Reihe „FilmMusik“ von edition text + kritik – nach „Ennio Morricone“ und „Martin Scorsese“ – enthält fünf Texte zum Thema Musik in der Filmkomödie. Tarek Krohn erzählt zunächst eine Geschich-te der Humortheorie von Aristo-teles bis zu Henri Bergson und richtet den Blick dann auf film-musikalische Gags, bei denen Bild und Ton einen gemein-samen Effekt bilden. Lindsay Carter beschäftigt sich mit Musik und Komödie im stalinistischen Kino, konkret: in den Filmen des Regisseurs Grigori Alexandrow in den 1930er Jahren. Konstantin Jahn, bekannt geworden mit einer cineastischen Kulturgeschichte des Jazz (hipster-gangster-femmes-fatales/), untersucht Jazz als Signum von Satire, Parodie und Humor in Vaudeville-Film, Cartoon und TV-Comedy. Jörg Heuser analysiert Bild und Musik in den ersten zehn Minuten von Frank Zappas Film 200 MOTELS. Bei Guido Heldt geht es dann um Musik in Horrorkomödien, konkretisiert an vielen Beispielen. Die Beiträge sind kompetent, das im Titel vorgegebene Thema befindet sich damit jedoch erst in der Anfangsphase. Die Herausgeber verkünden im Vorwort: „Die weitere Forschungsreise verspricht unterhaltsam zu werden.“ Das Coverfoto stammt aus dem Film LES VACANCES DE MONSIEUR HULOT. Mehr zum Buch: 4wSjzTV4

Zwei Western

2017.DVD.True Story of Jesse JamesZwei neue Titel in der Reihe „Western-Legenden“ von Koch Media. THE TRUE STORY OF JESSE JAMES (1957) von Nicholas Ray – deutscher Titel: RÄCHER DER ENTERBTEN – erzählt die Lebens-geschichte der Outlaw-Brüder Jesse und Frank James vom Bürgerkrieg bis zum Tod von Jesse. Sie beginnt bei den Süd-staaten-Partisanen, setzt sich nach Kriegsende mit Raubüberfällen fort, die zur Verfolgung durch die Polizei führen. Versuche, die kriminelle Vergangenheit durch Identitätswechsel zu überwinden, scheitern an unvorhersehbaren Zwischenfällen. Zusammen mit seiner Freundin Zee (gespielt von Hope Lange) nimmt er den Namen „Howard“ an. Auf einer Farm wollen sie ein friedliches Leben führen. Aber das misslingt. Die Hauptrollen spielen Robert Wagner (Jesse) und Jeffrey Hunter (Frank). Leider hatte Nicholas Ray große Konflikte mit dem Fox-Studio, das ihn dazu zwang, die Montage zu verändern und die Erzählweise zu vereinfachen. Mit dem Ergebnis war Ray höchst unzufrieden. Aber auch in der vorlie-genden Fassung ist dies ein spannender Film über den Aufbruch junger Rebellen. Fritz Göttler hat für das Booklet der DVD einen sehr lesenswerten Text geschrieben. Mehr zur DVD: legenden_44_dvd/

2017.DVD.Showdown at AbileneSHOWDOWN IN ABILENE (1956) von Charles Haas – deutscher Titel: SCHÜSSE PEITSCHEN DURCH DIE NACHT – ist im Kern ein Psycho-Western. Die Hauptfigur, der ehemalige Sheriff Jim Trusk (gespielt von Jock Mahoney), kehrt nach vier Jahren Bürgerkrieg zurück in seine Heimatstadt Abilene und ist traumatisiert; er will keine Schusswaffen mehr in die Hand nehmen. Sein bester Freund Tad ist im Krieg gefallen. Tads Bruder Dave ist inzwischen zu einem Rinderbaron avanciert und beherrscht den Ort. Jim lässt sich überreden, wieder die Sheriffs-Rolle zu übernehmen, weigert sich aber zunächst, eine Pistole zu tragen. Die Konflikte zwischen den gewalttätigen Viehhändlern und den Farmern von Abilene eskalieren, und am Ende muss Jim doch zur Waffe greifen. Natürlich gibt es auch eine zentrale Frauenfigur, Peggy Bigelow (gespielt von Martha Hyer), die lange auf die Heimkehr von Jim gewartet, sich dann aber mit Dave verlobt hat. Sie muss sich für einen der beiden entscheiden. Der Western ist gradlinig inszeniert und hat viele schöne Momente. Auch hier stammt der Text im Booklet von Fritz Göttler. Mehr zur DVD: legenden_45_dvd/

Fakt ab!

2017.Fakt ab!David Hain (*1981) betreibt auf YouTube den Videokanal „BeHaind“ und erzählt in seinem Buch „Fakt ab!“ Geschichten aus der Welt des Films. Eine kleine Titelauswahl macht deutlich, wo seine Vorlieben zu finden sind: E.T. – DER AUSSERIRDISCHE, TITANIC, BATMAN, TERMI-NATOR, RAMBO, HARRY POTTER, AVATAR, SOLDAT JAMES RYAN, BRAVEHEART, GLADIATOR, INDIANA JONES, FORREST GUMP, PULP FICTION, SPIDERMAN. Das ist alles amerikanisches Mainstream-Kino, da kennt sich der Autor aus. Jeder Text – in der Regel vier bis sechs Seiten – informiert kurz über die Entstehung, die Bedeutung, die Rezeption (Kritik), über einige Produktionsfakten und endet mit der Rubrik „Wusstet ihr“. Eingestreut sind Texte zu den Themen „Fernsehserien“, „Disney“, „Pixar“, „Arnie Klassiker“, „Horrorfilme“, „Animationsfilme, „Videospielverfilmungen“ und „Oscar-Klassiker“. Die Formulierungen sind salopp, Zielgruppe sind junge Menschen, die Illustrationen stammen von Oskar Pannier. Erschienen ist das Buch bei plötz & betzholz. Mehr zum Buch: 9783960170020.html

Problemzone

2017.ProblemzoneDas Schweizer Filmjahrbuch erscheint jeweils im Januar und hat – neben den Rubriken „CH-Fenster“, „Filmbrief“ und „Sélection Cinema“ – immer ein Schwerpunktthema. In den vergangenen Jahren waren das „Rausch“ und „Verwandlung“, diesmal geht es um „Problem-zonen“. Acht Essays sind ihm gewidmet. Thorsten Singer schreibt über den Science-Fiction-Film EX MACHINA von Alex Garland und die „Problem-zone als filmischen Labor-raum“. Judith Wiemers untersucht die (afro-) amerikanische Idiomatik in deutschen Musikfilmen der Jahre 1930 bis 1945. Bei Konstantinos Tzouflas geht es um „Filmmaking in Economic ‚Trouble Zones’“, konkret: um „The New Argentine Cinema and the Greek New Wave“. Rasmus Greiner richtet den Blick auf „Filmton und Politik in THE GREAT DICTATOR“ („Als Chaplin nicht mehr schweigen konnte.“). Die schweizerisch-rumänische Schriftstellerin Dana Grigorcea erinnert sich an Isaura, die Frau eines Zwergs in einer Telenovela. Charlotte Trippolt beschäftigt sich mit dem jugoslawischen Film der 1960er Jahre. Vera Schamal analysiert das Kartografieren im Animationsfilm. Von Hans J. Wulff stammt ein Beitrag über den Film THE LADY IN THE VAN von Nicholas Hytner. Im CH-Fenster informiert Mattia Lento über den Gotthardtunnel im Film und interviewt Rowena Raths die Filmemacherin Babette Bürgi. Ausführlich werden in der „Sélection Cinema“ 34 Schweizer Filme der Saison 2015/16 vorgestellt. An der Realisierung des interessanten Jahrbuchs hat das Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich wieder großen Anteil. Mehr zum Buch: problemzone.html

DIE BLUMEN VON GESTERN (2016) – das Drehbuch

2017.Blumen von gesternDen Film DIE BLUMEN VON GESTERN meines Freundes Chris Kraus – er ist Absolvent der dffb und seit zwanzig Jahren Mitglied unserer Skatrunde – habe ich als Premiere bei den Hofer Filmtagen gesehen, und er hat mir, bis auf kleine Ein-schränkungen, sehr gut gefal-len. Im Diogenes Verlag ist kürzlich das Drehbuch erschie-nen, dessen Lektüre sich lohnt, auch wenn man den Film gesehen hat. Es gibt Abwei-chungen vom fertigen Film, und es ist sehr spannend, noch einmal die Dialoge zu lesen, die in ihrem Tempo und der Pointierung viel Aufmerksamkeit erfordern und bei der Lektüre ihre eigene Wirkung haben. Der Film erzählt die Geschichte des Holocaust-Forschers Totila Blumen mit den Schau-plätzen Ludwigsburg, Wien und Riga. Die Rahmenhandlung spielt in New York. Die zweite Hauptfigur ist die französische Assistentin von Totila, Zazie Lindeau, die ein französisiertes Deutsch spricht, das einen eigenen Charme hat. Sie wird im Film von der wunderbaren Darstellerin Adèle Haenel gespielt. Mit einem Bildteil und einem Nachwort von Chris Kraus. Coverabbildung: das Filmplakat. Mehr zum Buch: 9783257300499.html