Stanley Kubricks 2001

2015.Kubricks 2001Vor fünfzig Jahren hat Stanley Kubrick seinen Film 2001: A SPACE ODYSSEY gedreht. Ein halbes Jahr dauerten die Aufnahmen in den Londoner Studios, für die Special Effects brauchte der Regisseur weitere achtzehn Monate. Der Film wurde in 70mm realisiert, er kostete damals mehr als zehn Millionen $, kam mit 16 Monaten Verspätung ins Kino und wurde in der westlichen Welt ein großer Erfolg. In Berlin, daran erinnere ich mich, musste man über zwei Jahre auf ihn warten, weil der Royal-Palast von dem Mega-Hit DOCTOR ZHIVAGO besetzt war. Ein alternatives Kino gab es nicht. Wer ungeduldig war, fuhr nach München, Hamburg oder in eine andere Stadt. Kubricks Film ist inzwischen ein Mythos. Im Taschen Verlag wurde jetzt das Buch „The Making of Stanley Kubrick’s 2001: A Space Odyssey“ von Piers Bizony publiziert, das sich als wahre Schatzkammer erweist. Umfang: 562 Seiten. Format: 18 cm breit, 38 cm hoch. Neun Teile strukturieren das Buch: I. „Journey Beyond the Stars“ (das war der Arbeitstitel des Projekts; der Autor erzählt kurz Kubricks Biografie und ausführlich von der Zusammenarbeit mit dem Autor Arthur C. Clarke, dessen Story „The Sentinel“ der Ausgangspunkt für 2001 war). II. „A King of Infinitive Space“ (über die Konzeptionierung des Raumschiffs Discovery). III. Santa’s Workshop (über die Postproduction). IV. („The Dawn of Man“ (über den Beginn des Films mit dem Kampf zweier Affengruppen und das Auftauchen eines Monolithen). V. „Stanley on Set“ (über Kubricks Arbeit mit den Darstellern). „They Hated It, They Loved It“ (über die Reaktionen der Kritik, mit einem Kubrick-Interview von Joseph Gelmis). VII. „Yesterday’s Tomorrow“ (über den Film 2001 aus heutiger Perspektive). VIII. „Are We Alone?“ (über den Astronomen Frank Drake und die Möglichkeiten eines extraterrestrischen Lebens ). IX. „Film Synopsis“ (eine ausführliche Inhaltsangabe). Die Texte sind kenntnisreich und lesenswert. Überwältigend ist das Bilderangebot. Immer wieder gibt es ausklappbare Seiten, die das Format verdoppeln. Die technische Qualität ist hervorragend. Kleine Bilder in der Marginalspalte der Texte verweisen bereits auf die großen Bilder. Der Autor hatte natürlich Zugang zum Stanley Kubrick Archiv. Dort kann man – wie die Leserinnen und Leser – über dieses Buch glücklich sein. Mehr zum Buch: 2001_a_space_odyssey.htm

Memorials

2015.MemorialsHans Dieter Schaal hat vor zwanzig Jahren die Aus-stellung „Kino * Movie * Cinéma“ im Martin-Gropius-Bau gestaltet und fünf Jahre danach die Ständige Ausstel-lung des Film-museums Berlin. Die Zusammenarbeit mit ihm war wunderbar, ich habe sehr viel von ihm gelernt. Bei der Lektüre seines jüngst erschienenen Buches „Memorials – Betrachtungen über Denk-Male in unserer Zeit“ wurde mir wieder klar, wie reflektiert sein Blick auf die Geschichte ist. Es geht um die Erinnerung und wie sie sich im 20. Jahrhundert und im gerade begonnenen 21. verändert hat. Die Medien – zuerst das Kino, dann das Fernsehen und inzwischen das Internet – sorgen für eine Präsenz der Geschichte. In zwölf Kapiteln wird das von Schaal konkretisiert. Er beginnt mit einem Rückblick auf den ersten Medienwechsel, die Fernsehrevolution. Es folgt der zweite Medienwechsel mit Gedanken zu den zukünftigen Denkmälern der Computer- und Internetrevolution. Im Zentrum steht das Kapitel über „Neue Museen“, in dem u.a. das Centre national d’art et de culture Georges-Pompidou in Paris, das Museumsufer in Frankfurt am Main, das Museum of Modern Art in New York, das Deutsche Historische Museum in Berlin, das Deutsche Museum in München, das Guggenheim Bilbao Museoa, das Phaeno Science Center in Wolfsburg, das MAXXI-Museo nazionale delle Arti del XXI secolo in Rom, die BMW Welt in München und das Auditorio de Tenerife in Santa Cruz von Schaal sehr persönlich beschrieben und konzeptionell eingeschätzt werden. Ein eigenes Kapitel ist den Vergnügungsparks von Walt Disney gewidmet. Dann geht es um Denkmäler des Konsums, um Autos als Denkmäler und „Denkmalsersatzobjekte“ (mit einem Verweis auf die Filmgeschichte), um Denkmäler der Landschaftszerstörung, um Erinnerungen an das Atomzeitalter und den 11. September und schließlich um Denkmäler des kosmischen Fernwehs. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Friedhöfe. Schaal hat eine große Fähigkeit, uns mit all diesen Schauplätze in ihrer Bedeutung und, in manchen Fällen, auch in ihrer Trivialität zu konfrontieren. Die zahlreichen Abbildungen sind hilfreich. Ich bin beeindruckt. Mehr zum Buch: Schaal_Memorials.pdf

BLACKOUT – ANATOMIE EINER LEIDENSCHAFT (1979)

2015.DVD.BlackoutWenn zwei so unter-schiedliche Menschen aufeinander treffen wie die spontane, unbe-rechenbare Amerikanerin Milena Flaherty und der kühle, scheinbar stabile Psychoanalytiker Alex Linden, dann kann es schnell um Leben und Tod gehen. Milena wird zu Beginn des Films im Koma ins Krankenhaus gebracht und dort – wie wir am Ende erfahren – erfolgreich operiert. Alex hat den Krankenwagen angefordert. Was zuvor geschah, wird in einem langen Verhör durch den ermittelnden Inspektor Netusil aufgeklärt. Eine gewisse Rolle spielt auch noch der Ehemann von Milena, der in Bratislava wohnt. Hauptschauplatz des Films ist Wien in den 1970er Jahren. Die Stadt wird beeindruckend ins spannende Spiel einbezogen. Nicolas Roeg experimentiert gern mit Hilfe der Montage. Zeiten und Orte wechseln in großer Geschwindigkeit. BAD TIMING ist der Originaltitel des Films. In der Tat passiert hier vieles zur falschen Zeit. Und immer wieder wird der Operationssaal mit der um ihr Leben kämpfenden Milena in die Abläufe eingeschnitten. Drei Darsteller dominieren den Film: Art Garfunkel als Alex Linden, Theresa Russell als Milena Flaherty und Harvey Keitel als Inspektor Netusil, der vor allem in der zweiten Hälfte die Führungsrolle übernimmt. Ein spannender Film mit vielen schockierenden Momenten. Bei Koch Media ist jetzt in der Reihe „Masterpieces of Cinema“ die DVD des Films erschienen. Der sehr kluge Text im Booklet stammt von Christoph Huber. Mehr zur DVD: masterpieces_of_cinema_dvd/

Gefangen in der Kinohöhle

2015.Kinohöhle kleinEine Dissertation aus Biele-feld. Malte Strathmeier reflektiert in seiner inter-disziplinären Untersuchung die Stärken des Kinos, das die Zuschauer wie Platons Höhle betreten und in dem sie nicht nur unterhalten werden, sondern viele neue Erkenntnisse gewinnen können. Der Autor geht bei seinen interessanten Thesen von einem „Skeptischen Szenario“ aus. Das ist für ihn: „Eine angenommene Situation (ein bedenklicher Entwurf), die eine skeptische Hypothese (Ich kann nicht wissen, ob ich gerade träume) ausbuchstabiert. In einem skeptischen Szenario mit starken Kriterien wird eine Person derart über das Wesen der Welt getäuscht, dass sie keinerlei Möglichkeit hat, zu erkennen, was wahr ist und was nicht. Sie wird also allumfassend getäuscht, hat die gleichen Wahrnehmungserfahrungen wie jetzt und kann zwischen diesen nicht unterscheiden. Ihre Überzeugungen sind alle falsch. In einem skeptischen Szenario mit schwachen Kriterien kann die Person die Täuschung durchschauen und dadurch über ihre epistemische Situation Wissen erlangen.“ (Glossar, S. 245). Als Filmbeispiele dienen vor allem amerikanische Filme: eXistenZ (1999) von David Cronenberg, THE SIXTH SENSE (1999) von M. Night Shyamaian, THE MATRIX (1999) von den Wachowiak Geschwistern, VANILLA SKY (2001) von Cameron Crowe, IDENTITY (2003) von James Mangold und natürlich INCEPTION (2010) von Christopher Nolan. Die Publikation unternimmt einen gedanklichen Drahtseilakt zwischen Film und Philosophie. 24 Abbildungen in guter Qualität. Cover: „Kinohöhle“ von Ralf Schlüter. Mehr zum Buch: www.aisthesis.de/ (dort nach dem Titel suchen).

Internet-Blog zum Filmerbe

2015.Helmut HerbstSeit 1. September steht der Internet-Blog www.kinematheken.info im Netz, der von dem Filmemacher Helmut Herbst und dem Film-kritiker Daniel Kothenschulte verantwortet wird. Er widmet sich allen Fragen, die mit dem Erhalt des Filmerbes verbunden sind. Herbst und Kothenschulte sind frei von institutionellen Bindungen und Interessen, sie handeln und schreiben aus einem persönlichen Engagement. Sie haben eine kritische Position zu den bisher bekannt gewordenen Plänen der deutschen Kulturpolitik, wie sie in den letzten Monaten in zahlreichen Interviews und Statements verlautbart worden sind. Das wird deutlich im „Vorspann“ von Helmut Herbst, in seiner Stellungnahme zu einem PWC-Gutachten zur „Kostenabschätzung zur digitalen Sicherung des Filmischen Erbes“ im Auftrag der FFA (mit einer Replik von Rainer Rother), in dem Text „Ausgrabungsstätten für die Zukunft“ von Daniel Kothenschulte, in den Hinweisen „Zur Kassationspraxis“ von Dirk Alt. Provokant wirkt ein kurzer Film mit brennendem Nitromaterial unter dem Titel „FIAF Code of Ethics“ und der einkopierten Frage „Was wird aus unserem Filmerbe?“. Das alles ist auf der Website unter der Rubrik „Positionen“ zu finden. Hilfreich sind die Erklärungen im „Glossar“ zu Begriffen wie Archivfeste Speichermedien, Blu-ray (BD), DCP, Duplikatfilme, easyDCP, Essig-Syndrom, Farbauszüge (YCM/RGB), FIAF – Code of Ethics, Film-Scanner, HDTV, Klima-Bedingungen für die Film-Archivierung, Langzeitsicherung, LTO, Nitro-Filme, Obsolenz und digitale Medien, Umkopierung von Nitrofilmen und deren Kassation, Vinegar-Syndrome. Dass die Seite schön gestaltet ist, wird viele User besonders erfreuen. Über den Namen der Website wird der Deutsche Kinematheksverbund nicht glücklich sein. Aber er war frei.

Tim Burton

2015.Tim Burton 2Im Max Ernst Museum Brühl ist seit Mitte August (und noch bis zum 3. Januar 2016) die Ausstellung „The World of Tim Burton“ zu sehen. Sie ermöglicht einen Blick in seine Werkstatt mit vielen Entwürfen, die in seinen Filmen oft ganz anders gestaltet wurden, mit Zeichnungen, Gemälden, Fotografien, Skulpturen, Puppen und bewegten Bildern. Der Katalog zur Ausstellung ist bei Hatje Canz erschienen. Die Texte sind zweisprachig (deutsch und englisch), die Abbildungen faszinieren durch ihre fantastischen Ideen. Zu lesen sind ein Geleitwort vom Vorsitzenden des Vorstandes der Stiftung Max Ernst, Jürgen Wilhelm, ein Vorwort vom Direktor des Max Ernst Museums, Achim Sommer, eine Einführung in die Ausstellung von der Kuratorin Jenny He, ein kurzes, sehr persönliches Statement von Tim Burton, ein Gespräch mit ihm, das Achim Sommer und Patrick Blümel geführt haben, und eine Biografie, die Patrick Blümel zusammengestellt hat. Zu sehen sind ausgewählte Werke in hervorragender Reproduktion, die uns in der Tat „die Welt“ von Tim Burton vor Augen führen. Ich schätze seine Filme sehr, vor allem EDWARD SCISSORHANDS, MARS ATTACKS!, BIG FISH und ALICE IN WONDERLAND. Wenn ich es schaffe, werde ich mir die Ausstellung in Brühl noch anschauen. Felicitas Kleiner hat in der letzten Nummer des Film-Dienstes eine schöne Rezension geschrieben. Mehr zur Ausstellung: the_world_of_tim_burton.html . Mehr zum Buch: 6536-0.html

Frank Sinatra

2015.SinatraEigentlich waren es ja zwei Karrieren, die Frank Sinatra (1915-1998) gemacht hat: eine als Sänger und eine als Schauspieler. Er hat mich auf der Leinwand zuerst als Angelo Maggio in FROM HERE TO ETERNITY von Fred Zinnemann beeindruckt, dann als Kartenspieler Frankie Machine in THE MAN WITH THE GOLDEN ARM von Otto Preminger und als erfolgloser Schriftsteller Dave Hirsch in SOME CAME RUNNING von Vincente Minnelli. Als Sänger habe ich ihn nie life erlebt. Die Biografie von Johannes Kunz, „Frank Sinatra und seine Zeit“, informiert vor allem über seine Karriere als Sänger. Das Auf und Ab hält einen als Leser ganz schön in Bewegung. Die Fakten dominieren dabei über die Interpretationen und Charakterisierungen. Natürlich spielt auch das Privatleben eine große Rolle – und sein politisches Engagement. Er war zeitlebens Mitglied der Demokratischen Partei, unterstützte aber seit den 1970er Jahren die Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Vor zwanzig Jahren ist bei Heyne die Biografie „Frank Sinatra – I did it my way“ von Deborah Holder erschienen. Das Buch von Johannes Kunz ist eine aktuelle Variante, die mit seinem Tod endet. Der Anhang enthält eine Lebenschronik, eine Diskographie, eine Filmographie und eine Bibliographie. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: frank-sinatra.html

Ulli Lommel

2015.LommelIm August 1977 landete der deutsche Schauspieler und Regisseur Ulli Lommel, der zuvor zahlreiche Filme mit Rainer Werner Fassbinder realisiert hatte, in New York. Eigentlich war nur ein Aufenthalt von einer Woche geplant. Daraus wurden drei Jahre, in denen Lommel u.a. zwei Filme mit Andy Warhol drehte: BLANK GENERATION und COCAINE COWBOYS. Das Buch „Factory Made“ doku-mentiert Filmfotos und Polaroid-Aufnahmen aus jener Zeit. In zehn kurzen Texten erinnert sich Lommel an die Zusammenarbeit mit Warhol: „Paris to N.Y.“, „Jackie O.O.O.“ , „Warhol and Burroughs at the Chelsea“, „The Penis Game“, „Death in Rio“, „MM“, „The Andy Warhol in You“, „Warhol in Hollywood“, „Warhol Breaks Rules“ und „My Warhol Legacy“. Eine schöne Hommage. Mehr zum Buch: buch.php?ID=724

Frauen- und Männerbilder im Kino

Bild 3Jean Cocteaus LA BELLE ET LA BêTE (1946) ist für viele Interpretationen offen. Der Herausgeber Andreas Hamburger, Professor für Psycho-logie, verbindet ihn mit Genderkonstruktionen. Drei grundsätzliche Essays leiten den Band ein. Hamburger referiert über Frauen- und Männerbilder im Kino. Der Psychologe Wolfgang Mertens definiert Möglichkeiten und Grenzen der psychoanalytischen Filminterpretation. Und der Herausgeber konkretisiert das Thema in seinem Text zur Motivgeschichte und Filmpsychoanalyse von Cocteaus LA BELLE ET LA BêTE. Er ist mit rund 50 Seiten der umfangreichste Beitrag. Dann geht es zunächst um „The Beauties“ in zwei Texten von Andrea Sabbadini („La Belle, la Bete et la Rose“) und Christine Kirchhoff („’You can’t say no to the Beauty and the Beast…’ Oder: Ein Ende und kein schönes Biest“). Und schließlich um „The Beasts“ in den Beiträgen der Psychoanalytikerin Marianne Leuzinger-Bohleber („Es war einmal … die Schöne und die Bestie. Ein surrealistischer Überlebensversuch im Jahr 1946?“) und des Filmwissenschaftlers Andreas Rost („Animalische Erotik und gezähmte Wildheit. Sehnsüchtige Frauen im Bestiarium der Filmgeschichte“). Rost erweitert das Spektrum der Filmbeispiele; bei ihm kommen noch L’ÉTERNEL RETUR von Jean Delannoy, KING KONG von Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack, DRACULA von Francis Ford Coppola, AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON von John Landis, CAPE FEAR von Martin Scorsese, WILD AT HEART von David Lynch und die Neuverfilmung des Cocteau-Films von Christoph Ganse (2014) ins Spiel. Und immer wieder ist in den Texten von der „Krise der Männlichkeit“ die Rede, einem Schauplatz der Psychoanalyse. Mehr zum Buch: products_id/2446

ICH WILL MICH NICHT KÜNSTLICH AUFREGEN

2015.DVD.Künstlich aufregenDies war sein Abschlussfilm an der dffb, gefördert von rbb und medienboard berlin-branden-burg. Sein Thema: Kultur-förderung, Geld, Demokratie. Martin Linz (Buch, Regie, Schnitt) erzählt von den Problemen der Kuratorin Asta Andersen (gespielt von Sarah Ralfs), deren Ausstellungs-projekt „Das Kino. Das Kunst“ nicht gefördert wird, nachdem sie sich in einem Radio-Interview kritisch über die Medienlandschaft geäußert hat. Sie holt sich Hilfe bei einem indischen Freund, ihre Mutter (gespielt von Hannelore Hoger) legt ein gutes Wort für sie beim Bundespräsidenten Gauck ein, und am Ende verspricht ihr die Berliner „Oberkulturinzensentin“ (gespielt von Nina Tecklenburg) einen positiven Förderungsbescheid. Das klingt wie eine Satire, wirkt aber über weite Strecken durchaus ernst. In die erzählte Geschichte dringen viele authentische Momente ein, zuletzt sind es Aufnahmen von der 20. Lärmdemo gegen Verdrängung, sinkende Löhne und Rassismus im August 2013 am Kotti. Es gibt zahlreiche mediale Erinnerungen zu sehen und zu hören: an Rainer Werner Fassbinders Serie ACHT STUNDEN SIND KEIN TAG (ihre politische Botschaft zur Primetime wird mit Bewunderung rekapituliert), an die amerikanische Sitcom SEINFELD (sie wird in einem Dialog präsent gemacht), an Tarkowskijs Film SOLARIS (Asta sitzt neben einem Projektor, der den Film auf eine Leinwand projiziert), an die WOCHENSCHAU II der dffb (sie wird in einem Ausschnitt als Beispiel für ein Online-Archiv deutscher Hochschulen gezeigt). Texte von Adorno und Brecht werden zitiert, Protagonisten des integrativen Theaters RambaZamba haben intensive Szenen, und die Kleidung von Asta weckt Assoziationen an die Fashion Week. Auch von der Innenausstattung der Akademie der Künste am Hanseatenweg ist viel zu sehen. Also: ein Berlin-Film mit einer eigenen Handschrift. Bei der Filmgalerie 451 ist jetzt die DVD erschienen. Zum Bonus-Material gehört die Webserie DAS OBERHAUSENER GEFÜHL (2012). Mehr zur DVD: kunstlich-aufregen/