Frauen, die wir lieben

2015.FrauenFünfzig Männer schreiben über ihre Verehrung für internatio-nale Filmdiven: Schriftsteller, Journalisten, Fotografen, Maler, Schauspieler, Filmemacher, ein Sänger, ein Cartoonist, ein Koch. Freddy Langer, Redakteur der FAZ, hat das Buch vor sieben Jahren im Elisabeth Sandmann Verlag herausgegeben, jetzt ist es, um einige Porträts gekürzt, als Insel Taschenbuch erschienen. Die Texte sind nach dem Alter der Autoren geordnet, beginnend mit Marcel Reich-Ranicki (über Käthe Gold), endend mit Jan Costin Wagner (über Johanna ter Stege). Viermal (von dem Fotografen F. C. Gundlach, dem Schauspieler Vadim Glowna, den Schriftstellern Robert Menasse und David Wagner) gilt die Verneigung Romy Schneider. Sie ist damit die Königin. Ich nenne einige Texte, die mir besonders gut gefallen haben: Stefan Moses über Marianne Hoppe, Robert Lebeck über Shirley Temple, Hans Traxler über May Whitty, Volker Schlöndorff über Delphine Seyrig, Harry Rowohlt über Eleanor Bron, Joachim Sartorius über Monica Vitti, Otto Waalkes über Marilyn Monroe, Bernd Eilert über Cathérine Deneuve, Horst Wackerbarth über Jane Russell, Klaus Hoffmann über Hildegard Knef, Gero von Boehm über Charlotte Rampling, Harald Krassnitzer über Doris Day, Alexander Osang über Gina Lollobrigida, Albert Ostermaier über Brigitte Bardot, Jonathan Meese über Scarlett Johansson. Eine originelle Idee, mit vielen Abbildungen. Mehr zum Buch: 36114.html

Wim Wenders und Peter Handke

2015.Wenders:HandkeWim Wenders (*1945) ist ein international anerkannter deutscher Filmemacher. Peter Handke (*1942) gilt als einer der bekanntesten österreichischen Autoren. Sie sind seit 1969 befreundet. Nach einem Drehbuch von Handke entstand der Kurzfilm 3 AMERIKANI-SCHE LP’S. Dann verfilmte Wenders 1971 die Handke-Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“. Werner Köster untersucht in seiner Publikation die Elemente, die sie verbinden. Mit vielen theoretischen Verweisen geht es im ersten Kapitel um die Theoriebezüge des Handke-Diskurses und um die begriffslose Wahrheit des Films bei Wenders. Dann widmet sich der Autor den stilistischen Aspekten der Intermedialität in Handkes Werkeröffnung („Zeigen“ versus „Sagen“). In seinen drei Hauptkapiteln analysiert er die Wenders-Filme DIE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER („Wie verfilmt man Versprachlichung?“), FALSCHE BEWEGUNG („Die germanistische Gattungs­konstruktion ‚Bildungsroman’, literarischer Minimalismus und artifizielle Filmsprache“) und DER HIMMEL ÜBER BERLIN („Invertierte Wiederauferstehung als vertikales road-movie“). Wenn man an den theoretischen Ansprüchen des Autors nicht verzweifelt, vermittelt der Text interessante Informationen. Die Analysen sind sehr konkret und genau. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: wim-wenders-und-peter-handke.html

FROM HERE TO ETERNITY

2015.From Here to EternityIn der Reihe der „BFI Film Classics“ ist kürzlich ein Band über den Film FROM HERE TO ETERNITY (1953) von Fred Zinnemann erschienen. Die Autorin, J. E. Smith, Historikerin an der University of Warwick, hat vor zwei Jahren ein beeindruckendes Buch über den Regisseur publiziert (fred-zinnemann/). Die Verfilmung des Romans von James Jones war für Zinnemann ein wichtiges Projekt. Er hatte mit Burt Lancaster, Montgomery Clift, Frank Sinatra, Deborah Kerr und Donna Reed herausragende Darsteller zur Verfügung, bekam allerdings Probleme mit dem Columbia-Chef Harry Cohn, der viel Geld und Prestige in den Film investierte. Die Autorin erzählt die spannende Produktionsgeschichte, bei der es vor allem um die angemessene Darstellung von Sex und Gewalt ging. Der Film spielt bekanntlich im Sommer 1941 in einer Infanterie-Kompanie auf Hawaii. Zu seinen Höhepunkten gehört die Auseinandersetzung zwischen einem sadistischen Sergeanten (gespielt von Ernest Borgnine) und dem Soldaten Angelo Maggio (Frank Sinatra), die für Maggio tödlich endet. Oft zitiert wird die Liebesszene zwischen Burt Lancaster und Deborah Kerr am Strand. Irritiert hat mich das farbige Cover des Buches, denn der Film ist ein später Klassiker des Black and White. Sein deutscher Titel hieß VERDAMMT IN ALLE EWIGKEIT. Mehr zum Buch: bfi-classic.html#.VsyOyyiJbV4

Dress for Success

2015.Edith HeadSie war die erfolg-reichste Kostüm-bildnerin Hollywoods, entwarf Kleider für mehr als tausend Filme und gewann acht Oscars. Edith Head (1897-1981) ist eine Legende. 1967 publi-zierte sie ihr Buch bei Random House, 2009 wurde es vom Victoria and Albert Museum in London neu aufgelegt und jetzt ist es – erst-mals – in der Reihe „EdenBooks“ in deutscher Sprache erschienen. Auch wenn sich Stil, Geschmack und Umgangsformen in den letzten fünfzig Jahren geändert haben, „das kleine Buch für die erfolgreiche Frau“ enthält noch immer interessante Hinweise mit vielen originellen Details. Die 13 Kapitel tragen die Überschriften: Die richtige Kleidung für Erfolg im Beruf. – Die richtige Kleidung, um sich einen Mann zu angeln…und ihn zu behalten. – Wie Sie Ihre Familie erfolgreich kleiden. – Wie man eine erfolgreiche Garderobe aufbaut. – Wie Sie erfolgreich jünger wirken. – Wie Sie Ihre Figur analysieren. – Wie man Farbe erfolgreich einsetzt. – Erfolgreiche modische Tarnung. – Die Erfolgsdetails Ihrer Garderobe oder: Accessoires verleihen dem Outfit Würze. – Die „Geheimnisse des Erfolgs“ oder: Unter der Oberfläche. – Wie man erfolgreich einkauft. – Tabellen für die Basis-Garderobe. – Nichts ist so erfolgreich wie Erfolg. Als Co-Autor fungierte Joe Hyams. Die Illustrationen stammen von Edith Head, die Übersetzung von Yasemin Dincer. Mehr zum Buch: dress-for-success/

Meine Bilanz der Berlinale

Bildschirmfoto 2016-02-20 um 23.20.01Der italieni-sche Doku-mentarfilm FUOCOAM-MARE von Gianfranco Rosi (auf dem Foto zusam-men mit der Jury-Präsiden-tin Helen Mirren) ist gestern Abend mit dem Goldenen Bären als bester Film der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet worden. Er erzählt in berührenden Bildern vom Leben und Sterben auf der Insel Lampedusa. Die Entscheidung der Jury ist vertretbar. Für ein eigenes Urteil habe ich in diesem Jahr zu wenige Filme im Wettbewerb gesehen. Vier Filme im Forum haben mir besonders gut gefallen: DIE GETRÄUMTEN von Ruth Beckermann, LANDSTÜCK von Volker Koepp, RUDOLF THOME – ÜBERALL BLUMEN von Serpil Turhan und VERFLUCHTE LIEBE DEUTSCHER FILM von Dominik Graf und Johannes F. Sievert. Leider habe ich Ulrike Ottingers Film CHAMISSOS SCHATTEN nicht in meinem Zeitplan unterbringen können. Ich werde ihn bei nächster Gelegenheit nachholen. Da ich die Filme der Retrospektive fast alle in den letzten Jahren gesehen habe, war ich im CinemaxX 8 nur am letzten Tag zur Vorführung von FRÄULEIN SCHMETTERLING von Kurt Barthel, den ich noch nicht kannte und in seiner „Unfertigkeit“ sehr spannend fand. Ich hoffe, dass in den nächsten Wochen einige Filme, die ich versäumt habe, in unseren Kinos zu sehen sein werden. Zuerst werde ich mal den Eröffnungsfilm HAIL, CAESAR! der Coen Bros. nachholen.

VERFLUCHTE LIEBE DEUTSCHER FILM

2016.Klaus LemkeGestern hatte im Programm des Forums der Berlinale der Film VERFLUCHTE LIEBE DEUTSCHER FILM von Dominik Graf und Johannes F. Sievert Premiere. Er wirft einen provokanten Blick zurück in die westdeutsche Kinoszene der 1950er, 60er, 70er Jahre. Die ersten zehn Minuten des Films haben mich genervt, weil sie hektisch geschnitten sind und wie ein Thesen-Labyrinth wirken. Aber dann entsteht – vor allem durch die beeindruckenden Interviews – ein Sog, der die Zeitreise sehr spannend macht. Es geht um die Körperlichkeit im deutschen Film, um den Dualismus von Kunst und Kommerz, um Genres, um die Entschleunigung der Produktion durch die Ansprüche der westdeutschen Förderungsinstitutionen. Im Mittelpunkt stehen die Filmemacher Roland Klick, Klaus Lemke (Foto) und Roger Fritz, die von ihren Erfahrungen in der Zeit nach dem „Oberhausener Manifest“ 1962 erzählen. Als Zeitzeugen sind die Schauspieler Mario Adorf und Werner Enke, die Schauspielerinnen Gisela Hahn und Christiane Krüger und der Produzent Peter Berling sehr präsent. Mit sehr pointierten Kommentaren kommen die Filmhistorikerin Lisa Gotto, die Filmkritiker Rainer Knepperges und Olaf Möller und der Filmemacher Stefan Lukschy zu Wort. Filmausschnitte erinnern uns u.a. an italienische Filme jener Jahre, die wir fast vergessen haben, aber auch an SUPERMARKT von Roland Klick, BRANDSTIFTER von Klaus Lemke und MÄDCHEN MIT GEWALT von Roger Fritz. Nach 90 Minuten wirkt das Filmende abrupt. Aber es wird, in einigen Monaten, einen zweiten Teil geben. Ich bin sehr gespannt. Mehr zum Film: verfluchte-liebe-deutscher-film/

DER MÜDE TOD

Bildschirmfoto 2016-02-19 um 11.14.48Der Film von Fritz Lang aus dem Jahr 1921 ist jetzt digital restauriert worden. Er wurde im Rahmen der Reihe „Berlinale Classics“ zunächst mit Livemusik im Friedrichstadt-Palast gezeigt und dann auch auf Arte gesendet. Ich habe ihn gestern im CinemaxX 8 gesehen, war vom Film selbst (natür-lich) und von der Restaurierung sehr beeindruckt, fand die Musik grenz-wertig, weil der Ton im Kino übersteuert war. Wenn demnächst eine DVD erscheint, werde ich mir den Film noch einmal anschauen, um die Musik von Cornelius Schwehr besser beurteilen zu können. Die Murnau-Stiftung hat zur Präsentation des Films eine kleine Broschüre publiziert, deren Lektüre ich empfehle. Vor allem der Text von Anke Wilkening, die für die Restaurierung verantwortlich war, ist lesenswert. Aber auch der Beitrag von Nina Goslar zur Musik, die zeitgenössischen Textdokumente und die Abbildungen haben mir gefallen. Es gibt die Broschüre auch in englischer Sprache.

Ehrenbär für Michael Ballhaus

2016.BallhausHeute wird der Kameramann Michael Ball-haus (er nennt sich lieber „Director of photography“) mit dem Ehrenbären der Berlinale ausgezeichnet. Er ist inzwi-schen 80 Jahre alt, hat weit über hundert Filme fürs Kino und fürs Fernsehen gedreht und u.a. mit Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff und Peter Lilienthal, mit Mike Nichols, Francis Ford Coppola und Martin Scorsese zusammengearbeitet. Wir kennen uns seit 1969, als er Dozent an der DFFB war und ich dort als Studienleiter fungierte. Wir haben uns nie aus den Augen verloren, sein Hauptwohnsitz war immer Berlin, 2002 haben wir ihm im Filmmuseum eine kleine Ausstellung gewidmet, 2006 war ein „Pate“ in dem Film AUGE IN AUGE, den ich damals mit Michael Althen realisiert habe. Natürlich hat er dort auch das Zustandekommen der 360°-Fahrt in MARTHA geschildert und seine Bewunderung für Fassbinder ausgedrückt, mit dem er 15 Filme gedreht hat. 2012 bekam er den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises. Und es gibt drei schöne Publikationen über ihn: das Buch von Tom Tykwer, „Das fliegende Auge“, das Heft 30 der Film-Konzepte (2013/05/michael-ballhaus/) und seine Autobiografie, die er mit Claudius Seidl zusammen verfasst hat (mein Filmbuch des Monats April 2014: michael-ballhaus/). Ich freue mich auch persönlich sehr, dass Michael heute Abend im Berlinale-Palast den Ehrenbären bekommt und gratuliere ihm dazu herzlich.

LANDSTÜCK von Volker Koepp

2016.Koepp 1In seinem neuen Film, der heute im Forum der Berlinale Premiere hat, zeigt Volker Koepp die Veränderun-gen in der Uckermark in den letzten Jahrzehnten. LANDSTÜCK widmet sich Menschen und Landschaften 2015 und schlägt mit Ausschnitten aus Volkers Filmen DAS WEITE FELD (1976) und UCKERMARK (2002) eine Brücke in die Vergangenheit. In den Gesprächen kommen Landwirte, Dorfbewohner – vor allem ältere Frauen – und Umweltschützer zu Wort, die viel zu erzählen haben. Es sind lustige und auch traurige Lebensgeschichten. Viele bäuerliche Familienbetriebe haben sich auf ökologischen Anbau umgestellt. Aber parallel konkurrieren Großinvestoren mit Monokulturen und Tiermastbetrieben, die das Landschaftsbild verändern. Der Biologe und Agrarwissenschaftler Michael Succow informiert über die Konsequenzen. Man spürt, wie eng Volker mit dieser Region verbunden ist. Hinter der Kamera stand diesmal nicht Thomas Plehnert, sondern Lotta Kilian, die beeindruckende Bilder geschaffen hat. Wichtig ist auch der Ton: die Geräusche haben eine erstaunliche Präsenz, und die Musik von Ulrike Haage steigert die Intensität der Bilder. Für mich ist dieser Film einer der bisherigen Höhepunkte der Berlinale. Mehr über den Film: LANDSTUECK_ph_Web.pdf

Deutschland 1966

2014.Haro SenftZur Retrospektive gehören nicht nur die Vorführungen der Filme, sondern auch Gespräche mit Zeitzeugen und Experten. Heute diskutieren Claudia Lenssen, Klaudia Wick, Bert Rebhandl und Ralf Schenk über Aufbruch und Umbruch 1966. Morgen sprechen Volker Schlöndorff und Wolfgang Kohlhaase, moderiert von Rainer Rother, über ihre persönlichen Erfahrungen im Filmjahr 1966. Hochkarätig besetzt ist die Runde am Montag. Da treffen Regina Ziegler, Hans-Dieter Grabe, Günter Rohrbach und Georg Stefan Troller aufeinander und erinnern sich – moderiert von Klaudia Wick – an das Fernsehjahr 1966. Am kommenden Donnerstag geht es unter dem Titel „Ein anderer Blick – ein anderes Bild“ um „Frauen vor und hinter der Kamera“. Auf dem Podium sitzen dann – moderiert von Claudia Lenssen – Jutta Hoffmann, Jeanine Meerapfel und Helke Sander. Foto: Bruno Ganz in dem Film DER SANFTE LAUF von Haro Senft. Der Regisseur ist vor wenigen Tagen verstorben. Mehr zu den Gesprächen: veranstaltungen/2016