Weiße Helden im Film

Eine Dissertation, die im Pro-motionsfach Amerikanistik an der Universität Hamburg entstanden ist. Lima Sayed beschäftigt sich darin mit Rassismus und Weißsein im US-Kino der 2000er Jahre. In ihrem theoretischen Teil klärt sie Begriffe und setzt sich mit wichtige Theorien auseinander, schildert den Weg von Rassis-mus zu Whiteness. Vier filmische Analysen stehen im Mittelpunkt der Untersuchung: CRASH (2004) von Paul Haggis, MONSTER’S BALL (2002) von Marc Foster, GRAN TORINO (2008) von Clint Eastwood und THE VISITOR (2007) von Thomas McCarthy. Die Analysen sind detailliert und richten ihr Augenmerk natürlich vor allem auf die Haupt- und Nebenfiguren. Das filmische Wissen und Verständnis der Autorin ist beeindruckend. Ihre Analyseergebnisse fokussiert sie unter Gesichtspunkten wie: Phantasie von Gleichwertigkeit – Weiße Norm und nicht-weiße Divergenz – Dialoge: Subjektivität / Objektivität – Handlungsspielräume und Bewegungsfreiheiten – Leid und die Verhandlung von Problemen – Weiße Figur im Mittelpunkt. Eine umfängliche Bibliografie und Sequenzprotokolle der vier genannten Filme schließen den Band ab. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: 978-3-8376-4873-7

Hanns Heinz Ewers

Er war ein kreativer, aber in seinen politischen Positionen ambivalenter Autor. Hanns Heinz Ewers (1871-1943) hat Bestseller geschrieben, darunter „Alraune“ (1911), bei der ersten Verfilmung des STUDENT VON PRAG (1913) Regie geführt und 1932 den Roman „Horst Wessel. Ein deutsches Schicksal“ publiziert, der 1933 von Franz Wenzler verfilmt wurde. 1934 setzten die Nazis seine Werke auf eine Verbotsliste. Reinhold Keiner hat 1988 bei Olms erstmals sein Buch „Hanns Heinz Ewers und der Phantastische Film“ publiziert, das 2012 als E-Book bei Media-Net erschienen und jetzt in einer Print-Edition zu lesen ist. Der Autor erschließt das Werk von Ewers vor allem im Blick auf die Filme. In sieben Kapiteln werden ihre Entstehung und Rezeption dargestellt. Der Anhang enthält eine Filmografie und eine Bibliografie. Sie sind auf dem aktuellsten Stand. Mit Abbildungen in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: medianet-edition.blogspot.com

Jenseits der Grenze

Nach den Büchern „Grenzkon-takte“ und „Grenzüberschrei-tungen“ ist dies der abschlies-sende Band der Trilogie „Im Abseits der Filmgeschichte“. Zu lesen sind 20 Essays von Marcus Stiglegger. Ich nenne zehn, die mir besonders gut gefallen haben: „Wir Kinder vom Needle-Park“ (Wie New Hollywood die Drogenszene entdeckte), „A Town Called Hell“ (Clint Eastwoods EIN FREMDER OHNE NAMEN als apokalyptischer Geisterwestern), „Sind Sie außer Gefahr?“ (Der Zahnarzt als Angstfigur im Spielfilm), „Die Invasion der Barbaren“ (Gedanken zur Re-Mythisierung Hollywoods in den 1980er Jahren), „David Cronenbergs filmische BRUT (Psychoanalysen auf dem Weg zum Neuen Fleisch), „Corrida der Liebe unter einer sterbenden Sonne“ (Sadomasochismus und Stierkampf in Pedro Almodóvars MATADOR), „Francos Labyrinth“ (Guillermo del Toros antifaschistisches Märchen PANS LABYRINTH), „Ein Täterfilm“ (MICHAEL von Markus Schleinzer), „Die deutsche Krankheit zum Tode“ (Zum historischen und ästhetischen Kontext des Kompilationsfilms GERMAN ANGST), „Fremdheit erfahren“ (UNDER THE SKIN von Jonathan Glazer). Mit einem Vorwort von Dominik Graf und einem Gespräch zwischen Dominik Graf und Marcus Stiglegger („Plädoyer für das Genrekino“) am Ende des lesenswerten Buches, das wieder im Martin Schmitz Verlag erschienen ist. Mehr zum Buch: Stiglegger/Buch.html

Zwei Karl May-Filmbücher

WINNETOU UND SEIN FREUND OLD FIREHAND (1966) war die letzte Karl May-Produktion von Horst Wendlandt und wurde von Karl May-Fans nicht sehr geschätzt, denn es handelte sich um die Adaption eines amerikanischen Romans. Die Figuren Winnetou und seine Schwester Nscho-tschi wurden vom Drehbuchautor Harald G. Petersson integriert, um den Anschein der Karl May-Nähe zu erwecken. Im Handlungskern wurden Elemente der GLORREICHEN SIEBEN verwendet. Stilistisch wurden Parallelen zum Italo-Western angestrebt. In seinem Vorwort informiert der Herausgeber Michael Petzel über die Produktionshintergründe. Regie führte Alfred Vohrer, als Old Firehand wurde der kanadische Western-Star Rod Cameron verpflichtet. Natürlich waren Pierre Brice und Marie Versini als Winnetou und Nscho-tschi präsent, den Banditen Silers spielte Harald Leipnitz. Das Film-Bildbuch enthält auf 200 Seiten eine detaillierte Schilderung der Handlung und Abbildungen in hervorragender Qualität. Mehr zum Buch:  Winnetou-und-sein-Freund-Old-Firehand

WINNETOU, 1. Teil (1963) ist dagegen ein klassischer Karl May-Film. Regie führte Harald Reinl, die Hauptrollen spielten Lex Barker, Pierre Brice, Mario Adorf und Marie Versini. Es war einer der größten Kassenerfolge des deutschen Films. Bei dem Film-Bildbuch handelt es sich um eine Neuauflage mit 168 Fotos, komplett in Farbe, mit durchweg neuen Motiven. Auch hier stammt das informative Vorwort von Michael Petzel. Mehr zum Buch: Winnetou-1.-Teil 

BÜBCHEN (1968)

Roland Klick wird als Regisseur des Neuen Deutschen Films eher unterschätzt, weil er relativ wenige Filme gedreht und sich schon Ende der 80er Jahre aus der Szene verabschiedet hat. Im Juli feierte er seinen 80. Ge-burtstag. Aus diesem Anlass sind DVD und Blu-ray seines Erstlingsfilms BÜBCHEN erschienen. Die Lakonie, mit der hier eine grausame Geschichte erzählt wird, ist noch immer schockierend. Um ein Betriebsfest zu besuchen, überlässt ein Elternpaar ihrer älteren Tochter Monika die Betreuung der kleinen Tochter Katrin. Monika hat eine Verabredung mit ihrem Freund und vertraut Katrin ihrem Bruder Achim an. Der stülpt ihr am sonnigen Nachmittag eine Plastiktüte über den Kopf und lässt sie ersticken. Die Leiche entsorgt er in einem Auto auf dem Schrottplatz. Als die Familie angetrunken nach Hause kommt, beginnt die Suche nach Katrin. Am Ende wird sie von ihrem Vater in der Maschinerie seines Arbeitsplatzes beseitigt. Alles wird aus der Perspektive der Täter erzählt. Zum Bonusmaterial gehören ein Audiokommentar und ein Interview mit Roland Klick, sowie ein Interview mit dem Darsteller des Achim, Sascha Urchs, der heute unter dem Namen Alexander S. Kekulé als Mikrobiologe tätig ist. Mehr zur DVD: subkultur

ASCHE IST REINES WEISS (2018)

Jia Zhangke gehört zur soge-nannten sechsten Generation der chinesischen Filmregisseure, die ihren Blick vor allem auf die Entwicklung des Landes in den vergangenen zwanzig Jahren richtet. Die Geschichte von ASCHE IST REINES WEISS beginnt 2001. Bin (gespielt von Liao Fan) ist lokaler Gangsterboss in der Arbeiterstadt Datong. Mit seiner Lebensgefährtin Qiao (Zhao Tao) scheint er das Revier gut zu beherrschen, bis ihm zwei Attentäter mit einer Stahlstange das Schienbein brechen. Kurz danach wird er fast zu Tode geprügelt. Qiao hilft ihm und schießt auf die Angreifer. Dafür muss sie für fünf Jahre ins Gefängnis. Bin verzichtet auf jeden Kontakt. Nach ihrer Entlassung findet sie ihn in der Region des Drei-Schluchten-Damms, wo er als Geschäftsmann arbeitet. Sie trennen sich. Ein paar Jahre später ist Qiao Clanchefin in Datong. Bin kehrt im Rollstuhl zu ihr zurück. Sie pflegt ihn, aber sie liebt ihn nicht mehr. Die Geschichte wird auf elliptische Weise erzählt, Eisenbahnen spielen eine große Rolle zur Überwindung von Entfernungen, die gesellschaftlichen Umbrüche in China sind sehr präsent. Als ich den Film im Kino gesehen habe, war ich sehr beeindruckt. Jetzt ist bei good!movies die DVD erschienen, die ich unbedingt empfehle. Mehr zur DVD: Weiß&searchcnid=-1

Die 100 schlechtesten Filme aller Zeiten

Seit sechs Jahren gibt es auf Tele 5 die Sendereihe „SchleFaZ“, die von dem Comedian Oliver Kalkofe und dem Satiriker Peter Rütten präsentiert wird. Jetzt haben die beiden für den Riva Verlag eine Auswahl zusammengestellt, die sie in ihrem Vorwort als „Scheißfilm-Gurken“, „Kackstreifen“ oder „Kinokadaver“ bezeichnen. Ich habe in ihrem Mülleimer in der Tat keinen Film gefunden, den ich vor ihrem Schmäh in Schutz nehmen möchte. Allerdings kenne ich die meisten Titel auch nicht. 53 kommen aus den USA, beginnend mit ABRAHAM LINCOLN VS. ZOMBIES (2012) von Richard Schenkman, endend mit dem Musical XANADU (1980) von Robert Greenwald. Dies sind die Titel aus Deutschland: DANIEL DER ZAUBERER (2004) von Ulli Lommel, DER LETZTE LUDE (2003) von Stephen Manuel, DIE BRUT DES BÖSEN (1979) und DIE TODESGÖTTIN DES LIEBESCAMPS (1981) von Christian Anders, DIRNDLJAGD AM KILIMANDSCHARO (1983) von Franz Marischka, HAUSFRAUENREPORT 3. Teil (1972) von Eberhard Schröder, ICH – EIN GROUPIE (1970) von Erwin C. Dietrich, IM DSCHUNGEL IST DER TEUFEL LOS (1982) von Harald Reinl, LIBERO (1973) von Wigbert Wicker, MACHO MAN von Alexander Titus Benda, MAX UND MORITZ RELOADED (2005) von Thomas Frydetzki und Annette Stefan, MUSIK, MUSIK – DA WACKELT DIE PENNE von Franz Antel, PUDELNACKT IN OBERBAYERN (1969) von Hans Albin und Hans Billian, SUNSHINE REGGAE AUF IBIZA (1983) von Franz Marischka und WENN DIE TOLLEN TANTEN KOMMEN (1970) von Franz Josef Gottlieb. Zu jedem Film gibt es einen kurzen Dialog der beiden Autoren, eine knappe Inhaltsangabe, Hinweise auf einige „Trivia“, Angaben zu Regie und Produktion, eine Auflistung von Rollen und Darstellern. Mit vielen Abbildungen. Die meisten Titel stammen aus dem Horror-Bereich. Mehr zum Buch: die-100-schlechtesten-filme-aller-zeiten/. Mehr zu SchleFaZ: tele5.de/schlefaz/?ve_id=1634770

Im nächsten Leben: Komödie

Im März konnte Volker Schlön-dorff seinen achtzigsten Ge-burtstag feiern. Josef Schnelle hat ihm aus diesem Anlass eine Sendung im Deutschlandfunk in der Reihe „Lange Nacht“ gewid-met und jetzt ein Buch publi-ziert, das sich als sehr lesens-wert erweist. Auf den ersten 80 Seiten erschließt ein Essay Leben und Werk des Regisseurs, der über 30 Filme realisiert hat und zu den international sehr geachteten Protagonisten des Neuen Deutschen Films gehört. Die elf Kapitel tragen die Überschriften „Ein Mann mit Eigenschaften“ – „Weltbürger mit Blechtrommel“ – Der französische Freund“ – „Homo Politicus“ – „Seelenverwandtschaften“ – „Filmmusik als Operninszenierung“ – „Mehr Licht – die Kameraleute“ – „Die ‚Dichter des Films’ – die Schauspieler“ – „Meister der Literaturverfilmung“ – „13 Szenen – ein Metafilm“ – „Betrachtungen eines Gesamtkunstwerks“. Im zweiten Teil ist ein Gespräch dokumentiert, das Josef Schnelle im Oktober 2018 mit Volker Schlöndorff geführt hat. Man kann es sich unter https://bit.ly/2YOTkY9 anhören. Abgeschlossen wird der Band mit einer Filmografie und tabellarischem Lebenslauf. Mit vielen Abbildungen in guter Qualität. Erschienen im Schüren Verlag. Mehr zum Buch: schloendorff-im-gespraech.html

Leben, Schreiben, Atmen

Heute beginnt die Frankfurter Buchmesse. Da ist es nahe-liegend, ein Buch über das Schreiben zu empfehlen. Es stammt von der Filmemacherin und Autorin Doris Dörrie, ist im Diogenes Verlag erschienen, verfolgt pädagogische Absichten und liest sich wie eine assozia-tive Autobiografie. Fünfzig Kapitel, 270 Seiten. Ich nenne einige Überschriften: Einkaufen – Schreiben und lesen – Lügen – Jemand anders sein – Wir lernen uns kennen – Sterben – Telefon – Der Moment – Ich erinnere mich – Ich erinnere mich nicht – Japan – Ein Tag – Medizin – Einsamkeit und Fische. Einem längeren Text zum Thema folgen jeweils (kursiv) Empfehlungen fürs Schreiben. Die einzelnen Geschichten sind meist spannend, manchmal auch komisch, führen uns oft in die Jugend der Autorin und überraschen durch die Zeitsprünge. Ich kenne Doris seit über 40 Jahren, finde die meisten ihrer Filme und Bücher sehens- und lesenswert, auch das jetzt publizierte. Sie möge noch lange tätig sein. Mehr zum Buch: 9783257070699.html

STAR WARS

Andreas Rauscher hat im Alter von acht Jahren im Sommer 1982 den ersten STAR WARS-Film gesehen, der seine Liebe zum Kino ausgelöst hat. Inzwischen ist er Professor für Medienwissenschaft an der Universität Siegen. In einem gerade erschienenen Band der Reihe „100 Seiten“ des Reclam Verlages erschließt er Hinter-gründe und Quellen des STAR WARS-Mythos der vergangenen 42 Jahre. Nach der Original-Trilogie – KRIEG DER STERNE (1977), DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (1980) und DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER (1983) – sind inzwischen drei Prequels (DIE DUNKLE BEDROHUNG, 1999, ANGRIFF DER KLONKRIEGER, 2002, DIE RACHE DER SITH, 2005) und zwei Sequels (DAS ERWACHEN DER MACHT, 2015, DIE LETZTEN JEDI, 2017) entstanden. Im Dezember soll DER AUFSTIEG SKYWALKERS in die Kinos kommen. Natürlich beginnt Rauscher seine Mythengeschichte mit dem Erfinder George Lucas, verweist auf dessen frühe Filme THX 1138 und AMERICAN GRAFFITI, sieht Quellen für Ideen bei Akira Kurosawa und Stanley Kubrick, nennt das Laserschwert einen der genialsten Einfälle der Saga und widmet der „Heldenreise“ eine lange Passage. Ein Exkurs behandelt die zeitgenössischen Videospiele. Dann beschreibt der Autor die drei Prequels und die drei Sequels. Er äußert sich auch zu den zwei Stars Wars Stories ROGUE ONE (2016) und SOLO (2018). Vor allem SOLO von Ron Howard hält er für unterschätzt. Am Ende des 100-Seiten-Büchleins geht es um „Feuilleton und Fans“, auf den Seiten 101 und 102 gibt es Lektüretipps. Das Buch ist nicht nur STAR WARS-Fans sehr zu empfehlen. Mit Abbildungen und Infografiken. Mehr zum Buch: Star_Wars__100_Seiten